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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Pen & Paper - Umfragen => Thema gestartet von: Raven Nash am 15.01.2026 | 12:58

Titel: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Raven Nash am 15.01.2026 | 12:58
Ich mühe mich gerade abwechselnd durch Lands of RuneQuest: Dragon Pass und The Glorantha Sourcebook.
"Mühe", weil ich noch nie so viel und so langweilige Historie gelesen hab. Das schreit so richtig 80er, als man glaubte, Geschichte aufschreiben zu müssen wie in Schulbüchern. OK, um der Wahrheit Genüge zu tun - Trudvang ist ähnlich lang und langweilig.
Außerdem frage ich mich ja, wie man auf die Idee kommt, dass Kulturen mit vornehmlich mündlicher Überlieferung so genaue Daten und Fakten transportieren sollen. Die Geschichtsschreibung ist da so dermaßen genau, da kommt die unsrige nicht mal ansatzweise ran. Beeindruckend, irgendwie. </sarkasm off>
Ich reg mich gerade über das gleiche Thema bei "Arcanis - The World of Shattered Empires" (5E Edition) auf. Die Welt mag ich ja wirklich gerne, aber dieser Aufschrieb - du meine Güte! Da steht nirgends was zu Technologieleveln, Verbreitung von Magie, Kosmologie oder anderen grundlegenden Setzungen. Sogar die Karte des Kontinents hört irgendwo einfach auf und reicht auch nach 3 Editionen nicht mal bis zum westlichen Meer. Stattdessen seitenweise Geschichte (okay, ohne Jahreszahlen, aber trotzdem).

Also blättert man weiter zu den Beschreibungen der einzelnen Länder, und was findet man da? Irgendwas, womit man sich die Länder vorstellen kann ("Das Coryanische Imperium ist vom römischen Reich inspiriert...")? Kultur, Architektur, Technik, Schauplätze, Organisationen? Geheimnisse für den Spielleiter? Nö, wer sowas wissen will, muss ChatGPT oder die Fanseiten im Netz befragen. Hier im Buch steht an der Stelle - richtig - nochmal seitenweise Geschichte...

Arcanis ist ja inzwischen scheinbar vom Verlag eingestellt worden, sogar die Webseite für ihr Flaggschiff - die "Living Arcanis / Legends of Arcanis"-Metakampagne - ist mittlerweweile abgeschaltet. Ein Jammer für ein eigentlich großartiges Setting. Aber wenn ich mir ansehe, wie furchtbar dieser Aufschrieb ist, wundert mich das irgendwie nicht mehr... Das hier muss man ja wirklich, wirklich wollen.

Ich frag mich dann immer (hier und auch bei vielen, vielen anderen Rollenspielprodukten), ob die das nicht vor dem Druck auch mal jemandem zum Lesen geben, der das Spiel nicht schon seit 10+ Jahren auswendig kennt. Oder ob die Leute, es als ihre Freundespflicht ansehen, mal kurz drüberzublättern und unabhängig vom Inhalt zu sagen "Das hast du ja so toll gemacht. Du bist ohnehin der Beste, Digga. Geile Bilder übrigens." ::)
Ich vermute mal, die Grundprämissen werden im RQ-GRW drin sein. Aber die beiden Bücher sind ja extra als "Setting mit kaum Regeln" gedacht, da hätte man vielleicht mal einige Setzungen erwähnen sollen.
Hauptkritikpunkt ist aber, dass man sich in endlosen Jahrtausenden Geschichte ergeht, haarklein jeden Krieg aufzählend, hunderte Namen nennend - die absolut keine Relevanz für das Spiel haben. Ja, ich mag eine solide historische Basis - aber die sollte sich auf wirklich wichtige und daher überlieferte Punkte beschränken. Dinge, die der Abenteurer vielleicht tatsächlich mal gehört haben kann, weil sie eben erzählt werden.

Zitate zum besseren Verständnis eingefügt.
Sashael
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: AndreJarosch am 15.01.2026 | 13:47
Ich vermute mal, die Grundprämissen werden im RQ-GRW drin sein. Aber die beiden Bücher sind ja extra als "Setting mit kaum Regeln" gedacht, da hätte man vielleicht mal einige Setzungen erwähnen sollen.
Hauptkritikpunkt ist aber, dass man sich in endlosen Jahrtausenden Geschichte ergeht, haarklein jeden Krieg aufzählend, hunderte Namen nennend - die absolut keine Relevanz für das Spiel haben. Ja, ich mag eine solide historische Basis - aber die sollte sich auf wirklich wichtige und daher überlieferte Punkte beschränken. Dinge, die der Abenteurer vielleicht tatsächlich mal gehört haben kann, weil sie eben erzählt werden.

Die Kulturen, Reiche, Kulte, Kreaturen, etc. von Glorantha sind jetzt so, wie sie sich in den 1625 Jahren Geschichtsschreibung so entwickelt haben.

Wenn du in dem Rollenspiel auf Personen anderer Kulturen triffst, dann wäre es doch gut zu wissen warum die so sind wie sie sind, oder?
Wenn du ein in der Jetztzeit angesiedeltes Rollenspiel über eine Gruppe Abenteurer, die sich den Ruinen der Vergangenheit herumtreiben, leiten wölltest wäre es doch auch gut wenn du etwas über diese Ruinen und die darin enthaltenen Artefakte wüsstest, oder?
Wenn dir reicht, dass in einer Ruine ein Vampirartiges Monster haust, welches eine goldgelbe Toga trägt und versucht jeden Eindringling zu töten und sein Blut zu trinken, außer dieser Eindringling ist ein Mitglied eines Lichtkults, welchem er Rätsel stellt und wenn der sie beantworten kann lässt er ihn (und möglicherweise sogar die ganze Gruppe) gehen.
Ja, man kann random irgendwelche Monster mit komischen Gewohnheiten irgendwo platzieren und sie seltsame Dinge machen lassen.
Oder man liest diese Hintergrundbücher über Glorantha und kann aufbauen auf diesen geschichtlichen Ereignissen solche Abenteuerideen bzw. -schauplätze bzw. -gegner erschaffen.
Mit gefällt es besser, wenn ich verstehe warum etwas so ist wie es präsentiert wird.

Aber jedem das seine... ich persönlich LIEBE die Tiefe der Geschichte von Glorantha (selbst so obskure Texte wie "The Glorious Re-Ascent of Yelm" und "Entekosiad" die In-World Geschichtsschreibung von Peloria des frühen ersten Zeitalters beinhalten).
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Raven Nash am 15.01.2026 | 14:17
Die Kulturen, Reiche, Kulte, Kreaturen, etc. von Glorantha sind jetzt so, wie sie sich in den 1625 Jahren Geschichtsschreibung so entwickelt haben.
Das wird jetzt OT - aber genau da liegt das Problem: Eine solch detaillierte Geschichtsschreibung ist schlicht nicht möglich. Bzw. sie ist extern draufgepropft.
Nicht einmal unsere moderne Geschichtsschreibung kann das für unsere Welt leisten - wie sollte das in einer bronzezeitlichen Welt möglich sein?
D.h. eine organisch-funktionelle Geschichtsschreibung muss Lücken haben - viele davon.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 15.01.2026 | 14:20
Ich mache schon mal den Countdown für die Standard-Rollenspieler-Antwort, wenn auf historischer Basis gemäkelt wir ("IT'S MAGIC MOTHAFUKKA!!!"): 9... 8... 7...

 >;D

Aber mal im Ernst - sowas wie eine Schließung historischer Überlieferungslücken kann ich mir tatsächlich durch magisches Erkunden vorstellen, mal ganz davon abgesehen: wer sagt denn, dass das die tatsächliche Geschichte ist, und nicht einfach als Fakten behauptete Mythologie? Chinesen pflegen ja auch einen behaupteten mehrtausendjährigen Überlieferungsstrang, ohne daß das durch historische Überlieferung fundiert wäre.  ^-^
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Raven Nash am 15.01.2026 | 14:49
Aber mal im Ernst - sowas wie eine Schließung historischer Überlieferungslücken kann ich mir tatsächlich durch magisches Erkunden vorstellen, mal ganz davon abgesehen: wer sagt denn, dass das die tatsächliche Geschichte ist, und nicht einfach als Fakten behauptete Mythologie?
Dann müsste es besser geschrieben sein. Weniger langweilig vor allem.  ~;D
Man merkt halt, dass da Geschichte geschrieben wurde, wie man das in Schulbüchern eben so schrieb - trocken, langatmig und von einer sehr entrückten Warte aus.
Und das, obwohl es jede Menge mythischer Vermischungen gibt. Sind ja genug Götter, Halb-Götter und sonstiges Gedöhns unterwegs.

Und natürlich wird der Leser auch mit Bezeichnungen konfrontiert, ohne die im geringsten zu erklären. Da kommen z.B. die Horse People rein - und mit keinem Wort wird gesagt, was man sich darunter vorzustellen hat. In einer Welt mit Pflanzenelfen und Tiermenschen...
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Maarzan am 15.01.2026 | 15:27
Ich denke das ist wie mit dem realen Geschcihtsunterricht: Nur Zahlen, Namen, Schlachten bringen dir so eigentlich überhaupt nichts. Was gebraucht wird ist ein Verständnis, was da welche Gruppe gefühlt und gedacht hat - eingebettet in ihre Rahmenbedingungen wie sich das dann in Handlung ausgewirkt hat und wie das dann wieder das Denken dun leben verändert hat. Denn das sind dann auch im Kleinen die Zyklen, die dann mit Situation - Konflikt - Handlung - neue situation das Gerüst für die daran aufzuhängenden Abenteuer bilden.
Wie der Typ, sein Schwert und sein Pferd heißt und dass er den gegnerischen Schlachtoger erschlagen hat ... geschenkt.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Grubentroll am 15.01.2026 | 15:27
Ich finds komplett überflüssig.
Tötet nur Kopfkino, und damit Atmo.

Ich will Stimmungen, nicht Fakten.


Aber wie immer, das 400 Seiten dicke Hardcover muss halt irgendwie mit Text vollzubekommen sein, sonst zahlt ja keiner die 59,90 Euro.

Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Sashael am 15.01.2026 | 15:30
Das Thema zieht sich ja durch ne ganze Menge Rollenspielprodukte.

Übermäßiger Detailgrad ist auch nur eine Seite der Medaille. Geschichte, die so lange her ist, dass sie irrelevant geworden ist, muss ich persönlich ja auch nur als bruchstückhaftes Raunen von Mythen haben. Ich kann ja verstehen, wenn man beim SL ein Verständnis für die aktuelle politische Situation sorgen will, aber zum Beispiel bei Realms of Terrinoth liest man seitenweise Geschichte über Elfen- und Drachenreiche, die so lange untergegangen sind, dass keine dieser Informationen eine echte Relevanz für eine aktuelle Gruppe hat. Da würde ein mythischer Ansatz über verlorene Kulturen bei mir viel besser funktionieren, als ein ganzer Abschnitt, welcher Elf nun welchen König verraten hat.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Raven Nash am 15.01.2026 | 15:32
Ich mache schon mal den Countdown für die Standard-Rollenspieler-Antwort, wenn auf historischer Basis gemäkelt wir ("IT'S MAGIC MOTHAFUKKA!!!"): 9... 8... 7...
Meine Vermutung ist ja, dass die RPG-Autoren der Frühzeit sich an Tolkien orientiert haben - nur hat Papa Tolkien sich elegant aus der Affäre gezogen, indem er Wesen eingeführt hat, die den ganze Mist miterlebt haben. Und die das auch niedergeschrieben haben.
D.h. da ist eine exakte Geschichtsschreibung klarerweise logisch (wobei eben z.B. die Hobbits viel weniger davon wissen, was auch wieder konsequent ist).

Wenn nun aber die Elfen nicht unsterblich sind, sieht die Sache schon etwas anders aus. Und wenn gar keine extrem langlebigen Spezies da sind, oder die keine Aufzeichnungen führen (oder die einfach nicht teilen), muss es zwangsläufig Lücken geben.

Diese Lücken sind aber IMHO gerade interessant aus RP-Sicht, weil die Entdeckungen gestatten.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: First Orko am 15.01.2026 | 15:34
Ich finds komplett überflüssig.
Tötet nur Kopfkino, und damit Atmo.

Ich will Stimmungen, nicht Fakten.

Geht mir auch so. Es ist halt eine Kunst, mit wenig Text und Auslassungen an den richtigen Stellen ein ausreichend guten Eindruck mit ein paar pointiert beschriebenen Eckpunkten zu erzeugen, dass man davon den Rest ad hoc ableiten kann. Das kann nicht jede·r - aber viele glauben es und wollen sich da selbst nicht verbessern. Im besten Fall bekommt man unterhaltsame, inspirierende Regionalbeschreibungen wie DSA 3, im schlimmsten Fall Pseudo-Lexika wie bei Space 1889 wo man zielsicher Letterwände vollknallt und dabei um tatsächlich spielrelevante Infos drumherum schreibt :P
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 15.01.2026 | 15:50
Persönlich bin ich ohnehin generell eher ein Fan gröber gestrickter Settings mit weißen Flecken zum Ausfüllen, d.h., das trifft gar nicht mal nur speziell auf die Geschichte zu. Denn die Frage, die mir bei längeren reiseführer- und geschichtsbuchmäßigen Aufarbeitungen standardmäßig mit zuerst durch den Kopf geht, ist nicht nur "Wie interessant finde ich das persönlich?" (und da fällt die Antwort schon oft nicht besonders enthusiastisch aus), sondern auch "Welchen Nutzen haben eigentlich meine (Mit-)Spieler davon?"...und da senkt sich dann der Daumen recht schnell komplett, denn daß die sich freiwillig auf Hausaufgaben a la "Bitte lest die für eure Charaktere relevanten Kapitel dieses Buchs bis in vierzehn Tagen komplett und behaltet das dann alles für den Rest der Kampagne im Kopf, weil ich es irgendwann auch gerne mal wieder hätte" einlassen, davon träumt doch höchstens der verhinderte Oberschulrat, der das Ganze überhaupt erst verbrochen hat.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: First Orko am 15.01.2026 | 15:54
... davon träumt doch höchstens der verhinderte Oberschulrat, der das Ganze überhaupt erst verbrochen hat.

 ;D Schöner burn ;)
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: HEXer [n/a] am 15.01.2026 | 16:19
davon träumt doch höchstens der verhinderte Oberschulrat

Das wäre dann genau ich. Und ich finde das auch tatsächlich gut. Bin ich jetzt Schmuddelkind?
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Skaeg am 15.01.2026 | 16:27
Eine einigermaßen gut gemachte Geschichtserzählung des Settings ist für Spielleiter eine sehr nützliche Sache, auch wenn für die Spieler 99% davon nicht direkt sichtbar wird. Denn aus so einer Erzählung schöpfen zu können, so sie denn hinreichend dicht und kohärent ist, erzeugt auch bei den Bruchstücken, die man im konkreten Spiel mal einstreut, einfach ein besseres Gefühl einer echten Welt als eine potemkinsche Spielwelt, bei der man die Farbe von den schnell ad hoc durch SL hergepinselten Daten und Ereignissen noch frisch runtertropfen sieht.

Kurz gesagt: Ist halt prep work wie anderes auch. Die Geschichte einer Welt ist in dieser Hinsicht genau wie ihre Geographie, ihre Demographie etc. - kann man auch alles basierend auf 1W4 Schmierzetteln improvisieren, wirkt dann aber vermutlich nicht sehr plastisch oder in sich schlüssig.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 15.01.2026 | 16:31
Das wäre dann genau ich. Und ich finde das auch tatsächlich gut. Bin ich jetzt Schmuddelkind?

Klar doch, fühl' dich geschmuddelt, wenn du magst. ;D
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 15.01.2026 | 16:34
Das wäre dann genau ich. Und ich finde das auch tatsächlich gut. Bin ich jetzt Schmuddelkind?

Darf ich mit in den Schmuddelclub?  :headbang: :headbang: :headbang:
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Raven Nash am 15.01.2026 | 17:01
Eine einigermaßen gut gemachte Geschichtserzählung des Settings
Da haben wir den Kern des Problems: Was ist gut gemacht?
Jedenfalls gilt IMHO: Qualität über Quantität.
Seitenlange Darstellungen von Konflikten, die tausende Jahre vor dem eigentlichen Spiel liegen, sind IMHO völlig für die Füße. Geschehnisse, die Jahrhunderte davor liegen, könnten schon relevant sein, werden aber im allgemeinen Wissen der Bevölkerung auch eher schwammig sein.

Ich gehe da auch genauso ran: Was kann denn eigentlich Karl aus X wirklich wissen? Und was weiß eventuell ein Gelehrter? Das sind meine Eckpunkte.
Und dann kann ich noch Zeug ranflanschen, das den SL auf Ideen bringt, oder Dinge andeuten, die die SCs vielleicht entdecken. Ja klar, es gibt irgendwelche Mythen, aber genaue Fakten? Fehlanzeige.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Weltengeist am 15.01.2026 | 17:02
Also wegen mir darf jedes Setting so viele geschichtliche Fakten ansammeln, wie es Lust hat. Eine völlig andere Frage ist aber, ob die dann unbedingt alle in "MyWorld - Der Settingband" rein müssen oder ob da nicht auch erst mal ein grober Überblick reicht. Ich wäre ja ein Fan davon, den Rest dann in "100.000 Jahre MyWorld in Fakten, Geschichten und Bildern" zu crowdfunden. Und dann sieht man ja ganz schnell, wie viele Leute diese Faktensammlung wirklich haben wollen.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Skeeve am 15.01.2026 | 17:04
Das was Skaeg da oben (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,132171.msg135325770.html#msg135325770) geschrieben hat.
So wie ich es formulieren wollte: die Teile der detaillierten Geschichtsschreibung die von Spielleiter und Spielern genutzt werden, die sind sehr sinnhaft.
Da man nun nicht weiß welche SC oder NSC da während des Abenteuers da so rumlaufen: vielleicht ein historisch interessierter Magier der alle Bibliotheken des Landes abklappert auf der Suche nach Informationen die er noch nicht kennt oder die wiedererweckte Seele eines Kriegers der bei der einen und anderen Schlacht wirklich dabei war und berichten könnte was damals wirklich passiert war, im Gegensatz zum dem was in der Geschichtsschreibung überliefert wurde [die wird ja im allgemeinen nur vom Sieger geschrieben und geschönt]
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 15.01.2026 | 17:14
Ein Stück weit ist die Frage aus meiner Sicht auch: wieviel muß vor dem allerersten Abenteuer schon komplett durchdefiniert sein, und was kann auch später peu a peu je nach Bedarf nachgeliefert werden?

Zumindest mir fällt nämlich spontan kein einziges System ein, das schon von vornherein sämtliche Informationen bereitstellt. Normalerweise gibt's da eher einen mehr oder weniger groben Überblick (wobei der halt schon für meinen Geschmack zu erbsenzählerisch ausfallen kann), aber die für spätere Kaufabenteuer relevanten Details in Sachen Geschichte, Geographie, Bevölkerung und Kultur usw. usf. findet man dann auch erst wieder in diesen selbst.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: AndreJarosch am 15.01.2026 | 17:32
Um beim speziellen Beispiel der Welt Glorantha zu bleiben:

Alter der Welt und Detailgrad der geschichtlichen Aufzeichnungen:
Die Geschichtsschreibung umfasst 1625 Jahre, plus die mystische Zeit vor Beginn der Geschichtsschreibung, aber eigentlich geht es in der GESCHICHTE Gloranthas um diese 1625 Jahre, alles davon ist die Mythologie der Welt.
Diese 1625 Jahre lassen sich grob in drei Zeitalter unterteilen, wovon Ereignisse des 1. und 2. Zeitalters meist nur grob bekannt sind und nur in ihren wichtigsten Ereignissen ausformuliert werden.
Das Dritte Zeitalter begann vor ca. 500 Jahren und das ist der Zeitraum über den die geschichtlichen Ereignisse recht gut belegt sind (sowohl in RuneQuest Büchern für den Spielleiter, als auch In-Game).

Schriftliche Aufzeichnungen:
Anders als in der Bronzezeit der realen Welt gibt es in Glorantha mehrere Wissens-Kulte, die Ereignisse und Geschichten nicht nur mündlich weitergeben, sondern auch schriftlich niederlegen.

Geschichte, Wiederholung geschichtlicher Ereignisse, Metaplot:
Die Geschichte der Länder, Kulturen und Kulte Gloranthas erklärt warum diese Länder, Kulturen und Kulte heute (in 1625) so sind wie sie sind.
Das Wissen um die geschichtlichen Ereignisse kann dazu im Heute dazu führen, dass diese Fehler kein zweites Mal gemacht werden... oder dazu führen, dass man Dinge genauso machen möchte wie damals.
Wie man so schön sagt: "Wer die Geschichte nicht kennt und nicht bereit ist aus den Fehlern zu lernen ist dazu verdammt sie zu widerholen."

Dies spielt alles mit in den Metaplot hinein, der grob die Ereignisse von 1625 bis 1655 umfasst. Und die Charaktere können ein wichtiger Teil dieses Metaplots werden... dazu wäre es aber hilfreich ihre Kultur, die Geschichte ihrer Kultur und des Landes und ihren Kult gut zu kennen.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Zouan81 am 15.01.2026 | 21:34
Und ich dachte, diese intensiven Geschichtsschreibungen wäre hauptsächlich ein DSA-Ding.

Doch schneinbar gibt es wohl unzählige Systeme, die sich das vielleicht auch von DSA abgeguckt haben, sofern DSA in diesem Zusammenhang tatsächlich der Vorreiter war mit ihrem A(d)venturischen Boten.

Immerhin laut Chronologie müsste DSA nach D&D und Midgard das dritte System überhaupt gewesen sein und von D&D und Midgard kenne ich keine Geschichtsschreibung.

Wie auch immer. DSA schien es ja mit der Geschichtsschreibung wirklich gut gemacht zu haben, denn das ist ja scheinbar bei den Fans auch gut angekommen.

Wenn man dieses Konzept allerdings abguckt, muss man schon eine wirklich spannende Geschichte bieten, damit das richtig beim Leser ankommt.

Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 15.01.2026 | 22:21
D&D hat halt ursprünglich mit der Idee angefangen, daß sich jeder Dungeon Master schon seine eigene Welt (oder zumindest seine eigenen Dungeons) zurechtbasteln wird -- selbst Greyhawk hat ja als "nur" Garys eigene Hauskampagne begonnen, da gab's eben "die Welt" und damit auch "die Geschichte" erst mal nur in dem Maße, in dem er sie sich im Lauf der Zeit selbst aus den Fingern gesogen hat.

Mit zunehmenden Kaufsettings und Hintergrundbänden kam dann schon etwas mehr "offizielles" Detail ins Spiel, aber das war normalerweise immer noch gerade genug, diversen Gegenden einen Hauch von Charakter und Vergangenheit zur Orientierung zu verleihen, ohne dabei gleich vom Hundertsten ins Tausendste zu kommen. Und das halte ich bis heute noch für das wahrscheinlich brauchbarste Vorbild; ein grober geschichtlicher Überblick und gerne noch eine nicht allzu lange "Jahr Soundso: Dies-und-das passiert"-Zeitleiste offensichtlich wichtiger Ereignisse reicht für die weitaus meisten Zwecke schon völlig, und speziell, wenn's ins kleine Detail gehen soll, das die meisten Spieler entweder nicht oder nur einmal im Leben interessiert, merken sie den Unterschied zwischen "Kanon" und "selbst rechtzeitig erfunden" doch höchstens dann, wenn sie selbst das Quellmaterial mit der Lupe durchschmökern. Ob Herzog Schnauzbart der Dritte in der Schlacht von Wonochgleich nun ein rotes oder doch ein gelbes Käppi getragen hat, wird vermutlich in den allerseltensten Fällen zum Knackpunkt einer ganzen Kampagne werden.

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Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: 1of3 am 15.01.2026 | 22:32
Sollen wir die Frage im Thementitel beantworten? Es fängt ja etwas abrupt an.

Kommt drauf. Was soll man denn dann mit der Beschreibung machen? Irgendwie sollte sich das ja am Spieltisch bemerkbar machen. Die Frage ist also wie. Sollen alle das kennen, um es in das Spiel ihrer Rolle(n) einfließen zu lassen? Soll das als Ideensteinbruch Plots dienen?

Im ersten Fall wird das wahrscheinlich nicht funktionieren. Die wenigsten lesen sich das durch. Eine Seite Vorlesetext funktioniert dagegen gut.

Als Steinbruch ist es ebenfalls suboptimal. Da helfen Bullet Points, Zufallstabellen, Erschaffungsprozeduren etc.

Zum Lesen ist es vielleicht ganz spannend, aber eigentlich lese ich dann doch lieber gleich einen Roman.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Skaeg am 15.01.2026 | 22:51
Da haben wir den Kern des Problems: Was ist gut gemacht?
Jedenfalls gilt IMHO: Qualität über Quantität.
Seitenlange Darstellungen von Konflikten, die tausende Jahre vor dem eigentlichen Spiel liegen, sind IMHO völlig für die Füße. Geschehnisse, die Jahrhunderte davor liegen, könnten schon relevant sein, werden aber im allgemeinen Wissen der Bevölkerung auch eher schwammig sein.
Die zeitliche Distanz finde ich nicht so wichtig. Eher im Gegenteil: Auf wirklich uralte Geschehnisse zu rekurieren, vermittelt Erhabenheit. In Traveller drehen sich manche der coolsten Abenteuer um die Ancients, die vor ~300.000 Jahren existierten.

Wo ich bei dir bin: Seitenlang auswälzen sollte man sowas nicht. Es sollte in sich schlüssig sein. Es sollte nicht nur aus unzusammenhängenden Bruchstücken bestehen. Und es sollte heute noch spürbar sein (was bei den Ancients der Fall ist).

Wenn ich, anderes Beispiel, durch die Dämonenbrache wandele, dann ist es einfach besser, aus einer zusammenhängenden Geschichte erzählen zu können, warum die so heißt, wer die beteiligten Personen waren und wie lange das her ist, als mir das alles ad hoc am Spieltisch aus den Fingern zu saugen.

Für die Spieler frontloaden muss man das aber alles auch nicht. Selbst in Fällen, wo es die Charaktere wissen, kann man es beizeiten als Einschub verwenden. Dann fühlen sich Spieler, die in "Geschichte" oder "Mythenkunde" Punkte haben, auch eher nützlich, als wenn es sowieso jeder a priori vorgekaut kriegt.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Galatea am 16.01.2026 | 00:17
Die Hauptkritikpunkte in den ursprünglichen Zitaten waren ja, dass das ganze total dröge zu lesen ist und dass viele der beschriebenen Details für das Spiel bzw. die "aktuelle" Zeit des Settings völlig irrelevant sind.

Bedeutungsvolle historische Ereignisse in einem Setting finde ich schon wichtig (sowas von der Skalierung William the Conqueror, Gunpowder Plot und seine Folgen, 100 Jähriger Krieg, etc.), aber welche zwei schottischen Lords 1435 irgendwo in den Highlands miteinander Stress hatten ist für ein Abenteuer, das nicht in exakt diesem Gebiet spielt, echt komplett irrelevant.

Prinzipiell sind aus meiner Sicht solche kleinen Details und Anekdoten oft besser bei Ortsbeschreibungen aufgehoben.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: tartex am 16.01.2026 | 00:28
Das Problem sind die Seiten in den Büchern, die deutlich besser bzw. relevanter fürs Spiel genutzt werden könnten. Aber so Geschichte schreibt sich halt schnell runter, weil sie nicht beim Spielgeschehen aneckt. Außerdem haben das früher alle so gemacht.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Raven Nash am 16.01.2026 | 07:57
Wie ganz oben schon geschrieben - es ist nicht nur Glorantha (das lese ich nur aktuell). Trudvang (RiotMinds) ist vielleicht noch schlimmer. Das Geschichtskapitel ist endlos lang und wird dann bei den Volksbeschreibungen noch weiter ergänzt. Die nordischen Namen machen das Lesen auch nicht leichter, auch wenn sie zum Flair beitragen sollen. Hat was von Tolstoi: das russische Telefonbuch.  ~;D

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Geschichte im Fantasy-RPG vor allem Hooks bieten sollte. Wenn der SC mit Geschichtskenntnissen Dinge weiß, die sich im Abenteuer als nützlich erweisen, ist das gut - besser ist es, IMHO, wenn er Neues entdecken kann. Wenn sich Dinge als falsch erweisen, oder sich neu zusammenfügen. Oder überhaupt ganz unbekannte Dinge auftauchen, die die Perspektive verschieben.

Die zeitliche Distanz finde ich nicht so wichtig. Eher im Gegenteil: Auf wirklich uralte Geschehnisse zu rekurieren, vermittelt Erhabenheit. In Traveller drehen sich manche der coolsten Abenteuer um die Ancients, die vor ~300.000 Jahren existierten.
Mein Setting heißt nicht umsonst "Legacy of the Runemasters".  ;)
Da hab ich genau das - eine Rasse von Schöpfern, auf deren Spuren man immer wieder mal stößt, über die sich aber Legenden und Mythen ranken. Jeder weiß, dass die "Lebewesen" von ihnen geschaffen wurden, aber mehr auch schon nicht.

Ich wollte da auch von Anfang an, dass die SCs immer wieder auf Spuren der Runenmeister stoßen. Auf seltsame Labore und Apparaturen, zyklopische Bauwerke und Ruinen. Dieses Gefühl, dass man etwas so Altem gegenübersteht, dass man dagegen nur ein Fliegenschiss der Geschichte ist.  ;)

Dazu brauch ich aber keine 10 Seiten detaillierte Ereignisse. Da reichen Stichpunkte wie: Wer wurde zuerst geschaffen, warum kam es zum Niedergang, was haben sie hinterlassen?
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Weltengeist am 16.01.2026 | 08:08
Noch ein Aspekt: Ich selbst mache um Settings mit ausufernder Lore mittlerweile meist einen Bogen, weil man da keinen Schritt tun kann, ohne gegen irgendeine Setzung zu verstoßen. Was ja aus beiden Richtungen gesehen doof ist: Entweder es macht nichts, wenn man dagegen verstößt (wozu hat man sie dann?), oder es macht doch was, dann kann es zu Kreativhemmung oder Klugscheißerei am Spieltisch führen.

Die einzige sinnvolle Nutzung, die ich für sowas sehe, ist Inspiration. Also als ein "sowas könnte es alles gegeben haben, wenn eure Gruppe das so will". So handhaben es die meisten DSA-Runden (die offizielle aventurische Geschichte ist quasi solange gültig, bis der Spielleiter was anderes sagt). Aber dann gehört sie nicht vollumfänglich in ein Einführungsbuch - das sollte sich vielmehr auf die Streben im Geschichtsgebilde beschränken, die wirklich absolut unumgänglich sind.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 16.01.2026 | 08:28
Ich finde, die Frage lässt sich nicht grundsätzlich beantworten, das hängt viel zu sehr davon ab, welche Relevanz die Geschichte für die Core Story oder auch für die Atmosphäre hat. Ich schaue mir mal an, was ich aktuell lese/jüngst gelesen habe:

Ich lese gerade Blue Planet Recontact, das fängt mit 20 Seiten Future History an, bin noch nicht durch, finde sie aber gut, lese sie gerne und finde, das gehört zu dieser Art hard-ish SF setting dazu, weil es gut vermittelt, dass es viel um gewachsene politische/gesellschaftliche Konfilkte geht. Der Spielwert ist vielleicht nicht so gewaltig, aber der reizvollste Aspekt an BP ist für mich tatsächlich ein Stück weit "Gesellschaftssimulation" und da kann so eine Future History durchaus beispielhaft für einstehen.

Broken Lands/Tierras Quebradas legt auf ca. 15 Seiten Geschichte die Grundlagen für die bestimmenden Konflikte des Settings und erzählt die Entstehungsgeschichte der aktuellen Major Players und macht das auch unterhaltsam; vielleicht wäre das auch ein bisschen knapper gegangen, aber auch hier finde ich das Geschichtskapitel absolut sinnvoll als Heranführung an das Setting.

Dolmenwood: So gut wie gar keine Geschichtsschreibung, und das passt hier auch ganz wunderbar. Man erfährt ein paar Dinge, die in weiterer Vergangenheit liegen (irgendwann hat die pluritinische Kirche die anderen Kulte verdrängt, die Breggles waren mal die Herren des Landes, der Cold Prince hat mal über Dolmenwood geherrscht), mehr braucht es auch nicht.

Insgesamt mag ich das Gefühl, dass ein Setting eine Geschichte hat, und die kann durchaus auch halbwegs detailliert auserzählt sein - nur langweilig soll das eben nicht sein. Von irgendwelchen längst vergessenen Vorgänger-Drachenelfenreichen will ich meistens auch nicht wissen, bzw. kann das gern ein Satz über irgendwas Mythisches bleiben. Herrschernamen und Jahreszahlen brauche ich auch nicht, "wie viele hundert Jahre etwa ist das her" genügt mir völlig. Aber ehrlich gesagt ist mir eine zu detaillierte Geschichtsschreibung immer noch lieber als ein "Hier wohnen die Orks, hier wohnen die Elfen" und das Gefühl, dass die da irgendwann einfach hingefallen sind und sich nie irgendwas geändert hat.

EDIT: Ich bin allerdings auch nicht der Meinung, dass alles an einem Rollenspiel direkt das Spiel am Tisch unterstützen muss. Das ist durchaus auch Lesestoff für mich, und da ist dann eher entscheidend, ob so eine Historie durchdacht ist und einen Spannungsbogen hat oder ob es nur eine Folge von Ereignissen ist. Gut finde ich, wenn unmittelbar aufs Spiel gerichtetes Material wie Szenarien, Monster, Schauplätze möglichst knapp, präzise und übersichtlich aufbereitet sind. Aber das ist für mich nicht der Qualitätsmaßstab für jeden Text im Rahmen eines Rollenspiels.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 16.01.2026 | 08:36
Ach ja, noch ein Negativbeispiel aus der anderen Richtung: Das Setting von Numenera ist eine schöne Sammlung mehr oder weniger schräger Ideen, aber als Setting ist es für mich für den A*, unter anderem weil eine Geschichtsschreibung fehlt, die ein paar Aufhänger für's Entdecken und für Abenteuer geben könnte. Eine Welt, die sich trotz "acht vorangegangener Welten" völlig geschichtslos und artifiziell anfühlt, weil die Designer offenbar die Vorstellung haben, dass "Geheimnisvoll" gleichbedeutend sei mit "keine Ahnung, ist auch egal".
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Weltengeist am 16.01.2026 | 08:50
Ach ja, noch ein Negativbeispiel aus der anderen Richtung: Das Setting von Numenera ist eine schöne Sammlung mehr oder weniger schräger Ideen, aber als Setting ist es für mich für den A*, unter anderem weil eine Geschichtsschreibung fehlt, die ein paar Aufhänger für's Entdecken und für Abenteuer geben könnte. Eine Welt, die sich trotz "acht vorangegangener Welten" völlig geschichtslos und artifiziell anfühlt, weil die Designer offenbar die Vorstellung haben, dass "Geheimnisvoll" gleichbedeutend sei mit "keine Ahnung, ist auch egal".

Da bin ich zwar zu 100% bei dir, allerdings liegt es bei mir nicht an der Geschichte (allein), sondern am völligen Mangel von Setzungen jedweder Art, beispielsweise in Bezug auf die Technologie. Mir selbst ist das am deutlichsten bei der Technologie aufgefallen, die man genauso gut hätte auswürfeln können. Das führt zu Beliebigkeit, und damit kann ich weder als Spieler noch als Spielleiter was anfangen.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 16.01.2026 | 08:55
Da bin ich zwar zu 100% bei dir, allerdings liegt es bei mir nicht an der Geschichte (allein), sondern am völligen Mangel von Setzungen jedweder Art, beispielsweise in Bezug auf die Technologie. Mir selbst ist das am deutlichsten bei der Technologie aufgefallen, die man genauso gut hätte auswürfeln können. Das führt zu Beliebigkeit, und damit kann ich weder als Spieler noch als Spielleiter was anfangen.

Ja, stimmt, dass Problem ist umfassender - ich denke aber, wenn sie einen ganz groben historischen Abriss der jetzten dreihundert Jahre oder wenigsten ein paar Mythen vorangestellt hätten, dann wäre wahrscheinlich von allein schon ein bisschen Konsistenz entstanden, weil sie dann ja gezwungen gewesen wären, die eine oder andere Verbindung zwischen Elementen des Settings zu ziehen.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 16.01.2026 | 09:25
Ich finde, die Frage lässt sich nicht grundsätzlich beantworten, das hängt viel zu sehr davon ab, welche Relevanz die Geschichte für die Core Story oder auch für die Atmosphäre hat.

Ich denke, insoweit, als sich die Frage speziell um "detaillierte Geschichtsschreibungen" dreht, geht das schon einigermaßen. Ausdrückliche Totalgeschichtsverweigerer dürften hier im Faden nämlich auch nicht so viele unterwegs sein -- irgendwo möchte man doch schon ganz gerne wissen, wie das Setting zu dem geworden ist, was es "jetzt" ist --, aber wieviel Detail man zu diesem Thema haben möchte, das dürften die meisten von uns zumindest jeweils für sich selbst einigermaßen abschätzen können.

Und "Relevanz" ist natürlich auch so 'ne Sache. Ich meine, setzen wir mal das spezielle Thema "Geschichte" in Relation zu all den anderen Spielweltdetails, die man als SL ganz gerne wissen möchte und die die Spieler am Ende womöglich auch auswendig lernen sollen, damit sie ihre Charaktere auch "richtig" ausspielen können -- wie hoch ist dann noch der Stellenwert (und der angestrebte Detailgrad)?
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: unicum am 16.01.2026 | 09:32
Ich mag solche Sachen, die inspirieren mich auch hier und da Dinge schreiben zu können. Mir ist eine Historie einer Spielwelt wichtig, dann fallen nicht irgendwelche Dinge mal einfach aus der Luft.

Das inspieriert auch mal für Dinge für Abenteuer.

Aber ich sehe durchaus das manche Leute manches eben nicht wissen. Vieleicht weis auch mal niemand die Daten die in der Geschichtsschreibung drin steht.

Davon abgesehen:
Ich würde dahingehend gerne mal abschätzen können - kann es aber als nicht-historien-buff eben nicht - was z.b. ein Mensch in verschiedenen Epochen darüber wusste was in dem Land in dem er lebt, sagen wir mal vor 100, 500 oder 1000 Jahren passiert ist, oder eben auch wie die Welt Entstand und ob die Erde eine Scheibe ist, eine Kugel, die Sonne sich um die Erde oder die Erde um die Sonne dreht.
Oder wisst ihr gerade aus dem Stehgreif was an der Stelle wo ihr Wohnt historisch alles passiert ist? Ich meine bei meiner Oma waren die leute irgendwann mal entsetzt das unter ihrem Haus ein alter Römerfriedhof ist.

Aber ja generell reicht mir das als Liste mit Jahreszahlen, vieleicht auch mit Hinweisen wie bekannt die jeweilige Info ist und wie korrekt diese Bekanntheit ist. Also z.b. das bei uns mit Christi Geburt am anno 24.12.0000 (oder wars der 24.12. -1?) Also bekannt ist dieser Geburtstag schon - aber ob er stimmt,...
Bei manchen Dingen wie dem Tod von Barbarossa weis man das vieleicht weil es eine Legende sich darum entwickelt hat und hält das dann für real. Da kann man dann durchaus als Autor der ja die Fakten wirklich setzen kann (im Gegensatz zu einem Historiker der sich nie zu 100% sicher sein kann) durchaus interessante Dinge erschaffen aus denen man Abenteuer machen kann.
"Wir brauchen um die einheit des Reiches wiederherzustellen das Schwert von Barbarossa, geht mal suchen!"
An der Stelle weis ich aber auch nicht wirklich ob ich von Barbarossa was wüsste wenn ich etwa Analphabet wäre.

Also ja - Ich halte es für sehr Sinnhaft. Es macht für mich auch eine Spielweltbeschreibung plastisch und ggf auch Dynamisch wenn sie sich in der Historie entwickelt hat. Keine Geschichte steht im Raum ohne Vorgeschichte. Frodos Reise zum Schicksalsberg ist mit der Geschichte drumrum die immer wieder eingewoben wurde eben stimmiger (und sicherlich auch einige hundert seiten länger).

Als SPIELER? Als Spieler brauch ich sowas nicht, ggf will ich mir aber solche Sachen erspielen.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 16.01.2026 | 09:33
Und "Relevanz" ist natürlich auch so 'ne Sache. Ich meine, setzen wir mal das spezielle Thema "Geschichte" in Relation zu all den anderen Spielweltdetails, die man als SL ganz gerne wissen möchte und die die Spieler am Ende womöglich auch auswendig lernen sollen, damit sie ihre Charaktere auch "richtig" ausspielen können -- wie hoch ist dann noch der Stellenwert (und der angestrebte Detailgrad)?

Ich würde sagen: Wenn die Prämisse des Spiels ist, dass die Hauptfiguren so eine Art Fantasy-Archäologen auf der Suche nach den Vermächtnissen vergangener Zivilisation sind, dann ist Geschichte auf jeden Fall wichtig - aber Detailreichtum ist dann wahrscheinlich kontraproduktiv.

Bei Blue Planet finde ich Detailreichtum wiederum durchaus angemessen. "Harte" Jahreszahlen passen zu harter Science Fiction. Betrachtung gesellschaftlicher Entwicklung in einem längeren Zeitrahmen passt zu Social Fiction. Das schlägt den richtigen Ton an. Erst einmal losgelöst von der Spielrelevanz erfüllt so etwas für mich eine ähnliche Funktion wie für das Spiel weitgehend nutzlose Differenzierung verschiedenster Waffentypen in Shadowrun: So was gelegentlich anspielen zu können und zu wissen, dass da ein großer Katalog von Datenmaterial hintersteht, ergänzt das Spiel um eine fetischisierte Dimension, also "Made up history porn" statt "Gun porn".

Will ich jetzt weiß Gott meistens auch nicht, weil begrenzte Lesezeit und so, aber einen Reiz hat es für mich durchaus.

Insgesamt neige ich aber auch dazu, dass die Details der Geschichte für die Tonne sind, solange die Autor*innen nicht sehr genau wissen, was sie damit wollen. Genau, wie lange Waffenlisten für die Tonne sind.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: HEXer [n/a] am 16.01.2026 | 09:51
Verstehe ich das richtig? Wir sind jetzt von

davon träumt doch höchstens der verhinderte Oberschulrat, der das Ganze überhaupt erst verbrochen hat.

das kommentiert wird als

;D Schöner burn ;)

Bei

eine fetischisierte Dimension, also "Made up history porn" statt "Gun porn".

Wow.

Und das von Leuten, die so oft auf Sprachsensibilität geachtet haben möchten und demonstrativ Toleranz hochhalten. Ein Bisschen bigott, oder?
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 16.01.2026 | 09:59
Verstehe ich das richtig? Wir sind jetzt von

Und das von Leuten, die so oft auf Sprachsensibilität geachtet haben möchten und demonstrativ Toleranz hochhalten. Ein Bisschen bigott, oder?

Das "Porn" war jetzt in keine Richtung abwertend gemeint. Einige meiner Lieblingsszenen in den Star-Trek-Filmen sind "Starship porn". Ich meine damit einfach nur etwas, das mehr oder weniger fetischisiert ist (also mit einer starken Besetzung aufgeladen, muss nicht mal sexuell sein) und um der schieren Lust daran willen inszeniert und betrachtet wird.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Jiba am 16.01.2026 | 10:04
HEXer, willst du denn mehr Sprachsensibilität?

Also fändest du es grundsätzlich gut, wenn wir uns bemühten, einander mit unschädlichen Wörtern anzusprechen oder zu respektieren, wie jemand addressiert werden will?

Wenn ja, dann geh bitte mit gutem Beispiel voran. Meine Pronomen sind er/ihn.
Wenn nein: Worüber regst du dich auf? Kann dir dann doch auch scheißegal sein, oder?

Zumal die Linie, die du da herstellst, ja nicht von einer Person stammen, sondern von dreien, die aufeinander reagieren. Und ich würde behaupten: Deren abschließende Behauptung zum Thema Sprachsensibilität kennst du nicht. Der "verhinderte Oberschulrat" ist auf einem Level mit dem, was auch im DSA-Blubberthread gut und gerne über Kiesow (ich denke, auf den spielt es an) geschrieben wurde – quasi seit es diese Threads gibt. Auch ist der Besagte halt niemand, der hier im Forum rumhängt und sich angegriffen fühlen könnte, sondern ein fiktiver Typus.

Die "fetischisierte Dimension" ist noch nicht einmal eine direkte Reaktion auf den vorigen Austausch, sondern eine eigene Einzelmeinung von Swanosaurus.

Also, halt bitte mal den Ball flach mit solchen Unterstellungen. Macht dir gegenüber ja auch keiner.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: AndreJarosch am 16.01.2026 | 10:05
Ich bin gerade dabei zu verstehen warum ich mit vielen Rollenspielen nicht warm werde bzw. warum ich mit vielen Dingen die meine Mit-Tanelornis als tolles Rollenspielmaterial ansehen nichts anfangen kann.

Für mich ist Glorantha der Maßstab (beschäftige mich mit der Welt seit 1991) und wenn Rollenspielwelten nicht meine Anforderungen erfüllen, die nun Mal mit meinem Wissen um Glorantha konkurrieren müssen, dann finde ich diese nicht interessant.
Dabei müssen andere Rollenspielwelten für mich gar nicht den Detailgrad von Glorantha erreichen, aber ich erwarte, dass sich der Autor was bei den Elementen der Hintergrundwelt gedacht hat und es Zusammenhänge gibt die Sinn ergeben.

Ich denke, dass ich daher eher zu historischen oder zumindest pseudo-historischen Rollenspielen neige.
Anders gesagt: "Es liegt nicht an Euch, es liegt an mir!"
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 16.01.2026 | 10:16
Oder wisst ihr gerade aus dem Stehgreif was an der Stelle wo ihr Wohnt historisch alles passiert ist? Ich meine bei meiner Oma waren die leute irgendwann mal entsetzt das unter ihrem Haus ein alter Römerfriedhof ist.

Diese Büchse der Pandora willst du jetzt nicht wirklich von mir geöffnet bekommen  >;D

Aber auch ich als Historiker bin von vielen Geschichtsauswalzungen in Rollenspielwelten genervt. Wobei es weniger der Schreibstil ist, und es stört mich auch nicht, wenn es mal etwas länger ist (20 Seiten oder so - sowas lese ich im beruf auch mal schnell runter, da bin ich trainiert  ;D). Nee, mich stört eher, wenn es völlig hanebüchen wird, und alles in mir schreit "DAS KANN SO NIEMALS FUNKTIONIEREN!!!!".

Wobei das wieder nicht der Fall ist, wenn es klar ist: das ist nicht die tatsächlich geschehene Geschichte, sondern das ist das, was man im Umfeld der SC glaubt darüber zu wissen.
Das ist in meinen Augen der Königsweg. Denn auch wir im beginnenden 21. Jahrhundert mit all unseren Möglichkeiten liegen wahrscheinlich immer noch bei vielen Dingen ziemlich falsch oder tappen völlig im Dunkeln (die Geschichtswissenschaft beschäftigt sich ja mit kaum was Anderem).
Spieltechnisch ist das auch super, weil man erstens mal weiß, was die Leute um die SC herum so glauben zu wissen, und man kann als SL durchaus andere Dinge tatsächlich in Vergangenheit geschehen lassen.

Wenn man das unter dieser Vorgabe macht, das straff und nicht allzu öde irgendwo niederschreibt, und viele viele weiße Flecken zum Selbstausfüllen noch dabei hat, dann ist das gut so.

Ich tendiere sowieso bei allen von mir geleiteten Kampagnen zu dieser Art unsicherer historischer Überlieferung, ganz egal ob das Rollenspiel selber das so befürwortet oder alles in Stein gemeißelt sehen möchte. Was wissen die denn schon! Ich nenne das mal Schrödingers Chroniken  ^-^

Positives Beispiel ist für mich übrigens der historische Hintergrund bei Fading Suns, der ist schnell erfasst, bietet einen reichhaltigen und nachvollziehbaren Hintergrund für die Spielwelt, und lässt einem dennoch unendlich viele Freiheiten.

Aber auch die bisherige Midgard-Spielwelt finde ich sehr gut, wie sie im Midgard-5-Band "Die Welt" präsentiert wurde. Die ersten paar Seiten sind der komplette kosmologische Hintergrund, und dann werden die einzelnen Länder abgehandelt. Bei der Komplettgeschichte sagen die auch, dass das alles kaum einer so wissen kann, den kann man also abgesehen von den letzten Jahrhunderten als Spieler eigentlich überfliegen, und dann kann man noch die Beschreibung des eigenen Landes lesen, und dann ist man sehr komplett gebrieft.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Weltengeist am 16.01.2026 | 10:26
Dabei müssen andere Rollenspielwelten für mich gar nicht den Detailgrad von Glorantha erreichen, aber ich erwarte, dass sich der Autor was bei den Elementen der Hintergrundwelt gedacht hat und es Zusammenhänge gibt die Sinn ergeben.

Ich denke, das ist ein wichtiger Punkt in diesem Thread: Hier ist ja kaum jemand unterwegs, der sagt: Ein Setting braucht keine Geschichte.

Zur Erinnerung: Beim Threadthema ging es um ausufernde (!) Geschichtsdetails in ganz normalen Quellenbüchern.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: HEXer [n/a] am 16.01.2026 | 10:27
Das "Porn" war jetzt in keine Richtung abwertend gemeint. Einige meiner Lieblingsszenen in den Star-Trek-Filmen sind "Starship porn". Ich meine damit einfach nur etwas, das mehr oder weniger fetischisiert ist (also mit einer starken Besetzung aufgeladen, muss nicht mal sexuell sein) und um der schieren Lust daran willen inszeniert und betrachtet wird.

Joah, das kam aber deutlich anders an.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: korknadel am 16.01.2026 | 10:30
Das "Glorantha Sourcebook" ist meiner Meinung nach ein Extrembeispiel. Ich finde es ein ungeheuer tolles Buch, aber gleichzeitig finde ich, dass es für den Spieltisch eigentlich überhaupt keinen Wert hat, und ich finde es schlimm, wenn das wirklich als eine für das Spiel brauchbare Einführung in die Spielwelt Glorantha verkauft wird. Dieses Buch ist vielmehr eher so etwas wie die Anhänge des HdR. Wenn man schon eine Ahnung von der Welt hat und sich dann für den mythologischen Hintergrund interessiert, dann kann man das zur Hand nehmen und kann sich daran erfreuen, dass Greg Stafford hier in Bezug auf Mythologie etwas geschaffen hat, was es mit Tolkiens erfundenen Sprachen, Völkern und Legendenerzählungen aufnehmen kann. Mich hat das geflasht, aber ich sehe bis heute nicht, was mit dieses Buch am Spieltisch bringen soll außer eben dem Gefühl, dass es da diesen krassen Überbau gibt.

Von daher bin ich bei Swanosaurus, wenn er sagt, dass man auf die Frage des Threads nicht so generell antworten kann. Wenn es darum geht, eine Session vorzubereiten oder eine Einführung in die Spielwelt zu bekommen, ist ein solches Werk in meinen Augen vollkommen sinnlos. Aber es hat seine Daseinsverechtigung, weil es einen großen, weltenbaulichen Wurf dasteht, dessen Lektüre -- die ich nicht langweilig oder dröge fand -- begeistern kann.

Ganz besonders schätze ich die Geschichtsabrisse der Hârnworld-Module, die sehr sachlich -- also vermutlich auch dröge? -- verfasst sind. Aber ich mag diesen Fachbuchstil und finde diese ausgedacht Geschichte faszinierend. Dass da auch mal Genealogien und Regierungszeiten voriger Herrschenden angegeben werden, passt in diesem Fall sehr gut zu dieser Welt, die ja immer noch von dynastisch denkenden Menschen geprägt wird.

Und mir fallen durchaus weitere Spielwelten ein, deren Geschichte ich gerne gelesen habe und bei denen ich den Eindruck habe, dass der Geschichtsabriss nicht sinnlos war. Jetzt müsste man nur wissen, wer welche dieser Abrisse nun als "detailliert" empfindet oder nicht, wie soll man denn dafür einen Maßstab finden?
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 16.01.2026 | 10:32
Joah, das kam aber deutlich anders an.

Dann musst du aber schon genauer lesen:

Zitat
Bei Blue Planet finde ich Detailreichtum wiederum durchaus angemessen. "Harte" Jahreszahlen passen zu harter Science Fiction. Betrachtung gesellschaftlicher Entwicklung in einem längeren Zeitrahmen passt zu Social Fiction. Das schlägt den richtigen Ton an. Erst einmal losgelöst von der Spielrelevanz erfüllt so etwas für mich eine ähnliche Funktion wie für das Spiel weitgehend nutzlose Differenzierung verschiedenster Waffentypen in Shadowrun: So was gelegentlich anspielen zu können und zu wissen, dass da ein großer Katalog von Datenmaterial hintersteht, ergänzt das Spiel um eine fetischisierte Dimension, also "Made up history porn" statt "Gun porn".

Ich habe davon geschrieben, wann ich historischen Detailreichtum in einem Setting eher angemessen finde, und eine Analogie zu Gun Porn z.B. bei Shadowrun aufgemacht (und in meiner Erfahrung ist Gun Porn in bezug auf Cyberpunk-Rollenspiele kein negativ belegter Begriff, sondern etwas, was für viele dazugehört). Also eigentlich schreibe ich hier von einer positiven Funktion für's Spielerlebnis, die der History Porn erfüllt.

Ich weiß jetzt nicht genau, wer sich dadurch angegriffen fühlen soll. Vielleicht bin ich ja zu freudianisch unterwegs und deshalb der Meinung, dass alle Menschen auf der Welt das eine oder andere fetischisieren und dass daran auch im Prinzip erst mal nichts Schlimmes ist ...
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 16.01.2026 | 10:33
Ich bin bekennender History Porn addict und verdammt stolz drauf, also alles gut.  :)
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 16.01.2026 | 11:07
Wobei das wieder nicht der Fall ist, wenn es klar ist: das ist nicht die tatsächlich geschehene Geschichte, sondern das ist das, was man im Umfeld der SC glaubt darüber zu wissen.
Das ist in meinen Augen der Königsweg. Denn auch wir im beginnenden 21. Jahrhundert mit all unseren Möglichkeiten liegen wahrscheinlich immer noch bei vielen Dingen ziemlich falsch oder tappen völlig im Dunkeln (die Geschichtswissenschaft beschäftigt sich ja mit kaum was Anderem).
Spieltechnisch ist das auch super, weil man erstens mal weiß, was die Leute um die SC herum so glauben zu wissen, und man kann als SL durchaus andere Dinge tatsächlich in Vergangenheit geschehen lassen.

Wenn man das unter dieser Vorgabe macht, das straff und nicht allzu öde irgendwo niederschreibt, und viele viele weiße Flecken zum Selbstausfüllen noch dabei hat, dann ist das gut so.

Erinnert mich ein bißchen an die alten D&D-Gazetteers (zumindest die paar, die ich mein eigen nenne), die das gerne so gehandhabt haben: "Hier ist das Wissen, das die Leute so haben...und hier drüben das, was wirklich insbesondere hinter den ganz alten Legenden steckt". Beides nicht allzu ausgewalzt, die Bandseitenzahl war ja doch etwas begrenzt -- aber ja, mit so was kann ich arbeiten. Insbesondere, wenn die verschütt gegangene Wahrheit dann im Spiel doch mal wichtig wird; "The Dwarves of Rockhome" beispielsweise hatte da einen netten Abenteuerumriß um die plötzliche Rückkehr eines legendären Königs... :)
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: First Orko am 16.01.2026 | 11:16
Und das von Leuten, die so oft auf Sprachsensibilität geachtet haben möchten

Wo genau habe ich entsprechende Forderung deiner Ansicht nach an Andere gestellt?

Ich versuche es selbst für mich ja,  allerdings recht inkonsequent, ist mir bewusst.
Mitunter rutsch mal was durch. Aber Emotion und Widersprüche sind nicht immer für alle gleich gut aushaltbar, tut mir leid wenn ich dir da zu viel zugemutet habe.
Danke an dieser Stelle auch für deine sicher wohlmeinende, sprachkorrigierende Anmerkung  :d
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Raven Nash am 16.01.2026 | 11:29
Ich hab ja bei vielen RPG-Autoren (bei denen ich sehr häufig der Meinung bin, sie hätten sich einen Ghostwriter leisten sollen  ;) ) den Eindruck, man hat sie in der Schule in Geschichte traumatisiert. Man hat sie in dem Glauben erzogen, dass Geschichte extrem trocken, kalt und generell furchtbar langweilig sein muss. Und so schreiben sie dann auch die Geschichte ihrer Fantasy-Welt.
Dass Geschichte spannend, farbig und faszinierend sein kann, dürfte sich da eher wenig etabliert haben.

Der Geschichtsteil wird dann eben genauso abgearbeitet. Eine eher unliebsame Pflicht, die von einem aber erwartet wird.
Für mich ist das aber der Teil, bei dem ich als SL bereits beim Lesen Ideen für Abenteuer haben möchte, mich möglichst schon 100 Orte und Ereignisse anspringen, die man verwursten kann.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 16.01.2026 | 11:32
Dass Geschichte spannend, farbig und faszinierend sein kann, dürfte sich da eher wenig etabliert haben.

Ich vermute eher, dass die Geschichte ihrer Welt in den Köpfen der Autor*innen spanned, farbig und faszinierend ist, sie es aber oft nicht schaffen, sie auch so zu schildern, genauso, wie man einen tollen, atmosphärischen Schauplatz vor Augen haben kann, es aber nicht schafft, ihn mit Worten zu vermitteln.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 16.01.2026 | 11:45
Ich vermute eher, dass die Geschichte ihrer Welt in den Köpfen der Autor*innen spanned, farbig und faszinierend ist, sie es aber oft nicht schaffen, sie auch so zu schildern, genauso, wie man einen tollen, atmosphärischen Schauplatz vor Augen haben kann, es aber nicht schafft, ihn mit Worten zu vermitteln.

Wobei ironischerweise die Geschichte, soweit sie in den Köpfen der Charaktere steckt, sich oft gerade auch wieder auf die spannenden, farbigen, und faszinierenden Teile konzentrieren wird, während das Langweilige irgendwann wieder hinten runterfällt. So funktioniert ja Erinnerung -- und so funktioniert vor allem auch die Weitervermittlung von "Geschichte" auf dem mündlichen Weg durch Erzählungen und Anekdoten über und von damals.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: korknadel am 16.01.2026 | 11:56
Dass Geschichte spannend, farbig und faszinierend sein kann, dürfte sich da eher wenig etabliert haben.

Aber Geschichte ist doch aufgrund dessen spannend, farbig und faszinierend, was geschieht (daher ja das Wort). Das ändert sich doch nicht durch die Schreibweise. Wenn Interessantes Geschehen erzählt wirde, ist mir eine nüchterne, knappe Schreibe lieber als romanhafte Blumigkeit.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: HEXer [n/a] am 16.01.2026 | 12:06
Ich weiß jetzt nicht genau, wer sich dadurch angegriffen fühlen soll. Vielleicht bin ich ja zu freudianisch unterwegs und deshalb der Meinung, dass alle Menschen auf der Welt das eine oder andere fetischisieren und dass daran auch im Prinzip erst mal nichts Schlimmes ist ...

Entschuldige, falls ich mich da nicht deutlich genug ausgedrückt habe: Ich.

Und nicht nur durch deine Aussage. Und bei der nützt es auch wenig, wenn du dann wegargumentieren willst, dass ich das so empfand – selbst wenn ich mir selbst einen Fetisch unterstellte, darf das deswegen noch nicht jemand anderes im Internet tun. Und "Gunporn" ist in meinem Umfeld eine durchaus negativ konnotierte, stellenweise abwertende Bezeichnung für einen gewissen Spielstil. Schön, dass deine Formulierungen für dich kein Problem sind. Für mich sind sie das. Und es war nicht nur deine Aussage, sondern bereits der "verhinderte Oberschulrat" und das "verbrechen" einer Settingbeschreibung. Das wertet eine ganze Gruppe von Rollenspielen und Rollenspielern ab. Mal abgesehen von Berufsgruppen.

Schade, dass man sich rechtfertigen muss, wenn man mitteilt, man fühlt sich durch eine Aussage verletzt.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Galatea am 16.01.2026 | 12:57
Ach ja, noch ein Negativbeispiel aus der anderen Richtung: Das Setting von Numenera ist eine schöne Sammlung mehr oder weniger schräger Ideen, aber als Setting ist es für mich für den A*, unter anderem weil eine Geschichtsschreibung fehlt, die ein paar Aufhänger für's Entdecken und für Abenteuer geben könnte. Eine Welt, die sich trotz "acht vorangegangener Welten" völlig geschichtslos und artifiziell anfühlt, weil die Designer offenbar die Vorstellung haben, dass "Geheimnisvoll" gleichbedeutend sei mit "keine Ahnung, ist auch egal".
Das fasst mein Problem mit der aktuellen Präsentation von Arvendor ganz gut zusammen. Viele interessante Ansätze, aber extrem wenig Substanz.
Und ja, das liegt zu einem guten Teil daran, dass das Spiel noch in der Baby-Krabbelphase steckt, was Lore-Entwicklung angeht, aber ein BISSCHEN mehr hätte ich mir dann doch gewünscht, um wirklich Interesse zu wecken.
Wenn man gefühlt ungefähr soviel Lore wie Against the Storm hat, dann ist das suboptimal.

Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass Geschichte im Fantasy-RPG vor allem Hooks bieten sollte. Wenn der SC mit Geschichtskenntnissen Dinge weiß, die sich im Abenteuer als nützlich erweisen, ist das gut - besser ist es, IMHO, wenn er Neues entdecken kann. Wenn sich Dinge als falsch erweisen, oder sich neu zusammenfügen. Oder überhaupt ganz unbekannte Dinge auftauchen, die die Perspektive verschieben.
Ich plane den Lore-Teil für mein Projekt so zu gestalten, dass mehrere Autoren immer wieder den Originaltext kommentieren, ergänzen und ihm teilweise auch widersprechen oder Fakten anzweifeln.
Da kann man sich dann als SL aussuchen, was man für wahr erklären möchte oder doch einen eigenen Spin mit rein bringt (ein historisches Beispiel hierfür wäre Henry Averys Piratenkönigreich Libertalia, das in der damaligen Zeit ein weit verbreiteter Mythos war (nicht zuletzt dank dem, äh... Märchenbuch "A General History of the Pyrates"), an den viele Leute geglaubt haben, das aber nie in dieser Form existiert hat).
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 16.01.2026 | 13:44
Entschuldige, falls ich mich da nicht deutlich genug ausgedrückt habe: Ich.

Und nicht nur durch deine Aussage. Und bei der nützt es auch wenig, wenn du dann wegargumentieren willst, dass ich das so empfand – selbst wenn ich mir selbst einen Fetisch unterstellte, darf das deswegen noch nicht jemand anderes im Internet tun. Und "Gunporn" ist in meinem Umfeld eine durchaus negativ konnotierte, stellenweise abwertende Bezeichnung für einen gewissen Spielstil. Schön, dass deine Formulierungen für dich kein Problem sind. (...)

Schade, dass man sich rechtfertigen muss, wenn man mitteilt, man fühlt sich durch eine Aussage verletzt.

Sorry, das "verletzt gefühlt" ist bei mir nicht angekommen. Das will ich dir sicher nicht absprechen, tut mir leid.

Ich finde es nicht so toll, dass du ein Zitat von mir einfach so kürzt, dass die Bewertung ins Gegenteil verkehrt wird, und dann dagegen wetterst. Dass es dir eigentlich um dein persönliches Empfinden geht, ist dabei für mich nicht rübergekommen.

Wenn das der Punkt war, hättest du auch einfach schreiben können: "ich finde es voll daneben, in diesem Zusammenhang so abwertende Begriffe zu verwenden, auch, wenn die Aussage gar nicht abwertend gemeint ist. Mir ist es unangenehm, wenn etwas, das mir gefällt, mit diesem Begriff in Verbindung gebracht wird." Dann hättest du mich nicht als irgendeinen Hochkultur-Sittenwächter dargestellt, der gegen Schmutz und Schund wettert.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: unicum am 16.01.2026 | 14:20
Diese Büchse der Pandora willst du jetzt nicht wirklich von mir geöffnet bekommen  >;D

Ne von dir nicht aber ich denke wenn du nur ein klein wenig über den Tellerrand schaust wirst schnell geügend Leute finden die ich meine. Ich meinee

Aber auch die bisherige Midgard-Spielwelt finde ich sehr gut, wie sie im Midgard-5-Band "Die Welt" präsentiert wurde. Die ersten paar Seiten sind der komplette kosmologische Hintergrund, und dann werden die einzelnen Länder abgehandelt. Bei der Komplettgeschichte sagen die auch, dass das alles kaum einer so wissen kann, den kann man also abgesehen von den letzten Jahrhunderten als Spieler eigentlich überfliegen, und dann kann man noch die Beschreibung des eigenen Landes lesen, und dann ist man sehr komplett gebrieft.

Ja damit konnte ich auch schon recht gut leben.

Auf der anderen Seite denke ich mir das es eben genügend Leute gibt die sehr viele Details haben wollen und andere die das nicht haben wollen. Für mich war die Sache schon beim lesen des Titels "Klar sind die Sinnvoll, nur eben nicht für jeden" Ich arbeite derzeit im Setting  einer Fantasywelt an einem Zeitreiseabenteurer in die Vergangenheit, natürlich interessiert es mich da zum einen was die Weltbeschreibung her gibt und zum anderen was Spielfiguren über diese Zeit eigentlich wissen und wo sie ggf ihre Wissenslücken auffüllen können - möglichst genau und detailiert. (Eine der Sachen ist das sie eben dann eine Alte Sprache lernen müssen) Und ja ich habe da durchaus vor die ein oder andere Überraschung einzubauen, etwa wenn sie sich bezüglich einer "Verkleidung" an die falschen Leute Historiker wenden - oder das sogar ganz ignorieren.

Aber für viele, viele sachen brauch ich das nicht. Da reicht der Status Quo.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Zed am 16.01.2026 | 14:27
Tl;dr: Ich denke, es braucht bei Hintergrundgeschichten zuerst nur einen groben Überblick, dann müssen Spielleitungen oder Spielende Fragen haben, die sie umtreiben, und dann dürfen die Antworten auf diese Fragen gerne detailliert sein.

Aber eine detaillreiche Hintergrundgeschichte als Einstieg oder zum Selbstzweck wird eher langweilen.


Ich denke, es gibt einen Zusammenhang von der Frage im Thread mit der häufig gehörten Beschwerde "Meine Gruppe interessiert sich für die Hintergrundgeschichte nicht." Darum würde ich einmal umformulieren: Wie muss eine Geschichtsschreibung stattfinden, dass sie Spielleitungen und Spielende interessiert?

Ich bin sehr tolkiengeprägt, und kann meine Antwort aus meinem Weg zum Silmarillion ableiten. Das Silmarillion war nämlich zuerst keine positive Erfahrung für mich - und ich kam über 70 Seiten nicht hinaus. Ich war in die Erwartungsfalle getappt, dass das Silmarillion irgendwie wie "Der Herr der Ringe" ist. Und dann waren da plötzlich Gottheiten (die ich zuvor im HdR nie wahr- oder ernstgenommen hatte), die musizierten? Eru schien wichtig, aber wird sein Name im HdR überhaupt genannt?

Doch dann sagte jemand: "Willst Du wissen, was aus den Ents wird, und ob sie ihre Frauen finden? Wohin die Elben und die Ringtruppe segeln? Warum Gandalf stirbt und wieder zurückkommt? Du dachtest, Sauron wäre der Big-Bad, aber was, wenn ich Dir sage, dass er nur der kleine Assistenz des wirklichen Big Bad ist?"

D a s  gab mir die Motivation, das Silmarillon erneut lesen. Ohne diese Fragen hätte ich nicht die Motivation gehabt, dem Silmarillion eine zweite Chance zu geben.

Es war, als würde die ganze Geschichte des HdR zurückgezoomt werden. Plötzlich wurden Zusammenhänge klar, die ich vorher nicht kannte, und die mir die geliebte HdR-Geschichte in neues Licht tauchten. Noch immer bekomme ich Gänsehaut, wenn ich lese, wie Frodo und Co gestattet wird, nach Valinor zu reisen, eine Fahrt wegen derer Millionen von Wesen starben und ganze Kontinente untergingen, weil die Gottheiten von Valinor ihnen diesen Besuch bei ihnen  n i c h t  gestattet hatten.

Also: Wenn man detailliert die Welt erklärt, ohne dass das Publikum diese Dinge wissen  w i l l, dann geht das schief.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Johann am 16.01.2026 | 14:33
Klasse Zusammenfassung & ein toller Erfahrungsbericht zum Silmarillion!
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: 1of3 am 16.01.2026 | 14:37
Darum würde ich einmal umformulieren: Wie muss eine Geschichtsschreibung stattfinden, dass sie Spielleitungen und Spielende interessiert?.

Vor zwei Jahren endete der Letzte Krieg nach etwa einem Jahrhundert. Er wurde ausgelöst durch einen Erbstreit unter den Kindern von Großkönig Galifar. Dabei zerfielen die Nachfolgereiche weiter zu den heutigen Staaten (siehe Karte). Auslöser für die Friedensverhandlungen war, dass das Land Cyre quasi explodierte und sich in das Klageland verwandelte.

Wo warst du vor zwei Jahren?
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 16.01.2026 | 14:45
Tl;dr: Ich denke, es braucht bei Hintergrundgeschichten zuerst nur einen groben Überblick, dann müssen Spielleitungen oder Spielende Fragen haben, die sie umtreiben, und dann dürfen die Antworten auf diese Fragen gerne detailliert sein.

Yep. Ich würde das vielleicht so unterteilen: einmal gibt's die Allgemeinbildung Marke "Das weiß doch jeder" (oder zumindest jeder, der in der relevanten Gegend aufgewachsen ist), und dann gibt's die Dinge, bei denen Wissensfertigkeiten und Ähnliches zum Tragen kommen.

Und Details fallen für mich nicht nur, aber auch beim Thema Geschichte eher unter "Expertenwissen" und damit in die Schublade "Dinge, an die die SL den Spieler des Experten bei Bedarf 'erinnert'". Darüber, inwieweit diese Details dann unbedingt in einen mehr oder weniger umfangreichen offiziell-verbindlichen Settingkanon gehören, kann man ggf. noch mal gesondert streiten, denn wie sehr es darauf ankommt, wer genau sie sich ursprünglich ausgedacht hat, ist eigentlich schon wieder ein anderes Thema.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 16.01.2026 | 14:47
Wobei ich als SL sowas eh den Spielern bereit bin abzunehmen - kein Spieler muss sich für meine Kampagnen irgendwelche Hintergrundtexte reinziehen, ich geb denen gerne immer die konkreten Infos an die Hand, die sie je nach Hintergrund und Wissensfertigkeiten haben sollten. Nur für mich als SL stelle ich den Anspruch, die Spielwelt relativ genau zu kennen.

Wenn ein Spieler sich selber gerne reinliest, hab ich aber auch nichts dagegen.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: unicum am 16.01.2026 | 15:12
Wenn ein Spieler sich selber gerne reinliest, hab ich aber auch nichts dagegen.

Äh ja, aber nur bis zu einem gewissen Grad.

Ich bin etwas geschädigt an der Stelle, traumatisert vieleicht sogar. (okay das ist etwas übertrieben) aber ich erinnere mich auf einen Con wo ich DSA eine Chance geben wollte (lang lang ists her ich kann nicht sagen welche VErsion des Spiels) und tatsächlich stritten sich da der Meister und 2 Spieler eine halbe Stunde darüber wo ein Ort im vergleich zu einem anderen Ort liegt so ähnlich wie: Liegt Wiesbaden Westlich oder Östlich vom Rhein (gut das weis ja wohl jeder,...) über so etwas stritten sich 3 Leute eine halbe stunde lang und meinten das die Antwort im Buch A B oder C steht - das hatte aber keiner dabei, aber es war jedem Wichtig recht zu haben. Vieleicht streiten sie ja auch heute noch,...

Schlussendlich bin ich aufgestanden und gegangen.

Aber ja ich erlebe auch sonst immer wieder wie detailierte Dinge der ein oder andere falsch interpretiert oder gar falsch gelesen und verinnerlicht hat ansonsten dürfte es ja auch weniger Regeldiskussionen geben.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Raven Nash am 16.01.2026 | 15:16
Ich hab mich amüsiert, als eine Spielerin sich über irgendwas im Setting-Hintergrund gewundert hatte, und die andere lakonisch ein "Steht doch eh im Buch!" eingeworfen hat. Wer liest, ist halt immer im Vorteil.  ~;D
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Zed am 16.01.2026 | 15:17
Vor zwei Jahren endete der Letzte Krieg nach etwa einem Jahrhundert. Er wurde ausgelöst durch einen Erbstreit unter den Kindern von Großkönig Galifar. Dabei zerfielen die Nachfolgereiche weiter zu den heutigen Staaten (siehe Karte). Auslöser für die Friedensverhandlungen war, dass das Land Cyre quasi explodierte und sich in das Klageland verwandelte.

Wo warst du vor zwei Jahren?

Das ist der Weg! Jetzt will ich wissen, wieso "Cyre quasi explodierte" (quasi!), und wieviele Kinder der Großkönig (Groß!) hatte.  :)
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 16.01.2026 | 15:20
Ich bin etwas geschädigt an der Stelle, traumatisert vieleicht sogar. (okay das ist etwas übertrieben) aber ich erinnere mich auf einen Con wo ich DSA eine Chance geben wollte (lang lang ists her ich kann nicht sagen welche VErsion des Spiels) und tatsächlich stritten sich da der Meister und 2 Spieler eine halbe Stunde darüber wo ein Ort im vergleich zu einem anderen Ort liegt so ähnlich wie: Liegt Wiesbaden Westlich oder Östlich vom Rhein (gut das weis ja wohl jeder,...) über so etwas stritten sich 3 Leute eine halbe stunde lang und meinten das die Antwort im Buch A B oder C steht - das hatte aber keiner dabei, aber es war jedem Wichtig recht zu haben. Vieleicht streiten sie ja auch heute noch,...

Oh Mann, was für Idioten. Aber das ist nun mal nicht das Problem mit ausgearbeiteter Lore, sondern einfach mit diesem Typus von Leuten. Hätten die was mit weniger ausgearbeitetem Hintergrund gespielt, wäre aufgrund dieses Mindsets irgendwann eine andere arschige Eskalation abgegangen.

Goldene Regel ist und bleibt "Spiel nur mit netten vernünftigen Leuten."
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Galatea am 16.01.2026 | 21:42
Es war, als würde die ganze Geschichte des HdR zurückgezoomt werden. Plötzlich wurden Zusammenhänge klar, die ich vorher nicht kannte, und die mir die geliebte HdR-Geschichte in neues Licht tauchten. Noch immer bekomme ich Gänsehaut, wenn ich lese, wie Frodo und Co gestattet wird, nach Valinor zu reisen, eine Fahrt wegen derer Millionen von Wesen starben und ganze Kontinente untergingen, weil die Gottheiten von Valinor ihnen diesen Besuch bei ihnen  n i c h t  gestattet hatten.
Eine der besten Szenen ist als Gimli Galadriel nach einer Haarsträhne fragt und sie ihm DREI gibt. Diese Zahl ist sehr beabsichtigt gewählt. Da schwingt so viel Geschichte mit, wäre jetzt nicht übertrieben gewesen, wenn die Hälfte der Elben in Ohnmacht gefallen wäre. Das versteht man aber auch nur, wenn man weiß von wem sie zuvor drei mal gefragt wurde und jedes mal abgelehnt hat.

Solche Details mag ich, aber man muss sie halt auch einbauen. Das passiert bei Rollenspielen leider selten, wobei die Geschichte von Arda den Vorteil hat, dass die zentralen Charaktere in den Geschichten SEHR lange leben und sich nicht ständig wechseln. Mit menschlicher Historie könnte man sowas nicht wirklich machen, da blinzelt man mal kurz und es sind schon wieder zehn Generationen vorbei.
Man muss sich nur mal verinnerlichen, dass Aragorns Ur-Ur-Ur-[...]-Urgroßvater, der erste König von Numenor, Elronds BRUDER war. Da merkt man, dass die Elben eine GANZ andere Perspektive auf die Geschichte haben und für die Sachen die vor 5000 Jahren passiert sind absolut relevant sind, weil der Großteil von ihnen persönlich betroffen war.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Zed am 16.01.2026 | 21:58
Eine der besten Szenen ist als Gimli Galadriel nach einer Haarsträhne fragt und sie ihm DREI gibt. Diese Zahl ist sehr beabsichtigt gewählt. Da schwingt so viel Geschichte mit, wäre jetzt nicht übertrieben gewesen, wenn die Hälfte der Elben in Ohnmacht gefallen wäre. Das versteht man aber auch nur, wenn man weiß von wem sie zuvor drei mal gefragt wurde und jedes abgelehnt hat.

Dieses Detail kannte ich noch nicht, und ich habe es nachgeschlagen. Das war spannend und genau die Art von durchdachten Details, die Tolkiens Besonderheit ausmacht. Danke!
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 20.01.2026 | 12:26
Der letzte vorher, der Galadriel nach einer Fragte war Feanor und Galadriel sagte ihm ganz zivilisiert verpiss dich Arschloch.
Und das war  vor dem Sippen Mord von Aglaronde, danach und dem Marsch über die Helcaraxe.

Im übrigen kommt es darauf an, was will ich lesen.
Wie wichtig ist es für das Setting, in Arcanis würden iiirc die Elfen von den Schlangenmenschen als Sklaven mit Hilfe einer Göttin erschaffen.
Irgendwann haben die sich befreit und sind abgehauen.
Solche Schlüsselinfos halte ich für wichtig, und auch die aktuelle Geschichte, je nach Bedeutung im Spiel.
In Glorantha wo man wahrscheinlich einen Heortling Rebellen gegen das Lunare Imperium in den Heldenkriegen spielt, wichtiger als bei DSA.
Wobei mkn auch SCs durch Heldenquesten Geschichte erleben und möglicherweise auch verändern können
Ähnliches gilt für SW


Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Alexandro am 20.01.2026 | 12:38
Wenn Interessantes Geschehen erzählt wirde, ist mir eine nüchterne, knappe Schreibe lieber als romanhafte Blumigkeit.

Das angekreidete Problem war ja gerade, dass es nicht knapp war (also bei Glorantha). Da ist es endlos ausgewalzt und man muss erstmal schauen "Worum geht es hier eigentlich?".

Ansonsten bin ich der gleichen Meinung: wenn es interessant ist, dann reicht auch der "elevator pitch" in wenigen Sätzen (detailliertere Beschreibungen oder gar Ingame-Texte kann man dann ja immer noch später nachliefern).
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Raven Nash am 20.01.2026 | 13:11
Ansonsten bin ich der gleichen Meinung: wenn es interessant ist, dann reicht auch der "elevator pitch" in wenigen Sätzen (detailliertere Beschreibungen oder gar Ingame-Texte kann man dann ja immer noch später nachliefern).
Da bin ich (ausnahmsweise) mal der selben Meinung. Allerdings hätte ich den Pitch dann aber bitte gerne... wie soll ich sagen... mit Begeisterung vorgetragen? Also nicht im Ton eines gelangweilten Geschichtsprofessors, der nur vorträgt weil's eben in seinem Vertrag steht. Man kann Geschehnisse durchaus kurz aber spannnend erzählen.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: First Orko am 21.01.2026 | 11:17
Wir könnten ja mal ein paar Positivbeispiele sammeln, so zur Inspiration...?
Ich finde zBsp den Hintergrund bei Stars without number auf ein paar Seiten gut nachvollziehbar, aufs Wesentliche begrenzt und mit inspirierenden Lücken geschrieben. Nicht fürchterlich spannende Schreibe, aber schon weniger lexikarisch. Solide, geht besser aber auch viiiel schlechter!

Zitat von: Der einleitende Absatz:
The default setting of Stars Without Number is a far future age in which the sprawling, glorious domain of human space has been reduced to a scattering of squabbling powers and long-lost worlds. The ancient domain of humanity has shrunken with the collapse of the psi-powered Jump Gates that once stitched the remote regions of the frontier into the teeming worlds of the human core.
Now, almost six hundred years after the catastrophe that ended the Golden Age of Man, new hope rises from the wreckage of a fallen empire.
Hier (https://online.anyflip.com/ybuaf/zfnh/mobile/index.html) kann man auf Seite 124-129 selbst in der Free Edition nachlesen.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 21.01.2026 | 11:37
Das angekreidete Problem war ja gerade, dass es nicht knapp war (also bei Glorantha). Da ist es endlos ausgewalzt und man muss erstmal schauen "Worum geht es hier eigentlich?".

Wobei das ironischerweise genau die Frage ist, die "Geschichte" überhaupt mit beantworten soll -- im Sinne von "Wie ist das Setting überhaupt zu dem geworden, mit dem wir uns heute herumschlagen müssen?".

Mir ist nebenbei noch eine andere Parallele durch den Kopf gegangen: Charakterhintergrundgeschichten. Auch bei denen läßt sich ja mit praktisch denselben Argumenten darüber streiten, wie umfangreich sie sein sollen und was eigentlich in sie hineingehört und was nicht, und auch die sagen uns mal mehr und mal weniger darüber, wer und wie der Charakter, dessen Vergangenheit sie beschreiben, eigentlich heute so ist und was ihn aktuell an- und umtreibt. Vielleicht kann man das also auch ein Stück weit umdrehen: "Wenn das Setting selbst ein Charakter wäre, wieviel 'Hintergrundroman' dürfte man Spielleitung und Mitspielern dann zumuten?".
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Alexandro am 21.01.2026 | 20:14
Wir könnten ja mal ein paar Positivbeispiele sammeln, so zur Inspiration...?

1of3 hat ja schon Eberron als Beispiel genannt (tatsächlich profitiert das Setting davon, dass es in einem Wettbewerb entstanden ist, wo man erstmal nur eine Seite Beschreibung einreichen konnte, und in jeder Runde das Zeichenlimit nach oben korrigiert wurde).

Auch gut war die Geschichtsschreibung bei Fading Suns, wo jede Phase klar definiert war:
Phase 1: Die Menschheit (unter der Führung einer Weltregierung aus Großkonzernen) beginnt die sterbende Erde zu verlassen.
Phase 2: Sie entdecken ein Sprungtor am Rande des Sonnensystems, durch welches Reisen zu weit entfernten Sternen möglich sind.
Phase 3: Aufgrund der Größe des Reiches können die Großkonzerne keine Kontrolle über ihre entfernten Kolonien behalten, und diese machen sich unabhängig.
Phase 4: Die unabhängigen Kolonien schließen sich zur Zweiten Republik zusammen, es folgt eine Phase des technologischen und kulturellen Fortschritts.
Phase 5: Die Zweite Republik zerbricht an inneren und äußeren Problemen, viele Planeten fallen in quasi-mittelalterliche Zustände zurück.
Phase 6: Die Herrscher der Planeten bilden Dynastien, welche die ersten Adelshäuser werden. Die Kirche gewinnt Einfluss im Zuge eines generellen Misstrauens gegenüber fortschrittlicher Technologie. Handelsgilden verteidigen erbittert ihre einstigen Privilegien, und hüten das Wissen der Zweiten Republik.
Phase 7: Darius Alecto schafft es (durch Diplomatie und Kriegsführung) Adel, Kirche und Gilden an den Verhandlungstisch zu bringen, um ein gemeinsames Sternenreich (mit ihm als Imperator) zu bilden. Bei seiner Krönung wird er ermordet.
Phase 8: Da Darius keinen Nachfolger bestimmt hat, kommt es es zu langwierigen Nachfolgekriegen.
Phase 9: Die kriegsmüden Parteien einigen sich auf Alexius Hawkwood als Kompromisskandidaten. Unter Alexius I. gibt es endlich Frieden, aber die alten Spannungen sind immer noch da, was zu einer Atmosphäre von Intrigen und Verrat führt.

Jede dieser Phasen lässt sich knapp umreißen, liefert aber gleichzeitig genug, um die Ideen weiterzuspinnen.
Und jede begeistert mich so sehr, dass ich gerne in dieser Phase eine Kampagne spielen würde (im Gegensatz dazu, kann das "Fortschreiben der Geschichte" in späteren Editionen von Fading Suns imo leider nicht mit der Prägnanz der ursprünglichen Geschichte mithalten).
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 21.01.2026 | 20:52
Ich würde bei Geschichte auch noch mal ein wenig zwischen reinem Umfang einer- und tatsächlichem Detailgrad andererseits unterscheiden wollen, weswegen ich mir im Moment in Sachen Positivbeispiele nicht ganz sicher bin, was eventuell zählt und was nicht. Beispielsweise hat Baroque Space Opera ein dutzendseitiges Kapitel allein zum Thema Geschichte, in dem sich tatsächlich reichlich interessante und für eventuelle Abenteuer immer noch verwurstbare Ereignisse finden, und dabei zähle ich mehr oder weniger historische Hintergrundinformationen an anderen Stellen im Buch (wie bei den diversen Beschreibungen der Bewohner und Planeten des Settings) noch gar nicht mit...aber diese Geschichte umfaßt halt auch offiziell hundertneunundvierzigtausend Jahre, also wird auch da letztendlich "nur" mit recht groben Strichen gezeichnet.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Torsten (Donnerhaus) am 21.01.2026 | 22:06
Ich finde eigentlich meistens eine Geschichtsschreibung aus der Welt heraus spannender, als eine objektive Geschichtsschreibung. Es nutzt mir ja gar nicht, was tatsächlich 1000 Jahre vor der Handlung passierte. Viel wichtiger ist, was die Mehrheit GLAUBT was da passiert ist. Und da gehen Dinge dann ja auch sehr schnell ins Mythologische.

Die Menschen im Jahr 2200 werden über unsere heutige Zeit, die Popkultur und die Details politischer Ereignisse, etwa genauso viel wissen, wie die meisten von uns heute über die Zeit um 1800 wisse. Something something something Cowboys, Gaslampen und komplizierte Damenmode. Und vor allem, wenn ich ein Rollenspiel spiele, das im Jahr 2025 spielt, wie wichtig ist da tatsächlich, was da so die letzten Jahrhunderte zuvor passierte? In bestimmt 99 von 100 Fällen hat das doch keinerlei Bewandtnis.

Zumal die entmythologisierung der Vergangenheit der Spielleitung eher Freiheiten nimmt, als irgendwas nützliches zu liefern.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: korknadel am 22.01.2026 | 08:42
Wenn es um Positivbeispiele geht: Ich feire die Geschichtsabrisse in den diversen Hârnworld-Publikationen ab.

Wobei ich das für meinen Geschmack nicht in jedem Setting so haben wollen würde. So wie hier die Geschichte der Hârnworld präsentiert wird, sollte man die von Glorantha, was ja eine mythologische Welt ist, nicht präsentieren. Und bei einem Geschichtsüberblick der Alten Welt von Warhammer Fantasy erwarte ich auch etwas anderes (nämlich ein paar schlechte Witze, Geschmacklosigkeiten und Übertreibungen).

Sehr überzeugend fand ich übrigens auch, wie sehr Geschichte mit Abenteuern bei Symbaroum verzahnt ist. In diesem Setting ist so gut wie alles, was in der Vergangenheit passiert ist, ständig relevant. Das hat mir sehr gefallen.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Luxferre am 22.01.2026 | 09:42
Wenn es um Positivbeispiele geht: Ich feire die Geschichtsabrisse in den diversen Hârnworld-Publikationen ab.

+1 pluseinse ich mal  :d


Außerdem mag ich die sehr dichte, aber auch sehr übersichtliche Geschichtsabhandlung in den ShadowWorld Büchern von Terry Amthor.
Kompakt und lebendig. Und da SW sehr highmagic ist und Zeitreisen durchaus im Bereich des Möglichen liegen, machen einige detailliertere Einträge auch durchaus Sinn. Und vieles davon einen einen Bezug zur regulären Spielzeit/-epoche. Also keine Infos, die nicht auch irgendwie für das aktuelle Bild relevant wären. Auch schön, dass einige magische Gegenstände in der Geschichte wiederkehrend auftauchen.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: unicum am 22.01.2026 | 10:01
Wer hat sich eigentlich schon mal gefragt bei einem sogenennaten "klassischen" Dungeoncrawl
"Welcher depp hat denn wann dieses Dungeon gebaut? War der Wahsinnig?"
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 22.01.2026 | 10:03
Wer hat sich eigentlich schon mal gefragt bei einem sogenennaten "klassischen" Dungeoncrawl
"Welcher depp hat denn wann dieses Dungeon gebaut? War der Wahsinnig?"

Meinst du damit, dass ein Geschichtskapitel zur Geschichte des jeweiligen Dungeons angebracht wäre? Hätte ich in vielen Fällen nichts gegen ...

Aber ja, ich frage mich das eigentlich immer. Weshalb ich selbst immer nur Mini-Dungeons baue, bei denen ich den Überblick darüber habe, was warum wo ist und wie das Sinn ergibt.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: korknadel am 22.01.2026 | 10:31
Wer hat sich eigentlich schon mal gefragt bei einem sogenennaten "klassischen" Dungeoncrawl
"Welcher depp hat denn wann dieses Dungeon gebaut? War der Wahsinnig?"

Sind nun natürlich nicht das, was man "klassische" Dungeoncrawls nennen würde, aber sämtliche dungeonartigen Schauplätze auf Hârn haben ihren Geschichtsabriss, manchmal erfährt man sogar, wann welches Feature von wem und weshalb gebaut wurde.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 22.01.2026 | 10:50
Wer hat sich eigentlich schon mal gefragt bei einem sogenennaten "klassischen" Dungeoncrawl
"Welcher depp hat denn wann dieses Dungeon gebaut? War der Wahsinnig?"

Ich würde sagen: so ziemlich jeder, der sich so etwas schon mal angetan hat. ;) Aber da sind das Problem wohl eher die realweltlichen Dungeondesigner, die das Ding ja nicht wirklich in echt bauen und dann dem Verlies-TÜV zur Begutachtung vorführen müssen, bevor es in Betrieb gehen kann -- Karopapier und komische Ideen ohne weiteres Nachdenken sind einfach billig und schnell zu haben!

Wieviel Vorgeschichte ich zu einem "Kaufdungeon" brauche, hängt denn auch nach wie vor vom Einzelfall ab. Ein monsterverseuchtes natürliches Höhlensystem braucht nicht viel, solange der gegenwärtige Zustand nicht allzusehr gegen den gesunden Menschenverstand verstößt -- keinen interessiert die Geschichte der dreizehn Goblinhäuptlinge vor dem aktuellen wirklich sooo besonders. Und auch ein Bau, an dem sich ein buchstäblich wahnsinniger Zauberer aus nicht unbedingt nachvollziehbaren Gründen ausgetobt hat, kommt mit vielleicht mal der einen oder anderen Fußnote aus. Aber wenn die Gruppe in ein verrufenes Bergwerk einsteigt oder über alte Tempelruinen stolpert und tatsächlich herausfinden will, soll, oder gar muß, was da eigentlich mal passiert ist...dann hilft's natürlich, mehr Konkretes über die Vergangenheit zu wissen.

Und natürlich kann man auch mal direkt mit der Vorgeschichte anfangen und sich von der dann überhaupt erst zu passenden Eigenheiten seines "Dungeons" inspirieren lassen. In welcher Reihenfolge der Schaffensprozeß genau abgelaufen ist, sieht man ja dem Endprodukt meist nicht großartig an. :)
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 22.01.2026 | 10:53
Da lobe ich mir den Urdungeon Moria bei Tolkien - der hat ne Story und funktioniert.  :)
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 22.01.2026 | 11:22
Da lobe ich mir den Urdungeon Moria bei Tolkien - der hat ne Story und funktioniert.  :)

Yep. :)

Und bei Tolkien mag ich sogar das Silmarilion ganz gerne -- wobei es natürlich hilft, daß man das nicht erst gelesen haben muß, bevor man aus seinen anderen Büchern schlau werden kann. Die funktionieren auch so. ;)
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 22.01.2026 | 12:03

Und bei Tolkien mag ich sogar das Silmarilion ganz gerne -- wobei es natürlich hilft, daß man das nicht erst gelesen haben muß, bevor man aus seinen anderen Büchern schlau werden kann. Die funktionieren auch so. ;)

Willst du etwa behaupten, dass ich all die Male, die ich in jugendlichem Sturm und Drang behauptete: "Wenn du das Silmarillion nicht gelesen hast, hast du auch den Herrn der Ringe nicht verstanden!" ... Unsinn geredet habe?  :think:
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 22.01.2026 | 12:55
Willst du etwa behaupten, dass ich all die Male, die ich in jugendlichem Sturm und Drang behauptete: "Wenn du das Silmarillion nicht gelesen hast, hast du auch den Herrn der Ringe nicht verstanden!" ... Unsinn geredet habe?  :think:

Hmmm...ja, will ich. ;)

Oh, sicher, das Silmarilion bietet unter anderem auch ein bißchen zusätzlichen Kontext für den Herrn der Ringe. Aber das ist mehr ein Nebeneffekt als seine primäre Aufgabe; beide Werke sind halt Teil derselben "Tolkien-Mythologie", stehen aber recht gut auch einfach jeweils für sich.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Galatea am 22.01.2026 | 21:26
Es hilft stark beim Verständnis ist aber nicht unbedingt notwendig.

Gerade die Hintergrundmechaniken der Welt, wie z.B. was die Istari sind wird in HdR echt nicht gut erklärt oder warum Theoden und Gollum beide im Prinzip aufgrund derselben Sache sterben müssen auch nicht.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: nobody@home am 22.01.2026 | 22:06
Es hilft stark beim Verständnis ist aber nicht unbedingt notwendig.

Gerade die Hintergrundmechaniken der Welt, wie z.B. was die Istari sind wird in HdR echt nicht gut erklärt oder warum Theoden und Gollum beide im Prinzip aufgrund derselben Sache sterben müssen auch nicht.

Na ja -- zum einen ist der Herr der Ringe ja auch ein Roman (bzw. eine Hexalogie in drei Bänden zu je zwei nominellen Büchern) und kein Sachbuch zur gefälligen Erläuterung der Welt in allen Zusammenhängen. ;) Und zum anderen ist er ebenso auch kein Rollenspielprodukt, in dem diese Punkte dann womöglich gleich direkt mit in die Regeln statt nur in den Fluff mit einfließen würden ("Was ist ein Istari und welche mechanischen Auswirkungen hat die Zugehörigkeit zu dieser Gruppe?").

Insofern haken die Vergleiche zwischen Tolkien einer- und dem Fadenthema andererseits an diesen Stellen geradezu schon zwangsläufig mindestens ein wenig.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 23.01.2026 | 11:57
Insofern haken die Vergleiche zwischen Tolkien einer- und dem Fadenthema andererseits an diesen Stellen geradezu schon zwangsläufig mindestens ein wenig.

Da hakt meiner Meinung nach garnix. Wenn man Tolkien auf HdR eingrenzt, ja, da hast du ein wenig recht (da musst du aber die Anhänge außen vor lassen, die haargenau das sind, um was es im Faden hier geht: nämlich eine ausführliche Geschichtsschreibung).
Ansonsten ist Tolkiens Werk sogar das Paradebeispiel einer gut gemachten Fantasiewelt mit sehr ausführlicher Geschichte.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: unicum am 23.01.2026 | 13:05
Mir ist gerade etwas reingeflattert - und wenn ich "Mit viel Lore" lese dann passt das vieleicht als "detailierte Geschichtsschreibung"

https://www.gamestar.de/artikel/dungeons-dragons-mega-dungeon-handschrifltich-entworfen,3446646.html
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Zed am 23.01.2026 | 14:50
Ansonsten ist Tolkiens Werk sogar das Paradebeispiel einer gut gemachten Fantasiewelt mit sehr ausführlicher Geschichte.

So ist es!
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Sashael am 23.01.2026 | 15:17
Da hakt meiner Meinung nach garnix. Wenn man Tolkien auf HdR eingrenzt, ja, da hast du ein wenig recht (da musst du aber die Anhänge außen vor lassen, die haargenau das sind, um was es im Faden hier geht: nämlich eine ausführliche Geschichtsschreibung).
Ansonsten ist Tolkiens Werk sogar das Paradebeispiel einer gut gemachten Fantasiewelt mit sehr ausführlicher Geschichte.
Darum geht's in diesem Thread aber nicht wirklich.

Die ganzen Stories, wie sich die Elfen vor 3.000 und mehr Jahren aufs Maul gegeben haben, sind genau eines der Sachen, die hier eigentlich bemängelt wurden.

Für die aktuelle Abenteurergruppe ziemlich (wenn nicht sogar total) irrelevante Infoflut.  ;)
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Zed am 23.01.2026 | 15:22
Darum geht's in diesem Thread aber nicht wirklich.

Die ganzen Stories, wie sich die Elfen vor 3.000 und mehr Jahren aufs Maul gegeben haben, sind genau eines der Sachen, die hier eigentlich bemängelt wurden.

Für die aktuelle Abenteurergruppe ziemlich (wenn nicht sogar total) irrelevante Infoflut.  ;)

Die Verbindung zwischen gut gemachter Hintergrundgeschichte (und da ist Tolkien ja wohl das Paradebeispiel  8]) und Sinnhaftigkeit/Erfolg ihrer Beschreibung habe ich weiter oben so versucht zu formulieren:

Tl;dr: Ich denke, es braucht bei Hintergrundgeschichten zuerst nur einen groben Überblick, dann müssen Spielleitungen oder Spielende Fragen haben, die sie umtreiben, und dann dürfen die Antworten auf diese Fragen gerne detailliert sein.

Aber eine detaillreiche Hintergrundgeschichte als Einstieg oder zum Selbstzweck wird eher langweilen.

Konkret: Den Leuten erst das Silmarillion zu lesen geben und dann Begeisterung erwarten - das wird kaum Erfolg haben. Es fällt voll in das Loch, das Raven Nash eingangs heraufbeschwört: Zuviele Details, die nicht interessieren.

Aber wenn die Leute erstmal in Figuren und/oder in eine Fantasywelt verliebt sind, wie nach den Büchern/Filmen "Der Herr der Ringe", und sie Fragen über Fragen haben, dann wird die detaillierte Hintergrundbeschreibung sie interessieren.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Raven Nash am 23.01.2026 | 15:29
Vielleicht sollten sich RPG-Bücher ein Beispiel an Tolkien nehmen, und die ausführliche Geschichte auch in Anhängen erzählen. Statt den Leser gleich mal als Einleitung zu langweilen, einen spannenden Kurzabriss bieten, und die langweiligen Fakten nach hinten stellen, wo man sie auch 9 Punkt Schrift setzen kann.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 23.01.2026 | 15:33
Vielleicht sollten sich RPG-Bücher ein Beispiel an Tolkien nehmen, und die ausführliche Geschichte auch in Anhängen erzählen. Statt den Leser gleich mal als Einleitung zu langweilen, einen spannenden Kurzabriss bieten, und die langweiligen Fakten nach hinten stellen, wo man sie auch 9 Punkt Schrift setzen kann.

Das ist wirklich ein guter Ansatz.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: schneeland am 23.01.2026 | 16:07
Vielleicht sollten sich RPG-Bücher ein Beispiel an Tolkien nehmen, und die ausführliche Geschichte auch in Anhängen erzählen. Statt den Leser gleich mal als Einleitung zu langweilen, einen spannenden Kurzabriss bieten, und die langweiligen Fakten nach hinten stellen, wo man sie auch 9 Punkt Schrift setzen kann.

Über den Teil mit 9 Punkt müsste man nochmal reden (ich bin alt und kurzsichtig ;) ), aber ansonsten würde ich das als durchaus positiv empfinden. Denn auch wenn ich das nicht für jedes Setting brauche: grundsätzlich finde ich das schon gut, wenn ich zumindest einen Überblick darüber bekomme, was da potentiell in der Geschichte schlummert. Da reichen mir dann aber auch 2-4 Seiten, gerade wenn es zu manchen Geschichtsabschnitten auch nicht so wahnsinnig viel zu sagen gibt.

Das, was Alexandro auf der letzten Seite (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,132171.msg135326758.html#msg135326758) schrieb aufgreifend: im Idealfall bekomme ich für die verschiedenen Abschnitte der Geschichte des Settings eine hinreichend gute Idee, was dort passiert ist, und welche interessanten Konflikte es gab. Da kann ich dann als SL dran anknüpfen. Und im Zweifelsfall lese ich dann für einen ausgewählten Teil der Geschichte auch gern mal eine tiefergehende Publikation oder entsprechenden Anhang, und in Einzelfällen vielleicht auch mal einen Roman.

Voraussetzung dabei: es sollte natürlich überhaupt erstmal etwas Interessantes passiert sein in den Abschnitten, über die berichtet wird. Ansonsten kann's nämlich sein, dass bei mir nur sowas hängen bleibt wie "bla bla bla ... Elf ... bla bla bla ... Zwerg... bla bla bla ... großes Unglück". Für sowas reicht mir dann auch eine einseitige Tabelle oder ein paar kurze Randbemerkungen im Text, der den aktuellen Stand der Welt beschreibt.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: tartex am 23.01.2026 | 16:17
Ansonsten ist Tolkiens Werk sogar das Paradebeispiel einer gut gemachten Fantasiewelt mit sehr ausführlicher Geschichte.

Ein anderer Punkt ist, dass Tolkien das quasi erfunden hat. Das war eine Innovation.

Ich brauche aber sich nicht die x-igste Variante einer seitenlange EDO-Geschichtsschreibung - die Nicht-EDO-Geschichtsschreibung wahrscheinlich genauso wenig.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: korknadel am 23.01.2026 | 16:43
Da hier als Negativbeispiel und einer der Auslöser des Threads Glorantha genannt wurde: Man muss dem schon zugute halten, dass der Geschichtsabriss im Grundregelwerk nicht ausufernd ist, sondern recht knapp (zumindest in Relation). Das Glorantha Sourcebook ist dann quasi schon das Silmarillion von RQG, und dass im Quellenband zu einer Region (Dragon Pass, das andere bemängelte Beispiel) eingehender auf die Geschichte eingegangen wird, ist ja vielleicht auch nicht so daneben.

Insofern erfüllt RQG für meine Begriffe eigentlich das, was in einigen der letzten Posts gewünscht wurde, nämlich beim Einstieg in das Spiel -- und das ist ja nun mal das Grundregelwerk -- erst einmal nur einen Teaser und zur weiteren Vertiefung dann auf freiwilliger Basis Anhänge bzw Silmarillions -- die in diesem Fall auf andere Bücher ausgelagert sind. 
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Raven Nash am 23.01.2026 | 16:58
Insofern erfüllt RQG für meine Begriffe eigentlich das, was in einigen der letzten Posts gewünscht wurde, nämlich beim Einstieg in das Spiel -- und das ist ja nun mal das Grundregelwerk -- erst einmal nur einen Teaser und zur weiteren Vertiefung dann auf freiwilliger Basis Anhänge bzw Silmarillions -- die in diesem Fall auf andere Bücher ausgelagert sind.
Nur dass insbesondere das Sourcebook eben als "Setting ohne Regeln" verkauft wird. Deshalb hab ich's mir auch geholt - weil die RQ-Regeln interessieren mich 0.
Damit mag es an sich schon dem entsprechen - dann ist aber wiederum nicht drin, was drauf steht. Oder nicht so, wie es drauf steht.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 23.01.2026 | 17:00
Nur dass insbesondere das Sourcebook eben als "Setting ohne Regeln" verkauft wird. Deshalb hab ich's mir auch geholt - weil die RQ-Regeln interessieren mich 0.
Damit mag es an sich schon dem entsprechen - dann ist aber wiederum nicht drin, was drauf steht. Oder nicht so, wie es drauf steht.

Ja, stimmt, es ist wirklich eher das Mythologie- und Geschichtsbuch ohne Regeln und als solches auch eher unpassend betitelt.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: korknadel am 23.01.2026 | 17:07
Nur dass insbesondere das Sourcebook eben als "Setting ohne Regeln" verkauft wird. Deshalb hab ich's mir auch geholt - weil die RQ-Regeln interessieren mich 0.
Damit mag es an sich schon dem entsprechen - dann ist aber wiederum nicht drin, was drauf steht. Oder nicht so, wie es drauf steht.

Das hatte ich ja schon mal ausgeführt: Ja, das Sourcebook derart zu verkaufen, geht eigentlich nicht. Es ist am Spieltisch auch so gut wie nicht einsetzbar. Es sollte meines Erachtens als spezielles Hintergrundmaterial zur Vertiefung der Mythologie deklariert werden. Aber in der RQG-Community wird es immer wieder als Einstieg empfohlen. Völlig daneben, in meinen Augen. Ich verstehe voll und ganz, dass Du mit dem Teil nichts anfangen kannst.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Swanosaurus am 23.01.2026 | 17:12
Das hatte ich ja schon mal ausgeführt: Ja, das Sourcebook derart zu verkaufen, geht eigentlich nicht. Es ist am Spieltisch auch so gut wie nicht einsetzbar. Es sollte meines Erachtens als spezielles Hintergrundmaterial zur Vertiefung der Mythologie deklariert werden. Aber in der RQG-Community wird es immer wieder als Einstieg empfohlen. Völlig daneben, in meinen Augen. Ich verstehe voll und ganz, dass Du mit dem Teil nichts anfangen kannst.

Das verbocken sie aber auch immer mal wieder bei RQ mit der vernünftigen Prioritätensetzung und dem transparenten Marketing. Nur die Einsteigerbox war in der Beziehung spitze, ich hoffe, dass schaffen sie mit der neuen/revised Edition auch.
Titel: Re: Wie sinnhaft sind detaillierte Geschichtsschreibungen in Rollenspielprodukten?
Beitrag von: Galatea am 23.01.2026 | 17:34
Vielleicht sollten sich RPG-Bücher ein Beispiel an Tolkien nehmen, und die ausführliche Geschichte auch in Anhängen erzählen. Statt den Leser gleich mal als Einleitung zu langweilen, einen spannenden Kurzabriss bieten, und die langweiligen Fakten nach hinten stellen, wo man sie auch 9 Punkt Schrift setzen kann.
Ich mache das bei meinem eigenen Projekt so, dass es von den meisten Hintergrundsachen zwei Versionen gibt und alles schrittweise eingeführt wird.

Also in der Einführung gibt es zu der Welt und ihren Bewohnern (Spezies) eine Art Klappentext (extrem kurz).
In Kapitel 1 gibt es dann einen groben Überblick über die Welt, Technologie, Kategorien von Orten, etc. und eine detaillierte Beschreibung der Spezies.
In Kapitel 2 folgt dann die detaillierte Beschreibung der Welt und aller relevanten Orte (Historie immer am Ende der Ortsbeschreibungen).

Aber dafür muss man halt den Platz haben und den hat man bei einem Print-Buch meistens nicht.