Tanelorn.net

Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Thema gestartet von: Blizzard am 14.12.2009 | 13:44

Titel: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Blizzard am 14.12.2009 | 13:44
Mode kann "zeitgemäß" sein, oder auch nicht. Musik kann "zeitgemäß" sein, oder auch nicht. Die Grafik in einem Computerspiel kann "zeitgemäß" sein,oder auch nicht. Kurzum: Es gibt vieles, was "zeitgemäß" ist, oder auch nicht. Was aber ist mit Rollenspiel?
Ausgehend von Zornhaus Frage:
Und WAS ist denn überhaupt "zeitgemäß" bei einem Rollenspiel?
drüben im Rolemasterthread, möchte ich selbige nochmal aufgreifen, und im Allgemeinen an die Spieler (und Leiter)schaft hier im :T: stellen.

Von daher: Was gehört für euch zu einem "zeitgemäßen" Rollenspiel dazu und warum? Und: Ist Rollenspiel (als Hobby) überhaupt noch "zeitgemäß"?

Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Funktionalist am 14.12.2009 | 13:58
Hier im Tanelorn?

Also, es gibt ein paar Ideen, die hier gelobt werden:

-universeller Mechanismus (Alle Regelteile werden mit dem gleichen System abgehandelt, sodass das SPiel schnell intuitiv wird)
-Schnell (keinen Ini-, Angriffs-, Verteidgungs, Waffenschadens-, Rüstungs-, Verwundungs-, Waffenhaltbarkeits-,Rüstungshaltbarkeitswurf, um eine Runde abzuhandeln...)
-Balance zwischen Chraktererstellung und Tödlichkeit (3Tage Charbasteln und tödlich =unzeitgemäß)
-Modegimmicks (Playerempowerment, Fanmail, explizite Flags)
-Balance eher auf der Spielerebene, statt auf den Charakterebene. (Das heißt gleiches Rampenlicht statt gleichen Wupptich)
-Layout von Kathy Schad. ;D

um mal ein paar punkte zu nennen.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Ein am 14.12.2009 | 14:00
Zu einem zeitgemäßen Rollenspiel gehört es auf den Erfahrungsfundus der letzten 35 Jahre zurückzugreifen und daraus etwas neues zu machen, das passend zu der momentanen Stimmungslage der (potentiellen) Spielerschaft ist. Damit fallen alle Rollenspiele, die sich bewusst an Veteranen wenden oder nur schlicht Neuveröffentlichungen sind, per se nicht unter zeitgemäß.

Allerdings ist es während der Entwicklung immer schwer genau zu sagen, was wirklich zeitgemäß ist. Das kennt man ja auch aus Musik und Mode, wo man erst im Nachhinein sagen kann, was nun wirklich Trend und was ein Rohrkrepierer war.

Wobei es mM eine deutliche Tendenz zu leichten Regeln und einen zunehmenden Abstand zu darquen Inhalten gibt. Aber auch die Forge und aufwendige Layouts bleiben meinem Gefühl nach langsam hinter uns.

Was mit Rollenspiel an sich ist, kann ich nicht beantworten, weil ich nicht weiß, ob "zeitgemäß" hier überhaupt der richtige Begriff ist.

Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Achamanian am 14.12.2009 | 14:07
Ich finde nicht unbedingt, dass irgendwelche bestimmten Regeldesign-Stile (Tabellensystem, Simulationismus, ausgewürfelte Charaktere, Punktekaufsysteme, Balancing-Bemühungen) an sich "unzeitgemäß" sein können. Wichtig finde ich aber, dass ein System "weiß", was es tut und warum es das tut, dass es vermittelt, welche Spielstile es unterstützt - und dass einzelne Elemente, die sich mit dem Rest des Systems beißen, auf dieser Basis erkannt und angepasst werden.
In den meisten Indie-Systemen wird sehr viel Gewicht auf die Vermittlung davon gelegt, welche Spielstile unterstützt werden. PTA unterstützt z.B. explizit einen narrativen Stil und vermittelt ganz klar, dass nicht eine sekundäre Wirklichkeit durch die Regeln simuliert werden soll, sondern eine bestimmte Art von Geschichte. REIGN betreibt eigentlich eine recht klassische Mischung aus grob gerastertem Simulationismus und Narrativismus und erklärt dabei einfach sehr genau, wie die Regeln daraufhin konzipiert sind, ein solches Spiel möglichst intuitiv und Widerstandsfrei zu ermöglichen.
Auch bei den Mainstream-Systemen setzt sich diese Tendenz offenbar langsam durch: D&D4 ist, nach allem was man hört, ein "gamistisches" Spiel, dass sich auch ganz bewusst als solches verkauft.

Andere System versagen in meinen Augen dagegen, wenn es darum geht, Regeln und Spielstil in Einklang miteinander zu bringen: DSA4 ist da das drastischste Beispiel. Und das BRP bei Cthulhu leistet in vielen Bereichen auch nicht das, was für Cthulhu eigentlich passend wäre (immerhin ist es aber so einfach, dass es sich extrem leicht modifizieren lässt).

Ich empfinde ein System dann als "zeitgemäß", wenn man merkt, dass die Macher sich zumindest ein wenig von vergangenen Debatten zur Rollenspieltheorie inspirieren lassen haben und sich folgerichtig gefragt haben: Was will ich für ein System machen? Was soll es können, was kann es nicht können? Welche Regeln sollten den Kern bilden, welche optional sein? Wenn die Macher das dann noch vernünftig vermittelt kriegen, sodass ich mir nicht ein System kaufe, das für Spielstile gebaut ist, die mich nicht interessieren, dann bin ich zufrieden. Insofern finde ich D&D4 hervorragend, weil mir klar vermittelt worden ist, dass es ein Spiel ist, das mich nicht interessiert ;)

Was Rolemaster betrifft: Ich habe nur die deutsche Laurin-Ausgabe mal besessen. Als einen typischen "unzeitgemäßen Fehler" würde ich da zum Beispiel empfinden, dass man zweiseitige Schadenstabellen hat, wo eine halbe Seite genügen würde, um Ergebnisse aufzulisten, die sich tatsächlich in relevanter Weise unterscheiden. Wenn ich sechs Zeilen untereinander habe, in denen "5,5,6,6,6,7" steht, reicht vielleicht auch eine mit "6". So etwas erscheint mir schlecht durchdacht, weil es nicht auf die praktische Verwendung der Tabelle im Spiel hin gestaltet ist. Offenbar geht es einfach nur darum, zweiseitige Waffenschadenstabellen zu haben, um auf diese Weise eine Komplexität vorzugeben, die aber im Spiel überhaupt nicht als solche zur Wirkung kommt, weil es gerade bei RM egaler nicht sein könnte, ob man 5 oder 7 Treffer kassiert.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Arbo am 14.12.2009 | 14:12
"Zeitgeist" bzw. "Moden" lassen sich ja häufig erst im Nachhinein ersehen. Was mir oft zu kurz kommt, sind die kulturell-sozialen Aspekte. Dazu gehört m.E. auch der Aspekt "Zeit" und Arbeitsumfeld an sich. Mag sein, dass das hier keiner gerne hören will, aber deswegen ist m.E. das ganze Internetzeugs - angefangen von Multiplayer-Dingens bis hin zu Rollenspiel per Skype/Teamspeak/Forum u.ä. - nicht zu vernachlässigen. Sprich, ich denke, in der heutigen Zeit muss ein Rollenspiel vielleicht mehr an just diese Dinge angepasst sein, sprich: spielbar sein. Dazu gehört auch die Verfügbarkeit, was m.E. vor allem die freien Rollenspielsystem recht "zeitgemäß" erscheinen lässt.

Zeitgemäß könnte aber auch sein, dass Systeme vielleicht keine so große Rolle mehr spielen müssen. Sprich, die vielleicht eigentlich intendierte Frage, welches Rollenspielsystem zeitgemäß ist, würde ggf. in die falsche Richtung führen.

Arbo
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: tartex am 14.12.2009 | 14:58
Ich empfinde ein System dann als "zeitgemäß", wenn man merkt, dass die Macher sich zumindest ein wenig von vergangenen Debatten zur Rollenspieltheorie inspirieren lassen haben und sich folgerichtig gefragt haben: Was will ich für ein System machen? Was soll es können, was kann es nicht können?

Das.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Falcon am 14.12.2009 | 15:11
Was Ein sagt.
Zeitgemäß ist, wenn sich ein RPG der Zeit bewusst ist in der es geschrieben ist, das der Autor weiss, was vorher war und sich daran orientiert, und gut begründet warum er etwas macht (wie oben, wenn der Autor nicht erklären kann wieso eine Zeile aus 3 mal 6 besteht und was das soll, und er weiss, daß zig Autoren vor ihm es auch schon nicht erklären konnten, ist es unzeitgemäß).

Realbeispiel: Es ist nicht mehr zeitgemäß das Rad in eckig zu erfinden, wenn man weiss, daß das schon jemand getan hat und es in rund viel besser funktioniert.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Zornhau am 14.12.2009 | 16:27
Es ist nicht mehr zeitgemäß das Rad in eckig zu erfinden, wenn man weiss, daß das schon jemand getan hat und es in rund viel besser funktioniert.
Dann muß man den Eindruck bekommen, daß diejenigen Rollenspiele-Entwickler "da draußen", die gerade an ihrem "neuen, besseren, realistischeren, stimmungsvolleren, usw." Rollenspiel basteln, eben NICHT WISSEN, daß es diese "Räder" schon seit langer Zeit und weit und breit gibt.

Da wäre man - mal wieder - bei der URTEILSKRAFT.

Diese, so meine feste Überzeugung, MUSS ein Rollenspielschaffender haben, der gedenkt, sein Produkt zu VERKAUFEN oder auch nur es als irgendwie "fertig" der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Für den Hausgebrauch kann man natürlich beliebig viele D&D-Heartbreaker, DSA-Klone, und WoD-Mods basteln, wie man will.

Aber wenn man an die (Internet-)Öffentlichkeit tritt und den RUHM des "Autoren" und das LOB der Rollenspielerschaft ernten will, dann sollte man VORHER seine Erzeugnisse mit kritischer, informierter und AKTUELL fundierter URTEILSKRAFT betrachten.

Ansonsten hat man nicht nur SEINE Zeit verschwendet, sondern auch die Zeit derer, die so neugierig oder so nett waren, diesen altbackenen Kram zu LESEN und gar zu KOMMENTIEREN! - Dieses ZEIT STEHLEN halte ich für unhöflich.

Es ist NICHT zeitgemäß, altbackenen Kram als "neu" zu veröffentlichen.

Es ist NICHT zeitgemäß, sich als jemand zu präsentieren, der eine vorgebliche "Innovation" zu publizieren gedenkt, und dabei aber den Nachweis der mangelnden Urteilskraft anzutreten.

Es ist einfach NICHT zeitgemäß sich NICHT über den heutigen Stand des Rollenspielhobbys zu informieren, sondern mit der Unkenntnis darüber zu kokettieren.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Funktionalist am 14.12.2009 | 16:35
Unhöflichkeit ist immer unzeitgemäß. Da stimme ich Zornhau zu.
;)
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Boba Fett am 14.12.2009 | 16:38
Zeitgemäß sind für mich zwei Kriterien:

- nach aktuellen Maßstäben attraktiv
Das beinhaltet heute zum Beispiel "komplett vierfarbig gedruckt", aber auch "ohne große vorbereitungszeit zu spielen"
Und das muss in keinstem Fall ein positives Qualitätsmerkmal sein.
Indyspiele waren einige Zeit (Forge-Boom) attraktiv - jemand der das nicht leiden konnte, wird da kaum etwas nach diesen Attraktivitätsmerkmalen "toll" finden...

- Techniken entsprechen den aktuellen Möglichkeiten (Erkenntnisgewinn)
Kurz gesagt: Kann ich mit den Techniken, die heute normal sind das gleiche Spielerlebnis auf einfachere oder leichtere Weise erzielen? Wenn ja, dann ist das System nicht zeitgemäß, weil zu "umständlich".
Das ist definitiv ein Qualitätskriterium, denn wenn ich umständliche Methoden verwende, kostet mich das Zeit und Mühe.
Wenn es einfacher geht und das Resultat genauso gut ist, ist es besser.
Problem dabei: Die Entscheidung, dass das Resultat genauso gut ist, ist höchst subjektiv!
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Xemides am 14.12.2009 | 17:02
Hallo,

als jemand, der nicht jedem Trend hinter rennt und nicht ständig neue Rollenspiele kaufen will und kann, ist Zeitgemäßheit ziemlich egal.

Ich spiele die meisten Rollenspiele über Jahre hinweg als Endloskampagne, oder wechsel zwischen verschiedenen Systemen hin und her.

Das ist meine Form, mit weniger Zeit umzugehen, Systeme zu verwenden, die ich gut kenne statt etwas neues schnelles zu lernen.

Sw z.B., habe ich gekauft, gelesen und in die Ecke gestellt, da es mir nicht gefällt.

Da bleibe ich lieber bei Veteranen, als mich mit sog. zeitgemäßen Rollenspielen zu beschäftigen, die nach ein paar Jahren wieder unzeitgemäß sind oder ich mich mit Regeln beschäftige, die mir nicht gefallen.





Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: גליטצער am 14.12.2009 | 18:53
Wie bereits oben mehrfach erwähnt ist die Zeitmäßigkeit (Heisst das so?) vom Betrachter abhängig. Dann gibt es verschiedene Dimensionen des Zeitgemäßen. Distributionsweg und Qualität können zeitgemäß sein, ebenso Spielelemente. Aber nicht alles was neu ist, und von manchen gut gefunden wird, ist zwingend notwendig, sonst wäre kein Fahrrad zeitgemäß, da keines von den dummen Dingern über einen Motor verfügt.

Ich zum Beispiel finde Stufensysteme doof und den ganzen Theoriekram zum größten Teil überflüssig. Nebenbei bin ich großer Fan von Loseblattsammlungen, GNU und Webcomics. Ein zeitgemäßes RPG wäre für mich daher ein stufenloses Post-Forge-Old-School System, das frei verfügbar als Nebenprodukt eines Webcomics entsteht, und dessen Regeln und Ausrüstungsoptionen als PDF-Ergänzungen einer Loseblattsammlung ständig erweitert/verbessert werden.

Andere werden wohl Anderes als zeitgemäß ansehen.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: DasTaschentuch am 14.12.2009 | 20:15
Wenn ich mal aus meinem kleinem Blickwinkel heraus sagen sollte,was modernes Rollenspiel ist,würd ich auf folgende Punkte kommen:

Erzählspiel
keine Klassen
möglichst wenig Regeln
einen oder keine Würfel
nicht für eine bestimmte Spielwelt ausgerichtet.

Für mich persöhnlich ist dieses moderne Rollenspiel (wie ich es seh) allerdings meist unattraktiv.
Inwieweit aktuelle Verkaufsrollenspiele nun zeitgemäß sind kann ich wirklich nicht dagen.
Ich erinner mich an eine Zeit,wo z.B. Engel mal "in" war. Vielleicht war das damals modern und zeitgemäß.

Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Falcon am 14.12.2009 | 21:04
stark belastet wird ja mal wieder das Ich finde.. "Argument":
"Ich finde DSA/Stufensysteme/WoD aber toll, also ist es zeitgemäß/besser/größer/höher".

mMn hat das nix hier verloren. Bei solchen "Begründungen" ist es natürlich schwer darüber zu diskutieren. Es gibt z.b. diverse Spiele, die ich scheisse finde und nicht spielen würde, aber ihre gute Qualität trotzdem schätzen kann. Und viele davon sind zeitgemäß (dann bin ich halt nicht zeitgemäß), nach obiger Erläuterung, die Zornhau so eindrucksvoll weiter geführt hat ohne sich die Blöße zu geben, jemandem zuzustimmen.

Andersherum kann man auch ein System spielen und trotzdem der Ansicht sein, daß es voller Fehler und schlecht oder altmodisch ist, man nach 100Jahren Spielzeit damit aber eben besser zurecht kommt, als sich in etwas neues einzuarbeiten.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Funktionalist am 14.12.2009 | 21:30
Zeitgemäß können DInge nur dann sein, wenn sie sich selbst in einen Kontext zur Vergangenheit setzen und klarmachen, dass sie einen Fortschritt darstellen.
Ob das jetzt nun Teil eins periodischen Prozesses ist oder nciht, ist ersteinmal egal.

Wichtig für den FOrtschrittsgedanken, der hinter etws Zeitgemäßem steckt, ist ein gewisser Elitismus/Selbstvertrauen, Dinge besser machen zu können.
Hierbei heißt besser, besser an die aktuelle Zeit angepasst.

Außerdem ist Zeitgemäß somit von der Tradition abhöngig, in der sich die Schaffer sehen. Auf jeden Fall gehört eine kritische AUseinandersetzung mit den Wurzeln dazu, oder zumindest eine Kritik, die Änderungen begründet. (Punk: Alles KOmmerz, Alles scheiße. Ergo gewollter dilletantismus und BEschränkung aufs nötige. Haste nichts zu sagen, sei still, d.h. SOngdauer oft unter zwei Minuten.)

Seit einer Vorlesung inMusikgeschichte sehe ich den FOrtschrittsgedanken, dieses Sklaventum zum Neuen, ein wenig kritischer.
Neues ist schön und toll, wenn es denn schön oder interessant genug ist...ansonsten ist es meist nur unausgegoren oder ziemlich schlecht. (z.B. Amon Düül oder vieles aus der ekelprogecke. oder sogar der "neue Kitsch". Anderes funktionierte auf nicht nachvollziehbare Weise "Can't stop raving!" und hat eine Menge Freude bereitet...)

Deshalb würde ich hier im Tanelorn mit der Vergabe des Zeitgemäßsiegels an die hier vorherrschenden Traditionen und MOden anknüpfen.
Und die sind im Moment:
- SW/retrowelle aber ruleslight (ich fasse die beiden mal zusammen)
- Gurps/Hero als Klassiker kein Maßstab für neues.
- Fate/WC/Narrative Spiele mti viel Metageregel.

Wenn sich jetzt ein Produkt mit keinem Punkt in Verbindug setzt, dann ist es für das Tanelorn nicht Zeitgemäß.
Wenn es sich in einer Tradition sieht, sich aber als Wieterentwicklung behauptet oder gar als Gegenbewegung zu einer anderen Art, mit dem Ansatz es neu zu gestalten, dann ist es Zeitgemäß.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Crimson King am 15.12.2009 | 10:03
Zeitgemäß heißt für mich, dass man die Erkenntnisse der bisherigen Entwicklung von Rollenspielsystemen in den Entwurf des eigenen Systems einfließen lässt. Egal ob nun für Dungeon Crawls oder narrativistische Spiele, man hat herausgefunden, dass gewisse Dinge und Mechanismen besser sind und andere schlechter.

Die Masse neuerer Mainstream-Spiele verfügt über folgende Punkte:

- Punktekaufsysteme
- klassenlos oder Klassen sind so abgeschwächt, dass die Konturen verwischen
- ein Mechanismus für alles
- schnell muss es sein
- genügend Crunch für die Optimierer
- Fate Points/Bennies/Willpower etc., um Boni für eigene Aktionen zu bekommen

(Indie-)Spiele, die den Schwerpunkt auf Plot erschaffen setzen, interessieren sich normalerweise nicht für Crunch. Dafür wird dort Player Empowerment groß geschrieben.

Retro-Spiele wie Savage Worlds versuchen, zeitgemäße Regeln für Oldschooler zu definieren.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Boba Fett am 15.12.2009 | 10:07
Wenn ich mal aus meinem kleinem Blickwinkel heraus sagen sollte,was modernes Rollenspiel ist,würd ich auf folgende Punkte kommen:

Erzählspiel -  20 Jahre alt (Vampire)
keine Klassen - 30 Jahre alt (Runequest, Traveller)
möglichst wenig Regeln - über 30 Jahre alt (D&D)
einen oder keine Würfel - über 20 Jahre alt (Amber, Runequest [W100], Vampire [W10-Pool], Shadowrun [W6-Pool])
nicht für eine bestimmte Spielwelt ausgerichtet - über 30 Jahre alt (D&D, Runequest, ...)

Sorry, aber nichts davon ist "modern"...
Auch die Kombination der einzelnen Komponenten gibt es seit 20 Jahren.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Boba Fett am 15.12.2009 | 10:09
Die Masse neuerer Mainstream-Spiele verfügt über folgende Punkte:

- Punktekaufsysteme
- klassenlos oder Klassen sind so abgeschwächt, dass die Konturen verwischen
- ein Mechanismus für alles
- schnell muss es sein
- genügend Crunch für die Optimierer
- Fate Points/Bennies/Willpower etc., um Boni für eigene Aktionen zu bekommen
Du beschreibst Shadowrun 1 und 'Vampire: die Maskerade', richtig?  ;D
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: D. M_Athair am 15.12.2009 | 10:29
Ein Rollenspiel ist zeitgemäß, wenn es sich nicht um Modetrends schert.
Es reicht, wenn es weiß, was es tut und warum.
[Eine Einschränkung: Das Spiel muss seine Ambitionen klar machen können.]
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Callisto am 15.12.2009 | 10:30
Barbaren.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Crimson King am 15.12.2009 | 10:36
Du beschreibst Shadowrun 1 und 'Vampire: die Maskerade', richtig?  ;D

Schnell sind die beiden sicher nicht. Aber ich denke schon, dass die beiden genannten Spiele einen enormen Einfluss auf die Szene ausüben. Zeitgemäß sind z.B. die ORE und Spiele, die auf ihr aufbauen, Unknown Armies, die nWoD oder Savage Worlds.

Modern ist im Übrigen nicht das gleiche wie zeitgemäß.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Joe Dizzy am 15.12.2009 | 10:52
Zeitgemäß - das was ich jetzt spiele
Veraltet - das was ich letzte Woche gespielt hab
Modern - das was ich nächste Woche spielen werde
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: dunklerschatten am 15.12.2009 | 11:03
zeitgemäß = das was die breite Masse oder x beliebige Pseudokatalysatoren zum Zeitpunkt x (Gegenwart) als Hipp definiert.

Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Boba Fett am 15.12.2009 | 11:27
Zeitgemäß - das was ich jetzt spiele
Veraltet - das was ich letzte Woche gespielt hab
Modern - das was ich nächste Woche spielen werde

Gut, dass Du nicht im übertriebenen Maße "Ich-bezogen" bist... ;D
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Joe Dizzy am 15.12.2009 | 12:01
Gut, dass Du nicht im übertriebenen Maße "Ich-bezogen" bist... ;D

Damit falle ich in diesem Thread nun wirklich nicht auf.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Blizzard am 15.12.2009 | 12:12
Du beschreibst Shadowrun 1 und 'Vampire: die Maskerade', richtig?  ;D
Nein, er beschreibt 7teSee, wobei der vorletzte Punkt da wohl etwas aus der Reihe tanzt. ;)
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Crimson King am 15.12.2009 | 12:51
Nein, er beschreibt 7teSee, wobei der vorletzte Punkt da wohl etwas aus der Reihe tanzt. ;)

Gerade der tanzt nicht aus der Reihe. 7te See ist schon ohne die Erweiterungsbände sehr crunchig.

Was aus der Reihe tanzt, und zwar heftigst, ist der Geschwindigkeitsfaktor. Initiative, Attacke, Parade, Schaden, Schadenresistenz, und das Ganze mit reichlich Kopfrechnen, das schaffen andere Systeme in maximal 2 Würfen und einmal hinschauen.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: DasTaschentuch am 15.12.2009 | 19:25
Was aus der Reihe tanzt, und zwar heftigst, ist der Geschwindigkeitsfaktor. Initiative, Attacke, Parade, Schaden, Schadenresistenz, und das Ganze mit reichlich Kopfrechnen, das schaffen andere Systeme in maximal 2 Würfen und einmal hinschauen.

Und bei mir beschweren sich meine Spieler schon, daß zu wenig gewürfelt wird. das mit dem Kopfrechnen is aber zu meinem Schrecken tatsächlich bei vielen ein Problem.
Titel: Re: "zeitgemäßes" Rollenspiel
Beitrag von: Jiba am 16.12.2009 | 18:03
Also von meiner Warte aus zeitgemäß wären (ich definiere jetzt zeitgemäß einfach mal das, was gerade "in" ist (Korrektur: zu sein scheint), aber doch noch gewisse Vorbedingungen hat, also Entwicklungen die dazu geführt haben)... also, zeitgemäß wären:

- Das, was Prometheus Games momentan mit den "Pocket RPGs" aufzieht - also Spiele, die eigentlich Indie wären, an einen größeren Markt heranzutragen, in professionellem Format mit einer extrem schicken optischen Aufmachung. Das zeigt das, was vorher angeklungen ist, nämlich Interesse an Alternativen zu crunchlastigen, flufflastigen Foliantenrollenspielen.
- Spiele mit einem sehr gamistischen Ansatz, klaren Nischen für jeden Spieler und wenig... ich nenn es mal... storyorientierten Elementen (das kann auch nur auf den ersten Blick sein)... im Grunde auf einen Nenner gebracht: Rollenspiel für die WoW-Generation mit einem verhältnismässig hohen Anteil nicht primär rollenspielerischer, sondern Tabletop- oder Brettspiel-Elemente (D&D 4, die Ansätze für die nächste Edition Warhammer FRPG, Savage Worlds (Miniaturen)... also: Konkretheit statt Abstraktion, was zum Anfassen, weniger reine Arbeit nur mit der Vorstellung... ich hoffe ich werde diesen Spielen grade auch gerecht...
- Retro aber regelarm... wie eben beschrieben.

Betrachtet man die Tendenzen, die ich genannt habe, wäre wohl das, was man am ehesten als zeitgemäß bezeichnen könnte, das Casual Gaming - spontanes Spiel in Zeiten der Globalisierung, in der man durch die Arbeitsmarktsituation sowohl wenig Zeit, als auch wenig Geld für umfangreiche Rollenspiele hat.

Soweit aber nur meine Einschätzung...
Erzählspiel ist ja inzwischen schon wieder ein Unwort geworden, was viele Leute gleich einmal in die Railroadingschiene packen... (Nein, ich definiere jetzt nicht genau, was ich mit Railroading meine; der Begriff ist extra so offen dahingestellt, weil auch unterschiedliche Definitionen von Railroading mit Erzählspiel grundsätzlich synonym gebraucht werden)... Erzählspiel ist ja auch ein von F&S extrem geprägter Begriff mit einigen Ungenauigkeiten (PtA ist von den Mechaniken her wesentlich mehr Erzählspiel als Vampire, finde ich).

Zitat
Ich erinner mich an eine Zeit,wo z.B. Engel mal "in" war. Vielleicht war das damals modern und zeitgemäß.
Engel war mal in?!?
Warum habe ich dann niemals jemanden zum Spielen gefunden?
Aber mal im Ernst: ich persönlich finde Engel immer noch modern, ob es zeitgemäß ist, ist eine andere Frage (meiner Meinung nach war das Arkanasystem ein toller Ansatz, der aber nicht konsequent genug durchgezogen wurde - seit Jahren zermartere ich mir das Hirn, wie man ein crunchiges System bauen könnte, was trotzdem noch die Arkanakarten als Abwicklungsform verwendet...