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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Spielleiterthemen => Thema gestartet von: Zouan81 am 31.03.2026 | 11:57

Titel: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Zouan81 am 31.03.2026 | 11:57
Hallo!

Mir kam jetzt mal der Einfall mit der Frage, ob Ihr schon mal ein Abenteuer für böse Charaktere geschrieben oder geleitet habt.

Ja, es ist wahrscheinlich schwieriger zu spielen, da böse Charaktere für gewöhnlich nicht besonders gut zusammenarbeiten und es halt nichts "heldenhaftes" zu tun gibt.

Andererseits eröffnet es ja auch neue Möglichkeiten, wenn man die Antagonisten spielt und es als Queste darum geht, bspw. eine gut gesinnte Abenteuergruppe aufzusuchen und unschädlich zu machen.

Falls Ihr schon mal sowas gemacht habt, wie waren Eure Erfahrungen?

Gibt es überhaupt eine Nachfrage für Abenteuer, die für böse Charaktere zugeschnitten sind?


Fragen über Fragen.

Bin auf Eure Antworten gespannt.




Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 31.03.2026 | 12:02
Ich habe mal eine Runde für eine Diebesgilde geleitet. Ich weiß nicht ob das zählt.

Chaotische Charaktere arbeiten nicht gut zusammen. Böse ist da eher zweitrangig und doppelt das Disruptionspotential erst, wenn das chaotisch dazu kommt.

Und Weltenrettungsszenarien wie auch die typischen Lootszenarien funktionieren für alle denke ich, letztere für böse sogar eher.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Zouan81 am 31.03.2026 | 12:05
Ja, ne Diebesgilde muss ja nicht zwangsläufig böse sein. Aber Spannend ist sowas natürlich trotzdem.

Böse Charaktere haben ja meistens andere Auftrags- und Questgeber als echte Helden. ;)
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 31.03.2026 | 12:18
Ja, ne Diebesgilde muss ja nicht zwangsläufig böse sein. Aber Spannend ist sowas natürlich trotzdem.

Böse Charaktere haben ja meistens andere Auftrags- und Questgeber als echte Helden. ;)

Intelligente böse Charaktere haben üblicherweise eine Agenda aus eigenen Interessen. Ob das dann gruppentauglich ist, hängt dann von der Übereinstimmung der Ziele und der Gruppenchemie ab.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Namo am 31.03.2026 | 12:25
Ich liebe den Spruch: Jeder Bösewicht ist der Held seiner eigenen Geschichte.  8)

Von bösen Gruppen hört man ja immer wieder. Ich war bei so einer noch nie zugegegen, da mich das Konzept selbst nicht so anspricht. Oft fanden es die Spieler mit denen ich gesprochen anfangs cool, einfach die Sau raus zu lassen und Chaos anzurichten. So richtig nach Kampagne hat sich das für mich nicht angehört, sondern einfach danach, mal Rollenspielanarchie zu betreiben.

Aber interessant fände ich tatsächlich mal den echten Antagonistenansatz. Also eine Truppe die auf ihrem Weg einfach mal Herrscher über ein Königreich oder ähnliches werden möchte. Oft scheint das ja aber auch dann darin zu enden, dass man doch wieder mit anderen Bösewichten, die eben dann Konkurrenten sind, im Clinch liegt und es wird zur normalen Kampagne wieder zu ähnlich.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 31.03.2026 | 12:29
"Böse" wär mir zu vage. Im Sinne des Spruchs, daß so ziemlich jeder letztendlich der Held seiner eigenen Geschichte ist, kann man ja durchaus schon mal regelrechte schnurrbartzwirbelnde Cartoonschurken spielen, ohne daß darunter gleich der Spaß leiden muß -- umgekehrt kann ich mir allerdings schlecht vorstellen, daß eine Runde lange hält, wenn bei diversen Mein-Charakter-ist-halt-so-Aktionen gleich einem oder mehreren Mitspielern flau im Magen wird, und das unabhängig davon, ob nun das Wörtchen "böse" oder eine Umschreibung davon auf den Charakterbögen klebt oder nicht.

Persönliche Erfahrung habe ich mit so was tatsächlich keine große, weder als Spieler noch als SL. Um zu sehen, wie gut es mit einer bestimmten Gruppe klappt, würde ich nach Ansprechen des Themas und bei Übereinkunft, das mal zu versuchen, wohl erst mal einen One-Shot ausprobieren.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: KhornedBeef am 31.03.2026 | 12:41
Ich hatte eine Party, bei der die SpielerInnen sich als "Die Mörderbande von .. X" selbst betitelten, aber ich glaube von denen sah sich keiner als böse. Also, ...nein?
Abseits von Heroic Fantasy gibt es aber genügend Spiele, bei denen immer gleich so viel auf dem Spiel steht, dass der Zweck die Mittel heiligt. Delta Green z.B. Da wären "böse" Handlungen ok, solange es zur Mission passt. Das ist ja der Genre-Kern.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Gorilla am 31.03.2026 | 12:41
Ich würde sagen, dass es in erster Linie eine Definitionsfrage ist.

Es spielen wahrscheinlich sehr viele Spielende "böse" Charaktere, die morden, stehlen, betrügen, lügen, einbrechen usw. ohne über die Konsequenzen nachzudenken.

Wenn es um ganz plakativ böse Charaktere geht, deren einzige Motivation es ist, Unheil zu sähen und andere Menschen (und andere Spezies) leiden zu sehen, dann habe ich das zwar schon einmal gespielt, aber nach einem Oneshot festgestellt, dass ich daran überhaupt keinen Gefallen finde und dass so etwas auch kaum als Gruppen-RPG funktionieren kann.
Ich hatte schon große Mühe damit, eine Camarilla-Kampagne als Spieler bis zum Ende durchzuziehen.

Geht es um Charaktere mit auch "bösen" Charakterzügen, ist das wahrscheinlich der Normalzustand in den meisten Gruppen. Dabei geht es ja nicht zwangsläufig um Charakterklassen oder darum, welchen Gott der SC hauptsächlich folgt. Es geht um die (moralischen) Entscheidungen, die die SC im Laufe des Spiels treffen.
Ich bin mir fast sicher, dass in beinahe jeder Gruppe - auch von klassischen Weltrettungsheldengruppen - halbwegs regelmäßig mindestens zweifelhafte moralische Entscheidungen getroffen werden.

Geht es dann um die Integration von formell bösen SC in eine übliche Gruppe (z.B. der Klerikerin vom Gott der Zerstörung), kann das eigentlich auch immer gut funktionieren, wenn sich alle am Tisch - vor allem die entsprechende Spieler:in - nicht wie Idioten benehmen und dem/n SC mehr Tiefe verleihen und ihm auch so etwas wie ein normales Leben mit ein klein bisschen emotionaler Vielfalt zugestehen. Auch ein formell böser SC hat wohl Familie und Freunde und Heimat und Wünsche und Träume und Ziele.
Auch wenn moralisch mindestens gelegentlich grenzwertig kann das gut in eine Gruppe eingebunden werden und für viel internes Drama sorgen (was ich persönlich sehr schätze).

Es erfordert meiner Erfahrung nach aber, dass diese SC vielschichtig sind, dass die Spielenden offen mit den Hintergründen des SC umgehen, dass sich der Rest der Gruppe darauf einlässt und dass die böse Spielfigur ganz allgemein nicht bei jeder Gelegenheit die Gruppe sabotiert.
Kurz: Geht, wenn niemand am Tisch ein A*sch ist oder einen kompletten A*rschl*ch-SC spielt.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Ildfus Mahler am 31.03.2026 | 12:51
Moin,

spannendes Thema. Ja, ich hab das schon gemacht. Als SL und Spieler. In Fantasy-Runden (z.B. eine Horde Gnolle; eine Familie Drow; oder auch einfach eine klassische Abenteurer-Runde, nur halt mit weniger "gesellschaftskompatiblen" moralischen Standpunkten und Zielen - der Gruppenmagier hat z.B. darauf hingearbeitet, ein Lich zu werden ;-)). Und in meinen DELTA GREEN Runden verschwimmt die Moral ja ohnehin in der Regel schnell.

Falls Ihr schon mal sowas gemacht habt, wie waren Eure Erfahrungen?

Man sollte sich aus meiner Perspektive vorher zwei Sachen als Gruppe relativ klar definieren:

1. Wie genau definiert ihr das Böse? Was macht das Böse für euch aus, wie stellt es sich konkret dar? Und wo sind die Limits, die ihr nicht haben/überschreiten wollt? Und: was genau reizt euch daran, das Böse in den SCs zu ergründen?

2. Definiert, warum und wie die Gruppe trotz Boshaftigkeit eng und verlässlich zusammen arbeitet - idealerweise geht das über "nützliche temporäre Allianz" hinaus, z.B. Freundschaft, enge Beziehung, persönliche Abhängigkeiten, etc. Das ist für das Funktionieren als Gruppe sinnvoll. Und durch die dadurch entstehende Vielschichtigkeit (die SC sind halt nicht NUR böse, sondern es wird auch ihre menschliche Seite gezeigt) wird es m.M.n. auch rollenspielerisch interessanter. Wenn es natürlich explizit als PvP Erfahrung angelegt ist: ignore the above :-D

Zitat
Gibt es überhaupt eine Nachfrage für Abenteuer, die für böse Charaktere zugeschnitten sind?

Was einen allgemeinen Markt angeht, kann ich dazu nix sagen. Für uns war das reizvoll - aber v.a. mal als Abwechslung zwischendurch. Aber was sagt denn Deine Spielgruppe?

LG, D.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: unicum am 31.03.2026 | 13:06
Ohne jezt mal wieder den (sehr kontroversen) Sack aufmachen zu müssen was gut und was böse ist,...

Es geht imho eigentlich eher darum was Gruppentauglich ist - und was nicht.

Wenn böse Leute grundsätzlich nie Gruppentauglich wären, wäre die Welt deutlich besser da böse Leute einfach nichts auf die Reihe bekommen könnten, also zumindest nicht die großen Schlimmen Dinge in der Welt.

Also geleitet habe ich sowas noch nicht aber wir hatten mal eine Gruppe von Drow gespielt. Und zwar zu einer Zeit als es nur sehr wenige "gute" Drow gab: Drizzt und nicht später noch alles andere dazu gekommen ist.

Wir waren alles Adelige aus einem haus und bekahmen aufträge die wir auszuführen hatten. "Wir haben gehört das Halblinge gute Köche sind, also geht hin und holt uns Halblinge.", "Entführt 4 Senatoren aus dem Imperialen Senat des mächtigsten Landes der Menschen", "Wir brauchen neue Leibdiner - entführt ein paar Waldelfen aus dem Zauberwald."

Prinzipiell sind das alles umgedrehte Abenteuer, die gute Gruppe hätten halt Goblins geholt, Politiker aus dem bösen Land entführt, etc.

Es gab nur einmal ein PvP event in der Gruppe - alle wussten man ist auf die anderen angewiesen um zu überleben aber - einmal waren 2 von 4 gefangen genommen worden und wir anderen beiden haben, anstatt einer Befreiungsaktion unsere unfähigen Brüder aus der Ferne erschossen bevor sie geheimnisse ausplaudern konnten. (da war auch der SL überrascht).
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Raven Nash am 31.03.2026 | 13:15
Meiner Erfahrung nach hat "Gut/Böse" vor allem etwas mit Gruppendynamik zu tun. Wir haben eine Spielerin, deren Chars sind eigentlich nicht teamfähig. Spätestens im Spiel gleiten die Chars immer in die Richtung von Psychopathen ab.
Würde der Rest der Gruppe dem folgen, hätten wir sicherlich eine "böse" Truppe.
Tun sie aber nicht. Sie stellen sich ihr in den Weg, machen ihr immer wieder klar, was sie da grade tut (InGame und OutGame) und verhindern so das Schlimmste. Und manchmal gelingt es sogar, den Char zurechtzubiegen.

Und das macht, denke ich, die Gratwanderung deutlich. Denn Stehlen, Morden und Herumhuren, wie es bei der 08/15 Abenteurergruppe üblich ist, sind sicher nicht unter "Gut/Heldenhaft" im Wörterbuch zu finden.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Noshrok Grimskull am 31.03.2026 | 13:21
Kommt auf die Definition von Gut/Böse an.

Ich habe vor Jahren Necessary Evil (Savage Worlds) geleitet - da spielt man Superschurken auf einer von Aliens eroberten Erde. Die Helden sind (fast) alle ausradiert worden und die Schurken haben sich im Untergrund zusammengetan um die Aliens loszuwerden. Denn so ein echter Superschurke will die Weltherrschaft schließlich selbst haben!

Also spielt man im Prinzip "die Guten", da man ja die bösen Aliens bekämpft. Aber halt als "Böser", sprich auch mal ohne Moral und über Leichen gehend.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 31.03.2026 | 13:30
Geleitet und gespielt, ja.

Vorab: ich mag das nicht so gerne. Und die Erfahrungen haben gezeigt, dass das gute GründeTM hat  >;D


Zu Schulzeiten, Anfang/Mitte der 90er, haben wir eine AD&D2nd Menzoberranzan-Runde gespielt. Ich spielte die rechte Hand der Mutter-Oberin auf einer Expedition an die Oberfläche, um abtrünnige Drow zu jagen und Sklaven zu fangen (oder so in der Art).
Auf jeden Fall hat es die Runde gleich in session 1 zerlegt, weil wir unbedingt Informationen von einem Drow haben wollten. Und der hat uns die gesamte Zeit nach Strich und Faden belogen und fand sich cool. Bis wir ihn festgesetzt haben und ich dann auf Geheiß der Oberin die Folterinstrumente auspackte und wir das durchgezogen haben mit der Folter und dem Ausspielen. Das war dem SL dann doch zu viel des "Guten" und wir haben es sein gelassen.

Viele Jahre später dann eine Runde in anderer (und erwachsenerer) Besetzung. Wir spielten RoleMaster und der SL wollte böse SC leiten. Flux einen Schwarzen Ritter (ich) mitsamt untotem Reitpferd (Nachtmahr) erschaffen, dazu einen dunklen Beschwörer und einen Hochelfischen Schwarzma-Apothek-Assassinen...Saubermann.
Wir haben für alle Hindernisse und Probleme die denkbar böseste und mieseste Lösung erdacht. Nach einigen sessions Spielzeit haben wir es dann sein gelassen. Es war uns zu krass und bei aller Abscheu auch zu immersiv. Aber einige Kalauer aus der Gruppe haben es bis heute ins Repertoire geschafft. "Ich hab's unter Kontrolle!" vom Beschwörer, dessen böses Erdelementar ein ziemlich schlimmes eigenleben entwickelte, weil sowohl das Binden an ihn, als auch der Kontrollzauber jeweil kritisch patzten. Es war ... "schlimm"  >;D

Böse SC in guter Gruppe ist hier nicht das Thema, aber ich möchte kurz anmerken, dass diese Konstellation in der Vergangenheit grundsätzlich zu einem Kampagnenabbruch geführt hat. SC werden seither konsequent gemeinsam entwickelt und erschaffen. Geheimnisse, welche die Gruppe nicht sprengen, gibts natürlich trotzdem  :d
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 31.03.2026 | 13:35
Es geht imho eigentlich eher darum was Gruppentauglich ist - und was nicht.

Yep. Und so manche klassische Fieslinge treten ja fast schon grundsätzlich in Gruppen auf -- das sind dann zwar generell nicht gleich die ganz großen Oberbosse, sondern mehr deren Mooks oder auch mal höherrangiges Gefolge, ändert aber nichts daran, daß sie mindestens zusammenarbeiten können müssen, weil ihr Chef sie sonst früher oder später feuern würde (und zwar demonstrativ per Kanone in den nächsten Vulkankrater). In so einem Fall haben wir eigentlich schon wieder eine praktisch normale Abenteurergruppe samt Questgeber, nur halt auf der Seite mit dem zweifelhafteren Dekor.

Natürlich gibt's dann auch noch die Frage nach der Gruppentauglichkeit im Sinne von "Was verträgt sich mit unserer konkreten Gruppe von Spielern hier am Tisch überhaupt?"...aber das muß man bei so einem Thema ohnehin wenigstens ein Stück weit im Vorfeld aushandeln.

Ach ja, wo ich's gerade sehe:
[...] Denn Stehlen, Morden und Herumhuren, wie es bei der 08/15 Abenteurergruppe üblich ist, sind sicher nicht unter "Gut/Heldenhaft" im Wörterbuch zu finden.

Das ist natürlich auch noch so ein kleiner Punkt am Rande: woher wissen wir eigentlich so genau, daß wir nicht schon längst die Bösen sind und dafür also erst gar keine neue Kampagne anfangen müssen? >;D
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Sphinx am 31.03.2026 | 13:40
Nein nie geleitet und auch 0 Interesse.
Selbst bei meiner normaleren definitiv von Gut/Böse (Selbstlos / Egoistisch) fällt es mir schwer so zu denken.
Selbst bei PC Spielen wo ich mir fest vornehme einen Bösen Durchlauf durchzuziehen. Wo es also keine Fremdwertung gibt und nur mich selbst. Schaffe ich es im besten fall einen grauen Run daraus zu machen.

Ich hab auch noch nie einen der "Bösen" in Runden die ich erlebt hab. Irgendwie sinnvoll ausgespielt erlebt. Denke also das Fingerspitzengefühl fehlt den meisten.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Raven Nash am 31.03.2026 | 13:51
Ach ja, wo ich's gerade sehe:
Das ist natürlich auch noch so ein kleiner Punkt am Rande: woher wissen wir eigentlich so genau, daß wir nicht schon längst die Bösen sind und dafür also erst gar keine neue Kampagne anfangen müssen? >;D
Weshalb ich von Gesinnungen auch grundsätzlich nichts halte. Gut/Böse liegt immer im Auge des Betrachters, je nachdem wer am Receiving End sitzt.

Ich denke, da liegt auch die Schwierigkeit, eine "böse Truppe" zu spielen: Was genau ist denn nun "böse"?
Die typische Abenteurergruppe tut ohnehin schon jede Menge, das von der Gegenseite als "böse" definiert werden kann.
Psychopathen sind selten teamfähig - und Serienkiller will wohl niemand wirklich spielen. Die typischen Bösewichte aus Comics und Filmen sind meistens auch nur aufgeblasene Dummköpfe mit zu viel Geld/Macht. Auch nicht unbedingt etwas, das man gerne verkörpert.

Da bleibt am Ende nicht viel übrig, außer den Antihelden.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Prisma am 31.03.2026 | 13:52
Ich leite gerade eine Kampagne in Menzoberranzan. Mit bösen Charakteren, die Böses tun. Grundvoraussetzung ist ein Agreement dass die Charaktere untereinander kooperieren. Natürlich schließt dies eigene Ziele und Sticheleien zwischen den Charakteren nicht aus.  Läuft wunderbar, finde ich. :)
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Zed am 31.03.2026 | 14:35
Nein, und nein danke: Kein Interesse.

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Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 31.03.2026 | 14:40
Generell: das Spielen von Klischeebösewichten à la „Muhahaha, ich bringe euch alle um“ empfinde ich als dumm, peinlich und infantil. Interessante „böse“ Charaktere sind spannend.

Wobei einfach nur "Ich will tö-hööö-höööten!!!" ohnehin nicht das Motiv der meisten Klischeebösewichte ist; das paßt gelegentlich mal zu einem regelrechten Monster, das sich wie der stereotype Werwolf zu Vollmond einfach nicht mal selbst unter Kontrolle hat, aber nicht zum "Standardfiesling" an sich. Oh, sicher, der mag seinerseits über Leichen gehen, wenn er meint, daß es seinen Zielen dient...aber in diesem Detail unterscheidet er sich eigentlich schon von vornherein nicht wirklich von so manchen nominell "Guten", geschweige denn der deutlichen Mehrheit der Rollenspiel-SC.

Merke: der "klassische Böse" ist zumindest aus meiner Sicht kein ausgesprochener Triebtäter. Die haben noch mal ihre eigene (und ihrerseits problembelastete) Nische für sich.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 31.03.2026 | 15:34
In der klassischen Fantasy gibt es ja zwei Böses.

Einmal das moralisch verwerfliche, wie im Reallife auch. Mit gegebenenfalls etwas anderen, persönlichen oder verhandelten Parametern.

Andererseits gibt in vielen Fantasysettings und Systemen auch das objektiv Böse in Form einer übergeordneten Ordnung.
Hier wird am ehesten ein Schuh daraus, das auch langfristig zu spielen. Siehe Prismas Menzo-Runde.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 31.03.2026 | 15:36
Den missverstandenen Bösewicht, der eigentlich aus guten Motiven das Falsche und Böse tut ... finde ich übrigens nicht nur  :smash: sondern auch  :gaga:
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Prisma am 31.03.2026 | 15:44
Den missverstandenen Bösewicht, der eigentlich aus guten Motiven das Falsche und Böse tut ... finde ich übrigens nicht nur  :smash: sondern auch  :gaga:
Hm... vielleicht Magneto?
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Gunthar am 31.03.2026 | 15:45
Wir hatten mal als böse Goblins einen Oneshot gespielt. War ganz lustig, doch es gab da auch gewisse Grenzen, wo wir nicht überschritten hatten. ZB Kinder abmurksen lag nicht drin.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Gianni | Quest Office am 31.03.2026 | 15:52
Ich finde das Thema superspannend, weil wir es tatsächlich in letzter Zeit SEHR oft bespielen. So oft, das nach und nach eigene Mechanismen daraus geworden sind, die den Spielstil unterstützen sollen.

Dabei denke ich eigentlich nicht in Gut und Böse sondern in verschiedenen inneren Haltungen, die nach außen gesehen zu diesen Schubladen führen. Den klassisch "bösen" Charakter, der Teil einer Horde ist, teile ich ein in die Haltung des "Limbus". Für mich heißt das, er leidet zwar in einer Art inneren Vorhölle, traut sich da aber nicht raus, da er Angst vor den Konsequenzen hat. Er steht modern gesagt sozusagen in einer toxischen Beziehung mit seinem "Overlord". Und so zweigt sich das System immer weiter ab.

Achtung Eigenwerbung: Tatsächlich habe ich unsere Regeln inzwischen verschriftlicht und zum Gratis Download zur Verfügung gestellt. Ihr erhaltet sie auf www.supernovadynasty.de

Wäre natürlich gespannt, was ihr dazu sagt.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Quaint am 31.03.2026 | 15:56
Moralische Grauzonen haben wir in meinen Runden oft, z.B. unschuldige Zeugen beseitigen damit der Gegner keine Info bekommt. Ich spiele und leite auch schonmal sowas wie Vampire, wo man zwar von der Menschlichkeit etwas gezügelt wird, aber schon oft fragwürdige Dinge tut.
Dezidiert "böse" Gruppen sind aber selten bei mir. Einmal hatten wir in einem eigenen Fantasysetting eine Magierin dabei mit gesteigertem Interesse an verbotenem Wissen, da wollte sich irgendwann die Gruppe so ner Art Dämonenkult anschließen, aber die Kultisten waren so fies, dass da Grenzen überschritten wurden. Gut ist 20 Jahre her, safety tools waren da nicht so verbreitet. Jedenfalls dann Richtungswechsel und den Autoritäten gegen den Kult helfen, Rest der Kampagne dann eher nette Leute.
Und einmal haben wir Dunkelelfen gespielt, wobei so die gröbsten Geschmacklosigkeiten ausgelassen wurden wir aber schon Sklaven geholt haben usw. Da war gruppenintern auch straffes Regiment, die Dame Anführerin hat die Leute bissle auf Linie gehalten, gab dann kein PVP oder so.
Ich würde das evtl. auch nochmal probieren mit ner bösen Gruppe wenn ich die Leute bissle kenne. Aber meine Frau ist halt meist dabei wenn ich spiele / leite und die mag so böse Charaktere und Gruppen nicht.
Und einzelne böse Charaktere ging meistens nicht lange gut.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 31.03.2026 | 15:57
Hm... vielleicht Magneto?

Ja, Du sprichst da einen Teil dessen an, was mich an DC/Marvel und Co total abtörnt  ;)

Ich frage mich, warum Arschl***er nicht einfach mal richtig fiese, miese Möpp sein können/dürfen. Finde ich viel plausibler und cooler, als diesen Kokolores.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 31.03.2026 | 16:00
Anderer Aspekt zum Thema:

ich spiele auf einer sehr mittelalterlich inspirierten Fantasywelt mit einem mittelalterlichen Monotheismus samt Inquisition und altem Glauben einen Magiekundigen.
Für die Kirche, aka die Guten, bin ich damit natürlich böse und gehöre hochnotpeinlich befragt und dann dem reinigenden Feuer überlassen.

Das ist für mich eindeutig NICHT das, was wir hier im Thread diskutieren.
Oder wie siehst Du das @Zouan81?
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Gorilla am 31.03.2026 | 16:03
Ja, Du sprichst da einen Teil dessen an, was mich an DC/Marvel und Co total abtörnt  ;)

Ich frage mich, warum Arschl***er nicht einfach mal richtig fiese, miese Möpp sein können/dürfen. Finde ich viel plausibler und cooler, als diesen Kokolores.
Würdest du tatsächlich sagen, dass es plausibler ist?
Das entspricht ja eher nicht der Realität. Die wenigsten Menschen wollen böse sein, um des böse Seins Willen.
Gut und Böse wird doch am Scheideweg von moralisch relevanten Entscheidungen festgelegt: Werden gewissen (halbwegs) eindeutige Grenzen überschritten oder nicht?

Das bedeutet nicht, dass es absolute Ausnahmefälle natürlich gibt. Das ist aber einfach nur pathologisch und hat keinen nachvollziehbaren "Sinn" für Außenstehende.
Da halte ich die üblichen Bösewichte aus Medienwelt und Geschichte für viel brauchbarer für Rollenspiel: Die Motive sind irgendwie verständlich und es liegt eine gewisse Vielschichtigkeit zugrunde. Daraus lässt sich ein Charakter (im Wortsinn) entwickeln.
Ein Psychopath ist ein Psychopath ist ein Psychopath. Langweiliger geht kaum.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 31.03.2026 | 16:12
Würdest du tatsächlich sagen, dass es plausibler ist?
Das entspricht ja eher nicht der Realität. Die wenigsten Menschen wollen böse sein, um des böse Seins Willen.
Gut und Böse wird doch am Scheideweg von moralisch relevanten Entscheidungen festgelegt: Werden gewissen (halbwegs) eindeutige Grenzen überschritten oder nicht?

Das bedeutet nicht, dass es absolute Ausnahmefälle natürlich gibt. Das ist aber einfach nur pathologisch und hat keinen nachvollziehbaren "Sinn" für Außenstehende.
Da halte ich die üblichen Bösewichte aus Medienwelt und Geschichte für viel brauchbarer für Rollenspiel: Die Motive sind irgendwie verständlich und es liegt eine gewisse Vielschichtigkeit zugrunde. Daraus lässt sich ein Charakter (im Wortsinn) entwickeln.
Ein Psychopath ist ein Psychopath ist ein Psychopath. Langweiliger geht kaum.

Ich finde Böse, die sich bewusst für die böse Seite entschieden haben viel cooler, als (achtung Übertreibung!) Mimimi-Emo-Missverstandene-Eigentlichwillichnuranerkennungundliiiieeebeeee-Depri-Schurken. Zumal Letztere dann wiederum total ausgeklügelte, menschenverachtende und minutiöse Weltuntergangs-Pläne schmieden.
Ich mag (den alten) Darth Vader. Ich mag Drow. Ich finde Necromonger, Dämonen oder Teufel einfach tolle Bösewichte.

Wenn jetzt ... ein Joker als Antagonist eine richtig miese Storyline bekommt und dieser aber NICHT mit seinen Zielen hadert, sondern diese kalkuliert und bewusst durchzieht, dann wiederum passt es für mich. Als Einzelperson.
Aber sollte deshalb ein böses Volk, wie die Drow, nur aus Psychopathen, Narzissten oder Westentaschenmachiavellis bestehen? Finde ich ganz und gar nicht.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Prisma am 31.03.2026 | 16:28
Aber sollte deshalb ein böses Volk, wie die Drow, nur aus Psychopathen, Narzissten oder Westentaschenmachiavellis bestehen? Finde ich ganz und gar nicht.
Finde ich auch nicht. Ginge auch nicht, weil ohne ein gewisses Maß an Kooperation könnte sich diese Gesellschaft nicht halten. Das diese Wesenszüge in dieser Gesellschaft vorkommen, vielleicht häufiger oder größer dosiert als in anderen, ist ja ungenommen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Zouan81 am 31.03.2026 | 16:50
Nun, je nach Setting kann ein SC in einer Kultur, wo Zauberei geächtet wird, als Zauberer oder Kultist schon als böse wahrgenommen werden, auch wenn er keine verwerflichen Ziele verfolgt.

Böse Charaktere könnten schon solche sein, die gegensätzliche Ziele verfolgen als sie bspw ein Paladin verfolgen würde.

Stehlen muss nicht zwingend böse sein, wenn es darum geht, damit einem Antagonisten das Handwerk zu legen.

Definitiv böse wäre das Handeln im Sinne eines Machtausbaus oder Questen im Interesse eines Tyrannen auszuführen.

Ähnlich wäre es wohl auch wenn ein Charakter im Interesse einer Verbrecherorganisation handelt und dabei über Leichen geht.

Böse sein nur des Böse seins willen ist natürlich nicht sehr einfallsreich und authentisch. Es sollten dahinter auch plausible Ziele verfolgt werden.

Ein Extrem wie ein chaotisch böser Charakter, der nur aus Zerstörungswut handelt, muss es gar nicht unbedingt sein.

Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 31.03.2026 | 16:55
Ich frage mich gerade, was ich tun muss und auch wie regelmäßig und ggf auch ambitioniert, um überhaupt das "böse" in der Gesinnung zu verdienen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Zed am 31.03.2026 | 17:01
Wenn es hier um "moralisch graue", um differenzierte Charaktere in Gruppen geht, dann fällt meine Antwort anders aus.

Ich halte es ähnlich wie Quaint, meine Runden waren/sind immer nicht "rein gut". Sie wollen die Welt zum besseren verändern, und das geht in einem an Wahrhaftigkeit angelehnten Spiel nicht ohne Grauzonen, Stichwort: Manchmal gibt es nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Eine Figur in meiner Langzeitgruppe würde ich zwar als neutral-evil bezeichnen, jedoch lässt sie sich immer von der Gruppenmehrheit einfangen.

Wenn es den Gruppen-Konsens "Wir wollen die Welt zum Besseren beeinflussen" nicht gibt und alle "böse" spielen wollen, dann gilt meine Antwort oben (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,132695.msg135338880.html#msg135338880).
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 31.03.2026 | 17:13
Wir hatten mal als böse Goblins einen Oneshot gespielt. War ganz lustig, doch es gab da auch gewisse Grenzen, wo wir nicht überschritten hatten. ZB Kinder abmurksen lag nicht drin.

"Kobolds Ate My Baby" (wo man die besagten Kobolde spielt und tatsächlich Babies als Futter für König Torg -- LANG LEBE KÖNIG TORG! -- beschaffen soll) wäre also bei allem reingepackten Humor schon mal nichts für dich. :)
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Blizzard am 31.03.2026 | 17:25
Das haben wir 1x gemacht, ist allerdings schon einige Jährchen her. Damals -müsste so Anfang der 2000er gewesen sein- hatten wir uns zu einer Arcane Codex- Spielrunde zusammengefunden. Wir hatten damals ausgemacht, dass es 2 SLs gibt, die abwechselnd leiten- und dass wir auf jeden Fall erstmal verschiedene Charakterkonzepte ausprobieren wollen in diversen One -und FewShots. AC war damals brandneu und lud eben auch einfach zum Experimentieren ein. Nach einer Weile kam dann von Seiten der Spieler der Wunsch auf, auch mal eine "böse" Gruppe zu spielen...und zwar eine Gruppe von Morai (Dunkelelfen), allesamt aufgewachsen irgendwo in Xirr Nagesh. Naja, und was soll ich sagen...Am Anfang fanden es irgendwie alle cool und spannend. War halt' irgendwie mal was Anderes. Aber so nach 3-4 Sitzungen hat man schon gemerkt, dass nicht nur irgendwie die Luft raus ist, sondern dass es auch der Gruppe insgesamt nicht so liegt. Und von da an sind wir dann wieder dahin zurückgekehrt, eine -weitestgehend- "normale" Gruppe an Charakteren zu spielen.

Es war auf jeden Fall gut, dass wir das mal gemacht und ausprobiert haben. Aber seither weiß ich, dass mein Bedarf an "bösen" Charakteren so ziemlich gedeckt ist und ich das eigentlich auch nicht mehr brauche (in meinen Spielrunden).
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 31.03.2026 | 17:25
Anderer Aspekt zum Thema:

ich spiele auf einer sehr mittelalterlich inspirierten Fantasywelt mit einem mittelalterlichen Monotheismus samt Inquisition und altem Glauben einen Magiekundigen.
Für die Kirche, aka die Guten, bin ich damit natürlich böse und gehöre hochnotpeinlich befragt und dann dem reinigenden Feuer überlassen.

Das ist für mich eindeutig NICHT das, was wir hier im Thread diskutieren.
Oder wie siehst Du das @Zouan81?

Na ja, weiß man's ohne weitere Angaben zum Setting? >;D Vielleicht ist die Kirche in dieser Welt ja einfach objektiv im Recht und die Seele jedes Magiers automatisch schon ab dem Moment verdammt, in dem er aus noch so "unschuldig" klingenden Motiven diese Laufbahn einschlägt? (Wär' doch genau die Sorte Trick, die den hintertückischen Höllenmächten praktisch schon auf den Leib geschneidert ist -- sie drücken irgendso einem sterblichen Trottel weltliche Zaubermacht in die Hand und wenn er in ein paar kurzen Tagen, Monaten, oder Jahrzehnten den Löffel abgibt, dann präsentieren sie ihm die Rechnung. Gnihihihihi...)

Und natürlich gibt's allemal auch Welten, in denen Magier einfach durch die Bank finstere Dämonenpaktierer sind und das auch wissen -- spätestens bei so jemandem sind wir dann wieder zurück im Faden.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Zocat am 31.03.2026 | 17:29
Eine Gruppe von Kultisten in Cthulhu. War aber keine längere Kampagne. 

Hat sich nicht sonderlich von unseren normalen Sitzungen unterschieden, hauptsächlich die Motivation der Charaktere war einfach eine andere. Einzig alleine, ob sie erfolgreich waren ist unklar und jedem Spieler selbst überlassen. Die Charaktere haben sich im finalen Ritual geopfert, aber vlt hat der Kultistenanführer oder jemand Drittes das Ritual manipuliert?
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Galatea am 31.03.2026 | 17:36
"Gut" und "böse" sind relativ - die wenigstens RPG-Charaktergruppen dürften das Prädikat "gut" vollumfänglich erfüllen.
Auch ohne den klassischen Mörderhobo wird oft genug gesoffen, gehurt, geplündert und Monster totgeschlagen einfach "weil man's kann" ohne dass das jetzt jemandem ernsthaft was bringen würde.

Und wie schon angesprochen gibt es auch durchaus Gruppen, die "für das höhere Wohl" bedenkenlos über Leichen gehen - oder eben auch Gruppen, die sich die Regentschaft über ein Land unter den Nagel reißen wollen OHNE dabei jedes Gehöft anzuzünden, jeden Wald abzubrennen und jeden Bauern zu ermorden.
Eine solche "böse" Gruppe zu spielen kann durchaus cool sein. Nicht jede böse Gruppe ist ein Psychopathentrupp oder die fleischgewordene Apokalypse.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Gorilla am 31.03.2026 | 17:40
Na ja, weiß man's ohne weitere Angaben zum Setting? >;D Vielleicht ist die Kirche in dieser Welt ja einfach objektiv im Recht und die Seele jedes Magiers automatisch schon ab dem Moment verdammt, in dem er aus noch so "unschuldig" klingenden Motiven diese Laufbahn einschlägt? (Wär' doch genau die Sorte Trick, die den hintertückischen Höllenmächten praktisch schon auf den Leib geschneidert ist -- sie drücken irgendso einem sterblichen Trottel weltliche Zaubermacht in die Hand und wenn er in ein paar kurzen Tagen, Monaten, oder Jahrzehnten den Löffel abgibt, dann präsentieren sie ihm die Rechnung. Gnihihihihi...)

Und natürlich gibt's allemal auch Welten, in denen Magier einfach durch die Bank finstere Dämonenpaktierer sind und das auch wissen -- spätestens bei so jemandem sind wir dann wieder zurück im Faden.

Gemini irgendwer?

Ich sehe in dem Spannungsverhältnis gut gegen böse oder der Frage, welche Mittel denn für welchen Zweck gerechtfertigt sind, einen entscheidenden Reiz des Rollenspiels. Dadurch entsteht ja nicht nur innerer Konflikt für die Helden und die Gruppe sondern auch äußerer innerhalb der Spielwelt zwischen Organisationen, Nationen und NSC.
In den meisten Fällen ist das ja sogar in der Entstehungsgeschichte der Spielwelten so angelegt (z.B. typischweise mit den Chaosgöttern auf der einen Seite, die Zerstörung bringen und den Lichtgöttern auf der anderen, die immer wieder neues Leben erschaffen und diese beide Lager befinden sich in so etwas wie einem fragilen Gleichgewicht).
Die meisten großen Epen in Literatur und Film handeln von Konflikt zwischen gut und böse und oft sind die Protagonisten gezwungen schwierige Entscheidungen zu treffen.

Sobald das zu sehr in die eine oder andere Richtung abdriftet, bleibt dieser Aspekt unserer Hobbys komplett außen vor und ein relevanter (möglicher) Teil des Abenteuer bleibt komplett unbelichtet.

Auf dieser Skala von gut und böse ist es also sicher unterhaltsam und interessant auch gelegentlich SC zu spielen, die stärker in Richtung von böse ausschlagen. Aber absolut böse und somit eindimensional bietet in meinen Augen gar keinen dauerhaften Unterhaltungswert (über Splatter- und Horrorgelüstebefriedigung hinaus - was sich auch sehr schnell abnutzt).
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: unicum am 31.03.2026 | 17:48
Generell: das Spielen von Klischeebösewichten à la „Muhahaha, ich bringe euch alle um“ empfinde ich als dumm, peinlich und infantil. Interessante „böse“ Charaktere sind spannend.

Ein guter Krimi, ein guter Film steht und fällt nicht mit dem Helden in dem Dokument sondern in dem Bösewicht. Gerade etwa James Bond lebt immer von den Bösewichten und nicht von Jimmy. Sauron im Herr der Ringe (buch) taucht nie wirklich auf.

Selten ist ein Fimbösewicht auf den von dir postuliertem "Muhahaha" Tripp und es ist doch noch eine gute Geschichte, oft ist das dann eher im Horror Gerne - Alien etwa, die Besatzung hat einfach keine Chance gegen das Ding - dessen Ziel es wirklich ist alle umzubringen.


Hier gilt aber auch wieder: gut und böse sind keine sinnvollen Kategorien. Es gibt z.B. (für mich überraschend) in Muster: A Primer for War (PWYW) (https://www.drivethrurpg.com/en/product/413382/muster) eine ganz spannende Abhandlung über die kolonialrassistischen Elemente in den Anfängen unseres Hobbies (Adventurers are white, monsters are natives, Adventure is conquest). Wird daraus dann direkt (gerechter) Widerstand, wenn man die Monster spielt? Weiß ja nicht, aber interessant kann das allemal sein.

Äh,... naja ich kenne mitlerweile schon einige Bücher die viel in etwas hineinitrepretieren was nicht unbedingt da ist. Weswegen ich  pauschalisierungen generell mitlerweile in Frage stelle. Gerade weil ich eben auch schon anderes dazu gelesen habe. "Its not about white vs black, its more about white, yello and green together against pink and purple." Wenn man ein Haar in der Suppe sucht, wird man auch eines finden. Ich hab das erste D&D nie gelesen aber stand da wirklich drin das "Adventurers are white"?
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 31.03.2026 | 17:54
Die meisten großen Epen in Literatur und Film handeln von Konflikt zwischen gut und böse und oft sind die Protagonisten gezwungen schwierige Entscheidungen zu treffen.

Sagen wir, die meisten großen Epen in Literatur und Film handeln von entsprechend dramatischen Konflikten...und Punkt. Welche der beteiligten Parteien dabei nun "gut", "böse", oder auch einfach nur sympathisch/unsympathisch ist, das bleibt dem Urteil des geneigten Publikums überlassen.

Tatsächlich ist es ja sogar eher so, daß Stoff, der in moralischer Hinsicht gar zu oberlehrerhaft schwarzweiß malt, seinerseits schnell mal ein "Agenda"-Geschmäckle entwickelt und genau dadurch dann wieder Begeisterungspunkte verliert, weil die meisten von uns sich überhaupt nicht so gerne blanke Propaganda unterjubeln lassen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Zocat am 31.03.2026 | 18:07
Äh,... naja ich kenne mitlerweile schon einige Bücher die viel in etwas hineinitrepretieren was nicht unbedingt da ist. Weswegen ich  pauschalisierungen generell mitlerweile in Frage stelle. Gerade weil ich eben auch schon anderes dazu gelesen habe. "Its not about white vs black, its more about white, yello and green together against pink and purple." Wenn man ein Haar in der Suppe sucht, wird man auch eines finden. Ich hab das erste D&D nie gelesen aber stand da wirklich drin das "Adventurers are white"?

Ist halt Death of the Author. Solange man es selbst reininterpretiert ist es egal, ob der originale Schreiber es genauso meinte.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Prisma am 31.03.2026 | 18:18
@Maarzan @Prisma @blackris @Gorilla

Auch wenn sich die Diskussion, welche realweltlichen politischen Themen im frühen D&D zu finden sind, aus der Diskussion entwickelt haben, würde ich darum bitten, diese Diskussion hier zu lassen. Sie gehört eher in "Rollenspiel und Gesellschaft".

Wenn ihr das noch weiter diskutieren wollt, kann ich eure Posts gerne in das Subforum verschieben

Von meiner Seite aus, bitte ich darum, denn es gibt möglicherweise ein Missverständnis, welches geklärt werden sollte.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Gorilla am 31.03.2026 | 18:49
Sagen wir, die meisten großen Epen in Literatur und Film handeln von entsprechend dramatischen Konflikten...und Punkt. Welche der beteiligten Parteien dabei nun "gut", "böse", oder auch einfach nur sympathisch/unsympathisch ist, das bleibt dem Urteil des geneigten Publikums überlassen.

Tatsächlich ist es ja sogar eher so, daß Stoff, der in moralischer Hinsicht gar zu oberlehrerhaft schwarzweiß malt, seinerseits schnell mal ein "Agenda"-Geschmäckle entwickelt und genau dadurch dann wieder Begeisterungspunkte verliert, weil die meisten von uns sich überhaupt nicht so gerne blanke Propaganda unterjubeln lassen.

LotR, Star Wars? Mehr Begeisterung ist schlecht denkbar, schaut man sich den jahrzehntelangen kommerziellen Erfolg an.
Und gleichzeitig ist auch noch klassischer Gut gegen Böse kaum möglich. Die beiden Seiten lassen sich recht unwidersprochen eindeutig verorten. Daran ist nichts Oberlehrerhaftes oder ein erhobener Zeigefinger.
Selbst Dune (1), Rad der Zeit, Sanderson allgemein. Sogar klassisches Drama handelt oft von diesem moralischen Spannungsverhältnis. Oft innerweltlich auf die Protagonist:innen bezogen (und dann deren eventuellen Scheitern, je nachdem ob jetzt Tragödie oder Komödie) aber oft dann auch auf eine andere externe Ebene transportiert (weil sonst ja in der Handlung wenig passiert).

Unabhängig davon bleiben gut und böse zwangsläufig relativ.
Bei der Bewertung (durch uns Spielende) kommen natürlich ebenfalls unterschiedliche Bewertungen zum Tragen.
Das eröffnet uns im RPG dann auch wieder unendliche Möglichkeiten, die Skala auszuleuchten und zu bespielen.

Um also zur Ausgangsfrage zurückzukommen:
Wir haben wahrscheinlich schon Alle (mindestens teilweise) "böse" Charaktere gespielt oder mit solchen geleitet.
Da ist wenig Neues dabei.

Ob es dann auf ganz ausdrücklich eindimensional böse SC zutrifft, kann das Bild ganz anders ausfallen. Ich persönlich denke nicht, dass dafür relevantes Interesse besteht.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 31.03.2026 | 19:32
LotR, Star Wars? Mehr Begeisterung ist schlecht denkbar, schaut man sich den jahrzehntelangen kommerziellen Erfolg an.

Gilgamesch-Epos, Ilias, Reise nach Westen...wer sind die klar "Guten" (gerade bei Typen wie Achilles oder Sun Wukong wird's schwierig, sie einfach so einzusortieren), wer die "Bösen"?

Sicher: eine Unterscheidung zwischen "Freund" und "Feind" kann man meistens gut treffen. Aber jemanden einfach nur deshalb schon als "automatisch gut" einzusortieren, weil er halt als Protagonist oder Verbündeter desselben präsentiert wird, wäre auch schon wieder gefährlich zu kurz gedacht (und würde im Sinne dieses Fadens auch bloß zu der etwas patzigen Antwort "Man kann gar keine bösen Charaktere spielen, denn für sich selbst ist jeder der Held!" führen). Auch der sympathischste Charakter hat seine Schwächen und der unsympathischste womöglich ein paar nicht ganz so finstere Flecken oder etwas wie "Böse geboren, hatte nie eine andere Wahl", was ihn bei genauerem Überlegen mehr zum Opfer als zum Täter macht...kurz, da gehört schon noch ein bißchen mehr dazu.

Tolkien funktioniert für mich, weil er sich tatsächlich Gedanken gemacht und sie auch in sein Werk einfließen lassen hat, statt einfach bloß Schwarzweißmalerei zu betreiben; wir erinnern uns vielleicht an Gandalfs Worte zum Thema Gnade. Star Wars...tut sich bei mir schon schwerer, auch, weil mir die "Dunkle Seite der Macht" ein bißchen zu aufgeblasen daherkommt und sich mir ein Stück weit die Vermutung aufdrängt, daß weder Sith noch Jedi jemals so recht verstanden haben, was "die Macht" nun eigentlich genau ist. (Womit ich nicht behaupten will, daß ich das besser wüßte; nur klingt das, was man zum Thema tatsächlich erfährt, für mich eben deutlich mehr nach verschwurbeltem Dogma als nach einer konkreten Erklärung ihrer Eigenschaften, Risiken, und Nebenwirkungen.) Und gar zu toll für mich treibt's dann C.S. Lewis mit insbesondere seinen späteren Narnia-Romanen, in denen ich das "Aslan ist Jesus und alles, was er und seine Getreuen wollen und machen, ist GUT, und alles, was seine Gegner wollen und tun, ist BÖSE, und wer was anderes denkt, ist dem BÖSEN schon auf den Leim gegangen!"-Schild, das er seinen Lesern um die Ohren haut, einfach nicht mehr übersehen kann...
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Prisma am 31.03.2026 | 19:48
Star Wars ist ein interessanter Fall. Ist Luke nun gut oder böse? Aus der Perspektive des Zuschauers, ist er der Gute, ein Freiheitskämpfer. Aus der Perspektive des durchschnittlichen imperialen Bürgers der täglich seinen 9-5 Job hat, ist er ein Terrorist der Millionen umgebracht hat (erster Todesstern) und die Sicherheit in der Galaxis bedroht.

Was ist mit Han Solo? Sympathischer Held, doch eigentlich ein Krimineller (Schmuggler) der für das organisierte Verbrechen Ware schiebt. Und das dürfte auch kein Vanillieeis gewesen sein, sondern so illegal das er die Fracht dumpen musste.

   
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 31.03.2026 | 20:01
Star Wars ist ein interessanter Fall. Ist Luke nun gut oder böse? Aus der Perspektive des Zuschauers, ist er der Gute, ein Freiheitskämpfer. Aus der Perspektive des durchschnittlichen imperialen Bürgers der täglich seinen 9-5 Job hat, ist er ein Terrorist der Millionen umgebracht hat (erster Todesstern) und die Sicherheit in der Galaxis bedroht.

Was ist mit Han Solo? Sympathischer Held, doch eigentlich ein Krimineller (Schmuggler) der für das organisierte Verbrechen Ware schiebt. Und das dürfte auch kein Vanillieeis gewesen sein, sondern so illegal das er die Fracht dumpen musste.

 

Und natürlich: Das Imperium war ja eigentlich immer noch "nur" die Republik unter neuem Management. Gewisse historische Parallelen drängen sich auf, aber in jedem Fall kann man längst nicht bei jedem "Imperialen" automatisch davon ausgehen, daß er selbst persönlich auch ein ähnlich skrupelloser Bösling ist wie manche Exemplare aus den Führungsrängen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Gorilla am 31.03.2026 | 20:07
Da stimme ich dir ja ausdrücklich zu.
Am Ende verorten die Zuschauer:innen die Charaktere dann aber doch (binär) auf der einen oder anderen "Seite". Das muss nicht immer sinnvoll sein, aber geschieht in der Praxis meist.
Das Hinterfragen von Positionen geschieht tendenziell eher hinterher, wenn man über das Buch oder den Film nachdenkt und weniger im Moment, wo das Medium konsumiert wird - da ist es ja eher eine Assoziation als eine bewusste Zuschreibung.
Als "gut" oder eben "böse" wird dann häufig wohl (individuell pro Werk unterschiedlich) die Figur erfahren oder verstanden, deren Handeln dem eigenen Werteverständnis am nächsten kommt - hier scheint es dann doch eine recht große Schnittmenge zu geben, weil die Wenigsten Darth Vader als "den Guten" beschreiben würden - oder auch Bilbo als "den Bösen".
Die Dichotomie löst sich mit mehr Nachdenken natürlich immer mehr auf - die meisten Popkultur-Bösewichte haben teilweise nachvollziehbare Motivation.
Es würde aber dennoch wohl niemanden einfallen, Vader als "den Guten" zu beschreiben, der ja gar keine einzige andere Wahl hatte, weil sein Leben in seiner Kindheit und Jugend irgendwie doof war. Nachvollziehbar vielleicht zum Teil, aber nicht "gut".
Diese Unterscheidung ist in der Popkultur sicher oft trennschärfer als in der Historie oder insbesondere bei den griechischen Tragödien (die sind da viel komplexer).

Schlussendlich wir wieder sind bei: Es ist relativ. Und darüber hinaus ist es auch noch subjektiv unterschiedlich.
Also viel Raum für Rollenspiel in jeglicher Form.

---
Star Wars ist ein interessanter Fall. Ist Luke nun gut oder böse? Aus der Perspektive des Zuschauers, ist er der Gute, ein Freiheitskämpfer. Aus der Perspektive des durchschnittlichen imperialen Bürgers der täglich seinen 9-5 Job hat, ist er ein Terrorist der Millionen umgebracht hat (erster Todesstern) und die Sicherheit in der Galaxis bedroht.

Was ist mit Han Solo? Sympathischer Held, doch eigentlich ein Krimineller (Schmuggler) der für das organisierte Verbrechen Ware schiebt. Und das dürfte auch kein Vanillieeis gewesen sein, sondern so illegal das er die Fracht dumpen musste.

Ist das so zweifelhaft? In einem menschenverachtenden System der Unterdrückung bleibt Luke wohl auch für die meisten eher ein "Guter".
Was Han schmuggelt, spielt keine Rolle, weil er dadurch zum "Guten" wird, dass er in entscheidenden Situationen das moralisch Richtige tut.
Darum dreht sich ein Teil der Diskussion hier ja schon eine Weile: Einzelne Taten oder Unterlassungen sind nicht entscheidend. Die allermeisten Charaktere vereinen Wesenszüge der einen wie der anderen Seite.

Es muss vornehmlich um eine halbwegs nachvollziehbare objektive (zumindest intersubjektive) Bewertung aus der Außenperspektive als Spieler:in und nicht als SC. Sonst würde das Thema noch undurchschaubarer.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 31.03.2026 | 20:26
Ich sagte ja schon mal: "böse" ist mir einfach zu vage. ;)

Und umgekehrt brauche ich für ein SC-Gruppenkonzept wie "Ihr seid alle bei der Fäntelmafia und arbeitet im Moment für den örtlichen Unterboß" nicht erst noch ein plakatives gut/böse-Etikett; da kann ich mir schon denken, daß jeder Spielercharakter einigermaßen handfesten Dreck am Stecken haben und keiner von den ganz Netten sein wird. Interessant wird da eher, mit wem wir es im Spiel zu tun bekommen -- treiben wir bloß Schutzgelder ein und bestechen/erpressen die örtlichen Autoritäten? Müssen wir uns mit Konkurrenz von einer anderen Organisation herumschlagen? Gibt's eine plötzliche übernatürliche Monsterinvasion mitten in unserer Stadt, gegen die wir uns mit allen, auch den "Guten", zusammenschließen und die Unschuldigen beschützen müssen, weil keine Fraktion alleine eine echte Chance hat (und die Alternativen allesamt schlecht fürs Geschäft wären)? Selbst bei ansonsten gleichen Protagonisten sind das drei recht unterschiedliche Szenarien...
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Prisma am 31.03.2026 | 20:32
Ich empfehle den YT-Kanal The Vile Eye (https://www.youtube.com/@TheVileEye/featured). Der hat eine interessante "Analyzing Evil" Reihe.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Issi am 31.03.2026 | 21:05
Hallo!

Mir kam jetzt mal der Einfall mit der Frage, ob Ihr schon mal ein Abenteuer für böse Charaktere geschrieben oder geleitet habt.

Ja, es ist wahrscheinlich schwieriger zu spielen, da böse Charaktere für gewöhnlich nicht besonders gut zusammenarbeiten und es halt nichts "heldenhaftes" zu tun gibt.

Andererseits eröffnet es ja auch neue Möglichkeiten, wenn man die Antagonisten spielt und es als Queste darum geht, bspw. eine gut gesinnte Abenteuergruppe aufzusuchen und unschädlich zu machen.

Falls Ihr schon mal sowas gemacht habt, wie waren Eure Erfahrungen?

Gibt es überhaupt eine Nachfrage für Abenteuer, die für böse Charaktere zugeschnitten sind?


Fragen über Fragen.

Bin auf Eure Antworten gespannt.
Nein, bewusst nicht.
(Zumindest wie ich die gegebene Definition aufasse)


Hatten schon allerhand "böse" Einzelfiguren in der Gruppe. Die dann zum Teil sogar den Rest der Gruppe gekillt hätten, wäre es ihnen gelungen.
Stattdessen wurden sie bei dem Fehlversuch selbst gerichtet.

Und natürlich auch solche, die sich das verkniffen und lieber nur NSC heimlich getötet haben.
Letztere waren leichter kompatibel- da es zumindest eine Art von Loyalität gab.
Aber auch die wären zur Rechenschaft gezogen worden, wäre die Gruppe ihnen auf die Schliche gekommen.
Glaube Letzteres ist wahrscheinlich auch das, was die betreffenden Spieler daran reizt.

Also - wären sie nur ein Böser unter Bösen wäre dieser Reiz weg.

Abgesehen davon ginge eine ganze Gruppe nur mit Loyal Bösen wirklich gut zu spielen.
Die irgendein Oberwicht zusammen hält.
(Ansonsten würde sich wohl jeder nur um sich selbst scheren)
Und das wäre dann eher ne Slapstick Runde.
Bei der alle vor irgendeinem super skrupellosen Boss kuschen.
Und Unschuldige abmurksen, steht ja jetzt auch nicht bei jedem ganz oben auf der persönlichen "Must have" Liste

Also da finde ich ne Runde "Werwolf" doch einfacher.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Alter Weißer Pottwal am 31.03.2026 | 22:19
Das Problem sind die Spieler, die denken böse Charaktere müssten Soziopathen sein. Das funktioniert dann so gut wie eine gute Gruppe voller Pazifisten.
Böse Charaktere suchen zuerst einmal ihren eigenen Vorteil und sind bereit andere zu benachteiligen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Issi am 31.03.2026 | 22:30
Das Problem sind die Spieler, die denken böse Charaktere müssten Soziopathen sein. Das funktioniert dann so gut wie eine gute Gruppe voller Pazifisten.
Böse Charaktere suchen zuerst einmal ihren eigenen Vorteil und sind bereit andere zu benachteiligen.
Nach der Definition wäre jede zweite Figur böse,
(Falls das reicht)
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Wonko am 1.04.2026 | 00:17
Ich möchte hier nicht die ethische Diskussion führen, aber kurz einwerfen, dass es zwar vielleicht böse Handlungen gibt (Definition etwa: solche die das Leid anderer bewusst oder billigend in Kauf nehmen, um eigene Ziele durchzusetzen), aber keine bösen Charaktere oder gar böse Menschen. Das ist einfach nur eine Konstruktion, die der Realität und Komplexität der menschlichen Psyche nicht gerecht wird.


Mein erster Versuch, Charaktere zu spielen, die zu bösen Handlungen bereit sind, war mithin (als Spieler) ebenfalls eine Gruppe Drow. Die Runde hat sich schnell erledigt, nachdem die Charaktere angefangen haben, sich gegenseitig umzubringen. Ich glaube nicht dass das unmöglich ist, aber es fehlt wie in diesem Fall oft an den nötigen Vorgaben, um das zum Funktionieren zu bringen. Insgesamt habe ich wenig Interesse daran, dass noch mal zu versuchen. Es könnte vielleicht unterhaltsam sein, aber es gibt schon genug Arschlöcher auf der Welt, da macht es mir einfach viel mehr Spaß, "die Guten" zu spielen. Auch da finde ich es eher wenig Interessant, alle Grauzonen zu beleuchten. Ich akzeptiere lieber, dass die Hügelriesen unwiderruflich böse sind, als über die moralischen Implikationen nachzudenken, weil die ja auch nur manipuliert und ausgenutzt wurden (Against the Giants).

Gelegentlich finde ich es dennoch ganz interessant, etwa in dem Spiel "Dog Eat Dog", in dem es um Kolonialismus geht.

In kürzeren Episoden macht es schon mal Spaß. Reverse Dungeon habe ich mal geleitet. Hier besteht aber der Reiz eher aus der Absurdität der verdrehten Prämisse. Es geht nicht wirklich darum, das Böse (TM) in seinen Details auszuspielen.

Kobolds Ate My Baby fand ich großartig. Auch hier wird das ethische Gehirn aber (ggbf. durch ausreichenden Bierkonsum) gründlich abgeschaltet, um das zu genießen.

Fiasko ist letztlich ähnlich. Hier geht es nicht so sehr um Böse sondern "ordinary people with powerful ambition and poor impulse control". Und dann diebisch-schadenfroh zu genießen, wie diese sich so richtig selbst ins Verderben reiten.




Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 1.04.2026 | 07:39
Ich denke für eine böse Gruppe ist auch noch einmal etwas anderes als für eine Gruppe mit bösen Charakteren  (oder auch nur einen) .
Es werden sich meinem Eindruck nach auch gar nicht so viele Leute finden lassen, die diese Konstellation gut finden würden, vor allem, da eine Gruppe mit bösen Charakteren meiner Erfahrung nach erheblich effektiver ist Chaotisch-böse Charaktere zu eliminieren - mein Charakter ist halt so -> meiner auch!
Das senkt den Reiz einen bösen Charakter zu spielen deutlich.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: gunware am 1.04.2026 | 07:51
Was mir auffällt, viele verbinden böse mit morden. Warum nicht einen rechtschaffen bösen Pazifisten spielen?
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 1.04.2026 | 08:23
Was mir auffällt, viele verbinden böse mit morden. Warum nicht einen rechtschaffen bösen Pazifisten spielen?
Naja, gibt nicht viel interessantes zu tun, wenn die eigentliche " Arbeit"  dann immer wer anderes macht. Und du mußt ja erst einmal eine mörderische Gruppe haben, die du dann unterstützen kannst, indem du wiederum andere Leute beeinflußt, welche die reale Möglichkeit hätten einzugreifen und trotzdem totalen Pazifismus gut finden.
Am ehesten würde mir da Startrek einfallen: Völkermord in System WTF? können wir nichts machen, die haben noch kein Warp.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Galatea am 1.04.2026 | 09:08
Was mir auffällt, viele verbinden böse mit morden. Warum nicht einen rechtschaffen bösen Pazifisten spielen?
Aber wenn der Charakter nicht jede Woche ein Waisenhaus anzündet, dann ist der doch nicht wirklich böse*...

*das ist zumindest mein Eindruck von der Diskussion hier
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Galatea am 1.04.2026 | 09:11
Am ehesten würde mir da Startrek einfallen: Völkermord in System WTF? können wir nichts machen, die haben noch kein Warp.
Wobei das auch eher ein TNG-Phänomen ist. Kirk interessiert sich einen Kack für die Direktive, DS9 ist sowieso in allem sehr pragmatisch und Janeway, uh... ist Janeway (und meilenweit weg vom Föderationsraum so who cares anyway).
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 1.04.2026 | 09:43
Aber wenn der Charakter nicht jede Woche ein Waisenhaus anzündet, dann ist der doch nicht wirklich böse*...

*das ist zumindest mein Eindruck von der Diskussion hier

Was ist, wenn er sogar ein Waisenhaus betreibt? Einfacher kommt man nicht an gelegentlich benötigte Opfer.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Grashoffer am 1.04.2026 | 10:22
Irgendjemand hatte doch schon die World-Of-Darkness-Spiele erwähnt. Ich hatte eher wenig Berührung am Tisch mit besagten Systemen, doch wenn ich das nicht ganz falsch abgespeichert habe, spielt man u. a. Vampire oder Werwölfe. Und sind die nicht, weil sie klassische Monster sind, eben auch meistens böse?

Ansonsten fällt mir noch In Nomine Satanis ein (ja, das ist satirisch gemeint, aber die Charaktere sind auf alle Fälle böse).
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 1.04.2026 | 11:47
Es könnte vielleicht unterhaltsam sein, aber es gibt schon genug Arschlöcher auf der Welt, da macht es mir einfach viel mehr Spaß, "die Guten" zu spielen. Auch da finde ich es eher wenig Interessant, alle Grauzonen zu beleuchten. Ich akzeptiere lieber, dass die Hügelriesen unwiderruflich böse sind, als über die moralischen Implikationen nachzudenken, weil die ja auch nur manipuliert und ausgenutzt wurden (Against the Giants).

Interessant. Was für Menschen waren das doch gleich noch mal, die moralische und ethische Bedenken kurzerhand und mit einem Schulterzucken über Bord werfen, weil das für sie halt einfach so bequemer ist? Da gab's doch ein Wort für...ich komme gerade nicht drauf, aber ich glaube, es fing mit "B" an. 8]

Daß ich gleichzeitig mit den Begriffen "gut" und "böse" ein Stück weit auf Kriegsfuß stehe, ist eine andere Sache und hat nichts mit einer Unwilligkeit zu tun, gegebenenfalls Stellung zu beziehen; das richtet sich allein dagegen, daß sie für mich bei genauerem Hinsehen bloß rhetorische Worthülsen zur Manipulation des Zuhörers sind. Jemand sagt mir, daß eine Person oder ein Ding "gut" oder "böse" wäre? Toll. Jetzt kenne ich die Meinung des Sprechers und weiß auch, daß er wohl will, daß ich mich dieser besser anschließen sollte, wenn ich sein Freund sein will...nur in Bezug auf den oder das Beschriebene(n) selbst bin ich kein Stück schlauer als ich es schon war, bevor besagter Sprecher überhaupt den Mund aufgemacht hat. Gib mir die Fakten, Dummbatz, meine Meinung bilden kann ich mir noch selber!
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Wonko am 1.04.2026 | 13:45
Interessant. Was für Menschen waren das doch gleich noch mal, die moralische und ethische Bedenken kurzerhand und mit einem Schulterzucken über Bord werfen, weil das für sie halt einfach so bequemer ist? Da gab's doch ein Wort für...ich komme gerade nicht drauf, aber ich glaube, es fing mit "B" an. 8]

Genau, bei genauer Betrachtung ist so manche Handlung im Rollenspiel objektiv böse. Aber darüber möchte ich (Spieler) mir keine Gedanken machen, weil ich meinen Spaß haben möchte. Das macht mich nicht zum schlechten Menschen. Und es macht auch meinen Charakter nicht zum "Bösen". Das wäre erst dann der Fall, wenn es in der Welt zu interner oder externer negativer Bewertung führt. Ob und wie weit wir als spielende Gruppe das vornehmen wollen und wo es anfängt müssen wir verhandeln. Kinder haben wir zum Beispiel am Leben gelassen, das wäre uns zu weit gegangen. Aber erst schießen und dann Fragen stellen war voll okay. Insofern hatten wir keine Probleme unsere Charaktere als "gut" zu bewerten.

Daß ich gleichzeitig mit den Begriffen "gut" und "böse" ein Stück weit auf Kriegsfuß stehe, ist eine andere Sache und hat nichts mit einer Unwilligkeit zu tun, gegebenenfalls Stellung zu beziehen; das richtet sich allein dagegen, daß sie für mich bei genauerem Hinsehen bloß rhetorische Worthülsen zur Manipulation des Zuhörers sind. Jemand sagt mir, daß eine Person oder ein Ding "gut" oder "böse" wäre? Toll. Jetzt kenne ich die Meinung des Sprechers und weiß auch, daß er wohl will, daß ich mich dieser besser anschließen sollte, wenn ich sein Freund sein will...nur in Bezug auf den oder das Beschriebene(n) selbst bin ich kein Stück schlauer als ich es schon war, bevor besagter Sprecher überhaupt den Mund aufgemacht hat. Gib mir die Fakten, Dummbatz, meine Meinung bilden kann ich mir noch selber!

Das liegt aber weniger daran, dass es keine sinnvollen, einsichtige Definitionen von "guten" und "bösen" Handlungen gibt. Sondern eher daran, dass sich wenige die Mühe machen oder die Kompetenz besitzen, solche Begründungen anzuführen. Stattdessen verlässt man sicher eher auf schnelle moralische Grundsätze, was gut und böse ist. Das ist im besten Fall eine praktische Abkürzung, im schlechten Fall führt es zu gesellschaftlichen Schieflagen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Issi am 1.04.2026 | 14:01
Was ist, wenn er sogar ein Waisenhaus betreibt? Einfacher kommt man nicht an gelegentlich benötigte Opfer.
Dann opfert er ja wieder, bzw. vermittelt Opfer an Mörder und wird dadurch zum Täter.

Also ohne Tat geht es nicht wirklich.
Sprich:“ Nichts ist was Gutes außer man tut es“ gilt umgekehrt auch für Böse.

Bsp. Die „Twillight- Vampire“ malen sich ja auch hin und wieder leckere menschliche Mahlzeiten aus. Aber da sie sich bewusst dazu entscheiden, nicht in die Tat zu kommen, und potentielle Opfer sogar zu beschützen- greift das klassische Bösewicht Konzept nicht mehr.

Oder um den Hai aus „Findet Nemo“ zu zitieren: Fische sind Freunde, kein Futter
(Bis zum nächsten Rückfall)
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 1.04.2026 | 14:14
Das liegt aber weniger daran, dass es keine sinnvollen, einsichtige Definitionen von "guten" und "bösen" Handlungen gibt.

Nun, die gibt's meines Wissens ja tatsächlich nicht. Bestenfalls kommt dabei so was heraus wie "Gut ist, was wir im Kollektiv dafür halten, und böse ebenso" -- das ist dann aber auch wieder nur die Frage nach der Popularität solcher Handlungen, und die kann zwischen verschiedenen Befragten sowohl im Einzelfall als auch unter Gruppen deutlich variieren.

Wenn das mit "Gut" und "Böse" sooo einfach wäre, hätte es ja beispielsweise die ganzen hitzigen Gesinnungsdiskussionen an der (A)D&D-Front so auch nie gegeben. ;) Aber so ist das nun mal mit Werturteilen: die müssen subjektiv sein, weil es eben erst mal ein Subjekt mit einem ebensolchen Standpunkt braucht, um sie überhaupt zu fällen.

Entsprechend kann man -- um aufs Fadenthema zurückzukommen -- prinzipiell durchaus Charaktere spielen, die die Gesellschaft wahlweise der Spielwelt, in der Realität, oder auch in beiden Fällen definitiv unter "böse" einsortieren würde, die dann aber aus Sicht des Spielers und insbesondere (so ziemlich der wichtigste Punkt!) des Rests der Gruppe am Tisch so übel überhaupt nicht sind. So was wie beispielsweise "Ja, wir sind Auftragskiller. Nein, wir nehmen nur Aufträge an, die richtige Scheißkerle betreffen...und Auftraggeber, die sich selbst als solche entpuppen, tun das auf eigenes Risiko." Sind das jetzt hartgesottene Kriminelle oder doch bloß wieder klassische Rollenspiel-Abenteurer, und macht das überhaupt einen Unterschied? :)
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 1.04.2026 | 14:18
Dann opfert er ja wieder, bzw. vermittelt Opfer an Mörder und wird dadurch zum Täter.

Also ohne Tat geht es nicht wirklich.
Sprich:“ Nichts ist was Gutes außer man tut es“ gilt umgekehrt auch für Böse.
...

Aber sind dann nicht diejenigen, welche die Waisenkinder allesamt, oder zumindest viele von ihnen, die sich nicht alleine durchschlagen konnten, hätten verrecken lassen nicht noch viel böser?
Oder nur die, für die das Waisenhaus genauso Wechselgeld gewesen wäre wie für einen erfolgreichen Abenteurer?
Oder schon die, welche nur den Gürtel merklich, aber nicht existenzbedrohlich enger hätten schnallen müssen?
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Issi am 1.04.2026 | 14:33
Aber sind dann nicht diejenigen, welche die Waisenkinder allesamt, oder zumindest viele von ihnen, die sich nicht alleine durchschlagen konnten, hätten verrecken lassen nicht noch viel böser?
Ich muss gestehen, ich verstehe den Vergleich nur bedingt.
Ob ein Waisenkind sich alleine durchschlagen kann, oder nicht, kann eine Figur doch nicht sicher wissen.
Oder ob sich noch jmd anderes findet, der den Kindern hilft.

Ansonsten müssten sich die Helden ja um jedes Waisenkind kümmern, das ihnen auf Reisen begegnet.
(Unsere Gruppe hat auch schon Ork Babys versorgt und an Pflegefamilien vermittelt!).

Ein Kind, das einem anvertraut ist, dem sicheren  Tod auszuliefern - für Geld- ist mMn schon nochmal ne andere Hausnummer.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 1.04.2026 | 14:46
Ich muss gestehen, ich verstehe den Vergleich nur bedingt.
Ob ein Waisenkind sich alleine durchschlagen kann, oder nicht, kann eine Figur doch nicht sicher wissen.
Oder ob sich noch jmd anderes findet, der den Kindern hilft.

Ansonsten müssten sich die Helden ja um jedes Waisenkind kümmern, das ihnen auf Reisen begegnet.
(Unsere Gruppe hat auch schon Ork Babys versorgt und an Pflegefamilien vermittelt!).

Ein Kind, das einem anvertraut ist, dem sicheren  Tod auszuliefern - für Geld- ist mMn schon nochmal ne andere Hausnummer.
Wir hatten eine richtige Drecksstadt, wie in Warhammer z.B. mit einer grob darbenden Unterschicht und wegen der Grenznähe und immer wieder wechselseitigen Kriegszügen auch reichlich Waisen, die nach Darstellung oft genug schon halbtot waren und keinen geschert haben. Ohne angestammte Eltern in der entsprechenden Kirche fühlten sich die aktuellen Kulte auch nicht verantwortlich.

Die Gruppe war mit reichlich legalen und illegalen (und einträglichen) Geschäften (Schmuggel, Söldnertum, Handel, Exploration ...) in der Gegend unterwegs und haben auch selbst NSC angeheuert.
In einem Lagerfeuergespräch hat ein NSC sein Leid geklagt und was mit seiner Familie würde, wenn er das hier nicht überleben sollte und da seine Untergebenen IHM gehören, hat der SC beschlossen Abhilfe zu schaffen.
Und auf der Suche nach einem entsprechenden Gebäudekomplex für mögliche Hinterbliebene hat der Assassine den Blick auch auf die Waisen gelenkt, (von denen er auch des öfteren schon welche als Helfer eingesetzt hat) und da ist beschlossen worden, das es auf die paar 1000  GM auch nicht ankommt und hat auch noch das Waisenhaus gebaut bzw. gekauft und renoviert.
Das gelegentliche Opfer, mehr aber noch die ansonsten selbst ausgebildeten und indoktrinierten Kinder waren da dann die "Dividende".



Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 1.04.2026 | 14:56
Gute Assassinen ... ist übrigens auch so ein Thema ... puh  8]

Wollen wir das Fass aufmachen?  >;D
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 1.04.2026 | 15:00
Gute Assassinen ... ist übrigens auch so ein Thema ... puh  8]

Wollen wir das Fass aufmachen?  >;D

Wieso guter Assassin? Der hat halt wie wohl Tausende SC vor ihm auch, versucht sich für ein paar Kreuzer der Dienste von Leuten am Existenzminimum zu sichern. Und dann ist man als nunmehr demnächst nahezu Sesshafte in der Gegend auf die Idee gekommen: Dann können wir das auch kontrollierter und systematisch machen.
Daß die dafür von der Straße wegkamen, versorgt und geschult wurden war dann halt Teil des Investments.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Issi am 1.04.2026 | 15:23
Gute Assassinen ... ist übrigens auch so ein Thema ... puh  8]

Wollen wir das Fass aufmachen?  >;D
Ich würde sagen, die sind bestenfalls grau.
(Wenn sie einen bestimmten Ehrenkodex haben.)
Der klassische „Mord auf Bestellung“ - mache alles (Auch Kinder/ Frauen/Unschuldige)solange die Bezahlung stimmt- Typ - natürlich nicht mehr.


Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 1.04.2026 | 15:51
Gute Assassinen ... ist übrigens auch so ein Thema ... puh  8]

Wollen wir das Fass aufmachen?  >;D

Na ja, Typen wie James Bond (mit der ausdrücklichen "Lizenz zum Töten") & Co. zählen ja auch mit dazu und sind ihrerseits zumindest beim Publikum nicht gerade unbeliebt. ;) Ob unbedingt "gut", darüber kann man von Fall zu Fall sicher streiten, aber Vorbilder für Leute, die im Auftrag einer als hinreichend wichtig präsentierten Sache eben die Drecksarbeit machen -- und sei es nur, damit es niemand sonst tun muß -- und dadurch wieder zu einer Form von "Helden" werden, gibt's absolut.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: gunware am 1.04.2026 | 16:42
Ich habe es oben angesprochen, es muss nichts mit morden, quälen oder sonst was sein.
Ein rechtschaffener Ermittler, der niemanden tötet, misshandelt oder sonstwie foltert. Der aber auch keine Empathie für die Opfer hat.
Er handelt nur nach dem Motto, "das Gesetz ist hart, aber es ist das Gesetz." Ehefrau vor gewalttätigem Mann geflüchtet, zurück bringen, Heirat ist wichtiger. Dieb, der für seine hungrigen Kinder Essen stiehlt, einbuchten bis er verrottet. Der Mann, der nicht standesgemäß den Baron angesprochen hat, Besitz beschlagnahmen und aus dem Dorf jagen.
Oder ist nur jemand böse, der nur auf den eigenen Vorteil denkt? Ich schätze nicht.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 1.04.2026 | 16:45
Ich habe es oben angesprochen, es muss nichts mit morden, quälen oder sonst was sein.
Ein rechtschaffener Ermittler, der niemanden tötet, misshandelt oder sonstwie foltert. Der aber auch keine Empathie für die Opfer hat.
Er handelt nur nach dem Motto, "das Gesetz ist hart, aber es ist das Gesetz." Ehefrau vor gewalttätigem Mann geflüchtet, zurück bringen, Heirat ist wichtiger. Dieb, der für seine hungrigen Kinder Essen stiehlt, einbuchten bis er verrottet. Der Mann, der nicht standesgemäß den Baron angesprochen hat, Besitz beschlagnahmen und aus dem Dorf jagen.
Oder ist nur jemand böse, der nur auf den eigenen Vorteil denkt? Ich schätze nicht.

Da würde ich eher an rechtschaffend neutral denken.
Für Böse müßte mir dann doch noch was an Mitteln oder Zielen mieser sein als nur "Buchstaben des Gesetzes".
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Issi am 1.04.2026 | 18:26
Da würde ich eher an rechtschaffend neutral denken.
Für Böse müßte mir dann doch noch was an Mitteln oder Zielen mieser sein als nur "Buchstaben des Gesetzes".
Geht mir auch so

Zu Bond
Der Typ, der nur sagen muss: "Mein Name ist Bond, James Bond" - und schon lassen die Girls alle Hüllen fallen  ist ungefähr so vielschichtig wie John Wick, dem Horden von Freitod- Wählern gekonnt entgespringen, sobald er einen Raum betritt.
 ~;D

Bei solchen überzeichnten Figuren rührt das Ableben von NSC idR. nicht zu Tränen. (Soll es auch nicht). Sondern ist mMn. ein Form von PopArt Märchen.

Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 1.04.2026 | 18:58
Geht mir auch so

Zu Bond
Der Typ, der nur sagen muss: "Mein Name ist Bond, James Bond" - und schon lassen die Girls alle Hüllen fallen  ist ungefähr so vielschichtig wie John Wick, dem Horden von Freitod- Wählern gekonnt entgespringen, sobald er einen Raum betritt.
 ~;D

Bei solchen überzeichnten Figuren rührt das Ableben von NSC idR. nicht zu Tränen. (Soll es auch nicht). Sondern ist mMn. ein Form von PopArt Märchen.

Ach, auf einmal sollen die Charaktere gefälligst auch noch vielschichtig sein? Welcher Anspruch kommt als nächstes? ~;D

Ich meine, sicher, eine Figur, die mein Interesse nicht nur wecken, sondern auch wach halten soll, braucht schon mindestens ihre zwei Dimensionen -- und das völlig unabhängig von ihrer Moral und Ethik. Auf der anderen Seite aber sind reine Archetypen fast schon zwangsläufig etwas flach und oberflächlich, schließlich sind sie nur die grobe Skizze, die erst noch mit Details ausgestaltet werden will...hm, vielleicht erklärt das mit, warum's auf NSC aus Sicht diverser Spieler oft "nicht ankommt". Gerade die armen Mooks sind ja oft genug nur so was wie wandelnde Abziehbilder. :think:
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Eisenmeile am 1.04.2026 | 22:59
Und das Abenteuer / den Dungeon haben wir auch nicht "erobert", sondern er- und vielleicht überlebt. Das da die eine oder andere Burg in der Spielwelt belagert wurde, sehe ich auch nicht unbedingt als "conquest" an.

Vielleicht nicht auf den niedrigen Stufen, wo die Ausbeutung eher im kleineren Rahmen stattfindet. Im ursprünglichen hochstufigen AD&D (und auch im Master-Set bei BECMI) z.B. konnte man aber nur eine Burg bauen, wenn man das umgebende Gebiet von den dort lebenden Monstern "befreit" hatte (ja, das war explizit so gemeint, dass man sie tötet oder zumindest nachhaltig aus der Region vertreibt, Nichtsangriffspakte o.ä. waren da von den Regeln her nicht eingeplant). Das war schon recht deutlich eine Eroberung mit dem Zwecke der Landnahme, mit allen unschönen Sachen die sowas mit sich brachte (auf Details verzichte ich an dieser Stelle, bis das Auslagern des Threads vollzogen ist).
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 2.04.2026 | 07:53
Vielleicht nicht auf den niedrigen Stufen, wo die Ausbeutung eher im kleineren Rahmen stattfindet. Im ursprünglichen hochstufigen AD&D (und auch im Master-Set bei BECMI) z.B. konnte man aber nur eine Burg bauen, wenn man das umgebende Gebiet von den dort lebenden Monstern "befreit" hatte (ja, das war explizit so gemeint, dass man sie tötet oder zumindest nachhaltig aus der Region vertreibt, Nichtsangriffspakte o.ä. waren da von den Regeln her nicht eingeplant). Das war schon recht deutlich eine Eroberung mit dem Zwecke der Landnahme, mit allen unschönen Sachen die sowas mit sich brachte (auf Details verzichte ich an dieser Stelle, bis das Auslagern des Threads vollzogen ist).

Ich habe jetzt das türkise Buch (Ausbauset Deutsch) gelesen und das steht so nicht da drin. Und das in die Wildnis gehen  ist nur eine von 3 (bzw 4 wenn man Nichtmenschen einrechnet) Optionen und spricht von Schutz der Siedler gegen Überfälle durch Monster und Barbaren.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: unicum am 2.04.2026 | 09:44
Gute Assassinen ... ist übrigens auch so ein Thema ... puh  8]

Wollen wir das Fass aufmachen?  >;D

Auch da - bevor wir das Fass aufmachen müsste man wissen was ein Assassine - im Sinne des Fasses - überhaupt ist und wie er sich etwa von anderen "Kämpfertypen" unterscheidet. Ist ja nicht so das etwa "Angriffe in den Rücken" allen anderen verboten wären.

Wie ist die hier moralisch einzuordnen: Mathilda - in - Leon der Profi; weil assassine wäre die characterklasse die ich treffend finden würde.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 2.04.2026 | 10:50
Auch da - bevor wir das Fass aufmachen müsste man wissen was ein Assassine - im Sinne des Fasses - überhaupt ist und wie er sich etwa von anderen "Kämpfertypen" unterscheidet. Ist ja nicht so das etwa "Angriffe in den Rücken" allen anderen verboten wären.

Na ja...in so was wie der traditionellen D&D-Klassenschule, wo das eben nur bestimmte Klassen dürfen und andere nicht, irgendwie schon. ;)

Aber es ist schon richtig, daß das eine etwas künstliche Trennlinie ist. Im Prinzip sollte jeder, der darin geübt ist, sich im offenen Kampf mit mehr oder weniger professionellen Soldaten anzulegen, rein vom Können her kein großes Problem damit haben, unvorbereitete Ziele (auf die es Assassinen und andere Mördertypen ja meist abgesehen haben) mit denselben Methoden umzubringen. Dafür zu sorgen, daß man dabei nicht erwischt wird oder zumindest nach der Tat trotzdem schnell flüchten kann, mag noch mal eine etwas andere Herausforderung sein, aber auch da gilt ja, daß Heimlichkeit und Schnelligkeit bereits auf dem Schlachtfeld öfters mal ausgesprochene Tugenden sind...die hat dann vielleicht nicht automatisch jeder gleich gut drauf, aber mit annähernder Sicherheit doch immer noch ein brauchbarer Teil der Truppe.

(Wobei zumindest dem Leumund nach die historischen Assassinen (https://de.wikipedia.org/wiki/Assassinen) ohnehin keine Probleme damit gehabt haben sollen, für einen hinreichend demonstrativen Anschlagserfolg den eigenen Tod in Kauf zu nehmen -- aber damit muß man bei hinreichend motivierten "normalen" Angreifern auch immer rechnen.)

Der klassische "Auftragskiller" unterscheidet sich vom Soldaten halt in erster Linie dadurch, daß er auch nach gesellschaftlichen Richtlinien eigentlich "verbotene" Ziele aufs Korn nimmt. Krieg folgt zumindest nominell immer noch ein paar Regeln, die ihn halbwegs berechenbar halten; "Ich geb' dir soundsoviel Geld, wenn du X umbringst und es wie einen Unfall aussehen läßt" tut das nicht und macht potentiell jeden jederzeit und an jedem Ort zu X. Kein Wunder also, wenn sich die meisten Leute bei dem Gedanken unwohler fühlen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 2.04.2026 | 11:32
Der betreffende Assassin war primär auf einer persönlichen Vendetta zur Auslöschung eines bestimmten Adelshauses und weitestgehend "selbstgelernt". Entsprechend wählerisch war er bei der Annahme von "zwischendurch"-Jobs, aber halt innerlich sonst völlig verhärtet und kalt (plus eine gehörige Portion Selbstmitleid).
Das mit dem Waisenhaus kam aus (grob der Erinnerung nach) "Die (Straßenkinder) dort arbeiten gelegentlich auch für uns, sind aber oft nicht all zu verläßlich und nützlich und auch schon mal illoyal" , -> "Oh, aber die sehen jetzt auch nicht so gesund aus, daß man da viel erwarten könnte, aber das kann man ja ändern".
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Issi am 2.04.2026 | 12:41
Die Frage wäre für mich:
Was unterscheidet einen Assassinen vom klassischen Kämpfer?
Und da wäre mMn.ein Unterschied, dass die Taktik hier eher Kampfvermeidung ist.
Man schlägt zu, bevor sich das Opfer überhaupt wehren kann. Instand Kill sozusagen.
Also überraschend, unerwartet.
Und auch möglichst geräuschlos.
Auch Mittel wie Gifte kommen in Betracht.
Sowie die Fähigkeit es wie einen Unfall aussehen zu lassen oder dem Mord irgendjemand anderen in die Schuhe zu schieben.
Oder den Leichnam schlicht so zu entsorgen, dass er nicht mehr gefunden werden kann.
(Lasst es euch schmecken!)

Also Beschattung, Detektiv Wissen, Gift und Heilkunde, etc. sind Fähigkeiten die in Betracht kommen.


Edit.
PS.Ich habe eine "gute"SC Figur, die konnte eigentlich keiner Seele was zu Leide tun, doch die wurde von den "Bösen" NSC natürlich ordentlich verfolgt und in Bedrängnis gebracht.
Da sah sich der SL gezwungen ihr einen NSC Bodyguard zu verpassen (Typ Assassine), der sie beschützt und im Zweifel auch mal einflussreiche Gegner aus dem Weg räumen kann.

Daher würde ich auch Ermittlung und Personenschutz auf die Liste der klassischen Assassinen Fähigkeiten setzen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: unicum am 2.04.2026 | 13:02
Da würde ich eher an rechtschaffend neutral denken.
Für Böse müßte mir dann doch noch was an Mitteln oder Zielen mieser sein als nur "Buchstaben des Gesetzes".

Also es gab da schon das ein oder andere Dokument das Gesetzt (zb.: Judenstern) war oder einen gesetztesähnlichen Character hat (z.b. executive Order) was definitiv böse war. Es gab einige die sich darauf herausreden wollten "Ich hab mich doch nur an die Regeln gehalten und getan was mir gesagt wurde." In dem Sinne ist es schwer lawful neutral zu sein wenn der gesetztesschreiber evil oder good ist.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 2.04.2026 | 13:03
Die Frage wäre für mich:
Was unterscheidet einen Assassinen vom klassischen Kämpfer?
Und da wäre mMn.ein Unterschied, dass die Taktik hier eher Kampfvermeidung ist.

Hängt halt davon ab, wie Assassine gemeint ist: historisch präzise? Spielmechanisch als Klasse? Oder im entlehnten Sinn als Meuchelmörder?

Spielmechanisch ist es imo oft eine Mischung aus Meuchelmörder und Scharfschütze.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 2.04.2026 | 13:07
In dem Sinne ist es schwer lawful neutral zu sein wenn der gesetztesschreiber evil oder good ist.

Hängt davon ab, wie man die Gesinnung in D&D auffasst. Wenn es ein Alignment mit den kosmischen Kräften ist, dann kommt es mehr auf die innere Einstellung als auf die Taten an. Dann könnte LN durchaus auch permanent böse Taten tun, weil die moralische Komponente einfach irrelevant ist.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: unicum am 2.04.2026 | 13:10
Wir sind schon etwas vom Thema weg imho. Klar muss man auch erstmal sich klarwerden was andere unter "böse" verstehen.

Mal etwas was mir vor Jahren passiert ist:

Die Gurppe sollen "Ermittler" sein und für eine Organisatzion "Dinge" aufklären.
Setting: Wir werden überfallen, wir machen viele Gefangene. Ein Spieler: "Ich verhör die" (er würfelt auf die passende Fertigkeit, Sl würfelt verdeckt dagegen - so ist das Regelwerk eben) SL erzählt das was der Verhörte ausplaudert, ein weiterer Verhörter seperater Raum, keine Absprachemöglichkeit bestätigt das. Wir bekommen wirklich einen Sack von Informationen, aber die niedrigen handlager wissen eben nicht alles 'Der Boss hat immer eine Maske!'. Der Verhörspezialist: "Ich fang an die zu foltern" *beschreibt explizit was er machen will*
Das war "böse" für mich (und unnötig eben auch) und ich hab da interveniert. Gab dann in der Gruppe böses Blut. Nach einem weiteren anecken an diesen Spieler bin ich ausgestiegen.

Ja das ist ein red flag für mich.

Insofern: Böse hat viele facetten und man kann sicherlich auch eine böse figur in einer ansonsten guten Gruppe spielen aber,... Gruppentauglich muss sie imho sein und dann eben auch rücksicht auf die anderen nehmen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 2.04.2026 | 13:16
Hängt halt davon ab, wie Assassine gemeint ist: historisch präzise? Spielmechanisch als Klasse? Oder im entlehnten Sinn als Meuchelmörder?

Spielmechanisch ist es imo oft eine Mischung aus Meuchelmörder und Scharfschütze.

Am Rande vielleicht auch noch interessant: ist jeder "Assassine" gleich der coole Vollprofi, oder gibt's wie anderswo auch da Anfänger und Nicht-so-Talentierte? :)

Irgendwo meine ich nämlich tatsächlich mal aufgeschnappt zu haben, daß viele "Auftragsmörder" im richtigen Leben tatsächlich selber nur Amateure auf eigene Rechnung sind (könnte allerdings die Quelle nicht mehr nennen). Der eiskalte Vollstrecker im Anzug, der für eine Verbrecherfamilie hingeht und schon mal im Alleingang den Kopf einer anderen eliminiert, ohne selbst auch nur einen Kratzer abzubekommen, mag das eine oder andere reale Vorbild haben, aber wenn das etablierte Bild von solchen Typen auch in erster Linie nur wieder aus Hollywood stammen sollte, würde mich das nicht im Geringsten überraschen.

Was natürlich jemanden wie einen Neunzehnjährigen, dem irgendwer 'ne Uzi in die Hand gedrückt und ihn dann in ein Auto gesetzt hat, um beim Vorbeifahren an einem bestimmten Cafe loszuballern, nicht wirklich harmloser macht. :P
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 2.04.2026 | 15:04
Assassine = Profi-Auftragsmörder.

Mord = böse.

Wenn wir über einen agilen und heimlichen Kämpfer ohne Krieger-Kodex (siehe zB DSA) sprechen, dann ist das KEIN Assassine. Klingt vielleicht cooler und macheine/r fühlt sich damit cooler, ist es aber gar nicht  :P

Ich spiele öfters mal gewandte und heimliche Charaktere. Aber einen Mörder, der für seine taten Geld bekommt oder Anerkennung seines Ordens ... nee, viel zu fremdgesteuert und außerdem moralisch verwerflich.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 2.04.2026 | 16:12
Assassine = Profi-Auftragsmörder.

Mord = böse.

Wenn wir über einen agilen und heimlichen Kämpfer ohne Krieger-Kodex (siehe zB DSA) sprechen, dann ist das KEIN Assassine. Klingt vielleicht cooler und macheine/r fühlt sich damit cooler, ist es aber gar nicht  :P

Ich spiele öfters mal gewandte und heimliche Charaktere. Aber einen Mörder, der für seine taten Geld bekommt oder Anerkennung seines Ordens ... nee, viel zu fremdgesteuert und außerdem moralisch verwerflich.

Ok, da zeigen sich wohl Probleme mit Klassensystemen.
ich bin davon ausgegangen, daß wenn man keine exakt passende Klasse findet in Absprache mit dem Spielleiter das mit der Klasse, welche zu dem Konzept noch am besten paßt, annähert. Dann kann man den Fluff dazu natürlich nicht mehr 1:1 übernehmen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 2.04.2026 | 16:43
Assassine = Profi-Auftragsmörder.

Mord = böse.

Wenn wir über einen agilen und heimlichen Kämpfer ohne Krieger-Kodex (siehe zB DSA) sprechen, dann ist das KEIN Assassine. Klingt vielleicht cooler und macheine/r fühlt sich damit cooler, ist es aber gar nicht  :P

Ich spiele öfters mal gewandte und heimliche Charaktere. Aber einen Mörder, der für seine taten Geld bekommt oder Anerkennung seines Ordens ... nee, viel zu fremdgesteuert und außerdem moralisch verwerflich.

Na ja, sicher ist Mord böse. So ist er ja regelrecht definiert -- als Tötung einer anderen Person aus "bösen" Motiven --, und also kann es "neutralen" oder gar "guten" Mord von vornherein nicht geben.

Auf der anderen Seite ist dann natürlich wieder längst nicht jede Art, jemand anderen mit oder ohne Vorsatz vom Leben zum Tode zu befördern, gleich "Mord". Da sind sich eigentlich so ziemlich alle bekannten gesellschaftlichen Normenkataloge einig und kommt's halt auf den Kontext an; insbesondere im Krieg gelten ja meist andere Regeln, vor allem (wenn auch nicht zwingend nur) beim Umgang mit dem Feind...und da kann's dann schon wieder zumindest recht grau werden.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 2.04.2026 | 17:26
Assassine = Profi-Auftragsmörder.

Mord = böse.

Nun, was nobody@home schon sagt. Nicht jede Tötung ist gleich Mord.

Abgesehen davon: ist ein Assassine, der zwar die Fähigkeit hat, aber eben nicht mordet, dann trotzdem böse?
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Issi am 2.04.2026 | 18:38
Assassine = Profi-Auftragsmörder.

Mord = böse.

Wenn wir über einen agilen und heimlichen Kämpfer ohne Krieger-Kodex (siehe zB DSA) sprechen, dann ist das KEIN Assassine. Klingt vielleicht cooler und macheine/r fühlt sich damit cooler, ist es aber gar nicht  :P

Ich spiele öfters mal gewandte und heimliche Charaktere. Aber einen Mörder, der für seine taten Geld bekommt oder Anerkennung seines Ordens ... nee, viel zu fremdgesteuert und außerdem moralisch verwerflich.

Ok, dann muss man fragen:
Morden Krieger nicht?
(Denn töten tun sie ihre Gegner ja trotzdem)

Was ist der Unterschied zwischen jmd töten und jmd ermorden?

Anybody?

PS.
Wir sind schon so weit vom Ursprungsthema, dass ich entspannt drauf warte, dass sich jemand erbarmt uns in den Assassinen Strang zu verschieben.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Issi am 2.04.2026 | 18:47
Nun, was nobody@home schon sagt. Nicht jede Tötung ist gleich Mord.

Abgesehen davon: ist ein Assassine, der zwar die Fähigkeit hat, aber eben nicht mordet, dann trotzdem böse?

Nur meine 5 Cent:
Ich würde einen Assassinen, der nur jene ermordet, die gefährlich sind und es verdient haben, als dunkelgrau bezeichnen.

Wobei die Art der Tötung durchaus eine Rolle spielen kann.
Wird das Opfer einfach ausgeschaltet?
(Treffer- Tot)
Oder wird es vorher gequält?
Wie zum Beispiel bei „Dexter?“

Der Typ ist ja eine Art Monster, das, wenn es schon grausam morden muss, zumindest versucht die „richtig Bösen „ zu erwischen.
Als jmd. der bei der Polizei arbeitet, ist er ja potentiell auf der „Guten“ Seite.
Da er aber so extrem grausam vorgeht, kann ich ihn irgendwie nicht mehr in die Grau Sparte stecken.


Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 2.04.2026 | 18:53
Nur zur Klarstellung, weil das hier droht zum Whataboutism zu mutieren:

Mord ist immer Töten.
Töten ist nicht unbedingt Mord.

Verstehe nicht, wie man das anders sehen kann.

Und zum Thema Klassensysteme: das Skillset von einem Auftragsmörder könnte ähnlich dem sein, eines gut gesinnten Infiltrator. Wobei ich Assassinen/Auftragsmörder ja nicht nur als heimliche Erdolcher oder Giftpfeilverschiesser sehe. Dazu gehört VIEL mehr. Und da frage ich mich, ob das wirklich so unklar ist.
 8]
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Zouan81 am 2.04.2026 | 19:08
Bin doch ganz erstaunt, wie der Thread sich jetzt in eine ganz andere Richtung entwickelt hat.

Wir philosophieren über Mord und Totschlag und deren Definition und ab wann "man" das als böse betitelt. 

Die Frage ist jetzt ja, wie viel es jetzt noch mit Rollenspielen und Spielleiten zu tun hat.
 :D
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 2.04.2026 | 19:34
Bin doch ganz erstaunt, wie der Thread sich jetzt in eine ganz andere Richtung entwickelt hat.

Wir philosophieren über Mord und Totschlag und deren Definition und ab wann "man" das als böse betitelt. 

Die Frage ist jetzt ja, wie viel es jetzt noch mit Rollenspielen und Spielleiten zu tun hat.
 :D

Wenn gefragt wird ob man schon eine Runde für böse Charaktere geleitet hat, dann muss man ja auch wissen, was diese bösen Charaktere nun sind bzw. seien sollen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Tudor the Traveller am 2.04.2026 | 20:05
Die Frage zwischen den Zeilen war, ob das Charakterkonzept "Assassine" eine Figur automatisch böse macht. Darin war auch der Widerspruch zu Luxferre: wenn ein Assassine per Definition mordet, dann muss das logisch böse sein.
Aber wenn er "nur" ein Profi-Killer ist, dann hat das mindestens eine Grauzone. Und wenn er gar als legitimiertes Spezialkommando daher kommt (Bond), dann kommt man eventuell sogar in einen helleren Bereich.

Es hat also sehr viel mit der Ausgangsfrage zu tun. Hattest du so einen in der Gruppe, dann musst du mit ja antworten.

Edit: Tippfehler
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Issi am 2.04.2026 | 20:12
Nur zur Klarstellung, weil das hier droht zum Whataboutism zu mutieren:

Mord ist immer Töten.
Töten ist nicht unbedingt Mord

Das stimmt schon
Allerdings ist Mord etwas, das, rein rechtlich zumindest, besonders niedere Beweggründe erfordert.
Habgier, Sexualdelikte, Quälerei etc.

Und wenn man sich jetzt einen Leon den Profi anschaut, dann greift das Habgier Argument jetzt zum Beispiel auch nicht hundertprozentig.

Ob der jetzt irgendeinen Kodex hatte, keine Ahnung.
Bei Jason Bourne gab es zum Beispiel so einen Moment in dem er gemerkt hat: Er kann den Job nicht mehr machen.
Tötungsmaschine mit Restgewissen.

Wohingegen ein Krieger bzw. Söldner auf Befehl hin unschuldige Menschen aus dem Leben befördern kann.

A la : "Brennt dieses Dorf nieder, lasst keinen am Leben."

Will sagen die Charakterklasse Krieger hat idR. vom Spiel System Keine Auflage bezüglich Ehrenkodex (Ausgenommen Ritter uä)
Wohingegen Assassinen durchaus einen haben können.

Daher finde ich schon wichtig zumindest zu versuchen nix pauschal in Schubladen zu stecken.

Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Kurna am 2.04.2026 | 20:45
Die Frage zwischen den Zeilen war, ob das Charakterkonzept "Assassine" eine Figur automatisch böse macht. Darin war auch der Widerspruch zu Luxferre: wenn ein Assassine per Definition mordet, dann muss das logisch böse sein.
Aber wenn er "nur" ein Profi-Killer ist, dann hat das mindestens eine Grauzone. Und wenn er gar als legitimiertes Spezialkommando daher kommt (Bond), dann kommt man eventuell sogar in einen helleren Bereich.

Es hat also sehr viel mit der Ausgangsfrage zu tun. Hattest du so einen in der Gruppe, dann musst du mit ja antworten.

Edit: Tippfehler
Laut Anfangsfrage ging es aber um eine komplette Gruppe aus bösen Charakteren (und extra dafür ausgerichtete Abenteuer), nicht um eine Gruppe, in der ein einzelner böser Charakter ist.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 2.04.2026 | 21:15
Laut Anfangsfrage ging es aber um eine komplette Gruppe aus bösen Charakteren (und extra dafür ausgerichtete Abenteuer), nicht um eine Gruppe, in der ein einzelner böser Charakter ist.

Schön. Da landen wir also wieder bei der Frage, wer eigentlich so alles genau böse ist, wenn wir uns selbst bei so was wie einem Auftragskiller nicht sicher sein können, ob das überhaupt auf ihn zutrifft.

Und gegebenenfalls deutet sich auch schon ein wenig das Problem an, daß sich eine Gruppe aus garantiert zu mindestens 110% bösen Charakteren am Ende womöglich als eine so üble Mischung aus widerwärtigen Gestalten erweisen könnte, daß eh keiner mehr richtig Spaß dabei hätte, sie noch zu spielen...
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Aedin Madasohn am 2.04.2026 | 21:31
wir haben intensiv Shadowrun in einer Mafia-Kampagne gespielt

ausrangierte (Tritt in den Hintern raus in die Gosse) Söldner auf den Weg nach oben in der Mafia.
Blackwater meets breakingBad, so ungefähr war das damals die Bezugsgröße

Da bei der SR-Mafia Goldie nicht weit weg ist, kommt der "Scherge für den Drachen-Tyrannen" Aspekt auch noch mit rein  ;D
am Ende wurde ein ausgewachsener Unterweltskrieg gegen die Vori angezettelt, in scharf und in gemein
und das alles nur

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

wobei, das ist ja so böse...
...quasi böse im Quadrat...
... also böse mal böse muss doch schon wieder gut sein...

oder?  >;D :muharhar:
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Kurna am 2.04.2026 | 21:35
Schön. Da landen wir also wieder bei der Frage, wer eigentlich so alles genau böse ist, wenn wir uns selbst bei so was wie einem Auftragskiller nicht sicher sein können, ob das überhaupt auf ihn zutrifft.

[...]
Das ist irrelevant, wenn man die Frage spiel-praktisch beantwortet.

Also, hast du schon einmal eine Gruppe geleitet, die nach deiner Ansicht (denn nur die zählt für dich) böse war?
Wenn ja, wie ist es gelaufen? Gab es Probleme? Würdest du es noch einmal machen?
Wenn nein, bewusst nicht? Oder hat es sich irgendwie nie ergeben?

Um gleich noch meine Antwort hinzuzufügen:
Nein, ich selbst habe noch keine Gruppe geleitet, die nach meiner Definition böse wäre. Und zwar bewusst nicht, weil ich gleube, dass ich mich damit uwohl fühlen würde.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Zouan81 am 2.04.2026 | 21:38
Ich nehme mal als Beispiel wieder "Tempel des elementaren Bösen":

Da kann man tatsächlich eine beliebige Gesinnung der neun möglichen Gesinnungen als Gruppengesinnung wählen. Damit also auch eine der drei bösen.

Von der Wahl der Gruppengesinnung hängt auch das Startszenario ab, mit dem man ins Spiel einsteigt.

IM Spiel hat man die Wahl, entweder gegen den Tempel zu kämpfen (gut - neutral) ODER sich dem Tempel anzuschließen (böse).

Dafür ist es gar nicht erforderlich, die Dorfbewohner niederzumetzeln. Es ist auch möglich, latent böse zu sein. D.h. sich nach außen hin zivilisiert zu verhalten und gleichzeitig doch finstere Pläne zu verfolgen.

So wäre es doch auch am Spieltisch möglich, als böse Charaktere durch Sarkasmus und Zynismus aufzufallen, ohne gleich die Sau rauszulassen.

Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Aedin Madasohn am 2.04.2026 | 21:47
Dafür ist es gar nicht erforderlich, die Dorfbewohner niederzumetzeln. Es ist auch möglich, latent böse zu sein. D.h. sich nach außen hin zivilisiert zu verhalten und gleichzeitig doch finstere Pläne zu verfolgen.

 :think:
"schenk" den Dörfler ihr arbeitsames Leben in Ketten und baue ein Finanzamt ins Dorf
was ist grausamer&böser?
 :think:
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 2.04.2026 | 21:50
:think:
"schenk" den Dörfler ihr arbeitsames Leben in Ketten und baue ein Finanzamt ins Dorf
was ist grausamer&böser?
 :think:

Der Tod oder nur der verzweifelte Wunsch danach? Hmmmm... >;D
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Issi am 2.04.2026 | 22:00
Ich nehme mal als Beispiel wieder "Tempel des elementaren Bösen":

Da kann man tatsächlich eine beliebige Gesinnung der neun möglichen Gesinnungen als Gruppengesinnung wählen. Damit also auch eine der drei bösen.

Von der Wahl der Gruppengesinnung hängt auch das Startszenario ab, mit dem man ins Spiel einsteigt.

IM Spiel hat man die Wahl, entweder gegen den Tempel zu kämpfen (gut - neutral) ODER sich dem Tempel anzuschließen (böse).

Dafür ist es gar nicht erforderlich, die Dorfbewohner niederzumetzeln. Es ist auch möglich, latent böse zu sein. D.h. sich nach außen hin zivilisiert zu verhalten und gleichzeitig doch finstere Pläne zu verfolgen.

So wäre es doch auch am Spieltisch möglich, als böse Charaktere durch Sarkasmus und Zynismus aufzufallen, ohne gleich die Sau rauszulassen.
Rein theoretisch kann man natürlich Figuren spielen, die, ebenfalls rein theoretisch ,die aller übelsten Gesellen sind- Charakterlich.(American Psycho,  Dexter, HannibalLector und Co in einer Gruppe)- Aber während des Spiels lassen sie die Sau nicht raus. Zumindest verstoßen sie nicht gegen die Grenzen des guten Geschmacks.
(Der Gruppenvertrag wird nicht gebrochen)


Und dann kann ich eine Gruppe von klassischen Helden spielen, die nirgends Gnade kennen, auch wenn sie das nix kosten würde.
Die auch wehrlose Gefangene foltern und töten, für einen "guten Zweck."
(Der Gruppenvertrag wird gebrochen, bzw. von mindestens einem so wahrgenommen)

Edit.
Will sagen: Wenn es nur als Hintergrund auf einem Charakterbogen steht, kann man fast alles spielen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 3.04.2026 | 11:27
Das ist irrelevant, wenn man die Frage spiel-praktisch beantwortet.

Also, hast du schon einmal eine Gruppe geleitet, die nach deiner Ansicht (denn nur die zählt für dich) böse war?
Wenn ja, wie ist es gelaufen? Gab es Probleme? Würdest du es noch einmal machen?
Wenn nein, bewusst nicht? Oder hat es sich irgendwie nie ergeben?

Um gleich noch meine Antwort hinzuzufügen:
Nein, ich selbst habe noch keine Gruppe geleitet, die nach meiner Definition böse wäre. Und zwar bewusst nicht, weil ich gleube, dass ich mich damit uwohl fühlen würde.

Geht mir nebenbei ähnlich: nein, ich habe noch nie für eine Gruppe geleitet, die ich als definitiv "böse" (oder so) einstufen würde, und werde das auch nie, solange ich die Wahl habe. Das liegt allein schon daran, daß ich nach Möglichkeit nicht mit Arschlöchern spiele und auch selbst keins sein will -- entsprechend liegt mein Bedarf an Ekelfaktoren einigermaßen niedrig und ich könnte mir zwar recht locker vorstellen, für eine Gruppe zu leiten, deren Charaktere auf der wie auch immer definierten "falschen" Seite stehen, aber das ist eben noch lange nicht dasselbe wie aktive Bösartigkeit.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: klatschi am 3.04.2026 | 12:00
Update:

Die Diskussion zur Übertragung politischer Konzepte auf Rollenspiele findet man hier:
https://www.tanelorn.net/index.php/topic,132721.0.html
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 3.04.2026 | 16:01
Bin doch ganz erstaunt, wie der Thread sich jetzt in eine ganz andere Richtung entwickelt hat.

Wir philosophieren über Mord und Totschlag und deren Definition und ab wann "man" das als böse betitelt. 

Die Frage ist jetzt ja, wie viel es jetzt noch mit Rollenspielen und Spielleiten zu tun hat.
 :D

Ich glaube, dass zur Ausgangsfrage alles gesagt wurde und man deshalb in eine andere, durchaus interessante Richtung abdriftet ;)

Was das mit Spielleiten zu tun hat?
Wenn bei mir ein neuer Mensch in eine Runde schneit und wir uns auf eine "Gute Kampagne" einigen und sein erster Vorschlag wäre einen Assassinen, Profi-Killer, Auftragsmörder, Agent-mit-Lizenz-zum-Töten (mal kurz sacken lassen ... Lizenz erworben um Menschen umbringen zu dürfen ... Alter!) oder sonstwie gearteten Sozio-Psychopathen zu spielen, dann würde ich dem keine (!) Chance geben. Punkt.
Meine Erfahrung aus 30+ Jahren Rollenspiel waren allesamt scheiße oder gruppensprengend oder totaler Psychoterror am Tisch. Und da greift schlicht Regel 0.

Das kann man alles klären. Miteinander Reden hilft. Bei solchen Ideen, Allüren oder (aus meiner Sicht:) "Vorzeichen" werde ich schnell hellhörig.
Und das ist immer eine Gruppenentscheidung und keine 1:1 SL/SPL.

Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 3.04.2026 | 17:17
Zur Ausgangsfrage und dem Böse:
Ich schätze der Knackpunkt ist, dass es verschiedene Arten "böse" gibt:

 - (gelegentlich?) böse Ziele
 - (gelegentlich?) böse Methoden
 - (gelegentlich?) Exzesse in der Anwendung regulärer Mittel
 - einfach generell psychopathische Freude am Leid anderer
 - unabgesprochenes hartes PvP .

und bei der Beurteilung des "böse" kommt noch einmal die Farge hinzu
 - aus moderner Sicht
 - aus der Sicht der Spielweltkultur.
Und da haben wir dann eine sehr große Bandbreite an möglichen Kombinationen.

Und direkt disruptiv als Gruppe wären wohl nur die letzten beiden Punkte aus der oberen Liste.



Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Jenseher am 4.04.2026 | 00:31
Ich leite gerade eine Kampagne in Menzoberranzan. Mit bösen Charakteren, die Böses tun. Grundvoraussetzung ist ein Agreement dass die Charaktere untereinander kooperieren. Natürlich schließt dies eigene Ziele und Sticheleien zwischen den Charakteren nicht aus.  Läuft wunderbar, finde ich. :)

Du machst das als Meister auch außerordentlich gut, auf sehr vielen Ebenen!

(Der Dunkelelf eines noblen Antlitzes rammt emotions- und empathielos einen schwarz-metallischen Haken in das Rückenmark seiner Lastenechse. Die übergroße Kreatur verfällt in Muskelspasmen, die sich dann aber zu koordinierten, fremd-gesteuerten Bewegungen formen. Aus einer verborgenen Drüse sondert die gequälte Kreatur bläulich-fluoreszierenden ätherischen Schleim ab, als sie die Barriere in das Jenseits überwindet. Alles was bleibt, ist die glitzernde Sekretspur und die Erinnerung an das Gesicht des Dunkelelfen mit der Augenklappe. Visionen einer fernen Zukunft?)
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Prisma am 4.04.2026 | 10:07
Du machst das als Meister auch außerordentlich gut, auf sehr vielen Ebenen!

(Der Dunkelelf eines noblen Antlitzes rammt emotions- und empathielos einen schwarz-metallischen Haken in das Rückenmark seiner Lastenechse. Die übergroße Kreatur verfällt in Muskelspasmen, die sich dann aber zu koordinierten, fremd-gesteuerten Bewegungen formen. Aus einer verborgenen Drüse sondert die gequälte Kreatur bläulich-fluoreszierenden ätherischen Schleim ab, als sie die Barriere in das Jenseits überwindet. Alles was bleibt, ist die glitzernde Sekretspur und die Erinnerung an das Gesicht des Dunkelelfen mit der Augenklappe. Visionen einer fernen Zukunft?)

Vielen Dank! Freut mich sehr, dass es so gut gefällt!  :D
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Eisenmeile am 4.04.2026 | 13:02
Ich habe jetzt das türkise Buch (Ausbauset Deutsch) gelesen und das steht so nicht da drin.

Ich rede auch vom Master-Set (schwarze Box), die türkise hat andere Probleme.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 4.04.2026 | 14:17
Ich rede auch vom Master-Set (schwarze Box), die türkise hat andere Probleme.

Wo da? Hast du eine Seitenzahl?
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 6.04.2026 | 16:55
Zur Ausgangsfrage und dem Böse:
Ich schätze der Knackpunkt ist, dass es verschiedene Arten "böse" gibt:

 - (gelegentlich?) böse Ziele
 - (gelegentlich?) böse Methoden
 - (gelegentlich?) Exzesse in der Anwendung regulärer Mittel
 - einfach generell psychopathische Freude am Leid anderer
 - unabgesprochenes hartes PvP .

und bei der Beurteilung des "böse" kommt noch einmal die Farge hinzu
 - aus moderner Sicht
 - aus der Sicht der Spielweltkultur.
Und da haben wir dann eine sehr große Bandbreite an möglichen Kombinationen.

Und direkt disruptiv als Gruppe wären wohl nur die letzten beiden Punkte aus der oberen Liste.

Du könntest natürlich für Session 0 eine Matrix mit der für Dich existierenden Gut-Böse-Achse aufstellen und dann ein Kompendium schreiben, in der en détail alle wichtigen Punkte er- und geklärt werden. Gut wäre auch ein schriftlicher Vertrag den man verbindlich und schriftlich schließt.
UND ein Test beim Psychologen der Wahl - Kosten trägt der Bewerbende.

 ~;D

Mal ab vom definitorischen Kleinklein, was wann wie und wo in welchem Kontext denn böse ist ... dazu gibt es eigentlich genau zwei Antworten:
- wie ist innerweltlich böse definiert?
- wie geht man mit der realweltlichen Definition von böse um?

Deine drei ersten Punkte der oberen Liste sind objektiv böse. Böse Handlungen machen den Handelnden böse. Punkt. Und mal unter uns: das "gelegentlich" ist doch Bullshitterie pur.

"Haaaallloooo Leute .... ich bin der Assassine der Gruppe und bin nur gelegentlich mit bösen Zielen unterwegs und wende dabei auch nur gelegentlich böse Methoden an uuuuund außerdem neige ich dazu dabei gelegentlich exzessiv die mir zur Verfügung stehenden Mittel anzuwenden. Ha ha, alles gar nicht so schlimm, dient ja einem höheren Zweck. Jahaaa ... Söööönke, jaaaahaaaa .... hach, was haben wir gelacht, als die das Gemetzel im Louvre aufwischen mussten, weil ich den Protestierenden eine Handgranate in den Rachen geschoben hatte ... hihi ... war ja auch ne einmalige Sache das ... ja, genau. Habe jetzt nur noch 8kg C4 hier rumliegen. Genaugenau, der Kollateralschaden muss leider sein, weil das GroßeZielTM und so nech ..."


Ich merke halt, dass wir sehr unterschiedliche Maßstäbe ansetzen und offenbar sehr unterschiedliche Erfahrungen gemacht haben.
Für mich ist das Thema ein Indikator, ob man Tisch gut harmoniert oder nicht.
Weder habe ich Bock auf Gewaltexzesse, noch auf "ich bin gar nicht böse - ich tu nur son / ich muss das so" und am Wenigsten auf Leute, die darüber ihr Ego aus dem RL kompensieren.
Glücklicherweise habe ich solche Fälle seit vielen Jahren nicht mehr.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 6.04.2026 | 17:14
Wenn man das tatsächlich so (str)eng sehen möchte, dann hat man aber viel früher Probleme als erst dann, wenn tatsächlich "böse" auf dem Charakterbogen steht.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: felixs am 6.04.2026 | 17:17
Was mir auffällt, viele verbinden böse mit morden. Warum nicht einen rechtschaffen bösen Pazifisten spielen?

Wie funktioniert denn ein rechtschaffen böser Pazifist?
Er übertritt keine Gesetze ("rechtschaffen") und wendet keine Gewalt an ("Pazifist"). In der sinnvolleren Definition von "Pazifismus" würde sogar vorkommen, dass er bemüht wäre, gar keinen Schaden anzurichten.

Ich sehe nicht recht, wie sich Bosheit und Pazifismus vertragen. Zusammen mit "rechtschaffen" (was sich grundsätzlich schon mit Bosheit verträgt, solange man "Recht" rein juristisch auslegt) sehe ich wirklich wenig Spielraum für Bosheit. Vielleicht fehlt mir die Phantasie.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 6.04.2026 | 17:22
Das juristische Recht des furchtbarbösen Imperiums oder Gottheit formulieren und exekutieren wäre mEn Rechtschaffen Böse. Ob das nun bei den Sith, den Chelaxianern auf Golarion oder oder oder ...
Mit Pazifismus hat das ganz sicher nichts zu tun  >;D aber das kann man ja medial anders darstellen. Umso absurder die Lüge, desto glaubhafter ... oder so ...
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Maarzan am 6.04.2026 | 17:28
Wie funktioniert denn ein rechtschaffen böser Pazifist?
Er übertritt keine Gesetze ("rechtschaffen") und wendet keine Gewalt an ("Pazifist"). In der sinnvolleren Definition von "Pazifismus" würde sogar vorkommen, dass er bemüht wäre, gar keinen Schaden anzurichten.

Ich sehe nicht recht, wie sich Bosheit und Pazifismus vertragen. Zusammen mit "rechtschaffen" (was sich grundsätzlich schon mit Bosheit verträgt, solange man "Recht" rein juristisch auslegt) sehe ich wirklich wenig Spielraum für Bosheit. Vielleicht fehlt mir die Phantasie.

Du bringst nicht selber um, sondern du deckst jemanden, der Leute dann umbringt, so aka. "Auch Untote haben Rechte, freie Essenswahl für Vampire" oder so.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 6.04.2026 | 18:04
Wie funktioniert denn ein rechtschaffen böser Pazifist?
Er übertritt keine Gesetze ("rechtschaffen") und wendet keine Gewalt an ("Pazifist"). In der sinnvolleren Definition von "Pazifismus" würde sogar vorkommen, dass er bemüht wäre, gar keinen Schaden anzurichten.

Ich sehe nicht recht, wie sich Bosheit und Pazifismus vertragen. Zusammen mit "rechtschaffen" (was sich grundsätzlich schon mit Bosheit verträgt, solange man "Recht" rein juristisch auslegt) sehe ich wirklich wenig Spielraum für Bosheit. Vielleicht fehlt mir die Phantasie.

"Pazifismus" bedeutet ja erst mal nur, gegen Krieg und Rüstung zu sein. Dafür kann man als Rechtschaffen Böser schon eintreten, vor allem, wenn es darauf hinausläuft, daß die (womöglich in der Praxis eh stärkeren und damit "bedrohlicheren") Anderen abrüsten und an den Verhandlungstisch kommen sollen, wo die eigenen Intriganten Diplomaten sie dann gekonnt über den Tisch ziehen dürfen, ohne sich allzusehr um Gewalt vor allem gegen sich selbst Sorgen machen zu müssen... >;D

Tatsächlich wäre das beispielsweise bei D&D eine nicht ganz unglaubhafte Philosophie für zumindest eine "harmlosere" Splittergruppe von Illithiden (ohnehin schon genau in Richtung RB gepolt) -- körperliche Gewalt ist natürlich völlig unter der Würde jedes zivilisierten Lebewesens, und Kleinigkeiten wie Psikräfte zur diskreten Manipulation müssen ja nicht gleich an die ganz große Glocke gehängt werden. Das könnte ich mir bei den Mini-Cthulhus schon ganz gut vorstellen. ;)
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Prisma am 6.04.2026 | 18:21
Wie funktioniert denn ein rechtschaffen böser Pazifist?
Ist laut D&D der durchschnittliche Anwalt nicht rechtschaffen böse?  ;D Der kann ja auch Pazifist sein.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: gunware am 6.04.2026 | 18:23
Wie funktioniert denn ein rechtschaffen böser Pazifist?
Keine physische Gewalt und Gesetze buchstabengenau zum eigenen Vorteil anwenden.
Kein Verbot im Gesetz, dass man niemanden per Zauber versklaven darf? Dann gibt es kein Problem mit "willingen" Dienern. Oder kein Verbot eine Droge zu verkaufen, die nur psychisch abhängig macht? Wenn man lange genug sucht, findet man genug Lücken im Gesetz, die man ausnutzen kann. Und so lange man keine physische Gewalt anwendet, ist alles in Butter.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: felixs am 6.04.2026 | 18:23
Die Geschichte des Pazifismus ist freilich komplex und voller Widersprüche. Aber eine konsequente Anwendung des Konzepts führt doch eigentlich notwendig zur Ablehnung aller Formen von Gewalt. Gewiss ist das in der Praxis nie wirklich der Fall. Entsprechend dehnbar ist der Begriff dann.

Das eigennützige Dehnen von Begriffen dürfte übrigens ein typisches (wenn auch nicht hinreichendes) Merkmal von "böse" sein.

Spielfiguren können (sollten?) andererseits auch Widersprüche mit sich herumtragen; schließlich tun so ziemlich alle realen Lebewesen das auch.

"Pazifismus" bedeutet ja erst mal nur, gegen Krieg und Rüstung zu sein. Dafür kann man als Rechtschaffen Böser schon eintreten, vor allem, wenn es darauf hinausläuft, daß die (womöglich in der Praxis eh stärkeren und damit "bedrohlicheren") Anderen abrüsten und an den Verhandlungstisch kommen sollen, wo die eigenen Intriganten Diplomaten sie dann gekonnt über den Tisch ziehen dürfen, ohne sich allzusehr um Gewalt vor allem gegen sich selbst Sorgen machen zu müssen... >;D

Dann ist der aber eben kein Pazifist, sondern gibt das nur vor. Ist natürlich böse, aber eben nicht pazifistisch.


Keine physische Gewalt und Gesetze buchstabengenau zum eigenen Vorteil anwenden.

Kann man natürlich so drehen - aber bedeutet Pazifismus tatsächlich explizit die Beschränkung auf die Vermeidung physischer Gewalt?
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: gunware am 6.04.2026 | 18:35
Kann man natürlich so drehen - aber bedeutet Pazifismus tatsächlich explizit die Beschränkung auf die Vermeidung physischer Gewalt?
Nun ja, streng genommen könnte ein Pazifist sogar Todesstrafe billigen.

Zitat von: Wikipedia
Pazifismus (von lateinisch pax ‚Frieden‘, und facere ‚machen, tun, handeln‘) ist eine weltanschauliche Strömung, die jeglichen Krieg als Mittel der Auseinandersetzung ablehnt und den Verzicht auf Rüstung und militärische Ausbildung fordert.[2] Diese Bewegung setzt auf Soziale Verteidigung und Zivilen Ungehorsam als geeignete Mittel gegen bewaffnete Besetzungen.[3] Pazifisten stehen für eine ethische Grundhaltung, die danach strebt, bewaffnete Konflikte zu vermeiden, zu verhindern und die Bedingungen für dauerhaften Frieden zu schaffen.
Deshalb ***schulterzuck***
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 6.04.2026 | 18:42
Dann ist der aber eben kein Pazifist, sondern gibt das nur vor. Ist natürlich böse, aber eben nicht pazifistisch.

Hey, derjenige kann absolut gegen Gewalt sein. Schließlich kann sich die ja leicht auch gegen ihn richten, und das tut dann weh! :bloodbowl:

Zitat
Kann man natürlich so drehen - aber bedeutet Pazifismus tatsächlich explizit die Beschränkung auf die Vermeidung physischer Gewalt?

Gegenfrage: um wieviele andere Sorten von Gewalt hat sich die Menschheit für den größten Teil ihrer Geschichte sonst noch größere Gedanken gemacht? Zum Geier, selbst im Rollenspieldiskurs dreht sich immer noch der Löwenanteil (wie beispielsweise Kampfregel- und Charaktertoddiskussionen...) um genau die physische Form!
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: felixs am 6.04.2026 | 18:46
Deshalb ***schulterzuck***

Das ist aber eben nur eine Definition. Und auch in dem Wikipedia-Artikel wird die Komplexität dargestellt. Der Punkt ist das mit dem "dauerhaften Frieden". Der kann freilich nicht auf Gewalt begründet sein. Wie man den erreicht ist allerdings ungeklärt und oft mit Vorstellungen eines kurzzeitigen, möglicherweise recht gründlichen, gewalttätigen Eingriffs verbunden.

Es ist aber sicher kein Zufall, dass "Pazifismus" fast immer mit anderen moralischen Vorstellungen (Religionen, Sozialismus, Vegetarismus) etc. einhergeht, welche weitere Gewalteinschränkungen fordern. Pazifismus ist eben (fast immer?) etwas mehr als nur eine Ablehnung kriegerischer Auseinandersetzungen zwischen Staaten. Und Pazifismus ist selten bei Leuten zu finden, die man als "böse" einstufen würde. Das ist, behaupte ich, kein Zufall.

Gegenfrage: um wieviele andere Sorten von Gewalt hat sich die Menschheit für den größten Teil ihrer Geschichte sonst noch größere Gedanken gemacht? Zum Geier, selbst im Rollenspieldiskurs dreht sich immer noch der Löwenanteil (wie beispielsweise Kampfregel- und Charaktertoddiskussionen...) um genau die physische Form!

Alles gar nicht falsch. Mein Punkt war nur, dass "Pazifismus" erstmal missverständlich ist.

Sobald man das entsprechend einschränkt und sich gezielt ein Modell baut, in dem Gewalt dann eben doch zulässig ist und gezielt eigennützig angewendet werden kann und darf, passt es mit "rechtschaffen böse" gut zusammen. Ob das dann noch "Pazifismus" im landläufigen Verständnis ist, ist eine ganz andere Frage.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: gunware am 6.04.2026 | 18:51
Das ist aber eben nur eine Definition.
Und die sollte nicht reichen, einen rechtschaffen bösen Pazifist in RPG darzustellen?
Ich weiß nicht, warum es nicht klappen sollte. Ich hatte manchmal am Anfang noch weniger Infos, bevor ich einen Charakter erstellt habe.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: felixs am 6.04.2026 | 19:31
Allmählich hat das hier das Potential, das Thema zu entgleisen - möchte ich ungern, daher meinerseits nichts weiteres, falls kein Bedarf besteht. Unterschiedliche Ansichten können wir stehen lassen, ich meine, meine Sicht dargelegt zu haben. Sollte es Verständisfragen geben, äußere ich mich natürlich gern noch dazu.

Und die sollte nicht reichen, einen rechtschaffen bösen Pazifist in RPG darzustellen?

Ich sehe da nach wie vor einen Widerspruch - aber das soll ja anscheinend der Reiz an der Sache sein.

Das Problem mit der Definition ist, dass sie aus dem Kontext gerissen ist. Das kann man freilich tun und auch der Figur eine solche entkontextualisierte Gesinnun geben, aber die Figur ist dann eben wohl eher kein überzeugter Pazifist.

Wenn die Figur das nun aber zum eigenen Vorteil vorgibt, dann ist sie halt "böse" - das ist ja überhaupt kein Widerspruch, schließlich gehören Lug, Manipulation und Betrügereien aller Art quasi zum Kern des "Böse"-Seins. "Rechtschaffen" ist dann lediglich die rabulistische Variante davon.

Letztlich gilt das, was ich für den Pazifismus zu argumentieren versucht habe (verstehe mich selbst übrigens nicht als Pazifisten), wohl für die meisten ethischen Ismen: Eine "böse" Figur wird selten ernsthaft eine solche Haltung vertreten und falls doch, dann ständig in Konflikte dazu geraten.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: gunware am 6.04.2026 | 19:54
Wenn die Figur das nun aber zum eigenen Vorteil vorgibt,
Ich glaube, hier haben wir eine unterschiedliche Vorstellung. Ich verstehe dich so, dass du davon ausgehst, dass ein Pazifist grundsätzlich ein guter Mensch ist. Das ist eben das, was ich nicht voraussetze.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 6.04.2026 | 20:32
Ich glaube, hier haben wir eine unterschiedliche Vorstellung. Ich verstehe dich so, dass du davon ausgehst, dass ein Pazifist grundsätzlich ein guter Mensch ist. Das ist eben das, was ich nicht voraussetze.

Tatsächlich fallen mir da etwas spontan die Chanur-Bücher von C.J. Cherryh ein. Da gibt's im Raumsektor des sogenannten "Paktes" eine Spezies von Aliens, die einfach deshalb "pazifistisch" sind, weil sie Gewalt körperlich wie geistig schlicht nicht abkönnen, ohne daran auf die eine oder andere Weise zu zerbrechen. Gleichzeitig sind sie aber durchaus eine größere Handelsmacht und gehören zu den begabteren Intriganten und Rechtsverdrehern, und sie haben bei Bedarf auch keine Hemmungen, Söldner anderer Spezies zumindest zum eigenen Schutz anzuheuern.

Ich will die Stsho nicht unbedingt als ausdrücklich "böser" darstellen als die anderen Spezies im Pakt; tatsächlich gibt's in den Romanen recht wenig ausdrückliche Schwarzweißmalerei, weil die Probleme dabei, andere intelligente Lebensformen auch noch nach Jahrzehnten und -hunderten interstellarer Koexistenz wenigstens ansatzweise und zum Teil sogar wider alle eigene kulturelle Prägung und Instinkte zu verstehen, ein wiederkehrendes Thema darstellen. Nur, ethisch-moralisch besonders höherstehend sind sie bei genauerem Hinschauen allein ihrer "Gewaltlosigkeit" wegen eben auch nicht.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: felixs am 6.04.2026 | 20:55
Ich glaube, hier haben wir eine unterschiedliche Vorstellung. Ich verstehe dich so, dass du davon ausgehst, dass ein Pazifist grundsätzlich ein guter Mensch ist. Das ist eben das, was ich nicht voraussetze.

Muss dann doch nochmal:

Setze ich auch nicht vorraus; schon weil mir die Definition von "gut" noch schwerer fällt als die von "böse". Ich sehe aber nicht, wie sich halbwegs konsequenter Pazifismus mit der Bereitschaft verträgt, anderen (Unschuldigen) zu schaden - diese aber wiederum ist ja Voraussetzung für "böses" Handeln.

Ähnlich schwierig fällt mir die halbwegs konsequente Ausgestaltung eines "bösen Altruisten" - der könnte vielleicht ein Tierquäler sein (der böse Pazifist übrigens auch). Mit einem "bösen Vegetarier" habe ich viel weniger Probleme, weil sich das ja von Anfang an stark einschränkt und große Bereiche offen lässt, in denen Böses getan werden kann.

Beim Pazifismus haben wir eben weiterhin das Problem, dass nicht leicht klar zu definieren ist, was das bedeuten soll; sowohl real als auch in der Spielwelt. Jemand, der "nur" gegen Krieg zwischen Staaten ist aber ansonsten mit Gewalt kein Problem hat? Jemand, der gegen alle körperliche Gewalt ist, aber keine Probleme mit psychischer Gewalt hat? Jemand, der gegen unlegitimierte Gewalt ist? (ergo "rechtschaffen"). Jemand, der dann für Frieden ist, wenn er ihm nutzt, aber sonst kein Problem mit Krieg hat? (ergo "böse").

Hilfreich mag auch sein, sich nach historischen Vertretern umzuschauen, die für bestimmte Ismen stehen. Pazifismus ist klar: Gandhi, K. Tucholsky, C. v. Ossietzky. Vertreter eines "bösen" Pazifismus finde ich nicht.

Vermutlich ist das aber schlichtweg ein unglücklich gewähltes Beispiel, welches man für das eigentliche Thema leicht durch etwas anderes ersetzen kann, was den gleichen Zweck erfüllt, aber weniger Folgeprobleme aufwirft. Liegt vermutlich auch an der Frage, ob Gewalt/Krieg/Frieden mit Kategorien wie "gut" und "böse" in Verbindung gebracht werden sollte.

Teilweise gewiss auch ein allgemeines Problem des "gut"/"böse"-Paradigma, welches die Komplexität von Persönlichkeiten nicht abbildet.

Nur, ethisch-moralisch besonders höherstehend sind sie bei genauerem Hinschauen allein ihrer "Gewaltlosigkeit" wegen eben auch nicht.

Der Punkt dürfte auch sein, dass sie der Beschreibung nach eben nicht gewaltlos sind.

Johan Galtungs Konzept des "positiven Friedens" ist vermutlich eine ganz gute Zusammenfassung dessen, wohin Pazifismus letztlich konsequent tendieren muss.
Anders sieht es freilich aus, wenn man "Pazifismus" als "Ablehung zwischenstaatlicher Gewaltanwendung" definiert.

...So, jetzt langt's aber wirklich. Bitte um Pardon für den langen Exkurs.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: gunware am 6.04.2026 | 21:09
Vertreter eines "bösen" Pazifismus finde ich nicht.
Es wird auch nicht "böser Pazifismus" gesucht, sondern ein böser Pazifist (kleiner, aber entscheidender Unterschied). Wenn man es noch einfacher haben möchte, dann kann man sagen, dass er böse durch das Unterlassen oder sogar Verweigern benötigten Hilfen ist. Pazifist durch Nicht-Handlung. Wäre nur schwieriger zu spielen, weil Nicht-Handeln irgendwie witzlos ist.


Teilweise gewiss auch ein allgemeines Problem des "gut"/"böse"-Paradigma, welches die Komplexität von Persönlichkeiten nicht abbildet.
Es reicht ja die Komplexität, die für RPG benötigt wird, es geht nicht um die Wirklichkeit.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: felixs am 6.04.2026 | 21:25
Es wird auch nicht "böser Pazifismus" gesucht, sondern ein böser Pazifist (kleiner, aber entscheidender Unterschied).

Das habe ich verstanden. Wobe ich - und vermutlich ist das einer der Punkte, wo wir uns nicht einig sind - unterstelle, dass speziell "Pazifismus" als Merkmal neben beliebigen anderen nicht gut funktioniert.
Ausgangspunkt war ja:

Was mir auffällt, viele verbinden böse mit morden. Warum nicht einen rechtschaffen bösen Pazifisten spielen?

Es geht ja offensichtlich genau um diesen Widerspruch.
Und ich stimme ja zu, dass Widersprüche reizvoll sind und auch sein dürfen.
Gerade diese Kombination kommt mir aber halt so unplausibel vor - und das ist dann die Stelle, bei der wir uns wohl auf unterschiedliche Ansichten, bzw. eine ungelöste Definitionsproblematik einigen werden.

Tut mir leid, dass das teilweise so haarspalterisch geworden ist. Bei nochmaligem Lesen des Ausgangsposts ist mir wieder aufgefallen, dass "Pazifist" vermutlich einfach nur "nicht gewaltafffine Person" bedeuten sollte; was ja umgangssprachlich durchaus so geht.
Daraus eine Definitionsspirale abzuleiten wäre meinerseits schlechter Stil und das wollte ich nicht. Ich fand es der Sache nach interessant; allerdings sehe ich ein, dass es dem Kontext nicht gerecht wird. Kommunikation meinerseits suboptimal. Hoffe, die daraus entstandenen Gedanken wurden trotzdem nicht als allzu harte Zumutung empfunden.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: gunware am 6.04.2026 | 21:37
dass "Pazifist" vermutlich einfach nur "nicht gewaltafffine Person" bedeuten sollte;
So war das ursprünglich auch gemeint, aber dank der Diskussion habe ich festgestellt, dass es sogar tiefer gehen könnte.

Ich fand es der Sache nach interessant; allerdings sehe ich ein, dass es dem Kontext nicht gerecht wird. Kommunikation meinerseits suboptimal. Hoffe, die daraus entstandenen Gedanken wurden trotzdem nicht als allzu harte Zumutung empfunden.
Ich habe es durchaus sehr "zum-Gedanken-machen-wert" gefunden und finde die entstandene Diskussion schon interessant, deshalb danke meinerseits, dass du das angesprochen hast. Aber du hast recht, dass wir das Thema "entführen". Lassen wir es dabei bleiben und lesen wir, was noch kommt.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: nobody@home am 6.04.2026 | 21:55
Ein bißchen amüsant, wenn auch vielleicht nicht unbedingt hilfreich, finde ich dabei noch, wie eigentlich GURPS 4e "Pacifism" definiert (dort als Nachteil). Bis auf "Total Nonviolence" (für das Maximum von -30 Punkten) erlauben da nämlich alle angebotenen Formen Gewaltanwendung an sich ohne große Probleme -- die Einschränkungen kommen eher in Formen wie "Keine Unschuldigen", "Kann nicht töten", oder "Nur zur Verteidigung" daher. Also alles Dinge, die einen "typischen" Rollenspiel-SC schon ein wenig in seiner klassisch-freizügigen Durchsetzung seiner Ziele mit Gewaltmitteln einschränken mögen, aber in der realen Welt immer noch so ihre Problemchen damit hätten, überhaupt groß als Pazifismus durchzugehen. :)

(Nebenbei bezieht sich der Nachteil in GURPS recht ausdrücklich auf Menschen und andere Intelligenzwesen. Ob ein vollpazifistischer Schlachter nach diesen Regeln erlaubt wäre, solange er nicht noch mindestens einen weiteren passenden Nachteil aufweist, ist also mindestens ein wenig unklar.)

Ansonsten, um mal wieder ein bißchen von diesem Unterthema wegzukommen: natürlich muß ein "böser" oder sogar ein ausgesprochen grausamer Charakter gar nicht unbedingt besonders mörderisch veranlagt sein. Eher eigentlich sogar im Gegenteil, denn wer erst mal tot ist, fühlt ja (wenn wir keine entsprechend finstere Weiterexistenz nach dem Tod annehmen wollen) meistens keinen Schmerz mehr...
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Gorilla am 6.04.2026 | 22:51
Was mir auffällt, viele verbinden böse mit morden. Warum nicht einen rechtschaffen bösen Pazifisten spielen?
Ich bin da bei nobody und gunware:
Ein SC muss keineswegs morden, um als böse gelten zu können. Es gibt ausreichend andere Taten, die sich recht eindeutig als böse einordnen lassen.
Weiterhin ist das ja auch wieder eine Definitionsfrage: Geht es nur um tatsächlichen Mord? Was ist mit Unterlassung mit Todesfolge? Oder auch ohne Tod einfach nur unnötiges und vermeidbares Leid durch Nichthandeln, durch inkonsequentes Handeln usw.

Es bleibt ja immer und in jeder Hinsicht eine wenig eindeutige Kategorisierung; nicht ganz ohne Grund werden auch Gesetze aus dem Strafrecht regelmäßig überarbeitet und angepasst. Und nicht ohne Grund werden auch Dinge, die nicht justiziabel sind, gesellschaftlich sanktioniert.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Namo am 8.04.2026 | 13:50
Ich habe ja aktuell Angst, mal in eine böse Runde reinzurutschen ohne dass ich es merke  ~;D

Ich hatte es an anderer Stelle ja schon mal geschrieben. Wir planen mal eine Warhammer 40K Runde zu spielen, bei der ich auch nur Spieler bin. Ich kenne mich da überhaupt nicht aus. Aber "Für den Imperator!" klingt für mich jetzt nicht unbedingt nach etwas "gutem". Mal sehen wie ich das finden werde. Böse oder irgendetwas in diese Richtung geartetes zu spielen macht mir nun wirklich wenig Spaß. Selbst bei Computerrollenspielen wie Mass Effect und Co bereiten mir die eher böseren Antworten körperliche Schmerzen.
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Luxferre am 8.04.2026 | 13:53
Das Schöne ist, Namo, dass es zwischen Strahlendgut und Abgrundtiefböse sehr viel wunderbares Buntbunt gibt  :headbang:
Alles hat wunderbar viele Facetten und man kann sich herrlich daran abrackern. WH40k bietet da sicherlich einiges an Potenzial, aber es steht und fällt mit der Gruppe. Wenns flottes Bier-Brezel-Plasmakanone-Kettenschwert-Geballer wird, ganeuso gut, wie philosophisch tiefes Spiel mit den umgebenden Bedingungen.
wäre cool, wenn Du beizeiten berichtetest  :d
Titel: Re: Schon mal eine Spielrunde mit bösen Charakteren geleitet?
Beitrag von: Namo am 8.04.2026 | 13:56
Okay, das macht mir dann wieder etwas Mut. Ich bin eigentlich die ganze Zeit schon Gears of War Sprüche am Lernen um dem Charakter wenigstens in sofern Charakter zu geben.  ;D Gut, das wird wohl alles noch dauern, daher hoffe ich, dass es sich nicht mehr so drastisch darstellt, wenn ich mich tiefergehend mit der Materie beschäftige.