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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Hellcat am 27.01.2026 | 09:20
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Aus aktuellem Anlass würde ich gerne einen Austausch starten, weil mich das Thema doch sehr beschäftigt. Vor zwei Wochen ist überraschend ein Mitspieler meiner Runde verstorben und demnächst steht unser nächster Termin an.
Seit Tagen beschäftigt mich jetzt, wie ich die Session als Meister gestalten soll: Einfach zur Tagesordnung überzugehen und dort weiterzuspielen wo wir aufgehört haben fühlt sich irgendwie falsch an. Zum einen, weil ja irgendwie jemand mit am Tisch sitzt, der gar nicht da ist, zum anderen weil wir mitten in einem Kampf unterbrochen haben und ich nicht genau weiß wie ich den Charakter aus der Geschichte ausbaue. Ihn einfach verschwinden zu lassen ist aus naheliegenden Gründen genauso doof wie ihn in dem Kampf sterben zu lassen. Wahrscheinlich dürfte das sinnvollste sein, ihn erstmal als NSC zu spielen und ihn dann die Gruppe verlassen zu lassen.
Aber ein "wie gehe ich damit Ingame um" soll ja gar nicht das Thema sein, sondern mir geht es mehr darum, was man mit der Session selber macht. Spielt man einfach weiter? Gibt man vorher noch mal den Raum, dass jeder der möchte noch mal ein paar Sätze dazu sagen kann, wie es ihm mit der Situation geht? Spielt man einfach erstmal einen One-Shot mit einem anderen System, vielleicht auch eines, was in dem ein "Wesen können sterben" nicht so ein zentrales Element ist wie bei D&D oder ähnlichen Systemen?
Die naheliegenste Antwort ist sicherlich "Frag deine Spieler", und das werde ich defintiv auch noch machen. Aber trotzdem interessiert es mich, wie andere mit einer solchen Situation umgegangen sind - vielleicht gibt's da ja noch die eine oder andere Anregung.
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Ich würde es vor dem Termin bereits mit der Gruppe gemeinsam besprechen und dann könnte man gemeinsam besprechen, was dem Verstorbenen wohl am besten gefallen haben könnte. Vielleicht hätte er es ja cool gefunden, wenn er sich heldenhaft für die Gruppe opfert. Dann könnte man den laufenden Kampf sogar schon in diese Richtung drehen. Oder ein ruhiger Moment, in dem der Charakter erklärt, dass er jetzt in den Ruhestand gehen kann. Oder einfach gar nichts und die Gruppe spielt weiter, als wäre nichts und lässt den Charakter vielleicht sogar bis zum Ende der aktuellen Abenteuerreihe als NPC mitlaufen.
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Eine furchtbare Vorstellung und erstmal mein Beileid zu dem Verlust. Da wir auch im "gefährlichen" Männeralter in meiner Runde sind, denke ich auch manchmal über so etwas nach. Ich mag mir diese Situation nicht vorstellen. Daher lasse ich mal ein Abo für den Beitrag da. Leider dürfte das ja kein allzu seltener Fall sein.
Ich würde das in jedem Fall im Vorfeld mit der Gruppe besprechen. Jeder reagiert ja auch unterschiedlich auf so eine Situation. Als Spielleiter würde ich vermutlich dem Verstorbenen in irgendeiner Form ein Ingame Denkmal in der Kampagne bauen, so dass er durch die Kampagne bzw. in ihr ewig lebt und nie vergessen wird.
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Vorab: mein Beileid. Ich mag mir das Szenario gar nicht vorstellen. Bei uns ist dieser Fall nicht eingetreten, daher kann ich nur sagen, was ich vielleicht tun würde.
Wahrscheinlich würde ich das Abenteuer oder die Kampagne genau an diesem Punkt einfrieren und nicht weiterspielen/-leiten.
Dann eine neue Session 0.
Gedenken an den verlorenen Freund, alte Geschichten erzählen und die vielen tollen gemeinsamen Momente einfangen, beweinen und bewahren.
Dann etwas Neues, etwas Anderes starten.
Ich könnte nicht "einfach weiterspielen" oder dort fortfahren, wo man einen Gefährten verloren hat.
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Ich denke, aber das ist nur meine Meinung, der Fokus sollte auf den Lebenden und nicht auf den Toten liegen. Besprich das mit deiner Gruppe was ihnen wichtig ist. Eine Gedenkrunde um Abschied zu nehmen oder vielleicht ein wenig Eskapismus der Raum zum Trauern lässt aber eigentlich nur ein "wir machen erst mal einfach weiter so" ist.
Ich denke du musst damit rechnen, egal was ihr besprecht, dass es Thema werden könnte und von dem Tag nicht viel erwarten was Story Fortschritt oder konzentriertes Spielen angeht.
Egal was ihr macht, macht das womit sich alle gut fühlen. Wenn es spontan anders läuft, gebt einander Kraft und drückt die Trauer nicht weg.
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Mein aufrichtiges Beileid.
Ich würde auf jeden Fall offen mit der Gruppe sprechen.
Aber auch gleichzeitig eine Lösung anstreben / vorschlagen, bei der der Charakter des Verstorbenen nicht einfach weg ist, sondern auf pietätvolle Weise in der Spielwelt verbleibt, damit verarbeitet und nicht verdrängt wird.
Damit meine ich nicht notwendigerweise, dass er als NPC weiter auftreten soll. Aber zumindest sollte es ein Vermächtnis von ihm innerhalb der Spielwelt geben, sein Leben sollte spürbar Wellen geschlagen haben. Und wenn es nur sparsam gestreute Szenen sind, bei denen die Erinnerung an ihm zelebriert wird.
Warum ich das Anstreben würde (ohne es zu forcieren):
Trauer und Wut sollte erlaubt sein, damit nicht verdrängt wird, weil es unangenehm ist.
Im Idealfall, so vermute ich stark, kann das beim realen Abschied nehmen helfen (also in der Funktionsweise ähnlich wie ein Leichenschmaus).
(EDIT: Keine reale Erfahrung damit gemacht)
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Mein Beileid.
Ich weis nicht so recht wie ich damit umgehen würde. Sicher ich würde, wenn es mich erwischt, auch nicht haben wollen das nach mir die Leute alles abbrechen. Aber ja den Gedanken - mit abbrechen - hätte ich auch.
Es wäre auch nicht das erste mal das ich Referenzen aus Rollenspiel auf einem Grab liegen sehe. (etwa ein Gesteck mit "Deine Rollenspielgruppe")
Ich denke da auch ggf an einen Neuanfang mit neuen Figuren und gegebenenfalls auch neuer Konfiguration.
Oder eben weitermachen im Gedenken. Dann aber ggf nach einigen Monaten nochmal hinterfragen.
Schwierig.
Ich würde an dem ersten Spielabend danach vieleicht auch erstmal garnicht spielen sondern nur quatschen. Vieleicht mit gemeisamen Essen, falls man das nicht macht.
Ist auch die Sache wie ihr als Gruppe damit umgehen könnt. Menschen sind verschieden, was für mich eine gute Lösung wäre kann für andere echt mistig sein.
Da es mir selbst schon mal passiert ist das mich jemand von den Hinterbliebenden gefragt hat: Was macht man mit dem Rollenspiel Nachlass? Bei mir in der Familie würde ein ganzer Schrank mit Material rumstehen und niemand ausser mir hat zugang zum RPG. Vieleicht würde vieles nach einiger Zeit im Müll landen, darunter auch "Schätze" welche ich lieber in den Händen anderer Spieler gesehen hätte - oder meinetwegen auch auf Ebay (geht dann ja auch an andere Spieler) würde ich aber in meiner Familie niemandem zutrauen. Aber da - nicht aufdrängen, für die Familie ist es sicherlich keine Zeit über so etwas nachzudenken. Beileid ausdrücken, Karte mit Adresse dazu und den Rollenspielvermerk.
Auch schwierig.
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Auch von mir herzliches Beileid.
Wir hatten diese Situation vor Jahren auch, und wir waren alle eng befreundet. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass es sehr unterschiedlich ist, was die Spieler sich wünschen.
Wir haben eine rotierende Spielleitung, und ein SL hat den SC des Verstorbenen zu einer Schlüsselfigur seiner Kampagne gemacht (als NSC), so dass der Charakter noch jahrelang dabei war.
Der SL wollte das Gedenken an unseren Freund bewahren, für mich fühlte sich das sehr seltsam an, auch weil der SL den Charakter eben anders verkörpert als unser verstorbener Freund. Ich hätte lieber sowas wie einen Kneipenabend abseits des Rollenspiels gehabt, um dem Freund zu gedenken.
Leider wurde das aber nicht vorher abgesprochen, und ich mochte mich dann auch nicht dagegen aussprechen, nachdem der SL das alles schon vorbereitet hatte.
Daher mein Rat: sag allen, dass der nächste Termin dafür vorgesehen ist, den Umgang mit der Situation zu besprechen und wenn sie mögen vielleicht auch in Erinnerungen zu schwelgen. "Weißt du noch, als sein Barbar mal den Neujahrsempfang des Herzogs aufgemischt hat?"
Wir haben übrigens bei drr Beerdigung je einen unserer Würfel als Grabbeigabe in die Grube geworfen und haben später jeder einen Würfel des Freunds als Andenken behalten.