Tanelorn.net

Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Feuersänger am 25.11.2025 | 22:10

Titel: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Feuersänger am 25.11.2025 | 22:10
In meiner aktuellen Runde habe ich einen komischen Manierismus festgestellt, den ich bei meinen früheren Gruppen zumindest nicht in dem Ausmaß bemerkt habe:
Diese Spieler sagen die Handlungen ihrer Charaktere fast immer im Konjunktiv an.

Also nicht "Ich gehe mal zur Tür" sondern "Ich würde mal zur Tür gehen". Oder wahlweise in 3. Person, "Heinz-Achmed würde mal zur Tür gehen". Ich habe so den Verdacht, das ist primär eine Marotte eines bestimmten Mitspielers, und ein anderer (Anfänger) hat es ihm abgeschaut, und ein Dritter (kein Anfänger) hat sich damit anstecken lassen.
Anfangs habe ich mich selber davon sogar auch noch anstecken lassen und unbewusst genauso gespielt, bis es mir eben aufgefallen ist, und seitdem versuche ich bewusst dies zu vermeiden und einfach im Indikativ zu formulieren.

Ich mein, ich würde ja verstehen wenn man ungewisse Versuche so kennzeichnet, also statt "Ich versuche die Mauer hochzuklettern" eben "ich würde ihm eine runterhauen [wenn ich es denn schaffe]", aber in den meisten Fällen geht es ja gar nicht um solche Unwägbarkeiten, sondern simple Ansagen die an der Stelle nichts mit Proben zu tun haben, etwa "ich würde mal um die Ecke gucken".
Das klingt halt irgendwie so nach hedging, um sich abzusichern wenn der SL sagt "als du da hingehst macht es Klick und du löst eine Falle aus", dass man sagen kann "Ja moment, ich sagte ich WÜRDE, nicht dass ich es tue" -- allerdings hat das nie einer der Spieler abgezogen und ich glaube auch nicht, dass das die Absicht ist.

Wie ist da eure Erfahrung? Kennt ihr den "Rollenspieler-Konjunktiv"? Nervt er euch auch so wie mich? Warum machen manche Spieler das?
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Horsinand am 25.11.2025 | 22:24
Ja, das kenne ich von früher. Ich glaube, es ging den Spielern dann immer darum, ihre geplante Aktion den Mitspielern vorzuschlagen. Allerdings habe ich das eher nicht im Kampf beobachtet, sondern eher bei Heimlichtuereien ;-)
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: ghoul am 25.11.2025 | 22:31
Kenne ich aus dem Kindergartenalter, mit Playmobil oder He-Man-Figur: "Ich tät ihn angreifen".
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Quaint am 25.11.2025 | 22:44
Kenn ich so nicht von meinen Mitspielern und mir.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Torsten (Donnerhaus) am 25.11.2025 | 23:04
Wie ist da eure Erfahrung? Kennt ihr den "Rollenspieler-Konjunktiv"? Nervt er euch auch so wie mich? Warum machen manche Spieler das?

Ich habe darüber vor langer Zeit mal einen Blogartikel geschrieben (https://donnerhaus.eu/blog/das-wuerde-des-menschen-ist-unantastbar/).

In meiner persönlichen Erfahrung geht das ganze Konjunktiv-Gedruckse oft mit Unsicherheit einher. Das kann persönliche Unsicherheit sein, aber auch konditionierte. Die meisten Leute mit der Konjunktiv-Seuche kamen aus Gruppen mit autokratischer Spielleitung, wo nie irgendwas so lief, wie die Spieler sich das gedacht hatten, so das die Unsicherheit vorzuformulieren zur Norm wurde. Das vermeidet dann ja auch Enttäuschungen, wenn man sich eh auf nichts einstellt. Aber ich habe es auch schon oft bei Spielern erlebt, die völlig unvorbelastet ins Rollenspielhobby kamen. Die wussten oft dann aber auch nicht, wieviel Gestaltungsfreiraum sie tatsächlich hatten. Das legte sich dann meistens mit der Zeit.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Eismann am 25.11.2025 | 23:35
Ja, hab ich ab und an erlebt. Ich habs da mit "ok, und was tust du tatsächlich?" gehalten. Aber keine Ahnung, ob das wirklich hilft.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: korknadel am 26.11.2025 | 08:50
Kenne ich aus dem Kindergartenalter, mit Playmobil oder He-Man-Figur: "Ich tät ihn angreifen".

Genau das. Ich glaube, da wirken in der Runde, in der so oft der Konjunktiv vorkommt, unterbewusst noch diese kindlichen Sprachregelungen. Wir haben als Kinder auch immer im Konjunktiv gesprochen, weil wir waren ja nicht selbst Winnetou und Old Shatterhand, aber als Winnetou und Old Shatterhand hätten wir dies und jenes eben getan, und entsprechend waren die Ansagen beim Spielen solcher kindlicher Vorformen des Rollenspiels. Ich vermute sehr stark, dass dieser Mechanismus hier greift und dass der Konjunktiv keine Absicherung sein soll.

Oder die Spielenden sind mit Schwäbisch aufgewachsen, da wird ja auch oft der Konjunktiv statt des Indikativs benutzt. 
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Luxferre am 26.11.2025 | 09:02
Also ICH war Old Shatterhand und habe nicht im Konjunktiv gesprochen.
Gibt es in unserer Runde glücklicherweise auch nicht.

Die Entwicklung könnte man ggfs gesellschaftlich analysieren. Polykrise, Abschwung, Unsicherheiten, Ängste … vielleicht sind wir gerade ein einer konjunktiven Zeit?
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: HEXer [n/a] am 26.11.2025 | 10:20
Möglicherweise wollen sie den Mitspielenden eine Möglichkeit geben, ihre Meinung zu sagen, bevor ein Faktum geschaffen wird?


Oder: Die reden einfach nur ungewöhnlich.

A propos: I see what you did there! ;D


Ich mein, ich würde ja verstehen wenn man ungewisse Versuche so kennzeichnet
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Luxferre am 26.11.2025 | 10:23
A propos: I see what you did there! ;D

Ja, ich war auch ob des Bruches im beginnenden Konjunktiv irritiert  ~;D
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Megavolt am 26.11.2025 | 10:51
Im sanften Franken ist der schonende Konjunktiv auch im normalen Gespräch ganz üblich.

Wenn DCC gespielt wird, untersage ich den Spielern den Irrealis aktiv, und halte dazu an, stattdessen im Realis mit mir zu sprechen (kein Scherz), weil ich ja klar entscheiden muss, wer wann explodiert.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Grey am 26.11.2025 | 10:54
:think: Kann ich soweit nicht bestätigen. Unsere Runden haben eigentlich immer im heroisch entschlossenen Indikativ stattgefunden.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 26.11.2025 | 10:57
:think: Kann ich soweit nicht bestätigen. Unsere Runden haben eigentlich immer im heroisch entschlossenen Indikativ stattgefunden.

Ist auch mein M.O. Aber ich habe schon beobachtet, dass in manchen Situationen der ruckartige Übergang vom Konjunktiv zum exklamatorischen Indikativ ("Ich greif jetzt den verfickten Drachen an, HimmelherrgottDONNERWETTERNOCHMAL!") von Spielerseite ein schönes dramatisches Element war, da hat der behutsame Situationsaufbau durch vorheriges konjunktivisches Rumeiern diesen Klimax erst möglich gemacht.  ;D
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Luxferre am 26.11.2025 | 11:01
Gedanke: "Ich würde jetzt den Drachen angreifen ... wenn die Würfel glücklich fallen."
Vielleicht (!) (  ~;D  ) ist es ja auch eine abwartende Haltung dem Glücksfaktor gegenüber?
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Edgar Allan Poe am 26.11.2025 | 12:55
Ich kenne das tatsächlich und habs durchaus schon häufiger in Runden erlebt. Vor allem in Situationen, in denen die Spieler unsicher waren, was genau sie tun sollen. Ich hab das bestimmt auch selbst schon gemacht.

Ich ignoriere das einfach und mache so weiter, wie üblich. Mich stört das nicht sonderlich. Wenn es den Spielern gut tut, wenn sie vieles eher im Konjunktiv aussprechen ... bitte ... sollen sie.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Luxferre am 26.11.2025 | 14:56
Gedanke II: die Spielenden wollen sich, als Subordinierte, vom MEISTER! ein "Go" abholen, bevor sie handeln.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Boba Fett am 26.11.2025 | 15:25
Meine Gedanken wären, dass
entweder die Spieler unsicher sind und deswegen eine Art verbale-Exit-Strategie fahren.
Frei nach dem Motto "Halt, ich sagte nicht, 'ich gehe durch den Raum'. Ich sagte 'Ich würde...' Tatsächlich würde ich natürlich schleichen..."
oder aber das ist umgangssprachlich Gewohnheit, dass man dem Spielleiter erst mal Aktionen ankündigt, dann vielleicht Dinge wir Proben oder Ini und dergl abwickelt und dann aus der Möglichen Handlung die Tatsächliche Aktion entsteht...
...es gab früher ja mal einige Regelsysteme, die darauf bestanden, dass man erst ankündigt und dann abwickelt.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Feuersänger am 26.11.2025 | 16:03
Gedanke II: die Spielenden wollen sich, als Subordinierte, vom MEISTER! ein "Go" abholen, bevor sie handeln.

Ja, da ist vermutlich sogar (traurigerweise) was dran.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: fivebucks am 26.11.2025 | 16:19
Vielleicht ist es einfach so, dass der Anfang der Anhang: "Wenn ich in der Geschichte wäre." von den Leuten so mitgedacht wird.

Edited
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: HEXer [n/a] am 26.11.2025 | 16:26
Sind die Spielenden eigentlich gefragt worden, warum sie das tun?
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Luxferre am 26.11.2025 | 16:30
Ich WÜRDE davon ausgehen  >;D
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Sir Markfest am 28.11.2025 | 07:59
Wie ist da eure Erfahrung? Kennt ihr den "Rollenspieler-Konjunktiv"?

Kenne ich so gar nicht, ist wohl gar nicht in unserem Sprachgebrauch.
Wenn die Handlung ungewiss ist, sagt man halt "Ich probiere ob ich die Tür knacken kann".
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Sphinx am 28.11.2025 | 08:31
Ja das ist eine merkwürdige Angewohnheit von Spielern wenn sie es immer machen. Die Steigerung an Nervigkeit waren bei mir Spieler die ihre Sätze mit "Man geht mal zur Tür" "Man spricht mal mit dem Barkeeper" gebildet haben. Ich konnte nie raus-finden wer dieser Mann war der da noch mitgespielt hat, bevor wir aus noch viele anderen Gründen getrennter Wege gegangen sind

Im Beispiel von Feuersänger könnte es noch sein das man immer erwartet das was passiert? "Ich würde mal zur Tür gehen, sofern mich nichts davon abhält?"
Ich mache das selbst in manchen Situationen ähnlich: "Ich haue dem Fürst jetzt eine rein, es sei denn mich hält noch jemand auf" Einfach um den Mitspielern die Chance zu geben mit ihrem SC dazwischen zu gehen. Könnte ich auch als "Ich würde dem Fürst jetzt eine reinhauen" ausdrücken.

Oder es ist einfach eine doofe Sprachmarotte :)
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: bobibob bobsen am 28.11.2025 | 08:31
Ich finde das gar nicht so schlimm. Kann ja auch noch was passieren (z.B. Falle auslösen) und wenn man als Spieler unsicher ist ob man dann die Handlung seiner Figur so durchziehen will.
Nerven tut mich dann eher wenn Spieler fragen was bei Handlungen erfolgsversprechender ist.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Leonidas am 28.11.2025 | 09:16
Ich habe eine Spielerin, die dergestalt formuliert. Sie ist vom Typus skrupelloser Powergamer und dominant, nicht (erkennbar) unsicher. Ob bzw. inwiefern das zusammenhängt, weiß ich nicht.

Als SL fand ich diese Art zu formulieren auch erst irritierend, nehme solchen Konjunktiv aber inzwischen einfach als konkrete Handlungsansage.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Nord-Nerd am 28.11.2025 | 10:34
Ich hatte gelegentlich Spieler am Tisch, die ich dann auch fragte, ob das Absicht ist oder nicht. Erklären konnten sie es nicht - scheint also irgendwie eine Marotte zu sein. Jedes Mal also, wenn sie es taten ("Ich würde dann aufs Dach klettern" oder "ich würde denn jetzt meine Klinge ziehen" usw.), zitierte ich Yoda: "Tue es oder tue es nicht!"  >;D Also "zwang" ich die Spieler dazu, praktisch ein "Ausrufezeichen" hinter ihren Absichten zu setzen, was auch gut funktionierte. Meine Beobachtungen waren auch, dass es sich, zumindest bei mir, um unerfahrene oder unsichere Spieler handelte. Der von ihnen genutzte Konjunktiv wirkte daher für mich immer wie ein Fangnetz.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 28.11.2025 | 10:54
Kleine linguistische Exkursfrage an Fachleute:
Gibt es eigentlich Sprachen, in denen kein Konjunktiv benutzt wird?
Wäre dann ja perfekt fürs Rollenspiel.  :)
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Luxferre am 28.11.2025 | 11:32
Russisch - alles Gesagte ist die Wahrheit und Fakt.

 >;D
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: 1of3 am 28.11.2025 | 12:00
Kleine linguistische Exkursfrage an Fachleute:
Gibt es eigentlich Sprachen, in denen kein Konjunktiv benutzt wird?

Jede Sprache wird die Möglichkeit haben, Sicherheit bzw. Unsicherheit in das Gesagte auszudrücken, Vorschläge mit verschiedenen Graden von Bestimmtheit zu unterbreiten usw.. Gleichlautende Aussagen kannst du für jedes kommunikative Befürfnis formulieren. Alle natürlichen Sprachen können alles sagen, was Menschen so sagen wollen. Wie sie das tun kann sich aber erheblich unterscheiden.

Man kann z.B. schon fragen, ob "ich würde gehen" ein Konjunktiv ist. Morphologischer Konjunktiv ist "ich ginge". Natürlich macht es das selbe, eben nicht mit einer Stammänderung, sondern mit einem Hilfsverb. Du kannst natürlich auch so Partikel in den Satz machen. "Ich geh wohl zur Tür." Andere Strategien könnten sein, das Verb zu deverbalisieren, also was im Deutschen Infinitive sind. "Zur Tür gehen?" (Im Deutschen nur als stimmlich markierte Frage.)
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 28.11.2025 | 12:11
Wäre dann vielleicht mal interessant, sich ein Fantasyvolk auszudenken, dass weder mental noch grammatikalisch sowas wie einen Konjunktiv hat. Alles ist nichthypothetisch!  ^-^
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Kurna am 28.11.2025 | 12:16
Ich bin Groot.  :)
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 28.11.2025 | 12:29
Nee, biste nicht!
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: nobody@home am 28.11.2025 | 12:39
Russisch - alles Gesagte ist die Wahrheit und Fakt.

 >;D

Ah. Der Kreml-Dialekt. >;D
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Smoothie am 28.11.2025 | 12:58
ich höre es auch gelegentlich, meist nicht bei mir am Tisch, sondern in Streams.
Ich denke tatsächlich, dass Boba recht hat mit
"oder aber das ist umgangssprachlich Gewohnheit, dass man dem Spielleiter erst mal Aktionen ankündigt, dann vielleicht Dinge wir Proben oder Ini und dergl abwickelt und dann aus der Möglichen Handlung die Tatsächliche Aktion entsteht..."

Vermutlich alles gebrannte Kinder, die oft schon solche Situationen erlebt haben.
SC: ich mache den Computer an und suche nach den Daten zu XXX und lade sie runter.
SL: der Computer hat keinen Strom, du musst erstmal die Stromversorgung wieder herstellen. Drei Proben und eine Vierteslstunde später... Der Computer fährt jetzt hoch, er verlangt ein PW. Drei Proben und eine Viertelstunde später... Mach mal eine Datensuchprobe.... Du findest nix.

Für mich ist das Sprechen im Konjunktiv klar ein Zeichen dafür, dass die SC keine Selbstwirksamkeit in der Welt spüren. Alles, auch kleines muss erst von der SL genehmigt werden. Ist vermutlich eine angelernte Spielweise...
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Edgar Allan Poe am 28.11.2025 | 14:07
Russisch - alles Gesagte ist die Wahrheit und Fakt.

 >;D

Wird in meinen Spielrunden schon seit Jahren gelebt.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: nobody@home am 28.11.2025 | 14:41
Ach ja -- zumindest meiner Erinnerung nach ist mir so ein Konjunktiv tatsächlich noch nie untergekommen. (Oder wenn doch, dann ist er zumindest nicht hängengeblieben; klingt allerdings vom gewohnt-"normalen" Sprachgebrauch hinreichend weit weg, daß mir das einigermaßen unwahrscheinlich erscheint.)

Was ich allerdings schon kenne, sind öfters mal schlichte Fragen nach Details oder zur Rückversicherung. Und ich vermute so ein wenig, daß Spielleitungen, die sich in genau solchen Fällen gerne geheimnisvoll geben oder sonstwie um klare Antworten herumdrücken, einer entsprechende Also-ich-würde-ja-wenn-Ausdrucksweise durchaus aktiven Vorschub leisten könnten (;))...
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Grey am 28.11.2025 | 14:47
Für mich ist das Sprechen im Konjunktiv klar ein Zeichen dafür, dass die SC keine Selbstwirksamkeit in der Welt spüren. Alles, auch kleines muss erst von der SL genehmigt werden. Ist vermutlich eine angelernte Spielweise...
:think: Da habe ich jetzt doch eine andere These. Andauerndes Sprechen im Konjunktiv erscheint mir eher wie ein Anzeichen für mangelnde Identifikation mit dem Charakter. Ungefähr so: "Ich würde mein Schwert ziehen [wenn ich wirklich dieser Krieger wäre]."

Spontan vermute ich dahinter gesellschaftlich anerzogene Hemmungen. Im Alltag führt es ja eher zu Irritationen, wenn sich jemand hinstellt und so tut, als wäre er jemand anders. Außer Schauspielern auf der Bühne (bzw. vor der Kamera) macht das kaum jemand, daher fühlt es sich für die meisten Leute wahrscheinlich einfach komisch an, derlei in einer ganz normalen Freizeitsituation zu tun; erst recht, wenn du die Mitspieler vielleicht noch gar nicht richtig kennst und Angst hat, dass sie glauben, du wärst wirklich so.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: General Kong am 28.11.2025 | 15:53
Dieses Phänomen ist mir nch nie untergekommen.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: SigmundFloyd am 29.11.2025 | 12:48
Ich mache das öfters. Keine Unsicherheit, keine traumatischen Spielerfahrungen. Höchstens (implizite) Rücksichtnahme und Anerkennung davon, dass meine eigene Agenda nicht die einzige am Tisch ist. Es ist ähnlich wie "Ich würde gern beim Italiener bestellen" - drückt das Gleiche aus wie "Ich will beim Italiener bestellen", lässt aber mehr Raum dafür, dass die Mitbestellenden andere Wünsche haben.
Vielleicht würde ich ja gerne mit meinem SC die Tür eintreten, aber die Mitspielenden haben etwas dagegen. Vielleicht möchte die SL lieber erst eine andere Szene spielen. Vielleicht passiert zwischen der Absicht meines SC und der Umsetzung (SC tritt die Tür ein) noch etwas, so dass es zu dieser nicht kommt.

In Zukunft werde ich es vermutlich zusätzlich verwenden, um Sprachpolizisten herauszufiltern und aus meinen Runden zu kicken  ~;D
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Clawdeen am 29.11.2025 | 13:18
Das war zumindest vor 10+ Jahren so ein Ding auf der Drachenzwinge, das immer mehr Leute übernommen haben. Auch mit der von Sphinx erwähnten Steigerung von "Man würde dann mal". Unfassbar nervig für mich, galt aber irgendwie als besonders cool, wenn man so gesprochen hat. Ich habs nie verstanden.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Torsten (Donnerhaus) am 29.11.2025 | 13:25
Bei manchen habe ich es auch schon kippen sehen vom Konjunktiv in völlig wirren Mist, wo dann die vage Andeutung einer hypothetisch denkbaren Aktion sofort relativiert wurde, sobald die Person, die womöglich die Spielfigur kontrolliert haben könnte, auch nur im Ansatz merkte, dass die Idee, die sie eben noch butterweich andeutete, womöglich nicht von Erfolg gekrönt sein könnte…

Oder Kurz: Schwammig beschrieben und dann sofort Rückzieher gemacht. "Ich sagte ja nur ich WÜRDE das dann wohl mal machen". Schaurig.

Und richtig seltsam wird es ja auch, sobald man das dann als Spielleiter mitmacht. Dann weiß wirklich niemand mehr, was denn nun eigentlich geschieht.
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Feuersänger am 29.11.2025 | 14:47
Kann man ja mal probieren -- "Ich würde dann mal in die Schatzkammer teleportieren". Wenn der SL es durchwinkt, hat man Glück gehabt, wenn er "Moment mal, seit wann kannst du an unbekannte Orte teleportieren?" kann man immer noch sagen "Oh gar nicht, ich sage ja nur ich WÜRDE".   >;D

Was ich zum Glück noch nie erlebt habe, ist dieses "Man würde dann mal". Das klingt ja abscheulich! Da würde ich in der Tat auch einschreiten, ob als Spieler oder SL. "Wer ist Man? - Dann sag das auch."
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Albrun Gebikung am 10.12.2025 | 10:47
Ja, den Konjunktiv kenn ich. Meist von unsicheren neuen Spieler, die entweder nicht regelfest genug sind, zu wissen, ob die geplante Handlung überhaupt geht oder weil sie sich tatsächlich noch nicht so richtig trauen, In-Character zu gehen. Das kostet anfangs ja schon etwas Überwindung.
Manchmal ist es auch der Versuch, sich von anderen Spielern beraten zu lassen, ob das eine gute Idee ist. Und vielleicht sogar eine Taktik, um dem SL eine Reaktion zu entlocken, aus der man ablesen kann, ob das jetzt clever ist oder nicht..
Titel: Re: Der Rollenspieler-Konjunktiv
Beitrag von: Feuersänger am 10.12.2025 | 14:36
Bei uns geht es erfreulicherweise merklich zurück. In der gestrigen Sitzung ist mir kein einziges "ich tät mal" über "ich würd mal" aufgefallen.