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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Rollenspieltheorien => Thema gestartet von: Zed am 10.01.2026 | 18:12

Titel: Was bedeutet für Dich „moderne" RPG-Mechanik?
Beitrag von: Zed am 10.01.2026 | 18:12
Es soll in diesem Thread um "moderne Regelmechaniken" gehen und welche es gibt, nicht um moderne und old-school Spielphilosophien.

Als Aufschlag zu der Frage im Threadtitel könnte die Perplexity-Zusammenfassung eines Threads auf Enworld mit dem Titel "What Do You Think Of As "Modern TTRPG Mechanics"?" (https://www.enworld.org/threads/what-do-you-think-of-as-modern-ttrpg-mechanics.715583/) hilfreich sein:

Zitat
Der Thread diskutiert, was Spielende heute als „moderne“ TTRPG-Mechaniken verstehen, ohne eine starre zeitliche Grenze zu ziehen. Stattdessen wird „modern“ überwiegend qualitativ gefasst, meist im Gegensatz zu älteren, stärker simulationistischen Designs.

Ausgangsfrage
Der Threadstarter fragt, welche Mechaniken als „modern“ gelten, ob es dafür einen historischen Schnitt oder eher qualitative Kriterien gibt.

Weitere Leitfragen sind, ob es „ihrer Zeit voraus“ liegende oder „regressive“ Spiele gibt und ob moderne Mechaniken persönlich wichtig sind.

Häufig genannte Merkmale „moderner“ Mechaniken
Mehr Abstraktion statt detaillierter physikalischer Simulation; als Beispiele werden Ressourcenwürfel (The Black Hack) und Advantage/Disadvantage in D&D 5E genannt.

Stärker narrativ ausgerichtete Systeme: Ereignis‑ statt Aufgabenauflösung, fail forward, mehrere Erfolgsstufen, Playbooks, „clocks“, Metacurrencies/Bennies.

Abgrenzung zu „alt“ bzw. simulationistisch
Ältere Systeme werden als versuchende Simulation physikalischer Realität beschrieben, während moderne Systeme eher Story, Spielfluss oder Spaß priorisieren („Not Simulationist“).

„Modern“ wird häufig mit narrativistischen oder gamistischen Tendenzen verknüpft, während „old school“ eher hart-regelbasierte, simulationistische Ansätze meint.

Historische Einordnung und Beispiele
Einige verorten „modern“ grob ab dem 21. Jahrhundert oder in der Post‑Forge‑Ära („system matters“), betonen aber, dass es heute sowohl moderne als auch „alte“ Designs gibt.

Classic Traveller (Skill-System) und Pendragon werden als Beispiele für Mechaniken genannt, die ihrer Zeit voraus gewesen seien.

Persönliche Bewertungen im Thread
Für manche ist „modern“ eher ein neutraler Designstil; sie schätzen sowohl traditionelle Systeme (z.B. PF2) als auch stark narrative Spiele (z.B. Tales from the Loop).

Andere lehnen viele moderne/narrative oder stark gamistische Mechaniken ab und bevorzugen nur ausgewählte Elemente wie abgestufte Erfolge, während sie Metacurrencies und starke Spielerautonomie kritisch sehen.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Skaeg am 10.01.2026 | 18:49
Ich sehe bei dem von mir nicht unbedingt (zumindest nicht ausschließlich) positiv-wertend wahrgenommenen Archetypen eines modernen Spiels folgende Kern-Regelelemente, die es von dem eines traditionellen Spiels trennen:

1. Charaktere werden mithilfe von Punkteverteilungsystemen gebaut; sie werden nicht ausgewürfelt.

2. Es gibt einen einheitlichen Proben/Würfelmechanismus, der alle Subsysteme durchdringt; es gibt nicht verschiedene Probenarten oder gar verschiedene Würfeltypen für unterschiedliche Subsysteme.

3. Spieler können auf der Metaebene in die Spielerzählung eingreifen; sie sind nicht allein auf das Handeln ihrer Figur innerhalb der Spielwelt beschränkt.

4. Regeln z.B. für Fähigkeiten, Kämpfe, Zauber etc. sind für die Anwendung von Spielercharakteren, die eine idealtypische Abenteuererfahrung im Spiel durchleben, gemacht; sie sind ganz klar nicht Ausdruck der Funktionsweise der Spielwelt.

5. Belohnungs- und Aufstiegsmechanismen werden auf der extradiegetischen Ebene (d.h. zwischen Spielern und SL) ausgemacht; sie sind nicht mechanischer Ausdruck von konkreten intradiegetischen (d.h. innerhalb der Spielwelt) Erlebnissen der Spielfiguren.

Wie gesagt, ist das als Archetyp gedacht, was bedeutet: Kein "modernes Spiel" wird eine reine Form all dieser Regelparadigma zu 100% umsetzen. Aber je mehr es davon erfüllt, desto mehr qualifiziert es sich als modernes Spiel.

Es sollte aber klar sein, dass z.B. Runequest oder Classic Traveller nach dieser, meiner persönlichen, Definition keine "modernen" Spiele sind. Nichtsdestoweniger kann es natürlich auch schon vor der eigentlichen Übergangsepoche zu "modernen" Spielen, die ich in den 90ern sehe, Spiele gegeben haben, die einige oder viele dieser Elemente vorweggenommen haben. (GURPS und Mechwarrior wären zwei, die mir einfielen.)

EDIT: Punkt 5 (hoffentlich) weniger mißverständlich formuliert. 
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Maarzan am 10.01.2026 | 20:04
Ich denke modern ist einfach Werbesprech für was auch immer ein Verlag oder Autor macht, wo er dann  seiner Meinung nach von früheren Systemen positiv abweicht.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: 1of3 am 10.01.2026 | 20:24
Bedeutet für mich bestenfalls Marketing.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: nobody@home am 10.01.2026 | 20:44
Bedeutet für mich bestenfalls Marketing.

Marketing oder alternativ auch Abkanzelung im Sinne von "neumodischer Unfug", je nach vertretener Position.

Denn: das Rollenspielhobby an sich ist mittlerweise auch schon in seinen frühen Fünfzigern, und so viele "revolutionär neue" Mechaniken, die es nicht schon in den ersten (konservativ geschätzt) zehn bis fünfzehn Jahren davon -- also spätestens Mitte bis Ende der achtziger Jahre -- erfunden hätte, gibt es zumindest meiner natürlich ihrerseits einigermaßen subjektiv eingefärbten Erinnerung nach eigentlich gar nicht. Was danach kam, waren hauptsächlich gelegentliche kleine Weiterentwicklungen und Kombinationsversuche von eigentlich bereits Bekanntem.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Maarzan am 10.01.2026 | 20:49
...
Denn: das Rollenspielhobby an sich ist mittlerweise auch schon in seinen frühen Fünfzigern, und so viele "revolutionär neue" Mechaniken, die es nicht schon in den ersten (konservativ geschätzt) zehn bis fünfzehn Jahren davon -- also spätestens Mitte bis Ende der achtziger Jahre -- erfunden hätte, gibt es zumindest meiner natürlich ihrerseits einigermaßen subjektiv eingefärbten Erinnerung nach eigentlich gar nicht. Was danach kam, waren hauptsächlich gelegentliche kleine Weiterentwicklungen und Kombinationsversuche von eigentlich bereits Bekanntem.

Der typische Lebenszyklus von nahezu allem:
Innovation - Evolution - Degeneration.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Zed am 10.01.2026 | 21:06
@Skaeg
Coole, treffende Liste, danke!

Zu starke DnD-Prägung oder zuwenig Spielpraxis? Ich habe auf der Dreieich immerhin 4 Stunden Nimble2e probiert, Daggerheart intensiver angeschaut, sonst aber keine moderne Systeme gespielt, und ich befürchte, ich mag allzusehr abstrahierende Regeln nicht...
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Zouan81 am 10.01.2026 | 21:26
Was modern ist, ist schwer zu beschreiben.

Modern mag zwar sein, dass man heute auf Fertigkeiten nahezu verzichtet, aber ob das wirklich ein positiver Aspekt einen RPG-Systems ist, wage ich fast schon zu bezweifeln.

Es ist einfacher, das Gegenteil davon zu beschreiben:

NICHT modern ist/sind...

1) Regelmechaniken, die sich ZU sehr in Details verheddern oder wo jeder Mist ausgewüfelt werden muss (hat mich bspw. bei Harnmaster schon abgeschreckt, dass die Trefferzonen extra ausgewürfelt werden mussten).

2) Mechaniken, die zu sehr überladen sind und den Spielfluß verlangsamen (DSA lässt grüßen).

3) Charaktererschaffungen bei denen ausgewürfelt werden MUSS, anstatt es lediglich als eine Generierungsoption von mindestens 2 oder 3 anzubieten.

4) Regeln, die zu stark auf das Kämpfen ausgerichtet sind, anstatt erzählerische Aspekte stärker hervorzuheben.

5) Systeme, die mit großen Zahlen arbeiten.

6) Systeme, die sich eher für Computer-RPGs anstelle von PnP eignen.


Die Reihe lässt sich sicher noch fortsetzen, aber mehr fällt mir im Moment nicht ein.


Modern scheint irgendwo auch so ein Marketingbegriff zu sein.

Eigentlich ist "Modern" ja auch ein Subgenre im RPG, genauso wie "Fantasy" oder "Horror".








Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Mr. Ohnesorge am 10.01.2026 | 21:29

5. Belohnungs- und Aufstiegsmechanismen werden auf der extradiegetischen Ebene (d.h. zwischen Spielern und SL) ausgemacht; sie sind nicht mechanischer Ausdruck von konkreten intradiegetischen (d.h. innerhalb der Spielwelt) Erfahrungen der Spielfiguren.


Hast du dafür ein Beispiel?
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Zed am 10.01.2026 | 21:34
Letztlich wäre das wohl auch die Aufstiegsmethode, die meine Gruppe und ich seit Jahrzehnten aus Überzeugung nutzen: Der bedingungslose Aufstieg alle X Spieltage (bei uns: alle 7 Spieltage).

Da wäre ich mal auf der Seite "modern".  :)
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: unicum am 10.01.2026 | 21:42
Hi Zed,...

prinzipiell würde ich schon sagen das dein Kasten das schon irgendwie trifft, alleine sehe ich "modern" da eher wie andere auch so als Marketing; oder vieleicht sogar als Kampfbegriff.

Aber, das letze "Neue" regelwerk von einem großen Verlag das ich mir angeschaut habe das hatte eben nichts wirklich spektakulär neues für mich und ja eigentlich verbinde ich "Modern" ohne irgendwelchen Begriff dahinte mit eben etwas "neuem"- Beispielswiese moderne Autos sind eben keine Verbrenner - wobei auch da es so ist das es zur Ahnfangszeit des Automobiles auch durchaus shcon Elektrowägen gegeben hat waren aber halt chancenlos. Deswegen ist die Methaper für mich hier schon passend. Moderne Rollenspiele sind wie Elektroautos - gabs eventuell schonmal.

Bezüglich "Kampfbegriff" finde ich solche Bezeichner eben genau so - als Kampfbegriff, weil mit Modern schwingt, also zumindest bei mir, immer mit dass die anderen unmodern sind, was eine negative bewertung ist. So sehe ich es eben. Zugestanden es kahm dann auch das OldSchool RPG irgendwann das den "Spieß" umdrehte aber eben auch nicht unbedingt wirklich "Alter Krahm" ist.

Sicher, die alten Rollenspiele von vor 40 Jahren haben alle so spieltechnisch und vieleicht auch welttechnisch ihre Krähenfüße drin und sind mal besser oder schlechter gealtert.n Ich hab zwar in reichweite von meinem PC die rote D&D Box stehen mit der für mich alles losging, Spielen würde ich es aber trozdem nicht mehr wollen. Aber sowas wie D&D3.5? warum nicht? Runequest von AH steht bei mir immer noch gut da und auch einige andere Alte Systeme.

Auf der anderen Seite hatte ich mir schon recht früh sowas wie "Amber Diceless RPG" gegönnt das schon einige Mechaniken hatte die ich als extrem Inovativ erachtete. Spielleiterloses Rollenspiel hatte ich zwar noch nicht von einem großen Verlag gesehen aber schon vor 2000 gespielt. Player Empowerment - ist für mich auch etwas das ich aus den Jahren von vor 2000 kenne.

Das letzte mal wo ich mir wirklich bei einem RPG sagte "Wow wie inovativ" (im Sinne von Neu, nicht unbedingt im Sinne von 'Das ist es das will ich haben' war Dread mit dem Jengaturm (viel mehr als den Namen und den JengaTurm kenn ich von dem Spiel garnicht, ich mein die hätten statt Jenga auch den Bausack nehmen können, ich denke auch das es nicht bei jedem die immersion fördert wenn man einen Stein aus dem Turm ziehen muss aber egal es war Neu und inovativ für mich.)

Also wieder zurück zu dem lezten Sytem das ich mir durchgelesen habe: Ich fand nichts neues und inovatives, als "modern" kann man es trozdem wohl bezeichnen.

Ist vieleicht die Frage erlaubt wie man sich wohl das Postmoderne RPG vorstellen kann? Ich denke KI klopft da schon an die Tür und die einen sagen "JA!" und die anderen hohlen das Weihwasser raus: der kreis schliesst sich KI ist zwar (noch?) kein Kampfbegriff aber eine potentieller Keil für eine Spaltung.

Und Spaltungen hab ich derzeit in der realen Welt schon viel zu viel.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: nobody@home am 10.01.2026 | 22:31
5. Belohnungs- und Aufstiegsmechanismen werden auf der extradiegetischen Ebene (d.h. zwischen Spielern und SL) ausgemacht; sie sind nicht mechanischer Ausdruck von konkreten intradiegetischen (d.h. innerhalb der Spielwelt) Erfahrungen der Spielfiguren.

Schon Ur-D&D hatte also mindestens ein modernes Element -- denn daß die Stufenaufstiege da tatsächlich irgendwas mit den konkreten Spielwelterfahrungen der SC zu tun gehabt haben sollen, kann mir keiner erzählen. ;)
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Eleazar am 11.01.2026 | 01:49
Für mich vor allem, dass man sich nicht einarbeiten und keine Mühe geben muss. Alles muss sich gleich und sofort auf den ersten Blick erschließen.
Möglichst keine Zahlen oder Listen, sondern Worte. Weniger klare Regeln, mehr Handwedeln oder Aushandeln.
Mehr Bilder und weniger Text.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Skaeg am 11.01.2026 | 08:07
Schon Ur-D&D hatte also mindestens ein modernes Element -- denn daß die Stufenaufstiege da tatsächlich irgendwas mit den konkreten Spielwelterfahrungen der SC zu tun gehabt haben sollen, kann mir keiner erzählen.
wtf? Gold für XP ist doch das klassische Beispiel: Fortschritt misst sich an materiellen Gütern, die die Charaktere in der Spielwelt einsammeln.

Dass das realistisch ist, hat keiner behauptet. Diesen Einschub sinngemäß auch für die anderen Punkte beachten.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Skaeg am 11.01.2026 | 08:10
Hast du dafür ein Beispiel?
Für moderne Mechanismen i.d.S.? XP-Vergabe für Spielerbeteiligung; Milestones; XP nach Fortschritt in der Story bzw. im Abenteuer etc.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Ainor am 11.01.2026 | 09:24
Schon Ur-D&D hatte also mindestens ein modernes Element -- denn daß die Stufenaufstiege da tatsächlich irgendwas mit den konkreten Spielwelterfahrungen der SC zu tun gehabt haben sollen, kann mir keiner erzählen. ;)

Modernen Rollenspiele haben immernoch jede Menge Gemeinsamkeiten mit Ur-D&D. Modern sind eingentlich nur Dinge die sich von Ur-D&D stark unterscheiden. Insofern würde ich eher sagen 5. ist nicht modern.

1. Charaktere werden mithilfe von Punkteverteilungsystemen gebaut; sie werden nicht ausgewürfelt.

2. Es gibt einen einheitlichen Proben/Würfelmechanismus, der alle Subsysteme durchdringt; es gibt nicht verschiedene Probenarten oder gar verschiedene Würfeltypen für unterschiedliche Subsysteme.

3. Spieler können auf der Metaebene in die Spielerzählung eingreifen; sie sind nicht allein auf das Handeln ihrer Figur innerhalb der Spielwelt beschränkt.

4. Regeln z.B. für Fähigkeiten, Kämpfe, Zauber etc. sind für die Anwendung von Spielercharakteren, die eine idealtypische Abenteuererfahrung im Spiel durchleben, gemacht; sie sind ganz klar nicht Ausdruck der Funktionsweise der Spielwelt.

Dem würde ich zustimmen, wobei nur 1 ein wirkliches Schwergewicht ist. 3 & 4 fallen glaube ich allgemeiner unter die Tendenz weg von der Simulation. Simulationistische Regelschwergewichte weil "D&D ja nicht realistisch ist" scheinen mir zumindest in den letzten Jahren seltener geworden zu sein.

Denke 2 ist auch eine Folge eines höheren Anspruchs ans RPG Design. Systeme wo die Autoren einfach mal frei Schnauze sagen "und heute würfeln wir einen w12" gibt es halt schon. Da muss man sich ja irgendwie von absetzen indem man bessere/elegantere/augeräumtere Mechaniken präsentiert.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: nobody@home am 11.01.2026 | 10:47
wtf? Gold für XP ist doch das klassische Beispiel: Fortschritt misst sich an materiellen Gütern, die die Charaktere in der Spielwelt einsammeln.

Dass das realistisch ist, hat keiner behauptet. Diesen Einschub sinngemäß auch für die anderen Punkte beachten.

Nun, die "konkreten Erfahrungen" hast Du überhaupt erst ins Spiel gebracht -- den Schuh mußt Du dir also auch selbst anziehen. ;) "Ich habe jetzt mehr Geld, weil ich es nach guter alter Kolonialistenart von seinen früheren Besitzern 'befreit' habe" hat mit Fortschritt im Sinne von "Ich bin jetzt eindeutig fähiger als früher" eben so wirklich gar nichts zu tun, was sich ja auch schon damals schnell zu einem der Kritikpunkte an genau diesem Ansatz entwickelt hat.

Wenn ich selbst zwischen "alten" und "modernen" Systemen in Sachen Charakterentwicklung trennen wollte, dann würde ich als Kriterium eher die Antwort auf die Frage heranziehen, inwieweit die Regeln die Möglichkeiten dazu als konkrete Belohnung betrachten, die man sich durch geeignete Leistung erst einmal "verdienen" soll. Da gehen die ganz altmodischen mMn nämlich tatsächlich recht einheitlich nach Charakterleistungen (gerettete Schätze, besiegte Feinde, aktives Training, durch Fertigkeitseinsatz verdiente Erfahrungshäkchen...), nicht allzuviel später schleichen sich dann auch Spielerleistungen ein ("XP für Gutes Rollenspiel (tm)" und so), und der Gedanke, daß so eine Figur sich im Lauf der Zeit und ihrer Erlebnisse vielleicht auch einfach schon ganz automatisch verändern könnte, ohne dafür ständig nur "schaffen gehen" zu müssen...der tritt dann meiner eigenen Erinnerung nach tatsächlich erst deutlich später auf den Plan.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Skaeg am 11.01.2026 | 10:55
Nun, die "konkreten Erfahrungen" hast Du überhaupt erst ins Spiel gebracht -- den Schuh mußt Du dir also auch selbst anziehen. ;) "Ich habe jetzt mehr Geld, weil ich es nach guter alter Kolonialistenart von seinen früheren Besitzern 'befreit' habe" hat mit Fortschritt im Sinne von "Ich bin jetzt eindeutig fähiger als früher" eben so wirklich gar nichts zu tun,
Es geht wie gesagt nicht darum, ob das logisch oder realistisch ist, sondern einfach darum, dass sich der Fortschritt nur daran misst, was die konkrete Spielfigur in der Spielwelt erfahren hat. Nicht daran, wie viel Zeit die Spieler am Spieltisch verbringen oder ähnliches.

Zitat
Da gehen die ganz altmodischen mMn nämlich tatsächlich recht einheitlich nach Charakterleistungen
Genau. Nur sind "Leistungen" oder "Taten" als Begriff zu verengend, daher habe ich "Erfahrungen" genommen. Ersetze "Erfahrungen" durch "Erlebnisse" oder "Geschehnisse", wenn das deinem Verständnis weiter hilft.

Traditionell: In der Spielwelt muss deiner Spielfigur etwas bestimmtes passieren, um Charakterfortschritt im mechanischen Sinne herbeizuführen. Das ist der Punkt.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Skaeg am 11.01.2026 | 11:07
Modernen Rollenspiele haben immernoch jede Menge Gemeinsamkeiten mit Ur-D&D. Modern sind eingentlich nur Dinge die sich von Ur-D&D stark unterscheiden. Insofern würde ich eher sagen 5. ist nicht modern.
Wie erwähnt, dieser Punkt wurde wohl einfach mißverstanden.

Zitat
Dem würde ich zustimmen, wobei nur 1 ein wirkliches Schwergewicht ist. 3 & 4 fallen glaube ich allgemeiner unter die Tendenz weg von der Simulation. Simulationistische Regelschwergewichte weil "D&D ja nicht realistisch ist" scheinen mir zumindest in den letzten Jahren seltener geworden zu sein.
"Simulationistisch" ist aber kein konkretes Regelparadigma.

Zitat
Denke 2 ist auch eine Folge eines höheren Anspruchs ans RPG Design.
Wenn man positiv wertet, ist das meistens das, was man mit "modern" in Verbindung bringt... aber auch "Anspruch" ist ja keine Beschreibung von Regelmechaniken.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: unicum am 11.01.2026 | 11:43
Für mich vor allem, dass man sich nicht einarbeiten und keine Mühe geben muss. Alles muss sich gleich und sofort auf den ersten Blick erschließen.
Möglichst keine Zahlen oder Listen, sondern Worte. Weniger klare Regeln, mehr Handwedeln oder Aushandeln.
Mehr Bilder und weniger Text.

 ~;D

Irgendwie muss ja die moderne Jugend noch in der lage sein mitspielen zu können,... ich meine, wer erwartet heute denn noch das man ohne Taschenrechner (nur gültig als Handyapp weil ein echter rechner wäre ja sowas von "Verwesi") zwei Zahlen addiert und das auch noch fehlerfrei!
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: nobody@home am 11.01.2026 | 11:49
~;D

Irgendwie muss ja die moderne Jugend noch in der lage sein mitspielen zu können,... ich meine, wer erwartet heute denn noch das man ohne Taschenrechner (nur gültig als Handyapp weil ein echter rechner wäre ja sowas von "Verwesi") zwei Zahlen addiert und das auch noch fehlerfrei!

Ich meine, man kann's ja auch positiv drehen: was für den einen "Mehr Handwedeln oder Aushandeln" ist, ist für den anderen eben "Mehr Einfallsreichtum und Sozialkompetenz". ~;D
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Alexandro am 11.01.2026 | 12:10
Für moderne Mechanismen i.d.S.? XP-Vergabe für Spielerbeteiligung; Milestones; XP nach Fortschritt in der Story bzw. im Abenteuer etc.

Wenn sich die Spielenden mehr beteiligen, dann machen auch ihre Charaktere mehr.
Und bei Milestones/Storyfortschritt erzielen die SC jeweils merkliche Fortschritte in der Spielwelt ("Wir haben die Handlanger des bösen Nekromanten aufgehalten (Milestone) und die Pläne ihres Meisters zusammengepuzzelt (Milestone), jetzt müssen wir nur noch den Obernekromanten konfrontieren, während der sein Ritual umsetzt (nächster Milestone)").

Das mag nicht logisch oder realistisch sein, aber es sind konkrete Sachen in der Spielwelt, die Charaktere machen um voran zu kommen (unabhängig davon, wie lange die Spielenden am Tisch dafür brauchen).
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Zed am 11.01.2026 | 12:21
Traditionell: In der Spielwelt muss deiner Spielfigur etwas bestimmtes passieren, um Charakterfortschritt im mechanischen Sinne herbeizuführen. Das ist der Punkt.

Ist jetzt eher eine Petitesse, aber die Milestones entsprechen den von Dir gut definierten traditionellen Vorgaben: Du besiegst/umschleichst/trickst aus die tyrannische Drachin - und lässt als Gruppe diesen Meilenstein hinter Dir. Noch zwei weitere Meilensteine, und dann ist Aufstieg. Das ist ja nur die vereinfachte Version von XP.

Unser „bedingungsloser Grundaufstieg“ alle 7 Spieltage ist von überwundenen Herausforderungen unabhängig und daher kein „traditioneller“ Mechanismus.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Eleazar am 11.01.2026 | 13:43
Ich meine, man kann's ja auch positiv drehen: was für den einen "Mehr Handwedeln oder Aushandeln" ist, ist für den anderen eben "Mehr Einfallsreichtum und Sozialkompetenz". ~;D
Vor allem ist es mehr Meta-Gespräch im Spiel. Wenn eine Sache geregelt ist und alles es wissen und man nicht mehr drüber reden muss, habe ich mehr Zeit im Spiel fürs Spiel.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Maarzan am 11.01.2026 | 14:04
Ich meine, man kann's ja auch positiv drehen: was für den einen "Mehr Handwedeln oder Aushandeln" ist, ist für den anderen eben "Mehr Einfallsreichtum und Sozialkompetenz". ~;D

Mein Eindruck ist hier dass "Wünsch-dir-as" mit Einfallsreichtum verwechselt wird und mehr Sozialkompetenz sehe ich da auch nicht.

Vor allem ist es mehr Meta-Gespräch im Spiel. Wenn eine Sache geregelt ist und alles es wissen und man nicht mehr drüber reden muss, habe ich mehr Zeit im Spiel fürs Spiel.
Eben und in der Lage zu sein sich vorher auf grundlegende Regeln zu einigen und sich dann auch daran zu halten, gehört auch zur Sozialkompetenz denke ich.

Bezgl. Fortschritte in der Spielwelt:
Ich glaube der Knackpunkt waren individuelle Steigerungen für ebensolche "Leistungen" in  der Spielwelt. Dies hat dann auch oft genau den Wettkampfgedanken in ein Spiel gebracht, welches ja eigentlich mehrheitlich zur Zusammenarbeit auf ein Ziel angelegt ist.

Zum eigentlichen Begriff: Das Problem dürfte daran liegen dass man das "modern" in (mindestens) drei Varianten sehen kann.

Die ich nenne es einmal künstlerisch oder experimentelle Sicht: Neu ist, was ein neues Erlebnis schafft, sei es durch eien Einzellneuerung oder eine so noch nicht gebebene neue Kompination, welche ein deutlich von altem abweichendes Erlebnis schafft. Der Fokus ist hier klar auf dem Neu, eine Qualitätsaussage ist nicht beinhaltet. Traditionellere Musik wird damit nicht künstlerisch gesehen unmodern.

Die technische Sicht: Es ist für die Lösung einer Aufgabe eine neue Variante erstellt worden, welche die alte Lösung für diese Aufgabe in ausreichendem Umfang besser erledigt ohne relevante Nachteile mit sich zu ziehen.
Wichtig ist dabei der Bezug zur Aufgabe.
Im rollenspielerischen Blickfeld heißt dies, dass der Vorteil aus der Sicht des jeweiligen Spielstils gesehen werden muss, nicht nach einem globalen Maßstab.

Die marktwirtschaftliche Sicht. Hier beschreibt "modern" den aktuellen Mehrheitsgeschmack (oder was man dafür gerade hält).
Wobei hier das Problem denke ich sowohl die beschränkte Marktforschung im Rollenspiel ist als auch die marktbeherrschende Stellung von D&D5e, was entsprechende Spielerzahlen meines Erachtens verzerrt, da die Wahrnehmung wie auch die Spielerfindung bezüglich anderer Spielsysteme so eingeschränkt ist.

Und Zoff gibt es wenn 1 oder 3 dann als Allgemeinaussage über Rollenspiel an sich als 2 verkauft werden soll.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: nobody@home am 11.01.2026 | 14:28
Vor allem ist es mehr Meta-Gespräch im Spiel. Wenn eine Sache geregelt ist und alles es wissen und man nicht mehr drüber reden muss, habe ich mehr Zeit im Spiel fürs Spiel.

Kommt halt darauf an, was man unter "dem Spiel" überhaupt versteht. Frei nach unicum das gekonnte Herumjonglieren mit möglichst vielen Zahlen? Das Hantieren mit so vielen verquasten Regeln, daß man am Ende kaum noch Platz zum selber Denken im Kopf hat, weil ja alles schon in den Büchern festgelegt ist und möglichst penibel eingehalten werden will? Lohnabrechnung und Steuererklärung zum Spaß, gewissermaßen?

Tatsächlich würde ich rückblickend durchaus sagen, daß die "alte Rollenspielschule" durchaus gleich mit ihren Anteilen genau davon angefangen und sich dann speziell im Lauf der frühen Jahre im Namen von "Realismus" und "Simulation" eher noch weiter in diese Richtung hineingesteigert hat. Aber ob das jemals wirklich der eigentliche Sinn des Spiels war...darüber, denke ich, ließe sich damals wie heute und vermutlich auch in nochmal fünfzig weiteren Jahren noch der eine oder andere heilige Krieg ausfechten.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Johann am 11.01.2026 | 16:37
wtf? Gold für XP ist doch das klassische Beispiel: Fortschritt misst sich an materiellen Gütern, die die Charaktere in der Spielwelt einsammeln.

Dass das realistisch ist, hat keiner behauptet.

Dann behaupte ich das jetzt mal! ;D

Wenn man ein bisschen herauszoomt, dann ist das Gold, was ein Glücksritter erbeutet, ein hervorragendes Maß für seine Kompetenz und deren Entwicklung. Nicht im konkreten Einzelfall (denn da kann man einfach Dusel oder Pech haben), aber statistisch gesehen.

(Das eine höhere Stufe dann zu übermenschlichen Leistungen befähigt, steht m.E. auf einem anderen Blatt.)
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Luxferre am 11.01.2026 | 16:40
Modern für mich:

- Attribute ODER Fertigkeiten, nicht beides

- Bennies

- Internetdiskussionen um moderne Mechaniken

- tolles Marketingsprech für Althergebrachtes (zB Skillchallenges)

- Elemente aus Brettspielen, tlw sogar notwendig

- Sprache, tlw Gamersprech (Tank, Controller, Damage Dealer, Striker, Jester, Hipster, ...)
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Weltengeist am 11.01.2026 | 17:23
Modern für mich:

- Attribute ODER Fertigkeiten, nicht beides

- Bennies

- Internetdiskussionen um moderne Mechaniken

- tolles Marketingsprech für Althergebrachtes (zB Skillchallenges)

- Elemente aus Brettspielen, tlw sogar notwendig

- Sprache, tlw Gamersprech (Tank, Controller, Damage Dealer, Striker, Jester, Hipster, ...)

Gut auf den Punkt gebracht. Und da lese ich raus, dass der Luxi "modern" genauso sehr für ein Qualitätskriterium hält wie ich ;D

(Im Ernst - solche Bezeichnungen gehen mir auf den Zeiger. Die haben so den Unterton von "bessere" Rollenspiele - alles andere ist schließlich unmodern und damit irgendwie doof. Ich wollte mich daher bei der Diskussion eigentlich raushalten, aber jetzt habe ich halt doch eine Art "+1" für Luxferres Beitrag dagelassen.)
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: nobody@home am 11.01.2026 | 17:59
Gut auf den Punkt gebracht. Und da lese ich raus, dass der Luxi "modern" genauso sehr für ein Qualitätskriterium hält wie ich ;D

(Im Ernst - solche Bezeichnungen gehen mir auf den Zeiger. Die haben so den Unterton von "bessere" Rollenspiele - alles andere ist schließlich unmodern und damit irgendwie doof. Ich wollte mich daher bei der Diskussion eigentlich raushalten, aber jetzt habe ich halt doch eine Art "+1" für Luxferres Beitrag dagelassen.)

Na ja, ich würde schon sagen, daß es im Lauf der Zeit Verbesserungen gegeben hat -- und sei es auch nur, daß es inzwischen auch Rollenspiele gibt, die sich an Leute außerhalb der 70er-Jahre-Muffelecke richten. ;)

Nur bewähren muß sich jede Idee eben selbst, egal, ob sie nun neu oder alt ist; erst daraus läßt sich dann ggf. herleiten, inwieweit ein eventueller "Fortschritt" nicht einfach bloß auf der Uhr stattgefunden hat.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Weltengeist am 11.01.2026 | 18:26
Ich hab ja nichts dagegen, dass es mehr Bausteine im RPG-Baukasten und das Recht auf verschiedene Spielstile gibt. Ich hab nur was gegen die Bezeichnung "moderne Mechanik" für eine Teilmenge davon. "Modern" beschreibt überhaupt nichts außer "es gibt gerade Leute, die das so machen". Und es suggeriert, dass alles andere unmodern oder gar minderwertig sei. Dabei liegt das (wie immer) im Auge des Betrachters.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: nobody@home am 11.01.2026 | 18:51
Ich hab ja nichts dagegen, dass es mehr Bausteine im RPG-Baukasten und das Recht auf verschiedene Spielstile gibt. Ich hab nur was gegen die Bezeichnung "moderne Mechanik" für eine Teilmenge davon. "Modern" beschreibt überhaupt nichts außer "es gibt gerade Leute, die das so machen". Und es suggeriert, dass alles andere unmodern oder gar minderwertig sei. Dabei liegt das (wie immer) im Auge des Betrachters.

Na ja, im Auge des Betrachters liegt ja auch schon die "Suggestion" an sich. Daß das Etikett "modern" längst nicht für jeden unbedingt positiv besetzt ist, haben wir immerhin schon verschiedentlich angesprochen. :)
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: gunware am 11.01.2026 | 19:22
Daß das Etikett "modern" längst nicht für jeden unbedingt positiv besetzt ist,
Und in Forge of Empires kommen die Zeitalter in dieser Reihenfolge (Ausschnitt): ..., die Jahrhundertwende, die Moderne, die Postmoderne, die Gegenwart, Morgen, die Zukunft, ...
in dem Sinne ist "modern" schon ziemlich veraltet ... ;)
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Skaeg am 11.01.2026 | 20:14
Ist jetzt eher eine Petitesse, aber die Milestones entsprechen den von Dir gut definierten traditionellen Vorgaben: Du besiegst/umschleichst/trickst aus die tyrannische Drachin -
"Die" tyrannische Drachin? Dann, in der Annahme, dass es eine für eine bestimmte Story relevante Figur ist und es nicht für das Besiegen jedes derartigen Monsters, egal wo es auftaucht, den gleichen Fortschritt gibt: Nein.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Skaeg am 11.01.2026 | 20:15
Dann behaupte ich das jetzt mal! ;D
Dass es nicht realistisch ist, habe ich auch nicht behauptet. Nur, dass es für meine Definition nicht belangreich ist.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: unicum am 11.01.2026 | 21:19
Kommt halt darauf an, was man unter "dem Spiel" überhaupt versteht. Frei nach unicum das gekonnte Herumjonglieren mit möglichst vielen Zahlen? Das Hantieren mit so vielen verquasten Regeln, daß man am Ende kaum noch Platz zum selber Denken im Kopf hat, weil ja alles schon in den Büchern festgelegt ist und möglichst penibel eingehalten werden will? Lohnabrechnung und Steuererklärung zum Spaß, gewissermaßen?

Ich fühle mich gerade wissentlich falsch verstanden von dir nobody. Aber vieleicht willst du gerade darauf hinaus das, wie ich schrieb "modern" für mich ein Kampfbegriff ist.

Deswegen mag man vieleicht auch entschudligen das ich menschen für welche die Addition und oder der Vergleich von zwei Zahlen im Bereich von meistens deutlich unter hundert in der moderne schon alles an Denken im Kopf komplett blockiert ich für recht bemitleidenswertige Menschen halte, etwa wenn sie immer mehr an Geld ausgeben aber den unterschied zwischen Soll und Haben auf dem Kontoauszug nicht verstehen.

Aber danke das du mich erinnerst das ich meine Steuererklärung machen muss - für 2024 wohlgemerkt. Aber naja ist ja nicht so schwer wie einen DSA Char zu erstellen und zu spielen.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Zed am 11.01.2026 | 21:37
Um die potenzielle Umstrittenheit von Begriffen zu verdeutlichen, sollten sie in Anführungsstriche gesetzt werden. Ansonsten nutzt man sie als Kampfbegriffe.

Ich hoffe, dass alle, die den Begriff "modern" als "gefärbt" empfinden, die gleichen Ansprüche an Umstrittenheit anlegen, wenn es um andere umstrittene Kampfbegriffe geht, da fällt mir zum Beispiel "Schummeln" ein (das in einem eigenen Thread (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,130551.0.html) diskutiert wird).

Ich jedenfalls habe schon den Begriff im Threadtitel in Anführungsstriche gesetzt. Das jedoch nicht mit der Klarheit, die es braucht:

Darum ändere ich zur Klarifizierung den Threadtitel von "Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?" zu "Was bedeutet für Dich „moderne" RPG-Mechanik?"
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Alexandro am 11.01.2026 | 21:47
"Modern" bedeutet erstmal nur, dass die Mechaniken später in der RPG-Geschichte entwickelt wurden. Das ist erstmal wertungsfrei. Für die Entwicklung eines Rollenspiels kann man die gesamte Spanne der "modernen" und der "traditionellen" Mechanismen verwenden, in beliebiger Kombination, das ist es ja gerade, was das Hobby so toll macht.

Für mein eigenes Homebrew trifft z.B. nur einer der Punkte von Skaegs Liste zu (Punkt 4) zu, und kein einziger der Punkte von Luxferre. Trotzdem hat es auch ein paar Ideen aus moderneren Spielen übernommen, etwa der "Teilerfolg" aus PbtA oder dass das Würfelergebnis direkt das Gesamtergebnis ist, ohne dass man noch etwas draufaddiert oder abzieht (dieser Schritt ist zwar ein geringer Aufwand, aber im Verlauf der Spielsitzung summiert sich der Aufwand - und wenn man einmal ohne gespielt hat, will man nie wieder zurück ;) ). Auch Meilensteine (also direkte Belohnungen für bestimmte Taten in der Spielwelt, statt nur abstrakte XP) sind da drin.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne RPG-Mechanik“?
Beitrag von: Zed am 11.01.2026 | 21:53
"Modern" bedeutet erstmal nur, dass die Mechaniken später in der RPG-Geschichte entwickelt wurden. Das ist erstmal wertungsfrei.

Das sehe auch ich so, ich anerkenne jedoch, dass andere das anders sehen.

Ich denke, den abweichenden Auffassungen mit den klarifizierten Anführungszeichen Rechnung getragen zu haben und bitte diejenigen, die Nach- und Vorteile der Nutzung des Begriffs „modern“ diskutieren zu wollen, dies in einem eigenen Thread zu tun.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne" RPG-Mechanik?
Beitrag von: Gondalf am 11.01.2026 | 21:59
ChatGPT sagte dazu:

Zitat
Ein modernes Regelsystem in Pen-and-Paper-Rollenspielen unterscheidet sich von klassischen Systemen (z. B. frühes D&D oder DSA) weniger durch „weniger Regeln“, sondern durch andere Design-Prioritäten. Typische Merkmale sind:
1. Fokus auf Spielgefühl statt Simulation
Moderne Systeme fragen zuerst:
Wie soll sich das Spiel anfühlen?
Regeln unterstützen gezielt Genre, Stimmung und Themen
Weniger detailgetreue Simulation, mehr dramatische Logik
Erfolg ist nicht nur „schaffen oder scheitern“, sondern oft mit Konsequenzen
Beispiel:
Ein Wurf kann bedeuten: Du schaffst es, aber etwas geht schief.
2. Spielerische Autorität über die Geschichte
Spieler haben mehr Einfluss auf die Erzählung:
Meta-Ressourcen (z. B. Fate-Punkte, Stress, Momentum)
Spieler dürfen Details zur Welt beitragen
Charakterhintergründe haben mechanische Relevanz
➡️ Der Spielleiter ist eher Moderator als alleiniger Autor.
3. Schlanke, einheitliche Mechaniken
Statt vieler Spezialregeln:
Ein zentrales Würfelsystem für fast alles
Weniger Tabellen, weniger Ausnahmen
Regeln sind leicht zu merken und zu erklären
Ziel:
Regeln unterbrechen die Erzählung möglichst wenig.
4. Scheitern ist interessant
Scheitern ist kein „Stopp“, sondern ein Motor der Handlung:
„Fail Forward“: Die Geschichte geht weiter, nur anders
Teil-Erfolge, Kosten, neue Probleme
Weniger „nichts passiert“
5. Charaktere als Figuren, nicht Werteblöcke
Charaktere werden definiert durch:
Motivationen, Beziehungen, Probleme
Persönliche Ziele und innere Konflikte
Mechaniken, die diese Aspekte belohnen
➡️ Optimierung tritt hinter Charakterspiel zurück.
6. Schneller Einstieg, geringe Vorbereitung
Moderne System e sind oft:
Regelarm oder modular
Schnell erklärbar
Kampagnenfähig ohne monatelange Vorbereitung
Viele Systeme funktionieren gut für One-Shots oder kurze Kampagnen.
7. Sicherheit & Spielkultur
Ein modernes Regelsystem berücksichtigt auch:
Werkzeuge für Consent und Safety (z. B. X-Card)
Klare Erwartungen an Ton und Inhalte
Unterstützung für unterschiedliche Spielstile
8. Beispiele moderner Designrichtungen
Narrativ: Fate, Powered by the Apocalypse, Forged in the Dark
Cinematic: Savage Worlds, Genesys
Minimalistisch: Into the Odd, Mörk Borg
Story-fokussiert: Blades in the Dark, Dungeon World


Gar nicht sooo schlecht.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne" RPG-Mechanik?
Beitrag von: Skaeg am 11.01.2026 | 22:43
ChatGPT sagte dazu:
Ich benutze jetzt keine Ignore-Funktion oder so, aber ich werde nichts davon lesen.

"@Grok is this true" u.ä. sind die Pest.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne" RPG-Mechanik?
Beitrag von: nobody@home am 11.01.2026 | 22:52
Wenn ich den Begriff "modern" nebenbei strikt fassen wollte, dann liefe das für die Zwecke dieses Fadens wohl auf...na ja, alle Mechaniken hinaus, die es in derzeit aktuellen Rollenspielen gibt. Damit verändert sich die Bedeutung natürlich auch je nachdem, welche Referenzzeit ich gerade als "aktuell" betrachten möchte; 1974 war halt die allererste D&D-Ausgabe "modern", und heute sind es nach dieser Definition eben die Systeme, die gerade jetzt auf dem Markt unterwegs sind -- völlig ungeachtet der in sie eventuell eingeflossenen individuellen Designphilosophien.

Ob jemand heute mit dem "modernen Menschen" die Jugendlichen und jungen Erwachsenen des begonnenen Jahres 2026 meint, den Homo sapiens als Spezies allgemein, oder irgendwas dazwischen, ist ja schließlich auch so was von kontextabhängig, daß es die eine Definition schlicht nicht geben kann. :)

(Edith: Tippfehler.)
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne" RPG-Mechanik?
Beitrag von: Feuersänger am 12.01.2026 | 00:32
"modern" ist halt immer abhängig vom aktuellen Zeitgeist.
So um 2010 rum war "modern" etwa "es gibt Gummipunkte mit denen du verkackte Würfe ausbügeln kannst".
Generell würde ich "modern" als Gegensatz zu "oldschool" sehen, was zB unterschiedliche Auffassungen von Tödlichkeit und dergleichen angeht.

Aber es ändert sich halt immer wieder mal. Mal ist modern, wenn das Zufallselement möglichst gering ist, und dann irgendwann wieder das Gegenteil davon.

Ich könnt jetzt beim besten Willen nicht sagen, was heutzutage als "modern" gilt.  ¯\_(ツ)_/¯
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne" RPG-Mechanik?
Beitrag von: Galatea am 14.01.2026 | 21:35
"Modern" ist immer das was gerade "in" ist (bei Fantasy würde ich sagen ist das aktuell der "Zoo" bzw. das Bestreben jede sentiente Kackspezies aus dem letzten Winkel des Settings spielbar zu machen).

"Oldschool" kann man noch halbwegs an den ersten populären RPGs festmachen, bei denen die Abstammung von Wargames ziemlich gut erkennbar ist, aber diese ganzen aktuell "modernen" Ideen gibt es alle schon recht lange, nur waren sie halt nicht so populär/ausgefeilt/kombiniert.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne" RPG-Mechanik?
Beitrag von: nobody@home am 14.01.2026 | 22:10
"Modern" ist immer das was gerade "in" ist (bei Fantasy würde ich sagen ist das aktuell der "Zoo" bzw. das Bestreben jede sentiente Kackspezies aus dem letzten Winkel des Settings spielbar zu machen).

Unabhängig von meiner eigenen Meinung zum Thema ist das einfach etwas, was mal zu kommen und mal zu gehen scheint. Gerade D&D (was ja heutzutage eh wenigstens die halbe Welt hört, wenn man im Zusammenhang mit Rollenspiel von "Fantasy" spricht) hat eigentlich mit jeder Edition früher oder später wieder diverse "Zoo-Erweiterungen" herausgebracht -- warum auch nicht, für die konnte man dann ja wieder Geld verlangen, um zusätzliche Spezies DLC-mäßig "freizuschalten". 8]
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne" RPG-Mechanik?
Beitrag von: Drudenfusz am 27.02.2026 | 14:23
Modern ist nur ein anderes Buzzword, wie Immersive oder Cinematic, es sagt überhaupt nichts aus. Wie andere hier schon sagten, nur Werbung.

Denke eine weitaus interessante Frage würde es sein zu schauen was Moderne, Post-Moderne, und vielleicht auch Meta-Modernes Design wären.
Titel: Re: Was bedeutet für Dich „moderne" RPG-Mechanik?
Beitrag von: Zed am 27.02.2026 | 14:32
Denke eine weitaus interessante Frage würde es sein zu schauen was Moderne, Post-Moderne, und vielleicht auch Meta-Modernes Design wären.

Die Diskussion hier kann sich gerne für diesen Themenkomplex öffnen, weil dankenswerterweise mein Anliegen umfangreich bearbeitet wurde (dann würde ich den Titel entsprechend anpassen), oder Du eröffnest einen neuen Thread.