Okay danke, guck ich mir an.
Welche Herangehensweise haben die zum Thema?
Für ein Projekt sammle ich Material zum Thema Psyche, insbesondere psychische Herausforderungen, im Bereich Pen&Paper Rollenspiel.
Gab es ein Probensystem, oder wurde der Wahnsinn einfach nur festgestellt / erzählerisch beschrieben?
••Depression
You are constantly struggling with depression, which is only
worsened by dejection and discouragement. Whenever facing
personal setbacks, roll +0:
(15+) You remain in control.
(10–14) You experience temporary anxiety, decreased self-confidence,
or lack of will. You take −1 to your next roll.
(–9) You succumb to the sense of hopelessness or blame and
punish yourself; reduce Stability (−2). Your lethargy and
self-destructive urges do not go away until you numb your
depression with medicine, drugs, or alcohol.
Ich sage Unknown Armies. Ich glaube das Thema hat kein anderes Spiel so dermaßen brauchbar in Regeln gegossen.I second that!
Gab es ein Probensystem, oder wurde der Wahnsinn einfach nur festgestellt / erzählerisch beschrieben?
Magst du welche aufzählen?
Und wie werden sie spielmechanisch abgehandelt?
Bericht zum Selbsthilfetag 2026 - Workshop: Pen&Paper&Psychosen
Vorab: Nach dem Selbsthilfetag 2025 wurde mir angetragen: Vielleicht machst du nächstes Jahr einen Workshop? Darauf ich: Zu welchem Thema denn? - Zum Beispiel Jonglieren? Das war mir dann irgendwie doch zu sportlich, also kam mir der Gedanke, etwas zu meiner Freizeitbeschäftigung, Fantasy Rollenspiel. Das schien tragfähig, also habe ich übernommen etwas zum Thema Fantasy Rollenspiel und Wahnisinn zu erarbeiten.
Ab August habe ich mich an die Recherche gemacht, in Foren gefragt, in meiner Erinnerung gekramt, mein Bücherregal gesichtet. Immer wieder kommt, neben vielem anderen, auch das Thema Wahnsinn ins Spiel. Mit unterstützung von ChatGPT habe ich dann das Konzept für meinen Vortrag entwickelt.
Dann kam also der große Tag und ich durfte neben Organisation und praktischen Aufgaben mein Projekt vor insgesamt drei Zuhörern präsentieren.
Einleitung: Was ist Pen&Paper Rollenspiel? Vielen Psychiatrieerfahrenen ist das therapeutische Rollenspiel ein Begriff. Beim Pen&Paper geht es aber weniger darum, eigene Konkrete Erfahrungen aufzuarbeiten, sondern man erlebt eine Geschichte. Hierzu werden Heldenfiguren ausgearbeitet, oft mit Zahlenwerten, Etwa Mut, Stärke oder Klugheit. Diese Helden werden von den Spielern dargestellt. Eine Eigenheit des Pen&Paper Rollenspiels ist, das es einen Spielleiter gibt, dieser führt keinen eigenen Helden, sondern Präsentiert die Geschichte und die Spielwelt.
Disclaimer: Die erlebten Geschichten können den Beteiligten nahe gehen, und die Spielwelten sind sehr detailliert ausgearbeitet, daher hat es sich eingestellt das vorab über Trigger gesprochen wird; Themen die nicht ausgespielt, sondern höchstens kurz erwähnt werden. Dieser Punkt ist mir persönlich wichtig da ich schon erlebt habe wie Spieler sich in diesen Fantasiewelten verloren haben. Daher habe ich auch darauf hingewiesen und auch erwähnt, das ich auf die Themen Missbrauch und Tod eingehen werde.
Spielpraxis: Am Spieltisch sieht es so aus das hauptsächlich gesprochen wird. Der Spielleiter beschreibt die Szenerie die Heldengruppe erklärt die Reaktion der Spielfiguren, auch Charaktere genannt. Hier der Ursprung des Begriffes "NPC" von Non Player Character im Unterschied zu "PC" Player Character; Leute die ihr Leben in die Hand nehmen und welche die nur Nebenrollen ausfüllen :) Im Laufe der Erzählung kann es dann zu Situationen kommen in denen der Ausgang ungewiss ist. Hier kommen dann die oben genannten Zahlenwerte ins Spiel die mit den Ergebnissen unterschiedlicher Würfel (Polyheder) zum Beispiel mit 20 Seiten verglichen werden, zum Beispiel Mutprobe im Kampf, oder Klugheitsprobe um eine Täuschung zu durchschauen. Einen Satz dieser Würfel habe ich dann auch im Vortragsraum präsentiert.
Zu den Spielsystemen: Ich habe eine Liste von Spielsystemen mitgebracht in denen die Idee Wahnsinn vorkommt.
Das Schwarze Auge – Es gibt schlechte Eigenschaften der SC, zum Beispiel Höhenangst, Raumangst, Angst vor Magie und weitere.
Shadowrun – Der Wert Essenz, der die verbliebende Menschlichkeit abbildet und sinken kann wenn der Charakter seine Fähigkeiten mit Cyberware genannten Technischen Implantaten verbessert (etwa die Möglichkeit sein Gehirn direkt mit dem Weltweiten Computernetzwerk, Matrix genannt zu verbinden).
Bluebeards Bride – Die Gruppe besteht nur aus Bräuten die bis auf eine Auserwählte alle sterben.
Everyone is John – Im Unterschied zu anderen Systemen spielen alle nur einen gemeinsamen Charakter und müssen sich absprechen wie dieser nun agiert.
Cthulhu – Ein Horrorrollenspiel in der Welt von H. P. Lovecraft. Bei Kontakt mit dem Übernatürlichen Mythos sinkt der Wert Geistige Stabilität und führt die SC schrittweise in den Wahnsinn, oft in Form von Phobien.
Auf ein System bin ich detaillierter eingegangen. Ein Spiel aus der Reihe World of Darkness / Welt der Dunkelheit – Wraith: The Oblivion.
Die Spielwelt besteht allgemein aus einer Version der 1990er Jahre mit dem Unterschied dass übernatürliche Wesen etwa Vampire oder eben Wraiths existieren. Diese Wraiths sind Verstorbene, die im Leben wichtige Dinge unerledigt zurückgelassen haben und nun in einer Nebenwelt existieren. Die Beschreibungen der Spielwelt, verschiedenen Fraktionen / Machtgruppen, und der Mechaniken zu den Fähigkeiten der verstorbenen nahmen dann auch eine Zeit des Vortrags ein.
Die Entscheidung für den Fokus auf Wraith war deswegen gefallen, weil ich vor einigen Jahren auf einen Beitrag in einem Spielforum gestoßen war in dem eine Spielerin schilderte dass ihr das Spielen beim aufarbeiten von erlebten Psychosen half.
Die Mechanik um die es konkret geht ist das Konzept "Schatten". Das ist die dunkle, selbstzerstörerische Seite der Seele. Diese wird am Tisch von einem Mitspieler übernommen, so das man seine eigene Persönlichkeit darstellt und gleichzeitig einer Mitspieler/in finstere Einflüsterungen gibt. Das kam bei einem Kursteilnehmer mit Rollenspielerfahrung auch sehr gut an.
Nach viel erzählen habe ich dann noch ein bisschen Praxis angefügt. Wir haben zunächst zwei Helden erstellt. Einen Wissenschaftler, der bei einem Laborunfall ums Leben gekommen ist, und einen Bildhauer der sich aus Schuldbewusstsein das Leben genommen hat.
In der Vorbereitung hatte ich auch eine kurze Geschichte um ein Liebespaar die sich in einem Geisterzug treffen ausgearbeitet. Damit konnten wir die beiden Mitspieler dann auch noch in das Medium Rollenspiel einführen. Hier wurde unserem Neuling auch klar wie das ganze Konzept nun wirklich aussieht.
Die vorgesehene Zeit wurde weit überschritten, die Waffeln waren aufgegessen aber ich wurde finanziell gut abgefunden. Eine Teilnehmerin hat viel mitgeschrieben. Ein paar mehr Teilnehmer, vielleicht mit Vorwissen hätte ich mir noch gewünscht. Insgesamt ein gelungener Vortrag. Bei Interesse biete ich ihn vielleicht nächstes Jahr noch einmal an.
Nikolaus
18. März 2026