Tanelorn.net

Pen & Paper - Spielsysteme => Systemübergreifende Themen => Thema gestartet von: JohnLackland am 1.04.2026 | 20:03

Titel: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: JohnLackland am 1.04.2026 | 20:03
Moin, kam gerade drauf wegen den spannenden Solarpunkdiskussionen, danke dafür! Kennt ihr Systeme die in einem funktionierenden Sozialismus spielen? Könnt ihr Euch vorstellen das dies Spass machen kann? Was bräuchte es Eurer Meinung dafür?
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Maarzan am 1.04.2026 | 20:32
Ich glaube hier wird etwas beschrieben, was dem am nächsten kommt:
https://www.tanelorn.net/index.php/topic,132564.msg135335291.html#msg135335291 (https://www.tanelorn.net/index.php/topic,132564.msg135335291.html#msg135335291)
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: nobody@home am 1.04.2026 | 20:39
Ich denke, das ist weniger eine Systemfrage (es sei denn, wir wollen Geld und Äquivalente ausdrücklich verregeln) als eine des Settings -- prinzipiell könnte ja auch D&D anstelle eines Zwergenkönigreichs beispielsweise eine unterirdische Kommune mit Jahresplänen und allem haben, das macht nur irgendwie viel zu selten jemand. ;)

Ein eventuelles Beispiel, das mir spontan durch den Kopf geht, wäre "Red Planet" für Fate, was sich bewußt an utopischer Ostblock-SF orientiert. Der bewußte rote Planet ist in diesem Fall der Mars, auf dem's tatsächlich so was wie einen kommunistischen Idealstaat gibt und auf dem die SC per Voreinstellung zu Hause sind, und der hauptsächlich mit der Erde im Clinch liegt, die trotz der Handlung im formellen 34. Jahrhundert immer noch zwischen den Vereinigten Staaten auf der einen Seite und der Sowietunion auf der anderen gespalten ist, die beide kein freundliches Verhältnis zu den Marsianern haben.

Dabei wird die marsianische Gesellschaft selbst nicht allzusehr im Detail beschrieben und auch das Beispielabenteuer (zehn Seiten Handlungstext, zehn Seiten für sechs Beispielcharaktere...in einem 60-Seiten-Softcover) spielt im All. Das Setting ist als Idee nicht schlecht, existiert aber hauptsächlich in Umrissen zum Selbstausfüllen, wenn man dort z.B. eine längere Kampagne spielen möchte.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Feuersänger am 1.04.2026 | 20:43
Was wäre denn für den typischen SC der Unterschied? Er darf keine eigene Fabrik besitzen, dafür ist Heilung kostenlos.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Megavolt am 1.04.2026 | 21:05
Bester Thread  ~;D
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Gondalf am 1.04.2026 | 21:12
Ich denke, das ist weniger eine Systemfrage (es sei denn, wir wollen Geld und Äquivalente ausdrücklich verregeln) als eine des Settings -- prinzipiell könnte ja auch D&D anstelle eines Zwergenkönigreichs beispielsweise eine unterirdische Kommune mit Jahresplänen und allem haben, das macht nur irgendwie viel zu selten jemand. ;)

Die DSA-Elfen vor allem Waldelfen sind doch quasi Kommunisten nahe der Idealform.
Mit Geld können die vom Konzept schon überhaupt nichts anfangen, Besitzt als Konzept ist auch recht fremd, außer dem eigenen Bogen oder der Flöte.
Wenn der Elf sieht, dass Dir kalt ist, schenkt er Dir einen Pelz, eine Jacke oder sowas, wenn er mehr hat, als er selber zum Leben braucht.
Allerdings wenn irgendwo 50 Äpfel auf einem Tisch liegen, dann nimmt er selbstverständlich einen mit, sind ja genug da!
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: JohnLackland am 1.04.2026 | 21:17
Was wäre denn für den typischen SC der Unterschied? Er darf keine eigene Fabrik besitzen, dafür ist Heilung kostenlos.

Mir geht es dabei mehr um die Lore und auch mal um eine andere Erzählung. Wenn man das reproduziert, was die meisten Rollenspielrunden bespielen, bleibt es der beliebige Plot: Böses Irrwesen ist da – SCs als Problemlöser. Aber selbst da fängt es an: Für wen oder was machen die das? Geld, Sex, Ruhm oder ein höheres Ziel ... Wie sieht das denn mal in einem System aus, das nicht durch „schneller, höher, weiter” bestimmt wird?
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: JohnLackland am 1.04.2026 | 21:41
Die DSA-Elfen vor allem Waldelfen sind doch quasi Kommunisten nahe der Idealform.
Mit Geld können die vom Konzept schon überhaupt nichts anfangen, Besitzt als Konzept ist auch recht fremd, außer dem eigenen Bogen oder der Flöte.
Wenn der Elf sieht, dass Dir kalt ist, schenkt er Dir einen Pelz, eine Jacke oder sowas, wenn er mehr hat, als er selber zum Leben braucht.
Allerdings wenn irgendwo 50 Äpfel auf einem Tisch liegen, dann nimmt er selbstverständlich einen mit, sind ja genug da!


Das sind Wildbeuter, die in einer Art Stammesgesellschaft leben, alles teilen, um zu überleben, und deshalb davon ausgehen, dass alle anderen auch etwas teilen. Sozialismus ist wie Kapitalismus ein Wirtschaftssystem und eine Ideologie, die Einfluss auf die Gesellschaft und das Handeln von Einzelpersonen nimmt.

Der Sozialismus entstand im 19. Jahrhundert als Gegenbewegung zum Kapitalismus. Er zielt auf eine solidarische Gesellschaft mit sozialer Gerechtigkeit, Gleichheit und Vergesellschaftung von Produktionsmitteln ab, um Ausbeutung zu überwinden.

Die Produktionsmittel (Fabriken, Boden) sollen dem Gemeineigentum unterliegen, d. h. sie sollen der Allgemeinheit oder dem Staat und nicht Privatpersonen gehören.

Gerechtigkeit und Solidarität: Überwindung von Klassengegensätzen und Armut.

Er wird häufig mit Planwirtschaft, also einer zentralen Planung der Wirtschaft statt Marktmechanismen, verbunden. Dies ist jedoch nur so, weil es in der Sowjetunion und all dem Drumherum so geplant wurde. Es kann auch ein anderes Wirtschaftssystem sein, was sich für die meisten aber nur schwer vorstellen lässt.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Blechpirat am 2.04.2026 | 10:36
Die klassische D&D Kampagne ist hat ja zwei, vielleicht drei Motivationen für die Spieler

Wenn Reichtum wertlos ist, bleiben nur die anderen Motivationen. "Kleine" Abenteuer, die unterhalb des Weltrettens stattfinden, brauchen dann eine interessantere Motivation. Machbar, aber weniger tauglich für schnelle Runden mit hastig generierten Level-1-Charakteren.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: nobody@home am 2.04.2026 | 10:59
Die klassische D&D Kampagne ist hat ja zwei, vielleicht drei Motivationen für die Spieler
  • rette die Welt
  • werde reich
  • (level up)

Wenn Reichtum wertlos ist, bleiben nur die anderen Motivationen. "Kleine" Abenteuer, die unterhalb des Weltrettens stattfinden, brauchen dann eine interessantere Motivation. Machbar, aber weniger tauglich für schnelle Runden mit hastig generierten Level-1-Charakteren.

Na ja, Level-1-Charaktere werden so ziemlich nie "die Welt" retten. Ein paar aus dem Dorf entführte Kinder? Das schon eher (wenn die Gegenseite aus Gobbos oder ähnlichem besteht) -- und an der Frage, wer sich ernsthaft weigern würde, das auch ohne mindestens soundsoviele Goldstücke pro Kind in Cash als Belohnung zu machen, zeigen sich dann eben die Gesinnungsgrenzen. ;)
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: KhornedBeef am 2.04.2026 | 11:04
Mir geht es dabei mehr um die Lore und auch mal um eine andere Erzählung. Wenn man das reproduziert, was die meisten Rollenspielrunden bespielen, bleibt es der beliebige Plot: Böses Irrwesen ist da – SCs als Problemlöser. Aber selbst da fängt es an: Für wen oder was machen die das? Geld, Sex, Ruhm oder ein höheres Ziel ... Wie sieht das denn mal in einem System aus, das nicht durch „schneller, höher, weiter” bestimmt wird?
Ich glaube da gibt es ein Missverständnis. Die Sowjets waren die ersten im Weltraum. Der reale Sozialismus sollte ja durchaus dem Fortschritt der Menschheit dienlich sein, und selbst wenn das zu abstrakt ist, und selbst wenn es keinen Systemfeind zu übertrumpfen gibt ( und ich würde die eine Kampagnenwelt sehr gerne einen haben), Wetteifern ist ja menschlich. Dann ist man eben statt reich nur Held der Arbeit. Aber als ob es das dann nicht außerhalb des Jahresplans gibt ;)
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Weltengeist am 2.04.2026 | 11:11
Die klassische D&D Kampagne ist hat ja zwei, vielleicht drei Motivationen für die Spieler
  • rette die Welt
  • werde reich
  • (level up)

Wenn Reichtum wertlos ist, bleiben nur die anderen Motivationen. "Kleine" Abenteuer, die unterhalb des Weltrettens stattfinden, brauchen dann eine interessantere Motivation. Machbar, aber weniger tauglich für schnelle Runden mit hastig generierten Level-1-Charakteren.

So ähnliche Gedanken hatte ich gestern auch schon.

Zum einen zum Thema "eigener Besitz". Das kann das reich werden sein, das Blechpirat anspricht: schön, dass ihr die Schatzkammer gefunden und erobert habt; jetzt gebt bitte alles an die Gemeinschaft. Danke. Hier eure Urkunde; hängt sie einfach zu den anderen. Im Grunde betrifft das aber sogar das Thema "bessere Ausrüstung / gefundene Items". Denn das Einzelpersonen mehr brauchen, um künftig produktiver sein zu können, ist ja schon wieder Kapitalistenlogik und im Sozialismus eher pfui. Außer die Gesellschaft spricht einem diese Ausrüstung zu. Aber die Chancen stehen gut, dass es andere Helden gibt, die damit noch viel mehr ausrichten könnten. Gut für die, Pech für euch. Das löst zwar das Problem der Rüstungsspirale aus Spielleitersicht (SC kriegen dann quasi automatisch die Ausrüstung, die ihrer Stufe oder ihrer Reputation entspricht, aber auch nicht mehr), aber ob das alle Spieler so mögen?

Zum zweiten wäre da das Thema "shady characters". Klar kann man die auch gleich bekennend als A***löcher spielen, aber viele Diebe etc. speisen ihre Motivation ja aus den Ungerechtigkeiten der Welt ("Als ich Kind war, hatten wir wirklich nichts, und meine geliebte kleine Schwester ist an der Schwindsucht gestorben, weil wir uns keinen Arzt leisten konnten. Ich habe daraus gelernt und nehme jetzt von den Reichen!"). Das ist in einer Gesellschaft mit gerechter Verteilung aber hinfällig.

Und letztlich stellt sich für mich die Frage nach dem Gruppenkonzept. Wenn man die klassische Ansammlung von Misfits und Castouts spielen will, dann muss man in dieser idealsozialistischen Gesellschaft (wir reden hier ja nicht vom real existierenden Sozialismus, sondern von einer Wunschvorstellung) fast schon zwingend gegen diese Gesellschaft spielen. Denn die wird solche schwerbewaffneten, gefährlichen Herumtreiber natürlich nicht tolerieren, sondern versuchen, ganz und gar unabenteuerhafte Beschäftigungen für sie zu finden. Wie in dem alten Bundeswehrwitz: "Sie spielen Klavier? Prima! Geschickte Finger: Ab zum Kartoffelschälen!" 

Passender erscheint mir da schon eher, dass die Gesellschaft spezialisierte Troubleshooter hat, zu denen eben auch die Helden gehören. Diese werden also von einer Behörde o.ä. beauftragt, Probleme zu lösen. Und alles, was dabei vom Wagen fällt, gehört der Gesellschaft bzw. in der Praxis der Behörde. Solche Gruppenkonzepte gibt es ja auch sonst (Klassiker wie "Vertreter der Kirche", "Agenten der Königlichen Geheim-Agentur" oder "Gesandte der Verborgenen Bibliothek" o.ä. gehen in die Richtung), aber man muss sich halt darüber klar sein, dass man ein Befehlsempfänger ist, die große Freiheit nicht stattfindet und "treffen sich fünf herumziehende Schwerbewaffnete in einer Kneipe" nicht gut in so ein Setting passt.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Sashael am 2.04.2026 | 11:26
Anmerkung: Ein sozialistisches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwertragenden Herumtreiber.

Ich finde die Überlegungen, welche Sachen aus D&D in so einem Setting nicht funktionieren, ziemlich müßig.

Die utopische Literatur des Ostblocks beinhaltete jede Menge Abenteuer, die eben abseits der kapitalistisch geprägten Motivationen. Wenn man tatsächlich in so einem Setting spielen will, sollte man vielleicht etwas Literatur lesen, die sich damit beschäftigt.

Macht man bei HdR & Co ja auch.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: General Kong am 2.04.2026 | 11:30
Frage an Radio Eriwan: Gibt es ein Rollenspielsetting, das einen funktionierenden Sozialismus abbildet?
Radio Eriwan: Utopische Fantasy ist im real existierenden Sozialismus im Fünf-Jahres-Plan nicht vorgesehen, Genosse.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: blackris am 2.04.2026 | 11:35
Es gibt doch Star Trek Adventures!

Habe ich noch nicht gespielt, stelle ich mir aber spaßig vor.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: nobody@home am 2.04.2026 | 11:37
Grundsätzlich hat "Sozialismus" ja auch noch ein wenig den Nachteil, daß er gar nicht recht einheitlich definiert ist (https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialismus#Definitionsproblematik). Okay, soziale Gerechtigkeit für alle und Schluß mit der Ausbeutung und Kleinhaltung dieser und jener gesellschaftlichen Klassen durch diese und jene andere -- darauf dürften sich zumindest viele bekennende Sozialisten noch einigen können. Der Teufel liegt dann eben "nur noch" im Detail, insbesondere bei der konkreten Umsetzung, wenn man gleichzeitig immer noch nur endliche Ressourcen hat... 8]

Aber ja, mit dem klassischen zweifelhaften Rollenspiel"helden" aus Gier und/oder Geltungsbedürfnis beißt sich das schon aus rein weltanschaulichen Gründen. Ein funktionierendes sozialistisches Setting braucht Protagonisten, die ihr Ego zumindest Pi mal Daumen eben nicht über die Bedürfnisse der Gemeinschaft stellen, denke ich; das ist aber, wenn man erst mal als Spieler bereit ist, sich darauf einzulassen, gar keine so große Herausforderung mehr.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: WeepingElf am 2.04.2026 | 11:54
Anmerkung: Ein sozialistisches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwertragenden Herumtreiber.

Auch ein mittelalterliches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwerttragenden Herumtreiber! Schwerter waren teuer, die konnten sich nur Adlige leisten. Pferde waren auch nicht billig; wer ein Pferd hatte, hatte zumindest Geld.

Ich finde die Überlegungen, welche Sachen aus D&D in so einem Setting nicht funktionieren, ziemlich müßig.

Zumal die meisten Sachen aus D&D dermaßen unrealistisch sind, dass sie in keinem einigermaßen realistischen Setting funktionieren! Wenn es etwa so viel und so billige Magie gibt, dass es magiekundige Herumtreiber gibt, warum wird die dann nicht in großem Stil eingesetzt, um Wirtschaftsgüter aller Art zu produzieren und den Lebensstandard der Bevölkerung (oder zumindest der herrschenden Klasse) zu heben? Eine Gesellschaft, in der es so viel Magie gibt, sähe ganz anders aus als das mittelalterliche Europa. (Aber die typische D&D-Welt sieht auch nur bei oberflächlicher Betrachtung aus wie das mittelalterliche Europa. Da gab es ja auch keine schwerttragenden oder magiebegabten Herumtreiber. Herumtreiber gab es, aber sie waren bitterarm und verachtet, und niemand rief sie zur Hilfe, wenn es Probleme gab.)

Die utopische Literatur des Ostblocks beinhaltete jede Menge Abenteuer, die eben abseits der kapitalistisch geprägten Motivationen. Wenn man tatsächlich in so einem Setting spielen will, sollte man vielleicht etwas Literatur lesen, die sich damit beschäftigt.

Macht man bei HdR & Co ja auch.

Ja.

Grundsätzlich hat "Sozialismus" ja auch noch ein wenig den Nachteil, daß er gar nicht recht einheitlich definiert ist (https://de.wikipedia.org/wiki/Sozialismus#Definitionsproblematik). Okay, soziale Gerechtigkeit für alle und Schluß mit der Ausbeutung und Kleinhaltung dieser und jener gesellschaftlichen Klassen durch diese und jene andere -- darauf dürften sich zumindest viele bekennende Sozialisten noch einigen können. Der Teufel liegt dann eben "nur noch" im Detail, insbesondere bei der konkreten Umsetzung, wenn man gleichzeitig immer noch nur endliche Ressourcen hat... 8]

Aber ja, mit dem klassischen zweifelhaften Rollenspiel"helden" aus Gier und/oder Geltungsbedürfnis beißt sich das schon aus rein weltanschaulichen Gründen. Ein funktionierendes sozialistisches Setting braucht Protagonisten, die ihr Ego zumindest Pi mal Daumen eben nicht über die Bedürfnisse der Gemeinschaft stellen, denke ich; das ist aber, wenn man erst mal als Spieler bereit ist, sich darauf einzulassen, gar keine so große Herausforderung mehr.

Zweifellos gibt es keine einheitliche Definition von Sozialismus. Deshalb gibt es ja auch divergierende Strömungen, die für sich in Anspruch nehmen, "Sozialisten" zu sein. Aber die klassische Rollenspiel-Abenteurergruppe beißt sich mit den meisten davon, wie Du schon richtig sagst.

Nun zu einem meiner eigenen Projekte, das mir an dieser Stelle relevant zu sein scheint: Ich habe ein Setting in Arbeit, in dem es in der Antike (etwa um 600 v. Chr.) eine Hochkultur auf den Britischen Inseln gab, auf die die keltischen und germanischen Überlieferungen von Elben (woraus Tolkien schöpfte), die griechische Überlieferung von Hyperborea und vielleicht auch Atlantis zurückgehen. Diese "Elben", die natürlich nur ganz normale Menschen waren, hatten eine demokratische Regierungsform und ein Wirtschaftssytem, das man vielleicht als "liberalen Sozialismus" bezeichnen könnte. Die Idee ist, dass die Produktionsmittel den Werktätigen gehören sollen, entweder individuell (kleine Familienbetriebe) oder kollektiv (größere Genossenschaftsbetriebe). Jeder hat das Recht, gemäß seinen Fähigkeiten und Neigungen unternehmerisch tätig zu sein; niemand hat das Recht, andere auszubeuten. Es gibt keine zentrale Planung, sondern eine Marktwirtschaft. Ich weiß jetzt nicht, ob das noch Sozialismus ist, vielleicht sollte ich einfach von "Wirtschaftsdemokratie" sprechen.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Boba Fett am 2.04.2026 | 12:30
Ich würde auch "Star Trek Adventures" nennen wollen.
"Live long and prosper, Genosse!" ;)

Ansonsten bin ich der Meinung, dass Planwirtschaft ein nicht funktionierendes Konzept ist.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Abgesehen davon ist es immer die Tendenz einzelner Individuen, die Schwachpunkte eines Systems (egal welches, und jedes hat Schwachpunkte) zur eigenen Vorteilsnahme / Bereicherung / Machtgewinn auszunutzen. Gier ist eine nicht ausrottbare Schwäche der Menschen und gleichzeitig eine wichtige Antriebsfeder.

Ansonsten müsste man ein Setting erdenken, dass sich genau dieser Probleme annimmt und vielleicht die Abenteuer um die Bewältigung genau dieser Probleme und derer, die aus ausserhalb liegenden einwirkenden Einflüsse resultierern. Und huch, schon sind wir wieder bei Star Trek...
Gibt es Star Trek als Fantasy Setting?
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 2.04.2026 | 12:51
Auch ein mittelalterliches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwerttragenden Herumtreiber!

Landlose Ritter, Söldner - Landsknechte kamen übrigens eher aus der Mittelschicht
siehe Weiße Kompagnie
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Mr. Ohnesorge am 2.04.2026 | 12:52
Es gibt doch Star Trek Adventures!

Habe ich noch nicht gespielt, stelle ich mir aber spaßig vor.

Und einige Habitate/ Settings-im-Setting von Eclipse Phase. Die sind durchaus antikapitalistisch/ sozialistisch angelegt, aber mit der an sich logischen Erkenntnis, dass selbst in solchen Kollektiven eine Ressourceungleichheit da ist: beim Thema Reputation/ Prestige/ sozialem Kapital.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Duck am 2.04.2026 | 12:58
Für Fate gibt es das Mini-Setting Red Planet (https://www.drivethrurpg.com/de/product/199932/red-planet-a-world-of-adventure-for-fate-core), das eine Art kommunistische Utopie auf dem Mars beschreibt und in der Tradition sowjetischer Science Fiction steht.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: nobody@home am 2.04.2026 | 13:03
Und einige Habitate/ Settings-im-Setting von Eclipse Phase. Die sind durchaus antikapitalistisch/ sozialistisch angelegt, aber mit der an sich logischen Erkenntnis, dass selbst in solchen Kollektiven eine Ressourceungleichheit da ist: beim Thema Reputation/ Prestige/ sozialem Kapital.

Na ja, ob und wie sich die spezielle Ressource "Respekt" gerechter verteilen läßt als "Was du dir ehrlich verdient hast, das hast du eben", wäre vielleicht noch mal ein eigenes Thema -- insbesondere, weil die sich nicht so leicht von der Person, die sie genießt, trennen läßt wie Geld und materielle Güter. :) Aber ich glaube, damit haben selbst die meisten Sozialisten zumindest so lange kein Problem, wie niemand das zum Vorwand nimmt, eine neue "Eliteklasse" nach beispielsweise der Methode "Jede Ehrenmedaille der Union erschließt dir neue Privilegien" einzuführen.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Eismann am 2.04.2026 | 15:22
Wie ja oben schon geschrieben, ist Sozialismus etwas schwierig zu definieren.
Wenn es eine Wirtschaftsform ist, bei der alle teilhaben und die Produktionsmittel der Gesellschaft gehören, wäre Star Trek durchaus dran. Aber die haben auch eine Überflussgesellschaft.
Realweltlich könnte man sich dann noch den spanischen Anarcho-Syndikalismus anschauen, auch wenn der von den Stalinisten und dann Franco platt gemacht wurde.
Wenns mehr Richtung kollektive Volksherrschaft geht, sowas in die Richtung hab ich mal in DSK beschrieben, mit einem Käfervolk, das genau mit der Frage gerungen hat.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: unicum am 2.04.2026 | 15:36
Kennt ihr Systeme die in einem funktionierenden Sozialismus spielen?

Ich stelle mal in frage das es mit Menschen(TM) überhaupt funktioniert, also echter Sozialismus wie er in der politischen Literatur definiert ist. Marx, Lenin und co waren Politische Philosophen die imho eine kleinigkeit übersehen haben: Menschen sind zwar sozial aber eben auch Individuen. Moderne Beobachtungen zeigten ja auch das selbst Ameisen keinen wirklichen Sozialismus untereinander haben (die Königin mal aussen vor gelassen) und es Individuen darunter gibt (wenn auch nur marginal ausgeprägt).

Also meinetwegen kann es Sozialismus bei anderen Spezien geben am ehesten sogar bei so etwas wie Pilzlebewesen die dann einfach sagen können es gibt gar keine Individuen, solche Systeme wie "Hive Mind" oder die Borg bei Star Treck (bevor man die BorgQueen "einführte").
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Lichtschwerttänzer am 2.04.2026 | 15:46
Die Rigelianer von Lensmen könnten da passen
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Maarzan am 2.04.2026 | 16:16
Theoretisch geht so etwas auch nach dem Prinzip Räuber-/Piratenbande mit Basisdemokratie und gleichen Beuteteilen. Aber die brauchen als menschliche Raubtiere dann halt auch genügend und besser auch einfache Beute.
Sonst sortiert sich das auch wieder nach Risiko und Beitrag zur Überwindung der Opfer, denn alle hinten stehen  klappt halt nicht so richtig gut, wenn der Gegner doch mal wehrhafter ist.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Eismann am 2.04.2026 | 16:25
Ich meine mich daran zu erinnern, dass manche Hochkulturen wie die Altägypter oder Sumerer oft planwirtschaftlich gearbeitet haben. Da wurde also ein Großteil der Produktion eingesammelt und dann nach Bedarf wieder verteilt. Ist dann aber natürlich autokratisch.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Mr. Ohnesorge am 2.04.2026 | 16:33
Realweltlich könnte man sich dann noch den spanischen Anarcho-Syndikalismus anschauen

Daran orientieren sich genannte Eclipse Phase-Subsettings.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Feuersänger am 2.04.2026 | 16:34
Hier im Thread wird sowieso einiges konflationiert, also durcheinandergebracht. Sozialismus heisst nicht unbedingt, dass es keinen Privatbesitz geben darf und niemand reich sein kann und erst recht nicht dass es Planwirtschaft geben muss. Sozialismus bedeutet in allererster Linie erstmal nur, dass die _Produktionsmittel_ kein Privatbesitz sein können, die es dem Eigentümer ermöglichen, das Proletariat auszubeuten.
Also nach dem Motto: "Ich besitze eine Maschine, die jeden Tag für 1000GM Dinge herstellt, aber die Arbeiter die diese Maschine bedienen beteilige ich nur mit 1GM und behalte den Rest für mich selbst."

Insofern wäre schonmal diskutabel, ob Abenteurerausrüstung die wie das +2 Flammenschwert unbedingt in Kollektiveigentum zu überführen wäre. Es ist insofern "Produktionsmittel" in der Abenteurerindustrie, ja, aber sein Gebrauch beutet ja nicht das eigene Kollektiv aus.

Dann wurde das Mittelalter erwähnt: im europäischen Mittelalter finden wir ganz schön viele antikapitalistische Elemente. Verbot von Zinswucher etwa, und ziemlich flache Gehaltsprogressionen. Da hat ein Meister oft nur 10-20% mehr verdient als sein Geselle. (Lehrlinge waren natürlich trotzdem am Arsch.) Wer beschissen hat wurde in den Fluss getunkt usw.

Aber umgekehrt stimmt freilich auch das was Weltengeist sagt: wenn eine soziale Gesellschaft niemanden so leicht durchs Netz fallen lässt, gibt es auch umso weniger Nährboden für Bettelei und Kriminalität.

--

That said!
Auch wenn ich es selber bisher nicht so betrachtet habe, trägt eigentlich mein eigenes Heartbreaker-Fantasysetting einige sozialistische Züge. Zur kurzen Erklärung, in erster Linie war da meine Motivation "Wie sähe eine stringent durchdeklinierte Hochkultur in einer magischen D&D-Welt aus? Insbesondere wenn es reale, Gute Gottheiten gibt, die am Wohl der Demi-Menschheit interessiert sind?"
Und da hat sich dann mit der Zeit so einiges rauskristallisiert. Es gibt zB auf dem Lande schon sozialistische Arbeitsteilung, etwa mit einer Art "Kantine" die alle mit Essen versorgt, damit die Bauern was handfestes zu beissen bekommen, wenn sie vom Feld kommen. (Es ist zwar High Magic, aber nicht _so_ High Magic dass jedes Bauernkaff mit Ackergolems ausgestattet wäre oder alle Nahrung magisch erschaffen werden könnte; das hatten wir in eigenen Threads alles schonmal durchgerechnet.) Freie Heilfürsorge durch den Klerus, soziales Netz für die Armen, sodass niemand betteln muss auch wenn er nicht arbeiten kann.

Der Schwerpunkt der Wirtschaft liegt jedoch in der magischen Ökonomie. Ein Großteil der Werktätigen ist mit der Erzeugung von Komponenten für magisches Crafting beschäftigt. Die daraus hergestellten magischen Gegenstände bringen hohe Steuereinnahmen, aus denen dann auch die o.g. Wohltaten finanziert werden.

Abenteurerei wird in gewissem Rahmen staatlich gefördert, schließlich gibt es insbesondere in den Randgebieten der Zivilisation immer noch gefährliche Bedrohungen. Es wird aktiv nach talentiertem Nachwuchs gesucht - insbesondere Magiebegabte - und deren Ausbildung gefördert. Dadurch ist auch die soziale Mobilität relativ hoch.

Es ist halt dennoch kein perfekter Kommunismus und keine klassenlose Gesellschaft. An Klassen gäbe es da zB den Kleriker, den Barden, den Kämpfer... nee Flax, will sagen es gibt durchaus auch noch Erbbesitz und wohlhabendere Familien. Und auch wenn Adelstitel bzw genauer gesagt: Ämter nominell nicht erblich sind, ist es halt dennoch an der Tagesordnung dass ein Grafentitel vom Vater an den Sohn übergeht und nicht unbedingt komplett neu vergeben wird, solang derjenige seinen Job ordentlich macht.
(Vergleiche dazu, dass im Realen Mittelalter Lehen ursprünglich auch nicht erblich gedacht waren, sondern nach dem Tod des Belehnten wieder an den Lehnsgeber zurückfallen sollten, das änderte sich dann iirc so im Laufe des 11./12. Jh, einfach dadurch dass die Vasallen ihre Lehen als Erbbesitz betrachteten und der König ab einem gewissen Punkt nicht mehr die Macht hatte, sie wieder einzukassieren.)
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: WeepingElf am 2.04.2026 | 16:38
Ich meine mich daran zu erinnern, dass manche Hochkulturen wie die Altägypter oder Sumerer oft planwirtschaftlich gearbeitet haben. Da wurde also ein Großteil der Produktion eingesammelt und dann nach Bedarf wieder verteilt. Ist dann aber natürlich autokratisch.

Ja, solche Wirtschaftsformen sind meines Wissens älter als die Marktwirtschaft, aber das würde ich nicht als Sozialismus bezeichnen. Sozialismus ist nicht einfach das Gegenteil von Marktwirtschaft, das darf man nicht mit Planwirtschaft gleichsetzen, auch wenn mir jetzt kein gutes historisches Beispiel für eine sozialistische Marktwirtschaft einfällt (ich habe schon mehrfach gelesen, dass es so was in Jugoslawien gegeben haben soll, aber darüber weiß ich zu wenig) - nicht-sozialistische Planwirtschaften hat es hingegen gegeben. Die meisten sozialistischen Utopien vernachlässigen in der Tat, dass Menschen nicht immer rational handeln und Individuen mit divergierenden Interessen sind, und betreiben eine Gleichmacherei, die der Natur des Menschen widerspricht. Weshalb die russischen Kommunisten sich gezwungen sahen, eine Diktatur zu errichten, und Kommunisten in anderen Ländern machten es ihnen nach. Und was dabei herumkam, wissen wir ja nur zu gut. Der US-amerikanische Entomologe und Soziobiologe Edward O. Wilson hatte eine ganz kurze und knappe Antwort auf die Frage, was wir in Sachen Gesellschaftsaufbau von den staatenbildenden Insekten lernen können. Sie lautete: "Nichts."
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: nobody@home am 2.04.2026 | 17:02
Insekten funktionieren ja auch noch mal wirklich anders und selbst die sogenannte "Königin" ist eigentlich nur die Gebärmutter des Volkes -- zum Fortbestand insofern nötig, als es schon eine Eierquelle braucht, aber als Individuum prinzipiell jederzeit ersetzbar, solange nicht gerade Notstand an Nachfolgekandidatinnen herrscht. Da hat der werte Herr Wilson schon nicht ganz unrecht.

Daß allerdings Sozialismus für Menschen prinzipiell unmöglich sein soll, klingt für mich ein Stück weit schlicht nach Defätismus. Damit will ich nicht gesagt haben, daß ich ihn in der Praxis im großen Stil real erwarte oder ohne geeignete quasi-magische Mittel zur Umsetzung für leicht halte, nur eben, daß entsprechende Settings grundsätzlich schon vorstellbar sind...zumindest, solange die Gesellschaft dort einen praktikablen Weg hat, die am lautesten "Ich, ich, ICH!!!" Denkenden davon abzuhalten, ähnlichen Schaden anzurichten wie gewisse Verdächtige im richtigen Leben, deren Namen hier nicht genannt zu werden brauchen.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: WeepingElf am 2.04.2026 | 17:22
Insekten funktionieren ja auch noch mal wirklich anders und selbst die sogenannte "Königin" ist eigentlich nur die Gebärmutter des Volkes -- zum Fortbestand insofern nötig, als es schon eine Eierquelle braucht, aber als Individuum prinzipiell jederzeit ersetzbar, solange nicht gerade Notstand an Nachfolgekandidatinnen herrscht. Da hat der werte Herr Wilson schon nicht ganz unrecht.

Ganz genau so ist das! Staatenbildende Insekten sind einfache, instinktgesteuerte Tiere, die gar nicht über die Organisation ihres Staates und ihre Stellung darin nachdenken können - und die Königin ist keine wirkliche Herrscherin, sondern eben eine Eierlegemaschine ;) Ich bezweifle übrigens, dass solche Spezies es je schaffen, sich im Weltall auszubreiten - die gibt es auf der Erde schon seit etwa 100 Millionen Jahren, und haben die Raumschiffe gebaut? Nein. Die sind eben genetisch programmiert, deshalb gibt es dort keinen nennenswerten kulturellen oder technologischen Fortschritt. Für eine technische Zivilisation braucht es wahrscheinlich eine menschenähnliche Individual-Intelligenz, und mit solchen Wesen funktionieren eusoziale Gesellschaften (so nennen Biologen derartige Organisationsformen) eben nicht. Die in vielen Science-Fiction-Geschichten auftauchenden bösen kollektivistischen Insektenwesen, die sich epische Raumschlachten mit der Menschheit liefern, sind einfach schlechte Science Fiction, mehr nicht.

Daß allerdings Sozialismus für Menschen prinzipiell unmöglich sein soll, klingt für mich ein Stück weit schlicht nach Defätismus. Damit will ich nicht gesagt haben, daß ich ihn in der Praxis im großen Stil real erwarte oder ohne geeignete quasi-magische Mittel zur Umsetzung für leicht halte, nur eben, daß entsprechende Settings grundsätzlich schon vorstellbar sind...zumindest, solange die Gesellschaft dort einen praktikablen Weg hat, die am lautesten "Ich, ich, ICH!!!" Denkenden davon abzuhalten, ähnlichen Schaden anzurichten wie gewisse Verdächtige im richtigen Leben, deren Namen hier nicht genannt zu werden brauchen.

Ich würde ihn auch nicht für prinzipiell unmöglich halten, aber ein funktionsfähiges sozialistisches Modell muss die Natur des Menschen einkalkulieren. Wir sind, was humane gesellschaftliche Organisationsformen betrifft, mit unserer parlamentarischen Demokratie und sozialen Marktwirtschaft sicher noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt, aber die meisten sozialistischen Utopien machen es sich mit ihren idealistischen Menschenbildern dann doch etwas zu einfach.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Maarzan am 2.04.2026 | 17:30
Verteilungsformen bei genügend militärischer Macht (und idealerweise auch keine ernsthafte Störer von draußen) kann man sich viele vorstellen.
Aber der Knackpunkt ist dann doch wohl wie trotz absehbarem auch bei Bemühungen aller fehlendem Überfluß dann die notwendigen Mittel erzeugt und dann auf die Beteiligten verteilt werden und daß dann ohne direkten Zwang, sonst sind wir halt wieder bei irgendeiner Art Diktatur.
Oder übersehe ich da etwas?
Was wäre sonst die Definition oder Eckpfeiler funktionierenden Sozialismusses?
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: nobody@home am 2.04.2026 | 17:32
Ich würde ihn auch nicht für prinzipiell unmöglich halten, aber ein funktionsfähiges sozialistisches Modell muss die Natur des Menschen einkalkulieren. Wir sind, was humane gesellschaftliche Organisationsformen betrifft, mit unserer parlamentarischen Demokratie und sozialen Marktwirtschaft sicher noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt, aber die meisten sozialistischen Utopien machen es sich mit ihren idealistischen Menschenbildern dann doch etwas zu einfach.

Wie ich im anderen Faden, glaube ich, schon mal angesprochen habe: wenn ich perfekte Menschen habe, ist der ganze Rest der Utopie schon nur noch Pipifax, denn mit denen geht alles glatt. ;) Dummerweise können wir von denen halt weder in der Wirklichkeit noch in einigermaßen glaubhafter Fiktion ausgehen...
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Feuersänger am 2.04.2026 | 17:33
Ich würde ihn auch nicht für prinzipiell unmöglich halten, aber ein funktionsfähiges sozialistisches Modell muss die Natur des Menschen einkalkulieren. Wir sind, was humane gesellschaftliche Organisationsformen betrifft, mit unserer parlamentarischen Demokratie und sozialen Marktwirtschaft sicher noch lange nicht am Ende der Fahnenstange angelangt, aber die meisten sozialistischen Utopien machen es sich mit ihren idealistischen Menschenbildern dann doch etwas zu einfach.

Like-Button. ;)
Ja, ein solches System muss mit einkalkulieren und auch einen gewissen Raum dafür lassen, dass ein nicht vernachlässigbarer Prozentsatz der Menschheit immer den Ehrgeiz haben wird, mehr zu haben, oder aber mehr rauszuholen, als sie reinstecken. Das lässt sich weder aberziehen noch unterdrücken. Dies anzuerkennen, bedeutet ja nicht dass Haifischbecken-Neoliberalismus die einzige Alternative wäre. Ich habe ja den Eindruck, die meisten (derart gepolten) Menschen wären schon damit zufrieden, wenn sie das _Gefühl_ haben, dem System ein Schnippchen geschlagen zu haben.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Smoothie am 2.04.2026 | 17:51
einer meiner ehemaligen Dozenten pflegte immer zu sagen. "Von der Natur des Menschen soll nur sprechen, wer ihr schonmal die Hand geschüttelt hat."

Will sagen, es gibt im sozialwissenschaftlichen Sinn darüber keine ernsthaften Aussagen und wenn jemand was über die Natur des Menschen behauptet ist es rein spekulativ und meist zusätzlich ideologisch.

hat aber mit der Frage nach den Rollenspielsystemen aber auch nur am Rande zu tun.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: WeepingElf am 2.04.2026 | 18:20
Wie ich im anderen Faden, glaube ich, schon mal angesprochen habe: wenn ich perfekte Menschen habe, ist der ganze Rest der Utopie schon nur noch Pipifax, denn mit denen geht alles glatt. ;) Dummerweise können wir von denen halt weder in der Wirklichkeit noch in einigermaßen glaubhafter Fiktion ausgehen...

Like. Es gibt zwei Gründe, keine Utopien zu spielen: 1. Sie sind unrealistisch. 2. Sie sind langweilig.

Like-Button. ;)
Ja, ein solches System muss mit einkalkulieren und auch einen gewissen Raum dafür lassen, dass ein nicht vernachlässigbarer Prozentsatz der Menschheit immer den Ehrgeiz haben wird, mehr zu haben, oder aber mehr rauszuholen, als sie reinstecken. Das lässt sich weder aberziehen noch unterdrücken. Dies anzuerkennen, bedeutet ja nicht dass Haifischbecken-Neoliberalismus die einzige Alternative wäre. Ich habe ja den Eindruck, die meisten (derart gepolten) Menschen wären schon damit zufrieden, wenn sie das _Gefühl_ haben, dem System ein Schnippchen geschlagen zu haben.

Auch Like. Die Antwort auf die Schwierigkeit, mit solchen Menschen umzugehen, kann weder darin bestehen, sie alle wegzusperren, noch, sie ungehindert gewähren zu lassen. Ich halte Unternehmertum für eine legitime Art von Selbstverwirklichung (und wir haben ja im Ostblock gesehen, wie schlecht eine Welt ohne Unternehmer funktioniert), und befürworte daher die Gewerbefreiheit, aber es muss für Unternehmer klare Regeln geben, die einem Missbrauch der Gewerbefreiheit Grenzen setzen.

einer meiner ehemaligen Dozenten pflegte immer zu sagen. "Von der Natur des Menschen soll nur sprechen, wer ihr schonmal die Hand geschüttelt hat."

Will sagen, es gibt im sozialwissenschaftlichen Sinn darüber keine ernsthaften Aussagen und wenn jemand was über die Natur des Menschen behauptet ist es rein spekulativ und meist zusätzlich ideologisch.

hat aber mit der Frage nach den Rollenspielsystemen aber auch nur am Rande zu tun.

Den letzten Satz kann ich nur unterstreichen.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Swanosaurus am 2.04.2026 | 18:39
Like. Es gibt zwei Gründe, keine Utopien zu spielen: 1. Sie sind unrealistisch. 2. Sie sind langweilig.


Seit wann ist 1 ein Grund, irgendetwas nicht zu spielen?  :o
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Maarzan am 2.04.2026 | 18:46
Angesichts dessen, daß wir noch keinen funktionierenden Sozialismus erlebt haben, würde ich noch einmal nach den einzuhaltenden Eckelementen fragen. um als solcher zu gelten
Dann kann man ja schauen, ob man ihn mit Fantasymitteln ohne magischem Füllhorn irgendwie basteln kann.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Eismann am 2.04.2026 | 18:57
Hm... Kibbuzim hatten wir glaube ich auch noch nicht. Die sind zwar örtlich begrenzt, aber haben Gemeinschaftseigentum und Basisdemokratie. Theoretisch könnte man mehrere auch zu einer Räterepublik zusammenfügen.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Maarzan am 2.04.2026 | 19:06
Hm... Kibbuzim hatten wir glaube ich auch noch nicht. Die sind zwar örtlich begrenzt, aber haben Gemeinschaftseigentum und Basisdemokratie. Theoretisch könnte man mehrere auch zu einer Räterepublik zusammenfügen.

Dann wäre ja auch nahezu fast jede frühe Stammessiedlung gültig - eh nahezu alle verwandt und es muss eh jeder nach Kräften mit anpacken, weil sonst das Überleben des Stanmes gefährdet ist.  Aber wenn es größer und anonymer wird und sich nicht mehr jeder kennt und ggf sogar verwandt ist, wenn es dann Berufsspezialisierungen und eigene Hausstände gibt, wird es halt schwierig.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: nobody@home am 2.04.2026 | 19:40
Seit wann ist 1 ein Grund, irgendetwas nicht zu spielen?  :o

Ist es nicht. Und selbst bei 2 bin ich mir nicht sicher -- was genau den Einzelnen langweilt, kann ja schon variieren, und mitunter braucht auch ein noch so "meh" erscheinendes Setting bloß ein paar Funken Fantasie, um doch noch Pep zu kriegen. :)

Zurück zum Fadenthema: ich denke, eine ganze Reihe von Welten in Mindjammer sind effektiv "sozialistisch", auch, wenn das Wort selbst vielleicht nicht fällt; gerade die nominelle Hauptkultur ist technisch so weit, daß allgegenwärtige echte KI viele soziale Routineaufgaben im Hintergrund erledigen kann, ohne daß der Standardbürger sich überhaupt kümmern muß, und "Geld" kennt der potentiell höchstens als etwas, was man auf primitiven Randwelten braucht, wenn sich denn mal ein Grund findet, die zu besuchen. Dummerweise nützt das den Spielercharakteren nicht allzuviel, weil auf der anderen Seite die Regeln verlangen, daß man für jeden mechanischen Bonus, den Ausrüstung und dergleichen einem laut offizieller Liste geben könnte, mit Charakterbauressourcen bezahlen soll, als ob beispielsweise das Blastergewehr vielerorts zweifelhafter Legalität organischer Teil des Charakters selbst wäre (kostet nebenbei zwei Stunts, wenn man's voll ausreizen möchte), und die sind immer recht eng begrenzt. Das ist tatsächlich auch einer meiner Hauptstolpersteine bei diesem speziellen Spiel -- mit lauter netten offiziellen Spielsachen, von denen man sich die wenigsten überhaupt als mehr als bloße Kosmetik ohne mechanischen Effekt leisten kann, kombiniert Mindjammer mMn die schlechteren Aspekte zweier Welten. (Das Setting an sich mag ich trotzdem einigermaßen gerne, nur die Regeln müßte ich zum Bespielen noch mal durchgehen und hier und da etwas mehr in Richtung "Luft zum Atmen" tunen.)
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Eismann am 2.04.2026 | 20:03
Dann wäre ja auch nahezu fast jede frühe Stammessiedlung gültig - eh nahezu alle verwandt und es muss eh jeder nach Kräften mit anpacken, weil sonst das Überleben des Stanmes gefährdet ist.  Aber wenn es größer und anonymer wird und sich nicht mehr jeder kennt und ggf sogar verwandt ist, wenn es dann Berufsspezialisierungen und eigene Hausstände gibt, wird es halt schwierig.

Da hat man dann immerhin eine Stoßrichtung.
Kleine, basisdemokratisch organisierte Ortschaften mit Gemeinschaftseigentum. Vielleicht bilden sie jeweils auch Räte, die wiederum Vertreter zu einem übergeordneten Rat aussenden. Das ganze ideologisch und/oder religiös eingerahmt.
Wenn man jetzt ganz wild werden will, passt man das noch in ein Solarpunk-Setting mit ein.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Maarzan am 2.04.2026 | 20:14
Da hat man dann immerhin eine Stoßrichtung.
Kleine, basisdemokratisch organisierte Ortschaften mit Gemeinschaftseigentum. Vielleicht bilden sie jeweils auch Räte, die wiederum Vertreter zu einem übergeordneten Rat aussenden. Das ganze ideologisch und/oder religiös eingerahmt.
Wenn man jetzt ganz wild werden will, passt man das noch in ein Solarpunk-Setting mit ein.

So etwas tendiert ja bei Erfolg zu wachsen und sich aus zu tauschen (Handel, Heiraten ...) bzw. die Umstände dürften unterschiedlich sein bzw. können sich auch später dann ändern. Und dann hast du erfolgreichere und unerfolgreichere in einem Austauschsystem. Dann bekommst du entsprechende Ungleichgewichte, auch wenn es kein Privat- sondern Stammes/Familieneigentum sein sollte.
Ein großer gemeinsamer Feind könnte da Druck aufbauen Ressourcen weiter abzugeben um Mitstreiter bei Kräften zu halten, aber dann wird die Währung Tapferkeit, sprich wer ist bereit Familienmitglieder zu riskieren.
Und was kommt, wenn der Feind Hunger wird?
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Swanosaurus am 2.04.2026 | 21:18
Also, wenn ich eine sozialistische Gesellschaft als ein Sozialwesen definiere, dass sich vordringlich daran orientiert, dass Wohl aller einzelnen in Einklang mit dem Wohl aller zu bringen und deshalb Werte wie Solidarität, Vielfalt und Selbstentfaltung in den Vordergrund zu stellen (und nicht als die superperfekte Regenbogen-Eierkuchen-Gesellschaft am Ende der Geschichte), dann finde ich das erst einmal nicht zwangsläufig unrealistisch und nicht zwangsläufig langweilig (wobei natürlich sowohl unrealistische als auch langweilige Varianten denkbar sind).

In diesem Sinne sozialistisch ist, soweit ich es verstanden habe, wohl das Setting von Solis - People of the Sun (https://www.drivethrurpg.com/de/product/422968/solis-people-of-the-sun (https://www.drivethrurpg.com/de/product/422968/solis-people-of-the-sun)) - ich hab's allerdings nicht selbst gelesen, da ich mit diesen Traveller-Sektorbeschreibungssettings von der Form her leider wenig anfangen kann.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Eismann am 2.04.2026 | 21:21
So etwas tendiert ja bei Erfolg zu wachsen und sich aus zu tauschen (Handel, Heiraten ...) bzw. die Umstände dürften unterschiedlich sein bzw. können sich auch später dann ändern. Und dann hast du erfolgreichere und unerfolgreichere in einem Austauschsystem. Dann bekommst du entsprechende Ungleichgewichte, auch wenn es kein Privat- sondern Stammes/Familieneigentum sein sollte.
Ein großer gemeinsamer Feind könnte da Druck aufbauen Ressourcen weiter abzugeben um Mitstreiter bei Kräften zu halten, aber dann wird die Währung Tapferkeit, sprich wer ist bereit Familienmitglieder zu riskieren.
Und was kommt, wenn der Feind Hunger wird?
Klingt nach interessanten Aufhängern.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Maarzan am 2.04.2026 | 21:27
Also, wenn ich eine sozialistische Gesellschaft als ein Sozialwesen definiere, dass sich vordringlich daran orientiert, dass Wohl aller einzelnen in Einklang mit dem Wohl aller zu bringen und deshalb Werte wie Solidarität, Vielfalt und Selbstentfaltung in den Vordergrund zu stellen (und nicht als die superperfekte Regenbogen-Eierkuchen-Gesellschaft am Ende der Geschichte), dann finde ich das erst einmal nicht zwangsläufig unrealistisch und nicht zwangsläufig langweilig (wobei natürlich sowohl unrealistische als auch langweilige Varianten denkbar sind).
...

Wie soll das dann in der Praxis aussehen?
Wie wird festgelegt wer was arbeitet und wer was davon bekommt und wie wird das dann auch umgesetzt?
Wohlmeinende Bekundungen müssen ja auch irgendwie durch Maßnahmen realisiert werden, damit man das Label funktionierend dran kleben kann.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Swanosaurus am 2.04.2026 | 21:29
Wie soll das dann in der Praxis aussehen?
Wie wird festgelegt wer was arbeitet und wer was davon bekommt und wie wird das dann auch umgesetzt?
Wohlmeinende Bekundungen müssen ja auch irgendwie durch Maßnahmen realisiert werden, damit man das Label funktionierend dran kleben kann.

Ich will keine Politikdiskussion führen, nur den hier als allgemeine Wahrheiten vorgetragenen politischen Positionen ein Gegengewicht gegenüberstellen und es dabei belassen.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: WeepingElf am 2.04.2026 | 21:42
Ich will keine Politikdiskussion führen, nur den hier als allgemeine Wahrheiten vorgetragenen politischen Positionen ein Gegengewicht gegenüberstellen und es dabei belassen.

Genau! Dies ist ein Rollenspiel- und kein Politikforum. Ich weiß für mein Teil nicht, ob Sozialismus funktionieren kann, die bisherigen Erfahrungen sprechen eher dagegen, aber vielleicht ist nur einfach noch nicht "die Zeit reif" dafür.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Maarzan am 2.04.2026 | 21:44
Dann kann man sich die Diskussion hier auch ganz schenken, wenn man das, was im Spiel dargestellt werden soll, nicht beschreiben will.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Zouan81 am 2.04.2026 | 21:56
In einer Spielwelt kann man ja alles Mögliche darstellen, wobei ich beim Sozialismus das 'funktionierend' in "" setzen würde.

In einer interessanten und spannenden Spielwelt, in der Sozialismus herrschen soll, gibt es ja wieder eine ganze Vielfalt an verschiedenen Charakteren:

- Eine große Gruppe, die sich mit dem Sozialismus arragiert hat und mehr oder weniger bereitwillig mitläuft
- Individuen, die dieses System stützen und verteidigen und Gegner denunzieren
- Kleinere Gruppierungen von Gegnern, die gewillt sind, das System zu stürzen
- Nutznießer, die von diesem System im höchsten Maße profitieren (auch zu Lasten anderer)

Diese Gegensätze können auch in einer fiktiven Welt abgebildet werden. Spielercharaktere, die sich zu Helden machen wollen, brauchen eine Umgebung wo sie gebraucht werden und es oft alles andere als heldenhaft zugeht.


Ob ich solche Systeme kenne? - Eher nicht.

Im Cyberpunk dreht sich vieles ja meist um Konzernoligarchien oben und Bandenkriegen unten. Das fällt nicht wirklich unter Sozialismus.



Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: General Kong am 2.04.2026 | 22:04
Vielleicht sollte man genauer sagen, was "funktionierender Sozialismus" meint.
Geht es darum, dass alle das dufte finden oder nur darum,dass das System sich erhält?
Wenn man letzteres meint dann hat
Die SU inter Stalin hat "funktioniert", die DDR unter Honecker, Kuba unter Fidel, Vietnam, Nord-Korea und Vietnam tun es immer noch (alles selbsterklärend sozialistische Staaten).

Rollenspielsettings brauchen eine gewisse Dysfunktionslität, damit es Abenteuer geben kann, im Inneren ("Da Verbrechen in Gotham City is nicht mehr auszuhalten - tut was!"), im Grenzbereich ("Das dind Orks in den Hügeln im Grenzland!") oder es gibt eine Bedrohung von außen (Cthulu, Aliens, Sauron).

Ein Setting, in dem der Fünfjahresplan schon im zweiten Jahr übererfüllt wurde (wie zuletzt auch), alle im Frieden und Harmonie leben, keiner was ernsthaft zu kritisieren hat, weil alle genug von allem haben ("Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnisse.") braucht keine Helden.
Da können die SC nur die Bösen spielen.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Swanosaurus am 2.04.2026 | 22:06
Total gut vorstellen könnte ich mir übrigens auch das Setting aus Adrian Tchaikovskys Children of Time Reihe am Ende von Band 4 (Children of Strife) - mutet durchaus sozialistisch an, aber Außenseiter sind auf Raumschiffen unterwegs und machen ihr eigenes Ding.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Feuersänger am 2.04.2026 | 23:08
Naja, DDR und SSSR waren eben keine funktionierenden Sozialismusse. Beweisstück A: sonst wären sie ja nicht wegrevoltiert worden bzw hätten sich nicht nur durch Einschüchterung, Gewalt und Willkür überhaupt so lange halten können. Und andererseits China ist zwar politisch stabil, aber andererseits nicht so wahnsinnig sozialistisch.

Aber wie schon im Solarpunk-Thread gesagt -- eine komplette Friede-Freude-Eierkuchen-Utopie braucht man nicht spielen, weil es außer Sightseeing darin nichts zu tun gibt. Wie Kong schon sagt, hat man ja Bedrohungen entweder von innen oder von außen. Und bei den äußeren Bedrohungen spielt der Zustand der Utopie im Inneren meistens keine wirkliche Rolle, da sich die Action dann eher in den Randbereichen entwickelt.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Maarzan am 3.04.2026 | 07:34
Nach Überlegung ist mir die Frage gekommen, ob wir nicht eigentlich schon über Kommunismus reden und nicht erst über Sozialismus.
Auf die Schnelle einmal Google:

Wesentliche Unterschiede:

    Sozialismus (Vorstufe):
        Ziel: Soziale Gerechtigkeit, weniger Ungleichheit.
        Eigentum: Produktionsmittel gehören der Gemeinschaft/Staat.
        Verteilung: Entlohnung erfolgt oft nach Leistung.
        Staat: Existiert weiter, um den Übergang zu steuern.
    Kommunismus (Endziel):
        Ziel: Absolute Gleichheit, klassenlose Gesellschaft.
        Eigentum: Kein Privateigentum, alles gehört der Gemeinschaft.
        Verteilung: Bedarfsorientiert ("Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen").
        Staat: Der Staat wird als Institution abgeschafft.

Nach marxistischer Theorie ist der Sozialismus der Übergang zum Kommunismus. In der Praxis wurden sozialistische Staaten oft von einer Partei regiert, während der "Kommunismus" als theoretische Endstufe meist nicht erreicht wurde.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Eleazar am 3.04.2026 | 08:03
Nähmen wir an, es gäbe einen funktionierenden Sozialismus, das muss doch aber nicht bedeuten, dass alle Bewohner in einem solchen System leben wollen:
Da gibt es Egoisten, die das System austricksen und sich bereichern. Da gibt es Leute, die sich mehr Reichtum versprechen, wenn sie kapitalistisch handeln und ihre Mitmenschen ausbeuten könnten. Da gibt es (Nachfahren der) ehemalige(n) Eliten, die die Uhr zurückdrehen wollen. Da gibt es benachbarte, kapitalistische Unterdrückerstaaten, denen ein funktionierender Staat in der Nachbarschaft ein Dorn im Auge ist und die den funktionierenden Sozialismus sabotieren wollen.

Ich sehe da genügend Abenteuerpotential.

Die Sache ist nur, dass man eben etwas von unserer Realität abstrahieren muss. Denn ich denke, dass in unserer Realtität der Kommunismus nicht funktioniert, weil er eben auch gar nicht funktionieren kann. Marx ist von einem falschen Menschenbild ausgegangen und er hat die Erzieh- und Formbarkeit von uns Menschen überschätzt. Für einen funktionierenden Kommunismus bräuchte man bessere Menschen als es sie tatsächlich gibt.

Und die bräuchte man dann auch eigentlich in einer fiktiven Rollenspielwelt, wenn sie dann vollkommen logisch aufgehen sollten. Wenn alle Menschen von den Vorzügen des Kommunismus überzeugt wären und wenn ihr Gemeinsinn so stark wäre, dass sie dieses System unterstützen würden, dann wäre die Welt wohl tatsächlich paradiesisch und das Abenteuerpotential ginge gegen Null. Wenn es aber fiese Leute gibt, gegen die Abenteurer vorgehen könnten, dann würde es die in Abstufungen ja überall geben und das System könnte nicht funktionieren.

Also muss man zwei Annahmen zusammenpacken, die eigentlich nicht zusammengehen. Und man muss im entscheidenden Moment ein bisschen die Augen verschließen.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Swanosaurus am 3.04.2026 | 08:45

Die Sache ist nur, dass man eben etwas von unserer Realität abstrahieren muss. Denn ich denke, dass in unserer Realtität der Kommunismus nicht funktioniert, weil er eben auch gar nicht funktionieren kann. Marx ist von einem falschen Menschenbild ausgegangen und er hat die Erzieh- und Formbarkeit von uns Menschen überschätzt. Für einen funktionierenden Kommunismus bräuchte man bessere Menschen als es sie tatsächlich gibt.

Na ja, dann diskutiere ich halt doch politisch, wenn alle anderen es machen, und nehme Marx da in Schutz: Er hat ja aus gutem Grund den Kommunismus als einen Horizont formuliert. Das wird dann oft als Wolkenschloss-Utopismus ausgelegt, aber eigentlich war es die sehr realistische Einschätzung es historischen Materialisten: Aller Wahrscheinlichkeit nach war bisher keine Gesellschaftsform in der Lage, auf sie folgende Gesellschaftsformen vorherzusagen und sie mit ihrem Menschenbild zu vereinen. Ich glaube nicht, dass irgendein Mönch aus dem 14. Jahrhundert sich den Kapitalismus hätte ausmalen können oder dass er, wenn man ihn dessen gesellschaftliche Funktionsweise erklärt hätte, geglaubt hätte, dass sie mit Menschen funktionieren könnte.

Deshalb kann der Anspruch bei realer gesellschaftlicher Gestaltung nicht sein: Wir malen aus, wie die kommunistische oder auch nur sozialistische Gesellschaft aussehen wird (und wenn wir das machen, werden sowieso alle sagen, dass das mit den "Menschen nicht geht", weil so eine Gesellschaft ja zwangsläufig nicht dazu passen kann, wie Menschen gegenwärtig gezwungenermaßen im Allgemeinen so "sind"). Es kann immer nur darum gehen, zu überlegen, welche Werte und Ziele einen bei den konkreten gesellschaftlichen Veränderungen leiten sollen.

Das ist eigentlich ganz selbstverständlich. Und so würde ich mir dann auch sozialistische Settings im Rollenspiel vorstellen - da sind wir schon wieder sehr nah am Solarpunk und letztendlich bei fiktiven Welten, die sich bereits stärker in Richtung nachhaltig solidarisches Miteinander entwickelt haben als unsere und auch das Potenzial haben, sich weiter in eine solche Richtung zu entwickeln (aber immer auch die Möglichkeit bergen, dass es in andere Richtungen weitergeht).

Und DAS ist dann so selten nicht fiktiven Universen und birgt genug Konfliktstoff fürs Rollenspiel. Wie gesagt finde ich Tchaikovsky Children-of-Time-Reihe zum Ende hin ein gutes Beispiel dafür; Bei den Rollenspielen geht Blue Rose auf eine zugegebenermaßen sehr einfach gestrickte Weise in diese Richtung; das schon erwähnte Mindjammer hat auch entsprechende Anteile (wobei da das Fortschrittsideal vielleicht höher hängt als das des menschlichen/sophontischen Wohlergehens). In der SF Literatur sonst noch vieles von Iain M. Banks, Ursula LeGuin, Kim Stanley Robinson ... die haben alle spannende und konfliktreiche Romane geschrieben.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: WeepingElf am 3.04.2026 | 10:01
Ich bin da raus. Viel Spaß beim weiteren Diskutieren, und schöne Osterfeiertage!
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: nobody@home am 3.04.2026 | 11:13
Nebenbei vermute ich stark, daß genauso wie ein "funktionierender Kapitalismus" (haben wir den eigentlich?) auch ein funktionierender Sozialismus nach wie vor seine Probleme haben wird, denn selbst, wenn materiell für alle gesorgt ist, sagt uns das noch nicht viel darüber aus, wer den Laden eigentlich mit was für Methoden regiert. Und ja, dann wird's daneben auch immer noch Leute geben, die aus unterschiedlichen Gründen "mehr" wollen, als es automatisch gibt, oder auch nur anderen ihrs nicht gönnen und also die Mechanismen des Verteilungssystems mehr oder weniger geschickt auszuhebeln versuchen...ebenso wie solche, die mit den in ihrem eigenen Kopf besten Absichten den katastrophalsten Blödsinn anstellen werden, wenn man sie läßt. Das sollte als Potential selbst für rein interne Konflikte eigentlich erst mal reichen.

Auch da bietet Mindjammer schon ein bißchen Vorbild: die "New Commonality of Mankind" mag rein vom alltäglichen Lebensstandard des Durchschnittsbürgers auf einer voll erschlossenen Standardwelt her durch unsere Augen betrachtet paradiesisch aussehen, ist aber gleichzeitig auch funktionell eine Kolonialmacht, die die dank Überlichtflug wiedergefundenen "verlorenen Kinder" der Menschheit da draußen mit der Überlegenheit ihrer eigenen Kultur beglücken will, auch sonst durchaus ihre eigenen Ziele verfolgt und interne Fraktionen und Konflikte hat, und sich nebenbei der schieren Stabilität und Konformität willen auch mit so altmodischen Memen wie Demokratie und (natürlich) freiem Handel nicht mehr abgibt. Speziell die Kernwelten um unser eigenes Sonnensystem herum sind dank zehntausend Jahren praktisch ungestörter Kontinuität stockkonservativ und selbstverliebt und frönen Philosophien, mit denen selbst viele ihrer Zeitgenossen nicht unbedingt klarkommen.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: YY am 3.04.2026 | 18:57
Naja, DDR und SSSR waren eben keine funktionierenden Sozialismusse. Beweisstück A: sonst wären sie ja nicht wegrevoltiert worden bzw hätten sich nicht nur durch Einschüchterung, Gewalt und Willkür überhaupt so lange halten können.

Wenn man den Zeithorizont lang genug ansetzt, funktioniert aus der Perspektive keine Regierungs- und Gesellschaftsform :think: ;D
Oder andersrum: die haben genau so lange funktioniert, bis sie nicht mehr funktioniert haben - und das länger als andere. Da kann man auch eher schlecht von konkreten Beispielen auf die Allgemeinheit schließen, wenn die Erscheinungsformen und Zeitspannen so unterschiedlich sind.



Ansonsten sei der hiesige und der sozialistische Bruderthread abschließend beackert mit:

Paranoia.
Titel: Re: Funktionierender Sozialismus
Beitrag von: Gorilla am 6.04.2026 | 22:12
Vielleicht sollte man genauer sagen, was "funktionierender Sozialismus" meint.

Da sich der TO nicht konkret geäußert hat, was er damit meint, ist es recht schwer, die Frage irgendwie halbwegs befriedigend zu beantworten.
Weder sagt das Adjektiv "funktionierend" konkret etwas aus, noch gibt es "DEN Sozialismus" (genausowenig wie DIE Demokratie oder DEN Kapitalismus).

Wie Feuersänger hier schon gesagt hat, wurde auch bisher sehr Vieles komplett durcheinandergeworfen: Sozialismus ist in erster Linie ein Wirtschaftssystem und Vieles von dem, was wir als selbstverständlich in unserer kapitalistisch geprägten Realgesellschaft ansehen, ist tatsächlich eigentlich "sozialistisch".
Also, wovon sprechen wir im Rahmen dieses Threads denn eigentlich, wenn in unserem möglichen Setting von "funktionierenden Sozialismus" sprechen?

Wahrscheinlich kommt das schon oft genannte Star Trek dem wohl am nächsten. Und das lässt sich sehr gut bespielen und kennen wohl auch die meisten Spieler:innen ausreichend gut, um in der Welt mitspielen zu können.