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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Holothuroid am 28.08.2026 | 10:10

Titel: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
Beitrag von: Holothuroid am 28.08.2026 | 10:10
Player Empowerment wäre (nach langer Abstinenz) eigentlich einen neuen Thread wert ...  >;D als SL lehne ich das für meinen Stil tendenziell (nicht pauschal!) ab.

Das ist ein bisschen kompliziert. Player Empowerment ist die Idee, dass die Spielys Dinge tun, die eigentlich die SL tut. Die Begriffsbildung ist ein bisschen fragwürdig, da sie annimmt, dass ein Machtgefälle ähnlich sozialer Ausgrenzung beim Rollenspiel passiert, aber das muss uns hier nicht kümmern.

Aber dann muss man erstmal wissen, was die SL "eigentlich" tut. Das sind durchaus ein paar unterschiedliche Punkte.

Plotter: Für das Spiel ein aktuelles Szenario entwerfen, Szenen(-Folgen), Einstiegspunkte, Eskalationen.

Regisseur: Den Rahmen für eine laufende Szene setzen, feststellen welche Figuren anwesend sind, beschreiben wie die Örtlichkeit erscheint und was aktuell der Fall ist.

Supporting Cast: Andere Figuren als die Protagonisten spielen.

Regelfuchs: Die Regeln erklären, Zweifelsfälle klären.

Weltenbauer: Eine Spielwelt entwerfen. Regionen, Völker, Geschichte, Religion, Kultur.

Resolutions-Prozessor: Also eine tragende Rolle bei Resolutionsprozessen spielen. (Namensgebung kann ich.) Schwierigkeiten festsetzen, beschreiben, was bei einer Probe herauskommt.

Interessanter Weise wird Player Empowerment jetzt nicht für alle diese Funktionen benutzt. Weltenbau ist wahrscheinlich völlig unkritisch. Das muss ja auch niemand machen, wenn man eine fertige Spielwelt nimmt. Regelfüchse gibts auch häufig. Wir hatten neulich ein Thema, wo Leute beschrieben, dass sie beim Spielleiten nicht notwendig alle Regeln kennen.

Supporting Cast ist so ein Grenzfall. Es gibt Spiele wie Ars Magica, wo Personen, die nicht SL sind, ganz regelmäßig Supporting Cast verkörpern. Ist das Player Empowerment? Kommt es darauf an, um welche Figuren es sich handelt?

Resolutions-Prozessor ist auch so eine Sache. Nehmen wir mal an, Schwierigkeiten sind fix, was bei Erfolg passiert, können wir auch nachlesen und die Stellen, an denen gewürfelt wird, sind auch festgeschrieben. Also wie Moves bei einem PbtA-Spiel, dann ist ein Resolutions-Prozessor zu großen Teilen verzichtbar. Also vielleicht kann man sie noch bei Fail zum Erzählen brauchen, aber auch das lässt sich abschaffen. Dann kommt man sowas wie Ironsworn heraus. Ist das dann Player Empowerment?

Anderes Beispiel: Als Spieler kann ich mir mehr oder weniger frei aussuchen, worauf ich würfle. Also so Approaches wie bei Fate Turbo oder frei formulierbare Traits. Player Empowerment? Wie ist das, wenn wir jedes mal ausdiskutieren, ob gewürfelt werden soll und zu welchem Zweck, wie in The Pool?

Plotting ist bestimmt Player Empowerment, wenn die Spielys das machen. Anderseits kann das auch im Regelwerk fest verdrahtet sein, wie Alice is Missing. Man spielt also immer exakt ein Szenario.
Titel: Re: Player Empowerment (nach langer Abstinenz)
Beitrag von: Haukrinn am 28.08.2026 | 10:22
Wenn ich mir das so ansehe, wie das in der guten alten Zeit war, da dürften die Spielenden vieles davon auch nicht und Player Empowerment war trotzdem da und durch klare Mechanismen (z.B. Vergeben und Ausgeben von Fan Mail) klar verregelt.

Ich finde die Zusammenstellung auch etwas hölzern.

In der Praxis würde ich die Unterscheidung da ziehen, wo ich als Spiely eben nicht mehr nur durch mein Vehikel Spielcharakter Einfluss auf das Geschehen nehmen kann.

Das kann sowas simples sein wie auf der Metaebene anderen Mitspielenden Tipps zu geben, auch wenn mein Charakter gar nicht in der Szene ist, oder das Beantworten von Fragen und Aufforderungen der Spielleitung zur Spielwelt (Spiely: Wie sieht es da aus? SL: Keine Ahnung, sag du mir, wie es da aussieht). Das kann ein Vetomechanismus sein (vielleicht auch verregelt oder Chips oder so) um Aktionen zu blockieren oder das Ausgeben von Spielwährung (Fatepunkte, vielleicht aber auch nur Ansehen auf der Beziehungsebene am Spieltisch) zur Schaffung von Fakten.