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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Mithras am 30.01.2026 | 13:06

Titel: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Mithras am 30.01.2026 | 13:06
Die Frage ist natürlich theoretischer Natur und betrifft vor allem D&D, aber warum wurde Tolkiens EDO zum Fantasy Standard? Warum nicht die Humanozentrik von Fahrd, dem grauen Mausling, Conan und Elric? Warum Elfen, Zwerge und klischeehafte böse Orks statt verschiedener Menschenvölker und unnatürlichen Kreaturen? Und warum Feuerball Magie statt die viel interessanteren Alternativen aus Sword & Sorcery von Lovecraft, Robert E. Howard, Moorcock, Leiber und Clark Ashton Smith?  Angeblich war Gygax nämlich nicht so angetan von Der Herr der Ringe und wurde dazu überredet die Völker von Mittelerde als Klassen einzubauen.

Das liest sich jetzt vielleicht nach Trollpost oder Ragebait aber ich bin an euren Gedanken und Meinungen dazu interessiert. (Lieb sein in den Kommentaren!)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 30.01.2026 | 13:19
In Bezug auf Rollenspiel finde ich Tolkien gar nicht so sehr den "Standard", trotz EDO-Dominanz - man merkt doch an vielen Ecken und Enden, dass ganz viele Einflüsse eigentlich dominanter sind, von Sword&Sorcery bis Mangas bis Superhelden. Tolkien liefert einen Teil des Inventars, viel mehr aber nicht.

Abseits von Rollenspielen würde ich sagen, dass "Der Herr der Ringe" vielleicht bis heute das Fantasy-Werk ist, das am ehesten über die Subkultur in den Mainstream strahlt und für viele das ist, was sie mit Fantasy assoziieren. Meine Schwiegermutter interessiert sich bis heute nicht die Bohne für alles, was mit Fantasy oder SF zu tun hat, aber den Hobbit und den Herrn der Ringe hat sie meiner Frau vorgelesen, als sie klein war ...
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: blackris am 30.01.2026 | 13:27
Ich habe den Eindruck, dass der Herr der Ringe fur den Mainstream einfacher verdaulich ist. Die genannten Alternativen sind teilweise deutlich harscher, brutaler und auf herrliche Weise weirder. Das ist für einen großen Teil der Menschen vielleicht doch etwas viel.

Lese selbst gerade Leiber und hatte mich das dabei ehrlicherweise auch gefragt. Dazu ein wenig, warum es erst Pratchetts Ankh-Morpork brauchte, um derlei Geschichten bekannter zu machen. Da ist sooo viel Leiber drin, das ist unfassbar.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Don-Lope am 30.01.2026 | 13:34
Ich mag Sword & Sorcery Geschichten wie Conan, aber die Tolkien Texte liebe ich. Ausserdem bin ich auch erst viel später mit Conan & Co in Kontakt gekommen.
Ansonsten:

Sword & Sorcery ist eher als Trash wahrgenommen worden, das Problem hatte der Herr der Ringe weniger.

Ich vermute eine viel, viel größere Verbreitung und Auflagen.

Eine recht komplexe Welt erschaffen oder tief in eine solche Eintauchen bietet dann doch eher der HdR.

HdR, aber auch der Hobbit erzählen die Geschichte einer Gemeinschaft, nicht die Helden- und Schandtaten eines Helden.

Conan findet sich bestimmt auch im "Mörder-Hobo" Spiel wieder, hat aber meistens keine Quest gegen das Böse. D&D Helden erschlagen gerne Monster und plündern, aber es steht meistens eine größere Quest dahinter.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Zanji123 am 30.01.2026 | 13:41
ich sehe D&D halt irgendwie nicht als HdR... da die Magier da nicht mit Feuerbällen, Kettenblitzen, Stink Clouds usw um sich ballern.

Wo HdR einem Conan/Eric einen Vorteil hat: Es ist eine GRUPPE an Helden die zusammen was erleben / erreichen müssen und keine One Man Show die evtl. mal von minderen NSCs begleitet werden. Dazu ist die Weltenbeschreibung halt auch tiefer
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 30.01.2026 | 13:44
Historischer Zufall, würde ich sagen. Speziell der Herr der Ringe war zur richtigen Zeit wohl das Aushängeschild für "gehobenere" Fantasy (immerhin ein dreibändiges Epos verfaßt von einem gestandenen Akademiker), das nicht wie viele andere angeführte Beispiele einfach so von irgendwelchen Schmuddelschreibern teilweise schon Jahrzehnte früher in die Billigpresse gerotzt worden und inzwischen längst wieder halb vergessen war...und auf den Zug ist Gary dann eben der besseren Mainstreamwirkung halber aufgesprungen.

Wie es in einer Alternativwelt ohne diesen Faktor ausgesehen hätte -- keine Ahnung. Vielleicht wäre D&D dann ja tatsächlich in einer kleinen Nische für Wargamer mit ganz speziellen Interessen versackt und hätte erst gar keine größere eigene Hobbyentwicklung angestoßen, vielleicht hätte es aber auch einfach statt dessen einen anderen halbwegs populären fantastischen Boden wie z.B. Tausendundeine Nacht a la Hollywood und Ray Harryhausen beackert.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 30.01.2026 | 13:48
Tolkien ist massentauglicher durch seine direkten Bezüge zur nordischen und keltischen Mythologie, die auf gängigen Archetypen basierenden Charaktere, die im Gegensatz zu den toxisch männlichen Conan & Co. für eine deutlich größere Zahl von Menschen relatable sind, dem gegenüber den genannten Sword&Sorcery-Ikonen deutlich geringeren Maß an nackten Frauen und roher Gewalt, und bei Tolkien steht hinter der berühmten Romantrilogie eine detailliert ausgearbeitete Welt, das dem Werk eine deutlich größere Tiefe gibt. Davon abgesehen wurde Fafhrd und der Graue Mauser sowie das Hauptwerk Moorcocks deutlich später veröffentlicht, als Tolkiens Platz bereits im Wesentlichen zementiert war.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 30.01.2026 | 13:56
Die Frage ist natürlich theoretischer Natur und betrifft vor allem D&D, aber warum wurde Tolkiens EDO zum Fantasy Standard? Warum Elfen, Zwerge und klischeehafte böse Orks statt verschiedener Menschenvölker und unnatürlichen Kreaturen? Und warum Feuerball
Wie kommst du darauf das EDO Tolkien ausmacht und verschiedene Menschenvölker, vermutlich mehr als Howard hatte Tolkien auch
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Mithras am 30.01.2026 | 14:03
Bei Tolkien (HdR) spielen nur eine Rolle: Gondor, Rohan, Dunländer und Haradrim. Dann noch Bree und die Leute aus Thal, aber sind das nicht nur Leue aus Arnor bzw. Gondorianer? Und Aragorn ist für mich jetzt aussen vor. Also bei Conan gab es definitiv mehr unterschiedlich Kulturen als 3 (Rohan/Gondor/Harad): Pikten, Hyrkanier, Aquilonier, Stygier, Cimmerer, Vanir, Shemiten, Kushiten usw.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 30.01.2026 | 14:04
Wie kommst du darauf das EDO Tolkien ausmacht und verschiedene Menschenvölker, vermutlich mehr als Howard hatte Tolkien auch

EDO ist buchstäblich "Elfen, Zwerge, Orks". Und während man Elfen und Zwerge schon ein Stück weit aus Mythologie und Folklore kennt (wenn auch nicht unbedingt beides als getrennte Völker im gleichen Zusammenhang), sind "Orks", wie wir sie heute im Rollenspiel kennen, definitiv eine kreative Eigenleistung speziell Tolkiens -- auch wieder auf andere Gestalten zurückzuführen, aber doch neu zusammengemischt und benannt.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Raven Nash am 30.01.2026 | 14:07
Zum einen: Elric ist kein Mensch. ;)

Ansonsten war Sword & Sorcery Schundliteratur. Die Weird Tales waren das, was man später als "Heftroman" hatte. Ihre Autoren entsprechend "gebrandmarkt".
Tolkien war Professor, ein Akademiker - das sind schonmal ganz andere Voraussetzungen (vor allem zu der Zeit).

Dazu behandelt Tolkien Themen, die in der europäischen Literatur etabliert sind. Heldensagen gibt es seit den Sagas, deren Fortführung sind Beowulf, Artus und die Minne.

Dagegen haben wir aufgepumpte Muskelprotze fragwürdiger Moral, die saufen, herumhuren, stehlen und morden.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Fuchs am 30.01.2026 | 14:34
Die Magie in D&D ist doch extrem von Vance geprägt und die Völker und Kulturen entsprechen in vielen Punkten mitteleuropäischen mythologischen Topoi die neu angerührt wurden.

In der breiten Wahrnehmung wird Fantasy mit Tolkien gleichgesetzt. In D&D sehe ich das aber nicht. Das basiert auf einem wesentlich breiteren Fundament.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Leonidas am 30.01.2026 | 14:40
Tolkiens worldbuilding ist imponierend tief und schlüssig; das ist etwas, was man sich für Rollenspielwelten generell ja auch wünschen kann. Außerdem bringt er damit Saiten zum klingen, die Pulp-S&S nicht anspricht, wohl auch nicht ansprechen muss oder will.

Dass Tolkiens Beitrag zum Rollenspiel dann trotzdem hauptsächlich für Requisite und Kulisse benutzt wird, also im wesentlichen für oberflächlich abgekupfertes worldbuilding, das finde ich konsequent. Denn die unterhaltsameren Abenteuer erlebt doch eigentlich Conan.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Mithras am 30.01.2026 | 14:53
Was ich mich immer gefragt habe bei Tolkien: wo ist die Religion? Ich kenne in HdR und Der Hobbit nicht eine Stelle wo dazu etwas steht. Ich schließe das Silmarillion usw. explizit aus! So eine wichtige Grundlage für die mittelalterliche Gesellschaft, für die Antike und die Wikinger, etwas was ihr Denken und ihre Weltanschauung geprägt hat und im Alltag mit Ritualen begleitet hat kommt nie vor. Warum? In den S&S Geschichten sind Götter und Kulte Omnipräsent. Das ist z. B. etwas das mich massiv stört an Tolkien Worldbuilding.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Leonidas am 30.01.2026 | 14:59
Mittelerdes Religion ist informell, also ohne formalisierte Riten oder Organisationen. Nur Du und die Valar, sozusagen. Aragorn lebt „das Richtige“, darüber sprechen muss er nicht.
Das ist eine gute Utopie, aber als Fäntelaltervorbild nicht gut, das finde ich auch. Da will man korrupte Inquisitoren, etc pp.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ArneBab am 30.01.2026 | 15:04
Was ich mich immer gefragt habe bei Tolkien: wo ist die Religion?
Vielleicht ist genau das Absicht. Tolkien wollte mit seinem Schaffen auch eine verbindende Geschichte schaffen.

Religion dagegen hat immer wieder Leute gegeneinander aufgebracht. Selbst wenn sie an den gleichen Gott glaubten.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 30.01.2026 | 15:13
Vielleicht ist genau das Absicht. Tolkien wollte mit seinem Schaffen auch eine verbindende Geschichte schaffen.

Religion dagegen hat immer wieder Leute gegeneinander aufgebracht. Selbst wenn sie an den gleichen Gott glaubten.

Abgesehen davon: welche Religion hätte das sein sollen? Irgendeine beliebige fiktive, die er mit seinem eigenen Glauben nicht recht hätte vereinbaren können? Ein Christentum, das in Mittelerde aus fernen Vergangenheitsgründen logischerweise noch gar nicht existieren konnte?

Und selbst in der S&S ist "Religion" ja primär dazu da, bequeme Schurken wie Fanatiker und finstere Zauberpriester zu liefern, und leistet eher selten etwas aktiv "Gutes" -- hätte Tolkien sich auf so eine Darstellung aber freiwillig einlassen "sollen"?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ArneBab am 30.01.2026 | 15:19
Tolkien hat auch eine tiefere Vision geliefert als andere: „So ist es oft mit Taten, die die Räder der Welt in Bewegung setzen: kleine Hände vollbringen sie, weil sie müssen, während die Augen der Großen anderswo sind.“ -- Elrond.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Leonidas am 30.01.2026 | 15:20
Ich würde schon sagen, dass die Religion da ist, nur eben ohne Kirche. Der Ringkrieg ist doch letztlich ein großer Glaubenskrieg, Gut gegen Böse.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Weltengeist am 30.01.2026 | 15:23
Für mich sind das zwei verschiedene Fragen.

"Warum ist Tolkien so fundamental für D&D?" würde ich klar mit "Ist er gar nicht" beantworten. Abgesehen von Elfen, Zwergen und Halblingen gibt es sogar ziemlich wenig in D&D, was auf Tolkien basiert.

"Warum ist Tolkien so fundamental für Fantasy?" hat meines Wissens auch damit zu tun, dass der Herr der Ringe ein Kultbuch der 68er-Bewegung war und erst als solches seinen Durchbruch hatte. Und das wiederum liegt wohl auch daran, dass es sich im Kern um eine zutiefst romantische Geschichte handelt. Was man von Howard, Leiber, Vance, Moorcock etc. nun wirklich nicht behaupten kann.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 30.01.2026 | 15:27
Was ich mich immer gefragt habe bei Tolkien: wo ist die Religion? Ich kenne in HdR und Der Hobbit nicht eine Stelle wo dazu etwas steht. Ich schließe das Silmarillion usw. explizit aus! So eine wichtige Grundlage für die mittelalterliche Gesellschaft, für die Antike und die Wikinger, etwas was ihr Denken und ihre Weltanschauung geprägt hat und im Alltag mit Ritualen begleitet hat kommt nie vor. Warum? In den S&S Geschichten sind Götter und Kulte Omnipräsent. Das ist z. B. etwas das mich massiv stört an Tolkien Worldbuilding.

Es gibt einen sehr guten Wikipediaartikel dazu:
https://en.wikipedia.org/wiki/Christianity_in_Middle-earth

Tolkien selber hat dazu gesagt:
Zitat
"The Lord of the Rings is of course a fundamentally religious and Catholic work; unconsciously so at first, but consciously in the revision. That is why I have not put in, or have cut out, practically all references to anything like 'religion,' to cults or practices, in the imaginary world. For the religious element is absorbed into the story and the symbolism."

 Es ist noch anzumerken: wenn in Mittelerde dann tatsächlich einmal Dinge wie organisierte Religionen auftauchen, sind es immer finstere Sauron- und Morgothkulte, weil die Unterwerfung und Gehorsam verlangen.

Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: felixs am 30.01.2026 | 16:02
Literarische Qualität könnte eine Rolle spielen, zumindest für den Einfluss der Bücher.
Moorcock und Leiber sind sprachlich nicht gerade bemerkenswert. Die haben aber halt auch nicht ewig daran herumpoliert und man merkt die Herkunft aus der Groschenheft-Ecke ein wenig.

Für das Rollenspiel bin ich mir auch nicht sicher, ob der Einfluss Tolkiens wirklich so bedeutend ist.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Eleazar am 30.01.2026 | 16:04
Für die Fantasy-Kultur ist Tolkien maßgeblich, weil er einen Kosmos von bis dahin unvergleichlicher Tiefe geschaffen hat. Und alles von unfassbarer Qualität.
Als ich den Herrn der Ringe Anfang der 80er zum ersten Mal gelesen habe, hatte ich den Eindruck, ich könnte an jeder Stelle der Geschichte anders abbiegen und höher steigen oder tiefer graben und würde mich immer noch in einer von Tolkien erdachten und konsistenten Welt aufhalten.

Hingegen sind viele andere klassische Fantasyromane viel weniger und weniger umfassend durchdacht. Da marschierst du durch Kulissen, die es für die Handlung braucht, die aber rings um den betrachteten Ausschnitt abbrechen und nicht wirklich durchdacht sind. Eben Pulp.

Dazu kommt, dass Tolkien sich mit Mythologie auskannte und deren Kraft wecken und transformieren konnte. Insofern bewegt man sich bei Tolkien gedanklich in und durch einen Mythos. Bei vielen anderen Autoren erscheint mir das viel platter und viel banaler.

Das ist auch der Grund, warum Religion explizit im Herrn der Ringe keine Rolle spielt. Der ganze Stoff, das ganze Drumherum ist ein apokalyptischer Endkampf. Aus dieser umfassenden Sicht einzelne Tempel, Kulte oder religiöse Überzeugungen rauszulösen und zum Inhalt der Story zu machen, würde den Mythos spieltechnisch verzwecken und seiner Kraft, Erhabenheit und Funktion berauben. Pulp würde genau das machen, aber Tolkien hat einfach ein besseres Gespür dafür. Und vielleicht hängt das eben auch mit seinem eigenen, christlichen Glauben, aber auch mit seiner Faszination für die nordisch-heidnische Sagenwelt zusammen: Was man liebt, das verzwergt man nicht gern. Man gibt ihm den Raum, den es verdient.

Und warum wurde der Herr der Ringe stilbildend auch für viele Rollenspiele? Weil es natürlich mehr hermacht, wenn man Qualität liefert und keinen zum Teil fadenscheinigen Schund. Und weil Mittelerde mit seiner kulturellen Dichte und Unterfütterung es trägt, dass Spieler in dieser Welt ganz andere und eigene Abenteuer bestehen wollen. Wo die Kulissen eben dürftiger und weniger stimmig sind, da kommt der Erfolg eher von einer haarsträubenden Story. Die nützt mir aber fürs Rollenspiel nichts. Eine bekannte Story kann ich nicht nachspielen.

Die Welt und ihre Geschichte liefern bei Tolkien die Inspiration. Die Handlung ist nicht annähernd so orignell oder einzigartig.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 30.01.2026 | 16:10
"Warum ist Tolkien so fundamental für Fantasy?" hat meines Wissens auch damit zu tun, dass der Herr der Ringe ein Kultbuch der 68er-Bewegung war und erst als solches seinen Durchbruch hatte.

Das ist bedingt richtig. Speziell im deutschen Sprachraum hatte das Buch erst ab Ende der 60er seinen Durchbruch. Im englischen Sprachraum gab der Boom durch die 68er sicherlich einen Schub, einen sehr hohen Stellenwert mit Top-Kritiken und Auszeichnungen hatte Der Herr der Ringe aber von Beginn an.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Megavolt am 30.01.2026 | 16:29
Die Frage ist natürlich theoretischer Natur und betrifft vor allem D&D, aber warum wurde Tolkiens EDO zum Fantasy Standard? Warum nicht die Humanozentrik von Fahrd, dem grauen Mausling, Conan und Elric? Warum Elfen, Zwerge und klischeehafte böse Orks statt verschiedener Menschenvölker und unnatürlichen Kreaturen? Und warum Feuerball Magie statt die viel interessanteren Alternativen aus Sword & Sorcery von Lovecraft, Robert E. Howard, Moorcock, Leiber und Clark Ashton Smith?  Angeblich war Gygax nämlich nicht so angetan von Der Herr der Ringe und wurde dazu überredet die Völker von Mittelerde als Klassen einzubauen.

Das liest sich jetzt vielleicht nach Trollpost oder Ragebait aber ich bin an euren Gedanken und Meinungen dazu interessiert. (Lieb sein in den Kommentaren!)

Ich würde sagen, der Grund liegt in eher willkürlichen Entscheidungen von Gygax. Außerdem ist die Reisegruppe der fellowship of the ring gut an den Wohnzimmertisch übertragbar, weil sie einfach viele Mitfahrgelegenheiten im Sinne von Rollen anbietet.

Conan funktioniert nicht gut im Rollenspiel, denn es kann nicht jeder Conan sein. Leiber ist nicht selten zäh wie Leder, weil er sich oft in seinen komischen Gedankengängen verliert (für mich war sein schwerer Alkoholismus eine erhellende Information). Vielleicht fehlt da eine ausreichend leichte Zugänglichkeit. Lovecraft hat doch seine Rollenspiele bekommen, ist also auf eine schräge Art und Weise auch ein 'Standard' geworden, wenn auch nicht im Bereich EDO?

Ist DnD denn heutzutage überhaupt noch so krass Tolkien?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Aedin Madasohn am 30.01.2026 | 16:33
mal meine 50 Cent

- Tolkien hatte einen akademischen TITEL
- das waren BÜCHER

die anderen? waren Normalos

schlimmer noch...

...sie schrieben FÜR GELD!!!
und dafür mussten SIE GEFALLEN!!!!
einem Publikum, dass "Pulp"Groschenhefte kaufte! am KIOSK!!!
und das endete als Vorlage für COMICS!

blanker Untergang des Abendlandes  ;D ;D ;D ;D ;D

wer sich DARAUF bezieht, in welchen Trüben-Gewässern mag der noch gefischt haben?Eins11!  ~;D

also, Werbebotschaft und Zensurvermeidungsstrategie der 70er ist dann doch klar? oder? 
egal wie viele Kettenbikini-Grafiken dann rausgehauen werden  >;D

und Conan wurde erst durch Arni publikumswirksam aus dem Nerdkeller reanimiert.


Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lyonesse am 30.01.2026 | 16:34
Ja, ''Gandalf for president'' war der Hippie-Slogan. Für Tolkien war Mittelerde aber nur ein ''Abfallprodukt'' für seine Kunstsprachen, die ja irgendwo gesprochen werden sollten. Und ohne den Sohn des Verlegers und fragenden Leserbriefen, hätte sich Tolkien nach dem Hobbit vielleicht gar nicht mehr zum Herrn der Ringe hinreißen lassen. Sein eigentliches Baby war ja immer das Silmarillion - das nur mit starken Magenschmerzen schließlich verlegt wurde. Damit will ich nur sagen, Tolkien war niemand der sich überlegt hat, jetzt schreibe ich mal eine ganz tolle Fantasy-Trilogie - selbst das Erscheinen in drei Teilen war ja nur den damaligen Papierpreisen geschuldet. Der Herr der Ringe ist Weltliteratur und eine zutiefst christlich geprägte Geschichte vom Kampf gegen das Böse. Da kannst du jeden Ork und alles Gelichter bedenkenlos erschlagen, denn die sind eh unrettbar verloren und wollen dir schließlich ans Leder. Insofern wurde Mittelerde zum dicken Fundament für Epic- und von mir aus auch High Fantasy. Die Dungeoncrawls von D&D, wo es um schnöde Bereicherung geht, haben aber viel eher mit dem Wilden Westen, amerikanischem Freiheitsgefühl und -Unternehmertum zu tun, als mit den Schicksalskämpfen der altnordischen Mythologie, wo es ja ebenfalls um Leben und Tod geht - Ragnarök. D&D steht trotz der Elfen, Zwerge und Halblinge den Pulps viel näher als erhabenen Werken. Was ist denn Conan anderes als ein Grabräuber, eine Karawanenwache, ein Pirat oder ein Thronräuber (also eine Ich-AG im besten Sinne des Wortes) - alles Rollen, die auch Charaktere in D&D Kampagnen ausüben könnten. Außerdem war der Erfolg eines vollblütigen Mittelerde-Rollenspiels (MERP, TOR, etc ...) zwar ordentlich, doch immer eher bescheiden im Vergleich zum Erfolg der Forgotten Realms, Ravenloft und anderen großen D&D Settings.

PS: Tokiens große Stärke waren Namen für Personen, Orte, Gegenden usw, die er aus den von ihm entwickelten Sprachen herleiten konnte. Die meisten Namen klingen in Mittelerde einfach gewichtig und gut, und obendrein gibt es oft noch mehrere Namen in verschiedenen Sprachen für das gleiche. Der einzige Autor mit einem vergleichbaren Gespür für gute Namen war Jack Vance. Auch bei ihm sind die Namen meistens spot on, im Gegensatz zu Tolkien klingen sie jedoch einfach nur gut oder passend, aber haben üblicherweise keine tiefere Bedeutung.

(https://www.picclickimg.com/images/g/~agAAOSwsuFnvg3s/s-l1600.jpg)
Ich bin übrigens über diese Kippenwerbung ca. 1981 zum Herrn der Ringe gekommen. Wenn ich daran denke, dass der Lambo-Typ auf dem Bild, vorausgesetzt die Altersangabe stimmt, inzwischen fast 80 ist - falls die John Players ihn nicht schon vorher gekillt haben -, wird mir schon leicht schwummerig vor den Augen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Prisma am 30.01.2026 | 16:59
Gute Beiträge in diesem Thread!

Ich bin zwar auch eher Howard-Fan als Tolkien-Fan, aber Tolkien hat die massentauglichere und größere Erzählung. Weird Tales galt als pulp fiction, Herr der Ringe war von Anfang an Literatur.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ArneBab am 30.01.2026 | 17:10
Außerdem hat Tolkien länger als ein Jahrzehnt am Herrn der Ringe geschrieben. Als Sprachwissenschaftler mit allem Rüstzeug zum Schreiben und zu Mythologie, und selbst tief dessen Welt verschrieben.

Das mit Büchern zu vergleichen, von denen jemand leben musste, funktioniert einfach nicht. Und durch so viel fachkundige, liebevolle Arbeit entsteht eine andere Qualität.

Und mit den Hobbits hat er Identifikationsfiguren geschaffen. Auch wenn ihr klein seid, ohne große Bedeutung, und lieber essen und feiern wollt, können eure Handlungen die Welt retten, wenn es drauf ankommt. Dann hängt sogar das Überleben der Mächtigsten daran, ob ihr eurem Freund helft, wenn dessen Bürde zu groß wird. Und selbst der Verderbteste kann darin noch eine Rolle spielen.

Für D&D war daran glaube ich eher prägend, dass eine Gruppe von Leuten auszieht. Das ist das Muster, das seitdem die meisten Rollenspiele nutzen: eine Gruppe zieht aus, um etwas zu erreichen. Sie erleben schlimme Dinge, vollbringen Heldentaten, und alle werden auf ihre eigene Art dadurch stärker. Und dann kommen die Hobbits zurück und müssen ihre Heimat retten und merken, dass ihre eigenen Leute gar nicht so schwach sind, wie es aus der Fremde wirkte.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 30.01.2026 | 18:13
Für D&D war daran glaube ich eher prägend, dass eine Gruppe von Leuten auszieht. Das ist das Muster, das seitdem die meisten Rollenspiele nutzen: eine Gruppe zieht aus, um etwas zu erreichen. Sie erleben schlimme Dinge, vollbringen Heldentaten, und alle werden auf ihre eigene Art dadurch stärker.

Das auf jeden Fall. Wobei natürlich auch die Gemeinschaft des Rings eher ein Zweckbündnis zur Erfüllung einer bestimmten Aufgabe war als "nur" ein D&D-typischer Haufen eingeschworener freischaffender Abenteurer, der durch die Welt trampt und nach Auftraggebern Ausschau hält -- aber als Gruppe funktioniert hat sie eben doch, selbst noch nach ihrem ungewollten Auseinanderbrechen (immerhin immer noch in kleinere Untergrüppchen ohne versprengte Einzelkämpfer).

Ich vermute auch ein wenig -- Achtung, Tangente! --, daß, wenn ein US-Amerikaner diesen Roman geschrieben hätte, ohne seinerseits Tolkien als Vorbild zum Abkupfern bereits zu haben, wesentlich weniger andere einigermaßen wichtige Gestalten vorgekommen wären. Einfach, weil ich im Rückblick auf Jahrzehnte importierter US-Medien den Eindruck gewonnen habe, daß diese Leute tendenziell lieber Geschichten um einzelne oder zumindest wenige Protagonisten erzählen wollen, die die Welt oder wenigstens die Situation praktisch im Alleingang retten (was denn auch erklären würde, warum Superhelden primär ein US-Genre sind) -- das ist der Ringkrieg nach Tolkien aber definitiv nicht.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 30.01.2026 | 18:40
Moorcock und Leiber sind sprachlich nicht gerade bemerkenswert. Die haben aber halt auch nicht ewig daran herumpoliert und man merkt die Herkunft aus der Groschenheft-Ecke ein wenig.

Jack Vance rotzt aber Tolkiens Wanderungsnacherzählungen locker weg.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 30.01.2026 | 18:42
Für die Fantasy-Kultur ist Tolkien maßgeblich, weil er einen Kosmos von bis dahin unvergleichlicher Tiefe geschaffen hat.

Ich glaube das könnte des Pudels Kern sein: Tolkien hat beim Worldbuilding einfach neue Maßstäbe gesetzt. Das ist natürlich für ein nichtlineares Medium wie Rollenspiel um einiges bedeutender als die Qualität der Erzählung.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Galatea am 30.01.2026 | 18:55
Was ich mich immer gefragt habe bei Tolkien: wo ist die Religion? Ich kenne in HdR und Der Hobbit nicht eine Stelle wo dazu etwas steht. Ich schließe das Silmarillion usw. explizit aus! So eine wichtige Grundlage für die mittelalterliche Gesellschaft, für die Antike und die Wikinger, etwas was ihr Denken und ihre Weltanschauung geprägt hat und im Alltag mit Ritualen begleitet hat kommt nie vor. Warum? In den S&S Geschichten sind Götter und Kulte Omnipräsent. Das ist z. B. etwas das mich massiv stört an Tolkien Worldbuilding.

Zum einen ist Religion etwas fundamental anderes, wenn man den Nachweis hat, dass diese Götter real in der Welt existieren und diese sogar teilweise direkt ins Weltgeschehen eingreifen (v.a. Melkor und Sauron, aber auch die Ainur und einmal sogar Eru höchstpersönlich, als er Numenor versenkt).
Viele Konzepte, die typischerweise mit Religion in Verbindung stehen (Mystik, Umdeutung von Naturereignissen, etc.) funktionieren da schon grundlegend nur ganz eingeschränkt, wenn überhaupt. Wenn man weiß, dass etwas existiert, muss man nicht mehr daran glauben.

Zum anderen gibt es durchaus religiöse Kulte, insbesondere ausgehend von den dunklen Lords - Paradebeispiel wäre der Melkorkult im späten Numenor.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Mithras am 30.01.2026 | 18:58
Also Vance' sprachliche Fähigkeitn sind hervorragend. Und Leibers Schreibe war auch sehr gut, nur halt nicht durchgehend.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 30.01.2026 | 20:44
Bei Tolkien (HdR) spielen nur eine Rolle: Gondor, Rohan, Dunländer und Haradrim. Dann noch Bree und die Leute aus Thal, aber sind das nicht nur Leue aus Arnor bzw. Gondorianer? .
Nein, du hast noch die  Dunedain, Ostlinge, Südlander, Schwarzen Numenorer, Wainraider, Umbar,
EDO ist buchstäblich "Elfen, Zwerge, Orks".
und wo ist da Reue, Vergebung, Gnade, Mitgefühl von der Tatsache das spez die Elfen total un Tolkienesk sind
Was ich mich immer gefragt habe bei Tolkien: wo ist die Religion? Ich kenne in HdR und Der Hobbit nicht eine Stelle wo dazu etwas steht.
Aragorn ist Illuvatars Priester
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 30.01.2026 | 21:57
Zum einen ist Religion etwas fundamental anderes, wenn man den Nachweis hat, dass diese Götter real in der Welt existieren und diese sogar teilweise direkt ins Weltgeschehen eingreifen (v.a. Melkor und Sauron, aber auch die Ainur und einmal sogar Eru höchstpersönlich, als er Numenor versenkt).
Viele Konzepte, die typischerweise mit Religion in Verbindung stehen (Mystik, Umdeutung von Naturereignissen, etc.) funktionieren da schon grundlegend nur ganz eingeschränkt, wenn überhaupt. Wenn man weiß, dass etwas existiert, muss man nicht mehr daran glauben.

Zum anderen gibt es durchaus religiöse Kulte, insbesondere ausgehend von den dunklen Lords - Paradebeispiel wäre der Melkorkult im späten Numenor.

Dazu vielleicht noch ein, zwei andere Punkte: Erstens, selbst im von Mithras verschmähten Silmarilion steht meiner Erinnerung nach nirgends, daß Eru und die Valar von Sterblichen besonders verehrt werden wollen. Angemessen respektiert, sicher -- aber aus irgendwelchen kultischen Praktiken gewinnen sie nichts, was sie nicht schon von sich aus hätten, und umgekehrt sind sie gerade zu Bilbos und Frodos Zeiten mittlerweile distanziert genug von der Welt, daß es vermutlich wenig definitiv Merkbares bringt, sie alle naselang um Gefallen anzubetteln. Das ist für eine "reale" Religion kein besonders tragfähiges Fundament, und mit einer, die nur auf Märchengeschichten ohne faktische Basis aufbauen wollte, bekäme man in so einer Welt auch schlecht ein Bein auf den Boden; schlimmstenfalls könnte man sogar ihren ganz realen Unmut auf sich ziehen, wenn sie es irgendwie spitzkriegen sollten!

Und zweitens und ein wenig mehr auf der Metaebene ist Religion auch im Genre Fantasy zwar ein erlaubtes, aber kein zwingend benötigtes Handlungs- oder auch nur Settingelement. Da geht bei mir schon eher bei dem Gedanken eine Augenbraue hoch, daß sich jemand bemüßigt fühlen könnte, einem beliebigen Autor oder sonstigen Geschichtenerfinder vorschreiben zu wollen, daß er gefälligst soundsoviele Prozent religiöse Elemente in sein Werk einzubauen hätte...
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Galatea am 31.01.2026 | 18:41
Nein, du hast noch die  Dunedain, Ostlinge, Südlander, Schwarzen Numenorer, Wainraider, Umbar
Nicht zu vergessen die Dunlanders, die sich seit Jahrhunderten im Konflikt erst mit Numenor, dann mit Gondor, dann mit Rohan befinden und im Ringkrieg etwa die Hälfte von Sarumans Armee stellen (was man ihnen nicht mal zu sehr verübeln kann, waren sie ja im Prinzip seit der Ankunft der Numenorer permanent auf der Verliererseite des Kolonialismus).

Und auch wenn sie nur kurz erwähnt werden, spielt das autonome Waldvolk am Rand von Gondor eine entscheidende Rolle - hätten die den Rohirrim nicht den Weg durch die Wälder gezeigt, wären diese auf der Strasse nach Gondor in den Barrikaden der Orks stecken geblieben (Sauron war nämlich nicht blöd, der hatte die Gefahr eines Einfalls von Rohan durchaus auf dem Schirm und hatte vorgesorgt).
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 31.01.2026 | 19:22
Vielleicht weil: Es startet im Prinzip in einem Inn?  8]
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Galatea am 31.01.2026 | 20:12
Vielleicht weil: Es startet im Prinzip in einem Inn?  8]
Treffen sich ein Zwerg und ein Zauberer in einem Gasthaus...
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: D. M_Athair am 31.01.2026 | 21:42
Ich würde ja damit argumentieren, dass Medieval Wargaming und Tolkien - unter Vermittlung von Märchen & Mythen - sich grundsätzlich näher stehen, als Medieval Wargaming und Sword & Sorcery. Entsprechend folgerichtig finde ich, dass HdR - in seiner Funktion als EDO Fantasy!! - den Massenmarkt im TT Wargaming & D&D geprägt hat.

Anders rum: Wenn ich das richtig nachgeschaut habe, gab vor EDO-Fantasy durchaus Conan/S&S-Wargaming.
Aber das blieb halt (mMn aus verständlichen Gründen) ne Randnotiz.


Ich würde auch weiter argumentieren, dass nicht HdR "Standard-Fantasy" geprägt hat, sondern das, was D&D aus seinen diversen Einflüssen gestrickt hat. Nicht zuletzt deswegen, weil PC-RPG i.d.R. auf D&D-Setzungen aufgesetzt haben.


Im Literatur-Bereich sehe ich immer noch keine krasse Dominanz von "Standard/EDO-Fantasy". Der war da immer vielfältiger, als was in der Popkultur als Leitvorstellung bzgl. Fantasy unterwegs ist.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 31.01.2026 | 22:40
Im Literatur-Bereich sehe ich immer noch keine krasse Dominanz von "Standard/EDO-Fantasy". Der war da immer vielfältiger, als was in der Popkultur als Leitvorstellung bzgl. Fantasy unterwegs ist.

Würde ich so wohl unterschreiben. Klar, man findet auch im literarischen Bereich Welten, die zumindest Elfen und/oder Zwerge haben -- in der Hinsicht hat sich ja auch Tolkien selbst an älteren Quellen bedient. Aber schon bei Orks wird die Luft dann außerhalb von recht sichtbar D&D- oder Warhammer-inspirierten Werken schnell etwas dünn, denn für einfach nur "fieses Monstervolk" sind den Menschen schon immer auch eine ganze Menge anderer Namen eingefallen...

Was wir als Rollenspieler so unter "Standard"-Klischeefantasy verstehen, ist mMn allemal stark durch unsere spezielle Hobbynische und natürlich Uropa D&D und dessen diverse Nachahmer (Computerspielbereich eingeschlossen) vorgeprägt. Deswegen kann man sich auch, wenn man sie in anderen Medien doch mal wieder antrifft, einigermaßen sicher sein, daß da die Inspiration dazu ihrerseits aus unserem speziellen Nerd-Umfeld stammt.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Megavolt am 31.01.2026 | 22:51
Also Vance' sprachliche Fähigkeitn sind hervorragend. Und Leibers Schreibe war auch sehr gut, nur halt nicht durchgehend.

Wie liest du denn den Leiber? Übersetzt oder im Original?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Mithras am 31.01.2026 | 22:53
Ich lese übersetzt
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Megavolt am 31.01.2026 | 22:56
Ich lese übersetzt

Vielen Dank. Hast du diese grünen Schwarten, wie ich sie besitze, oder hast du andere Übersetzungen?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Eleazar am 1.02.2026 | 07:13
Aber schon bei Orks wird die Luft dann außerhalb von recht sichtbar D&D- oder Warhammer-inspirierten Werken schnell etwas dünn, denn für einfach nur "fieses Monstervolk" sind den Menschen schon immer auch eine ganze Menge anderer Namen eingefallen...

Wobei ich mich frage: Kann man diese "fiesen Monstervölker", wenn sie den Orks bis aufs Haar gleichen, nicht auch als Orks in dem Sinne durchgehen lassen? Ich kann mich an mindestens zwei, drei Fanasy-Sagas erinnern, in denen es nicht aufgefallen wäre, wenn dort statt eines anderen Fantasienamens einfach "Orks" gestanden hätte. Kann es sein, dass die Autoren nicht einfach die Idee des Orks direkt von Tolkien übernommen hätten, aber aus rechtlichen oder Originalitätsgründen sich irgendeinen Namen aus den Fingern gesucht hätten? Ich meine, Wikipedia gab es da noch nicht, so dass man den Begriff "Ork" leicht für eine Erfindung Tolkiens hätte halten können.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Mithras am 1.02.2026 | 08:12
@Megavolt, ich habe auch die grünen Ausgaben gelesen

Vielen Dank an alle für eure Einblicke und Begründungen
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Fuchs am 1.02.2026 | 08:33
Vielen Dank. Hast du diese grünen Schwarten, wie ich sie besitze, oder hast du andere Übersetzungen?

Die grünen Bände gibt es als Carroux und als Krege Übersetzung.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Namo am 1.02.2026 | 10:00
Mal noch ein anderer weiterer, kleiner Gedankengang. Er spricht den Menschen auch auf einer emotionalen Ebene mit den Themen Aufstieg und Niedergang an. Etwas, was man damals - aber auch heute noch nach empfinden kann. Da gab es "die gute alte Zeit der Elben" in der sie hoch im Licht standen und voller Glanz und Macht. Wobei auch hier schön damit gespielt wird, dass man als Mensch die Vergangenheit verklärt in der alles besser war. Die Elben waren mächtiger und mehr - aber in welchen Zeit hatten sie damals gelebt? Im Kampf gegen Morgoth und der sicheren Niederlage. Die Vorväter der Dunedain waren die höchsten Menschen und haben großartiges geschaffen. Aber was war ein Großteil wirklich? Machtbesessen und Größenwahnsinnig. Sie wollten die Götter selbst heraus fordern. Die alten Zeiten waren also nicht so gut wie man sie teilweise vermittelt bekommt - wunderbar auch auf unsere Zeit zu übertragen und eigentlich nahezu jedes Jahrzehnt seit HdR. Das Böse hat immer mitgeschwungen und gutes und faszinierendes zersetzt. Bis dahin ist auch eine gewisse Ähnlichkeit zu Elric zu sehen. Aber - während beim Lesen von Elric quasi nahezu keine Hoffnung mitschwingt und das Buch eben auch genauso düster endet - schwebt in Tolkiens HdR in vielen Szenen Hoffnung mit. Zwar Hoffnung auf einen guten Ausgang der nur gering ist, aber sie ist da. Und dann bewahrheitet sich die Hoffnung und am Ende des Buches besteht die Hoffnung auf einen Aufbau und ein Leben ohne das Böse. Und so faszinierend auch mal andere Ausgänge sind, ein positives Ende fühlt sich einfach auch gut an.

Insofern haben wir hier nicht nur eine gewaltige Geschichte die einen in der Düsterheit schon an die beiden großen Weltkriege des letzten Jahrhunderts erinnert, sondern zum einen eine Heldengeschichte (Aragorn aber auch Frodo) die sich auf bestimmte Figuren zentrieren. Diese werden aber auch von Freunden unterstützt, die ihr eigenes Leben riskierend den Helden auf seinem Weg unterstützen. Das könnte man ein stückweit auch buddy movie nennen.

Einzelne dieser Themen und Emotionen kommen in den anderen Werken auch vor, aber hier sind sie alle. Emotional betrachtet gibt mir der Herr der Ringe einfach ganz andere Vibes - wobei ich zugegebener Conan nie gelesen habe. Aber der ist für mich thematisch schon ziemlich uninteressant. Elric hat zugegebenermaßen bei mir auch ein extrem hohes Standing, da die Bücher auch eine große Faszination ausgeübt haben. Gerade das beherrschende Dämonenthema existiert so in Tolkien ja nicht. Aber das ist dennoch nicht ein Welt in der ich dauerhaft nicht spielen wollte. Der Mensch braucht einfach so etwas wie Hoffnung auf etwas besseres. Das lässt ihn auch in düstersten Zeiten weitermachen. Und ich glaube, dass das auch einfach die Thematiken sind die HdR so massentauglich machen. Und damit aufgrund der Vielfältigkeit eben auch zum Fantasystandard wurden. Neben den bereits genannten Themen wie die ganzen Völker, die Handlungen etc. Ich meine wir haben Fantasyschlachten, Dungeon Crawl (Moria und Kankras Lauer), so gesehen sogar das Finden von Schätzen (Hügelgräberhöhen). Das ist in Summe einfach eine Blaupause für ein Standardrollenspiel mit zugehöriger Welt. Da ist quasi schon alles mit viel Abwechslung drin und man muss nicht mal mehr großartig etwas hinzu erfinden um es zu "strecken" und spielbar zu machen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 1.02.2026 | 13:00
Elric ist in Sachen Aufstieg und Niedergang aus meiner Sicht noch mal ein gewisser Sonderfall. Denn die meisten Einwohner der Jungen Königreiche leben da ja einfach recht normal und haben mit Sicherheit auch ihre eigenen Hoffnungen für die Zukunft (selbst in Pan Tang oder der Stadt der Bettler wohnen letztendlich immer noch Menschen) -- dummerweise ist nur halt der Protagonist der Geschichten so ein Depri-Emo-Typ, der ohne rechte Erkenntnis dessen, was er da eigentlich tut und mit welchen Kräften er bei der Verfolgung seiner privaten Ziele spielt, fast schon im Alleingang den letztendlichen Untergang seiner Welt einleitet. Das färbt natürlich etwas auf das Setting ab, ohne daß dieses aber andererseits wirklich etwas dafür kann.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 1.02.2026 | 14:17
Die Elben waren mächtiger und mehr - aber in welchen Zeit hatten sie damals gelebt?
In Valinor oder Tol Erressa, den Krieg des Zornes mal ausgenommen

Zitat
Der Mensch braucht einfach so etwas wie Hoffnung auf etwas besseres. Das lässt ihn auch in düstersten Zeiten weitermachen.
Hier komme ich betreffs des ewigen Helden nicht ganz mit
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 1.02.2026 | 15:04
Elric ist schon sehr düster, genauso Corum oder Erekose. Von Moorocks Hauptwerken zum Ewigen Helden würde ich lediglich den Herzog von Köln als etwas optimistischer einstufen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 2.02.2026 | 09:44
von Bek und John Daker
Es "endet" mit Hawkmoon, also auf lange Sicht mit Hoffnung
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: felixs am 2.02.2026 | 10:35
Da kannst du jeden Ork und alles Gelichter bedenkenlos erschlagen, denn die sind eh unrettbar verloren und wollen dir schließlich ans Leder. Insofern wurde Mittelerde zum dicken Fundament für Epic- und von mir aus auch High Fantasy. Die Dungeoncrawls von D&D, wo es um schnöde Bereicherung geht, haben aber viel eher mit dem Wilden Westen, amerikanischem Freiheitsgefühl und -Unternehmertum zu tun, als mit den Schicksalskämpfen der altnordischen Mythologie, wo es ja ebenfalls um Leben und Tod geht - Ragnarök. D&D steht trotz der Elfen, Zwerge und Halblinge den Pulps viel näher als erhabenen Werken.

Volle Zustimmung bezüglich der US-Gesellschaft als Hauptquelle für D&D.
Andererseits ist das mit den Orks ein wenig ungerecht - bzw. trifft auf die Orks schon zu; gleichzeitig hat Tolkien ansonsten aber eine starke Mitleidsethik vertreten. Alle außer den Orks sind eben sehr mitleidswürdig und sollen mit Milde behandelt werden uns neue Chancen bekommen, sogar Gollum, sogar die menschlichen Verbündeten von Mordor. Ich denke, die Perversionen und Widersprüche darin kommen eben aus der christlich-katholischen Inspiration.
Was ich meine: Die Orks sind der Ausnahmefall, stehen außerhalb der (grundsätzlich guten) Schöpfung.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: AndreJarosch am 2.02.2026 | 10:45
von Bek und John Daker
Es "endet" mit Hawkmoon, also auf lange Sicht mit Hoffnung

Michael Moorcock hat viel was er geschrieben im Nachhinein als zur Eternal Champion Reihe gehörig erklärt.
Für mich sind es weiterhin die ersten 6 Elric Romane, die 6 Corum Romane, die 7 Hawkmoon Romane und die 3 Erekose Romane und mehr nicht.
Der Rest wurde im Nachheiein zum Eternal Champion erklärt (Michael Kane-Saga) oder sind für mich nur Fan-Fiction ("Rache der Rose" und "Festung der Perle"... nur weil die Romane vom ursprünglichen Autor der Saga geschrieben wurden heißt das nicht, dass sie nur nur bessere Fan-Fiction sind).
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 2.02.2026 | 10:51
Michael Moorcock hat viel was er geschrieben im Nachhinein als zur Eternal Champion Reihe gehörig erklärt.
Für mich sind es weiterhin die ersten 6 Elric Romane, die 6 Corum Romane, die 7 Hawkmoon Romane und die 3 Erekose Romane und mehr nicht.
Der Rest wurde im Nachheiein zum Eternal Champion erklärt (Michael Kane-Saga) oder sind für mich nur Fan-Fiction ("Rache der Rose" und "Festung der Perle"... nur weil die Romane vom ursprünglichen Autor der Saga geschrieben wurden heißt das nicht, dass sie nur nur bessere Fan-Fiction sind).

Uff, ich bin erleichtert, dass es nicht nur mir so geht  :)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 2.02.2026 | 10:54
Wobei ich mich frage: Kann man diese "fiesen Monstervölker", wenn sie den Orks bis aufs Haar gleichen, nicht auch als Orks in dem Sinne durchgehen lassen? Ich kann mich an mindestens zwei, drei Fanasy-Sagas erinnern, in denen es nicht aufgefallen wäre, wenn dort statt eines anderen Fantasienamens einfach "Orks" gestanden hätte. Kann es sein, dass die Autoren nicht einfach die Idee des Orks direkt von Tolkien übernommen hätten, aber aus rechtlichen oder Originalitätsgründen sich irgendeinen Namen aus den Fingern gesucht hätten? Ich meine, Wikipedia gab es da noch nicht, so dass man den Begriff "Ork" leicht für eine Erfindung Tolkiens hätte halten können.

Da stellt sich dann schnell die Frage, was einen Ork nun eigentlich zum Ork macht. Die WH40K-Grünlinge gleichen Namens beispielsweise haben beim genaueren Hinsehen mit denen aus Mittelerde eigentlich so gar nichts gemeinsam, und trotzdem sind sie populär genug, daß zumindest viele von uns sie einigermaßen unbesehen durchwinken würden...

Und nicht zu vergessen: im kleinen Hobbit hießen sie auch bei Tolkien noch schlicht "Goblins" -- was dann im englischsprachigen Raum auch wieder gleich seine mythologischen Wurzeln hat. ;) Daß Orks und Goblins (und Hobgoblins und und und...) überhaupt verschiedene Spezies sein sollen, ist meines Wissens dann wohl tatsächlich schlicht auf dem Mist von D&D gewachsen, wo die Macher auf der Suche nach immer neuem Monsterfutter ja tatsächlich buchstäblich jeden Spitznamen für ursprünglich mal ein und dieselbe Art von Kreatur gleich zu eigenständigen "neuen und originellen" Typen verwurstet haben.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 2.02.2026 | 10:59
Tolkien selber war übrigens mit der unbewussten Prämisse, dass Orks unrettbar böse sind, selber nicht besonders glücklich, weil das seinen moralischen und religiösen Grundsätzen nicht entsprach, und hat sich viel Gedanken über das Lösen dieses Dilemmas gemacht. Als er mit seiner märchenhaften Elbenwelt angefangen hat, hat er sie natürlich erstmals mit fynsteren Schurken ausstaffiert, weil das eben genreüblich ist, aber als detailversessener Perfektionist hatte er dann später Bauchweh damit.

Sein ewiges Herumfeilen und Durchdenken seiner Welt macht ihn mir sowieso schon grundsätzlich sehr sympathisch. Er hat sich nie mit "ist halt dramaturgisch bedingt, isso!" zufrieden gegeben.  ^-^
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: felixs am 2.02.2026 | 11:02
Und nicht zu vergessen: im kleinen Hobbit hießen sie auch bei Tolkien noch schlicht "Goblins"

Auch im Lord of the Rings ist teilweise noch von "Goblins" die Rede. Es ist ziemlich klar, dass das synonym mit "Ork" zu verstehen ist.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 2.02.2026 | 11:17
Tolkien selber war übrigens mit der unbewussten Prämisse, dass Orks unrettbar böse sind, selber nicht besonders glücklich, weil das seinen moralischen und religiösen Grundsätzen nicht entsprach, und hat sich viel Gedanken über das Lösen dieses Dilemmas gemacht. Als er mit seiner märchenhaften Elbenwelt angefangen hat, hat er sie natürlich erstmals mit fynsteren Schurken ausstaffiert, weil das eben genreüblich ist, aber als detailversessener Perfektionist hatte er dann später Bauchweh damit.

Sein ewiges Herumfeilen und Durchdenken seiner Welt macht ihn mir sowieso schon grundsätzlich sehr sympathisch. Er hat sich nie mit "ist halt dramaturgisch bedingt, isso!" zufrieden gegeben.  ^-^

Yep. Na ja, "dramaturgisch bedingt" war dann zwangsläufig in seinen Geschichten selbst schon so einiges, weil das nun mal in der Natur des Handwerks liegt -- aber als Feigenblatt für bloße Denkfaulheit taugt das eben auch nur anspruchslosen Schreibern. >;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 2.02.2026 | 11:17
Da kannst du jeden Ork und alles Gelichter bedenkenlos erschlagen, denn die sind eh unrettbar verloren und wollen dir schließlich ans Leder.
selbst Orcs should be treated with kndness, wenn möglich auch wenn es kaum gemacht wurde und niemand hat Denethor erschlagen oder Maedhros.

Für mich sind es weiterhin die ersten 6 Elric Romane, die 6 Corum Romane, die 7 Hawkmoon Romane und die 3 Erekose Romane und mehr nicht.
warum zählen die "SF" Sachen nicht?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 2.02.2026 | 11:45
Zu dem bisher gesagten:
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 2.02.2026 | 12:17
Michael Moorcock hat viel was er geschrieben im Nachhinein als zur Eternal Champion Reihe gehörig erklärt.
Für mich sind es weiterhin die ersten 6 Elric Romane, die 6 Corum Romane, die 7 Hawkmoon Romane und die 3 Erekose Romane und mehr nicht.
Der Rest wurde im Nachheiein zum Eternal Champion erklärt (Michael Kane-Saga) oder sind für mich nur Fan-Fiction ("Rache der Rose" und "Festung der Perle"... nur weil die Romane vom ursprünglichen Autor der Saga geschrieben wurden heißt das nicht, dass sie nur nur bessere Fan-Fiction sind).

Hm, die ersten sechs Elric-Romane gibt es ja eigentlich in der Form gar nicht, die sind m.E. ein Artefakt, das für deutsche Leser*innen durch den entsprechenden Heyne-Sammelband entstanden sind. Eigentlich hat Moorcock ab 1962 immer wieder mal Elric-Geschichten und Romane verfasst, frühere Geschichten wurden zu Fix-Up-Romanen ... die erste Elric-Geschichte ist "The Dreaming City".

Den Roman "Elric von Melniboné" würde ich z.B. werkgeschichtlich eher mit "Fortress of the Pearl" und "Revenge of the Rose" in einen Topf werfen - okay, zwischen "EvM" und "FotP" liegen siebzehn Jahre, aber beide sind den klassischen Sword&Sorcery-Abenteuern nachgeschoben worden, und Moorcock hat in ihnen inhaltlich und stilistisch mehr zu experimentieren gewagt; Elric war bereits ein Erfolg, und Moorcock hatte wahrscheinlich das Gefühl, jetzt mit der Figur machen zu können, was er will, und sich nicht mehr so stark dem Magazinstil verpflichtet gefühlt.

Mir persönlich sind ja diese drei Romane der Zwischenphase die liebsten, auch wenn "Revenge of the Rose" zum Ende ein bisschen wirr wird. Ich finde, hier spricht Moorcock am klarsten mit seiner eigenen Stimme (Mit "Dreamthief's Daughter" wusste ich dagegen gar nichts anzufangen ...). Davon jetzt teile als Fan-Faction abzutun, finde ich ein bisschen hart, man muss sie ja nicht mögen, aber es sind Sachen, die Moorcock über seinen eigenen Helden geschrieben hat und die auch ganz eindeutig in die Kosmologie um den Ewigen Helden gehören.


Die beiden von-Bek-Romane gehören m.E. auch originär zur Kosmologie des ewigen Helden und sind nicht nachträglich angeflanscht.


Beim Jerry Cornelius weiß ich es nicht, die Romane habe ich bis heute nicht gelesen (will ich aber dringend mal nachholen), meine aber mal in einer Monografie über Moorcocks Werk gelesen zu haben, dass sie teilweise die Handlung der Elric-Kerngeschichten spiegeln. Und bei Elric taucht ja auch eine Variante der Figur (Jhary A-Conel oder so) auf, also scheint da schon eine Zugehörigkeit zum Zyklus um den ewigen Helden intendiert.

Andererseits wäre Moorcock wahrscheinlich eh der letzte, der da auf eine klare Eingrenzung Wert legen würde.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 2.02.2026 | 13:28
Das driftet etwas vom Thema ab, aber Moorcock verwendet sehr gerne Namen mit den Initialen J.C. wie Jesus Christus. Das hat keine Aussage oder Bedeutung, das ist eher so ne Marotte. Dass Jerry Cornelius mit Jhary-a-Conel gleichzusetzen ist, einer Inkarnation des Companions des Ewigen Helden, wage ich zu bezweifeln. Genauso Jerry Cornell oder Jherek Carnelian. Klingt alles ähnlich, was ganz sicher beabsichtigt ist, aber einen Beleg dafür, dass es sich bei diesen Personen um die gleiche handelt, gibt es meines Wissens nicht.

Die Interpretation von Cornelius oder Oswald Bastable oder Una Persson oder sonstwem als Inkartnation des Ewigen Helden oder des Companions stammt meines Wissens auch nicht von Moorcock, sondern von anderen Personen, die sich mit Moorcocks Werk auseinandersetzen und krampfhaft versuchen, alles und jeden mit dem Ewigen Helden zu verknüpfen.

Davon abgesehen fand ich Die Festung der Perle und Die Rache der Rose auch großartig und überbordend voll mit kreativen Ideen. Davon hat Moorcock eh unfassbar viele. Sowas strukturiertes, planvolles wie Mittelerde könnte er dagegen niemals leisten. Vom literarischen Ansatz sind Moorcock und Tolkien wie Feuer und Wasser.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 2.02.2026 | 13:32

Davon abgesehen fand ich Die Festung der Perle und Die Rache der Rose auch großartig und überbordend voll mit kreativen Ideen. Davon hat Moorcock eh unfassbar viele. Sowas strukturiertes, planvolles wie Mittelerde könnte er dagegen niemals leisten. Vom literarischen Ansatz sind Moorcock und Tolkien wie Feuer und Wasser.

Ja - das Lustige daran finde ich ja, dass mir Moorcock eigentlich viel mehr wie ein Mythenschöpfer vorkommt, wenn man Mythen als die unordentlichen, eklektzistischen und gegenwartsbezogenen Geschichten begreifen, die sie die meiste Zeit über wohl eigentlich waren. Tolkien war dagegen eher der Architekt einer Kunst-Mythologie.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 2.02.2026 | 18:27
Davon abgesehen fand ich Die Festung der Perle und Die Rache der Rose auch großartig und überbordend voll mit kreativen Ideen. Davon hat Moorcock eh unfassbar viele. Sowas strukturiertes, planvolles wie Mittelerde könnte er dagegen niemals leisten. Vom literarischen Ansatz sind Moorcock und Tolkien wie Feuer und Wasser.

Ich bin ja eigentlich großer Moorcock-Fan, aber den letzten Erekosë-Band (https://en.wikipedia.org/wiki/The_Dragon_in_the_Sword) finde ich so schlecht, dass ich 2x mit einer Distanz von fast 30 Jahren zwischen den Lektüren, danach keine Lust mehr auf ihn hatte.

Moorcock gibt ja auch Tipps wie man einen Roman in 3 Tagen zusammenschluddert (https://blog.karenwoodward.org/2014/05/how-michael-moorcock-wrote-novel-in-three-days.html).

Seinen berühmte Polemik gegen Tolkien, muss hier ja wohl jeder kennen: Epic Pooh (https://en.wikipedia.org/wiki/Epic_Pooh).
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 3.02.2026 | 09:17

Seinen berühmte Polemik gegen Tolkien, muss hier ja wohl jeder kennen: Epic Pooh (https://en.wikipedia.org/wiki/Epic_Pooh).

Zu der habe ich übrigens gerade eine gute Replik gefunden:
https://www.curtisweyant.com/blog/epic-pooh-pooh/ (https://www.curtisweyant.com/blog/epic-pooh-pooh/)
Die geht in Bezug auf Tolkien auch noch mal kritisch auf das hier erwähnte "simple Gut-Böse-Schema" ein, und auf viele andere Aspekte, die für Charakterisierung von Tolkiens typisch sind.

"Epic Pooh" ist ja ein Text, der mich als Moorcock-Fan seit jeher ein bisschen unglücklich macht, weil ich auch immer fand, dass er platt argumentiert, kaum etwas am Text nachweist und viele entscheidende Elemente des HdR ignoriert. Moorcock bleibt da weit hinter seinen Intellektuellen Möglichkeiten zurück und polemisiert einfach nur gegen etwas, das ihm zufällig nicht gefällt. Dass sich dann andere hervorragende Autor*innen wie z.B. China Mieville darauf berufen, um sich von Tolkien abzugrenzen, anstatt einfach darauf zu vertrauen, dass ihr Werk für sich stehen kann, finde ich auch eine unschöne Spätfolge dieses Essays. Ich weiß nicht, ob Tolkien und Moorcock sich je getroffen haben, vielleicht hätten sie sich sogar verstanden - beide waren/sind sicher auf ihre Art Romantiker mit einem starken sozialen Empfinden.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 3.02.2026 | 09:23
Epic Pooh ist womöglich das schlechteste, das Moorcock je geschrieben hat. Zumindest ist es das schlechteste, das ich bisher von ihm gelesen habe. Man sollte sich lieber an seine Romane halten. Von denen sind viele wirklich großartig.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: felixs am 3.02.2026 | 10:19
Um nochmal auf die Ausgangsfrage zurückzukommen: Ich bin gar nicht sicher, ob das überhaupt so stimmt. Oder besser: Ich möchte das noch ein wenig mehr relativieren.

EDIT: Wurde auch so ähnlich hier schon geschrieben. Pardon für die Doppelung.

Tolkien ist sicher der am meisten rezipierte und (pop-)kulturell einflussreichste Fantasyautor. Die überwältigende Präsenz ist aber eher ein Resultat der Jackson-Verfilmungen. Ich bin noch damit aufgewachsen, dass Tolkien eher nischig war. Man kannte den, aber nicht viele haben ihn gelesen.
Auf der anderen Seite sind Howard, Moorcock, Pratchett eben auch genrebildend. Vielleicht gibt es gar nicht so sehr "Standard-Fantasy", sondern halt mehrere Spielarten innherhalb dieser (ohnehin schlecht definierten) Richtung.

Insbesondere Moorcock ist durchaus ziemlich einflussreich - es gibt viel von ihm beeinflusste Musik, viele Rollenspiele.

Pratchett sowieso.

Leiber ist, soweit ich das überblicke, etwas weniger einflussreich. Lief immer eher unter "Geheimtipp". Gibt aber auch Rollenspielsachen zu seinem Werk.

Bezüglich Rollenspielen sieht es bei Tolkien auch gar nicht so gut aus - Mittelerde wird vermutlich gar nicht so viel bespielt.

Bleibt die Frage nach dem Einfluss auf Rollenspiele, die sich nicht explizit dem Werk der jeweiligen Autoren widmen. Ein sicheres Zeichen für Tolkien-Einfluss sind vermutlich Hobbits/Halblinge. Andererseits sind viele Dinge in D&D beispielsweise eindeutig nicht Tolkien; Gesinnungen dürften das beste Beispiel sein. Auch der Monsterpark ist von Anfang an anders, Magie hat eine Ausprägung, die eher nicht von Tolkien inspiriert sein kann; Wiederbelebungen, Heiltränke mit Soforteffekt - alles eher nicht so richtig tolkienesk. Insgesamt ist D&D von Anfang an viel greller.
DSA hat wenig sichtbaren Tolkien-Einfluss. Midgard etwas mehr (inkl. Halblingen), aber auch nicht so viel.

Pardon, das ist alles etwas ungeordnet und ich bin mit den Gedanken auch nicht fertig. Vermutlich irre ich mich auch irgendwo.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: BobMorane am 3.02.2026 | 10:57
Ich bin da bei Ghoul.

Ich finde gar nicht das Tolkien SOOOO der Standard fürs RPG ist.

Wenn man sich mal die Literaturempfehlungen in (A)D&D anschaut findet man da in der 1 Edition sowohl Tolkien als auch Howard. Ich bin mir nicht 100% sicher aber ich glaube Moorckc und Leiber waren da auch schon bei.

Klar Elfen, Zwerge und halblinge sich sehr Tolkinesk, aber der Spielstil, der in den frühen Tagen propagiert wurde war eher eine Gruppe von Söldnern/Glücksrittern zieht in den Dungeon um reich zu werden. Ab und an gibt es dann noch einen Auftraggeber der was haben will. Das finde ich ist eher Sword & Sorcery.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 3.02.2026 | 11:02
Epic Pooh ist womöglich das schlechteste, das Moorcock je geschrieben hat. Zumindest ist es das schlechteste, das ich bisher von ihm gelesen habe. Man sollte sich lieber an seine Romane halten. Von denen sind viele wirklich großartig.

Ich bin ja generell für Dialektik. Und das bedeutet für mich, dass auch ein nicht haltbare Polemik den Austausch zu einem Thema weiterbringen kann. Eine Reaktion eine solche Polemik kann eindeutig zu Erkenntnisgewinn führen, auch wenn man die Polemik selbst total verabscheut.

Ich habe jetzt auch gar nichts wirklich gegen Epic Pooh zu sagen.

So als Teenager hatte ich schon auch was gegen das Weltbild im Herrn der Ringe, habe ihn aber nicht mehr gelesen seit ich 12 war. Habe es auch ein paar Mal noch versucht, aber bin nie über den Alten Wald hinausgekommen. Er hat definitiv ein paar meisterhafte Plottwists im Herrn der Ringe, aber ansonsten gehe ich lieber selbst wandern, wenn ich in der entsprechenden Stimmung bin.

Das ist einfach für mich zu weit weg, um noch eine eigene Meinung vertreten zu können.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 3.02.2026 | 11:13
Ich finde gar nicht das Tolkien SOOOO der Standard fürs RPG ist.

Was Fantasy RPGs angeht, würde ich das auch behaupten. Ich bin ja mit Aventurien aufgewachsen und fand immer, dass das schon mal fast gar nichts mit dem HdR zu tun hatte (außer halt die EDO-Anleihe, die halt auch von D&D etc übernommen wurde). Mich hat abgesehen von MERS und TOR bisher eigentlich nut Trudvang ein wenig an HdR erinnert. Ansonsten sind die meisten Setting, über die ich im Rollenspiel gestolpert bin, doch herrlich eklektische Sammelsurien aller möglicher Zitate.

In der Literatur sieht bzw sah es freilich anders aus. Da hat Tolkien mit der Trilogie, in der eine Gruppe von Firguren, die zu Helden werden, die Welt rettet, tatsächlich einen Standard geschaffen, an dem sich das Genre lange abgearbeitet hat (und am Format ja immer noch weidlich abarbeitet). Howard, Leiber und Moorcock (und Vance!) konnten da mit ihren Formaten nicht mithalten. (Es mag auch eine Rolle spielen, dass man sich über mehrere Bände eines Romans auch eher mit Leuten identifizieren mag, die tapfer dafür kämpfen, dass sich am Ende nichts ändert und alles wieder so schön wird wie früher, als mit solchen, die in erster Linie für sich oder ihre Dämonen kämpfen.)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: felixs am 3.02.2026 | 11:14
Er hat definitiv ein paar meisterhafte Plottwists im Herrn der Ringe, aber ansonsten gehe ich lieber selbst wandern, wenn ich in der entsprechenden Stimmung bin.

Will Dich gar nicht überreden, das Buch gut finden zu müssen. Aber die (nicht nur bei Dir) oft gelesene Beschreibung als "Wanderbeschreibung" finde ich völlig unpassend. Das sind ein paar Seiten, an denen sich die Figuren von Handlungsort zu Handlungsort bewegen. Und unterwegs passieren interessante und für die Geschichte wichtige Dinge, dabei werden die Figuren weiterentwickelt und Verbindungen zwischen den Ereignissen und zwischen den Figuren und der Welt hergestellt. Man müsste schon Dinge wie die Flucht vor den Nazgûl, die Verfolgung der Spuren der verschleppten Hobbits (Peregrin und Meriadoc), oder die Episode mit den Grabunholden als "Wanderbeschreibung" verstehen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 3.02.2026 | 11:14
Tolkien zählt, denke ich, insoweit zum "Standard", als er uns die Vorbilder für "klassische" Fantasy-Elfen und -Zwerge schlechthin geliefert hat. Als Völker aus Mythologie, Märchen, und Folklore sind beide natürlich noch mal ein ganzes Stück älter, aber was heutzutage oft genug ganz selbstverständlich in Settings mit oder ohne Orks herumläuft, klaut in dieser Hinsicht doch recht stark (und mal mit mehr Verständnis und mal mit weniger) erst mal speziell bei ihm oder dann halt seinen Nachahmern.

Inwieweit der ganze Rest seines Werks dann das Genre als solches geprägt hat, darüber kann man eher streiten.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Zed am 3.02.2026 | 11:26
Ohne den Text des Threaderstellers im ersten Beitrag hätte mich der Titel des Threads etwas in die Irre geführt...

Die Frage ist natürlich theoretischer Natur und betrifft vor allem D&D, aber warum wurde Tolkiens EDO zum Fantasy Standard? Warum nicht die Humanozentrik von Fahrd, dem grauen Mausling, Conan und Elric? Warum Elfen, Zwerge und klischeehafte böse Orks statt verschiedener Menschenvölker und unnatürlichen Kreaturen? Und warum Feuerball Magie statt die viel interessanteren Alternativen aus Sword & Sorcery von Lovecraft, Robert E. Howard, Moorcock, Leiber und Clark Ashton Smith?  Angeblich war Gygax nämlich nicht so angetan von Der Herr der Ringe und wurde dazu überredet die Völker von Mittelerde als Klassen einzubauen.

Das liest sich jetzt vielleicht nach Trollpost oder Ragebait aber ich bin an euren Gedanken und Meinungen dazu interessiert. (Lieb sein in den Kommentaren!)

...denn ich würde die Annahme, dass Tolkien "Fantasy als akzeptiertes Genre" am stärksten geprägt hat, teilen (wenn man "Fantasy" nicht zu weit auslegt), ja, vielleicht wäre Fantasy im Mainstream ohne "Der Herr der Ringe" gar nicht angekommen, weil es schlicht in der Trivialliteratur-Ecke hängen geblieben wäre.

Aber ich möchte auch ghoul und BobMorane zustimmen, dass beim DnD-artigen Rollenspiel Tolkien nur ein Einfluss von vielen ist. Triviale Fantastik hat hier einen größeren Einfluss als anspruchsvolle Fantastik wie HdR.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 3.02.2026 | 13:32
Was Fantasy RPGs angeht, würde ich das auch behaupten. Ich bin ja mit Aventurien aufgewachsen und fand immer, dass das schon mal fast gar nichts mit dem HdR zu tun hatte (außer halt die EDO-Anleihe, die halt auch von D&D etc übernommen wurde). Mich hat abgesehen von MERS und TOR bisher eigentlich nut Trudvang ein wenig an HdR erinnert. Ansonsten sind die meisten Setting, über die ich im Rollenspiel gestolpert bin, doch herrlich eklektische Sammelsurien aller möglicher Zitate.

In der Literatur sieht bzw sah es freilich anders aus. Da hat Tolkien mit der Trilogie, in der eine Gruppe von Firguren, die zu Helden werden, die Welt rettet, tatsächlich einen Standard geschaffen, an dem sich das Genre lange abgearbeitet hat (und am Format ja immer noch weidlich abarbeitet). Howard, Leiber und Moorcock (und Vance!) konnten da mit ihren Formaten nicht mithalten. (Es mag auch eine Rolle spielen, dass man sich über mehrere Bände eines Romans auch eher mit Leuten identifizieren mag, die tapfer dafür kämpfen, dass sich am Ende nichts ändert und alles wieder so schön wird wie früher, als mit solchen, die in erster Linie für sich oder ihre Dämonen kämpfen.)

Man muss halt auch sagen, dass dieser Sword&Sorcery-Kram schon sehr stark auf ein volljähriges männliches Publikum abzielt. Sex ist da deutlich präsenter und genauso rohe Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen seitens der Protagonisten. Elric würde ich jedenfalls keiner 12-Jährigen Person empfehlen. Beim Herrn der Ringe ist eher die Frage, ob man Bock hat, so dicke Bücher mit nicht zu einfacher Sprache und viel Tiefe statt viel Action zu lesen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 3.02.2026 | 13:35
Man muss halt auch sagen, dass dieser Sword&Sorcery-Kram schon sehr stark auf ein volljähriges männliches Publikum abzielt. Sex ist da deutlich präsenter und genauso rohe Gewalt zur Durchsetzung eigener Interessen seitens der Protagonisten. Elric würde ich jedenfalls keiner 12-Jährigen Person empfehlen.

Ich wage zu behaupten, dass es mir nicht geschadet hat, aber wer weiß ...
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 3.02.2026 | 13:40
Ich wage zu behaupten, dass es mir nicht geschadet hat, aber wer weiß ...

Anekdotische Evidenz.

Ich will jedenfalls nicht, dass mein Sohn sich Elric oder Conan als Role Model raus pickt. Da sind mir Frodo, Gandalf und Aragorn schon deutlich lieber.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 3.02.2026 | 13:41
Man muss halt auch sagen, dass dieser Sword&Sorcery-Kram schon sehr stark auf ein volljähriges männliches Publikum abzielt.

Du meinst sicherlich "ein männliches Teenager-Publikum". Denn gerade beim gesetzteren Alter merkt man deutlich eher mal, daß ihm solche literarischen "Lesesünden" mittlerweile geradezu peinlich sind. ;)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 3.02.2026 | 13:44
Beim Herrn der Ringe ist eher die Frage, ob man Bock hat, so dicke Bücher mit nicht zu einfacher Sprache und viel Tiefe statt viel Action zu lesen.

Findest Du Tolkiens Sprache im HdR wirklich schwerer als Vance in den Dying Earth-Geschichten?
Und ich fand den HdR auch nie so wahnsinnig viel tiefer als Leiber oder Vance, aber das mag daran liegen, dass ich in solchen Dingen ein oberflächlicher Leser bin? Jedenfalls fand ich Crowleys "Little, Big" oder Wolfes "Book of the New Sun" eigentlich habhafter, was die Tiefe angeht. Jetzt nicht vom Worldbuilding her, aber Worldbuilding ist ja der reine Nerdaspekt. Eine krasse Modelleisenbahn ist vielleicht eine große Leistung, aber hat nicht unbedingt Tiefe, nur weil sie viele Details hat. Ich weiß auch nicht, mir fehlt einfach die Ehrfurcht vor Tolkiens literarischem Werk.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 3.02.2026 | 13:55
Findest Du Tolkiens Sprache im HdR wirklich schwerer als Vance in den Dying Earth-Geschichten?
Und ich fand den HdR auch nie so wahnsinnig viel tiefer als Leiber oder Vance, aber das mag daran liegen, dass ich in solchen Dingen ein oberflächlicher Leser bin? Jedenfalls fand ich Crowleys "Little, Big" oder Wolfes "Book of the New Sun" eigentlich habhafter, was die Tiefe angeht. Jetzt nicht vom Worldbuilding her, aber Worldbuilding ist ja der reine Nerdaspekt. Eine krasse Modelleisenbahn ist vielleicht eine große Leistung, aber hat nicht unbedingt Tiefe, nur weil sie viele Details hat. Ich weiß auch nicht, mir fehlt einfach die Ehrfurcht vor Tolkiens literarischem Werk.

Na ja, wenn ich Tolkien mit Moorcock oder auch dem wenigen, was ich von Vance und Leiber gelesen habe, vergleiche, empfinde ich bei Tolkien schon mehr Tiefe, also das Gefühl, dass da was "dahinter" ist. Worlbuilding, aber auch schon ... ich weiß nicht, irgendein ethisch-philosophisches Gebäude.
Andererseits empfinde ich Tolkien nicht als komplex - Moorcock finde ich zum Teil komplexer in den Konstellationen und in dem, was da abgeht, und Vance erst recht. Ich finde, beides hat seinen Reiz, ich kann mich in der Tiefe aber gemütlicher einrichten als in der Komplexität, die mir oft zu viel Konzentration abverlangt. Ich finde komischerweise selbst die hingeschluderten Sword&Sorcery-Sachen von Moorcock oft vom Kopf her anstrengender als HdR.

"Book of the New Sun" hat für mich beides, das ist komplex und vielfältig, vermittelt aber auch sehr viel Tiefe.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: felixs am 3.02.2026 | 14:02
Ich finde "Action" fast immer zäh und unangenehm zu lesen. Auch im Rollenspiel ergibt sich das, was daran interessant ist, eher aus dem Drumherum und aus den Würfeln, eher weniger aus der Sache selbst.

Ich finde komischerweise selbst die hingeschluderten Sword&Sorcery-Sachen von Moorcock oft vom Kopf her anstrengender als HdR.

Ja, finde ich auch. Und ich denke es ist gerade deshalb schwerer zu lesen - da sind massig Brüche drin und Dinge, die eben nicht umfassend ausgearbeitet sind und daher erstmal schwerer zu greifen. Tolkien kommt, zumindest im Lord of the Rings, dem Leser da sehr entgegen. Das Silmarillion ist diesbezüglich ein anderes Ding und wirklich sperrig zu lesen. Sprachlich aber eigentlich auch nicht sooo schwierig.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 3.02.2026 | 14:15
Na ja, wenn ich Tolkien mit Moorcock oder auch dem wenigen, was ich von Vance und Leiber gelesen habe, vergleiche, empfinde ich bei Tolkien schon mehr Tiefe, also das Gefühl, dass da was "dahinter" ist. Worlbuilding, aber auch schon ... ich weiß nicht, irgendein ethisch-philosophisches Gebäude.

Ja, ist natürlich schwer zu fassen, was "Tiefe" hier meint. Für mich ist es definitiv nicht das Worldbuilding. Für mich ist "Tiefe" schon eher das, was Du "Kompexität" nennst. Und bei mir ist es eher umgekehrt: Das, was an Tolkien nicht "tief" ist, unterhält mich, da fühle ich mich im Sinne von Eskapismus wohl, aber das "ethisch-philosophische Gebäude" dahinter bereitet mir Unbehagen, weil ich immer den Verdacht habe, Tolkien ist -- zumindest im HdR -- an vielen Stellen seiner eigenen Naivität, Fabulierlust und seinen Vorlagen aufgesessen. Da wird es dann schnell nicht "tief", sondern eher verkorkst, und ich kann es Moorcock dann halt nicht verdenken, dass er sich so über den HdR geäußert hat. Derlei provoziert dieses Buch bei mir auch.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 3.02.2026 | 14:34
Ich fand Moorock leichter zu lesen als Tolkien, was aber nicht unbedingt am Level der verwendeten Sprache lag, als vielmehr daran, dass im HdR oftmals seitenlang über Sachen geschrieben wurde, die für mich als Leser eher mäßig spannend waren. Das ist auch das, was ich mit Tiefe meine. Da wird ne Welt präsentiert, in der die Akteure eingebettet sind. die Sword&Sorcery-Autoren betreiben dagegen größtenteils radikales Soft Worldbuilding und bauen alles geraden dann genau so ein, wie sie es brauchen, wenn sie es brauchen. Also so, wie ich als SL...

Ich mag die Sword&Sorcery-Sachen eigentlich lieber, außer Conan, aber die Tiefe es Worldbuildings bei Tolkien fasziniert mich total. Andererseits hat der zu Lebzeiten auch erheblich weniger veröffentlicht. Nicht jeder Fantasy-Autor ist hauptberuflich Professor in Oxford und kann Jahrzehnte hobbymäßig an seiner Schöpfung rumwerkeln, ohne veröffentlichen zu müssen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 3.02.2026 | 14:46
Triviale Fantastik hat hier einen größeren Einfluss als anspruchsvolle Fantastik wie HdR.

Was ist denn an Tolkien jetzt so anspruchsvoll? Ich glaube, dass ist eines der Probleme, das er hat. Sein Werk wird auf ein Podest gehoben, das für Leute, die regelmäßig "echte" Literatur lesen einfach schwer nachvollziehbar ist.

Klar, ist er besser als die meisten Lizenz-Romane, aber diese Abgrenzungsgetue wirkt halt schon sehr Middlebrow.

Tolkiens Verdienst im Worldbuilding soll man nicht schmälern, aber es waren genügend Pulp-Autoren sprachlich auch auf derselben Höhe.

Naja, wenn man die späteren Beiträge hier liest, geht es wohl darum, dass Tolkien Sex weglässt. Den Beine werden bei Tolkien ja auch mitreißend abgesäbelt.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 3.02.2026 | 14:58
Naja, wenn man die späteren Beiträge hier liest, geht es wohl darum, dass Tolkien Sex weglässt. Den Beine werden bei Tolkien ja auch mitreißend abgesäbelt.

Das ist nur die halbe Wahrheit. Es geht auch um die moralische Komponente. Da ist der HdR mit seinem klaren gut/böse-Schema und den sehr positiv besetzten Protagonisten schon greifbarer und massentauglicher als die ganzen egoistischen, schlimmstenfalls massenmordenden Sword&Sorcery-Freaks. "Blut und Seelen für Arioch" ist halt doch ein anderes Level als "Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, Herr Frodo. Und dafür lohnt es sich, zu kämpfen."

Dass der HdR besonders anspruchsvoll wäre, würde ich aber auch verneinen. Der ist eher sperrig.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 3.02.2026 | 15:12
Inzwischen überlagern viele der einfacheren Darstellungen aus den Filmen die differenziertere Darstellung im Buch sehr stark die Wahrnehmung vom Herrn der Ringe.

Natürlich ist das nicht Proust oder Mann, aber dennoch auch kein schlichtes "Die Guten kloppen das Böse klein". Denethor im Buch ist eine sehr gute Darstellung eines Machthabers, und Frodos Traumatisierung und Nicht-gerettet-werden-Können sind auch eher schwerere Kost.

Moorcock selber ist auch nicht so auf Slash-Trash reduzierbar, ich schätze den sehr.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 3.02.2026 | 15:18
Das ist nur die halbe Wahrheit. Es geht auch um die moralische Komponente. Da ist der HdR mit seinem klaren gut/böse-Schema und den sehr positiv besetzten Protagonisten schon greifbarer und massentauglicher als die ganzen egoistischen, schlimmstenfalls massenmordenden Sword&Sorcery-Freaks. "Blut und Seelen für Arioch" ist halt doch ein anderes Level als "Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, Herr Frodo. Und dafür lohnt es sich, zu kämpfen."

Andererseits aber auch wieder nicht so weit weg von Théodens "Fell deeds awake: fire and slaughter! Spear shall be shaken, shield be splintered, a sword-day, a red day, ere the sun rises!". Martialisches Gedöns findet man eben doch überall. ;)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 3.02.2026 | 15:22
Andererseits aber auch wieder nicht so weit weg von Théodens "Fell deeds awake: fire and slaughter! Spear shall be shaken, shield be splintered, a sword-day, a red day, ere the sun rises!". Martialisches Gedöns findet man eben doch überall. ;)

Ja, ein paar pathetische Sprüche haut im Speziellen Theoden schon raus. Die Motivationen der Akteure sind im HdR aber anders gelagert als in der Sword&Sorcery, und die beiden Beispiele habe ich bewusst extrem gewählt, um das zu verdeutlichen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 3.02.2026 | 15:32
Tolkien benutzt ja bewusst die archaischen Muster, die er aus seinem Studium frühmittelalterlicher Literatur kannte, um entsprechende Leute aus Kulturen darzustellen, die dieses heroische Ethos pflegen. Das heißt jetzt nicht, dass er selber diese Ansichten teilte.
Man kontrastiere das mit dem, was Faramir im Buch zum Kriegswesen seiner eigenen Kultur sagt - da schleicht sich ein Unterton des Zweifels ein.

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Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 3.02.2026 | 15:36
Andererseits aber auch wieder nicht so weit weg von Théodens "Fell deeds awake: fire and slaughter! Spear shall be shaken, shield be splintered, a sword-day, a red day, ere the sun rises!". Martialisches Gedöns findet man eben doch überall. ;)
das eine ist Motivation durch einen angelsächsischen König, das andere ist das Opfern an seinen Paktherren

@KWÜTEG GRÄÜWÖLF

und das Faramir nicht um ihrer selbst Willen die Waffen liebt, sondern was sie schützen.
Womöglich deshalb konnte seine Liebe Eowyn davon heilen ruhmreichen Tod zu suchen
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Zed am 3.02.2026 | 15:45
Was ist denn an Tolkien jetzt so anspruchsvoll? Ich glaube, dass ist eines der Probleme, das er hat. Sein Werk wird auf ein Podest gehoben, das für Leute, die regelmäßig "echte" Literatur lesen einfach schwer nachvollziehbar ist.

Klar, ist er besser als die meisten Lizenz-Romane, aber diese Abgrenzungsgetue wirkt halt schon sehr Middlebrow.

Tolkiens Verdienst im Worldbuilding soll man nicht schmälern, aber es waren genügend Pulp-Autoren sprachlich auch auf derselben Höhe.

Naja, wenn man die späteren Beiträge hier liest, geht es wohl darum, dass Tolkien Sex weglässt. Den Beine werden bei Tolkien ja auch mitreißend abgesäbelt.

Ein pathetisches Kurzessay als Beispiel für die großartige Autorenschaft Tolkiens, die für mich Tolkien von Trivialliteratur-Schreibenden abgrenzt:

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Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 3.02.2026 | 15:51
"Blut und Seelen für Arioch" ist halt doch ein anderes Level als "Es gibt etwas Gutes in dieser Welt, Herr Frodo. Und dafür lohnt es sich, zu kämpfen."

Ist das nicht der Kampf zwischen des Primats von Grundschule vs. Unterstufe? Ich bin dann doch eher Team Unterstufe.

Wobei ich die Kampfszenen mit gewöhnlichen Soldaten bei den Jackson-Filmen sehr schätze, weil sie statt dem üblichen heroischen Rumgepose den Eindruck vermitteln, dass die Leute in eine industrielle Kette geworfen werden und dann außereinandergenommen. Passt auch super zu Tolkien 1.-WK-Erfahrungen. (Legolas/Gimli-Slapstick brauche ich nicht.)

Aber natürlich hat Tolkien schon Gedankengänge, die mich mit 12 beeindruckt haben. Warum es wichtig war, Gollum nicht zu töten, z.B.

Industrie = böse, war mir schon damals zu platt.  Dafür hatte ich ja im Kindergarten den Maulwurf Grabowski, der das eigentlich besser rübergebracht hat. Auf die Rückkehr eines Königs war ich schon damals nicht heiß. Da hat mich dann (gleich in gelesen) Folge Perry Rhodan deutlich mehr gepackt, der gleich zu Beginn von den USA mal desertiert ist, um für den Weltfrieden zu streiten.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 3.02.2026 | 15:51
Ein pathetisches Kurzessay als Beispiel für die großartige Autorenschaft Tolkiens, die ihn für mich Tolkien von Trivialliteratur-Schreibenden abgrenzt:

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 :d
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 3.02.2026 | 15:56
Ein pathetisches Kurzessay als Beispiel für die großartige Autorenschaft Tolkiens, die ihn für mich Tolkien von Trivialliteratur-Schreibenden abgrenzt:

Wie gesagt: das fand ich mit 12 toll und es ist einer der gelobten Plot Twists. Meine Interpretation war aber schon damals, dass Sam der eigentliche Held ist, weil er seinen zugeordneten gesellschaftlichen Platz nicht in Frage stellt, sondern brav für seinen Herren schmachtet, und den durch die Gegend schleppt.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 3.02.2026 | 16:09
Wie gesagt: das fand ich mit 12 toll und es ist einer der gelobten Plot Twists. Meine Interpretation war aber schon damals, dass Sam der eigentliche Held ist, weil er seinen zugeordneten gesellschaftlichen Platz nicht in Frage stellt, sondern brav für seinen Herren schmachtet, und den durch die Gegend schleppt.

 Das hat mich auch immer schon gestört, da kann Tolkien halt nicht raus aus seiner viktorianisch-britischen Prägung Anfang 20 Jh.. Entwertet aber das Gesamtwerk nicht für mich.

Da müsste man dementsprechend ja auch Shakespeare an allen Ecken und Enden zerfetzen  ;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 3.02.2026 | 16:20
Kann man eigentlich im 21. Jahrhundert noch Herr der Ringe lesen ohne Frodo/Sam auf die homoerotisch Lesart abzuklopfen?

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Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 3.02.2026 | 16:26
Das ist nur die halbe Wahrheit. Es geht auch um die moralische Komponente. Da ist der HdR mit seinem klaren gut/böse-Schema und den sehr positiv besetzten Protagonisten schon greifbarer und massentauglicher als die ganzen egoistischen, schlimmstenfalls massenmordenden Sword&Sorcery-Freaks.

Das sehe ich ganz genauso, nur würde ich "moralisch" in Anführungszeichen setzen. Denn da wird der HdR eben so problematisch. Weil das alles anscheinend mehr oder weniger moralisch klar ist, kauft man der Story wie den Protagonisten ein Gutsein ab, das nicht unbedingt begründet ist, wie ich finde. Ich spreche hier wohlgemerkt nur vom HdR und beziehe mich da auch sehr auf die Rezeption. Ich lese zum Beispiel immer wieder von beispielhaftem Mitgefühl. Das Mitgefühl wird dadurch belohnt, dass derjenige, dem die Mitfühlenden das Leben lassen, am Ende zum erlösenden Opfer wird und natürlich trotzdem ins Gras beißen muss. Übrigens ergeht es auch den Abweichlern vom "Guten" so, dass sie abtreten müssen. Boromir und Denethor müssen ihren Zweifel an der richtigen guten Sache mit dem Leben bezahlen, sagt die Geschichte. Sie sieht nicht vor, dass sich die Guten weiterhin mit ihnen befassen müssen. In Boromirs Fall ist die Resozialisierung des Abweichlers laut Geschichte anscheinend nur durch Selbstopferung möglich. Das ist alles ähnlich gedacht wie bei Wagner, wo am Ende Erlösung halt doch nur durch Tod möglich ist, am Exemplarischsten bei Kundry. Dass eine Gesellschaft, wenn sie mitfühlend sein will, auch die Zumutung aushalten muss, mit den Boromirs und Gollums zu leben, ist nicht vorgesehen. (Ich denke sowieso, dass es Gesellschaft im HdR fast nicht gibt, da bewegt sich fast alles auf der Ebene von Gemeinschaft und zweckbedingten Allianzen zwischen Gemeinschaften.)

Freundschaft ist ja ein anderes Stichwort, meist mit Fokus auf Frodo und Sam. Ja, das ist ein Privilegierter und sein lohnabhängiger Bediensteter. Das ist wohl so ein britisches Adelsding, aber vielleicht noch älter, analog zu der Gefolgschaftstreue bei den sea lords der Wikinger, dass die Treue eines Bediensteten zu seinem "Master" so große Anziehungskraft hat. Immer schön mit Gefälle. Wäre dieses Gefälle nicht da, könnte ich mich ungezwungen für Sams Aufopferungsbereitschaft begeistern, so aber kann ich sie nicht ohne einige Irritation hinnehmen. Was soll daran so toll sein? Aber in einer Geschichte, wo eben tatsächlich nur darum gekämpft wird, dass alles so bleibt, wie es war, passt das natürlich.

Im Grunde ist das der Punkt, wo sich statt Tiefe bei mir ein Abgrund im HdR auftut, dass nämlich ständig behauptet wird, man würde für das Gute und Schöne und Hehre kämpfen, aber das ist dann, dass der Nachfahre eines Königs seinen Thron bekommt und dass Sam eine Familie gründen kann. Mehr fällt euch wirklich nicht ein, wofür man kämpfen sollte?, möchte ich die versammelten Gefährten dann stets fragen. Vermutlich oute ich mich mit derlei Gemäkel als Sauronanhänger.  ;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lyonesse am 3.02.2026 | 16:30
Das hat mich auch immer schon gestört, da kann Tolkien halt nicht raus aus seiner viktorianisch-britischen Prägung Anfang 20 Jh.. Entwertet aber das Gesamtwerk nicht für mich.

Da müsste man dementsprechend ja auch Shakespeare an allen Ecken und Enden zerfetzen  ;D
Na, ich weiß nicht. Natürlich war Tolkien ein Royalist, katholisch und einiges andere - dazu will ich hier aber keine Diskussion vom Zaun brechen -, und selbstverfreilich war damals noch die britische Klassengesellschaft in full swing. Aber in einem mittelalterlichen Fantasyroman kann halt auch das Motiv des treuen Dieners vorkommen. Der Herr der Ringe ist bis oben hin voll mit solchen Troops (auch der obige Monolog von Theoden, der sich ja in einer Art Nibelungenlage befindet, könnte direkt aus der Edda sein, und so etwas wie die Erschaffung einer neuen angelsächsischen Edda hatte JRRT ja immer im Hinterkopf). Störend wäre es da eher, wenn ein Samweis sein Dienstverhältnis von vorne bis hinten in Frage stellt, Mitglied der kommunistischen Partei wird, und fiebernd auf den Martinstag wartet. Aber Frodo ist halt nicht der schlechteste Herr, und die Verhältnisse sind nun einmal wie sie sind, trotzdem macht er natürlich weit mehr als seine Pflicht wäre.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 3.02.2026 | 16:36
In einer modernen Gesellschaft, in der die berechtigte Inanspruchnahme von Krankheitsausfall mit Lohnfortzahlung mal wieder in Frage gestellt wird, sollten wir vielleicht bei Romanen nicht unbedingt perfekte Gesellschaftsformen erwarten  ;D

Aber ja, Abhängigkeitsverhältnisse sind auch in Fantasywelten gang und gäbe, auf allen Seiten. Allerdings frage ich mich bei Sam, ob bei seinem Arbeitsvertrag als Gärtner für Beutelsend tatsächlich all die von ihm erbrachten Dienstleistungen tatsächlich so im Vertrag vorgesehen waren   ^-^


Insgesamt schöne Diskussion hier, macht bisher sehr viel Spaß mitzulesen.  :d
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 3.02.2026 | 16:36
Das sehe ich ganz genauso, nur würde ich "moralisch" in Anführungszeichen setzen. Denn da wird der HdR eben so problematisch. Weil das alles anscheinend mehr oder weniger moralisch klar ist, kauft man der Story wie den Protagonisten ein Gutsein ab, das nicht unbedingt begründet ist, wie ich finde. Ich spreche hier wohlgemerkt nur vom HdR und beziehe mich da auch sehr auf die Rezeption. Ich lese zum Beispiel immer wieder von beispielhaftem Mitgefühl. Das Mitgefühl wird dadurch belohnt, dass derjenige, dem die Mitfühlenden das Leben lassen, am Ende zum erlösenden Opfer wird und natürlich trotzdem ins Gras beißen muss. Übrigens ergeht es auch den Abweichlern vom "Guten" so, dass sie abtreten müssen. Boromir und Denethor müssen ihren Zweifel an der richtigen guten Sache mit dem Leben bezahlen, sagt die Geschichte. Sie sieht nicht vor, dass sich die Guten weiterhin mit ihnen befassen müssen. In Boromirs Fall ist die Resozialisierung des Abweichlers laut Geschichte anscheinend nur durch Selbstopferung möglich. Das ist alles ähnlich gedacht wie bei Wagner, wo am Ende Erlösung halt doch nur durch Tod möglich ist, am Exemplarischsten bei Kundry. Dass eine Gesellschaft, wenn sie mitfühlend sein will, auch die Zumutung aushalten muss, mit den Boromirs und Gollums zu leben, ist nicht vorgesehen. (Ich denke sowieso, dass es Gesellschaft im HdR fast nicht gibt, da bewegt sich fast alles auf der Ebene von Gemeinschaft und zweckbedingten Allianzen zwischen Gemeinschaften.)

Freundschaft ist ja ein anderes Stichwort, meist mit Fokus auf Frodo und Sam. Ja, das ist ein Privilegierter und sein lohnabhängiger Bediensteter. Das ist wohl so ein britisches Adelsding, aber vielleicht noch älter, analog zu der Gefolgschaftstreue bei den sea lords der Wikinger, dass die Treue eines Bediensteten zu seinem "Master" so große Anziehungskraft hat. Immer schön mit Gefälle. Wäre dieses Gefälle nicht da, könnte ich mich ungezwungen für Sams Aufopferungsbereitschaft begeistern, so aber kann ich sie nicht ohne einige Irritation hinnehmen. Was soll daran so toll sein? Aber in einer Geschichte, wo eben tatsächlich nur darum gekämpft wird, dass alles so bleibt, wie es war, passt das natürlich.

Im Grunde ist das der Punkt, wo sich statt Tiefe bei mir ein Abgrund im HdR auftut, dass nämlich ständig behauptet wird, man würde für das Gute und Schöne und Hehre kämpfen, aber das ist dann, dass der Nachfahre eines Königs seinen Thron bekommt und dass Sam eine Familie gründen kann. Mehr fällt euch wirklich nicht ein, wofür man kämpfen sollte?, möchte ich die versammelten Gefährten dann stets fragen. Vermutlich oute ich mich mit derlei Gemäkel als Sauronanhänger.  ;D

Ich kann und will da garnicht widersprechen. Wenn ich an Moorcocks Epic Pooh etwas gelungen finde, dann die Kritik an der implizit präsentierten Weltsicht des HdR. Mir ging es da eher darum, die Ausgangsfrage zu beantworten. Ich selbst finde wie gesagt viele Sword & Sorcery-Sachen (und auch das Silmarillion) deutlich spannender zu lesen als den HdR, aber ich verstehe, warum so viele Menschen das anders sehen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 3.02.2026 | 16:36
und die Verhältnisse sind nun einmal wie sie sind

Ja, genau da ist für viele Tolkien-Skeptiker der Hund begraben.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 3.02.2026 | 17:13
Ja, genau da ist für viele Tolkien-Skeptiker der Hund begraben.

Nicht nur die Tolkien-Skeptiker. Fantasy ist aus meiner Sicht generell gerne konservativ und rückwärtsgerichtet; verglichen mit all den Geschichten aus dem Genre, in denen es darum geht, entweder den Status Quo gegen neue Krisenanfechtungen zu verteidigen oder aber ein noch älteres "goldenes Zeitalter" wiederzubeleben, kann man diejenigen, die dauerhafte Veränderungen in Richtung "Fortschritt" auch nur halbwegs positiv bewerten, schon nachgerade mit der Lupe suchen.

In gewisser Hinsicht ist da sogar Moorcocks Ewiger Held fast schon ein Revolutionär, weil der tatsächlich zu versuchen scheint (oder so klingt's zumindest hier und da an), wenigstens im mühsamen Schneckentempo über -zig Inkarnationen hinweg die Menschen und die Welt als Ganzes zu verbessern. Ob er dazu nun unbedingt den effektivsten Weg eingeschlagen hat...na ja. 8] Gebraucht zu werden scheint er hier und da jedenfalls.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lyonesse am 3.02.2026 | 17:14
Ja, genau da ist für viele Tolkien-Skeptiker der Hund begraben.
Allerdings ist doch u.a. diese (konservative) Stabilität - in Mittelerde ändert sich selbst in Jahrtausenden wenig bis gar nichts gesellschaftlich, praktisch ist das Erstarken des jeweiligen Dark Lords einer der wenigen dynamischen Faktoren im Land -, genau das, was die Fans am Fantasy-Genre schätzen, oder?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 3.02.2026 | 17:57
Das sehe ich ganz genauso, nur würde ich "moralisch" in Anführungszeichen setzen. Denn da wird der HdR eben so problematisch. Weil das alles anscheinend mehr oder weniger moralisch klar ist, kauft man der Story wie den Protagonisten ein Gutsein ab, das nicht unbedingt begründet ist, wie ich finde. Ich spreche hier wohlgemerkt nur vom HdR und beziehe mich da auch sehr auf die Rezeption. Ich lese zum Beispiel immer wieder von beispielhaftem Mitgefühl. Das Mitgefühl wird dadurch belohnt, dass derjenige, dem die Mitfühlenden das Leben lassen, am Ende zum erlösenden Opfer wird und natürlich trotzdem ins Gras beißen muss. Übrigens ergeht es auch den Abweichlern vom "Guten" so, dass sie abtreten müssen. Boromir und Denethor müssen ihren Zweifel an der richtigen guten Sache mit dem Leben bezahlen, sagt die Geschichte. Sie sieht nicht vor, dass sich die Guten weiterhin mit ihnen befassen müssen. In Boromirs Fall ist die Resozialisierung des Abweichlers laut Geschichte anscheinend nur durch Selbstopferung möglich. Das ist alles ähnlich gedacht wie bei Wagner, wo am Ende Erlösung halt doch nur durch Tod möglich ist, am Exemplarischsten bei Kundry. Dass eine Gesellschaft, wenn sie mitfühlend sein will, auch die Zumutung aushalten muss, mit den Boromirs und Gollums zu leben, ist nicht vorgesehen. (Ich denke sowieso, dass es Gesellschaft im HdR fast nicht gibt, da bewegt sich fast alles auf der Ebene von Gemeinschaft und zweckbedingten Allianzen zwischen Gemeinschaften.)

Freundschaft ist ja ein anderes Stichwort, meist mit Fokus auf Frodo und Sam. Ja, das ist ein Privilegierter und sein lohnabhängiger Bediensteter. Das ist wohl so ein britisches Adelsding, aber vielleicht noch älter, analog zu der Gefolgschaftstreue bei den sea lords der Wikinger, dass die Treue eines Bediensteten zu seinem "Master" so große Anziehungskraft hat. Immer schön mit Gefälle. Wäre dieses Gefälle nicht da, könnte ich mich ungezwungen für Sams Aufopferungsbereitschaft begeistern, so aber kann ich sie nicht ohne einige Irritation hinnehmen. Was soll daran so toll sein? Aber in einer Geschichte, wo eben tatsächlich nur darum gekämpft wird, dass alles so bleibt, wie es war, passt das natürlich.

Im Grunde ist das der Punkt, wo sich statt Tiefe bei mir ein Abgrund im HdR auftut, dass nämlich ständig behauptet wird, man würde für das Gute und Schöne und Hehre kämpfen, aber das ist dann, dass der Nachfahre eines Königs seinen Thron bekommt und dass Sam eine Familie gründen kann. Mehr fällt euch wirklich nicht ein, wofür man kämpfen sollte?, möchte ich die versammelten Gefährten dann stets fragen. Vermutlich oute ich mich mit derlei Gemäkel als Sauronanhänger.  ;D

Ich kann oder will gar nichts von dieser Kritik abstreiten, aber ein bisschen möchte ich Tolkien dann doch in Schutz nehmen, gerade im Vergleich mit manch anderen genannten Autoren. Ich finde, dass bei Tolkien auch ein sehr grundsätzlicher - vielleicht naiver? -, jedenfalls empathischer "Eigentlich-soll-es-allen- gut-gehen"-Humanismus Ausdruck verschafft. Das mag mit dem reaktionären Denken in Gemeinschaft statt Gesellschaft romantisch verwoben sein und dann auch vielleicht im Gesamtbild eher einen unappetitlichen Brei als ein schönes Gewebe abgeben ... aber das "gute Leben für alle" steckt m.E. auch mit drin, und auch ein starkes Aufbegehren gegen Ausbeutung, Naturzerstörung und Krieg. Da halte ich Tolkien in seinem Humanismus für authentisch, und insofern rühren mich bis heute auch so Sachen wie Thorins Rede auf dem Sterbebett. Und das ist auch nicht nur platt, Tolkien lässt Widersprüche in seinem Entwurf durchaus zu, wenn auch nur andeutungsweise (wie in der Szene, in der Sam Mitgefühl mit den Haradrim artikuliert).

Ich denke, all das hat Tolkien auch für Hippies attraktiv gemacht, und macht ihn auch für mich attraktiv. Und ganz ehrlich ist Tolkien, der gesetzte Bildungsbürger, der gerne lustige Geschichten für seine Kinder erfindet, mir wahrscheinlich menschlich auch recht nahe, ich kann mich in manche seiner Gemütslagen wahrscheinlich gut einfühlen.

Moorcock steht mir ideologisch zwar viel näher, aber andererseits stößt mich seine "die ganze Scheiße muss brennen"-Attitüde auch gelegentlich ab. Moorcock ist halt arroganter Revolutinär, der findet, jeder seiner Gedanken ist entweder der heißeste Scheiß, oder das, was er hinschludert, reicht auch noch im Vergleich zu dem ganzen rückständigen Kram, den die anderen produzieren. Ja, ich finde ihn toll, aber ich glaube, von seiner Persönlichkeit her ist Tolkien mir näher und weckt dadurch bei mir mehr Empathie mit seinen Figuren. Moorcock ist für mich eher ein intellektueller Genuss.

Bei Vance kenne ich mich schlecht aus, ich habe aber Lyonesse und Dying Earth beide irgendwann abgebrochen, weil sie mir zu unsympathisch waren. Vielleicht hab ich's auch nicht gepeilt, aber ich fand den Blick auf Frauen oft extrem unangenehm und hatte insgesamt das Gefühl von Protagonisten, die man dafür bewundern soll, dass sie in einer Welt von Arschlöchern und Betrügern die gewiefteren Arschlöcher und Betrüger sind. Und das unterhält zwar bis zu einem gewissen Grad, aber auf die Dauer halte ich das nicht aus.

Gene Wolfe würde mich mal interessieren, meine gelesen zu haben, dass der Ultrakonservativ ist, aber ich kann aus seinen Büchern politisch eigentlich gar nichts rauslesen, ich bin immer viel zu beschäftigt damit, zu kapieren, was abgeht.

Unterm Strich finde ich, dass Tolkien es für mich wert ist, politisch wohlwollend gelesen zu werden. Und das Potential dafür ist allemal da.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Boba Fett am 3.02.2026 | 18:06
Tolkien war einer der ersten, vermied problematische Inhalte (war für seine Zeit verhältnismäßig wenig politisch unkorrekt) und nutze bekannte Tropez (nordische Sagen) geschickt.
Er nutzte Rollen, mit denen man sich leicht identifizieren konnte.
Vor allem aber verwendete er die Heldenreise als Erzählform, die noch viel mehr Identifikationsmöglichkeiten bei jungen Lesern schaffte.

Mitbewerber kamen später, waren politisch unkorrekter und spezialisierten sich auf weniger beliebte oder eben speziellere Tropez.
Und sie waren keine britischen Universtätsprofessoren, die Zeit genug für Optimierung hatten und andererseits eine Menge geneigte Leser aus ähnlich elitärer Herkunft.

Ich glaube aber, die Heldenreise war ein wichtiger Grund für den Erfolg.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Settembrini am 3.02.2026 | 18:13
Pulps sind Arbeiterlektüre.

Tolkien anschlußfähig für Akademiker. Sollten Bürgerliche Pulp lesen, dann muß es überhöht werden, wie bei HPL geschehen. Bei Conan und Fafhrd gab es sehr sehr lange nichts zu überhöhen. Dann kurz das Exotische, aber nur kurz, irgendwann, einmal 1984 und dann 2010-12.

Bürgerliche kontrollieren was gedruckt wird, was bewahrt wird. Alles andere muß im Untergrund darben.
Elric IST mainstream.

Das ist schon alles.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 3.02.2026 | 18:14

Ich glaube aber, die Heldenreise war ein wichtiger Grund für den Erfolg.

Ehrlich gesagt bin ich mit der Heldenreise ein bisschen am Zweifeln. Wenn Pippin die Hauptfigur wäre, würde ich dir zustimmen ... aber Frodo? Klar, ihn ereilt der Ruf zum Abenteuer, er muss seine Gemeinschaft retten und so, aber kommt der Held der Heldenreise nicht eher "erwachsen" in dem Sinne zurück, dass er jetzt ein vollwertiges Mitglied der Gemeinschaft ist und sich bewiesen hat? Frodo kehrt ja beschädigt zurück, kann gerade nicht mehr ganz zurück in seine bisherige Gemeinschaft.

Ich bin jetzt heldenreisenmäßig ehrlich gesagt nicht so firm, habe aber den Eindruck, dass der HdR auch klassische Elemente der Formel unterwandert. Vielleicht ist die Formel aber auch flexibler, als ich denke.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Settembrini am 3.02.2026 | 18:15
Klassen liebe Foristen, einzig und allein Klasse ist hier die einfache Antwort.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 3.02.2026 | 18:17
Ich kann oder will gar nichts von dieser Kritik abstreiten, aber ein bisschen möchte ich Tolkien dann doch in Schutz nehmen, gerade im Vergleich mit manch anderen genannten Autoren. Ich finde, dass bei Tolkien auch ein sehr grundsätzlicher - vielleicht naiver? -, jedenfalls empathischer "Eigentlich-soll-es-allen- gut-gehen"-Humanismus Ausdruck verschafft. Das mag mit dem reaktionären Denken in Gemeinschaft statt Gesellschaft romantisch verwoben sein und dann auch vielleicht im Gesamtbild eher einen unappetitlichen Brei als ein schönes Gewebe abgeben ... aber das "gute Leben für alle" steckt m.E. auch mit drin, und auch ein starkes Aufbegehren gegen Ausbeutung, Naturzerstörung und Krieg. Da halte ich Tolkien in seinem Humanismus für authentisch, und insofern rühren mich bis heute auch so Sachen wie Thorins Rede auf dem Sterbebett. Und das ist auch nicht nur platt, Tolkien lässt Widersprüche in seinem Entwurf durchaus zu, wenn auch nur andeutungsweise (wie in der Szene, in der Sam Mitgefühl mit den Haradrim artikuliert).

Ich denke, all das hat Tolkien auch für Hippies attraktiv gemacht, und macht ihn auch für mich attraktiv. Und ganz ehrlich ist Tolkien, der gesetzte Bildungsbürger, der gerne lustige Geschichten für seine Kinder erfindet, mir wahrscheinlich menschlich auch recht nahe, ich kann mich in manche seiner Gemütslagen wahrscheinlich gut einfühlen.

Ach, ich will dem Tolkien als Typ ja auch gar nichts. Mir geht es eher darum -- und deshalb habe ich das oben auch ein oder zweimal betont --, wie er gelesen wird. Und wenn man das Ding im Gegensatz zu S&S als vorbildlich oder inspirierend hinstellt, dann muss man das halt auch wirklich gründlich abklopfen. Solange wir sagen, das ist geile Fantasy mit bisschen Köpfchen sogar noch dabei und Figuren, die einen mitreißen, dann ist ja alles gut. Aber wenn man dann halt mit "Botschaft" oder, wie Du es nanntest "philosophischer Unterbau" kommt, dann muss man das kritisieren. Aber wem sage ich das, Du bist doch der Dialektiker von uns beiden.  ;D

Und ja, freilich wird man mit Howard, Leiber, Vance und Moorcock größere Probleme haben, das ist ja auch das, was Crimson King wiedeholt meinte. Tolkien ist halt beliebter, weil man da so was Kuschliges reinlesen kann, was einem dann ein bisschen um die Ohren fliegt, wenn man seinen inneren Adorno rausholt. Aber dieses Problem hat man bei den anderen halt eher weniger, weil da halt klar ist, dass da kranke Typen in kranken Welten kranke Sachen machen. Es würden sich kaum viele Leute finden, die sich von Conan oder Cugel ernsthaft inspirieren lassen. An diese Texte wird so etwas Weltverbesserisches gar nicht herangetragen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lyonesse am 3.02.2026 | 18:18
Bei Vance kenne ich mich schlecht aus, ich habe aber Lyonesse und Dying Earth beide irgendwann abgebrochen, weil sie mir zu unsympathisch waren. Vielleicht hab ich's auch nicht gepeilt, aber ich fand den Blick auf Frauen oft extrem unangenehm und hatte insgesamt das Gefühl von Protagonisten, die man dafür bewundern soll, dass sie in einer Welt von Arschlöchern und Betrügern die gewiefteren Arschlöcher und Betrüger sind. Und das unterhält zwar bis zu einem gewissen Grad, aber auf die Dauer halte ich das nicht aus.
Also Cugel der Schlaue kann stellenweise tatsächlich unangenehm oder übergriffig werden. Er hält es halt für legitim sich damit an der Frau, die ihm auch übles will, zu rächen oder erwägt es auch aus purer Langeweile. Das könnte man schon mit Trigger-Warnungen versehen, auch wenn Vance da nie sonderlich ins Detail geht. Er ist nun mal kein Held, sondern ein krimineller Überlebenskünstler, den man auch nicht mögen muss. Man sollte aber anerkennen, dass das zu seiner Zeit doch etwas relativ neues war. Sicher, auch Conan geht einen Schritt oder zwei in diese Richtung, aber ein Cugel ist er nicht.
Beim Lyonesse-Setting sehe ich das etwas anders. Dabei handelt es sich um eine märchenhafte aber auch brutale Welt, in der es leider zB. Oger gibt, die Kinder versklaven, fressen und jugendliche Mädchen vergewaltigen. Auch das könnte man mit einer Trigger-Warnung versehen. Entscheidend ist aber doch, die Protagonisten bei Lyonesse tun das nicht. Aillas ist doch, außer in seiner Schwäche für Lady Tatzel, ein relativ korrekter Typ bei dem imperialistischen Großprojekt, das er in Angriff nimmt. Und das gilt auch für Shimrod und wie sie alle heißen. Außerdem entsteht doch aus diesen negativen Handlungen nie etwas gutes, auch und gerade für Cugel nicht. Wie gesagt, man muss das nicht mögen, aber Vance setzt das auch nicht aus Jux und Tollerei ein, sondern denkt sich schon etwas dabei. Und bei Cugel kann man eigentlich nur bewundern wie oft der Bursche wieder aufsteht, so häufig wie der was auf die Fresse kriegt. Und beides ist sicher meilenweit von der Erhabenheit und dem Edelmut entfernt, der in Mittelerde zum Ausdruck kommt. Aber aus der Sicht von Jack Vance, muss man sich beides auch erst einmal ''leisten'' können.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 3.02.2026 | 18:22
Elric IST mainstream.


Ich würde Conan im gleichen Maße wie Elric als Mainstream verorten. Elric hat ein bisschen mehr "literarische" Meriten, vor allem, weil Moorcock eben die Modernisten kannte und stilistisch an sie anknüpfen konnte. Aber letztendlich ist Conan der Held, der sowohl Hollywoodfilme als auch Hardcover-Gesamtausgaben bekommen hat. Elric muss sich mit "Gesamt"-Ausgaben begnügen (Das Wort "Gesamt" kann man bei Moorcock immer nur in Anführungszeichen verwenden).

Fafhrd ist tatsächlich obskur, aber war Leiber in dem Sinne ein Pulp-Autor? Ich habe ihn immer als eher literarisch wahrgenommen, kann aber auch nicht sagen, woher das kommt. Vielleicht liegt es auch nur dran, dass ich ihn erst mit dem Bewusstsein gelesen habe, dass er ein Klassiker ist.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 3.02.2026 | 18:32
Pulps sind Arbeiterlektüre.

Tolkien anschlußfähig für Akademiker. Sollten Bürgerliche Pulp lesen, dann muß es überhöht werden, wie bei HPL geschehen.

Ich werde mich schon als bürgerlich betrachten müssen, und denke dass man das heute so echt nicht mehr sagen kann. Weil ich auch gerne prätentiös bin, nennen wir es halt auch einfach beim Namen: in der Postmoderne.

Das könnte man dann auch gleich sagen, dass Punk Arbeitermusik wäre, oder? Und das stimmt halt überhaupt nicht.

Schund ziehtzog sich durch alle Schichten. Tut er ja immer noch, nur heute nennt man es halt gar nicht mehr Schund, sondern im schlimmsten Fall "Special Interest".
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Dr. Evil am 3.02.2026 | 18:33
Eigentlich ist es ein Treppenwitz der "Rollenspielkultur": Wenn ich das mal richtig verstanden habe, fand Gary Gygax eigentlich Tolkien und seine Veröffentlichungen sterbenslangweilig. Während wir heute glauben, D&D sei eine spielbare Liebeserklärung an Frodo und seine behaarten Füße, wollte Gygax eigentlich lieber mit Conan dem Barbaren im Lendenschurz durch Blut und Matsch waten. Dass wir heute trotzdem alle als Spitzohren durch den Wald hüpfen, verdanken wir eigentlich zwei Klassikern des Genre: Gier und der Faulheit der Spieler.

In den 70ern rollte die Tolkien-Welle über die USA wie eine Lawine aus Lembas-Brot. Gygax wusste: Wenn er sein Spiel verkaufen will, muss er den Fans geben, was sie wollen. Und die wollten keine deprimierenden, philosophischen Abhandlungen über den Untergang der Menschheit von Lovecraft oder Moorcock. Nein, sie wollten als Legolas-Verschnitt unsterblich sein. Gygax strich also seine geliebten düsteren Anti-Helden aus dem Konzept und tackerte die „EDO“-Beipackzettel (Elf, Dwarf, Orc) ans Regelwerk. Warum? Weil Spieler simpel gestrickt sind. Ein Zwerg trinkt Bier und schlägt drauf – zack, Charakterkonzept fertig. Ein Ork ist hässlich und böse – zack, darf ich ohne schlechtes Gewissen umhauen. Wer braucht schon „moralische Grauzonen“, wenn man auch einfach XP für "Monster" und dergleichenb sammeln kann?

Besonders absurd wurde es bei der Magie. Bei Clark Ashton Smith kostet dich ein Zauberspruch meistens deinen Verstand, deine Seele oder zumindest ein paar Gliedmaßen. Aber versuch das mal einem Nerd zu verkaufen, der gerade sein Taschengeld für neue Würfel ausgegeben hat. „Tut mir leid, Kevin, dein Magier hat gerade versucht, Licht zu machen, und ist jetzt leider ein wahnsinniges Gemüse.“ Das verkauft sich schlecht. Also klaute Gygax das System von Jack Vance: Die „Munitions-Magie“. Dein Magierhirn funktioniert wie ein Einweg-Drucker – du lädst die Patrone „Feuerball“ und nach dem Drucken ist sie weg. Logisch? Nein. Aber herrlich bürokratisch und perfekt für Leute, die Listen lieben.

Im Endeffekt ist D&D eigentlich m.E. eine ziemlich große Mogelpackung: Es ist eigentlich eine knallharte Simulation für Grabräuber und Glücksritter, die sich für Geld gegenseitig abstechen würden – aber wir haben ihm ein hübsches Elfenkostüm angezogen und Glitzer draufgestreut, damit es sich im RPG-Laden besser macht. Insbesondere wenn ich mir die Illustrationen der neuesten Edition anschaue  ;)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 3.02.2026 | 18:34
Und ja, freilich wird man mit Howard, Leiber, Vance und Moorcock größere Probleme haben, das ist ja auch das, was Crimson King wiedeholt meinte. Tolkien ist halt beliebter, weil man da so was Kuschliges reinlesen kann, was einem dann ein bisschen um die Ohren fliegt, wenn man seinen inneren Adorno rausholt. Aber dieses Problem hat man bei den anderen halt eher weniger, weil da halt klar ist, dass da kranke Typen in kranken Welten kranke Sachen machen. Es würden sich kaum viele Leute finden, die sich von Conan oder Cugel ernsthaft inspirieren lassen. An diese Texte wird so etwas Weltverbesserisches gar nicht herangetragen.

Weltverbesserisches sicher nicht, aber ich glaube, dass rücksichtslose Sword&Sorcery-Helden schon auch Identifikationsfläche für Leute geben, die finden, dass es richtig ist, sich durch Lügen oder durch Gewalt einfach zu holen, was sie wollen.

Andererseits wissen wir natürlich auch, dass Tolkien mehr als genug Identifikationsfläche für politisch höchst Unappetitliches (Hust, Meloni) liefert.

Ich finde tatsächlich, da nimmt sich die ganze Sache nicht viel (Moorcock hat zumindest den Vorteil, dass er zumindest in seinen Äußerungen ganz klar progressiv ist).

Du hast natürlich schon recht, dass HdR als Vorlage für politisch gedachtes Weltverbesserertum einem nur ganz grausig um die Ohren fliegen lassen. Aber ich finde, das Kuschelige hat auch seine Berechtigung und man muss das auch gar nicht so kleinreden. Ich finde zum Beispiel, dass Tolkien einen sehr empathischen Blick auf Depression hat. Dass da jemand in einer Abenteuergeschichte unter der Last der Welt zusammenbrechen darf, ohne dafür verurteilt zu werden, ist schon etwas im besten Sinne Heilsames. Das hat alles nicht viel mit der Verbesserung der Welt zu tun, aber es ist trotzdem für mich etwas rundheraus Gutes an dem Buch.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: D. M_Athair am 3.02.2026 | 18:43
Klar Elfen, Zwerge und halblinge sich sehr Tolkinesk, aber der Spielstil, der in den frühen Tagen propagiert wurde war eher eine Gruppe von Söldnern/Glücksrittern zieht in den Dungeon um reich zu werden. Ab und an gibt es dann noch einen Auftraggeber der was haben will. Das finde ich ist eher Sword & Sorcery.
Würde ich nicht so zuordnen. Das ist eher "Wild West Frontier". Also spezifisch US-amerikanisches Kultur-Narrativ, das wie Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär ... in D&D eingebacken ist. Die Motive kommen z.T. auch in Sword & Sorcery vor, aber längst nicht in der Klarheit. (Anders ist von Wargames beeinfluss ...)

Ehrlich gesagt finde ich generell etwas befremdlich, D&D-Setzungen und deren Einfluss auf Fantasy ... vornehmlich aus der fantastischen Literatur ableiten zu wollen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 3.02.2026 | 18:45
Fafhrd ist tatsächlich obskur, aber war Leiber in dem Sinne ein Pulp-Autor? Ich habe ihn immer als eher literarisch wahrgenommen, kann aber auch nicht sagen, woher das kommt. Vielleicht liegt es auch nur dran, dass ich ihn erst mit dem Bewusstsein gelesen habe, dass er ein Klassiker ist.

Bei Fafhrd mag tatsächlich ein bißchen der Name das Problem sein. Bei Conan oder Elric kann man sich wenigstens noch zusammenreimen, wie man sie bei der Nachfrage im Buchladen wohl aussprechen soll... ;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 3.02.2026 | 18:52
Würde ich nicht so zuordnen. Das ist eher "Wild West Frontier". Also spezifisch US-amerikanisches Kultur-Narrativ, das wie Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär ... in D&D eingebacken ist. Die Motive kommen z.T. auch in Sword & Sorcery vor, aber längst nicht in der Klarheit.

Ehrlich gesagt finde ich generell etwas befremdlich, D&D-Setzungen und deren Einfluss auf Fantasy ... vornehmlich aus der fantastischen Literatur ableiten zu wollen.

D&D ist halt wirklich aus so ziemlich allem bunt zusammen gemischt, was Gary und Freunde damals gekannt haben. Elfen, Zwerge, Hobbits, Ents und Balrogs von Tolkien, Trolle und (wenn ich mich recht entsinne) Paladine von Poul Anderson, die Streuner-und-Glücksritter-Dynamik von Howard, Leiber & Co., die Magie von Vance...
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 3.02.2026 | 19:47
Würde ich nicht so zuordnen. Das ist eher "Wild West Frontier". Also spezifisch US-amerikanisches Kultur-Narrativ, das wie Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär ... in D&D eingebacken ist. Die Motive kommen z.T. auch in Sword & Sorcery vor, aber längst nicht in der Klarheit. (Anders ist von Wargames beeinfluss ...)

Ehrlich gesagt finde ich generell etwas befremdlich, D&D-Setzungen und deren Einfluss auf Fantasy ... vornehmlich aus der fantastischen Literatur ableiten zu wollen.

Die Fragestellung hier im Thread war aber auch: warum hat sich EDO durchgesetzt?

Die Antwort beantwortet das nicht. Wobei ich anmerken will, dass fast alle Männer unter 40, die ich persönlich aus dem echten Leben und nicht aus Nerdkreisen kenne - also meine Freunde und Verwandten dieser Altergruppe - überhaupt kein Interesse an Phantastik haben. GTA, da können sie mit, und ihren Frauen zu liebe schauen sie auch Stranger Things oder Star Wars, aber wirklich ihres ist das alles gar nicht.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 3.02.2026 | 20:11
Wie gesagt: das fand ich mit 12 toll und es ist einer der gelobten Plot Twists. Meine Interpretation war aber schon damals, dass Sam der eigentliche Held ist, weil er seinen zugeordneten gesellschaftlichen Platz nicht in Frage stellt, sondern brav für seinen Herren schmachtet, und den durch die Gegend schleppt.
Samendet ja auch nur als Frodos Erbe und Bürgermeister des Auenlandes und auf dem Feld von Cormallen werden beide geehrt.
dass derjenige, dem die Mitfühlenden das Leben lassen, am Ende zum erlösenden Opfer wird und natürlich trotzdem ins Gras beißen muss.
Gollum brach seinen Eid und bereute nicht. Sein Schicksal hat er selbst auf sich geladen.
Alternatives Ende wäre das er sich opfert

Boromir und Denethor zusammenzufassen? !
Boromir in all seiner Ruhmgier war kein Königsmann, und er hat auch sonst sein Leben gewagt um Kameraden zu schützen und ihren Rückzug zu sichern.
IIRC ähnelt Boromir hier eher Theoden, indem er noch im sterben Aragorn davon in Kenntnis setzt und seinen Tod möglicherweise irrtümlich als gerechte Strafe für seinen Fehler annimmt.
Denethor ist ein Königsmann, er kämpft für seine Macht und im Falle des Sieges hätte er Saurons menschliche Untertanen nicht besser behandelt als Orks und nicht mit Gnade und Mitgefühl.

Sam ist Frodos Batman und die Treue funktioniert in beide Richtungen, Sam ist der Held der Geschichte, Frodo der Padre, der Märtyrer.

Aragorn bz´tw ist Erus Königspriester, er hat heilende Hände, er ersetzt Saurons Tyrannei durch seine milde Gerechtigkeit, siehe wie er die Sklaven am Nurnenmeer freilässt und ihnen das Land zu eigen gibt oder den Wasa ihren Wald anerkennt, den Hobbits das Shire.

Womit er z.B. auch die Übergriffe der Rohirrim gegen die Wasa beendet

Na, ich weiß nicht. Natürlich war Tolkien ein Royalist,
sort of ja, und Anarchist wohl vor allem Anarchist.
btw Theoden im Sterben liegend, sagt Merry das da nichts zu verzeihen ist und er ihn versteht

btw das dürfte auch am Einfluss der Ringe liegen, denn zum Schluss ändert sich vieles

Dr Evil

Nein, Leibers Fahrd und der graue Mausling

Zitat
ber den Untergang der Menschheit von ... Moorcock
Macht so gar keinen Sinn für mich

@KWÜTEG GRÄÜWÖLF

War Beutelsend als Lohn vorgesehen
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Galatea am 3.02.2026 | 23:35
Also die Character Assassination, die im Film an Denethor betrieben wird und hier fortgesetzt wird, ist schon krass.
Denethor war ein extrem fähiger und sehr intelligenter Herrscher, der mit enormen Schicksalsschlägen umgehen musste. Er hat seinen Palantir benutzt um für die Zukunft zu planen und dabei mehrfach mit Sauron gekämpft - und genug Willen aufgebracht, um Sauron zu widerstehen. Er hat früh seine Frau verloren und ist nie wirklich darüber hinweggekommen, er hat versucht Gondor gegen die Gefahr aus dem Osten zu rüsten, musste aber immer mehr erkennen, dass sein Land schlicht nicht die Ressourcen hatte um den kommenden Konflikt zu überleben, egal wie sehr er sich auch anstrengte. Am Ende hatte er die Hoffnung verloren, war verbittert und der (angebliche) Tod seiner BEIDEN Söhne hat ihm dann den Rest gegeben.

Er war (nicht zu Unrecht) überzeugt, dass Gondor den Krieg gegen Sauron schlicht nicht gewinnen konnte und dass auch ein zurückkehrender König daran nichts ändern würde (und hat sich vermutlich auch gefragt, wo dieser tolle König die letzten Hundert Jahre war, als man mit genug Willen und Motivation vielleicht noch hätte was reißen können). Wären die Umstände anders gewesen hätte er als einer der besten Herrscher Gondors in die Geschichte eingehen können.

Dass er die Menschen, die von Sauron unterjocht waren, wie Orks behandelt hätte, kann ich mir absolut nicht vorstellen - zumal er an dem Punkt mit Sicherheit auch den Thron an seinen letzten noch lebenden Sohn abgegeben hätte (wenn auch unter grummeln, dass Boromir der bessere König gewesen wäre).



Tolkien war auch ein Technologieskeptiker. Nicht unbedingt ein Technologiefeind, aber er sah moderne Technologie als etwas inhärent bedrohliches an - kann man auch gut verstehen, er hat immerhin den ersten gewaltigen Abnutzungskrieg erlebt, in dem Feuerwaffen und Artillerie in einem bis dahin völlig unbekannten industriellen Maßstab eingesetzt wurden und dem viele seiner Freunde zum Opfer fielen (aus seiner engsten Freundesgruppe überlebte nur er allein).
Deswegen taucht Industrialisierung in Herr der Ringe auch immer im Kontext mit finsteren Herrschern auf. Sauron war ohnehin ein Ordnungsfanatiker, der Mordor ohne Probleme in eine mittelalterliche Gigafabrik verwandeln konnte, aber auch Saruman tritt in Isengard seine eigene kleine industrielle Revolution los - mit entsprechenden Folgen für die umliegenden Gebiete.

Im klassischen EDO-Setting fiel das Industrialisierungsthema vermutlich auch deswegen einfach komplett unter den Tisch. Da hat man dafür Untote, Weltuntergangsmcguffins und ähnlichen Fantasykram.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 4.02.2026 | 02:51
Also die Character Assassination, die im Film an Denethor betrieben wird und hier fortgesetzt wird, ist schon krass.
Was hat der Film mit Tolkiens Aussagen zu tun
btw er wusste ziemlich sicher wer Thorongil war und damit ist dein Versuch der Charakter Assassinierung Aragorns auch geklärt.
Über den Palantir manipulierte Sauron Denethor und Denethor versuchte Faramir in seiner Selbstmordaktion zu töten
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Taktikus am 4.02.2026 | 07:39
Für mich steht Tolkiens Welt schon sehr für sich. Ich habe den HdR mit 16 gelesen und als Ergebnis:"Jaaa, nicht schlecht" in der Erinnerung. Dann kam ne Weile nichts und dann habe ich, wohlgemerkt in einer Welt ohne Internet und Foren, auf dem Land nur mit ner Bahnhofsbuchhandlung, das Silmarillion entdeckt. Und DAS war der Burner. Plötzlich war da eine ganze Welt, von Anbeginn an, der Konflikt ein Ergebnis eines über mehrere Zeitalter gehenden Konflikts, und SEITDEM ist Toliens Welt für mich die Grösste. Mit Karten, mit Sprachen ...

Der HdR ist nur das Ende einer gewaltigen Geschichte, die eigentlich vieel größer ist. Und das macht Tolkiens Entwurf für mich zu etwas ganz besonderem.

Nicht das wir uns missverstehen, Tolkiens Welt ist für mich nicht die beste Welt, nicht die schönste, nicht die die ich am liebsten mag (da wäre eher die KULTUR zu nennen), aber es ist eine der größten und eine alles in allem symphatische (ist das richtig geschrieben?, finde grade den Schreibfehler, sieht aber falsch aus) und damit hebt Tolkien sich über Fafhrd, Conan und Jerry Cornelius doch ab, auch wenn ich JC deutlich lieber mag.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 4.02.2026 | 07:56
Gollum brach seinen Eid und bereute nicht. Sein Schicksal hat er selbst auf sich geladen.
Alternatives Ende wäre das er sich opfert

Boromir und Denethor zusammenzufassen? !
Boromir in all seiner Ruhmgier war kein Königsmann, und er hat auch sonst sein Leben gewagt um Kameraden zu schützen und ihren Rückzug zu sichern.
IIRC ähnelt Boromir hier eher Theoden, indem er noch im sterben Aragorn davon in Kenntnis setzt und seinen Tod möglicherweise irrtümlich als gerechte Strafe für seinen Fehler annimmt.
Denethor ist ein Königsmann, er kämpft für seine Macht und im Falle des Sieges hätte er Saurons menschliche Untertanen nicht besser behandelt als Orks und nicht mit Gnade und Mitgefühl.

Sam ist Frodos Batman und die Treue funktioniert in beide Richtungen, Sam ist der Held der Geschichte, Frodo der Padre, der Märtyrer.

Aragorn bz´tw ist Erus Königspriester, er hat heilende Hände, er ersetzt Saurons Tyrannei durch seine milde Gerechtigkeit, siehe wie er die Sklaven am Nurnenmeer freilässt und ihnen das Land zu eigen gibt oder den Wasa ihren Wald anerkennt, den Hobbits das Shire.

Tja, ich glaube, genau das sind die Implikationen des HdR, die Korknadel nachvollziehbarer Weise so unappetitlich findet (Eidbrecher bekommen, was sie verdienen, Tod/Selbstopfer als gerechte Strafe für das Abweichen vom rechten Weg, feste Rollenverteilung von Herr und Diener bei Sam und Frodo, der gute König wird's schon richten). Genau das, was innerhalb der Fiktion alles richtig erscheinen lässt, ist ja das, was sich auf der Metaebene tatsächlich die Kritik gefallen lassen muss, "Opium für's Volk" zu sein. Alles wird gut, wenn wir die althergebrachten Herrschaftsstrukturen wiederherstellen.

Ich schätze Tolkien ja eher in den kleinen Momenten, in denen all das nicht immer ganz sauber aufgeht.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 4.02.2026 | 08:45
Die Fragestellung hier im Thread war aber auch: warum hat sich EDO durchgesetzt?

Also, EDO ist ja noch mal ein etwas anderes Thema als Tolkien speziell. Von dem bin ich nämlich gar nicht so überzeugt, daß er sich wesentlich mehr als "Standard" durchgesetzt hat als die anderen unter Fantasynerds so bekannten größeren Namen -- ja, wir mögen ihm ein paar "Standard"völker und andere Ideen verdanken (wobei er vieles weniger direkt selbst erfunden als vielmehr in die uns heute "vertraute" Form gebracht hat) und vielleicht hat er auch dem Eurozentrismus einen kleinen Schubs gegeben, indem die Abenteuer seiner Hobbits wirklich nur in "unseren Gegenden vor langer Zeit" stattfinden, während andere Autoren vor, neben, und nach ihm ihre Protagonisten wenigstens schon mal gerne in die exotischsten Länder und Welten geschickt haben, die ihnen so eingefallen sind, auch wenn sie vielleicht ursprünglich nicht aus diesen stammten. Aber viele seiner Themen sind gleichzeitig, so zumindest mein persönlicher beschränkter Eindruck, von der Standard-Genrefantasy allgemein und dann dem Fantasyrollenspiel im Besonderen eher abgeprallt; so was wie den Lobgesang auf die Heldentaten gerade der bei ihm schon buchstäblich kleinen Leute, die die Pläne der Großen und Mächtigen fast schon aus Versehen entgleisen lassen, oder das mächtige magische Artefakt, das unter Mühen und Opfern zerstört werden muß, anstatt seine Kräfte dem nächsten "Helden" zu verleihen, sehe wenigstens ich da eigentlich eher selten.

Und was Tolkien meiner Meinung nach wohl speziell von so was wie der D&D-typischen Sucht nach immer mehr Aufstieg und Macht durch Gewalt und an sich gerissene Schätze gedacht hätte, muß ich vermutlich niemandem vorbuchstabieren... >;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 4.02.2026 | 09:01
Tja, ich glaube, genau das sind die Implikationen des HdR, die Korknadel nachvollziehbarer Weise so unappetitlich findet (Eidbrecher bekommen, was sie verdienen,
Wir reden hier von jemand der Babys ermordete um sie zu essen, der einen Verwandten für den Ring ermordete

Zitat
Tod/Selbstopfer als gerechte Strafe für das Abweichen vom rechten Weg,
Wenn du Boromir meinst, sehe ich explizit nicht so,  IMPOV Boromir starb weil er Kameraden nicht im Stich lassen wollte und das war normal für ihn, das war nicht das erstemal das er den Rückzug deckte

Zitat
feste Rollenverteilung von Herr und Diener bei Sam und Frodo,
Was Sam tat ging weit über Dienerpflichten hinaus


Zitat
der gute König wird's schon richten
der btw dämokratisch gewählt wurde
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Horsinand am 4.02.2026 | 09:23
Bei mir persönlich war es so, dass ich als Grundschulkind "Der kleine Hobbit" und als sehr junger Teenager "Der Herr der Ringe" gelesen habe. Etwa zwischen dem Hobbit und dem Herrn der Ringe habe ich DSA kennengelernt. Ich fand, dass DSA vom feeling her weit vom HdR entfernt war. Irgendwann habe ich dann mal einen Abenteuervorschlag an die DSA Redaktion geschickt, der vom HdR inspiriert war. - Warum? Der Herr der Ringe war für mich das Vorbild für fantastische Welten schlechthin.

Conan habe ich durch den Film erst später kennengelernt (und bis heute nicht gelesen - ich dachte auch immer, der Film wäre autonom entstanden, also ohne literarisches Vorbild).
Elric habe ich wahrgenommen (insbes. die Cover), aber nie gelesen.
Fafhrd habe ich erst kürzlich durch DCC wahrgenommen, aber nichts gelesen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 4.02.2026 | 09:48
Na dann wird es aber Zeit!   ;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Prisma am 4.02.2026 | 09:59
Ich bin der Meinung das "Conan der Barbar" sogar noch besser wird, wenn man die kleinen Anspielungen versteht. Da man die Vorlage kennt.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Mithras am 4.02.2026 | 10:23
Also: Sehr interessante Diskussion hier, gerne weitermachen. An der Ursprungsfrage teilweise vorbei, aber egal.

Jedenfalls: als Vorbild für Pen&Paper Abenteuer (speziell D&D) finde ich HdR weniger geeignet als Der Hobbit und Conan und die anderen. Da ist mehr Abenteuermaterial drin, das ist meine persönliche Meinung.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 4.02.2026 | 10:32
Jedenfalls: als Vorbild für Pen&Paper Abenteuer (speziell D&D) finde ich HdR weniger geeignet als Der Hobbit...
Den Gedanken hatte ich auch schon - der Hobbit taugt viel mehr als klassische Abenteuervorlage als der Herr der Ringe. Auftrag mit klar umrissenem Ziel, vereinbarte Bezahlung, diverse Komplikationen - nur die Anwerbeszene lässt einen spüren, dass der Bauergamer von Bilbo vom Spielleiter mit geradezu hanebüchener Railroaderei in das Abenteuer gezwungen werden muss  ;D


Also die Character Assassination, die im Film an Denethor betrieben wird und hier fortgesetzt wird, ist schon krass.

Amen, gut, daß das mal ausgesprochen wird.

Leider überlagert die Darstellung der Filme inzwischen fast überall die Wahrnehmung des Buchs. Fällt immer wieder auf.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 4.02.2026 | 10:36
Boromir in all seiner Ruhmgier war kein Königsmann, und er hat auch sonst sein Leben gewagt um Kameraden zu schützen und ihren Rückzug zu sichern.
IIRC ähnelt Boromir hier eher Theoden, indem er noch im sterben Aragorn davon in Kenntnis setzt und seinen Tod möglicherweise irrtümlich als gerechte Strafe für seinen Fehler annimmt.

Boromir hat auch sonst sein Leben gewagt, um Kameraden zu schützen, ja, aber sonst hat er immer überlebt. Warum jetzt nicht mehr? Das Schicksal, in diesem Fall also die Story, richtet/opfert ihn. Das schafft eine "natürliche" Gerechtigkeit und erspart es der Gemeinschaft, mit jemandem leben zu müssen, der auf Abwege geraten ist. Außerdem macht es klar, dass Boromir nun entsühnt ist. Wenn er nur zu Aragorn gelatscht wäre und "Sorry" gesagt hätte, wäre das ja etwas zu wenig gewesen. Das Christentum weiß ja, dass für die Sünde kein Weg am Kreuz vorbeiführt, und von den  Opfervorstellungen älterer/anderer religiösen Weltbilder will ich gar nicht reden.

Aragorn bz´tw ist Erus Königspriester, er hat heilende Hände, er ersetzt Saurons Tyrannei durch seine milde Gerechtigkeit, siehe wie er die Sklaven am Nurnenmeer freilässt und ihnen das Land zu eigen gibt oder den Wasa ihren Wald anerkennt, den Hobbits das Shire.

Gerade dass Aragorn so ein Guter ist, macht die Sache doch problematisch, denn er ist ja vor allem gut, weil er aus dem alten Königsgeschlecht kommt. Im Silmarillion mag das alles anders dargestellt sein, aber im HdR wird immer wieder klargemacht, dass bestimmte "Rassen" und Geschlechter weniger anfällig für das "Böse" sind als andere -- die Hobbits sind hier eindeutig die Freaks. Und folglich hat Aragorn natürlich heilende Hände (da haben wir ja das von mir schon mal erwähnte Königsheil) und ist milde und gütig. Die edle Gesinnung steckt ihm im adligen Blut. Mich hat als Teenager bei der Lektüre von Wolfram von Eschenbachs Parzival immer schon so amüsiert, dass den Protagonisten immer in sämtlichen Lebenslagen anzusehen ist, ob sie Ritter, Königstöchter oder einfach nur peoples sind. Und deshalb ist ja auch klar, wieso Denethor abkackt, denn obwohl in seinen Adern anscheinend numenorisches Blut fließt, fließt da halt kein königliches Blut (allein schon, dass im HdR so oft erwähnt wird, was für ein Blut in irgendwelchen Leuten fließt, ist lupenrein-demokratisch). Dass Aragorn am Ende "demokratisch" gewählt wird, ist doch nur ein Feigenblatt, damit die Wiederherstellung des Königtums wenigstens nett aussieht. Oder wird er etwa nur auf vier Jahre gewählt? Und wird er von diversen gewählten Räten und einem Verfassungsgericht kontrolliert? Nee, glaube eher nicht. Sonst müsste der letzte Band der Trilogie ja auch statt "Rückkehr des Königs" "Einführung der parlamentarischen Monarchie" heißen. Aber ist ja auch nicht schlimm, denn da endlich wieder ein Kerl mit angeborenem Königsheil aufm Thron sitzt, kann's ja jetzt allen gut gehen. Der musste schließlich nicht erst lange Staatstheorie büffeln, sondern hat das in die Wiege bekommen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 4.02.2026 | 10:41
Naja, daß z.B. die Elben oder die Numenorer irgendwie mehr gegen das Böse gefeit wären... Feanor, seine Söhne, Eol, Ar-Pharazon und die Schwarzen Numenorer lassen einen doch itzibitzi spüren, daß Tolkien das anders gesehen hat. Dass die überlebenden Elben am Ende des Dritten Zeitalters aus all den Fehlern von mehreren Jahrtausenden gelernt haben, basiert mehr auf ihrer Lebenslänge und bitteren Erfahrungen.

Hobbits auch nicht unbedingt, siehe Gollum. Eigentlich fällt mir auf Anhieb nur ein Volk ein, dass in seiner Darstellung (inklusive in Nachrichten aus Mittelerde) scheinbar eine Immunität gegen Korrumpierung hat, und das sind die Druedain.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Chaos am 4.02.2026 | 10:53
Denethors Problem ist nicht, dass er nicht gut genug wäre... es ist, dass es für die Situation, in der sich Gondor befindet, kein "gut genug" gibt! Selbst Aragorn hat die Situation nur retten können, weil er auf tausend Jahre Vorarbeit durch Denethor und seine Vorgänger hat aufbauen können, weil er reichlich Hilfe von außen hatte - und weil die Hobbits den Ring zum Schicksalsberg getragen haben. Ohne Frodo und Sam und Gollum wäre Gondor ein paar Wochen oder Monate später von der nächsten Ork-Horde überrannt worden.

Wie Galatea schon ausführt: Denethor hat die schlechtesten Karten ausgeteilt bekommen, die man sich nur vorstellen kann - und zumindest die Buchversion von tut sein Bestes, die Niederlage doch noch irgendwie so lange wie möglich herauszuzögern. Ein weniger großer Herrscher hätte schon lange vorher aufgegeben.

Boromir ist, meiner Einschätzung nach, zwar ein guter Soldat und ein guter Offizier und Feldherr - aber das ist auch so ziemlich alles, und die Sache mit dem Ring ist nun leider eine Situation, die mit Waffengewalt nicht zu lösen ist. Faramir hätte sich als Mitglied der Gemeinschaft des Rings besser geschlagen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 4.02.2026 | 11:27
als Vorbild für Pen&Paper Abenteuer (speziell D&D) finde ich HdR weniger geeignet als Der Hobbit und Conan und die anderen. Da ist mehr Abenteuermaterial drin, das ist meine persönliche Meinung.

Also den archetypischen Ansatz "Ein Elb, ein Zwerg und ein Magier gehen in einen Dungeon" kann ich schon am ehesten Moria zuordnen - und nirgends sonst hat mich das so mitgerissen. Kann man natürlich drüber streiten, aber die diverse Heldengruppe ist schon eher HdR. 13 Zwerge mit 2x Anhang fühlt sich nicht wirklich danach an.

Der Aspekt Solo-Held vs. Helden-Gruppe mag auch klar für Tolkien sprechen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 4.02.2026 | 11:28
Den Gedanken hatte ich auch schon - der Hobbit taugt viel mehr als klassische Abenteuervorlage als der Herr der Ringe. Auftrag mit klar umrissenem Ziel, vereinbarte Bezahlung, diverse Komplikationen - nur die Anwerbeszene lässt einen spüren, dass der Bauergamer von Bilbo vom Spielleiter mit geradezu hanebüchener Railroaderei in das Abenteuer gezwungen werden muss  ;D

Da spielt mMn auch ein wenig der Unterschied zwischen "episodischer" und "epischer" Fantasy mit hinein. Bilbo besteht ein einigermaßen ausgedehntes Abenteuer in einer fantastischen Welt, die recht offensichtlich noch Platz für insbesondere eine oder mehrere Fortsetzungen durch ihn bieten würde, wenn Tolkien der Sinn danach gestanden hätte; aber Frodo und Kumpane ziehen auf eine Queste aus, an deren Ende die gleiche Welt sich recht offensichtlich so verändert hat, daß sie einfach nicht mehr dieselbe ist.

Zum Vergleich: Conan ist der definitive "Episodenheld" diverser sich um ihn drehenden Abenteuergeschichten, und auch Elric fällt weitgehend in dieselbe Kategorie. Schön, letzterer zeichnet am Ende sowohl direkt als auch indirekt für die Zerstörung seiner ganzen Welt verantwortlich -- aber da er praktisch zeitgleich auch selbst stirbt, stellt sich die Fortsetzungsfrage in dem Fall ohnehin nicht wirklich.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 4.02.2026 | 11:35
Boromir hat auch sonst sein Leben gewagt, um Kameraden zu schützen, ja, aber sonst hat er immer überlebt. Warum jetzt nicht mehr? Das Schicksal, in diesem Fall also die Story, richtet/opfert ihn.
Diesmal kann er auch einfach Pech gehabt haben und verglichen mit Gollum ist das Argument er hätte die Gemeinschaft belastet nicht überzeugend.
Für Aragorn wäre das genug gewesen
Christus hat das Opfer für unsere Sünden freiwillig erbracht um uns von unseren Sünden zu erlösen.

@nobody@home

und Elric war nur einer der ewigen Champions am Ende sieht das mit dem Herzog von Köln doch anders aus
Zitat
Gerade dass Aragorn so ein Guter ist, macht die Sache doch problematisch, denn er ist ja vor allem gut, weil er aus dem alten Königsgeschlecht kommt.
du meinst wie Castamir der Ursupator, wahrscheinlich der Hexenkönig, die Könismannen und schwarzen Numenorer und Denethor.

Btw ich sagte nie das Denethor inkompetent war, wie im Film sondern das er Machtgierig war.
Es ist kein Feigenblatt, Isildurs Linie war das Erbrecht nach Gondors Gesetz , Mächtigen und Angst vor einem weiteren Bürgerkrieg schon in den Tagen Arnors oder Arthedain s verwehrt worden.
Die Krone des Hochkönigtums war mit Isildurs Tod Praktisch erloschen da Aenarions Erben sie nicht anerkannten.

Aragorn ist an Recht und Gesetz gebunden, will er Gesetze erlassen braucht er die Zustimmung des Rates der Hauptleute und Vasallen.

Was glaubst du hat Elrond ihm in Imladris gelehrt außer Harfe spielen?

@haos

Aragorn hat die Situation nicht gerettet, er hat sich selbst und Gondor als Opfer angeboten um Sauron abzulenken und der Ringträger Chancen zu verbessern.

btw Denethor hat seine Karten sehr gut ausgespielt bis er verzweifelte
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 4.02.2026 | 12:44
Diesmal kann er auch einfach Pech gehabt haben ...

Gelücke daz gât wunderlîchen an und abe ... Ich frage mich, wozu es Tolkien braucht, wenn doch offenbar der Zufall die Geschichte schreibt?

Und noch mal zu Aragorns Königstum:
Mag sein, dass es in der Lore zig Könige gibt, die böse Wichte waren. Aber ich habe immer wieder betont, dass ich den HdR betrachte. Und da sehe ich keine schwarzen Numenorer und Castamirs und Hexenkönige rumrennen. Die einen oder anderen dieser Halunken werden vielleicht erwähnt, aber spielen sie eine Rolle als Protagonisten? Da ist, zumindest bei den Menschen, nur noch Theoden, und der ist ja auch ein Guter, nachdem er von den Einflüsterungen der Lügenpresse hat geheilt werden können. Wenn es anscheinend auf dieses Herkunft aus einem Königsgeschlecht nicht ankommt, warum ist Aragorn denn dann ein Nachfahre Isildurs? Dann könnte er auch sonstwer sein. Und wieso wird das im HdR immer geradezu zelebriert, wenn das Geheimnis seiner Herkunft ans Licht kommt und die Leute merken, dass dieser düstere Krieger in Wahrheit … und natürlich auch noch mit dem entsprechenden Schwert bewehrt! Ne, das kann kein dahergelaufener Holzfäller sein, das schmachtende Gondor würde sich doch nie von einem Holzfäller erlösen lassen, da muss schon echtes Isildurisches Blut her. Arwen würde ja auch keinen Pippin heiraten, bewahre.

Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 4.02.2026 | 13:23
Gelücke daz gât wunderlîchen an und abe ... Ich frage mich, wozu es Tolkien braucht, wenn doch offenbar der Zufall die Geschichte schreibt?

Und noch mal zu Aragorns Königstum:
Mag sein, dass es in der Lore zig Könige gibt, die böse Wichte waren. Aber ich habe immer wieder betont, dass ich den HdR betrachte. Und da sehe ich keine schwarzen Numenorer und Castamirs und Hexenkönige rumrennen. Die einen oder anderen dieser Halunken werden vielleicht erwähnt, aber spielen sie eine Rolle als Protagonisten? Da ist, zumindest bei den Menschen, nur noch Theoden, und der ist ja auch ein Guter, nachdem er von den Einflüsterungen der Lügenpresse hat geheilt werden können. Wenn es anscheinend auf dieses Herkunft aus einem Königsgeschlecht nicht ankommt, warum ist Aragorn denn dann ein Nachfahre Isildurs? Dann könnte er auch sonstwer sein. Und wieso wird das im HdR immer geradezu zelebriert, wenn das Geheimnis seiner Herkunft ans Licht kommt und die Leute merken, dass dieser düstere Krieger in Wahrheit … und natürlich auch noch mit dem entsprechenden Schwert bewehrt! Ne, das kann kein dahergelaufener Holzfäller sein, das schmachtende Gondor würde sich doch nie von einem Holzfäller erlösen lassen, da muss schon echtes Isildurisches Blut her. Arwen würde ja auch keinen Pippin heiraten, bewahre.

Tscha -- davon, "ganz besonders geboren" zu sein, lebt nun mal der ganze Mythos der Erbmonarchie, sonst könnten Könige und sonstiges Adelskroppzeuch ja sonstwoher kommen. ;) Und so ein bißchen Stammbaumbastelei scheint ohnehin eins von Tolkiens Hobbies gewesen zu sein, ob nun als eigenes Thema oder "nur" als Teil des größeren Themas Weltenbau; auch bei den Hobbits hat er ja zumindest die Familienzusammenhänge der Protagonisten einigermaßen im Detail ausgearbeitet.

Tatsächlich ist das auch so ein Aspekt, der sich in der "modernen Standardfantasy" sonst eher nicht so wiederfindet. Vermutlich einfach deshalb, weil er dem heutigen Menschenbild etwas zu sehr widerspricht; bei allen Vorurteilen und Statusklischees dieser oder jener Art sind wir es inzwischen schlicht zu sehr gewöhnt, zumindest letztendlich doch alle irgendwie gleich zu sein, und entsprechend behandeln auch unsere Fantasywelten Adlige zwar als hohe Tiere innerhalb ihres Settings, aber doch nichts grundsätzlich "Besseres" als selbst den niedrigsten Diener. Daß man das historisch auch schon mal ganz anders gesehen hat, schwingt allerdings auch heute noch in so scheinbar "unschuldigem" Material wie der einen oder anderen Märchengeschichte nach...
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Grubentroll am 4.02.2026 | 13:24
Arwen würde ja auch keinen Pippin heiraten, bewahre.
Ich hatte mal eine Freundin deren Familie eine Bernhardinerin und einen männlichen Yorkshire Terrier besaß.
Irgendwann war die Bernhardinerin dann schwanger.

Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 4.02.2026 | 13:37
Ich frage mich, wozu es Tolkien braucht, wenn doch offenbar der Zufall die Geschichte schreibt?
Ich weiß nicht warum Tolkien sich dafür entschied, aber als WWI Veteran und einer der 2 Überlebenden Inklings ....

Oh Aragorn ist besonders und seine Hände sind die Hände des wahren Königs, in ihm und Änarion laufen die Linien von Königen und Helden zusammen.
Trotzdem ist es kein Automatismus, sondern etwas wofür Aragorn fast 100 Jahre gearbeitet, gekämpft und gelitten hat was du widerholt komplett ignorierst.

Aber dennoch erklärt er sich nicht zum König aus diesem Recht sondern erfragt die Zustimmung der Bürger Gondors

Wenn du den HdR betrachtest, was starkes Nitpicking ist, solltest du vielleicht nicht die 9 Exemplare böser Könige ignorieren die sich länger als Aragorn durch die Saga bewegen, die Nazgul und den Fürsten der Haradrim auch nicht.
btw Bard gehörte auch zu den Guten.

Arwen liebte Aragorn nicht Pippin
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 4.02.2026 | 14:14
Trotzdem ist es kein Automatismus, sondern etwas wofür Aragorn fast 100 Jahre gearbeitet, gekämpft und gelitten hat was du widerholt komplett ignorierst.

Aber dennoch erklärt er sich nicht zum König aus diesem Recht sondern erfragt die Zustimmung der Bürger Gondors

Also natürlich schreibt Tolkien dem wahren König zu, dass er "fast 100 Jahre gearbeitet, gekämpft und gelitten hat".

Sowas hat ein wahrer König nach Tolkien halt im Blut.

Und natürlich schreibt Tolkien dem wahren König zu die Zustimmung der Bürger Gondors zu haben.

Ein wahrer König nach Tolkien wird ganz naturgemäß vom Volk geliebt.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: unicum am 4.02.2026 | 14:16
Boromir hat auch sonst sein Leben gewagt, um Kameraden zu schützen, ja, aber sonst hat er immer überlebt. Warum jetzt nicht mehr? Das Schicksal, in diesem Fall also die Story, richtet/opfert ihn.

Ja. Wie in jedem anderen fiktionalen Roman auch. Ich meine(?) selbst Elric stirbt ja am Ende, auch gerichtet durch die Story. Ist jetzt aber auch nicht so die tolle neuerung. Schau in die Sagen und Legenden da beissen auch sogenannte Helden ins Gras. Der Ring der Nibelungen ist auch schon voll davon. Die Griechischen Sagen ebenso. Gut Conan überlebt meines wissens und bei Fafhrd weiß ich es nicht,...

Winnetou, Hercule Piroot und Sherlok Holmes sterben, ist also auch in der neueren Zeit nicht so unverbreitet.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 4.02.2026 | 14:18
Also natürlich schreibt Tolkien dem wahren König zu, dass er "fast 100 Jahre gearbeitet, gekämpft und gelitten hat".
Was wolltest du jetzt damit sagen
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 4.02.2026 | 14:22
Was wolltest du jetzt damit sagen

Das eher grundsätzliche Problem ist nicht, dass Tolkien einen schlechten König als gut verkaufen wollte, sondern dass er eine Mär vom guten König schreibt.

Dem Einwand entgegenzuhalten, dass Aragorn doch aber wirklich ein guter, vom Volk geliebter König sei, ist eben eigentlich kein Einwand, sondern eine Bestätigung der Kritik.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 4.02.2026 | 14:25
Was wolltest du jetzt damit sagen

Du sagst, dass es nicht wirklich zählt, weil sich Aragorn den Thron verdient erarbeitet hat.

Ich sage, dass aus der Perspektive eines Monarchisten in der Moderne der Thron natürlich verdient erarbeitet ist. So hätte er ja höchstwahrscheinlich den Glauben an den Monarchismus verloren.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Ludovico am 4.02.2026 | 14:39
Also ich kann schon verstehen, dass Tolkien und nicht Howard zum Standard für Fantasy wurde.

Tolkiens Beschreibungen sind manchmal etwas langatmig, aber er geht sehr in die Tiefe und nimmt sich viel Zeit für das Worldbuilding.
Das wurde ja auch schon erwähnt.

Was ich von Howard gelesen habe, war dagegen sehr kurz, Worldbuilding fand nur rudimentär statt und die Geschichten wirkten teilweise abgehackt. Teilweise schien es sich auch zu wiederholen.
Ja, sie haben einen gewissen Unterhaltungswert. Das wollte Howard ja auch.
Aber wenn man sich Rollenspiel ansieht, so ist auch hier das Worldbuilding wichtig und da bietet Tolkien eine wesentlich bessere Vorlage und Inspiration aus meiner Sicht als Howard. Fafhrd und Elric kenne ich nicht.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: unicum am 4.02.2026 | 14:50
Ist ja auch so das es im Herrn der Ringe durchaus Gegenden gibt in denen man vieleicht leben will. Das Auenland vor oder nach Saruman, Gondor/Rohan nach dem Ringkrieg.

Bei Conan, Fafhrd und Elric? Oh ne,... jedernfalls nicht als "Otto Normal Bürger"

Ist jetzt für mich kein wirklicher Grund aber könnte durchaus als solcher gesehen werden.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 4.02.2026 | 14:57
Das eher grundsätzliche Problem ist nicht, dass Tolkien einen schlechten König als gut verkaufen wollte, sondern dass er eine Mär vom guten König schreibt.
das Aragorn deshalb ohne Krone mindestens 50 Jahre geblutet und gekämpft hat vor dem HdR bedeutet was im Kontext?

btw das Argument gilt auch für Conan, der auch ein guter König zu sein scheint.
Niedrige Steuern und auf das Angebot Aquilonien zu verkaufen sagt er klar eher stirbt er in Scarlet Citadel, Hour of the Dragon ist ähnlich

PS und gute  Worldbuilding macht Howard auch
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Chaos am 4.02.2026 | 15:08
das Aragorn deshalb ohne Krone mindestens 50 Jahre geblutet und gekämpft hat vor dem HdR bedeutet was im Kontext?

Zehntausende von Gondorianern - Millionen über die Jahrtausende - haben ihr leben lang geblutet und gekämpft, und bekommen gar nichts dafür.

Aber dieser Typ, dessen Vorfahr vor 20, 30, 50 Generationen mal König war, der bekommt die Krone auf dem Silbertablett serviert?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Galatea am 4.02.2026 | 15:19
Naja, daß z.B. die Elben oder die Numenorer irgendwie mehr gegen das Böse gefeit wären... Feanor, seine Söhne, Eol, Ar-Pharazon und die Schwarzen Numenorer lassen einen doch itzibitzi spüren, daß Tolkien das anders gesehen hat. Dass die überlebenden Elben am Ende des Dritten Zeitalters aus all den Fehlern von mehreren Jahrtausenden gelernt haben, basiert mehr auf ihrer Lebenslänge und bitteren Erfahrungen.
Mit den Dunedain ist so ziemlich dasselbe wie mit den Elben - die ganze Machtgierigen, Uneinsichtigen und generell alle unfähigen Deppen hatten einfach genug Zeit, um sich selbst und ihre Linie aus der Welt zu entfernen (bei den Elben lief das gründlicher ab, aber die vermehren sich ja auch noch langsamer als die Numenorer).

Boromir ist, meiner Einschätzung nach, zwar ein guter Soldat und ein guter Offizier und Feldherr - aber das ist auch so ziemlich alles, und die Sache mit dem Ring ist nun leider eine Situation, die mit Waffengewalt nicht zu lösen ist. Faramir hätte sich als Mitglied der Gemeinschaft des Rings besser geschlagen.
Boromir hat vor allem auch das Problem, dass die gesamten verbliebenen Hoffnungen seines Vaters für das Überleben Gondors auf ihm lasten. Und was Gondor braucht ist zu dieser Zeit halt jemand, der Schlachten gewinnen und der Allgemeinheit durch seine ruhmreichen Taten Hoffnung geben kann. Letztlich fällt er in dasselbe Loch wie Denethor, dass er schlicht die Hoffnung verliert (und das nicht zu Unrecht, gegen die Lage Gondors ist das Kobayashi-Maru-Szenario ein midsommerlicher Spaziergang). Im Prinzip kämpfen beide schlicht mit dem, was man heute Burnout nennt.


Was Aragorn betrifft wird er im Buch tatsächlich durchaus immer wieder als überlebensgroße Figur dargestellt, das liegt aber auch daran, wie Schicksal in Tolkiens Welt wirkt - z.B. ist der einzige Grund warum die Gemeinschaft überhaupt die Barriere von Lothlorien durchdringen kann, dass der Schicksalsfaden der Ringträgers die magische Barriere übertrumpft (Magie die Galadriel von einer Valar(!!!) gelernt hat).
Besonders prägnant ist das, als Aragorn zum ersten Mal auf die Rohirrim trifft, sein Gewand zurückwirft und das neu geschmiedete Schwert in die Sonne hält, das das Licht wie eine Blendgranate spiegelt und fast schon selbst zu einer kleinen Sonne wird - in diesem Augenblick erkennt Legolas mit seinen scharfen Elbenaugen sogar eine Art nebulöse ätherische Krone um Aragorns Stirn. Die Rohirrim sind völlig überwältigt von diesem Moment - sie erkennen das Schicksal, das hier am Werk ist und verstehen was da gerade passiert.

Tolkiens Welt funktioniert auf eine bestimmte Art, ihre Bewohner WISSEN das, es wird in Diskussionen über diese Welt aber in den seltensten Fällen berücksichtigt.

Sauron wusste das übrigens auch, weshalb das auftauchen von Isildurs Erbe MIT dem neu geschmiedeten Schwert ein ganz besonderer Oh-Shit-Moment für ihn war. Sauron hatte vor Aragorn und dem was er verkörpert viel mehr Angst als vor Gandalf, Galadriel, Elrond und Glorfindel zusammen.

Diese unterliegenden fundamentalen Dynamiken hat man im typischen EDO-Fantasy-Setting halt überhaupt nicht.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 4.02.2026 | 15:25
Hm, wir haben ja schon festgestellt, dass D&D zunächst gar nicht so mittelirdisch war, sondern eigentlich nur EDOH (mit den Halblingen) übernommen hat, ansonsten aber pulpiger, exotischer war. Und dann kamen erst mal Traveller, Metmorphosis Alpha, die als SF keine so große Rolle spielen. Aber: Tekumel, Glorantha, Greyhawk. Was gab's denn dann noch? Bei der Judges Guild die Wilderlands und City State -- würde man die als mittelirdisch bezeichnen? Wohl eher nicht, oder? Und bisschen an die Antike angelehntes Zeug. Dragon Quest hatte EDO, aber eigentlich kein ausgeprägtes eigenes Setting, wenn ich mich nicht irre. Tunnels & Trolls genauso, oder?

MERP kam ja dann erst 1984, und da ging's dann auch erst so richtig los mit den Settings und den settingorientierten Spielen -- Warhammer, Cthulhu, Forgotten Realms, Stormbringer (wobei das schon drei Jahre vor MERP rauskam), Jorune, Hânworld, später dann auch Shadow World usw. Aber da war EDO schon längst zu einem Standard geworden, Talislanta konnte sich dann als Setting ohne Elfen bewerben. Vielleicht könnte man mal eine chronologische Liste der Spiele und Settings machen und ihnen einen Mittelerdewert geben, der zeigt, wie stark die Bezüge zu Tolkien-Fantasy sind.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 4.02.2026 | 15:42
Viele frühe Rollenspielsachen waren halt schon die krassen Melting Pots. Da wurde einfach alles rein geschmissen, was man kannte, und die einzelnen Spielrunden sollten sich dann raus fischen, was sie brauchten, und bei Bedarf selbst ergänzen. Insofern war DnD nicht EDO, aber möglicherweise die eine oder andere Spielwelt.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 4.02.2026 | 15:53
Insofern war DnD nicht EDO, aber möglicherweise die eine oder andere Spielwelt.

Ich hätt's jetzt halt als EDO(H) bezeichnet, weil es halt neben Menschen vorgegeben nur Zwerge, Elfen und Hobbits als PCs anbot. Das finde ich schon eine starke Weichenstellung, und sollte sich ja dann in allem, was nach D&D1 kam, auch so festsetzen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 4.02.2026 | 15:53
Das eher grundsätzliche Problem ist nicht, dass Tolkien einen schlechten König als gut verkaufen wollte, sondern dass er eine Mär vom guten König schreibt.

Dem Einwand entgegenzuhalten, dass Aragorn doch aber wirklich ein guter, vom Volk geliebter König sei, ist eben eigentlich kein Einwand, sondern eine Bestätigung der Kritik.

Aragorn ist vor allem erst mal eins, nämlich ein fiktiver König. Der ist buchstäblich genau so gut oder schlecht, wie er im Buche steht, und auf eine höhere Autorität als Tolkien selbst, die seine Schreibe "noch offizieller" widerlegen soll, können wir lange warten.

Natürlich steht jedem frei, zu spekulieren, ob der Professor mit seinen Geschichten nicht vielleicht eine ganz fies hintertückische politische Agenda (!! :o) verfolgt hat. Diese Akademiker sind ja sowieso alle so verdächtig subversive Gestalten... 8]
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 4.02.2026 | 16:04
Ich hätt's jetzt halt als EDO(H) bezeichnet, weil es halt neben Menschen vorgegeben nur Zwerge, Elfen und Hobbits als PCs anbot. Das finde ich schon eine starke Weichenstellung, und sollte sich ja dann in allem, was nach D&D1 kam, auch so festsetzen.

Es gibt halt speziell auf der Nichtspielerseite neben dem O noch ne Menge humanoides kulturschaffendes Kropzeuchs. Das sprengt aus meiner Sicht den EDO-Rahmen, zumindest den, den ich selbst an anderer Stelle gesetzt habe (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,124780.0.html), und macht DnD wesentlich bunter.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 4.02.2026 | 16:30
Viele frühe Rollenspielsachen waren halt schon die krassen Melting Pots. Da wurde einfach alles rein geschmissen, was man kannte, und die einzelnen Spielrunden sollten sich dann raus fischen, was sie brauchten, und bei Bedarf selbst ergänzen. Insofern war DnD nicht EDO, aber möglicherweise die eine oder andere Spielwelt.

EDOesk war es schon, nämlich bei den Teilen, die es aus Chainmail so übernommen hat. Aber auch da waren die Vorlagen ja eher dünn. Die Einflüsse aus Sword&Sorcery waren aber eigentlich in D&D immer deutlich vorhanden und spürbar. Ich mein, der Ur-Zauberkundige ist halt schon das Abziehbild des (bösen) Sword & Sorcery - Hexers, bis hin zur Waffen- und Rüstungswahl. Und alle anderen Abenteurer erinnerten in den Frühzeiten auch eher an Charaktere aus Nehwon oder Hyperborea denn an irgendetwas anderes.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 4.02.2026 | 16:37


Aber dieser Typ, dessen Vorfahr vor 20, 30, 50 Generationen mal König war, der bekommt die Krone auf dem Silbertablett serviert?
könntest du versuchen das aufzulösen Bei Thorongil?

@Galatea

Melian war eine Maiar keine Valar
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Chaos am 4.02.2026 | 16:38
könntest du versuchen das aufzulösen Bei Thorongil?

Ich rede von Aragorn.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 4.02.2026 | 17:22
Ich auch, unter anderem auch von seinem Dienst in den Heeren von Rohan und Gondor wo er unter anderem die Flotte der Korsaren IIRC in Treibholz verwandelte, wobei Denethor ihn übrigens mit Neid, Eifersucht und Mißgunst verfolgte.
Denethor war wohl wie seinem Vater klar wer das war
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lyonesse am 4.02.2026 | 17:25
Wie schon erwähnt, ist Aragorn halt ein vom Schicksal Auserwählter - ähnlich wie Harry Potter, Paul Atreides oder Jesus Christus. Ein Messias, ein Retter und ein Erneuerer. Er hat Jahrzehnte die Waldläufer des Nordens angeführt und in dieser Zeit jede Menge Dreck im Widerstand gefressen. Dabei hat er heimlich Leute beschützt, die gar nicht wussten, dass sie beschützt werden müssen. Tolkien orientierte sich an den mittelalterlichen Königsbüchern, in denen stand wie ein guter König sein sollte. Und ganz wichtig: Aragorn ist kein Julius Cäsar oder Napoleon, der sich um die Macht reißt und ihr alles unterordnet. Für ihn ist das Königtum eine schwere Bürde, die er nur widerwillig annimmt.

Conan wirkt zwar wie ein Episodenheld, aber er ist eigentlich keiner. REH folgte hier einer groben Chronologie: vom Dieb, zum Piraten, zum Kosaken, etc ... schließlich zum ersehnten Usurpator und gekrönten König von Aquilonien.

Vielleicht wurde Tolkien auch zum Goldstandard durch die relative Vielzahl der Epigonen, die ihm folgten und so auf den Bestsellerlisten landeten. Sei es der schier endlose Shannara-Zyklus oder David Eddings mit seinen Wälzern, der sogar zugab dem LOTR nachzueifern, weil Tolkiens Buch ein Long Seller war; oder auch der Wheel of Time Zyklus u.a.. Nicht nur die inzwischen typische Form der Trilogie wurde dabei häufig gewählt, sondern wenn es irgend ging, dann wurde auf dem Klappentext mit ''wie der Herr der Ringe'' oder etwas in der Art geworben. All das trug sicher auch dazu bei, dass Tolkiens Werk zum Fundament für die Fantasy wurde, eben weil er so häufig mehr oder weniger gut oder schlecht kopiert wurde.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: D. M_Athair am 4.02.2026 | 17:40
Die Fragestellung hier im Thread war aber auch: warum hat sich EDO durchgesetzt?

Diese Frage wäre ja ganz leicht beantwortet:
Märchen & Mythen (Einflüse auf Wargaming & Phantastik z.B. CS Lewis), HdR & D&D.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 4.02.2026 | 18:00
Tolkien orientierte sich an den mittelalterlichen Königsbüchern, in denen stand wie ein guter König sein sollte.
wie auch bei Theoden.
Wobei Aragorn im Buch loszog um die Krone zu bekommen, die brauchte er nämlich für Elronds Einwilligung zur Heirat mit Arwen.

Eddings, sagen wir mal seine Frauen haben Körper ist eine sehr geschönte Art es auszudrücken.

WoT ist eher ein positiver Antitolkien, sowohl der Chosen one als auch die anderen des Kernteams(das schliesst die Wondergirls ein) bekamen Macht brauchten Macht usw.
Perrin ist der Exemplar der dienenden Führung.

Paul Atreides war ein Unfall beim züchten des perfekten Führers und nutzte Fake Prophezeiungen um seine Agenda, Rache für seinen Vater und Überleben mit Chani so erfolgreich wie möglich durchzuziehen
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Fuchs am 4.02.2026 | 18:40
Wie schon erwähnt, ist Aragorn halt ein vom Schicksal Auserwählter - ähnlich wie Harry Potter, Paul Atreides oder Jesus Christus. Ein Messias, ein Retter und ein Erneuerer. Er hat Jahrzehnte die Waldläufer des Nordens angeführt und in dieser Zeit jede Menge Dreck im Widerstand gefressen. Dabei hat er heimlich Leute beschützt, die gar nicht wussten, dass sie beschützt werden müssen. Tolkien orientierte sich an den mittelalterlichen Königsbüchern, in denen stand wie ein guter König sein sollte. Und ganz wichtig: Aragorn ist kein Julius Cäsar oder Napoleon, der sich um die Macht reißt und ihr alles unterordnet. Für ihn ist das Königtum eine schwere Bürde, die er nur widerwillig annimmt.


Der Aragorn den du hier beschreibst ist der Film Aragorn. Den schätze ich auch, der weicht aber in diesem Punkt von den Büchern ab.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 5.02.2026 | 09:30
Diese Frage wäre ja ganz leicht beantwortet:
Märchen & Mythen (Einflüse auf Wargaming & Phantastik z.B. CS Lewis), HdR & D&D.

Also nach Zirkelschlüssen habe ich nicht wirklich gesucht. :P

Darf ich umformulieren? Warum wurde EDO zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 5.02.2026 | 09:41
Wie schon erwähnt, ist Aragorn halt ein vom Schicksal Auserwählter - ähnlich wie Harry Potter, Paul Atreides oder Jesus Christus. Ein Messias, ein Retter und ein Erneuerer.

Ja, wir setzen uns hier schon länger damit auseinander, warum bei Tolkien der Auserwählter und die Blutlinie zusammenfällt.

Bei Paul Atreides ist es auf Folge eines Zuchtprogramms so, ich umschreibe das mal als menschengemachte Verschwörung. Bei Jesus konnte ein Gott es nicht lassen, eine Minderjährige zu schwängern. Haut auch ganz schön rein. Harry Potter habe ich weder gelesen als geschaut, also kann ich dazu nix sagen, außer dass es zu einer Zeit rauskam, wo die Blaupause sowieso schon allgemein bekannt war. (Und Dune ist ja auch eine Dekonstruktion des Auserwählten.)

Vielleicht wurde Tolkien auch zum Goldstandard durch die relative Vielzahl der Epigonen, die ihm folgten und so auf den Bestsellerlisten landeten. Sei es der schier endlose Shannara-Zyklus oder David Eddings mit seinen Wälzern, der sogar zugab dem LOTR nachzueifern, weil Tolkiens Buch ein Long Seller war;

Ich würde eher sagen, dass es so viele Epigonen gab, weil Tolkien eben so reingehaut hat. Der Herr der Ringe hat was in den Leuten ausgelöst, das sie mit mehr vom fast selben wiederholen wollten. Interessant für micht ist, warum es so süchtig gemacht hat.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 5.02.2026 | 09:43
Also nach Zirkelschlüssen habe ich nicht wirklich gesucht. :P

Darf ich umformulieren? Warum wurde EDO zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?

Im Rollenspielbereich? Weil's D&D vorgemacht hat, natürlich.

Und allgemeiner? Weil Tolkien mal eine ganze Weile das mainstreamtaugliche Aushängeschild für das Genre schlechthin war und auch da diverse Leute sich gedacht haben "Aha, die Leute wollen anscheinend Elfen und Zwerge -- da könnten wir doch aufspringen!". Wobei ich über das gesamte Fantasygenre in Spiel, Buch, Film, Fernsehen und so weiter seinen Einfluß für geringer halte.

Letztendlich ist dann auch EDO kein so besonders strikter "Standard", wenn man ausgerechnet diese Konkurrenz zum Vergleich heranzieht. Solange ich Menschen, Elfen, und Zwerge quasieuropäischer Herkunft habe und die a la Conan alle möglichen Ecken ihrer Welt besuchen oder a la Elric das Multiversum beschnuppern lasse, ist das ja insbesondere für die meisten Rollenspieler immer noch "EDO" -- und damit beschreibe ich genau genommen auch nur wieder D&D. ;)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 5.02.2026 | 09:49
Im Rollenspielbereich? Weil's D&D vorgemacht hat, natürlich.

Ich nehme du hast den Thread auch gelesen.  8]

Wir wollen hier doch rausfinden wie es dazu kam, dass D&D es vorgemacht hat.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 5.02.2026 | 09:50
Im Rollenspielbereich? Weil's D&D vorgemacht hat, natürlich.

Ab welcher Edition machst du das fest?
Meine These wäre ab AD&D2 aufgrund der Abenteuer- und Kampagnenstruktur.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 5.02.2026 | 10:04
Bei Jesus konnte ein Gott es nicht lassen, eine Minderjährige zu schwängern. Haut auch ganz schön rein.

Jesus musste aber auch zum "Held aus Davids Stamm" umgedichtet werden, deshalb ja auch die Umverlegung der Geburt des Nazareners nach Bethlehem. Kein Mensch, der auf sich hält, hätte sich von einem Zimmermannssohn ohne Königsblut erlösen lassen. Somit ist im Umkehrschluss Isildur so ein mittelirdischer David.  :)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 5.02.2026 | 10:09
Ich nehme du hast den Thread auch gelesen.  8]

Wir wollen hier doch rausfinden wie es dazu kam, dass D&D es vorgemacht hat.

Na, weil der Herr der Ringe gerade "in" war. Gary war ja nach allem, was man hört, gar kein großer Tolkien-Fan, aber seine Freunde und/oder vielleicht auch der eine oder andere Kollege mit Marketingerfahrung haben ihn entsprechend bekniet...und entsprechend waren Elfen, Zwerge, Orks, und noch ein paar andere schnelle Griffe in die HdR-Kiste (einschließlich einiger Sachen wie Hobbits und Ents, die sie dann aus rechtlichen Gründen später umbenennen mußten) schon ab der allerersten Box fester Bestandteil des Spiels.

Und, wie gesagt: viel mehr als das ist "EDO" für die meisten Leute, die diesen Begriff überhaupt kennen und verwenden, wohl auch nicht. "Aha, hier gibt's dies, das, und jenes, was ich noch dunkel von Opa JRRT her kenne -- muß aus der EDO-Kiste sein."
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 5.02.2026 | 10:16
Na, weil der Herr der Ringe gerade "in" war. Gary war ja nach allem, was man hört, gar kein großer Tolkien-Fan, aber seine Freunde und/oder vielleicht auch der eine oder andere Kollege mit Marketingerfahrung haben ihn entsprechend bekniet...und entsprechend waren Elfen, Zwerge, Orks, und noch ein paar andere schnelle Griffe in die HdR-Kiste (einschließlich einiger Sachen wie Hobbits und Ents, die sie dann aus rechtlichen Gründen später umbenennen mußten) schon ab der allerersten Box fester Bestandteil des Spiels.
So wird es oft kolportiert, deckt sich aber nicht ganz mit den Fakten.
Gary Gygax hat das Fantasy Supplement für Chainmail aus ganz eigenem Antrieb und zur Verblüffung von Jeff Perren geschrieben.
Wie ich bereits schrieb, hat Gygax sehr viel aus dem Hobbit und HdR übernommen, daneben noch etwas aus Dreiherz (Three Hearts and three Lions). Ganz so schlecht kann er also Tolkien nicht gefunden haben (vielleicht später, als er Urheberrechtsstreit bez. Hobbits und Balrogs hatte).
Aus Chainmail ist bekanntlich erst - über Dave Arneson - OD&D entstanden.
In O- und AD&D lässt Gygax dann sehr viel Sword & Sorcery einfließen (s. Anhang N).
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 5.02.2026 | 10:24
Bei Jesus konnte ein Gott es nicht lassen, eine Minderjährige zu schwängern. Haut auch ganz schön rein
`???
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Grubentroll am 5.02.2026 | 11:20
Um nochmal auf den OP zurückzukommen:

Ich meine ich habe "das wahre" D&D erst kapiert, als ich irgendwann Vance gelesen habe. Vor allem "Eyes of the Overworld".

Das frühe D&D ist ja eher "Ein paar Haderlumpen und Bauchaufschlitzer wollen reich und mächtig werden und gehen dabei erstmal massenhaft drauf" wie bei Vance als wie "Tolle starke moralisch aufrichtige Helden verteidigen das Land gegen das ultimative Böse" im HdR.
Und Magie ist in D&D ja nicht nur "Ich schieße den ganze Tag wild umher", sondern muss sehr überlegt eingesetzt werden, wegen dem Memorieren. In den frühen Stufen hast du ja quasi fast nix am Start.

D&D hat nur den etwas seltsamen Twist mit den EDO Völkern und einigen Klassen wie dem Paladin drin der nicht so wirklich gut passt zum Gesamtkonstrukt.

Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Issi am 5.02.2026 | 12:24
Die Frage ist natürlich theoretischer Natur und betrifft vor allem D&D, aber warum wurde Tolkiens EDO zum Fantasy Standard? Warum nicht die Humanozentrik von Fahrd, dem grauen Mausling, Conan und Elric? Warum Elfen, Zwerge und klischeehafte böse Orks statt verschiedener Menschenvölker und unnatürlichen Kreaturen? Und warum Feuerball Magie statt die viel interessanteren Alternativen aus Sword & Sorcery von Lovecraft, Robert E. Howard, Moorcock, Leiber und Clark Ashton Smith?  Angeblich war Gygax nämlich nicht so angetan von Der Herr der Ringe und wurde dazu überredet die Völker von Mittelerde als Klassen einzubauen.

Das liest sich jetzt vielleicht nach Trollpost oder Ragebait aber ich bin an euren Gedanken und Meinungen dazu interessiert. (Lieb sein in den Kommentaren!)
Meine 0,50 Cent

Viele Märchen, nicht alle, haben eine klassische Schwarz/ Weiß, Licht/Schatten, Gut gegen Böse Thematik, die, wenn man sich nur mal die Disney Märchen zu der Zeit anschaut, deutlich hipper waren, als differenziertere Geschichten.


Wenn man wusste, wer der Feind war, kann man den entmenschlichen und halbwegs bedenkenlos mit dem Schwert verkloppen.
Dieses Vorgehen, vereinfacht das Spiel tatsächlich sehr.
A la
Warum sind die böse? - Weil
Ok, Angriff

Modernere Geschichten, die weniger polarisieren,(König Drosselbart ist eines der alten differenzierten Märchen), erfordern auch ein wesentlich differenzierteres Vorgehen.
Und vermutlich auch mehr Fingerspitzen Gefühl (Wenn die Gruppe zum Beispiel als Diplomatische Vermittler auftreten sollen)

Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 5.02.2026 | 12:26
Power on Arda ist limitiert, es wird nicht mehr und einmal investiert kommt es nicht zurück außer Eru gibt sie und Eru hat unbegrenzt Force
Deshalb konnte Feanor keine Silmaril mehr erschaffen, die Bäume nicht neu gepflanzt werden Melkor war ein Schatten seiner selbst im Krieg des Zorns usw
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Eleazar am 5.02.2026 | 12:41
Der Herr der Ringe hat was in den Leuten ausgelöst, das sie mit mehr vom fast selben wiederholen wollten. Interessant für micht ist, warum es so süchtig gemacht hat.
Ich wiederhole mich: Es ist die fantastische Welt, die man bereisen wollte, um dort eigene Abenteuer zu bereisen. Das tiefe Meer an Geschichte, auf dem man segelt. Die durchdachte und nachvollziehbare Kultur, an der man teilhaben wollte.

Dazu kommt noch ein epischer Konflikt, wie man ihn auch lösen möchte. Und eine Gemeinschaft von Helden, an deren Seite man sich gut vorstellen konnte. Das ist die perfekte Mischung.

Und Frodo mit dem Ring ist ja letztlich ab dem zweiten Band auch nur ein Handlungsstrang, der rollenspielmäßig gar nicht so viel zu bieten hat wie der Rest.

Ich sehe nicht, dass viele andere Autoren aus der Zeit das hinbekommen hätten. Ja, viele hatten weniger wortreiche Beschreibungen und mehr Action in der Handlung und mehr Fantasy in der Deko. Aber die Handlung eines Romans ist praktisch das Unwichtigste für ein Rollenspiel. Ist die Handlung erst mal bekannt, dann ist die Geschichte fürs Rollenspiel uninteressant. Wie öde wäre es, in einem Abenteuer einen Ring durch die Landschaft zu tragen und in einen Vulkan zu schmeißen... Das kennen wir schon, das braucht keiner noch mal.

Wenn du der Held einer Geschichte sein willst, dann brauchst du keinen Schauspieler, der dir alles vormacht. Du brauchst auch kein Script, dem du sklavisch zu folgen hast. Du brauchst eine inspirierende Bühne und du brauchst eine Menge Optionen, die angerissen, aber nicht auserzählt sind.

Für mich waren beim Herrn der Ringe extrem spannend auch die Karten. Vor allem die Teile, die fast leer waren. Und die Ränder, hinter denen es doch irgendwie weitergehen musste. Das plus der Epik und dem Gefühl, dass Tolkien so viel mehr bedacht hatte, als er überhaupt gezeigt hatte.

Und dafür muss man auch bedenken, dass der HdR und vielleicht auch der Hobbit in den 70er, 80er Jahre eine weite Verbreitung hatten. Das Simarillion, in dem so viele Geheimnisse gelüftet wurden, kannte daran gemessen, doch keine Sau.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Galatea am 5.02.2026 | 12:55
Ich bin mir sicher, dass eine Sache die beim Herr der Ringe auch definitiv geholfen hat ist, dass BEIDE Geschlechter ernsthaft was damit anfangen können.
Bei vielen Fantasy-Settings/Subgenres geht das ja schon sehr auf eine Seite.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 5.02.2026 | 13:05
Ich bin mir sicher, dass eine Sache die beim Herr der Ringe auch definitiv geholfen hat ist, dass BEIDE Geschlechter ernsthaft was damit anfangen können.
Bei vielen Fantasy-Settings/Subgenres geht das ja schon sehr auf eine Seite.

Interessanter Punkt! Den hatten wir noch nicht.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Issi am 5.02.2026 | 13:17
Ich bin mir sicher, dass eine Sache die beim Herr der Ringe auch definitiv geholfen hat ist, dass BEIDE Geschlechter ernsthaft was damit anfangen können.
Bei vielen Fantasy-Settings/Subgenres geht das ja schon sehr auf eine Seite.
Zumindest im Film konnte man mit einer Lovestory punkten. (Im Buch ist die wohl eher solalla)
Wobei die Film Lovestory mich zugegeben auch stärker hätte abholen können.
Und meine männlichen Mitgucker waren sich alle einig: Aragorn hätte die Prinzessin von Rohan nehmen sollen!
 ~;D
(Die hat mich rein schauspielerisch auch mehr abgeholt )

Aber ja, zumindest wird eine große Liebe angedacht. Und das Soziale, Zwischenmenschliche ist, in den meisten Geschichten, das Schmiermittel auf dem die Story insgeheim weiterrutscht.

Oder wie George Lucas sagt: Es geht nicht um Raumschiffe sondern um Familiengeschichten.

Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 5.02.2026 | 13:20
Ganz allgemein ist "EDO" zumindest für mich erst mal nicht viel mehr als die einigermaßen prominente Existenz von Elfen und Zwergen in der Welt (natürlich meist neben den unvermeidlichen Menschen) -- idealerweise mit zumindest einem quasieuropäischen Kernland mit vertrauten Wäldern und Bergen, in und unter denen sie dann klischeegerecht wohnen können.

Die Orks sind dann, obwohl der dritte Buchstabe ja eigentlich für sie steht, schon eher nachrangig. Die kann man haben, und da gibt's ja mittlerweile auch für diverse Interpretationen ein gewisses Gewohnheitsrecht durch Wiedererkennungswert, aber man muß nicht unbedingt; was man vielleicht so an dunklen Lords und anderen Erzschurken in seine Geschichten und/oder sein Spiel einbauen will, findet seine Armeen und sonstigen Bediensteten auch anderweitig. Zumindest rein unter diesem Gesichtspunkt kann man die Jungs also genausogut auch in Mittelerde lassen, sie prägen das Bild einfach nicht so stark mit wie die anderen beiden. (Was man denn mMn auch daran merkt, daß sie in vielen Spielwelten "nur" eine Sorte Monster unter vielen anderen sind; wenn ich EDO-mit-Betonung-auf-dem-O haben will, brauchen auch die Orks eine besondere Rolle speziell für sich. Bei Tolkien haben sie die wenigstens -- in 08/15-D&D, wo sie sich ja allein schon die "Humanoide Monstergegner für Noob-Abenteurer"-Nische mit diversen anderen teilen müssen, dagegen recht definitiv nicht.)

Und wie schon gesagt -- einen so furchtbar anspruchsvollen "Standard", daß man sich darüber wundern müßte, daß man ihn im Fantasygenre einigermaßen regelmäßig wiederfindet, gibt das am Ende einfach nicht ab. D.h., eigentlich ist schon die Ausgangsfrage näherungsweise ungefähr so sinnvoll wie die nach dem Grund, warum so viele fiktive Kampfsportler von Jackie Chan abkupfern. :)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Horsinand am 5.02.2026 | 13:30
Interessanter Punkt! Den hatten wir noch nicht.

Die Frauen, die im HdR vorkommen, sind aus RPG Sicht eher NSC - aber starke und bedeutende (wobei mich Eowyn im Buch am meisten abgeholt hat - im Film garnicht). Ich glaube nicht, dass dieser Faktor für RPGs damals prägend war.

Nebenbei: Die hervorgehobene Rolle von Arwen im Film wurde von einem Bekannten von mir (der die Bücher nicht kannte) mit „Ach ja - ein bisschen Liebe“ quittiert. Also auch für Aussenstehende ein wahrgenommener Fremdkörper.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 5.02.2026 | 13:36
Jetzt noch eine Mini-These reingeworfen:

Viele schreiben ja, D&D ist gar nicht so EDO. Finde ich auch. Aber warum wird es so wahrgenommen?

Für mein Gefühl waren es über lange Zeit hinweg in der Fantasy eigentlich nur Tolkien und seine direkten Epigonen, die nichtmenschliche Protagonisten hatten. Oder? Conan ist Mensch in einer Welt von Menschen und Monstren; Fafhrd auch. Okay, Elric war Melinbonéer, aber im Großen und Ganzen waren die ja schon Menschen (sein Albinismus hat ihn zwar fremdartig gemacht, aber das war kein Merkmal seiner Abstammung).

Bei D&D hat man sich entschieden, das Tolkien-Element nichtmenschlicher Protagonisten zu übernehmen. Das könnte man als ein Element unter vielen betrachten, das nicht notwendig bestimmend für die Art von Geschichten sein muss. Aber es ist ein Merkmal, das sofort heraussticht. Wenn man also D&D anguckt und sieht, dass es da Halblinge und Zwerge und Elfen als Protagonisten gibt, denkt man: "Ah, das ist also Fantasy von der Tolkien-Sorte!", auch, wenn vielleicht eigentlich nur ein paar Tolkien-Elemente aufgenommen wurden und die Grundstruktur und die Themen viel mehr mit Howard oder Leiber oder Moorcock oder von mir aus auch Anderson zu tun hatten. Und wenn diese Erwartung herangetragen wird, dann hat man ganz schnell auch eine self-fulfilling Prophecy, die dann z.B. Richtung Dragonlance führt.

Vielleicht erschien/erscheint Tolkien also dominant, weil HdR mit EDO+Hobbits ein ganz einfaches Erkennungsmerkmal bietet, das sich so auch in Rollenspielen wiederfindet und eine entsprechende Zuordnung provoziert, die oberflächlich betrachtet richtig wirkt, aber nicht unbedingt viel mit dem Kern der Sache zu tun hat.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 5.02.2026 | 13:47
Wenn jemand das erste Mal (und vielleicht einzige Mal im Leben D&D spielte), stellte sich gleich die Frage: Mensch mit Beruf, Zwerg, Elf oder Halbling?

Das ist um einiges zentraler fürs Spielerlebnis um irgendwelche Feinheiten der Lore, die man später evtl. mitkriegt und auch sehr von der speziellen Kampagne abhängt.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 5.02.2026 | 13:54
Okay, Elric war Melinbonéer, aber im Großen und Ganzen waren die ja schon Menschen (sein Albinismus hat ihn zwar fremdartig gemacht, aber das war kein Merkmal seiner Abstammung).
Nein Elric und Corum waren "Elfen" , in Corums Fall ein Vadhagh, die von den Mabden aka Menschen ausgerottet wurden

PS Arwen soll von Tolkien auch recht spät hinzugefügt worden sein
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Chaos am 5.02.2026 | 13:55
Die Frauen, die im HdR vorkommen, sind aus RPG Sicht eher NSC - aber starke und bedeutende

Was auch schon wesentlich mehr ist, als seinerzeit normal war.

Wir sind heutzutage mit Protagonistinnen (relativ gesehen) ziemlich verwöhnt, aber damals war das eben noch nicht so.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Issi am 5.02.2026 | 13:55
Naja, jetzt mal ganz pragmatisch:
Vor Tolkien gab es: „Gartenzwerge“ und „Blumenelfen.“
Die sind als Helden einfach weniger attraktiv.
Da sie es aufgrund ihrer Physis schwer haben dürften ein richtiges Schwert zu halten, geschweige denn zu führen.

Und letztendlich sollen die Monster ja verkloppt werden.
Und vielleicht will in einer fantastischen Welt nicht jeder Menschliche Figuren spielen.
Sondern auch mal was fantastisches.


Edit. die Tolkien Figuren sind einfach praktisch, da Spiel tauglich.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Chaos am 5.02.2026 | 14:02
Naja, jetzt mal ganz pragmatisch:
Vor Tolkien gab es: „Gartenzwerge“ und „Blumenelfen.“
Die sind als Helden einfach weniger attraktiv.
Da sie es aufgrund ihrer Physis schwer haben dürften ein richtiges Schwert zu halten, geschweige denn zu führen.

Und letztendlich sollen die Monster ja verkloppt werden.
Und vielleicht will in einer fantastischen Welt nicht jeder Menschliche Figuren spielen.
Sondern auch mal was fantastisches.

Und Tolkien-Zwerge und Tolkien-Elfen sind was Fantastisches im Menschenformat. Ja, da ist was dran.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 5.02.2026 | 14:03
Nein Elric und Corum waren "Elfen" , in Corums Fall ein Vadhagh, die von den Mabden aka Menschen ausgerottet wurden


Wie kommst du darauf, dass sie Elfen waren? Klar, irgendwie kommt das Motiv wahrscheinlich von den Sidhe oder so, und von denen kommen in mancher Hinsicht auch Tolkiens Elben, aber mit der Aussage, dass sie "Elfen" seien, wird für meinen Hintergrund mehr verdunkelt als erhellt. Sie sind Schöpfungen, die sehr, sehr wenig mit Tolkiens Elben und den meisten anderen Fantasy-Elfen zu tun haben.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 5.02.2026 | 14:14

Edit. die Tolkien Figuren sind einfach praktisch, da Spiel tauglich.

Ja, das denke ich auch - die wurden ganz pragmatisch bei D&D reingenommen, und in der Folge wurde es als Tolkienesk identifiziert. Nur ist ein Krimi auch noch kein Western, nur weil ein Revolver vorkommt.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Issi am 5.02.2026 | 14:39
Wie kommst du darauf, dass sie Elfen waren? Klar, irgendwie kommt das Motiv wahrscheinlich von den Sidhe oder so, und von denen kommen in mancher Hinsicht auch Tolkiens Elben, aber mit der Aussage, dass sie "Elfen" seien, wird für meinen Hintergrund mehr verdunkelt als erhellt. Sie sind Schöpfungen, die sehr, sehr wenig mit Tolkiens Elben und den meisten anderen Fantasy-Elfen zu tun haben.
Bin nicht Lichtschwerttänzer, daher nur ein Versuch:
Vielleicht meinte er mit „Elfen“ sowas wie „Wesen die (in welcher Form auch immer) den normalen Menschen überlegen sind.“

Und von denen gibt es in Fantasy/SciFi tatsächlich einige.
(Spok lässt grüßen)

Und ich glaube, das zieht sich wirklich wie ein roter Faden durch dieses Genre.

Sowas wie „Mensch in besser“ als mögliche Rolle.
- Marvel kennt das Rezept. Und es funktioniert.

In Sagen und Mythen gibt es das ja schon immer. Die Halbgötter, die Hexen und Zauberer, die von Natur aus, den Normalos überlegen sind.
(In jüngerer Zeit taugen dafür auch die Monster von einst: Von Werwolf bis Vampir über Gestaltwandler sind da keine Grenzen gesetzt)


Edit.
Wobei im HdR ja Aragorn schon ein „besser Mensch“ ist.
Da braucht es nicht mal den Legolas.







Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Galatea am 5.02.2026 | 14:40
Jetzt noch eine Mini-These reingeworfen:

Viele schreiben ja, D&D ist gar nicht so EDO. Finde ich auch. Aber warum wird es so wahrgenommen?
Weil es in der Praxis oft so gespielt wird. Wann hast du das letzte Mal einen D&D-Elfen gesehen, der loregerecht gespielt wurde oder auch nur ernsthaft diese ganze Erinnerungstraumabewältigungsgeschichte tangiert hat?
Meiner Erfahrung nach sind die ziemlich selten - eigentlich kurious, da einem der Hintergrund die beste Entschuldigung gibt eine(n) Elfe(n) wirklich als Abenteurer zu spielen, der jeden Unfug mitmacht, einfach nur weil es abgefahren und erinnerungswürdig ist.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 5.02.2026 | 14:45
Als die Settings dann irgendwann aufkamen, wurde halt schon in vielen davon irgendwie mit den Vorgaben Tolkiens rumhantiert. Das geht über spielbare Menschenähnliche schon oft hinaus. Vor allem Zwerge sind halt sehr oft da, wo man eine unterirdische Stadt braucht oder ein Amboss rumsteht. Dass etwas wie die Drow funktioniert, liegt ja auch daran, dass mit den Erwartungen gespielt wird, die Mittelerde weckt: Hier übernehmen Elfen die Domäne der Zwerge, abgefahren! Auch Orks und Goblins sind die Höhlenbewohnenden schlechthin. Derlei taucht in zig Setting und Abenteuern/Dungeons auf, manchmal mehr oder weniger kopiert, geschickt abgewandelt oder bewusst gegen den Strich gebürstet oder persifliert, aber immer müssen die tolkienschen Elfenkönigreiche und Moria mitgedacht werden.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 5.02.2026 | 15:12
Wie kommst du darauf, dass sie Elfen waren? Klar, irgendwie kommt das Motiv wahrscheinlich von den Sidhe oder so, und von denen kommen in mancher Hinsicht auch Tolkiens Elben, aber mit der Aussage, dass sie "Elfen" seien, wird für meinen Hintergrund mehr verdunkelt als erhellt. Sie sind Schöpfungen, die sehr, sehr wenig mit Tolkiens Elben und den meisten anderen Fantasy-Elfen zu tun haben.

Da dürfte mit reinspielen, daß sie eben wie Tolkiens Elben das jeweils ältere Volk waren und die Menschen nur "Nachkömmlinge" -- was ja auch schon ein uraltes Erzählmuster ist und sich aus diversen historischen Verdrängungen einer bereits angesessenen Volksgruppe durch eine andere "neuere" leicht herleiten läßt.

Ich gebe allerdings zu, daß ich persönlich Melnibonéer, Vadhagh, und wie sie sonst noch heißen, recht definitiv nicht als 08/15-Klischeeelfen einstufen würde. Sie mögen in Moorcocks Welten hier und da eine ähnliche Position einnehmen, das war's dann aber auch im Wesentlichen schon.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 5.02.2026 | 15:13
Wie kommst du darauf, dass sie Elfen waren? Klar, irgendwie kommt das Motiv wahrscheinlich von den Sidhe oder so, und von denen kommen in mancher Hinsicht auch Tolkiens Elben, aber mit der Aussage, dass sie "Elfen" seien, wird für meinen Hintergrund mehr verdunkelt als erhellt. Sie sind Schöpfungen, die sehr, sehr wenig mit Tolkiens Elben und den meisten anderen Fantasy-Elfen zu tun haben.
Die Eldren haben tapering ears werden als Elfin beschrieben ne Menge mit den Noldor gemeinsam, die Melniboneer sind klar die Vorlage für die Drukharii in Warhammer  und ggf andere unnette Elfen.

Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 5.02.2026 | 15:29
Die Eldren haben tapering ears werden als Elfin beschrieben ne Menge mit den Noldor gemeinsam, die Melniboneer sind klar die Vorlage für die Drukharii in Warhammer  und ggf andere unnette Elfen.

Ich verstehe glaube ich schon, was du meinst, trotzdem überzeugt es mich nicht.

"Tapering ears" - wenn es danach geht, wissen wir nicht mal so recht, ob Tolkiens Elben die haben.

Sie haben eine Menge mit den Noldor gemeinsam - ja. Die Menschen in vielen Fantasy-Welten haben auch eine Menge mit den Noldor gemeinsam.

Sie sind die Vorlage für irgendwelche Warhammer-Elben? Na und? Die Klingonen sind die Vorlage für viele moderne Neuinterpretationen von Orks, das macht die Klingonen doch nicht zu Orks.

Ich finde es einfach nicht besonders zielführend, Melnibonéer und Vadhag mit Elfen/Elben, insbesondere der tolkienschen Sorte zusammenzuwerfen. Noch dazu, da Moorcock laut seiner Autobiografie noch nicht einmal irgendetwas von Tolkien gelesen hatte, als er anfing, Elric-Geschichten zu schreiben. In die Richtung kann es also keinen Einfluss gegeben haben. Es gibt gemeinsame Quellen für Tolkien und Moorcock (Siehe Kalevala und Turin/Elric, wobei, ups, Turin ist ein Edain, kein Elb!), aber Moorcock wird aus gutem Grund die Melnibonéer nicht Elfen genannt haben.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Crimson King am 5.02.2026 | 15:30
Wie kommst du darauf, dass sie Elfen waren?

Das wird im Buch Corum explizit gesagt. Sie sind davon abgesehen Angehörige eines alten Volkes, das schon vor den Menschen da war. Dass Elben bei Moorock was anders sind als bei Tolkien, ist davon unbenommen. Dorian Falkenmonds Companion Oladahn ist ein Halbriese.

Das macht Moorcock nicht zu nem EDO-Autor.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 5.02.2026 | 15:44

Das macht Moorcock nicht zu nem EDO-Autor.

Natürlich nicht. Aber die Wahrnehmbarkeit nichtmenschlicher Protagonisten im Hobbit/HdR verleitet doch leicht dazu, bei gleichem oder ähnlichem Volker-Inventar das gleiche Subgenre zu unterstellen, auch wenn es in Bezug auf die meisten anderen Merkmale vielleicht gar nicht gegeben ist.

Und bei Moorcock ist das galt sehr verstreut, und wenn man die Eldren als Elfen verstehen will, könnt selbst diese implizite Verbindung erst über einen nachträglichen Querverweis aus einem unbekannteren Werk bei Elric ins Spiel.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 5.02.2026 | 17:01
Swanosaurus

und elfin ignorierst du

btw zeig mir mal die Rollenspiel Elfen die was mit Tolkiens gemein haben bzw viel?
Moorcrocks Eldarin passen IIRC in der grösse, DnD Elfen sind kleiner und haben mehr mit Menschen gemein als die Aviendhi
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Swanosaurus am 5.02.2026 | 19:08
und elfin ignorierst du

Also, ich nehme es jetzt auch nicht so wichtig, aber genaugenommen würde "elfin" darauf hindeuten, dass es keine Elfen sind (elfin - elfenhaft, koboldhaft, schalkhaft: Ein "elfenhaltes" Gesicht ist gerade kein Elfengesicht, sondern nur ein elfisch anmutendes). Aber so spitzfindig muss man auch nicht sein. Trotzdem: Nicht jede literarische Figur mit einem "elfenhaften" Gesicht ist ein Elf, wenn, dann wird eher umgekehrt ein Schuh draus.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lyonesse am 5.02.2026 | 20:54
Die mysteriösen irischen Sidhe wurden ja schon erwähnt. Ansonsten hat sich Tolkien aber wohl an den nordischen Licht- und Schwarzalben der Edda für seine Elben und Zwerge orientiert. Etwa die Geschichte von den Brüdern Sindri und Brok, die für Loki mächtige magische Gegenstände (u.a. Mjölnir) verbunden mit einer Wette schmieden. Die Lichtalbenbeschreibung geht schon in die Richtung der so ziemlich perfekten Elben von Mittelerde, allerdings gibt es da wohl keine Persönlichkeiten und alles ist eher vage gehalten; aber sie wohnen zumindest schon mal in Alfheim.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 6.02.2026 | 15:59
D&D hat nur den etwas seltsamen Twist mit den EDO Völkern und einigen Klassen wie dem Paladin drin der nicht so wirklich gut passt zum Gesamtkonstrukt.

Gut, das ist ja der Melting Pot der sich aus dem konkreten Spiel damals wohl ergeben hat. Paladine (Artus), Ranger (Overpowered Aragorn) und co. sind ja "erst" mit AD&D dazu gekommen - als "Fan"-Klassen, solche Spieler die unbedingt was ganz besonderes spielen wollen haste ja heute auch noch.  ;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 6.02.2026 | 16:04
Nur als nebensächliche Anmerkung, nicht als Widerspruch:
- Den Ranger gibt es schon in Chainmail. Er ist einfach ein Hero +1 (also bereits overpowered).
- Paladin (Holger aus Dreiherz, ergänzend zu den bereits in Chainmail vorhandenen chaotisch gesinnten Elfen und regenerierenden Trollen aus dem Roman).
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Namo am 6.02.2026 | 16:08
Und nicht zu vergessen den overpowerten Mönch in D&D, der vermutlich auf die von Bruce Lee losgetretene Karate KungFu Welle zurück geht und für mich immer so gar nlcht in die Fantasywelt gehört hat.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Chaos am 6.02.2026 | 16:16
Und nicht zu vergessen den overpowerten Mönch in D&D, der vermutlich auf die von Bruce Lee losgetretene Karate KungFu Welle zurück geht und für mich immer so gar nlcht in die Fantasywelt gehört hat.

Der wird eher von fernöstlicher Literatur inspiriert sind. Der Affenkönig Sun Wukong und seine Gefährten zum Beispiel.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 6.02.2026 | 16:35
Der 3e-Mönch geht auf den 1e-Mönch zurück. Letzterer kommt mir ziemlich schwach vor. Man sagt aber, er sei höchst effizient gegen Zauberkundige einsetzbar.
Warum soll er nicht in Fantasy passen? Er ist nur keine eurozentrische Fantasy-Figur.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 6.02.2026 | 16:38
Jedenfalls deckt sich Melting-Pot-D&D ganz gut mit dem Sword&Sorcery-Genre.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Namo am 6.02.2026 | 16:39
Der wird eher von fernöstlicher Literatur inspiriert sind. Der Affenkönig Sun Wukong und seine Gefährten zum Beispiel.

Tatsächlich durch die Serie Kung-Fu

Zitat
Creative origins
According to TSR employee Tim Kask, the inclusion of the monk in D&D was inspired by fellow employee Brian Blume's love of the TV series Kung Fu:[9]

"[Blume] was a huge Kung Fu fan and he wanted to crawl walls and crap. So that's why they got in there. I do believe that Dave had a sub-order of militant monks in something of his that we may not have included for the sake of brevity."
"I know that Brian was the big push behind monk, because he was running around like a squirrel for several weeks thinking up the monk things and all that, and he was in love with Kung Fu, and he'd come in and talk about last night's episode, and I think he was learning how to play the flute. I wouldn't have put in there."   
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Namo am 6.02.2026 | 16:53
Der 3e-Mönch geht auf den 1e-Mönch zurück. Letzterer kommt mir ziemlich schwach vor. Man sagt aber, er sei höchst effizient gegen Zauberkundige einsetzbar.
Warum soll er nicht in Fantasy passen? Er ist nur keine eurozentrische Fantasy-Figur.

Ich fand den in seiner Gesamtheit gegebüber der typischen Abenteurergruppe einfach fehl am Platz und unlogisch. Damals war D&D ja Gold und magische Gegenstände looten. Schutzgegenstände konnte er nicht tragen, Geld musste gespendet werden um XP zu erhalten. Das klang irgendwie damals recht inkompatibel. Und am anderen Ende war der zumindest in D&D übertrieben stark gegenüber nem Kämpfer. Seine Rüstungsklasse wurde immer besser, am Ende hatte er 4 Angriffe pro Rund und machte mit jedem Angriff ewig viel Schaden, während die Hände wie +5 Waffen zählten. Und dann kam der normale Kämpfer, der damals noch nichtmal mehrere Angriffe pro Runde bekam.

Heute könnte man das sicher rollenspielerisch ganz cool lösen. Damals passte das aber einfach nicht so wirklich. Fanden wir zumindest.

Edit: gerade mal nachgelesen. Der hieß bei DnD aber auch Mystiker und nicht Mönch. Lebte aber auch in einem Orden und Kloster. Das war für mich eigentlich immer ein Mönch.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 6.02.2026 | 17:21
Ah, der BECMI-Mystiker!
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 6.02.2026 | 17:46
Tatsächlich durch die Serie Kung-Fu

Die Serie soll ja von Bruce Lee gepitcht worden sein (https://en.wikipedia.org/wiki/Kung_Fu_(1972_TV_series)#Question_of_Bruce_Lee's_involvement), aber die TV-Verantwortlichen konnten sich keinen Asiaten in einer Hauptrolle vorstellen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 6.02.2026 | 17:51
Gut, das ist ja der Melting Pot der sich aus dem konkreten Spiel damals wohl ergeben hat. Paladine (Artus), Ranger (Overpowered Aragorn) und co. sind ja "erst" mit AD&D dazu gekommen - als "Fan"-Klassen, solche Spieler die unbedingt was ganz besonderes spielen wollen haste ja heute auch noch.  ;D

Selbst der Kleriker ist ja eine Fan-Klasse, weil jemand unbedingt Van Helsing spielen wollte.

Haha, nochmals gegooglet und das klingt noch besser. Es gab zuvor angeblich schon einen Vampir-Spielercharacter by Dave Arneson.

Zitat
The cleric was introduced into Dave Arneson's game as an undead hunter, like Abraham Van Helsing from Dracula, in response to a vampire PC (early Blackmoor having been competitive between good and bad PCs). It later had the blunt weapon restriction and divine magic tacked on as later elements, the latter coming to heavily define the class.

Zitat
The original D&D vampire actually pre-dates D&D, and was a player character called Sir Fang in Dave Arneson's original Blackmoor campaign. He was your typical Hammer Horror Dracula-style vampire, who got so overpowered that Dave Arneson had to come up with something so the other players have a fighting chance. Thus the cleric class was born, based on the Hammer Horror version of van Helsing, with the addition of some healing magic and a hint of Bishop Odo of Bayeoux.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 6.02.2026 | 18:12
Die Serie soll ja von Bruce Lee gepitcht worden sein (https://en.wikipedia.org/wiki/Kung_Fu_(1972_TV_series)#Question_of_Bruce_Lee's_involvement), aber die TV-Verantwortlichen konnten sich keinen Asiaten in einer Hauptrolle vorstellen.

Das liebe Management und seine schon geradezu sprichwörtliche Offenheit für neue Ideen halt. ::) Womit ich nichts gegen David Carradine in der Rolle gesagt haben will, der Mann halt sie eben auf seine Weise ausgefüllt und zur Kulturikone gemacht.

Aber ja, der klassische "Kung-Fu-Mönch", der als Archetyp geradezu davon lebt, "exotisch" zu sein und alle möglichen und unmöglichen Tricks draufzuhaben, gegen die "normale" Kämpfer mit oder ohne Waffen bitteschön auch angemessen blaß aussehen sollen, paßt natürlich in ein stereotypes Fäntelropa erst mal nicht so gut oder höchstens als einigermaßen seltener Besucher von außerhalb. Prinzipiell kann man solche und ähnliche Gestalten ebenso natürlich trotzdem integrieren, aber weil man dabei gegen beim Publikum bereits etablierte Klischees anarbeiten muß, hat man entsprechend mehr Arbeit vor sich, bevor dieses einigermaßen akzeptiert, daß sie in diesem speziellen Fall doch "passen".
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 6.02.2026 | 19:05
Selbst der Kleriker ist ja eine Fan-Klasse, weil jemand unbedingt Van Helsing spielen wollte.

Haha, nochmals gegooglet und das klingt noch besser. Es gab zuvor angeblich schon einen Vampir-Spielercharacter by Dave Arneson.

Klingt etwas seltsam aus der heutigen Sicht, aber okay, wir waren da als Teenager wahrscheinlich auch nicht besser.  ;D
Zu Whitebox-Zeiten konntest du ja noch eh alles spielen,  die Einschränkung war ja lediglich, dass man "schwach" startet (und zur Zeit von Arnesons Blackmoor-Kampagne war alles sicherlich noch wilder, weil eben keine offiziellen Regeln)

Edit: gerade mal nachgelesen. Der hieß bei DnD aber auch Mystiker und nicht Mönch. Lebte aber auch in einem Orden und Kloster. Das war für mich eigentlich immer ein Mönch.

Apropos Blackmoor, das Supplement II hatte schon 1975 (also lange vor BECMI) den Monk (nicht Mystic) als Zusatzklasse am Start (und den Assassin, basierend auf dem Thief, der ja auch erst mit Greyhawk kam und noch nicht Teil der White Box war (der Cleric übrigens schon)).
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: General Kong am 6.02.2026 | 19:57
Die Serie soll ja von Bruce Lee gepitcht worden sein (https://en.wikipedia.org/wiki/Kung_Fu_(1972_TV_series)#Question_of_Bruce_Lee's_involvement), aber die TV-Verantwortlichen konnten sich keinen Asiaten in einer Hauptrolle vorstellen.

Kann man ja verstehen. Wer käme auch auf die Idee, dass ein Kung Fu-Mönch Chinese sein könnte!?! Haha! Echt! Die Leuts ...
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 6.02.2026 | 23:29
Apropos Blackmoor, das Supplement II hatte schon 1975 (also lange vor BECMI) den Monk (nicht Mystic) als Zusatzklasse am Start (und den Assassin, basierend auf dem Thief, der ja auch erst mit Greyhawk kam und noch nicht Teil der White Box war (der Cleric übrigens schon)).

You win the thread!!  ~;D :headbang:
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Ainor am 7.02.2026 | 10:15
Die Serie soll ja von Bruce Lee gepitcht worden sein (https://en.wikipedia.org/wiki/Kung_Fu_(1972_TV_series)#Question_of_Bruce_Lee's_involvement), aber die TV-Verantwortlichen konnten sich keinen Asiaten in einer Hauptrolle vorstellen.

Naja, "It is alleged that an unnamed ABC executive said". Ziemlich unwahrscheinlich wenn man bedenkt dass Warner Brothers ein jahr später Enter the Dragon mit ihm in der Hauptrolle gedreht hat.

Ich fand den in seiner Gesamtheit gegebüber der typischen Abenteurergruppe einfach fehl am Platz und unlogisch. Damals war D&D ja Gold und magische Gegenstände looten.

Auch damals gab es schon Ausblicke auf was anderes. Aber wenn man strikt auf der "SC sind Schatzsucher" Position steht dann passen Paladin, Waldläufer, Kleriker und Druiden auch nicht wirklich rein.

Aber ja, der klassische "Kung-Fu-Mönch", der als Archetyp geradezu davon lebt, "exotisch" zu sein und alle möglichen und unmöglichen Tricks draufzuhaben, gegen die "normale" Kämpfer mit oder ohne Waffen bitteschön auch angemessen blaß aussehen sollen, paßt natürlich in ein stereotypes Fäntelropa erst mal nicht so gut oder höchstens als einigermaßen seltener Besucher von außerhalb.

Jupp. Genau so kann man ihn reinbringen. Ich verwende Monks z.B. als Hashashin im Fäntelropa.
Ist auch nicht schräger als fellbehängte Barbarenkrieger im Spätmittelalter.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 7.02.2026 | 10:45
Auch damals gab es schon Ausblicke auf was anderes. Aber wenn man strikt auf der "SC sind Schatzsucher" Position steht dann passen Paladin, Waldläufer, Kleriker und Druiden auch nicht wirklich rein.
Eine etwas dogmatische Einstellung.  ;)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Issi am 7.02.2026 | 12:52
@
Ainor

Lass den Schatz mal ein Artefakt sein, göttlich, dämonisch, whatever.
Dann sind die Kleriker und Magie Begabten auf einmal unentbehrlich.

Und selbst bei gänzlich unmagischen Dingen, hat noch nie jemand geschadet, der Wunden heilen oder zaubern etc kann.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Kurna am 7.02.2026 | 12:55
@
Ainor

Lass den Schatz mal ein Artefakt sein, göttlich, dämonisch, whatever.
Dann sind die Kleriker und Magie Begabten auf einmal unentbehrlich.

Und selbst bei gänzlich unmagischen Dingen, hat noch nie jemand geschadet, der Wunden heilen oder zaubern etc kann.

Ich vermute, Ainor hat das mehr aus der Sicht der jeweiligen Charaktere betrachtet, denen halt so eine reine "Looter-Mentalität" fremd sein dürfte.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Issi am 7.02.2026 | 13:00
Ich vermute, Ainor hat das mehr aus der Sicht der jeweiligen Charaktere betrachtet, denen halt so eine reine "Looter-Mentalität" fremd sein dürfte.
Naja, das kommt ganz auf den Abenteuer Einstieg an.
An wen richtet sich der „Auftrag“?

Sowas wie „Haben ne Schatzkarte gefunden, lasst uns looten gehen !“
Nutzt sich relativ schnell ab

Edit.
Zumal es unter lauter Lootern einen vorprogrammierten Streit geben dürfte, wer das beste Stück vom Kuchen kriegt.
Evtl. sogar Strategien wie man alles für sich behalten kann, wenn man die „Gefährten“ loswird bzw. hinters Licht führt.

Edit.
Da ist jmd. der sagen kann: Dieser Gegenstand ist verflucht/heilig, den kann niemand haben, der muss ins Kloster X gebracht werden.
Oder auch jmd. dem er nicht ganz so wichtig ist, ob er das meiste und beste abgreift, schon Balsam für den Zusammenhalt.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Namo am 7.02.2026 | 13:31
Auch damals gab es schon Ausblicke auf was anderes. Aber wenn man strikt auf der "SC sind Schatzsucher" Position steht dann passen Paladin, Waldläufer, Kleriker und Druiden auch nicht wirklich rein.

Mein Satz bezog ich darauf, dass es damals in D&D eben Erfahrungspunkte für Gold und Schätze gab. Daher war ja auch der nächste Dungeon immer recht schnell um die Ecke. Und da kommt dann so eine Mönch daher und soll plötzlich Gold für sein Kloster sammeln - obwohl er ja eher auf Wanderschaft ist und die Welt kennenlernen soll. Für uns hat das ganze Konzept einfach nicht wirklich stimmig in die Abenteuergruppe gepasst. Aber wie gesagt - da war auch das Problem, dass der von den Werten und Fähigkeiten einfach übertrieben stark wurde und so dann eher noch Powergaming förderte. Und pickelige Jugendliche wie wir damals waren förderte das wiederum eher böses Grinsen anstelle des Satzes "Mit großer Macht kommt große Verantwortung".

Aber da ich inzwischen auch weiß, woher die Inspiration für die Klasse kam, wundere ich mich nicht mehr, warum sie sich damals so falsch angefühlt hat.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 7.02.2026 | 17:49
Aber wie gesagt - da war auch das Problem, dass der von den Werten und Fähigkeiten einfach übertrieben stark wurde und so dann eher noch Powergaming förderte.

Ich bin immer noch nicht sicher, welchen du jetzt meinst. Den aus der Black Box: Master Rules?

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Namo am 7.02.2026 | 18:27
Den Mystic aus der D&D Rules Cyclopedia. :)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 7.02.2026 | 18:47
Eins scheint mir jedenfalls recht sicher: "Mönche" passen weder im einen noch im anderen Sinne des Wortes wirklich in Tolkiens Welt, die müssen ihre Inspiration also da, wo auch immer sie in der "Standardfantasy" auftauchen mögen, tatsächlich aus einer anderen Quelle beziehen. :)

Wobei der offensichtlichste Hinweis darauf, wo die D&D-Klasse ihre Inspiration her hat, doch direkt im Namen selbst liegt. Klöster gabs ja auch im historischen Mittelalter reichlich, aber deren Bewohner waren allgemein eher nicht so für ihre fliegenden Fäuste bekannt (sonst wäre die eine oder andere Plünderung auch anders ausgegangen!), und umgekehrt waren die "asiatischen" Kampfkünste im fernen Osten längst nicht bloß das Vorrecht einer besonders philosophisch-geistlichen Schicht, sondern wesentlich weiter verbreitet. Es mag durchaus neben dem Shaolintempel schlechthin noch ein paar andere gegeben haben, in denen die örtlichen Mönche im Namen der Erleuchtung spirituelles Arschtreten eingeübt haben (und ich halte das sogar für eher wahrscheinlich, hab's aber nicht recherchiert), aber die enge Verbindung zwischen "Klosterbruder" einer- und "waffenlosem Kampfkünstler" andererseits, die D&D da suggeriert, findet sich in der freien Wildbahn eben nur in ein paar recht speziellen Zusammenhängen.

Wobei ganz allgemein betrachtet waffenlose Kampftechniken ja ohnehin gar kein speziell "fernöstliches" Phänomen sind -- Boxen, Ringen, und noch so ein paar andere Tricks haben auch bei uns schon eine ewig lange Geschichte. Nur, natürlich sind die dann für uns einfach nur noch "normal" und nichts besonders Exotisches mehr, was dann vielleicht ein Stück weit erklären mag, warum zumindest unsere naive Vorstellung von einem effektiven waffenlosen Kämpfer unserer Schule bei allem Training, das er "nebenbei" auch noch absolviert haben mag, in erster Linie schlicht seine Muckis betont... :think:
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Fuchs am 7.02.2026 | 20:04
Wobeie der offensichtlichste Hinweis darauf, wo die D&D-Klasse ihre Inspiration her hat, doch direkt im Namen selbst liegt. Klöster gabs ja auch im historischen Mittelalter reichlich, aber deren Bewohner waren allgemein eher nicht so für ihre fliegenden Fäuste bekannt (sonst wäre die eine oder andere Plünderung auch anders ausgegangen!)

Was? In „Lasko - die Faust Gottes“ war alles nur erfunden?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 7.02.2026 | 20:20
Wobei der offensichtlichste Hinweis darauf, wo die D&D-Klasse ihre Inspiration her hat, doch direkt im Namen selbst liegt. Klöster gabs ja auch im historischen Mittelalter reichlich, aber deren Bewohner waren allgemein eher nicht so für ihre fliegenden Fäuste bekannt (sonst wäre die eine oder andere Plünderung auch anders ausgegangen!), und umgekehrt waren die "asiatischen" Kampfkünste im fernen Osten längst nicht bloß das Vorrecht einer besonders philosophisch-geistlichen Schicht, sondern wesentlich weiter verbreitet. Es mag durchaus neben dem Shaolintempel schlechthin noch ein paar andere gegeben haben, in denen die örtlichen Mönche im Namen der Erleuchtung spirituelles Arschtreten eingeübt haben (und ich halte das sogar für eher wahrscheinlich, hab's aber nicht recherchiert), aber die enge Verbindung zwischen "Klosterbruder" einer- und "waffenlosem Kampfkünstler" andererseits, die D&D da suggeriert, findet sich in der freien Wildbahn eben nur in ein paar recht speziellen Zusammenhängen.

Ja, und bei den alten D&D-Schinken ist das sogar noch viel einfacher, weil da ja jede Stufe in einer Klasse auch einen Titel hat.  :)
Und wenn man sich das beim Ur-Monk ansieht, dann ist ziemlich klar, dass der (1.) aus der fernöstlichen Ecke kommt und (2.) das mit der Kung Fu-Serie nur ein Teil der Wahrheit sein kann - das liest sich einmal wie 70er-Jahre-Hongkong-Kino runter...  ;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 7.02.2026 | 20:47
Was? In „Lasko - die Faust Gottes“ war alles nur erfunden?

Ich fürchte, dem war so. :'(

Etwas ernsthafter: natürlich wird's selbst in eher friedlichen historischen Klöstern auch mal kampferprobte Typen gegeben haben -- die kirchliche Laufbahn für nachrangige Adelssprößlinge ohne gute Erbaussichten war ja beispielsweise nicht unüblich, und für so manche Leute waren diese Orte auch einfach eine Zufluchtsstätte aus einem sonst verkorksten Leben --, und auch die Templer und Johanniter waren ihrerzeit ja eine Form von "geistlichem Orden", nur halt im Kampf lieber mit Schwert, Schild, und Kettenhemd. Aber die bildet natürlich seinerseits der "traditionelle" D&D-Mönch eher nicht ab. :)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Kurna am 7.02.2026 | 20:50
Nicht vergessen, so mancher Abt und Bischof hat seine eigenen Truppen(-teile) im Mittelalter auch in die Schlacht geführt. Die konnten durchaus auch soldatisch aktiv sein.
Aber klar, der Mönch bei D&D geht schon deutlich eher in die östliche Richtung.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 7.02.2026 | 20:54
Das wäre ja dann der Kleriker (Bischof Odo + van Helsing).
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Kurna am 7.02.2026 | 21:03
Das wäre ja dann der Kleriker (Bischof Odo + van Helsing).
Ja genau. Das sehe ich auch so.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Fuchs am 7.02.2026 | 21:27

Das einzige mir bekannte, prominente Beispiel für einen kämpfenden christlichen Mönch, welcher sich seit dem Spätmittelalter bis heute in der Literatur etabliert hat, ist Bruder Tuck.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: General Kong am 8.02.2026 | 07:37
Don Camillo ist auch Kleriker. Und schlägt ne harte Kelle!
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 8.02.2026 | 09:26
Don Camillo ist auch Kleriker. Und schlägt ne harte Kelle!

Don Camillo hat mein Bild davon, wie ein "richtiger" Kleriker sich wohl verhalten würde, definitiv mitgeprägt. Der Mann hat ein persönliches Verhältnis zu seinem Chef, von dem viele D&D-Zauberpriester eigentlich nur träumen können, und das, obwohl sie von ihren deutlich mehr "bloße" weltlich-magische Macht verliehen kriegen! ;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 8.02.2026 | 09:34
Was? In „Lasko - die Faust Gottes“ war alles nur erfunden?
I.66 dort sind Mönche, keine Ordensritter, mit Schwert und Schild Kampfübungen durch führend  abgebildet.
Bei den japanischen war u.a, auch mkn die Naginata sehr beliebt
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Fuchs am 8.02.2026 | 10:25
Don Camillo hat mein Bild davon, wie ein "richtiger" Kleriker sich wohl verhalten würde, definitiv mitgeprägt. Der Mann hat ein persönliches Verhältnis zu seinem Chef, von dem viele D&D-Zauberpriester eigentlich nur träumen können, und das, obwohl sie von ihren deutlich mehr "bloße" weltlich-magische Macht verliehen kriegen! ;D

Dazu noch die Bereitschaft bei entsprechend großer Bedrohung für die Menschen auch zu drastischeren Mitteln zu greifen  und mit vermeintlichen „Feinden“ der Religion zusammenzuarbeiten um die Situation der Menschen zu verbessern. (Kampf als Partisane an der Seite der Kommunisten)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 8.02.2026 | 11:27
Dazu noch die Bereitschaft bei entsprechend großer Bedrohung für die Menschen auch zu drastischeren Mitteln zu greifen  und mit vermeintlichen „Feinden“ der Religion zusammenzuarbeiten um die Situation der Menschen zu verbessern. (Kampf als Partisane an der Seite der Kommunisten)

Yep. Herz am rechten Fleck und alles, was dazugehört. Natürlich paßt das wiederum nicht unbedingt zu jedem Fantasypriester gleichermaßen, aber die anderen Sorten sind dann halt die, mit denen man sich normalerweise kabbelt -- und in einer polytheistischen Welt, wie man sie ja standardmäßig meist vorfindet, sollte religiöse Toleranz mMn ohnehin eher ausgeprägter sein. Denn der in dieser Hinsicht ausschlaggebende Unterschied zwischen Poly- und Monotheismus ist doch, daß der Polytheist überzeugt ist, daß die Welt alle diese Götter (oder wenigstens die meisten 8]) zum Funktionieren tatsächlich braucht...
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: General Kong am 8.02.2026 | 11:42
Kein Apollo-Priester im antiken Griechenland käme auf die Idee, dass es Zeus nicht gäbe, er eine "falsche" Gottheit wäre oder Apollo "höher" wäre als der Göttervater.

Er agiert heno-theistisch (Apollo ist seine bevorzugete Gottheit) oder ist einfach der bestellte oder z.T. ausgeloste Priester, der Apollos Verehrung bestellen muss zum Nutzen der Gemeinschaft - deren einer Teil darin besteht, dass Apollo nicht sauer wird, weil man ihm nicht opfert und verehrt.

Das ist keine Toleranz im moderne Sinne, denn der Apollo-Priester hält ja nicht aus (tolerare), dass andere auch andere Götter verehren, er versieht eher einen besonderen Dienst. Der Zeus-Priester einen anderen.

Er würde wohl auch nicht bestreiten, das Isis, Osiris und Baal mächtige und reale Götter sind - in Ägypten und Karthago/ Phönizien. Und sogar vielleicht nur eine besondere Verehrungsform seiner Götter dort. Aber in Griechenland hat Baal halt nichts zu betellen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 8.02.2026 | 12:20
Kein Apollo-Priester im antiken Griechenland käme auf die Idee, dass es Zeus nicht gäbe, er eine "falsche" Gottheit wäre oder Apollo "höher" wäre als der Göttervater.

Er agiert heno-theistisch (Apollo ist seine bevorzugete Gottheit) oder ist einfach der bestellte oder z.T. ausgeloste Priester, der Apollos Verehrung bestellen muss zum Nutzen der Gemeinschaft - deren einer Teil darin besteht, dass Apollo nicht sauer wird, weil man ihm nicht opfert und verehrt.

Das ist keine Toleranz im moderne Sinne, denn der Apollo-Priester hält ja nicht aus (tolerare), dass andere auch andere Götter verehren, er versieht eher einen besonderen Dienst. Der Zeus-Priester einen anderen.

Er würde wohl auch nicht bestreiten, das Isis, Osiris und Baal mächtige und reale Götter sind - in Ägypten und Karthago/ Phönizien. Und sogar vielleicht nur eine besondere Verehrungsform seiner Götter dort. Aber in Griechenland hat Baal halt nichts zu betellen.

In etwa darauf will ich hinaus, ja. Es ist auch leicht vorstellbar, daß sich ein hinreichend kleiner Ort, wenn überhaupt, nur einen Priester oder gar einen oft leerstehenden, aber von der Gemeinde trotzdem sauber gehaltenen und regelmäßig besuchten Schrein für alle zumindest für die Einwohner wichtigen Götter leisten kann -- wichtig ist für diese Leute ja die Verehrung und angestrebte Kommunikation mit denen an sich, nicht der Exklusivitätsanspruch dieser oder jener Spezialistenpriesterschaft.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 8.02.2026 | 14:07
Oder Priester ist einfach der jenige, der Regelmässig die Riten Opferungen usw durchführt, einer der Großen des Ortes, jemand der da regelmässig durchkommt oder vom lokalen Zentraltempel/Heiligtum hingeschickt wird
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 8.02.2026 | 16:25
Zumal der D&D Kleriker nun mal bis ins mittelspäte AD&D2 auch überhaupt kein Priester war...  ;)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 8.02.2026 | 19:49
Rein als spekulative Gedankenblase ist mir noch eine andere Inspirationsquelle für Tolkiens Orks eingefallen, die für mich prinzipiell halbwegs plausibel erscheint, von der ich aber nicht weiß, wie weit er mit ihr vertraut war: die "Zeitmaschine" von H.G. Wells und dort insbesondere die Morlocks. Inwieweit man Wellses Eloi mit Tolkiens Elben vergleichen will, sei jedem selbst überlassen (ich sähe da schon ein paar rein ästhetische Wir-sind-hübsch-und-leben-im-Paradies-Parallelen, insbesondere in der alten Zeit, die nur das Silmarilion abdeckt, aber in Sachen Eigeninitiative, Schlagkraft gegen ihre Feinde, und noch ein paar anderen Aspekten gehen sie dann doch recht weit auseinander), aber wenn mir jemand erzählen wollte, die Morlocks wären die Vorlage, von denen Tolkien seine Orks abgepaust und sie dann nur noch in seine Weltzeitlinie eingepaßt hat...ich müßte halt einigermaßen klare Belege finden, daß er diese Erzählung in seiner Jugend oder so mal gelesen hat, dann klänge das für mich tatsächlich einigermaßen glaubhaft.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Gunthar am 8.02.2026 | 20:04
Apropos Orks. Die sollte es angeblich schon in der Beowulf-Saga drin gewesen sein.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 8.02.2026 | 20:26
zeige sie uns
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 8.02.2026 | 20:35
zeige sie uns

Zitat
Old English glossaries record the word orc corresponding with Latin Orcus (deity of the Underworld), and synonymous with þyrs/ðyrs "ogre" (cognate to Old Norse: þurs), as well as "hell devil".

The lone literary example is from Beowulf, and its poet found use of the orc- stem in orcneas, one of the tribes of creatures named alongside elves and ettins (giants) that have been condemned by God:

þanon untydras ealle onwocon
eotenas ond ylfe ond orcneas
swylce gigantas þa wið gode wunnon
lange þrage he him ðæs lean forgeald
—Beowulf, Fitt I, vv. 111–14

Thence all evil broods were born,
ogres and elves and evil spirits
—the giants also, who long time fought with God,
for which he gave them their reward
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: klatschi am 8.02.2026 | 22:15
Kein Apollo-Priester im antiken Griechenland käme auf die Idee, dass es Zeus nicht gäbe, er eine "falsche" Gottheit wäre oder Apollo "höher" wäre als der Göttervater.

Er agiert heno-theistisch (Apollo ist seine bevorzugete Gottheit) oder ist einfach der bestellte oder z.T. ausgeloste Priester, der Apollos Verehrung bestellen muss zum Nutzen der Gemeinschaft - deren einer Teil darin besteht, dass Apollo nicht sauer wird, weil man ihm nicht opfert und verehrt.

Das ist keine Toleranz im moderne Sinne, denn der Apollo-Priester hält ja nicht aus (tolerare), dass andere auch andere Götter verehren, er versieht eher einen besonderen Dienst. Der Zeus-Priester einen anderen.

Er würde wohl auch nicht bestreiten, das Isis, Osiris und Baal mächtige und reale Götter sind - in Ägypten und Karthago/ Phönizien. Und sogar vielleicht nur eine besondere Verehrungsform seiner Götter dort. Aber in Griechenland hat Baal halt nichts zu betellen.

Danke für den Post, einfach gut zusammengefasst - es ist sicherlich einfach eine vollkommen andere Gedanken- und Vorstellungswelt und hat nichts mit modernen Anschauungen an die eigene Rolle und vor allem auch den eigenen Glauben zu tun.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Ainor am 9.02.2026 | 16:14
Eine etwas dogmatische Einstellung.  ;)

Passend zum Paladin :)
Und zumindest Paladin & Ranger durften ja nicht unbeschränkt looten. Insofern war schon in AD&D1 Looten als oberstes Spielziel nicht mehr so ganz unproblematisch.

Kein Apollo-Priester im antiken Griechenland käme auf die Idee, dass es Zeus nicht gäbe, er eine "falsche" Gottheit wäre oder Apollo "höher" wäre als der Göttervater.

Er agiert heno-theistisch (Apollo ist seine bevorzugete Gottheit) oder ist einfach der bestellte oder z.T. ausgeloste Priester, der Apollos Verehrung bestellen muss zum Nutzen der Gemeinschaft - deren einer Teil darin besteht, dass Apollo nicht sauer wird, weil man ihm nicht opfert und verehrt.

Moment. In Bezug auf Zeus und Apollo ist er (je nachdem wann genau) nicht henotheistisch sondern erstmal vermutlich ganz klassisch polytheistisch. Und seine Religion ist nicht Apollo sondern das klassische griechische Pantheon.

Das ist keine Toleranz im moderne Sinne, denn der Apollo-Priester hält ja nicht aus (tolerare), dass andere auch andere Götter verehren, er versieht eher einen besonderen Dienst. Der Zeus-Priester einen anderen.

Das ist richtig, aber eine Toleranz anderer Religionen ist ja auch nicht nötig, denn der Zeuspriester gehört prinzipiell zur selben Religion. Das ist nicht viel anders als katholische Mönche verschiedener Orden.

Er würde wohl auch nicht bestreiten, das Isis, Osiris und Baal mächtige und reale Götter sind - in Ägypten und Karthago/ Phönizien. Und sogar vielleicht nur eine besondere Verehrungsform seiner Götter dort. Aber in Griechenland hat Baal halt nichts zu betellen.

Hier wird es spannend. Die Römer haben z.B. germanische Götter als andere Namen/Verehrungsformen ihrer Götter betrachtet (Römer und Griechen natürlich auch). Aber bei Kriegen zwischen Antiken Völkern war das oft auch anders. Man hat nicht so sehr bestritten dass die Götter der Gegner existieren denn das ist eher ein moderner Ansatz, und viele Götter waren ja durch ihre Statuen/Idole/etc. päsent. Aber man ging typischerweise davon aus dass die Götter der Gegner machtlos waren, was ja durch die Niederlage der Gegner bewiesen wurde.

Zumal der D&D Kleriker nun mal bis ins mittelspäte AD&D2 auch überhaupt kein Priester war...  ;)

Warum dies?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 9.02.2026 | 17:01
Warum dies?

Weil der gute zum Beispiel keinerlei priesterlichen Aufgaben wahrnimmt. Weil Beschreibungen ihn eigentlich immer als kämpfenden Arm seiner Kirche (und ich schreibe hier bewusst Kirche, denn die Charakterklasse entspringt ja erst einmal keinen polytheistischen Vorbildern) darstellen. Und weil auch später Quellmaterialien klar zwischen Priestern und Tempelbediensteten und der Charakterklasse Kleriker unterscheiden. Vom Vibe her schreit für mich der Kleriker immer Ordensritter/-krieger, aber niemals Priester. Auch die Charakterentwicklung ab Namensstufe legt das nahe: die gründen keine Kirche, sondern haben Land und scharen (fanatische) Anhänger um sich. Klingt für mich nicht sehr priesterlich. :)

Passend zum Paladin :)
Moment. In Bezug auf Zeus und Apollo ist er (je nachdem wann genau) nicht henotheistisch sondern erstmal vermutlich ganz klassisch polytheistisch. Und seine Religion ist nicht Apollo sondern das klassische griechische Pantheon.

Das würde ich ähnlich sehen, den Göttervätern wurde eigentlich in allen antiken Kulturen deutlich weniger aktive Verehrung zugetan als man das gerne mal so darstellt (gilt übrigens auch für die Altskandinavier, der Odinismus ist da so ein Sonderfall, aber der spielte halt zeitlich nur sehr kurz wirkllich eine Rolle). Deshalb ganz klar Polytheismus. Trotzdem macht der Begriff der "Religion" hier wenig Sinn und den hätte ein antiker Mensch so auch nicht geteilt. Die Verehrung eines Apollo-Priesters (egal ob jetzt freiwillig oder als Berufspflicht) gilt natürlich zuallererst Apollo, die anderen Götter dürften im Alltag des normalen Griechen natürlich eine Rolle gespielt haben, aber der Alltag des Apollo-Priesters war es nun einmal, Apollo zu verehren.

Und zu dem "mein Gott ist besser als dein Gott". Lass das mal stecken. Das ist eine Romantisierung der "Wilden" aus dem 19. Jhd und so absolut nicht haltbar. Die indo-europäischen Pantheii waren weder scharf abgegrenzt noch in Konkurrenz zueinander. Und auch der Austausch mit dem drumherum war natürlich extrem aktiv. Sieh dir nur mal an, wie beliebt der Isiskult irgendwann im römischen Reich war.

Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 9.02.2026 | 17:03
Zitat
Passend zum Paladin :)
Und zumindest Paladin & Ranger durften ja nicht unbeschränkt looten. Insofern war schon in AD&D1 Looten als oberstes Spielziel nicht mehr so ganz unproblematisch.

Zum Hochleveln mussten sie looten.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 9.02.2026 | 17:18
Vom Vibe her schreit für mich der Kleriker immer Ordensritter/-krieger, aber niemals Priester.

...und kommt sich dann prompt mit dem Paladin ins Gehege -- von irgendwelchen "regulären" Kriegern, die sich einfach nur in den Dienst der jeweiligen heiligen Sache gestellt haben und eigentlich auch "bloß" geeignete Gegenstände brauchen, um ebenfalls magisch herumalbern zu können, ganz abgesehen.

Also, in der Hinsicht könnten die D&D-Archetypen allemal etwas mehr Trennschärfe vertragen. ;)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 9.02.2026 | 17:26
Zumal der D&D Kleriker nun mal bis ins mittelspäte AD&D2 auch überhaupt kein Priester war...  ;)

Also so einfach ist es auch nicht. Der Druide ist schließlich bei AD&D1 eine Sub-Klasse des Klerikers.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 9.02.2026 | 18:29
Also so einfach ist es auch nicht. Der Druide ist schließlich bei AD&D1 eine Sub-Klasse des Klerikers.

Und der priestert jetzt was?

...und kommt sich dann prompt mit dem Paladin ins Gehege -- von irgendwelchen "regulären" Kriegern, die sich einfach nur in den Dienst der jeweiligen heiligen Sache gestellt haben und eigentlich auch "bloß" geeignete Gegenstände brauchen, um ebenfalls magisch herumalbern zu können, ganz abgesehen.

Also, in der Hinsicht könnten die D&D-Archetypen allemal etwas mehr Trennschärfe vertragen. ;)

Finde ich gar nicht. Der Paladin ist der klassische Ritter der Tafelrunde, den sehe ich da nicht in Konkurrenz zum Kleriker.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lyonesse am 9.02.2026 | 18:34
Finde ich gar nicht. Der Paladin ist der klassische Ritter der Tafelrunde, den sehe ich da nicht in Konkurrenz zum Kleriker.
Kann man so sehen, aber ich würde bei Mitgliedern der Tafelrunde o.ä. eher zum Cavalier o.ä. tendieren.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 9.02.2026 | 18:43
Kann man so sehen, aber ich würde bei Mitgliedern der Tafelrunde o.ä. eher zum Cavalier o.ä. tendieren.

Richtig, allerdings stand der Cavalier erst mit Unearthed Arcana zur Verfügung, gilt also nur halb
(Ich schäme mich übrigens NICHT dafür, hier so furchtbar herumzunerden, ihr macht das ja auch alle).  ~;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 9.02.2026 | 19:09
Wir müssten ja viel weniger nerden wenn genügend Leute jetzt mal so langsam die Ursprungsthese als widerlegt ansehen würden.  ;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 9.02.2026 | 19:18
Und der priestert jetzt was?

Die Charakterisierung der Kleriker in AD&D1 PHB:
Zitat
This class of character bears a certain resemblance to religious orders of knighthood of medieval times.

Da passt die Sub-Klasse Druide meiner Ansicht nach nicht hinein. Die ist schon deutlich näher an einem Priester.

Bei AD&D2 kommt dann natürlich das Complete Priest's Handbook statt eines Complete Cleric's Handbooks.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 9.02.2026 | 19:27
Das mit den Subklassen ist ja auch ein Konzept, dass sich über die verschiedenen Editionen massiv verändert hat. Meine Empfindens nach zeichnet sich die Subklassierung bis einschließlich AD&D1 vor allem dadurch aus, dass Klassen dieselben THAC0s und Rettungswürfe verwenden. Inhaltlich dagegen sind die Subklassen ja irgendwie schon radikal anders, und der Druide ist da nun keine Ausnahme (Monk war übrigens auch erstmal ne Klerikersubklasse. Viel Spaß da Gemeinsamkeiten zu finden…)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 9.02.2026 | 19:53
Okay, mittlerweile ist das Thema ziemlich weit ab vom Schuss. Ich fasse noch mal ein paar Sachen zusammen für mich:

- viele zentrale D&D Konzepte entstammen mythologischen Ideen, ganz zentral für Gygax ist auch Poul Andersons Three Hearts and Three Lions (übrigens auch Elfen und Trolle…) sowie Vance’s Dying Earth.
- das Fantasysupplement zu Chainmail hat massive Anleihen beim Herrn der Ringe gemacht. Die kamen dann auch zumindest vom Namen her bei D&D unter. Wohlgemerkt vom Namen her, inhaltlich sind Greyhawk, Blackmoor und co doch ziemlich weit von Mittelerde weg
- Charakterklassen haben viel eher ihren Ursprung im Sword & Sorcery Genre. Ausnahme: der Ranger als frühes „broken Powergaming“  ~;D
- Über Monks und Clerics kann man wunderbar streiten, aber auch die haben mit Mittelerde herzlich wenig zu tun.

Der große Krieg von gut und böse, unsterbliche Elben, nahezu allmächtige Zauberer, die haben irgendwann auf D&D abgefärbt. Maßgeblich für D&D waren sie aber erstmal maximal aus Marketingründen. Im Design finden sie sich dagegen kaum wieder.

Ich würde verneinen, dass Fantasy (vor allem im Rollenspiel)  so zentral von Tolkien beeinflusst ist. Spannend wäre da maximal noch die Frage, wann ist das gekippt und warum?

Denn, auch Runequest zum Beispiel war von Anfang an nicht sehr tolkienesk. Hey, selbst DSA nicht.

Meine These wäre eher, dass ganze Rollenspielgenerationen tolkinesfiziert worden sind und deshalb überall Mittelerde gesehen haben, auch wenns weit her geholt war. Schlicht und einfach weil sie die anderen Inspirationen nicht kannten.  :)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 9.02.2026 | 20:03
Sehr gut zusammengefasst.  :d
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 9.02.2026 | 20:16
Ich denke, das Ganze hat mit Tolkien selbst weniger zu tun. Es war halt die historische Quasi-Zufallsentscheidung, die dazu führte, daß (A)D&D lange Zeit in erster Linie die "klassischen Tolkien-Völker" als die Standardoptionen für Spielercharaktere schlechthin gepusht hat...und das färbt dann natürlich einmal auf den (Fantasy-)Rollenspielmarkt und dann auch auf Macher in anderen Medien ab, die mal irgendwann von diesem Affen gebissen worden sind oder wenigstens gehört haben, daß das wohl populär und damit gewinnbringend sein soll.

Okay, speziell im Bereich Literatur gibt's sicher auch noch das eine oder andere Produkt, das direkter von Tolkien selbst inspiriert worden ist (die Shannara-Reihe ist dafür ja wohl ein Stück weit berühmt/berüchtigt, und auch die Fionavar-Trilogie fühlt sich für mich zumindest einigermaßen seelenverwandt an), aber da muß das dann, glaube ich, niemanden verwundern -- da ist dann einfach die Verbindung gleich viel unmittelbarer.

Ach ja, und Charakterklassen haben ihren Ursprung natürlich im Kosim-Spielbereich, wo man ja auch seine diversen standardisierten Einheitstypen ins Feld führt. Da war die Vorlage schon zu Chainmal-Zeiten schlicht einfach schon direkt da und mußte gar nicht erst gesucht oder erfunden, sondern nur noch übernommen werden. ;)
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 9.02.2026 | 20:45
Also das mit den Charakterklassen finde ich diskutierwürdig.

IMHO hat D&D da schon sehr klare literarische Vorlagen verarbeitet, seien es die Krieger der Sword & Sorcery - Welt und aus Dying Earth in Fighting Man oder die bösen Hexer vor allem aus Howards Werken. So geht’s dann auch weiter mit dem Paladin, der eigentlich einfach der Holger aus Three Lions ist, der Thief, der der graue Mausling ist, der Aragorn Ranger, der Aragorn ist. Beim Kleriker kann man streiten, aber der liegt irgendwo zwischen Bischof Odo und Van Helsing. Und über den Monk wurde hier ja schon reichlich diskutiert.

Hinzu kommt, dass die Charakterklasse im ursprünglichen D&D halt deutlich mehr war als eine Kategorisierung, sondern sich aus ihr eigentlich jeweils eine ganz eigene Art zu spielen abgeleitet hat.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 10.02.2026 | 09:11
Okay, speziell im Bereich Literatur gibt's sicher auch noch das eine oder andere Produkt, das direkter von Tolkien selbst inspiriert worden ist (die Shannara-Reihe ist dafür ja wohl ein Stück weit berühmt/berüchtigt, und auch die Fionavar-Trilogie fühlt sich für mich zumindest einigermaßen seelenverwandt an), aber da muß das dann, glaube ich, niemanden verwundern -- da ist dann einfach die Verbindung gleich viel unmittelbarer.

Der Herr der Ringe war in der Zeit, in der Fantasy zum ersten Mal so richtig auf dem Buchmarkt boomte, schon extrem tonangebend. Fast keine der großen mehrteiligen namhaften Fantasysagen kam ohne den Kampf gegen den Weltuntergang aus, auch wenn die Welten oft deutlich anders aussahen als Mittelerde -- zum Beispiel Stephen Donaldsons erste Covenant-Trilogie. Bis auf Randerscheinungen und Ausnahmen wurde eigentlich immer dieselbe Geschichte erzählt, nämlich die vom großen Übel, das die Welt bedroht, und man musste mindestens 3 Bücher, manchmal auch 12 oder 14 lesen, ehe klar war, dass die Welt doch gerettet wurde. Tad Williams hat das Tolkienschema dann noch mal in Reinform neu bearbeitet mit riesigem Erfolg in seiner Schwerter/Osten-Ard Trilogie (aus der dann 4 Bücher wurden). Robin Hobb hat mit ihrer Weitseher-Trilogie meines Erachtens schon erfolgreich versucht, an dem Schema etwas zu rütteln. Aber so richtig vom Tisch gewischt hat es dann kurz darauf erst Martins Game of Thrones. Das war der erste Fantasymehrteiler mit einigermaßen großem Erfolg (das war ja noch lange vor HBO), der uns davon erlöst hat, dass die Guten in der Fantasy die Welt vor dem Bösen retten. Erst nach Martin hat sich ein Teil des Genres auf Grauzonenfantasy gestürzt, zum Beispiel Abercrombie. Trotzdem verharrt ein Teil des Genres bis heute bei der Weltrettung, nur sind die Weltretter häufig nicht mehr gar so gut und heldenhaft wie davor, da hat sich der Geschmack nach Martin tatsächlich etwas verändert. (Beispiele hierfür: Brett und Swan). Und damit da nicht tausend scheinbare Gegenbeispiele kommen: Ich spreche hier von Mehrteilern und von Serien, die auf dem Buchmarkt erfolgreich und sehr sichtbar waren. Wolfe, DeLint, McKillip, Cherryh, Crowley und viele andere, die nicht unbedingt für Gut-Böse-Weltrettungstrilogien bekannt sind, sind trotz mitunter stattlicher Fangemeinden nicht so erfolgreich gewesen wie Brooks, Feist, Goodkind, Jordan, Stephenson, Williams etc. Bezeichnend ist ja auch, dass Vance in den 80ern mit Lyonesse eine Fantasytrilogie schrieb, um den Markt zu bedienen, obwohl er sich damit ein wenig untreu geworden ist. Aber der HdR und seine Epigonen hatten den Markt eben für Preziosen wie Dying Earth schwierig gemacht.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 10.02.2026 | 10:08
Na ja -- wenn man ein Großes Fantasyepos (tm) schreiben will, das mindestens eine Trilogie verkauft oder die Käufer gar über eine längere Romanreihe hinweg bei der Stange halten und nach der nächsten Fortsetzung schreien lassen soll, dann muß man wohl klotzen und nicht kleckern. Das halte ich für einigermaßen nachvollziehbar, insofern liegt das Thema Weltrettung wirklich nicht ganz so fern, wie man denken möchte. :)

Conan, Elric & Co. sind ja eher "episodische" Figuren, deren Geschichten und Romane jeweils weitgehend für sich stehen und bei denen der Autor der Idee, daß man schon bei der Erstveröffentlichung gefälligst ganz am Anfang loslegen und sich dann gefälligst strikt chronologisch in die Zukunft durcharbeiten soll, fröhlich den Stinkefinger gezeigt hat. Das ist einfach schon ein ganz anderes Präsentationsformat mit seinen eigenen Vor- und Nachteilen für jeweils Verfasser, Verkäufer, und Leser.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Ainor am 10.02.2026 | 18:34
Vom Vibe her schreit für mich der Kleriker immer Ordensritter/-krieger, aber niemals Priester.

Kommt halt stark drauf an was man unter Priester versteht. Cäsar war auch Priester und der soll ja schon den einen oder anderen Krieg geführt haben...

Er wird auch explizit als Priester bezeichnet. Natürlich ist der SC Cleric der Don Kamillo unter den Priester der nicht ganz ruhig hinter Klostermauern lebt. Aber der SC Magier ist ja auch kein reiner Theoretiker...

Und seine Rolle im Spiel ist seine Rolle ja auch immer zuerst die des Heiler und nicht des Kriegers, und das schon seit damals: "A study of the spells usable by clerics will convey the main purpose of the cleric. That is, the cleric serves to fortify, protect, and revitalize."

Auch die Charakterentwicklung ab Namensstufe legt das nahe: die gründen keine Kirche, sondern haben Land und scharen (fanatische) Anhänger um sich. Klingt für mich nicht sehr priesterlich. :)

"Upon reaching 9th level (High Priest or High Priestess), the cleric has the option of constructing a religious stronghold. This fortified place must contain a large temple, cathedral, or church"

Und zu dem "mein Gott ist besser als dein Gott". Lass das mal stecken. Das ist eine Romantisierung der "Wilden" aus dem 19. Jhd und so absolut nicht haltbar. Die indo-europäischen Pantheii waren weder scharf abgegrenzt noch in Konkurrenz zueinander. Und auch der Austausch mit dem drumherum war natürlich extrem aktiv. Sieh dir nur mal an, wie beliebt der Isiskult irgendwann im römischen Reich war.

Na, es sollen ja damals schon ein paar Tempel zerstört worden sein...

Zum Hochleveln mussten sie looten.

Oder ganz selbstlos grosse Mengen von Orks erlegen :-)

Ich würde verneinen, dass Fantasy (vor allem im Rollenspiel)  so zentral von Tolkien beeinflusst ist. Spannend wäre da maximal noch die Frage, wann ist das gekippt und warum?

Für D&D würde ich das auf Dragonlance (1984) datieren. Die Ansätze mit Ranger, Paladin etc, also Helden die nicht wirklich inds Sword&Sorcery Setting passen gab es schon vorher. Aber der grosse Weltrettungs-Abenteuerpfad wurde da offiziell. Und wenn man die heutigen Abenteuer sieht muss man sagen: das hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Aber so richtig vom Tisch gewischt hat es dann kurz darauf erst Martins Game of Thrones. Das war der erste Fantasymehrteiler mit einigermaßen großem Erfolg (das war ja noch lange vor HBO), der uns davon erlöst hat, dass die Guten in der Fantasy die Welt vor dem Bösen retten. Erst nach Martin hat sich ein Teil des Genres auf Grauzonenfantasy gestürzt, zum Beispiel Abercrombie.

Lange vor Martin war Cook (Black Company). Das lustige dabei ist dass er quasi Grauzonenfantasy versucht hat aber doch bei der Weltrettung ausgekommen ist. Irgendwie haben diese Stories starke Anziehungskraft.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 10.02.2026 | 19:01
Kommt halt stark drauf an was man unter Priester versteht. Cäsar war auch Priester und der soll ja schon den einen oder anderen Krieg geführt haben...

Der wäre jetzt erst mal in erster Linie Kaiser und dann vielleicht noch Feldherr. Und wenn du von Gaius Julius redest, der war nicht einfach Priester, sondern Pontifex Maximus, was vor allem politisch spannend ist (als Obermotz ist man schließlich von allem der Obermotz, insofern ist das nicht überraschend) - über seine Religiösität können wir daraus dagegen herzlich wenig schließen - rituelle Aufgaben (und über die definiert sich so ein Priester nun einmal) hatte er damit aber eigentlich keine. ;)

Na, es sollen ja damals schon ein paar Tempel zerstört worden sein...

Aber wohl seltenst aus religiösen Gründen, das war späteren Zeitaltern und Religionen vorbehalten.  ;)

Und seine Rolle im Spiel ist seine Rolle ja auch immer zuerst die des Heiler und nicht des Kriegers, und das schon seit damals: "A study of the spells usable by clerics will convey the main purpose of the cleric. That is, the cleric serves to fortify, protect, and revitalize."

"Upon reaching 9th level (High Priest or High Priestess), the cleric has the option of constructing a religious stronghold. This fortified place must contain a large temple, cathedral, or church"

Clerics gain some of the advantages from both of the other two classes (Fighting-Men and Magic-Users) [...]
When Clerics reach the top level (Patriarch) they may opt to build their own stronghold [...].
Finally, “faithful” men will come to such a castle, being fanatically loyal, and they will serve at no cost. There will be from 10–60 heavy cavalry, 10–60 horsed crossbowmen, and 30–180 heavy foot. [...]
Clerics with castles of their own will have control of a territory similar to the “Barony” of fighters, and they will receive “tithes” equal to 20 Gold Pieces/Inhabitant/year.


Keine Ahnung wie du das liest, aber für mich liest sich das klar nach "ich will kloppen und zaubern" und nicht nach "Heilen". Das Heilungsding fliegt dir auch relativ lange bei Clerics um die Ohren, weil bis tief in AD&D hinein 1st level Clerics überhaupt nicht heilen (weil nicht zaubern) können. Ab Stufe zwei kann er dann leichte Wunden heilen, aber das ist in den ersten beiden Spell Leveln und damit bis einschließlich Erfahrungsstufe 5 (nach alter Lehre) der einzige Heilzauber. Was er dagegen von Anfang an kann: fette Rüstungen tragen und drauf hauen. ;)

Für D&D würde ich das auf Dragonlance (1984) datieren. Die Ansätze mit Ranger, Paladin etc, also Helden die nicht wirklich inds Sword&Sorcery Setting passen gab es schon vorher. Aber der grosse Weltrettungs-Abenteuerpfad wurde da offiziell. Und wenn man die heutigen Abenteuer sieht muss man sagen: das hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen.

Ja, das könnte ein guter "Kipppunkt" gewesen sein. Parallel dazu kommen dann ja dank Greenwood und Co Ende der Achtziger auch die unnötig übermächtigen Zauberer in die prägnante Rolle in den Forgotten Realms und parallel dazu machte Salvatore die Gut/Böse-Achse da extrem beliebt. Auch das könnte man entsprechend auslegen. :)

Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lyonesse am 10.02.2026 | 20:05
Bezeichnend ist ja auch, dass Vance in den 80ern mit Lyonesse eine Fantasytrilogie schrieb, um den Markt zu bedienen, obwohl er sich damit ein wenig untreu geworden ist. Aber der HdR und seine Epigonen hatten den Markt eben für Preziosen wie Dying Earth schwierig gemacht.
Vance meinte damals halbernst in einem Interview zu Lyonesse: er wollte damit Bücher an alte Damen verkaufen, aber das hätte auch nicht so ganz funktioniert. Immerhin hat er fast 10 Jahre daran geschrieben und einen World Fantasy Award für den dritten Teil gewonnen. Aber Lyonesse ist weder Herr der Ringe noch Drachenlanze, weder Conan noch Dying Earth. Es ist eher: die Brüder Grimm, C. G. Jung, Machiavelli und vielleicht noch Thomas Malory schreiben zusammen High Fantasy geworden.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Kurna am 10.02.2026 | 20:37
Der wäre jetzt erst mal in erster Linie Kaiser und dann vielleicht noch Feldherr. Und wenn du von Gaius Julius redest, der war nicht einfach Priester, sondern Pontifex Maximus, was vor allem politisch spannend ist (als Obermotz ist man schließlich von allem der Obermotz, insofern ist das nicht überraschend) - über seine Religiösität können wir daraus dagegen herzlich wenig schließen - rituelle Aufgaben (und über die definiert sich so ein Priester nun einmal) hatte er damit aber eigentlich keine. ;)

[...]
Caesar war Oberpriester des Jupiter (flamen Dialis) lange bevor er Feldherr wurde. Und auch im Priesterkollegium der Pontifices war er schon ab 73 vC.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 10.02.2026 | 21:10
Haukrin, du verwechselt gerade Advanced und Basic D&D. Der Advanced Cleric heilt auch schon auf Stufe 1.
Allerdings stimme ich Ainor überhaupt nicht zu. Der AD&D-1e-Cleric kämpft auf Stufe 1 genau so gut wie ein Kämpfer, d.h. um 1 besser als Dieb oder Zauberkundiger.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 10.02.2026 | 21:30
In jedem Fall ist der D&D-Kleriker einer der Typen, die sich für mich am wenigsten irgendwie aus "klassischer" Fantasy ableiten lassen. (Angesichts seines überlieferten Realwelt-Ursprungs ist das wohl auch nicht verwunderlich. ::)) Traditionelle Priester mögen ab und zu auf die Gunst ihrer Götter hoffen können und "heilige Männer/Frauen/Sonstige" schon mal eigene besondere Fähigkeiten entwickeln, die ihren Status unterstreichen, aber profane Zaubersprüche gehören für mich normalerweise nicht zum Repertoire der einen oder der anderen...okay, es sei denn vielleicht, sie hätten die eigens nebenher auch noch studiert (findet man ja beispielsweise in der Sword & Sorcery gerne), in dem Fall sollte sich ihre diesbezügliche Magie von der "gewöhnlicher" Anwender aber entsprechend nicht dramatisch unterscheiden. Der Kleriker verstößt gegen alle diese Grundsätze auf einmal und degradiert seine Gottheit nebenbei noch weitgehend zum täglichen Magielieferautomaten, an dem man sich seine Sprüche nur noch wunschgemäß ziehen muß -- nicht, daß die Klasse rein mechanisch schlecht aufgestellt wäre, wohlgemerkt, nur bei dem ganzen metaphysischen Ansatz dahinter befällt mich gelegentlich das große Kopfschütteln.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Ainor am 11.02.2026 | 00:28
Aber wohl seltenst aus religiösen Gründen, das war späteren Zeitaltern und Religionen vorbehalten.  ;)

Das hab ich ja auch nicht geschrieben.

Finally, “faithful” men will come to such a castle, being fanatically loyal, and they will serve at no cost. There will be from 10–60 heavy cavalry, 10–60 horsed crossbowmen, and 30–180 heavy foot. [...]
Clerics with castles of their own will have control of a territory similar to the “Barony” of fighters, and they will receive “tithes” equal to 20 Gold Pieces/Inhabitant/year.[/i]

Keine Ahnung wie du das liest,

Klingt nach nem guten Anfang, reicht aber noch nicht um Gallien zu erobern :-)

Haukrin, du verwechselt gerade Advanced und Basic D&D. Der Advanced Cleric heilt auch schon auf Stufe 1.

Jupp. Gaaanz am Anfang mag die Arbeitshypothese vieleicht "halb Krieger halb Zauberer" gewesen sein, aber der Cleric hat dann doch sehr schnell seine Rolle als Priester gefunden. Und wie nobody sagt: wenn es einen Paladin gibt dann füllt der die Rolle des Ordenskriegers aus.

Und überhaupt: es sollte doch allen hier klar sein was gemeint ist wenn jemand sagt: "einer muss einen Kleriker spielen"

Allerdings stimme ich Ainor überhaupt nicht zu. Der AD&D-1e-Cleric kämpft auf Stufe 1 genau so gut wie ein Kämpfer, d.h. um 1 besser als Dieb oder Zauberkundiger.

Was heisst zustimmen? Ich habe doch nur die Heilige Schrift das 1E PHB zitiert.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 11.02.2026 | 05:58
(Angesichts seines überlieferten Realwelt-Ursprungs ist das wohl auch nicht verwunderlich. ::)) Traditionelle Priester mögen ab und zu auf die Gunst ihrer Götter hoffen können und "heilige Männer/Frauen/Sonstige" schon mal eigene besondere Fähigkeiten entwickeln, die ihren Status unterstreichen, aber profane Zaubersprüche gehören für mich normalerweise nicht zum Repertoire der einen oder der anderen...
Maggi ist von Anbeginn an die Domäne der Priesterklasse oder kaste, siehe "schamanen", keltische Druiden, persische magi oder magoi, die Transubstition der Hostie usw
Paladin 1e, 2e war so selten und so benachteiligt, da macht die Gleichsetzung mit den Rittern der Tafelrunde Sinn
ab 3e eher mit den Templern etc, wie Midgards Ordenskrieger
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 11.02.2026 | 07:43

Und überhaupt: es sollte doch allen hier klar sein was gemeint ist wenn jemand sagt: "einer muss einen Kleriker spielen"

Was heisst zustimmen? Ich habe doch nur die Heilige Schrift das 1E PHB zitiert.

Ich wollte dazu widersprechen, dass der Kleriker ein reiner Heiler sei. Allerdings sehen ihn viele so, das ist korrekt.
Ich spiele Kleriker immer als Priester. Aber ich kenne auch eine Spielerin die spielt Kleriker, ohne die Gottheit festzulegen. Es interessiert sie einfach nicht.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: BobMorane am 11.02.2026 | 11:39
In jedem Fall ist der D&D-Kleriker einer der Typen, die sich für mich am wenigsten irgendwie aus "klassischer" Fantasy ableiten lassen. (Angesichts seines überlieferten Realwelt-Ursprungs ist das wohl auch nicht verwunderlich. ::)) Traditionelle Priester mögen ab und zu auf die Gunst ihrer Götter hoffen können und "heilige Männer/Frauen/Sonstige" schon mal eigene besondere Fähigkeiten entwickeln, die ihren Status unterstreichen, aber profane Zaubersprüche gehören für mich normalerweise nicht zum Repertoire der einen oder der anderen...okay, es sei denn vielleicht, sie hätten die eigens nebenher auch noch studiert (findet man ja beispielsweise in der Sword & Sorcery gerne), in dem Fall sollte sich ihre diesbezügliche Magie von der "gewöhnlicher" Anwender aber entsprechend nicht dramatisch unterscheiden. Der Kleriker verstößt gegen alle diese Grundsätze auf einmal und degradiert seine Gottheit nebenbei noch weitgehend zum täglichen Magielieferautomaten, an dem man sich seine Sprüche nur noch wunschgemäß ziehen muß -- nicht, daß die Klasse rein mechanisch schlecht aufgestellt wäre, wohlgemerkt, nur bei dem ganzen metaphysischen Ansatz dahinter befällt mich gelegentlich das große Kopfschütteln.

Das Glaubendiener auch Magiewirker sind ist ausserhalb von Sword & Sorcery, zumindest im RPG, jetzt nicht so untypisch. Ich müsste jetzt überlegen in welchen Spielen das anders wäre. Das ist vieleicht unterschiedlich elegant gelöst.

Der Magielieferautomat war in AD&D 1 auch noch anders verregelt, wenn ich mich da recht erinnere. Ghoul korrigiere mich bitte wenn ich Unsinn erzähle.

Das nach belieben Magie ziehen traf da nur auf Zauber des Grades 1 und 2 zu. Für alle andren Sprüche musste der Kleriker immer mächtigere Diener seiner Gottheit anrufen, die ihm diese Mächte verliehen. Für die mächtigsten Zauber wurde die Gottheit direkt um Erlaubnis gebeten. Die SL konnte, wenn der Kleriker sich nicht den Grundsätzen seines Glauben entsprechend verhielt den Zugang zu Zaubern verwehren. Oder in der positiven Version dem Kleriker einen Zauber in die Auswahl setzen, der im Abenteuer nützlich werden könnte.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: ghoul am 11.02.2026 | 12:20
Vollkommen korrekt, Bob.

Zum Thema: Ich glaube wir sind uns einig, das D&D sein eigenes Fantasy-Genre begründet (mit vielfältigen Einflüssen als Basis)?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 11.02.2026 | 12:50
Zum Thema: Ich glaube wir sind uns einig, das D&D sein eigenes Fantasy-Genre begründet (mit vielfältigen Einflüssen als Basis)?

Was zur spannenden Folgefrage führt: Warum sieht heutzutage alles Fantasyartige aus wie D&D?  ;D
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 11.02.2026 | 12:54
Alles?
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Jiba am 11.02.2026 | 13:14
Nein.
Ein unbeugsames Dorf voller Indie-Autor:innen und Kleinverlage hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: nobody@home am 11.02.2026 | 13:42
Nein.
Ein unbeugsames Dorf voller Indie-Autor:innen und Kleinverlage hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Genau! :d

Wobei ich eventuell noch ein wenig zwischen TSR- und WotC-D&D unterscheiden würde, denn mit "Wir bringen unsere Marke ganz groß raus und holen alle anderen mit in unser Boot!" haben ja meiner Erinnerung nach erst die Küstenzauberer so richtig angefangen (und das gleich zu 3E-Zeiten mit D20 und OGL). Wenn D&D heute der ganz große Platzhirsch im Bereich Fantasy ist und sich mal wieder nach Kräften bemüht, sich auch anderswohin auszubreiten (egal, wie gut oder schlecht die Regeln dann passen), dann hat das mMn auch stark damit zu tun; insbesondere das spätere TSR-Management hat ja eher eifer- und klagesüchtig über sein intellektuelles Eigentum gewacht, so daß andere Macher im gleichen Markt zu der Zeit zumindest ein Stück weit motivierter waren, sich klar genug davon abzusetzen.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: tartex am 11.02.2026 | 13:48
Was zur spannenden Folgefrage führt: Warum sieht heutzutage alles Fantasyartige aus wie D&D?  ;D

Ist doch klar: weil die Computerspieldesigner ohne Rücksicht geklaut haben.

Also ich 1987 das erste Mal einen Computerspiel-Überblick bekam, war schon alles EDOverseucht. Bei Ultima sind z.B. die Elfen kleiner als Menschen und das kommt wohl eindeutig von D&D. Oder gab es sonst wo eine einflußreiche Quelle, die Elfen kleiner als Menschen machte?

Ich wünschte nur Kiesow hätte weniger Eier gehabt und die DSA-Macher hätten gedacht, sie müssen ihre eigenen DSA-Rassen entwickeln, um nicht von TSR verklagt zu werden.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: korknadel am 11.02.2026 | 14:13
Wobei es sein könnte, dass der D&D-Look sich vor allem durch die verwandten Magic-Karten und World of Warcraft so beinahe alternativlos verbreitet hat? Bzw habe ich den Eindruck, die beiden waren fast maßgeblicher als D&D.
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Raven Nash am 11.02.2026 | 14:42
IMHO ist das vor allem eine wirtschaftliche Sache. Die Verlage haben gesehen, dass D&D läuft - also springt man auf den Zug auf. Mit der OGL hatte der Zug dann auch noch offene Türen und fuhr langsam.
Und jetzt ist eben alles, wo 5E-compatible draufsteht ein Garant für Erfolg. Steht ja u.a. sogar bei Geländeteilen und STLs drauf (wo es völlig egal wäre).
Titel: Re: Warum wurde Tolkien zum Fantasy Standard und nicht Conan, Fafhrd und Elric?
Beitrag von: Haukrinn am 11.02.2026 | 14:43
Wobei es sein könnte, dass der D&D-Look sich vor allem durch die verwandten Magic-Karten und World of Warcraft so beinahe alternativlos verbreitet hat? Bzw habe ich den Eindruck, die beiden waren fast maßgeblicher als D&D.

Geht ja nicht nur um den Look. Wie Tartex schon sagte, bei den Computerspielen aus den Achtzigern ist die Herkunft unweigerlich erkennbar (egal ob das jetzt Wizardry, Bard's Tale oder Ultima ist, was man sich anschaut - SSI hat sogar so lange dreist "geklaut" bis sie endlich 1987 die offizielle AD&D-Lizenz bekommen hatten). Aber auch im Tabletop-RPG Bereich finde ich den Einfluss unverkennbar. Fast alles, was da an Fantasy erschienen ist, war schwer D&D-geprägt: Bei Palladium merkt man's besonders stark, Runequest und Rolemaster/MERP hatten ihre eigenen Ideen, konnten ihre Herkunft aber auch nicht verleugnen (Attribute, Zauberlisten etc.). T&T steht tatsächlich als was Eigenes etwas abseits. Aber ansonsten würde ich sagen war es für Fantasy RPGs vor den Neunzigern eecht schwer, sich von D&D zu emanzipieren.

Das führt uns auch irgendwie aufs Ursprungsthema so ein bisschen zurück, bzw. auf den EDO-Begrif. Ich würde dahingehend nämlich behaupten, D&D war nicht EDO, sondern hat diesen Stil und was ihn ausmacht überhaupt erst geprägt. Und viele andere haben es übernommen. Ja, ich würde sogar sagen, dieser Einfluss auf andere Rollenspiele war sogar deutlich stärker als der vom Herrn der Ringe.