Ich denke, das ist weniger eine Systemfrage (es sei denn, wir wollen Geld und Äquivalente ausdrücklich verregeln) als eine des Settings -- prinzipiell könnte ja auch D&D anstelle eines Zwergenkönigreichs beispielsweise eine unterirdische Kommune mit Jahresplänen und allem haben, das macht nur irgendwie viel zu selten jemand. ;)
Was wäre denn für den typischen SC der Unterschied? Er darf keine eigene Fabrik besitzen, dafür ist Heilung kostenlos.
Die DSA-Elfen vor allem Waldelfen sind doch quasi Kommunisten nahe der Idealform.
Mit Geld können die vom Konzept schon überhaupt nichts anfangen, Besitzt als Konzept ist auch recht fremd, außer dem eigenen Bogen oder der Flöte.
Wenn der Elf sieht, dass Dir kalt ist, schenkt er Dir einen Pelz, eine Jacke oder sowas, wenn er mehr hat, als er selber zum Leben braucht.
Allerdings wenn irgendwo 50 Äpfel auf einem Tisch liegen, dann nimmt er selbstverständlich einen mit, sind ja genug da!
Die klassische D&D Kampagne ist hat ja zwei, vielleicht drei Motivationen für die Spieler
- rette die Welt
- werde reich
- (level up)
Wenn Reichtum wertlos ist, bleiben nur die anderen Motivationen. "Kleine" Abenteuer, die unterhalb des Weltrettens stattfinden, brauchen dann eine interessantere Motivation. Machbar, aber weniger tauglich für schnelle Runden mit hastig generierten Level-1-Charakteren.
Mir geht es dabei mehr um die Lore und auch mal um eine andere Erzählung. Wenn man das reproduziert, was die meisten Rollenspielrunden bespielen, bleibt es der beliebige Plot: Böses Irrwesen ist da – SCs als Problemlöser. Aber selbst da fängt es an: Für wen oder was machen die das? Geld, Sex, Ruhm oder ein höheres Ziel ... Wie sieht das denn mal in einem System aus, das nicht durch „schneller, höher, weiter” bestimmt wird?Ich glaube da gibt es ein Missverständnis. Die Sowjets waren die ersten im Weltraum. Der reale Sozialismus sollte ja durchaus dem Fortschritt der Menschheit dienlich sein, und selbst wenn das zu abstrakt ist, und selbst wenn es keinen Systemfeind zu übertrumpfen gibt ( und ich würde die eine Kampagnenwelt sehr gerne einen haben), Wetteifern ist ja menschlich. Dann ist man eben statt reich nur Held der Arbeit. Aber als ob es das dann nicht außerhalb des Jahresplans gibt ;)
Die klassische D&D Kampagne ist hat ja zwei, vielleicht drei Motivationen für die Spieler
- rette die Welt
- werde reich
- (level up)
Wenn Reichtum wertlos ist, bleiben nur die anderen Motivationen. "Kleine" Abenteuer, die unterhalb des Weltrettens stattfinden, brauchen dann eine interessantere Motivation. Machbar, aber weniger tauglich für schnelle Runden mit hastig generierten Level-1-Charakteren.
Anmerkung: Ein sozialistisches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwertragenden Herumtreiber.
Ich finde die Überlegungen, welche Sachen aus D&D in so einem Setting nicht funktionieren, ziemlich müßig.
Die utopische Literatur des Ostblocks beinhaltete jede Menge Abenteuer, die eben abseits der kapitalistisch geprägten Motivationen. Wenn man tatsächlich in so einem Setting spielen will, sollte man vielleicht etwas Literatur lesen, die sich damit beschäftigt.
Macht man bei HdR & Co ja auch.
Grundsätzlich hat "Sozialismus" ja auch noch ein wenig den Nachteil, daß er gar nicht recht einheitlich definiert ist (https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialismus#Definitionsproblematik). Okay, soziale Gerechtigkeit für alle und Schluß mit der Ausbeutung und Kleinhaltung dieser und jener gesellschaftlichen Klassen durch diese und jene andere -- darauf dürften sich zumindest viele bekennende Sozialisten noch einigen können. Der Teufel liegt dann eben "nur noch" im Detail, insbesondere bei der konkreten Umsetzung, wenn man gleichzeitig immer noch nur endliche Ressourcen hat... 8]
Aber ja, mit dem klassischen zweifelhaften Rollenspiel"helden" aus Gier und/oder Geltungsbedürfnis beißt sich das schon aus rein weltanschaulichen Gründen. Ein funktionierendes sozialistisches Setting braucht Protagonisten, die ihr Ego zumindest Pi mal Daumen eben nicht über die Bedürfnisse der Gemeinschaft stellen, denke ich; das ist aber, wenn man erst mal als Spieler bereit ist, sich darauf einzulassen, gar keine so große Herausforderung mehr.
Es gibt doch Star Trek Adventures!
Habe ich noch nicht gespielt, stelle ich mir aber spaßig vor.
Und einige Habitate/ Settings-im-Setting von Eclipse Phase. Die sind durchaus antikapitalistisch/ sozialistisch angelegt, aber mit der an sich logischen Erkenntnis, dass selbst in solchen Kollektiven eine Ressourceungleichheit da ist: beim Thema Reputation/ Prestige/ sozialem Kapital.
Kennt ihr Systeme die in einem funktionierenden Sozialismus spielen?
Realweltlich könnte man sich dann noch den spanischen Anarcho-Syndikalismus anschauen
Ich meine mich daran zu erinnern, dass manche Hochkulturen wie die Altägypter oder Sumerer oft planwirtschaftlich gearbeitet haben. Da wurde also ein Großteil der Produktion eingesammelt und dann nach Bedarf wieder verteilt. Ist dann aber natürlich autokratisch.
Insekten funktionieren ja auch noch mal wirklich anders und selbst die sogenannte "Königin" ist eigentlich nur die Gebärmutter des Volkes -- zum Fortbestand insofern nötig, als es schon eine Eierquelle braucht, aber als Individuum prinzipiell jederzeit ersetzbar, solange nicht gerade Notstand an Nachfolgekandidatinnen herrscht. Da hat der werte Herr Wilson schon nicht ganz unrecht.
Daß allerdings Sozialismus für Menschen prinzipiell unmöglich sein soll, klingt für mich ein Stück weit schlicht nach Defätismus. Damit will ich nicht gesagt haben, daß ich ihn in der Praxis im großen Stil real erwarte oder ohne geeignete quasi-magische Mittel zur Umsetzung für leicht halte, nur eben, daß entsprechende Settings grundsätzlich schon vorstellbar sind...zumindest, solange die Gesellschaft dort einen praktikablen Weg hat, die am lautesten "Ich, ich, ICH!!!" Denkenden davon abzuhalten, ähnlichen Schaden anzurichten wie gewisse Verdächtige im richtigen Leben, deren Namen hier nicht genannt zu werden brauchen.
Ich würde ihn auch nicht für prinzipiell unmöglich halten, aber ein funktionsfähiges sozialistisches Modell muss die Natur des Menschen einkalkulieren. Wir sind, was humane gesellschaftliche Organisationsformen betrifft, mit unserer parlamentarischen Demokratie und sozialen Marktwirtschaft sicher noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt, aber die meisten sozialistischen Utopien machen es sich mit ihren idealistischen Menschenbildern dann doch etwas zu einfach.
Ich würde ihn auch nicht für prinzipiell unmöglich halten, aber ein funktionsfähiges sozialistisches Modell muss die Natur des Menschen einkalkulieren. Wir sind, was humane gesellschaftliche Organisationsformen betrifft, mit unserer parlamentarischen Demokratie und sozialen Marktwirtschaft sicher noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt, aber die meisten sozialistischen Utopien machen es sich mit ihren idealistischen Menschenbildern dann doch etwas zu einfach.
Wie ich im anderen Faden, glaube ich, schon mal angesprochen habe: wenn ich perfekte Menschen habe, ist der ganze Rest der Utopie schon nur noch Pipifax, denn mit denen geht alles glatt. ;) Dummerweise können wir von denen halt weder in der Wirklichkeit noch in einigermaßen glaubhafter Fiktion ausgehen...
Like-Button. ;)
Ja, ein solches System muss mit einkalkulieren und auch einen gewissen Raum dafür lassen, dass ein nicht vernachlässigbarer Prozentsatz der Menschheit immer den Ehrgeiz haben wird, mehr zu haben, oder aber mehr rauszuholen, als sie reinstecken. Das lässt sich weder aberziehen noch unterdrücken. Dies anzuerkennen, bedeutet ja nicht dass Haifischbecken-Neoliberalismus die einzige Alternative wäre. Ich habe ja den Eindruck, die meisten (derart gepolten) Menschen wären schon damit zufrieden, wenn sie das _Gefühl_ haben, dem System ein Schnippchen geschlagen zu haben.
einer meiner ehemaligen Dozenten pflegte immer zu sagen. "Von der Natur des Menschen soll nur sprechen, wer ihr schonmal die Hand geschüttelt hat."
Will sagen, es gibt im sozialwissenschaftlichen Sinn darüber keine ernsthaften Aussagen und wenn jemand was über die Natur des Menschen behauptet ist es rein spekulativ und meist zusätzlich ideologisch.
hat aber mit der Frage nach den Rollenspielsystemen aber auch nur am Rande zu tun.
Like. Es gibt zwei Gründe, keine Utopien zu spielen: 1. Sie sind unrealistisch. 2. Sie sind langweilig.
Hm... Kibbuzim hatten wir glaube ich auch noch nicht. Die sind zwar örtlich begrenzt, aber haben Gemeinschaftseigentum und Basisdemokratie. Theoretisch könnte man mehrere auch zu einer Räterepublik zusammenfügen.
Seit wann ist 1 ein Grund, irgendetwas nicht zu spielen? :o
Dann wäre ja auch nahezu fast jede frühe Stammessiedlung gültig - eh nahezu alle verwandt und es muss eh jeder nach Kräften mit anpacken, weil sonst das Überleben des Stanmes gefährdet ist. Aber wenn es größer und anonymer wird und sich nicht mehr jeder kennt und ggf sogar verwandt ist, wenn es dann Berufsspezialisierungen und eigene Hausstände gibt, wird es halt schwierig.
Da hat man dann immerhin eine Stoßrichtung.
Kleine, basisdemokratisch organisierte Ortschaften mit Gemeinschaftseigentum. Vielleicht bilden sie jeweils auch Räte, die wiederum Vertreter zu einem übergeordneten Rat aussenden. Das ganze ideologisch und/oder religiös eingerahmt.
Wenn man jetzt ganz wild werden will, passt man das noch in ein Solarpunk-Setting mit ein.
So etwas tendiert ja bei Erfolg zu wachsen und sich aus zu tauschen (Handel, Heiraten ...) bzw. die Umstände dürften unterschiedlich sein bzw. können sich auch später dann ändern. Und dann hast du erfolgreichere und unerfolgreichere in einem Austauschsystem. Dann bekommst du entsprechende Ungleichgewichte, auch wenn es kein Privat- sondern Stammes/Familieneigentum sein sollte.Klingt nach interessanten Aufhängern.
Ein großer gemeinsamer Feind könnte da Druck aufbauen Ressourcen weiter abzugeben um Mitstreiter bei Kräften zu halten, aber dann wird die Währung Tapferkeit, sprich wer ist bereit Familienmitglieder zu riskieren.
Und was kommt, wenn der Feind Hunger wird?
Also, wenn ich eine sozialistische Gesellschaft als ein Sozialwesen definiere, dass sich vordringlich daran orientiert, dass Wohl aller einzelnen in Einklang mit dem Wohl aller zu bringen und deshalb Werte wie Solidarität, Vielfalt und Selbstentfaltung in den Vordergrund zu stellen (und nicht als die superperfekte Regenbogen-Eierkuchen-Gesellschaft am Ende der Geschichte), dann finde ich das erst einmal nicht zwangsläufig unrealistisch und nicht zwangsläufig langweilig (wobei natürlich sowohl unrealistische als auch langweilige Varianten denkbar sind).
...
Wie soll das dann in der Praxis aussehen?
Wie wird festgelegt wer was arbeitet und wer was davon bekommt und wie wird das dann auch umgesetzt?
Wohlmeinende Bekundungen müssen ja auch irgendwie durch Maßnahmen realisiert werden, damit man das Label funktionierend dran kleben kann.
Ich will keine Politikdiskussion führen, nur den hier als allgemeine Wahrheiten vorgetragenen politischen Positionen ein Gegengewicht gegenüberstellen und es dabei belassen.
Die Sache ist nur, dass man eben etwas von unserer Realität abstrahieren muss. Denn ich denke, dass in unserer Realtität der Kommunismus nicht funktioniert, weil er eben auch gar nicht funktionieren kann. Marx ist von einem falschen Menschenbild ausgegangen und er hat die Erzieh- und Formbarkeit von uns Menschen überschätzt. Für einen funktionierenden Kommunismus bräuchte man bessere Menschen als es sie tatsächlich gibt.
Naja, DDR und SSSR waren eben keine funktionierenden Sozialismusse. Beweisstück A: sonst wären sie ja nicht wegrevoltiert worden bzw hätten sich nicht nur durch Einschüchterung, Gewalt und Willkür überhaupt so lange halten können.
Vielleicht sollte man genauer sagen, was "funktionierender Sozialismus" meint.