Gemeinhin wird angenommen, dass die Spielenden die vollständige Kontrolle über ihre Charaktere/Helden haben und die Spielleitung weitestgehend die gesamte Kontrolle über ihre Welt und die darin befindlichen Wesen.
Da gibt es auf beiden Seiten Ausnahmen und ich möchte das leidige Thema "Eingriff durch die SL in die Kontrolle/Würfelwürfe über den eigenen SC" mit Euch diskutieren. Das umgedrehte Thema folgt die Tage ;)
Mir fallen spontan einige Beispiele ein, in der die Spielenden die Kontrolle über ihren SC -zumindest teilweise- verlieren:
1- ein Gegner wirkt einen Kontrollzauber für x Runden/Minuten
2- die Spielleitung führt einen Würfelwurf für einen SC durch, weil das Metagespräch ansonsten Spannung zerstören könnte
3- ein NSC würfelt eine erfolgreiche Probe auf seine Fertigkeit "Beeinflussen" und der SC versemmelt seinen Widerstandswurf
[...]
Wie geht Ihr am Tisch damit um?
[...]
Erstmal: Schön, dass du das Tanelorn dieser Tage mit so vielen interessanten Themen bereicherst :d. Ich würde mich gerne mehr und ausführlicher beteiligen aber meine Zeit ist aktuell leider eher knapp.
Nun zu deinen Beispielen:
1. In dem Fall würde ich als SL den SC steuern, weil ich die Spielenden nicht in Gewissenskonflikte bringen will. In der Praxis vermeide ich es aber Gegner aufzufahren, die solche Fähigkeiten besitzen bzw. diese anzuwenden.
2. Gerade bei Wahrnehmung finde ich es spannender, die Spielenden nicht zu spoilern. In der Praxis bin ich aber zu faul für sie zu würfeln. Optimal aber bissel aufwändig finde ich folgende Variante: Für jeden Spielenden vor einer Session x mal würfeln, mit den Ergebnissen eine x-zeilige Tabelle bilden und die dann von oben nach unten verwenden. Denn wenn ich aus dem nichts selbst paar mal würfle ist es i.d.R. nicht weniger auffällig als es die Spielenden zu Wachsamkeitsproben aufzufordern.
Edit: Also so wie es Namo macht.
Die Spannung erhalte ich aufrecht, indem es regelmäßig durch Wahrnehmungswürfe interessante Kleinigkeiten zu entdecken gibt. Damit erzeugen solche Würfe kein Reaktionsmuster der Art "Falls wir nichts bemerken, war das bestimmt voll wichtig oder gleich hagelt es Pfeile aus dem Hinterhalt, also finde ich einen guten Grund schonmal die Rüstung anzulegen".
3. Gibt es an meinen Tischen nicht und ich würde in keiner Runde länger mitspielen, in der eine Spielleitung ohne vorherigen Konsens aller Beteiligten so agiert.
Warum handle ich so? In allen drei Fällen, weil den Spielenden Kontrolle entziehen das zugehörige psychische Grundbedürfnis (sensu Grawe eben Orientierung & Kontrolle aka Verstehen & Beeinflussen) frustriert. Das ist schonmal schlecht also brauche ich einen guten Grund, es trotzdem zu machen (z.B. weil es Spannung erzeugt und so das Lustgewinnbedürfnis mehr füttert als es das Kontrollbedürfnis frustriert).
Und solche Gründe finde ich in besagten Situationen in der Spielpraxis so selten, dass ich es mir gleich ganz schenke (was den Charme der Einfachheit in sich trägt, schließlich hat man als Standard SL ohnehin immer mehr mentale Aufgaben als kognitive Ressourcen).