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Pen & Paper - Spielsysteme => Warhammer => Warhammer Fantasy => Thema gestartet von: Waldviech am 14.01.2026 | 11:54

Titel: [Zweihänder] Michael Moorcocks DIE KRIEGSMEUTE ... als Kampagnenkonzept
Beitrag von: Waldviech am 14.01.2026 | 11:54
Bekanntermaßen sind die Werke von Michael Moorcock (https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Moorcock) ja nicht so ganz unwichtig für die Entstehung und Kosmologie von Warhammer Fantasy und somit für Zweihänder gewesen. Da liegt doch der Gedanke nahe, einfach mal direkt beim Altmeister zu mopsen, wenn es um einen Kampagnenaufhänger geht. Wie wäre also Folgendes:

In einer Variante des "Heiligen Römisches Reiches Deutscher Nation" tobt noch immer eine Variante des 30jährigen Krieges - komplett mit Landsknechtsarmeen, Religionskonflikten, wirren Adelsfehden, Hexenjägern. Dem ganzen Programm halt. Zwei Dinge sind allerdings anders:

1) Es ist nicht gänzlich unser historischer 30jähriger Krieg, denn im Hintergrund wirken tatsächlich paranormale Kräfte.
2) nur wenige Jahre vor Spielbeginn haben die Ereignisse des Romans "Die Kriegsmeute (https://www.phantastik-couch.de/titel/2421-die-kriegsmeute/)" (Im Englischen Original "The War Hound and the World's Pain (https://ariochspad.blogspot.com/p/the-war-hound-and-worlds-pain-synopsis.html)") stattgefunden.

Dazu die kurze Inhaltsangabe von der Phantastik-Couch:
Zitat
In Deutschland tobt der Dreißigjährige Krieg. Nach der Zerstörung Magdeburgs ist Ulrich von Bek, der Kriegshund, des Mordens müde. Auf einem geheimnisvollen Schloß verliebt er sich in eine bezaubernde Frau… und Dienerin Luzifers. Erstaunt erfährt Ulrich von Bek, daß Luzifer zu Gott in den Himmel zurückkehren will. Um seinen guten Willen zu beweisen, will er die Welt vom Leid befreien. Dazu braucht er die Hilfe des unerschrockenen Hauptmanns. Der Kriegshund erhält einen seltsamen Auftrag: Er soll den Heiligen Gral finden und ihn Luzifer bringen. Doch die anderen Fürsten der Finsternis haben sich gegen Luzifer erhoben, um die Aussöhnung mit dem Himmel zu verhindern.
(Für eine längere, englischsprachige Inhaltsangabe bitte dem Link oben folgen :) )

Ulrich von Bek sitzt nun zusammen mit seiner neu angetrauten Gräfin Sabrina als "Gralshüter" auf seinem Schloss. Ein wenig anders als im Buch angedeutet, geben er und seine Gattin sich jedoch nicht völlig dem familiären Ruhestand hin. Vielmehr unterstützt Von Bek den Kampf gegen "Das Leid der Welt" noch immer, indem er Söldner und Abenteurer anwirbt und auf allerlei Missionen sendet, die auf (sehr) lange Sicht der "Erlösung der Menschheit" dienen. Das sind dann die SC, die in der grim-darken Fantasyversion des 17. Jahrhunderts allerlei Heldentaten vollbringen dürfen, um die Menschheit mit jeder guten Tat ein kleines Stückchen weiter in Richtung Vernunft und Erleuchtung zu stubsen!

Typische Missionen bestehen dann darin:
- ganz klassisch irgendwelche Dörfer oder Städtchen vor übernatürlichen Bedrohungen, Räuberbanden o.ä. zu retten.
- bösartigen Kulten, die Übles tun und die Menschen in Aberglauben halten wollen, in die Suppe spucken.
- Erfinder, Philosophen und Gelehrte vor Verfolgung zu schützen
- Mystische Artefakte zu finden und zu sichern (oder zu vernichten).

Der Witz an der Sache: von wenigen Eingeweihten mal abgesehen weiß niemand in der sterblichen Welt von Luzifers Wunsch, sich mit Gott auszusöhnen und dem daraus resultierenden Konflikt innerhalb der Dämonen. Die SCs wirken also auf die Außenwelt, obwohl sie defacto guten Zwecken dienen, wie amoralische Finsterlinge.  ~;D


Titel: Re: [Zweihänder] Michael Moorcocks DIE KRIEGSMEUTE ... als Kampagnenkonzept
Beitrag von: Swanosaurus am 14.01.2026 | 12:35
Klingt erst mal ganz großartig - ich bin ein großer Fan The War-Hound, in meinen Augen einer von Moorcocks allerbesten Romanen! (obwohl ich mir immer noch nicht ganz sicher bin - ist Luzifer Arioch? Ich meine, das wurde sogar explizit gemacht, und ich denke irgendwie immer noch, wie viel schöner die Ironie wäre, wenn er ein Lord der Ordnung wäre ...).
Titel: Re: [Zweihänder] Michael Moorcocks DIE KRIEGSMEUTE ... als Kampagnenkonzept
Beitrag von: Waldviech am 14.01.2026 | 12:45
Ne, Luzifer (der irgendwo tatsächlich als Lord der Ordnung genannt wird) ist nicht Arioch. Arioch wird aber, soweit ich mich erinnere, erwähnt und ist einer der Dämonenfürsten, die Luzifers Idee von einer Aussöhnung mit Gott Scheiße findet und torpediert.

Soweit ich die Kosmologie, so wie sie hier ausgelegt wird, verstehe, ist Gott die höchste Verkörperung der Balance, während Chaos und Ordnung ja an sich weder gut noch böse sind. Die Hölle hat also gleichermaßen Chaos- wie Ordungsdämonen. :)
Titel: Re: [Zweihänder] Michael Moorcocks DIE KRIEGSMEUTE ... als Kampagnenkonzept
Beitrag von: Swanosaurus am 14.01.2026 | 12:59
Ne, Luzifer (der irgendwo tatsächlich als Lord der Ordnung genannt wird) ist nicht Arioch. Arioch wird aber, soweit ich mich erinnere, erwähnt und ist einer der Dämonenfürsten, die Luzifers Idee von einer Aussöhnung mit Gott Scheiße findet und torpediert.

Soweit ich die Kosmologie, so wie sie hier ausgelegt wird, verstehe, ist Gott die höchste Verkörperung der Balance, während Chaos und Ordnung ja an sich weder gut noch böse sind. Die Hölle hat also gleichermaßen Chaos- wie Ordungsdämonen. :)

Dann hab ich's mir falsch gemerkt, danke! Wahrscheinlich habe ich irgendwo in dem Buch "Arioch" gelesen und das dann zusammengeworfen ...
Titel: Re: [Zweihänder] Michael Moorcocks DIE KRIEGSMEUTE ... als Kampagnenkonzept
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 14.01.2026 | 13:14
Coole Idee, das Buch fand ich auch immer super. Wenn du das mal durchziehst, erzähl mal, wie es so gelaufen ist.  ^-^
Titel: Re: [Zweihänder] Michael Moorcocks DIE KRIEGSMEUTE ... als Kampagnenkonzept
Beitrag von: Nord-Nerd am 14.01.2026 | 14:14
Eigentlich müsste ich mich was schämen, als Fan von Moorcock das Buch noch nicht gelesen zu haben.  ::)

Die Idee ist klasse. Ist Hexxen 1733 nicht auch auf ähnlicher Schiene unterwegs? Ich selbst habe auch schon ( mit dem Regelwerk Renaissance Deluxe) Abenteuer mit Thema Dreißigjähriger Krieg geleitet. Als Vorlage las ich vorher Der Wehrwolf von Hermann Löns und das Tagebuch von Peter Hagendorf.
Titel: Re: [Zweihänder] Michael Moorcocks DIE KRIEGSMEUTE ... als Kampagnenkonzept
Beitrag von: Waldviech am 14.01.2026 | 14:26
Mache ich gerne - falls ich denn mal jemals dazu komme. Aber auch falls nicht, ist die Idee es wert, aufgezeichnet zu werden ;D.
Vielleicht mal ein wenig näher, wie ich mir das Ganze vorstellen könnte:

Die Welt der Menschen ist, wie im Roman auch, die Erde in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts - oder besser, eine irgendwo durch das Multiversum treibende Version davon. Es gibt die selben Kontinente, die weitgehend selben Reiche und die weitgehend selben Konflikte mit weitgehend den selben Namen. Aber es ist, schon allein weil es reale Hexen, Zauberer und Dämonen gibt, hier und da Unterschiede. Sprich: Die Welt ist nicht exakt historisch. Hier und dort gibt es ein paar Orte, die es in der realen Welt nicht gibt. Ein frühneuzeitliches Mirenburg  (https://ariochspad.blogspot.com/2021/09/the-brothel-in-rosenstrasse-1982.html)vielleicht. Und es gibt hier und dort ein paar Personen, die es in der realen Welt nicht gab. Vielleicht heißt die Königin von England ja gegenwärtig Gloriana (https://ariochspad.blogspot.com/2021/06/gloriana-or-unfulfilld-queen-1978.html). Wer weiß. Das Prinzip ist: Die Dinge sind der realen Welt ähnlich genug, dass man sie sofort erkennt, aber verfremdet genug, dass man kein Geschichtsstudium absolviert haben muss und zu sehr auf korrekte Details achten müsste.

Überall in der Welt liegen Zugänge zu den "Mittelmarschen", einer Dimension "zwischen der Menschenwelt und der Hölle". Dort finden sich alle möglichen Zauberwälder, Elfenreiche und ähnliches Zeugs, dass "magischer" ist, als es die Menschenwelt selbst wäre. Die Mittelmarschen folgen dabei eher anderweltlichen als diesseitigen Gesetzmäßigkeiten, was dem "Kriegsmeute-Setting" so eine gewisse "Gummi-Geographie" verleiht. Nimmt man den einen Bergpass, dann kommt man durch mehrere hundert Meilen Zwergenkönigreich. Nimmt man den anderen, ist gleich fünf Kilometer weiter das nächste, normale tiroler Dorf. Normale Menschen verschlägt es nie in die Mittelmarschen. SC vermutlich dauernd.

Aus Sicht der meisten Menschen "funktioniert" die Welt in übernatürlicher Weise sehr ähnlich, wie man sich das im 17. Jahrhundert so vorgestellt hat. Auf der einen Seite die "guten Rechtgläubigen", die allerdings strenggläubig und fanatisch sein MÜSSEN, denn auf der anderen Seite gibt es die übernatürlichen Mächte des Bösen. Das verleiht dem Setting natürlich etwas reichlich "warhammeriges".
Was die wenigsten wissen, ist dass die wichtigere Bruchkante anders verläuft: auf der guten Seite stehen Rationalität, Aufklärung und Humanismus - auf der bösen Seite Aberglaube, Engstirnigkeit und Obskurantismus.

Zu diesen wenigen zählen die SC! Die SC haben allesamt eine eher unschöne Vergangenheit und daher den Wunsch, ihre Seele zu retten. Deswegen sind sie an von Bek und Luzifer geraten! Ihre Abenteuer dienen allesamt dazu, in irgend einer Form gegen "Das Leid der Welt" vorzugehen (also wie oben genannt gegen Aberglaube, Engstirnigkeit und Obskurantismus usw.). Daher könnten sie im einen Abenteuer tatsächlich gegen einen üblen, menschenfeindlichen Chaoskult vorgehen - und im nächsten eine Hexe vor Hexenjägern retten. Aus der Sicht ihrer Umwelt, die die wahren Verhältnisse nicht kennt (oder kennen will), wirken die SC daher erratisch oder opportunistisch und rutschen so sehr schnell überall in die Rolle des dubiosen Underdogs.

Zitat
Ist Hexxen 1733 nicht auch auf ähnlicher Schiene unterwegs?
Ja und nein. Hexxen ist thematisch recht ähnlich, hat aber einen anderen "philosophischen Unterbau".
Titel: Re: [Zweihänder] Michael Moorcocks DIE KRIEGSMEUTE ... als Kampagnenkonzept
Beitrag von: Vash the stampede am 14.01.2026 | 17:18
Dieses Jahr soll mit Die Eiserne Zeit ein Regelwerk (Gazer Press) erscheinen, das explizit den Dreissigjährigen Krieg bedient. Wäre aber D&D-artig und nicht Warhammer-esque. Spielt aber die Zeit und die Themen an.
Titel: Re: [Zweihänder] Michael Moorcocks DIE KRIEGSMEUTE ... als Kampagnenkonzept
Beitrag von: Vinter am 14.01.2026 | 17:48
Dieses Jahr soll mit Die Eiserne Zeit ein Regelwerk (Gazer Press) erscheinen, das explizit den Dreissigjährigen Krieg bedient. Wäre aber D&D-artig und nicht Warhammer-esque. Spielt aber die Zeit und die Themen an.
Danke für den Hinweis. Klingt nach die Art von Regelwerk, die sämtliche Wünsche von mir an einer OSR-Variante abhakt.

Und was den Thread angeht: Spannend, deshalb Abo.