Akt I
- Zeit des Zorns -
Der Bote
Ihr standet zusammen. Nachdem Hirngar die schwere Bürde übernommen hat Silgra dem Tod zu übergeben, auf das sie ihrem Ehemann nach Helgard folgen konnte brauchtet ihr euch. Ein Gedanke welcher sich immer wieder in Hirngars Kopf festsetzte war, wer würde Miris Schicksal sein sollte der tollpatschige, unreife Huld eines Tages ob durch Feindeshand oder Unglück sterben. Doch er verdrängte diese düsteren Schatten. Gylfi und Aeryn brachten ihm alles bei was er über die Gesellschaft, Sitten und Gebräuche in zivilisierten Gegenden wissen musste. Oktar tat sein übriges in dem er euch von einer Handelsvertretung zur nächsten mitnahm, euch einem Empfang nach dem anderen bescherte und ihr so viel Zeit hattet euch in den Sitten und Gebräuchen der Wildlande zu üben. In der Stadt und den angrenzenden Ländereien wart ihr bekannt als „die Freunde aus dem Westen“ und ein jeder wollte euch kennen lernen. Ihr die Ehrengäste von Oktar Grimme, ihr die ihm die Axt seines Ziehsohns zurückgebracht hattet, ihr die ihr das Schicksal von Silgra geworden seid.
Oktar selbst verbrachte jetzt viel Zeit mit euch, zeigte euch die Sehenswürdigkeiten und war immer greifbar oder ansprechbar. Er genoss eure Gegenwart und versuchte alles euch den Aufenthalt so angenehm wie möglich zu machen. Gylfi konnte die Bibliothek nach belieben nutzen um an seinen Sagas zu arbeiten oder um Hirngars Bitte nachzukommen nach einer Schrift über die ungezähmten Jahre zu suchen, wie Miri es ihm aufgetragen hattet und ihr fandet eine. Im letzten Regal, ein in dunkles Leder gebundenes Buch das auf dem Einband keinen Titel trug und doch in seinem Inneren eine Abhandlung über die finstere Zeit der ungezähmten Jahre enthielt. Ein weiterer Vers der Prophezeiung konnte in dem Buch gefunden werden, der da lautete:
With my death,
the Black Sun shines,
in approching darkness,
omens of the apocalypse
follow.
Aeryn lernte viel über das Benehmen von Damen und insbesondere über das Verhältnis von Konkubinen zu ihren Herren, wobei Lise die deutlich aufgeschlossenere der beiden Schwestern war. Aus den Gesprächen mit den Frauen und Dienern des Hauses Grimme konnte sie noch etwas erfahren. Rendre war einst ein Wulfr gewesen, sogar ein direkter Sohn von Raak, der ermordete Ask war sein Onkel. Doch Rendre wurde aus dem Clan verbannt, hatte er doch zu oft eine der Dienerinnen geschwängert und so seinen Vater eins ums andere Mal brüskiert. Schlussendlich wurden ihm alle Rechte und Titel aberkannt und er aus dem Gebiet der Wulfrs verjagt. Oktar nahm sich seiner an und behandelte ihn wie seinen eigenen Sohn.
Über den Weg nach Wretguard lernte die Elfe, dass die erste Station auf dem Weg in den Norden Hallwind war. Die Festung und Sitz des Saatigia Clans. Sieben Tagesreisen zu Pferd würden es sein durch sanfte Hügel und weite Felder. Der Bau der Festung Hallwind hatte über 150 Jahre gedauert und nur die Saatigias konnten es sich leisten Generation um Generation Unmengen an Geld für das Vorhaben auszugeben. Das Ergebnis war die stärkst und beeindruckendste Stadt und Festungsanlage in den Wildlanden. Allein die im Zentrum gelegen Festung hatte einen Durchmesser von über 150 Schritt. Dort würde man euch sicherlich mit offenen Armen empfangen.
Hinter Hallwind würde Nordhalle euer nächstes Ziel sein, ein Außenposten der Saatigias, welcher das Ende der Zivilisation ankündigte. Nordhalle war schon mehr eine gesetzlose Stadt, überfüllt mit gestrandeten Minenarbeiten und all jenen welche am Ende vom Kupferrausch ihr Hab und Gut nicht sichern konnten oder ihr Einkommen verloren. Oktar warnte euch, dass der Ort gefährlich war und die wenigen Stadtwachen welche die Saatigias dort hatten öfters weg- als hinsahen.
Von Nordhalle aus waren es vielleicht drei bis vier Tagesreisen hin zu den Dunkelwäldern welche auf dem Weg nach Wretguard lagen und nicht umgangen werden konnten. Das Land hinter Nordhalle war ein von Banditen und Gesetzlosen durchzogener Landstrich in dem das Recht des Stärkeren herrschte und man gut daran tat Fremden zu misstrauen. Die Dunkelwälder selbst konnte man in fünf bis sechs Tagen durchreisen und musste danach noch für gut zwei Tage dem alten Pfad folgen um Wretguard zu erreichen. Der letzte Teil der Reise würde vorbei an Mooren und versandeten Gewässern führen.
Gylfi lernte viel über die Sagas der Wildlande und über die Geschichte wie der Kupferrausch entstand und Gier die Herzen der Menschen übermannte. Wie viele reich wurden und doch alles verloren weil sie bis zu letzte nicht glauben wollten, dass die Adern erschöpft waren und der Reichtum versiegte. Zu den Ereignissen im verfluchten Wald konnte er nur Gerüchte und Halbwahrheiten finden. In ihm reifte die Erkenntnis, dass seit geraumer Zeit welche bis weit vor den Kupferrausch reichen mochte niemand den Wald lebend verlassen hatte. Aber auch hier in den Wildlanden gab es die Saga das ein Elf den Wald mit Samen aus Soj angelegt hatte und das dieser Wald einen bösen, verschlagenen Drachen anzog der von dem Schwert Alpdeed erschlagen wurde. Das Blut des Wurms triefte jedoch so vor Niedertracht, dass es langsam und schleichend über Aonen den Wald vergiftete und ihm zu dem machte was er heute war.
Ansonsten konnte er es sich gut gehen lassen und ihm wurde kein Wunsch verwehrt, regelmäßige Bäder, auch in Gesellschaft, Duftöle, Massagen und Rasuren waren immer möglich. Es hatte eindeutig seine Vorteile wie ein Fylkjarl behandelt zu werden und den reichsten Mann der Sturmlande seinen Freund nennen zu dürfen.
Oktar bleibt gebrochen und alleine in der Halle der Runen zurück während ihr eure Reisevorbereitungen trefft. Die Entscheidung fällt darauf einen Wagen mitzunehmen, Proviant, Futter für die Pferde und ein trockener Platz zum Schlafen sprechen einfach ihre eigene Sprache. Das Wetter ist deutlich schlechte als noch zu eurer Reise nach Storhavn und da hattet ihr den Luxus ein Schiff zu nehmen. Es wird noch kurz diskutiert ob man nicht erneut ein Schiff nehmen sollte um nach Jordek zu segeln, aber der Weg von Jordek nach Hallwind war nur um wenige Wegstunden kürzer und nicht so gut ausgebaut wie der Kupferweg. Eine Schiffsreise bis ganz in den Norden in das Gebiet des Blauaxtclans fiel aus. Dort würde man euch nicht mit offenen Armen empfangen und mit dem schlechter werdenden Wetter wurde auch die See unsicherer, so blieb es beim Kupferweg.
Sote erhielt eine erste Wundversorgung nachdem seine Strafe wegen der Überbringung der schlechten Nachrichten beendet worden war, aber gut ging es dem Sklaven nicht. Ihr konntet euch die Schmerzen schwerlich ausmahlen und er war für die nächsten Wochen eurer Führer. Genauso im Sattel wie ihr, den Wagen lehnte er ab und ritt auf seinem eigenen Pferd.
Bepackt und mit einem Ersatzpferd ausgestattet verliest ihr früh am nächsten Morgen Storhavn, eure Zeit als Jarls war vorbei. Der harsche Alltag der Straße hatte euch wieder und die Vorzeichen eurer Reise waren so düster wie die bleigrauen Wolken welche tief über dem Land hingen. Eiskalter Regen peitschte euch von Norden entgegen als würde das Land oder etwas in ihm nicht wollen das ihr kommt. Nur dem Kupferweg war es zu verdanken, dass ihr trotz aller Widrigkeiten gut vorankamt. Die Straße war ein Meisterwerk und selbst jetzt nach Jahren der Vernachlässigung noch immer gut zu befahren. Vor eurem inneren Auge könnt ihr die Wagenladungen an Kupfer sehen welche auf diesem Weg aus dem Norden kamen und die Gegend reich gemacht haben. Viel reicher als es ein so verlassener wilder Landstrich eigentlich hätte sein sollen. Jetzt jedoch war der Kupferweg so gut wie leer und nur das Unwetter war euer ständiger Begleiter.
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