Tanelorn.net

Pen & Paper - Spielsysteme => RuneQuest/BRP => Thema gestartet von: Mithras am 4.10.2018 | 06:30

Titel: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Mithras am 4.10.2018 | 06:30
Was muss ich zum Rollenspiel Glorantha wissen, wenn ich denn Schnellstarter dazu toll fand und mich mit Glorantha sonst gar nicht auskenne? Es soll ja nächstes Jahr auf deutsch erscheinen. Aber muss ich mich wirklich mit 30 Jahren Produltveröffentlichug auseinandersetzen um da einzusteigen, wie bei DSA?


Gesendet von meinem SM-G800F mit Tapatalk

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Rumpel am 4.10.2018 | 07:25
Meinst du den RuneQuest: Roleplaying in Glorantha Quickstarter? Den finde ich auch wirklich sehr gelungen, vor allem das Abenteuer ...

Ich würde je nachdem, ob du das System gerne crunchy oder erzählerisch haben willst, einfach entweder zu HeroQuest: Glorantha oder RuneQuest: Roleplaying in Glorantha greifen. Dazu eventuell das Glorantha Sourcebook, das hat mir am meisten gebracht (letztere beide sind aber noch nicht problemlos im Print erhältlich, da musst du wahrscheinlich bis November warten).

Schwer ist der Einstieg aber auch damit, würde ich sagen. Ist einfach eine komplexe und eigenwillige Welt, besonders politisch erst einmal schwer zu überschauen. Mir hilft es sehr, als Spieler in einer Gruppe dabei zu sein und nicht gleich zu leiten.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Weltengeist am 4.10.2018 | 08:03
Werbung:

einfach entweder zu HeroQuest: Glorantha

Das du übrigens gerade günstig von mir über Ebay (https://www.ebay.de/itm/132801647319) erstehen kannst... ~;D
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Mithras am 4.10.2018 | 08:46
Zitat
Meinst du den RuneQuest: Roleplaying in Glorantha Quickstarter? Den finde ich auch wirklich sehr gelungen, vor allem das Abenteuer ...

Genau den meinte ich. Ich hab aber leider keinen SL in der Nähe, egal zu welchem System (ausser Cthulhu oder D&D) und daher kann ich mir das Setting auch nicht vorher ansehen.

Zitat
einfach entweder zu HeroQuest: Glorantha

Ich warte auf die deutsche Ausgabe vom Uhrwerk Verlag. Aber nur falls ich mich auf den seit den 70ern bestehenden Hintergrund einlassen möchte. Deshalb auch meine Frage hier im Forum. (Ausserdem habe ich mir selbst vor 3 Jahren die Regel auferlegt: ich kaufe nur noch deutsche Rollenspielbücher, nichts mehr auf englisch! Klappt bis jetzt fast Problemlos. Es kommt ja auch viel mittlerweile auf deutsch raus!)

Also: wer kann mir was zu Glorantha erzählen?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 4.10.2018 | 08:58
Mir fällt der Zugang auch nicht einfach, ich finde aber auch viele Elemente faszinierend und versuche es daher hin und wieder mal erneut.

Es kommt mir so vor, als ob man vor allem folgendes verstehen müsste, bevor der Rest beginnt, Sinn zu ergeben:
1) Die Kosmologie ist ungewöhnlich. Die Welt ist wirklich nicht rund. Es gibt wirklich mehrere Ebenen (Ober-, Unterwelt etc.). Die Sonne ist eine Göttin.
2) Die Götter sind die Welt. Alles auf der Welt nimmt Bezug.
3) Es gibt keine Unterscheidung zwischen Mythen und Realität, nur vielleicht verschiedene Perspektiven.
4) Es geht bei den Göttern und ihren Kulten nicht so sehr um "Glauben", sondern eher um Welterkenntnis und den Umgang mit tatsächlich existierenden Realitäten.
5) "Religion" in Glorantha hat also nicht viel zu tun mit Religion auf unserer Welt.
6) Glorantha ist nicht eine an Tolkien angelehnte Welt. Elfen, Zwerge sind ganz anders als bei Tolkien, Trolle unterscheiden sich auch eher stark von denen bei Tolkien. Es gibt keine Orks. Dafür gibt es allerhand andere intelligente und nicht-intelligente Lebewesen. Es kann schwer sein, sich daran zu gewöhnen.

Zumindest für mich waren das Hürden, weil ich anderes gewöhnt bin und weil es mir auch aufgrund meiner eigenen Ansichten erstmal nicht leicht fällt, das zu akzeptieren. Aber ich finde es faszinierend, eine Welt so zu denken.

Falls ich was missverstanden haben sollte, korrigiert mich bitte.

Eine gute Einführung in die Götter und Kulte Gloranthas - und damit auch in die wichtigsten Aspekte der Welt - bietet die alte Box "Glorantha - Die Götter". Bekommt man häufiger günstig zu kaufen. Hat den großen Vorteil, sehr gut ins Deutsche übersetzt zu sein.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Magister Ludi am 4.10.2018 | 13:21
Eine gute Einführung in die Götter und Kulte Gloranthas - und damit auch in die wichtigsten Aspekte der Welt - bietet die alte Box "Glorantha - Die Götter". Bekommt man häufiger günstig zu kaufen. Hat den großen Vorteil, sehr gut ins Deutsche übersetzt zu sein.
Danke für die Blumen. Die deutsche Ausgabe von RuneQuest Glorantha wird sich weitgehend an dieser Terminologie orientieren.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 6.10.2018 | 11:37
Danke für die Blumen. Die deutsche Ausgabe von RuneQuest Glorantha wird sich weitgehend an dieser Terminologie orientieren.

Das ist gut zu wissen.
Bei der alten Götter-Box fallen mir wirklich nur ganz wenige Sachen auf. Und das ist für ein schwer übersetzbares Buch wie Glorantha wirklich gut. Außerdem schafft es die Übersetzung, zwar Übersetzungen zu bieten, die auf deutsch ästhetisch funktionieren. Andererseits hatte ich nie Probleme, sofort das englische Äquivalent in englischsprachigen Publikationen zu erkennen.

Habe mir gestern die Box nochmal genauer angesehen. Als Einstieg in die Welt dürfte die wirklich nach wie vor sehr, sehr gut sein.
Was sie nicht bietet (und auch nicht bieten will), sind konkrete Abenteuer. Aber auch da gibt es ja die drei alten Bände in deutscher Übersetzung. Apfelallee/Apple Lane ist bestimmt kein schlechter Einstieg. Vor allem ist das Abenteuer auch ungewöhnlich genug, dass man einen Eindruck bekommt, ob einem der Glorantha-Stil grundsätzlich gefällt. (Bin meinerseits nach wie vor unsicher).
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: AndreJarosch am 6.10.2018 | 12:01
Das ist gut zu wissen.
Bei der alten Götter-Box fallen mir wirklich nur ganz wenige Sachen auf. Und das ist für ein schwer übersetzbares Buch wie Glorantha wirklich gut. Außerdem schafft es die Übersetzung, zwar Übersetzungen zu bieten, die auf deutsch ästhetisch funktionieren. Andererseits hatte ich nie Probleme, sofort das englische Äquivalent in englischsprachigen Publikationen zu erkennen.

Habe mir gestern die Box nochmal genauer angesehen. Als Einstieg in die Welt dürfte die wirklich nach wie vor sehr, sehr gut sein.
Was sie nicht bietet (und auch nicht bieten will), sind konkrete Abenteuer. Aber auch da gibt es ja die drei alten Bände in deutscher Übersetzung. Apfelallee/Apple Lane ist bestimmt kein schlechter Einstieg. Vor allem ist das Abenteuer auch ungewöhnlich genug, dass man einen Eindruck bekommt, ob einem der Glorantha-Stil grundsätzlich gefällt. (Bin meinerseits nach wie vor unsicher).

Apple Lane ist auch im Abenteuerbuch des "Gamemaster Screen Pack" wichtig.
Spielt 11 Jahre nach Apple Lane.

Apple Lane --> 1614
Apple Lane (GMSP) --> 1625
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 6.10.2018 | 15:41
Die Sonne ist doch ein Gott Yelm. Nicht eine Göttin.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 6.10.2018 | 16:43
Die Sonne ist doch ein Gott Yelm. Nicht eine Göttin.

Ich dachte, der wäre durch die Rote Göttin ersetzt?

Hmm...
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: General Kong am 6.10.2018 | 17:49
Willkommen in Glorantha, der ersten Welt mit Fake-News-Religionen!  ~;D
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 6.10.2018 | 21:22
Sag das mal den Orlanthis :-).

Aus Sicht der Lunaren hat die Rote Göttin alle Götter ersetzt.

Aber die Rote Göttin hat einen Mond als Himmelskörper, und die Sonne gibt es trotzdem noch.

Auf Glorantha existieren alle Götter parallel und kämpfen um Anhänger. Nur wenige Götter wurden komplett vernichtet.

Andre wird mich korrigieren wenn ich falsch liege.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 6.10.2018 | 21:40
Ja, Du hast recht. Ich meinte die Rote Göttin und die ist natürlich der Mond. Nicht die Sonne.

Verwirrend ist das alles allemal.

Und das eigentlich schwierige bei Glorantha ist, dass nicht so recht klar ist, wie genau nun Götter und Alltagsleben (bzw. "Alltagsleben" der Spielerfiguren) eigentlich zusammenhängen. Und das meiste funktioniert nur dann gut, wenn alle am Tisch zumindest eine vage Vorstellung von der Mythologie Gloranthas haben.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Colgrevance am 6.10.2018 | 22:07
Kann mir vielleicht jemand erklären, was mit Clearwine Fort passiert ist? In den HeroQuest-Büchern über Sartar (Kingdom of Heroes und vor allem Sartar Companion) wird das noch wie ein keltisches Hügelfort beschrieben, im neuen GM Pack für RuneQuest Glorantha sieht es aber wie eine mesopotamische Stadt aus. Habe ich da in den sieben Jahren, die offiziell zwischen den beiden Settingbeschreibungen liegt, etwas verpasst? Oder ist das ein krasser Retcon?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: AndreJarosch am 6.10.2018 | 23:40
Ich dachte, der wäre durch die Rote Göttin ersetzt?

Hmm...

Die Rote Göttin steht nur über allen anderen Göttern, ersetzt aber keinen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: AndreJarosch am 6.10.2018 | 23:40
Sag das mal den Orlanthis :-).

Aus Sicht der Lunaren hat die Rote Göttin alle Götter ersetzt.

Aber die Rote Göttin hat einen Mond als Himmelskörper, und die Sonne gibt es trotzdem noch.

Auf Glorantha existieren alle Götter parallel und kämpfen um Anhänger. Nur wenige Götter wurden komplett vernichtet.

Andre wird mich korrigieren wenn ich falsch liege.

Korrekt
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: AndreJarosch am 6.10.2018 | 23:42
Kann mir vielleicht jemand erklären, was mit Clearwine Fort passiert ist? In den HeroQuest-Büchern über Sartar (Kingdom of Heroes und vor allem Sartar Companion) wird das noch wie ein keltisches Hügelfort beschrieben, im neuen GM Pack für RuneQuest Glorantha sieht es aber wie eine mesopotamische Stadt aus. Habe ich da in den sieben Jahren, die offiziell zwischen den beiden Settingbeschreibungen liegt, etwas verpasst? Oder ist das ein krasser Retcon?

Retcon

Die RQ GMSP Version ist richtig.
Das Clearwine in den HQ Sartar-Büchern war falsch dargestellt.

Die Sartar-Bücher sind zu 98% aber immer noch korrekt.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: D. Athair am 8.10.2018 | 15:45
... mir steht Glorantha zwar auch noch bevor, allerdings hab ich den Eindruck, dass Basis-Kenntnisse bzgl. des schamanischen Weltbildes einiges einfacher macht.
Jedenfalls ging es mir so, dass was vorher aussah wie eine krude Sammlung von Einzelfakten, nachher in ein "alles ist mit allem verbunden" und "ergibt Sinn" mündete.

Kurz: Von dem heute weit verbreiteten scientistischen Weltbild abzusehen und ne andere Perspektive einzunehmen find ich ganz hilfreich.




Gesendet von meinem SM-A320FL mit Tapatalk
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Scimi am 8.10.2018 | 15:57
Ich lese mich gerade durch 13th Age Glorantha und kämpfe auch noch mit dem Setting. Die Grundlagen finde ich eigentlich sehr zugänglich, aber die schiere Anzahl der Namen von Personen, Kulturen, Orten usw. finde ich extrem irritierend. Vor allem, weil mir das sprachlich relativ beliebig erscheint und ich am Klang eines Namens nicht unbedingt erkennen kann, wo der einzuordnen ist.  :embarassed:
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 8.10.2018 | 18:14
Die Vielzahl finde ich auch irritierend.
In der Götter-Box ist das immerhin nach den verschiedenen Pantheons geordnet, was es etwas einfacher macht. Und man durchblickt dann auch die relative Wichtigkeit besser.

Was ich schwierig finde ist, die "Richtigkeit" der jeweiligen kosmologischen Meinungen einzuschätzen. Einige Dinge sind absolut wahr (die Rote Göttin geht als Mond über den Himmel). Andere Dinge sind dann doch eher Interpretationsfragen.

Eher einfach zu verstehen ist z.B. die Kosmologie der Mostali (Zwerge).
Schon bei dem ganzen Trubel um Orlanth und Yelm wird es dann aber ein bißchen komplex.

Für "schamanistisch" halte ich Glorantha übrigens nicht. Es gibt verschiedene Kulturen, die verschiedenen irdischen Richtungen ähneln. Die Malkonier (Monotheisten) haben ein eher naturwissenschaftliches Verständnis der Welt. Die Mostali haben sogar ein extrem mechanistisches Weltverständnis, welches ein wenig an Naturwissenschaften des späten 19. Jahrhunderts erinnert.
"Schamanistisch" sind vielleicht am ehesten die Praxier?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Scimi am 9.10.2018 | 11:49
Was ich schwierig finde ist, die "Richtigkeit" der jeweiligen kosmologischen Meinungen einzuschätzen. Einige Dinge sind absolut wahr (die Rote Göttin geht als Mond über den Himmel). Andere Dinge sind dann doch eher Interpretationsfragen.

Von dem, was ich bisher gelesen habe, sehe ich das anders. Die Welt ist aus Runen zusammengesetzt, die bestimmte Aspekte der Realität darstellen, miteinander interagieren, und praktisch die Stelle unserer Naturgesetze einnehmen. Das habe ich noch nirgends anders gesehen.

Die Götter sind aus meiner Sicht eher Geschichten und Metaphern, um bestimmte kosmologische Sachverhalte und Vorgänge für den menschlichen Verstand begreifbar zu machen, aber keine Personen. Sie sind zu einem gewissen Grand austauschbar oder auch überhaupt nicht nötig. Vergleichbar damit, wie unsere Sonne gleichzeitig die Barke von Ra, Amaterasu-ō-mi-kami und ein vom Einen Gott an den Himmel gesetztes Licht sein kann.

Darum ist es möglich, dass Götter verschiedene Aspekte haben, verschiedene Götter für dasselbe Ding zuständig sein können und manche Kulturen Götter sehen, die für andere überhaupt nicht existieren.

Für "schamanistisch" halte ich Glorantha übrigens nicht.

Schamanistisch ist auf jeden Fall die ganze "Heroquest"-Idee: Dass man rituell in eine Art Zustand/Realität übertritt, in der man Entitäten aus den Legenden einer Kultur darstellt und damit an diesen Legenden teilnimmt, um sie zu stärken oder zu ändern, um dadurch kosmische Vorteile zu bekommen. "Sich in alternativen geistigen Zustand versetzen, um mit Geisterwesen in Kontakt zu treten" ist sozusagen der kleinste gemeinsame Nenner von allem, was unter "Schamanismus" läuft…
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 9.10.2018 | 13:26
Von dem, was ich bisher gelesen habe, sehe ich das anders. Die Welt ist aus Runen zusammengesetzt, die bestimmte Aspekte der Realität darstellen, miteinander interagieren, und praktisch die Stelle unserer Naturgesetze einnehmen. Das habe ich noch nirgends anders gesehen.

Kann man so sehen. Aber die Interaktion der Runen ist - soweit ich das verstehe - nicht vorhersagbar.
Diesen Aspekt der Welt habe ich bisher nicht verstanden. Es wird so sein, wie Du es beschreibst.

Die Götter sind aus meiner Sicht eher Geschichten und Metaphern, um bestimmte kosmologische Sachverhalte und Vorgänge für den menschlichen Verstand begreifbar zu machen, aber keine Personen. Sie sind zu einem gewissen Grand austauschbar oder auch überhaupt nicht nötig. Vergleichbar damit, wie unsere Sonne gleichzeitig die Barke von Ra, Amaterasu-ō-mi-kami und ein vom Einen Gott an den Himmel gesetztes Licht sein kann.

Ich dachte, die Götter existieren tatsächlich, bzw. können tatsächlich anthromorph in Erscheinung treten.
Der Unterschied wäre meinem Verständnis nach dann, dass die Sonne wirklich Yelm ist und der Mond wirklich die Rote Göttin ist.
Aber vielleicht habe ich das auch missverstanden.

Sehr hilfreich wäre eine Erklärung der Art:
Zitat
1) Tatsächlich ist es so (Spielweltaufbau, nur den Lesern bekannt, die Figuren auf Glorantha wissen nichts davon). Z.B. "Der Mond ist ein Himmelskörper, der Glorantha umkreist. Er gleicht dem Erdenmond". 2) Die X haben dazu folgende Ansicht... 3) Die Y haben dazu folgende Ansicht... etc.

Gibt es aber nicht, oder?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Scimi am 9.10.2018 | 14:39
Ich denke, dass es nicht so einfach ist.

Z.B. Orlanth ist gleichzeitig der Gewittergott, der Götterkönig und der junge Abenteurer und alle drei Persönlichkeiten werden von verschiedenen Leuten zu verschiedenen Anlässen gleichzeitig verehrt. Würde Orlanth erscheinen, würde dann jeder dasselbe sehen? Würden Leute aus Gloranthas verschiedenen atheistischen Kulturen da überhaupt irgendetwas anthropomorphes sehen?

Und jede Sicht kann die "Wahrheit" sein, es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass irgendeine Sicht "richtiger" wäre als eine andere. Ähnlich, wie wir je nach Kontext Licht mal als Welle und mal als Teilchen modellieren, ohne dass ein Modell alle Aspekte abdeckt. Eine Erklärung á la "Licht ist eine Welle, aber manche denken stattdessen, es besteht aus Teilchen" würde keinen Sinn machen.

Dementsprechend würde ich sagen, dass der Rote Mond eine Göttin ist und die Göttin der Rote Mond ist, aber würde mich auch nicht wundern, wenn er außerdem noch etwas anderes oder Widersprüchliches ist…  ;D
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 9.10.2018 | 14:54
Ich denke, dass es nicht so einfach ist.

Z.B. Orlanth ist gleichzeitig der Gewittergott, der Götterkönig und der junge Abenteurer und alle drei Persönlichkeiten werden von verschiedenen Leuten zu verschiedenen Anlässen gleichzeitig verehrt. Würde Orlanth erscheinen, würde dann jeder dasselbe sehen? Würden Leute aus Gloranthas verschiedenen atheistischen Kulturen da überhaupt irgendetwas anthropomorphes sehen?

Und jede Sicht kann die "Wahrheit" sein, es gibt keinen Grund, anzunehmen, dass irgendeine Sicht "richtiger" wäre als eine andere. Ähnlich, wie wir je nach Kontext Licht mal als Welle und mal als Teilchen modellieren, ohne dass ein Modell alle Aspekte abdeckt. Eine Erklärung á la "Licht ist eine Welle, aber manche denken stattdessen, es besteht aus Teilchen" würde keinen Sinn machen.

Dementsprechend würde ich sagen, dass der Rote Mond eine Göttin ist und die Göttin der Rote Mond ist, aber würde mich auch nicht wundern, wenn er außerdem noch etwas anderes oder Widersprüchliches ist…  ;D

Darüber zu streiten, was wir von der realen irdischen Welt wissen, führt zu weit. Die Unschärferelation greift in Bezug auf Glorantha nicht* - außer wir würden in Erwägung ziehen, dass Licht vielleicht eine Gottheit ist. (Was ich für nicht ernsthaft diskutierbar halte). Die Frage wäre, ob das in Glorantha irgendwie definiert ist. (*In Bezug auf reale irdische Verhältnisse glaube ich auch nicht, dass man Heisenbergs Ergebnisse - und andere Ergebnisse der neueren Physik - allzu relativistisch in Bezug auf das Konzept der "Wahrheit" interpretieren kann. Messschwierigkeiten, unzureichende Begriffe sind kein Grund, das Konzept von "Wahrheit" grundsätzlich anzuzweifeln. Weiß nicht, ob das intendiert war. Ich möchte die Diskussion auch ungern hier führen, das wird mir zu zeitaufwendig. Vielleicht könnten wir uns auf Glorantha beschränken).

Es wäre halt für das Verständnis von Glorantha sehr hilfreich, zu wissen, was es denn nun eigentlich ist. Ich verstehe es aber auch so wie Du (wenn ich Dich richtig verstehe): Das ist nicht definiert, stattdessen gibt es jede Menge Mythen und Legenden und Religionen, die sich miteinander im Widerspruch befinden.

Stafford sagte mal, dass Glorantha eine auf Mythen gebaute Welt sei, so wie Tolkiens Welt auf Sprachen gebaut sei. Das kann man so verstehen, dass eine Auflösung gar nicht gewünscht ist, dass die Mythen geheimnisvoll bleiben sollen.
Das steht für meinen Geschmack im Widerspruch zu einer guten Bespielbarkeit - ich weiß dann als Spielleiter nicht recht, was auf der Welt plausibel ist, was passieren kann, was nun eigentlich wirklich ist. Wenn ich das alles füllen soll, fühle ich mich damit ein bißchen allein gelassen.
Man kann das alles freilich auch ignorieren, aber dann lässt man ja gerade den Teil der Welt weg, der so minutiös ausgearbeitet und faszinierend ist.

Interessehalber: Welche Kultur Gloranthas ist denn atheistisch? Meinem bisherigen Verständnis nach gibt es so eine Kultur gar nicht.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Scimi am 9.10.2018 | 15:56
Wie gesagt, ich lese mich da gerade überhaupt selbst rein, basierend auf 13th Age Glorantha, dem Glorantha Sourcebook und Internetquellen. Bei der Materialfülle, die zu dem Hintergrund existiert, ist es gut möglich dass meine Perspektive sich gar nicht mir dem Konsens der Leute deckt, die sich da länger und mehr mit beschäftigen.

Wie ich das sehe, basiert Glorantha auf magischen und mystischen Prinzipien, die mit der Art, wie unsere Welt funktioniert, nicht vereinbar sind. Es gibt Analogien, aber ich denke, Welterklärung mit dem Vokabular unserer Welt ist weder möglich, noch sinnvoll. Unser Mond ist z.B. ein Himmelskörper, ein großer Stein, der von Physik in einer Umlaufbahn um unseren Planeten gehalten wird, und vom Licht unserer Sonne in veränderlichem Winkel beleuchtet wird, was Einfluss auf seine Sichtbarkeit hat. Durch verschiedene Faktoren beeinflusst ist unser Mond Gegenstand verschiedener Mythen, ritueller Praktiken und kultureller Phänomene.

Ich würde nicht behaupten, dass das für die Monde von Glorantha überhaupt gilt. Hier ist der (Rote) Mond eine Rune, womöglich eine Göttin, oder ein Himmelslicht, nicht unbedingt ein Ort, zu dem man mit einer Rakete fliegen könnte. Ich sehe darin aber nicht unbedingt ein Problem, in unserer Welt sind viele Kulturen jahrhundertelang prima mit dem Mond klargekommen und haben ihn für Kalender und Astronomie benutzt, ohne eine Ahnung zu haben, was er "wirklich" war.


Wie ich es verstanden habe, sind auf Glorantha die Zwerge und irgendwelche Brithini-Zauberer (über die ich aber nicht viel mehr weiß) Atheisten. Nicht unbedingt in unserem Sinne (was in einer magischen statt naturwissenschaftlichen Welt schwer funktionieren würde), aber in dem Sinne, dass sie die Götter als unpersönliche Mächte sehen und nicht als "Leute", wie die meisten anderen Religionen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 9.10.2018 | 16:19
Das würde ich dann nicht als "Atheismus" bezeichnen. Ich verstehe die Mostali und die Malkonier (vielleicht sind die identisch mit den von Dir angesprochenen Menschen) ebenfalls so: Sie hängen einem Weltbild an, welches die Welt als verstehbaren (und manipulierbaren) Mechanismus erklärt. Götter haben sie aber trotzdem. Bei den Zwergen ist es noch etwas komplexer, weil sie ja tatsächlich nicht an ein Leben nach dem Tod glauben (was eins der sinnvollsten Kriterien für Religion sein dürfte).

Der Mond ist aber doch - meine ich - mit der Roten Göttin neu entstanden. Das wird auch von den meisten Kulturen so anerkannt.

Egal wie Glorantha genau funktioniert, es wäre sehr schön, eine Erklärung - quasi aus "Spielleiterperspektive" - zu haben. Von dort aus könnte man dann den Rest leichter ordnen.

Das 13th-Age-Buch für Glorantha kenne ich nicht. Hört sich aber gut an.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Scimi am 9.10.2018 | 16:31
Wie gesagt, bin gerade beim Einlesen, vielleicht habe ich in ein paar Wochen andere Erkenntnisse? Mich hat Glorantha schon seit Jahren fasziniert, aber bisher hat mich das Regelsystem immer davon abgeschreckt, mir die Spiele näher anzusehen.

Ich verstehe den Wunsch nach einer "neutralen" Perspektive, aber inzwischen hat mir sowas zu viele Settings kaputtgemacht und ich schätze es inzwischen mehr, wenn manche Sachen absichtlich im Vagen gelassen werden. Meiner Meinung nach stört eine explizite Erklärung eine magische Atmosphäre. Denn es ist ja nicht so, dass das nie rauskommt, dass Spieler das nicht irgendwann im Hinterkopf haben und dann bei einer abweichenden Beschreibung kognitive Dissonanz anstelle von Sense of Wonder entsteht.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 9.10.2018 | 16:36
Ich verstehe den Wunsch nach einer "neutralen" Perspektive, aber inzwischen hat mir sowas zu viele Settings kaputtgemacht und ich schätze es inzwischen mehr, wenn manche Sachen absichtlich im Vagen gelassen werden. Meiner Meinung nach stört eine explizite Erklärung eine magische Atmosphäre. Denn es ist ja nicht so, dass das nie rauskommt, dass Spieler das nicht irgendwann im Hinterkopf haben und dann bei einer abweichenden Beschreibung kognitive Dissonanz anstelle von Sense of Wonder entsteht.

Ja, ist schwierig.
Zuviel Erklärung kann stören. Zu geringe Dichte auch.
Bei Numenera z.B. ist das - finde ich - alles viel zu vage.

Grundsätzlich kann es auch so funktionieren, wie bei Glorantha. Aber eine Anleitung dazu, wie das alles gedacht ist und wie man sich anhand des Materials orientieren könnte, wäre trotzdem nützlich. Und vor allem wäre es schon sehr relevant, wie real die Götter nun sind und wie sehr und in welcher Form sie sich einmischen. Ohne diese Dinge finde ich das schwer spielbar.

Ich fand das alte Runequest vom Regelsystem her eigentlich gut, weiß aber nicht, ob das wirklich für Glorantha passt. Bzw. was nun eigentlich der Glorantha-Stil ist. Es gibt da einige Dissonanzen zwischen Runequest-Regeln und der Spielweltbeschreibung. Herowars dagegen verstehe ich kaum. Abgesehen davon, dass die Übersetzung grauenhaft ist, verstehe ich wirklich nicht recht, was das Regelwerk mir eigentlich erklären will. Ein bißchen wie Fate....
Sollte mir 13th-Age-Glorantha mal anschauen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Scimi am 9.10.2018 | 16:49
Ist halt die Frage, ob die Welt überhaupt so gebaut wurde. Es gibt ja genug Settings, die mit einzelnen Details und Ideen anfangen und wo die größeren Zusammenhänge erst mit der Zeit implizit zum Vorschein kommen.

Und im Spielalltag ist es dann auch oft egal, weil die Charaktere das Wissen um große Zusammenhänge nicht unbedingt haben und wir normalerweise davon ausgehen können, dass die meisten Dinge funktionieren, wie wir es kennen (Dinge fallen nach unten, morgens geht die Sonne auf, Feuer ist heiß etc.). Und es ist ja nicht so, dass irgendwo die Rollenspielpolizei kommt und einen mitnimmt, wenn man sich nicht exakt an Dinge hält, ob vorgegeben oder nicht.

Die bisherigen Regelsysteme hatten mir einfach zuviel unnötigen Kram, der für meinen Geschmack mehr Verwaltung als Spiel generiert. 13th Age kenne und schätze ich schon, allerdings geht das Spiel nicht davon aus, dass man damit normale Leute in Glorantha spielt, sondern herausragende Helden, die bereits klar auf dem Weg zu einer eigenen Legende sind und ein normales Leben längst hinter sich gelassen haben. Das passt auch besser zum D&D-mäßigen Powerlevel…
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 9.10.2018 | 17:45
13th Age kenne und schätze ich schon, allerdings geht das Spiel nicht davon aus, dass man damit normale Leute in Glorantha spielt, sondern herausragende Helden, die bereits klar auf dem Weg zu einer eigenen Legende sind und ein normales Leben längst hinter sich gelassen haben. Das passt auch besser zum D&D-mäßigen Powerlevel…

Herowars hat auch ein eher hohes Machtniveau. Ich bin nicht sicher, ob ich das mag.
Runequest hat ein eher niedriges Machtniveau, bzw. relativ zerbrechliche Spielerfiguren. Da bin ich dann wiederum nicht sicher, ob das zu Glorantha passt.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: +12vsMentalDamage am 9.10.2018 | 21:43
Bin auch ein völliger Glorantha-Neuling und kenne nur das, was in 13G steht sowie in dem alten HeroWars-Buch. Auf das Glorantha Sourcebook warte ich noch gespannt.
Mir hat zum Verständnis folgendes Review gut geholfen: http://andrewloganmontgomery.blogspot.com/2018/03/13th-age-glorantha-review.html (http://andrewloganmontgomery.blogspot.com/2018/03/13th-age-glorantha-review.html). Vor allem folgender Part:
Zitat
Glorantha is not a world like our Earth with a little magic thrown in.  It is flat, stretching under a sky dome.  The sun literally emerges from the gates of the underworld in the east, travels across heaven, and then descends through the gates of the west at night.  The realm of the dead lies beneath your feet; great heroes can actually escape the underworld and return to the lands of the living. 
Glorantha is defined by her magic, but this is deceptive if you are thinking of other fantasy worlds.  The world, and everything in it, is composed of the Runes.  These are to Glorantha what the periodic table is to chemistry, or phonemes are to language.  Darkness, Water, Earth, Plant, Harmony, Death...these are the essences, the building blocks of existence.  "Magic" in Glorantha is how your character relates to the Runes.  It is often defined by culture.  Shamans see the Runes as living spirits, negotiating and bargaining with them.  Sorcerers see them as impersonal forces of nature to be tapped into and directed.  Theists see them as gods, mighty beings whose deeds in the mythic prehistory of the world shaped it.  By sacrifice, the worshipper becomes one with them. 
A shaman would tell you that rivers run to the sea because the river spirits are mediators between the spirits of the land and the spirits of the deep.  A sorcerer would tell you it is the nature of the Water Rune to always seek the lowest level.  A theist might tell you that during the War of the Gods, when the Devil shattered the Spike (the primordial cosmic mountain that was home to the first gods), the Ocean rushed in to fill the hole left in the center of the world, and called his daughters, the rivers, to rush to help fill it. Drawing on mythologists like Mircea Eliade and exponents of perennial philosophy like René Guénon or Seyyed Hossein Nasr, Greg Stafford would tell us that in Glorantha...all these stories are true.  "Truth" is something outside the walls of time and space that bind the mortal races of Glorantha.


Ich dachte, die Götter existieren tatsächlich, bzw. können tatsächlich anthromorph in Erscheinung treten.
Der Unterschied wäre meinem Verständnis nach dann, dass die Sonne wirklich Yelm ist und der Mond wirklich die Rote Göttin ist.
Aber vielleicht habe ich das auch missverstanden.

Sehr hilfreich wäre eine Erklärung der Art:
Gibt es aber nicht, oder?

Ich habe das so verstanden, dass die Götter in jedem Fall existieren und zwar unabhängig von ihrer Anbetung. Sie sind Geschöpfe, die deswegen Götter sind, da sie Runen (als Bausteine der Welt) entweder symbolisieren oder sie eben geradezu besitzen (z.B. Humakt und die Tod-Rune; wobei dies nicht heißt, er ist der einzige Gott der die Tod-Rune symbolisiert/nutzen/anzapfen kann, siehe Zorak Zoran). Zumal alle Götter ja auch die Unendlichkeits-Rune "besitzen" oder einen Teil dieser mächtigen Rune anzapfen können, so dass sie in gewissem Maße unsterblich sind (aber eben immer zerstörbar). In diesem Sinne ist die Rote Göttin auch gleich der Mond und entsprechend wird der Mond von allen angesehen: Z.B. Orlanthi, die gegen das Lunare Imperium kämpfen, werden diesen also als hassenswertes Symbol ihrer Besatzung ansehen.

Die "wirkliche Wirklichkeit" wäre demnach von den Menschen und allen sterblichen Völkern - und vielleicht von den Göttern -  gar nicht zu sehen. Wenn Orlanth vor seinen Anhängern auftreten würde, dann sähen alle die gleiche Gottheit, nur würde später jeder etwas anderes betonen, da er den Aspekt von Orlanth, den er (besonders) anbetet, besonders beachtet hat. In diesem Aspekte finde ich Glorantha eigentlich sehr einfach verständlich: nichts geschieht aus physikalischen Gesetzen etc. heraus, sondern alles aus dem Zusammenspiel der Runen bzw. ihrer Nutzung und den Handlungen der Götter und Menschen heraus. Berge sind keine durch tektonische Kräfte nach oben gestülpte Erdmassen, sondern die Körper gefallener Gottheiten und die Edelmetalle entstammen genaus diesen. Letztlich sind alle Wahrheiten wahr, da sie für die Menschen und die anderen Völker auch immer konkrete Folgen haben. Ein Humakti, der davon ausgeht, dass sein Gott die Tod-Rune symbolisiert, wird erkennen müssen, dass auch ein Zorak Zorani-Berserker durch dessen Gott einen Teil der Macht der Tod-Rune nutzen kann.

Aber wie gesagt, auch ich bin ein völliger Neuling und es kann auch sein, dass ich auf dem Holzweg bin.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: ErzdrakonMomo am 12.10.2018 | 20:29
Eine gute Einführung in die Götter und Kulte Gloranthas - und damit auch in die wichtigsten Aspekte der Welt - bietet die alte Box "Glorantha - Die Götter". Bekommt man häufiger günstig zu kaufen. Hat den großen Vorteil, sehr gut ins Deutsche übersetzt zu sein.

Hat mich neugierig gemacht - deshalb gleich mal auf ebay im Paket zusammen mit dem alten Regelbuch erworben. Brauch sowieso mehr Rollenspiel-Lesefutter, liegen bei mir derzeit höher im Kurs als Romane... selbst wenn ich die nicht spielen sollte.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 12.10.2018 | 23:16
Hat mich neugierig gemacht - deshalb gleich mal auf ebay im Paket zusammen mit dem alten Regelbuch erworben. Brauch sowieso mehr Rollenspiel-Lesefutter, liegen bei mir derzeit höher im Kurs als Romane... selbst wenn ich die nicht spielen sollte.

Denke, Du wirst es nicht bereuen. Ist für diesen Zweck eine der schönsten älteren deutschen Rollenspiel-Publikationen.
Erzähl doch mal, wie Du es findest, wenn Du reingeschaut hast.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: ErzdrakonMomo am 13.10.2018 | 01:47
Naja - ich muss ja irgendwann mal meine RuneQuest-Wissenslücke schließen. Und falls ich da dann doch mal zum Spielen komme und mir das (möglicherweise) etwas altbackene Regelwerk nicht so ganz zusagt, habe ich ja noch Mythras als (etwas modernere) BRP-Variante im Regal, die sich sicher anpassen lässt.  ;)
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: D. Athair am 14.10.2018 | 15:22
Egal wie Glorantha genau funktioniert, es wäre sehr schön, eine Erklärung - quasi aus "Spielleiterperspektive" - zu haben. Von dort aus könnte man dann den Rest leichter ordnen.

Es gibt mehrere Wahrheiten, die nebeneinander existieren, die sich gegenseitig ausschließen und die jeweils trotzdem wahr sind. Das ist mMn eine ganz zentrale SL-Perspektive und die mMn auch mit dem schamanischen Weltbild jede Menge zu tun hat.

[Ein Schamane ist ja auch z.B. zugleich Heiler und Scharlatan. Schauspieler und "Magier". Wann er was ist und wie das eine das andere konkret positiv oder negativ beeinflusst, kann man nicht einfach so bestimmen. Man kann nur sagen, dass beides miteinander verbunden ist und dass beides irgendwie nötig ist.]

Kurz: Zentral für Glorantha ist - meinen wenigen Eindrücken nach, dass es existenzielle Paradoxien aushält und in ein größeres Ganzes integriert. (Insofern ist Heisenberg vielleicht nicht der schlechteste Vergleich.)
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Grubentroll am 24.01.2019 | 14:57
Also da ich aufgrund von 13G (das ich noch nicht besitze, aber aufgrund von Scimis Review in dem 13G Thread höchst spannend finde) nun auch mich mal wieder mit Glorantha befasse, muss ich sagen, dass ich grad das erste Mal so ein ganz kleines bisschen das Setting anfange zu verstehen bzw etwas dran finde, dass mir gefallen könnte.

Jedesmal wenn ich mich in den letzten 30 Jahren damit beschäftigt habe, war ich einerseits fasziniert von der "mythischen Welt" mit dem Himmelsdom, usw, aber gleichzeitig hatte ich keinerlei Ahnung wo ich anfangen sollte, weil man gleich von allen Seiten mit diesem leicht elitistischen "ES IST EXTREMST KOMPLIZIERT! DU MUSST ABER ALLES VERSTEHEN BEVOR DU SPIELEN KANNST! " beworfen wird wenn man mal frägt, und dann drauf in Folge mit 30 Land- und Städtenamen, speziellen Ausdrücken und metaphysischen Konzepten, seltsamen Kulten und ca 45 Götternamen. Und dann kommt noch wer mit Enten.

Und dann lässt man Glorantha wieder sein.

Inzwischen habe ich mich ein wenig durch den Wust gekämpft, und so wie ich es verstehe könnte man auch erstmal einfach nur erklären:

* Dragon Pass ist das Setting-Gebiet
* Man spielt nicht im Mittelalter, sondern in einer bronzezeitlichen Welt
* Dies ist ein von einem großen Imperium aus dem Norden besetztes Land.
* in diesem besetzten Land keimt eine Rebellion auf (an sich sofort ein toller Abenteueraufhänger!)
* Die Welt ist "mythisch geformt", d.h. die Welt ist quasi eine Scheibe mit Kuppel drüber und es gibt eine physikalische Unterwelt. Und das ist nicht metaphysisches Wunschdenken, sondern ist halt so.
* es hat soweit ich es eingrenzen kann ein leicht mesopotamisches bis indogermanisches Flair (da bin ich noch etwas verwirrt).
* Es gibt Runen die Naturgesetzen entsprechen, und Götter die diese Runen abbilden.

An sich ist das doch gut erklär- und spielbar, ohne dass man sofort in die ganz große 60ies-LSD-Kiste greifen muss um irgendjemanden das Setting erklärbar zu machen.

Vielleicht liege ich ja auch total falsch grad, aber irgendwie geht mir grad das erste mal ein bisschen ein Licht auf was Glorantha angeht.

Spannend....
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Rumpel am 24.01.2019 | 21:04
Klingt für mich so, als ob es die Erfahrungen in unserer derzeitigen RuneQuest-Runde ganz gut beschreibt, von daher würde ich sagen: Kann man jedenfalls so spielen, und das ist offenbar auch im Sinne der derzeitigen Gestalter des Systems!
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 24.01.2019 | 21:19
Die Erklärung ist sehr schön, danke!

* es hat soweit ich es eingrenzen kann ein leicht mesopotamisches bis indogermanisches Flair (da bin ich noch etwas verwirrt).

Ein bißchen am Thema vorbei, aber: Das ist kein Gegensatz. Mesopotamien ist wesentlich durch Kontakte mit Sprechern indogermanischer Sprachen geprägt. Die Hethiter und Guti (Gutäer) sind da unbedingt zu nennen.
Vielleicht könnte man von einem "westasiatischen Flair" sprechen und hat dann alles mit drin  :)
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 24.01.2019 | 21:39
Bei RGQ ist die Besatzung ja im wesentlichen vorbei und Sartar wieder fast frei. Zeit für eine Neuaufbruch.

Ein noch besserer Einstiegspunkt für neue Gruppen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 25.01.2019 | 09:41
Jedesmal wenn ich mich in den letzten 30 Jahren damit beschäftigt habe, war ich einerseits fasziniert von der "mythischen Welt" mit dem Himmelsdom, usw, aber gleichzeitig hatte ich keinerlei Ahnung wo ich anfangen sollte, weil man gleich von allen Seiten mit diesem leicht elitistischen "ES IST EXTREMST KOMPLIZIERT! DU MUSST ABER ALLES VERSTEHEN BEVOR DU SPIELEN KANNST! " beworfen wird wenn man mal frägt, und dann drauf in Folge mit 30 Land- und Städtenamen, speziellen Ausdrücken und metaphysischen Konzepten, seltsamen Kulten und ca 45 Götternamen. Und dann kommt noch wer mit Enten.

Ich erlebe mit Glorantha gerade tatsächlich etwas ähnliches wie bei meiner großen Lebensliebe zu den Grateful Dead. Meine erste ernsthafte Berührung damit hatte ich vor eineinhalb Jahren oder so. Da hat Jeff Richard bei uns im Otherland eine Playtestrunde starten wollen. Es saßen zehn Spieler am Tisch, und wir kamen mit Ach und Krach durch die wunderschöne Charaktererschaffung von RQ:G. Jeff hat uns mitreißend in die Welt der Sartarclans eingeführt. Als in seinem Abriss der jüngsten Vergangenheit die Karmesinrote Fledermaus auftauchte und später gar der kilometerlange Drache, da wurde bei mir schon etwas angestoßen. Da merkte ich: Hier werden Drachen nicht nach Farben sortiert, hier geht es um mysthische Repräsentationen, Bilder. Hier werden Mythen nicht am Lagerfeuer erzählt, sondern sie sind Gegenwartsgeschehen.

Leider blieb es bei der einen Sitzung.

Aber wir haben mit Jason Durall dann eine kleinere Runde gestartet, die seither als Kampagne läuft. Und auch hier hat mich immer wieder fasziniert, wie unmittelbar und wörtlich all die Mythen, Götter, magischen Dinge usw gemeint sind.

Und seit ungefähr Oktober habe ich dann endlich angefangen, mich selbst einzulesen in die Welt. Meine Fresse, was geht da ab! Da stecken so viele kühne Ideen drin. Da steht ein viele hundert Meter hoher Steinklotz in der Wüste. Da gibt es einen Bleipalast im Land der Trolle. Da schürfen Zwerge unter Tage nach den Rohstoffen für ihre Dosennahrung. Da halten sich aufrecht gehende Tapire Menschen als Masttiere.

Ein einziger Trip. Und alles kommt mit einem schulterzuckenden Ernst daher. Is halt so. Ich spüre da nie die Attitüde, dass das besonders abgefahren oder albern sein will. Ne, is halt so. Als würde Greg Stafford die ganze Zeit sagen: ich weiß auch nicht, wieso da ein Steinklotz in der Wüste steht, aber er steht da.

Manches ist auch etwas mühsam, uneingängig. Klar. Aber das nächste Detail ist dann wieder so ein Aha. Und ich habe oft das Gefühl, dass dieses Glorantha irgendetwas mit mir macht oder von mir will. Dieses wohlige Eskapismusgefühl, das ich oft habe, wenn ich mich in Fantasysettings einlese, stellt sich bei Glorantha nicht ein. In anderen Welten tauchen mythische Figuren auf und werden dann zu schaurigem oder anheimelndem Kolorit. Bei Glorantha habe ich dagegen den Eindruck, hier würden Kachinas vor mich hintreten und sagen: Sprich mit uns, mach was mit uns, überleg dir mal, was du von uns hältst.

Sehr schnell habe ich auch etwas sehr Amerikanisches in Glorantha gesehen, und das hat mir Jeff Richards' Nachwort im Guide to Glorantha auch bestätigt. Die Landschaften in Drachenpass und Prax und insgesamt das Gefühl einer mythischen Landschaft spiegeln doch sehr den amerikanischen Westen mit seinen Kuriositäten wider. Shiprock, Mono Lake, Boneville Salt Flats, das sind alles Seelenverwandte Gloranthas.

Zu dem Gebrüll, das Grubentroll zitiert hat ("DU MUSST ABER ALLES VERSTEHEN BEVOR DU SPIELEN KANNST!"), würde ich aufgrund meines derzeitigen Lektürestands und meiner Erfahrungen sagen: Was gibt es denn da zu verstehen?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Luxferre am 25.01.2019 | 09:54
... und was macht der Monolith jetzt in der Wüste?



Toll geschrieben, danke  :d Gerne mehr davon.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Lord Verminaard am 25.01.2019 | 10:06
Argh, Korki! Immer, wenn ich mich gerade damit abgefunden habe, dass aus mir und Glorantha wohl kein Paar mehr wird... :o
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 25.01.2019 | 10:26
Argh, Korki! Immer, wenn ich mich gerade damit abgefunden habe, dass aus mir und Glorantha wohl kein Paar mehr wird... :o

ich geh halt so gern auf Hochzeiten.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Grubentroll am 28.01.2019 | 07:32
Ja, schöner Text, Korki... :)

Mir persönlich hat auch dieser "60ies Bay Area"-Bezug beim Verständnis geholfen, den Scimi in dem 13G-Thread konstruiert hat.
Wenn man das alles ein bisschen durch die psychedelische Brille sieht, wird es schon klarer... :D
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Uwe-Wan am 28.01.2019 | 09:37
Und das Ganze lässt sich auch mittels 13th Age Glorantha erarbeiten?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 28.01.2019 | 09:44
Und das Ganze lässt sich auch mittels 13th Age Glorantha erarbeiten?

Was ist das Ganze?  ~;D

Ich habe es selbst nicht gelesen, aber dem nach zu urteilen, was ich darüber gelesen habe, bietet 13th Age Glorantha weitaus mehr Spielwelteinführung als das GRW von RQ:G.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Crimson King am 28.01.2019 | 09:53
Ja, schöner Text, Korki... :)

Mir persönlich hat auch dieser "60ies Bay Area"-Bezug beim Verständnis geholfen, den Scimi in dem 13G-Thread konstruiert hat.
Wenn man das alles ein bisschen durch die psychedelische Brille sieht, wird es schon klarer... :D

Du meinst, Glorantha-Elben sind eigentlich bewusstseinserweiternde Drogen?

Ich muss zugeben, die Elben und Zwerge bei Glorantha stören mich. Die hätte man entweder normal belassen oder umbenennen sollen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Grubentroll am 28.01.2019 | 10:08
Du meinst, Glorantha-Elben sind eigentlich bewusstseinserweiternde Drogen?

 Die hätte man entweder normal belassen oder umbenennen sollen.

Ja, sind ein wenig zu nah dran und doch wieder zu entfernt.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Uwe-Wan am 28.01.2019 | 10:51
Ich habe es selbst nicht gelesen, aber dem nach zu urteilen, was ich darüber gelesen habe, bietet 13th Age Glorantha weitaus mehr Spielwelteinführung als das GRW von RQ:G.

Cool, dann werde ich mich da mal durchbeißen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: AndreJarosch am 28.01.2019 | 20:52
Ich muss zugeben, die Elben und Zwerge bei Glorantha stören mich. Die hätte man entweder normal belassen oder umbenennen sollen.

Elfen und Zwerge heissen sie nur für SPIELER, für Bewohner von Glorantha sind es Aldryami und Mostali.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 28.01.2019 | 21:24
Hat schon jemand was zu 13th Age Glorantha geschrieben?

Das würde ich mir ja vielleicht auch mal anschauen. Ist aber nicht ganz billig.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Uwe-Wan am 28.01.2019 | 21:38
Klar Digga: https://www.tanelorn.net/index.php/topic,108835.0.html
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 28.01.2019 | 21:56
Klar Digga: https://www.tanelorn.net/index.php/topic,108835.0.html

Vielen Dank für den Link.

Und ich möchte ansonsten lieber nicht "Digga" genannt werden, bitte.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 29.01.2019 | 08:09
Der Fantasyrollenspieler wird traditionell mit klangvollen Namen und Genitiven verwöhnt. Zu erforschende Ruinen sind häufig "lost" oder "hidden" und klingen nach Geheimnis. Gräber sind diejenigen des Schreckens. Abenteuerschauplätze warten allenthalben mit verheißungsvollen Namen auf. Wer möchte nicht einen Wald ohne Wiederkehr betreten oder die Hügel des Grauens?

In Glorantha dagegen abenteuert man im Schutt. Das größte, faszinierendste Ruinenfeld am Abenteuerhorizont heißt "Big Rubble". Man stolpert in Glorantha öfter über Punkte, wo die Dinge selbst zum Namen werden. Der Bach vereinigt sich mit dem Strom und dem Fluss zum Bach-Strom-Fluss, der bei der Stadt Nochet in die Spiegelseebucht mündet. Der gigantische Felsquader, unter dem der Teufel erschlagen liegt und der nun aus der Wüste von Prax ragt, heißt "The Block" (das wurde bisher leider als Block und nicht als Klotz übersetzt, und ich fürchte, die Uhrwerk-Übersetzung wird es auch beim Block lassen -- Klotz fände ich einfach noch ein Stück witziger). Einer der Vulkane im südlichen Heiligen Land heißt schlicht Schlot. Ortschaften begnügen sich manchmal auch mit Adjektiven als Namen: Tiefer (Deeper), Allein (Alone) und Am Weitesten (Furthest).

Flüsse wie Euphrat und Tigris oder der Nil gelten irdisch ja gerne mal als Wiege der Zivilisation. Durch das östliche Prax fließt ein vergleichbarer Strom, der einen Teil der Wüste in fruchtbares Land verwandelt und eine Wiege des Wohlstands und der Zivilisation sein könnte, deshalb habe ich seinen Namen, Wiegenfluss, einfach so hingenommen und entsprechend interpretiert. Aber in Glorantha kommt man mit übertragenen Bedeutungen selten weit. Der Fluss ist nicht nach der Wiege benannt, die er metaphorisch vielleicht darstellen könnte, sondern nach den Wiegen, die ganz mosaisch (!) auf ihm ins Meer treiben. Bzw trieben. Diese Wiegen haben die Größe von gewaltigen Lastkähnen, und in ihren Bäuchen schlummern Riesenbabys. Sie wurden von ihren Rieseneltern in die Wiegen gelegt und auf die Reise zu einer Insel im Meer geschickt, wo sie aufwachsen sollen. Gierige Menschen haben dann prompt den Ort Wiegenklau an den Flussufern gegründet ... Biblisch, poetisch, rätselhaft und vielleicht auch ein klein wenig albern.

Viele traditionelle Fantasygestalten kommen ja aus der Mythologie oder Folklore, und man spürt ihnen eine gewisse ((tiefen)psychologische) Bedeutung an. (Kann man etwas anspüren?) Elfen, Zwerge, Drachen, Nymphen, Untote, Geister, Irrlichter -- in diesen ganzen Gestalten kann man, zumal bewaffnet mit Grimms Deutscher Mythologie und vergleichbaren Untersuchungen, Repräsentationen unterbewusster (oder auch bewusster) Prozesse erkennen. Wagner beispielsweise macht sich das in seinem Ring sehr deutlich zu Nutze. In eigentlich allen Fantasyrollenspielwelten, die ich sonst so kenne, werden diese Gestalten weitgehend ihres mythischen Gehalts beraubt zugunsten des Reizes, sie für bare Münze zu nehmen. Wie bei Tolkien sind Zwerge und Elfen eben wie die Menschen auch nur Völker mit Politik und Geschichte, mit leisen Anklängen an ihre mythische Bedeutung, aber eben vor allem als handfeste Protagonisten des Zeitgeschehens.

Glorantha macht an dieser Stelle eine Sache anders als alle anderen Fantasywelten, die ich kenne: Zwar werden auch hier sämtliche Erscheinungen aus Mythos und Märchen handfest und real. Es gibt Drachen, Elfen, Trolle und Zwerge. Aber sie behalten trotzdem und ganz dezidiert ihren mythologischen Gehalt auch in der Welt. Zwerge zum Beispiel sind die Geschöpfe Mostals und haben bis heute die Aufgabe, die Weltmaschine wieder in Ordnung zu bringen. Trolle haben Spielwerte, aber sie sind trotzdem Teil einer Mythologie, die immer noch wirksam und noch nicht zu Ende erzählt ist. Irgendjemand hat hier ja auch schon darauf hingewiesen, dass ihr ganzes Wesen und Verhalten Ausdruck der Runen ihrer Hauptgottheiten ist, ein Ergebnis geschichtlichen, mythologischen Geschehens. Und im Grunde sind die Menschen genauso eingebunden in dieses ganze mythologische Geflecht. Schöpfungsmythen kenne ich in Fantasysettings allermeistens nur als Kolorit und mit viel Glück einmal als Abenteueraufhänger für ein Szenario. Zwerge wurden irgendwann früher mal von Ingerimm geschmiedet, aber jetzt sind es halt irgendwelche Rostpöbbels mit seltsamen Sitten und unterirdischen Königreichen. Glorantha dagegen ist ein Setting, in dem die mythische Vorzeit nie zu Ende ging. Wie in der Gottzeit werden Zwerge auch heute noch in Kesseln fabriziert, damit sie sich um die Weltmaschine kümmern.

Ich bin weiterhin extrem fasziniert.



Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Chiarina am 29.01.2019 | 08:19
Schöner Beitrag.
Geht mir sehr ähnlich.
Gefreut habe ich mich auch über deine Übersetzungen der englischen Namen. Ich mache das so ähnlich ("Kühnheim", "Klarwein") und einige meiner Übersetzungen stimmen sogar hundertprozentig mit deinen überein ("Am weitesten").
Den lebenden Mythos empfinde ich als genauso faszinierend. Schlüsselwort für mich ist das von dir verwendete "eingebunden sein".
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Hotzenplot am 29.01.2019 | 08:28
Danke für die Beiträge. Hört sich alles sehr faszinierend an. Bevor ich mir damals reichlich Settingmaterial von RQ holte, war ich ebenso fasziniert. Auch ich fand aber keinen richtigen Zugang und habe das Zeug wieder verkauft. Vielleicht gönne ich mir 13th AGE Glorantha doch nochmal.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Crimson King am 29.01.2019 | 08:36
Zugegebenermaßen finde ich die Elben bei Tolkien sehr mythisch. Ich mag das Silmarillion aber auch viel lieber als den HdR.

Dass man Zwerge in Kesseln macht, stört mich auch nicht im Geringsten. Dass sie dann noch Zwerge heißen und sind, schon eher.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.01.2019 | 08:38
Der Fluss ist nicht nach der Wiege benannt, die er metaphorisch vielleicht darstellen könnte, sondern nach den Wiegen, die ganz mosaisch (!) auf ihm ins Meer treiben. Bzw trieben. Diese Wiegen haben die Größe von gewaltigen Lastkähnen, und in ihren Bäuchen schlummern Riesenbabys. Sie wurden von ihren Rieseneltern in die Wiegen gelegt und auf die Reise zu einer Insel im Meer geschickt, wo sie aufwachsen sollen. Gierige Menschen haben dann prompt den Ort Wiegenklau an den Flussufern gegründet ... Biblisch, poetisch, rätselhaft und vielleicht auch ein klein wenig albern.

Ok das ist ziemlich cool.

Exkurs:

Zitat
Glorantha macht an dieser Stelle eine Sache anders als alle anderen Fantasywelten, die ich kenne: Zwar werden auch hier sämtliche Erscheinungen aus Mythos und Märchen handfest und real. Es gibt Drachen, Elfen, Trolle und Zwerge. Aber sie behalten trotzdem und ganz dezidiert ihren mythologischen Gehalt auch in der Welt. Zwerge zum Beispiel sind die Geschöpfe Mostals und haben bis heute die Aufgabe, die Weltmaschine wieder in Ordnung zu bringen. Trolle haben Spielwerte, aber sie sind trotzdem Teil einer Mythologie, die immer noch wirksam und noch nicht zu Ende erzählt ist.

Ich würde allerdings hier eine Lanze für Aventurien brechen, jedenfalls das Aventurien von DSA3, das das einzige ist, mit dem ich mich auskenne. Zwar ist die Welt deutlich mondäner und weniger von Magie durchdrungen, doch wer sich gerade auch die Trolle, die Kobolde oder auch die Elfen mit ihren Elfenliedern usw. anschaut, der ist schon mittendrin im Mythos, nur dass Aventurien bewusst und gezielt den Kontrast setzt zwischen mondän-vertrauter Alltagswelt, der Welt der Menschen, einerseits, die die aventurische Normalität darstellt, und dem verborgenen, mythisch-magischen, andererseits, das dann eine ganz spezielle Art von, sagen wir, doppeltem Eskapismus bedient. Ich hatte mir dazu auf meinem Blog auch schon mal Gedanken gemacht: https://dangerzone.rsp-blogs.de/mantel-schwert-und-zauberstab/

Hatte da in der anschließenden Diskussion auch schon über RuneQuest-Inspirationen gemutmaßt. Das muss man doch irgendwo nachlesen können?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Data am 29.01.2019 | 08:44
Dass man Zwerge in Kesseln macht, stört mich auch nicht im Geringsten. Dass sie dann noch Zwerge heißen und sind, schon eher.

Sind sie denn sonst auch noch anders? Oder ist deren "Entstehung" das einzig unterschiedliche? Ich muss nämlich gestehen, dass mir von den Erzählungen her noch nicht ganz klar ist, was jetzt so gewaltig anders an dem Setting sein soll, als an zich anderen Fantasy-Settings, die alle irgendeine Nische bedienen. Versteht mich nicht falsch: Ich finde das nicht uninteressant ... ganz im Gegenteil. Ich bin ziemlich hooked. Aber nicht, weil ich das Gefühl habe, dass das jetzt irgendwie großartig "besonders" oder anders wäre. Rein von den Postings her, hab ich das Gefühl, dass man in Glorantha das bespielt, was - zum Beispiel - in den Forgotten Realms schon ein paar (hundert)tausend Jahre zurückliegt. Das hat definitiv seinen Reiz ... verstehe aber (noch) nicht, warum das jetzt so gewaltig "besonders" sein soll? Selbst in Flickenteppich-Welten wie bspw. der Alten Welt von Warhammer findet man Flecken, wo das ganz ähnlich ist (Athel Loren zum Beispiel, mit den Waldelfen, die da Hand in Hand mit ihren Göttern leben, oder Bretonnia, die tatsächlich den Gral suchen und manche Ritter finden ihn auch und treffen mythische Gestalten wie die Herrin des Sees - auch hier wird die Geschichte immer weiter geschrieben).
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 29.01.2019 | 09:22
Ich würde allerdings hier eine Lanze für Aventurien brechen, jedenfalls das Aventurien von DSA3, das das einzige ist, mit dem ich mich auskenne. Zwar ist die Welt deutlich mondäner und weniger von Magie durchdrungen, doch wer sich gerade auch die Trolle, die Kobolde oder auch die Elfen mit ihren Elfenliedern usw. anschaut, der ist schon mittendrin im Mythos, nur dass Aventurien bewusst und gezielt den Kontrast setzt zwischen mondän-vertrauter Alltagswelt, der Welt der Menschen, einerseits, die die aventurische Normalität darstellt, und dem verborgenen, mythisch-magischen, andererseits, das dann eine ganz spezielle Art von, sagen wir, doppeltem Eskapismus bedient. Ich hatte mir dazu auf meinem Blog auch schon mal Gedanken gemacht: https://dangerzone.rsp-blogs.de/mantel-schwert-und-zauberstab/

Ich glaube, um was es mir geht, hast Du mit dem doppelten Eskapismus schon gut benannt. In Aventurien (das ich hier auch gar nicht schlechtreden will) oder der Alten Welt wird auf Mythos rekurriert, wenn es mythisch werden soll. Da bekommt der Gral dann auch seine Nische, und die Elfen haben ihre Salamandersteine, wo sie noch ein bisschen Licht und Traum haben, weil das Konzept außerhalb auch gar keinen Platz mehr hätte. Der Alltag hat damit aber nichts zu tun, und vor allem sind die Elfen in Aventurien nicht Repräsentanten eines mythologischen Konzepts. Sie haben vielleicht ihre Mythologie, die man dann in einer Phileasson-Saga auch ergründen kann, aber in Glorantha sind sie eben mit Runen verknüpft, die wiederum mit allen möglichen Erscheinungen und auch den Göttern gekoppelt sind. Und auf diese Runen wird jederzeit, auch im Alltag zurückgegriffen. Die Rune der alles verschlingenden Dunkelheit sorgt für den "Hunger" der Trolle. Dieselbe Rune verwendet ein Abenteurer aber auch zum Zaubern, oder vielleicht ist es eine der Runen seiner Gottheit. Und somit sind die Mythen der einzelnen Wesen eben nicht nur gut für einen Ausflug in die Trollzacken, sondern Trolle bleiben eben Repräsentanten einer in allem wirksamen mythischen Kraft. In Glorantha kann man also nicht von doppeltem Eskapismus sprechen, sondern eher davon, dass es kein Entkommen aus dem Mythos in den (profanen) Alltag gibt. Ich hoffe der von mir empfundene, wahrgenommene Unterschied (der auch überhaupt keine Abwertung von anderen Fantasywelten darstellen soll, ich bin ja nach wie vor Fan der Alten Welt zum Beispiel, auch wenn ich mich gerade sehr fasziniert mit Glorantha beschäftige) wird so etwas deutlicher.

Sind sie denn sonst auch noch anders? Oder ist deren "Entstehung" das einzig unterschiedliche? Ich muss nämlich gestehen, dass mir von den Erzählungen her noch nicht ganz klar ist, was jetzt so gewaltig anders an dem Setting sein soll, als an zich anderen Fantasy-Settings, die alle irgendeine Nische bedienen.


Es gibt in Glorantha durchaus auch Dungeons mit Schätzen und Monstern und Chaoskreaturen, so irre anders ist Vieles tatsächlich nicht. Aber das Grundgefühl ist schon einigermaßen anders, schon allein, weil Glorantha eben kein Fäntelalter (oder Renaissance) ist, sondern eben Bronzezeit. Die Zwerge sind schon sehr anders, und ich glaube, die ganzen Zwergenfans, die sich auf dieses Volk als SCs stehen, würden nur wenig Freude an einem gloranthischen Zwergen-SC haben. Im Grunde sind die Zwerge hier ein bisschen wie Insektenstaaten organisiert. Die verschiedenen Zwergentypen haben jeweils eigene Aufgabengebiete und sind eigentlich pausenlos am Arbeiten. Nur die Häretiker unter den Zwergen nehmen überhaupt Kontakt zur Außenwelt auf. Sie können sich ausschließlich von ihrer eigenen Dosennahrung ernähren. (Bis auf eine Sekte auf Pamalthea, die sich von Pflanzen ernährt ...). Außerdem sind Zwerge sehr pazifistisch und kämpfen nur im Notfall, obwohl ihr Hass auf Trolle zum Beispiel angeboren ist. Insgesamt sind die wirklich total weird.

Gefreut habe ich mich auch über deine Übersetzungen der englischen Namen. Ich mache das so ähnlich ("Kühnheim", "Klarwein") und einige meiner Übersetzungen stimmen sogar hundertprozentig mit deinen überein ("Am weitesten").

Vielleicht sollten wir mal eine Liste erstellen. Kopfzerbrechen bereiten mir noch Lunar Empire und Reaching Moon. Würde mich interessieren, wie Du das löst.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 29.01.2019 | 09:24
Das hat definitiv seinen Reiz ... verstehe aber (noch) nicht, warum das jetzt so gewaltig "besonders" sein soll? Selbst in Flickenteppich-Welten wie bspw. der Alten Welt von Warhammer findet man Flecken, wo das ganz ähnlich ist (Athel Loren zum Beispiel, mit den Waldelfen, die da Hand in Hand mit ihren Göttern leben, oder Bretonnia, die tatsächlich den Gral suchen und manche Ritter finden ihn auch und treffen mythische Gestalten wie die Herrin des Sees - auch hier wird die Geschichte immer weiter geschrieben).

Glorantha ist deutlich wilder, größer, chaotischer, extremer. Aber nicht überall. Und vieles ist nicht festgelegt. Vieles aber dann doch wieder sehr festgelegt. Das Ganze wirkt oft mehr wie ein Strudel und nicht wie eine Zeitleiste.
Greg Stafford hat Glorantha als Welt für seine Mythen geschaffen. Die Mythen und deren wilder Auswurf sind der Zweck von Glorantha. In anderen Welten sind Mythen mehr oder weniger tote historische Gegenstände oder Artefakte.

Ob man das besonders reizvoll findet oder nicht - das ist natürlich eine Geschmacksfrage.

Mir persönlich würden ein paar klare Setzungen helfen. Im Gegensatz zu Korknadel fände ich es sehr hilfreich, wenn ich als Spieler wüsste, wie es "wirklich" ist.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Luxferre am 29.01.2019 | 09:43
Vielleicht sollten wir mal eine Liste erstellen. Kopfzerbrechen bereiten mir noch Lunar Empire und Reaching Moon. Würde mich interessieren, wie Du das löst.

Dafür  :d

Kaiserreich des Mondes wäre mir zu asiatisch. Mondimperium flasht nicht wirklich und griffig ist es auch nicht. Lunar, aus dem lateinischen, könnte man ja auch einfach 1:1 übernehmen und es "Das Lunare Imperium/Kaiserreich/Weltreich/Reich" übersetzen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Grubentroll am 29.01.2019 | 10:25
Wäre auch fürs Lunare Imperium. Klingt gut... :)
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Data am 29.01.2019 | 10:40
Lunares Imperium klingt gut. Mondreich finde ich tatsächlich aber auch gar nicht übel.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Crimson King am 29.01.2019 | 10:45
Wäre auch fürs Lunare Imperium. Klingt gut... :)

Das ist auch die gängige Übersetzung dafür.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 29.01.2019 | 11:01
Das ist auch die gängige Übersetzung dafür.

Schon klar, aber da "lunar" eben im Deutschen eigentlich nur in der Astronomie/Raumfahrt gebraucht wird, finde ich das halt unschön und bin auf der Suche nach einer besseren Lösung.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Lord Verminaard am 29.01.2019 | 11:15
Schon klar, aber da "lunar" eben im Deutschen eigentlich nur in der Astronomie/Raumfahrt gebraucht wird, finde ich das halt unschön und bin auf der Suche nach einer besseren Lösung.

Ist das im Englischen denn wirklich anders? Es heißt ja auch nicht "Moon Empire".
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Crimson King am 29.01.2019 | 11:22
Für mich bekommt das Imperium durch diese Bezeichnung einen passenden römischen Touch.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Rumpel am 29.01.2019 | 11:28
Reaching Moon

Wie wäre es mit "der lange Arm des Mondes"? Leider ein bisschen umständlich, aber trotzdem finde ich "Tempel vom langen Arm des Mondes" gar nicht so übel ...
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 29.01.2019 | 11:38
Wie wäre es mit "der lange Arm des Mondes"? Leider ein bisschen umständlich, aber trotzdem finde ich "Tempel vom langen Arm des Mondes" gar nicht so übel ...

Stimmt, kann es sein, dass wir uns darüber schon mal unterhalten haben? Finde ich eine schöne Lösung.

Ist das im Englischen denn wirklich anders? Es heißt ja auch nicht "Moon Empire".

"lunar" wird im Englischen viel öfter gebraucht, wo man im Deutschen einfach beim Mond bleibt, deshalb ist es im Englischen halt viel geläufiger und oft auch unumgänglich, während man im Deutschen alltagssprachlich bestens ohne das Fremdwort auskommen kann. Lunar eclipse ist zum Beispiel etwas, was jedes englischsprachige Kind kennt, und niemand würde moon eclipse sagen. Bei uns hingegen taucht lunar wirklich nur fachsprachlich auf.

Für mich bekommt das Imperium durch diese Bezeichnung einen passenden römischen Touch.

Hm, römisch, ja, schon. Aber passt das wirklich dorthin?  ;)

Ich werde mich wohl mit dem Namen abfinden müssen, aber nur unter Vorbehalt!!
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 29.01.2019 | 11:41
Ist das im Englischen denn wirklich anders? Es heißt ja auch nicht "Moon Empire".

Hatte ich - noch vor eurer Diskussion - genauso gedacht. Finde auch, dass "Lunares Imperium", meinetwegen "Lunares Reich" eine gute Übersetzung ist.
Korknadels Einwände bezüglich der Nutzung von "lunar" im Englischen sind zwar zutreffend, aber trotzdem hätte man im Englischen auch "Moon Empire" oder besser "Empire of the Moon" nehmen können.

Letztlich vielleicht auch ein bißchen Geschmackssache. Man müsste das vielleicht im Kontext sehen, um zu beurteilen, was besser ist. Jedenfalls habe ich mich bisher an den (gut übersetzten) alten Runequest/Glorantha-Sachen nicht gestört - und da ist es Lunares Imperium. Übrigens auch "lunares Pantheon" für den Kult um die Rote Göttin. Ich weiß nicht, ob mir "Mond-Pantheon" oder "Götterwelt des Mondes" besser gefallen würde.


Für mich bekommt das Imperium durch diese Bezeichnung einen passenden römischen Touch.

Was auch sehr gut passt. Das Lunare Imperium breitet sich immer weiter aus und unterjocht weniger gut organisierte, "wildere" Völker. Ich finde, dass das zum Rom der Kaiserzeit gut passt.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Crimson King am 29.01.2019 | 12:41
Zumal die Benennung mit einem lateinischen Lehnwort aus Sicht der Bewohner de Drachenpasses oder von Pavis, also den Regionen, auf denen überwiegend gespielt wird, sowohl einen fremdländischen Touch als auch ein höheres Maß an Zivilisation und Kultiviertheit vermittelt.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Magister Ludi am 29.01.2019 | 12:48
Viele deutsche Bezeichnungen und Übersetzungen von Glorarantha-Begriffen wurden schon in den 80ern und 90ern im Brettspiel Dragon Pass und in der RuneQuest-Box "Die Götter Gloranthas" festgelegt. Eine Box mit dem Titel "Glorantha - Die Welt" und andere fast fertige Supplements wurden leider von WdS nicht mehr veröffentlicht. Der damalige Übersetzer hatte sich sogar einige mehrdeutige Begriffe von Greg Stafford absegnen lassen. Das derzeitige Übersetzer-Team bemüht sich um Kontinuität von der damaligen Terminologie über das Glorantha-Quellenbuch zu Hero Wars und den bereits erschienenen Glorantha-Comic bis hin zur neuen Ausgabe von RuneQuest Glorantha; nur in wenigen Fällen wurde das Bessere zum Feind des Guten.

Es ist völlig klar, dass jeder, der diese älteren deutschsprachigen Veröffentlichungen nicht kennt und sich seine eigenen Übersetzungen ausgedacht hat, an der einen oder anderen Stelle unzufrieden sein wird - das war auch schon vor 25 Jahren so.       
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Luxferre am 29.01.2019 | 12:50
Also ich freue mich auf kanonische Übersetzungen  :d und noch mehr freue ich mich auf RQ:RiG auf Deutsch  :headbang:
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 29.01.2019 | 13:01
Der damalige Übersetzer hatte sich sogar einige mehrdeutige Begriffe von Greg Stafford absegnen lassen.

Der damalige Übersetzer warst Du, oder?

Möchtest und darfst Du vielleicht mehr darüber erzählen? Ich finde das ziemlich interessant.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 29.01.2019 | 13:05
Ja, was ich von den alten WdS-Übersetzungen bisher gelesen habe, ist schon sehr gut. Man stößt sich halt trotzdem an dem einen oder anderen Begriff, auch wenn Kanon ganz schick ist. So kann ich zum Beispiel Apfelallee nicht schlucken, das ist einfach ein neuzeitlicher Begriff aus der Garten-/Landschaftsarchitektur, der zudem noch aus dem Französischen kommt und ganz stark entsprechende Assoziationen hervorruft. Das passt zum einen nicht zum englischen lane, das in seiner Bedeutung viel schlichter und allgemeiner als Allee ist, und zum anderen schon gar nicht in ein Bronzezeitsetting, wo es vielleicht in irgendwelchen Palastgärten von Bäumen beschattete Wege gab, aber bestimmt keine mit Vorbildern im französischen Barock und französischem Klang. Als ich das Abenteuer Apfelallee zum ersten Mal im Laden sah in den Neunzigern, dachte ich entsprechend auch, dass Glorantha ein weiteres Renaissance-/Fäntelaltersetting sein muss. Und selbst wenn Stafford das abgesegnet oder sogar gewünscht haben sollte: Es ist trotzdem schief.   8]

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 29.01.2019 | 13:09
War mir noch nie aufgefallen, stimmt aber. Apfelallee ist nicht so geschickt. Der Name ist auch im Englischen ein wenig merkwürdig, wobei im Englischen Ortsnamen dieser Art wohl etwas häufiger auftreten.

Vielleicht wäre etwas in der Art von "Apfelweiler" oder "Apfelstedt" gut gewesen  ;)
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Grubentroll am 29.01.2019 | 17:29
Bei so manchem Namen ist Glorantha allerdings wieder ein bisschen merkwürdig.

Dieses "Apple Lane" würde ich jetzt auch nicht in einem Bronzezeit-Setting vermuten...
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 29.01.2019 | 18:32
Du meinst, Glorantha-Elben sind eigentlich bewusstseinserweiternde Drogen?

Ich muss zugeben, die Elben und Zwerge bei Glorantha stören mich. Die hätte man entweder normal belassen oder umbenennen sollen.

Sie heißen ja auch eigentlich Aldryami und Mostali.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 29.01.2019 | 18:38
Sie heißen ja auch eigentlich Aldryami und Mostali.

In Elder Races aus der Box Elder Secrets wird differenziert zwischen Mostali und dwarfs. Müsste noch mal nachschauen, aber da heißen nur diejenigen, die noch in der Gottzeit aus den Kesseln kamen, Mostali und die Nachgeborenen dwarfs.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Weltengeist am 29.01.2019 | 19:24
Greg Stafford hat Glorantha als Welt für seine Mythen geschaffen. Die Mythen und deren wilder Auswurf sind der Zweck von Glorantha. In anderen Welten sind Mythen mehr oder weniger tote historische Gegenstände oder Artefakte.

Ob man das besonders reizvoll findet oder nicht - das ist natürlich eine Geschmacksfrage.

Eigentlich mag ich Settings mit starkem Eigengeschmack und einer Mythen- und Götterwelt, die man im Spiel wirklich merkt. Ich hatte nur nie das Gefühl, dass ich das auch selbst leiten könnte. Und in den Genuss, eine Runde von Greg Stafford geleitet zu kriegen, bin ich leider nie gekommen... Daher ist Glorantha bei mir mittlerweile raus.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Grubentroll am 30.01.2019 | 09:42
Ich frag mich ja fast, wieso das "mythische Welt"-Modell keine Schule gemacht hat, und fast alle Settings zB auf ihrer doofen Kugelwelt beharren. Das "mythische Weltmodell" wirkt auf mich im Kontext eines Fantasyrollenspiels einfach wesentlich sinnvoller.

Evtl kommt man da aber eben mit diesen verschiedenen Sichtweisen aneinander, die Bewohner dieser Welt haben. Glorantha kann das ja anscheinend auch nicht so ganz auflösen, oder?


Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Lord Verminaard am 30.01.2019 | 11:09
Was ich daran insbesondere auch reizvoll finde, ist der spirituelle Aspekt, den auch Abenteuer ganz selbstverständlich haben können. Natürlich die Idee der Hero Quest, die ich großartig finde, aber auch ganz banal so Dinge wie in dem Einführungsabenteuer "The Broken Tower" im Quickstarter zum aktuellen RQ:G:

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 30.01.2019 | 22:55
Was ich daran insbesondere auch reizvoll finde, ist der spirituelle Aspekt, den auch Abenteuer ganz selbstverständlich haben können.

Gerade das reizt mich nicht so sehr. Bzw. ich finde es etwas schwierig, dass das so großen Raum einnimmt.

Allerdings ist das eine reine Geschmacksangelegenheit. Wirklich bewerten will ich das nicht. Vielleicht gefällt mir das auch irgendwann.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Magister Ludi am 31.01.2019 | 10:13
Ich habe in den 80er Jahren mehrmals eine Kampagne im Umfeld Apple Lane - Borderlands - Pavis - Big Rubble geleitet. Es war gut, den mythologischen, kulturellen und politischen Hintergrund zu kennen und entsprechend Auskunft geben zu können, aber meine Spieler haben sich mit  wesentlich praktischeren Problemen beschäftigt ("Wie kommen wir an den Trollen vorbei?"). Und wir alle hatten Spaß.   
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 5.02.2019 | 08:10
Was mir bei meiner -- vielleicht etwas erratischen, aber sehr bereichernden -- Lektüre immer wieder auffällt im Vergleich zu anderen großen Fantasy-Settings, die ich so kenne, das ist eine gewisse Schamlosigkeit bei Glorantha. Bei etlichen der "gewachsenen" Settings aus der Rollenspielpionierzeit wurde später öfter mal geretcont, überschrieben, geändert oder verschwiegen. Aventurien ist das wohl prominenteste Beispiel für so etwas. Werden dort Dinge aus dem ersten Dutzend Abenteuern ins aktuelle Aventurien übernommen,  merkt man der Sache oft ein gewisses Bemühen an, Dinge werden stark erklärt, umgedeutet oder gar abgeändert, damit sie auch für die reifen, anspruchsvollen Settingliebhaber von heute erträglich sind.

Bei Glorantha dagegen habe ich den Eindruck, dass es sich keiner seiner vielleicht manchmal etwas jugendlich-leichtsinniger Ideen schämt. Sicher kann man heute in den super ausgetüftelten Heldenkrieg in Drachenpass einsteigen und Weltgeschichte schreiben, aber -- zumindest wirkt es auf mich so -- die Kasernenruine im Großen Schutt mit ihren Monstern und Balastors Axt als Hauptgewinn ist deshalb noch lange nicht passé.

Was ich daran insbesondere auch reizvoll finde, ist der spirituelle Aspekt, den auch Abenteuer ganz selbstverständlich haben können. Natürlich die Idee der Hero Quest, die ich großartig finde, aber auch ganz banal so Dinge wie in dem Einführungsabenteuer "The Broken Tower" im Quickstarter zum aktuellen RQ:G:

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Das ist so ein Punkt, wo, finde ich, die mythische Qualität des Settings deutlich wird. Wenn man bei Aventurien von "mythisch" spricht, dann meint man geheimnisvoll, traum- und nebelhaft. Das ist in Glorantha viel weniger gegeben, weil hier eben bereits zahlreiche Alltagshandlungen in irgendeiner Weise göttlich/magisch sind. Das Spannungsfeld profan-magisch gibt es in Glorantha nicht in dem Maße. Aventurien gibt sich selbst das Label des phantastischen Realismus, und hier bedeutet es, dass alles, auch das Phantastische, Magische auf Plausibilität etc. abgeklopft wird, Magie und Phantasie werden "realistisch" gezähmt. Für Glorantha fände ich den Begriff magischer Realismus auch in gewisser Weise passend, allerdings vollkommen anders ausgelegt: In Glorantha ist nämlich nichts real, wenn es nicht magisch ist. Magie erschafft die Realität von Glorantha. Gut, das könnte man aufgrund irgendwelche Schöpfungsmythen bei anderen Settings auch pauschal sagen, aber anderswo zieht sich dieses Konzept nicht so durch jedes Detail der Spielwelt und ist nicht so dauerhaft spürbar.

Die Ruinen der Gebäude im Großen Schutt, die aus der Zeit des Gotthelden Pavis stammen, sind aus den Überresten einer riesigen Steinstatue errichtet. Diese Statue brachte Pavis aus dem Reich der Trolle mit, und mit ihrer Hilfe konnte er die zuvor an dem Ort befindliche Stadt einnehmen und auf ihren Ruinen seine eigene bauen. Das ist, als wären die Griechen auf dem Trojanischen Pferd in die Schlacht geritten ... Immer wieder diese starken Ideen und Bilder.

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Chiarina am 5.02.2019 | 08:31
Ja, mich spricht das auch an. Hier ein kleines Zitat aus Montgomerys Blog (http://andrewloganmontgomery.blogspot.com/2018/05/the-black-stag-heortling-tribe-for.html), das in eine ähnliche Richtung geht und eine starke Resonanz in mir hervorgerufen hat:

Zitat
A character will know all sorts of magic not covered by the rules; a warding hand gesture against spirits of disease when someone sneezes, a plow blessing before a field is tilled, a mother’s soothing charm to lull a baby to sleep.

Besonders diese Szene mit dem Säugling! Das ist doch super, oder?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Weltengeist am 5.02.2019 | 08:33
Ja, mich spricht das auch an. Hier ein kleines Zitat aus Montgomerys Blog (http://andrewloganmontgomery.blogspot.com/2018/05/the-black-stag-heortling-tribe-for.html), das in eine ähnliche Richtung geht und eine starke Resonanz in mir hervorgerufen hat:

Besonders diese Szene mit dem Säugling! Das ist doch super, oder?

Jetzt braucht man nur noch eine Runde, in der die Leute sowas auch wirklich ausspielen...
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Bildpunktlanze am 5.02.2019 | 08:38
OT: gibt es noch andere Bronze Zeitalter RPG Welten die erwaehnenswert sind?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: AndreJarosch am 5.02.2019 | 09:47
OT: gibt es noch andere Bronze Zeitalter RPG Welten die erwaehnenswert sind?

Thennla!

Thennla begann in den 80ern als Welt in der Hauskampagne des Autoren Jonathan Drake für RuneQuest.

Jetzt ist es eine Welt für MYTHRAS (Die Küsten von Korantia, Das Taskanische Imperium, Kakhun erwacht, Der Tribut der Arakuliner und dan Thennla-Heft).
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 5.02.2019 | 10:08
Jetzt braucht man nur noch eine Runde, in der die Leute sowas auch wirklich ausspielen...

Denke auch, dass das der Punkt ist. Das kann alles nur dann wirken, wenn die Leute zumindest halbwegs eingelesen sind - oder wenn der SL sehr viel erklärt (und sich selbst entsprechend gut auskennt).

Und natürlich gilt das irgendwie für die meisten Spielwelten: Es gibt eine Menge Alltagsmagie, Alltagswissen, Traditionen etc. die sich nicht in den Regeln wiederfinden. Sowas zumindest gelegentlich mit reinzubringen, fördert den immersiven Spielspaß sehr, finde ich.

Wenn man das weglässt - was man natürlich machen kann - dann gibt es doch handlichere Welten als gerade Glorantha.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 5.02.2019 | 10:48
Denke auch, dass das der Punkt ist. Das kann alles nur dann wirken, wenn die Leute zumindest halbwegs eingelesen sind - oder wenn der SL sehr viel erklärt (und sich selbst entsprechend gut auskennt).

Und natürlich gilt das irgendwie für die meisten Spielwelten: Es gibt eine Menge Alltagsmagie, Alltagswissen, Traditionen etc. die sich nicht in den Regeln wiederfinden. Sowas zumindest gelegentlich mit reinzubringen, fördert den immersiven Spielspaß sehr, finde ich.

Wenn man das weglässt - was man natürlich machen kann - dann gibt es doch handlichere Welten als gerade Glorantha.

Wobei RQ:G ja durchaus so designt ist, dass man gar nicht so wahnsinnig viel wissen muss und die ganze Zeit lauter Kram machen muss, der fürs Abenteuer nicht viel bringt, sondern nur die Immersion und "Stimmung" fördert. Man spielt ja von vornherein Eingeweihte irgendeines Kults mit den entsprechenden Geister- und Runenzaubern. Und dann wird der SC ja auch auf dem Charakterblatt von seinen Runen definiert. Das heißt, die magische Matrix des SCs liegt ständig schon vor dir, du hast sowieso ständig mit Göttern zu tun, spätestens, wenn du ausgegebene Runenpunkte zurückerlangen willst. Und die NPCs kommen auch alle mit ihren Zaubern daher, von daher wirst du da auch automatisch immer mit anderen Kulten konfrontiert. Und die -- auch alltäglichen -- Details der Spielwelt spielen zumindest in den offiziellen Abenteuern ja durchaus auch immer wieder eine Rolle. Also selbst der uneingelesene Spieler, der nur irgendwo auf der Jagd nach magischen Schätzen ist, wird andauernd mit dem ganzen Kram konfrontiert und steckt zwangsläufig irgendwie drin in der Mythensuppe.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: AndreJarosch am 5.02.2019 | 11:12
Denke auch, dass das der Punkt ist. Das kann alles nur dann wirken, wenn die Leute zumindest halbwegs eingelesen sind - oder wenn der SL sehr viel erklärt (und sich selbst entsprechend gut auskennt).

Und natürlich gilt das irgendwie für die meisten Spielwelten: Es gibt eine Menge Alltagsmagie, Alltagswissen, Traditionen etc. die sich nicht in den Regeln wiederfinden. Sowas zumindest gelegentlich mit reinzubringen, fördert den immersiven Spielspaß sehr, finde ich.

Wenn man das weglässt - was man natürlich machen kann - dann gibt es doch handlichere Welten als gerade Glorantha.

Gerde RuneQuest: Roleplaying in Glorantha und das Glorantha Sourcebook konzentrieren sich auf einen noch überschaubaren Teil Gloranthas. Und gerade  RGQ nimmt die Spieler schon direkt bei der Charaktererschaffung an die Hand und vermittelt während dieser viel was das Spielflair ausmacht.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Mithras am 9.02.2019 | 10:39
Nachdem ich mir den kompletten Thread hier nochmal durchgelesen habe und ein paar Bilder und Rezensionen zu diversen Glorantha Büchern gesehen und gelesen habe werde ich dem Setting mal eine Chance geben (trotz Enten) und warte gespannt auf das deutsche Crowdfunding dazu. Die Bebilderung der neuen Edition ist ja super und ich habe eine Schwäche für W100 Systeme! Aber vor einem Kauf der englischen Version schrecke ich zurück und die deutsche RQ3 Ausgabe erscheint mir wenig Sinnvoll bzw. zu teuer mit den ganzen Büchern und Boxen die ich dazu bräuchte um mich mal richtig einzulesen: Regelwerk, Götter und Welt, dazu noch das Bestiarium. Warum muss das alles immer Sammelpreise haben?


Gesendet von meinem SM-G800F mit Tapatalk

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 9.02.2019 | 11:14
Aber vor einem Kauf der englischen Version schrecke ich zurück und die deutsche RQ3 Ausgabe erscheint mir wenig Sinnvoll bzw. zu teuer mit den ganzen Büchern und Boxen die ich dazu bräuchte um mich mal richtig einzulesen: Regelwerk, Götter und Welt, dazu noch das Bestiarium. Warum muss das alles immer Sammelpreise haben?

Die Götter-Box bekommt man immer noch für ca. 15 € neu oder in sehr gutem Zustand. Man braucht nur ein bißchen Geduld.
Die Regeln findet man wirklich leicht, eigentlich noch leichter als die Götter-Box.
Das Bestiarium könnte ich Dir günstig überlassen. Ich hatte mal Glück und habe das zu einem fairen Preis bekommen - würde ich weitergeben.
Eine richtige Weltbeschreibung gab es damals allerdings nicht. Das ist ein recht dünnes Heft in der Götter-Box und einige verstreute Informationen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Mithras am 9.02.2019 | 21:16
Ich habe vorhin mal bei Drosi recherchiert, da ist eine Glorantha Box auf deutsch gelistet. Ich dachte das ist der Settingteil. Aber anscheinend kam RQ3 im Refelbuch wohl ohne größeren Hintergrund daher und dann bleibt wohl wirklich nur die Götter Box. Danke für das Angebot mit dem Bestiarium aber ich warte wirklich lieber auf die deutsche Ausgabe.

Dazu habe ich eine Frage zu den alten Runequest bzw. Glorantha Produkten auf englisch. Gibt es da irgendwelche "Must have" die in der aktuellen Version nicht veröffentlicht wurden und damit auch nicht auf deutsch kommen werden? Ich meine speziell River of Cradle und Pavis Stadtbeschreibung und ähnliches. Ich weiss allerdings nichts über die beiden Boxen/Bücher und hier kann mir doch bestimmt dazu geholfen werden.




Gesendet von meinem SM-G800F mit Tapatalk
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Colgrevance am 10.02.2019 | 08:27
Für eine deutsche Weltbeschreibung gibt es doch noch Glorantha - Die epische Welt des Greg Stafford.

(http://www.die-sns.de/SchattenSeiten/Glorantha/Glorantha-deutsch.jpg)

Caveat: Ich habe es nie gelesen und kann daher nicht beurteilen, ob es was taugt.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 10.02.2019 | 12:23
Es gab für Glorantha https://rpggeek.com/rpgitem/48351/glorantha-genertela-crucible-hero-wars (https://rpggeek.com/rpgitem/48351/glorantha-genertela-crucible-hero-wars) Wars schon zu RQ3 Zeiten. Das war damals das Referenzwerk für die Welt.

River of cradles ist eine Regionalbeschriebung und Kampagne, die heute nicht mehr kanonisch ist.

Must haves von Klassikern sind alle Classic Produkte:

https://www.chaosium.com/glorantha-classics/

An Pavis arbeitet Robin Laws gerade. Es ist nur die Frage, wann es fertig ist und schreint ;-).


Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Grubentroll am 10.02.2019 | 13:20
War Glorantha eigentlich schon immer so "mesopotamisch" angehaucht?

Ich kann mich an Cover von Publikationen erinnern, die bei mir eher den Eindruck von Frühmittelalter erweckt haben.
War das dann fehlgeleitete Cover-Art, oder hat sich das Setting stilistisch gewandelt über die Jahre?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 10.02.2019 | 13:32
Für eine deutsche Weltbeschreibung gibt es doch noch Glorantha - Die epische Welt des Greg Stafford.

(http://www.die-sns.de/SchattenSeiten/Glorantha/Glorantha-deutsch.jpg)

Caveat: Ich habe es nie gelesen und kann daher nicht beurteilen, ob es was taugt.

Ich habe es teilweise gelesen.
Die Übersetzung ist größtenteils gruselig, die Informationen sind recht abstrakt und schwer verdaulich präsentiert. Die Karten weitgehend unbrauchbar.
Ich fand das schmal Heft in der alten Götter-Box nützlicher. Sogar die Informationen in dem deutschen Hero-Quest-Band (also dem ersten Band der Ausgabe, von der Glorantha - die epische Welt des Greg Stafford der zweite Teil ist) fand ich nützlicher.

Würde ich nicht empfehlen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Mithras am 10.02.2019 | 13:37
Sehe ich das richtig das es 2 Regelsysteme  (Runequest und Heroquest) gibt und beide Glorantha als Setting nutzen? Und das die Bücher Sartar nicht für Runequest erschienen sind sondern für Heroquest und oop? Und ausserdem noch von D101Games Bücher für Runequest veröffentlicht werden für Glorantha? Sehr verwirrend das alles...


Gesendet von meinem SM-G800F mit Tapatalk

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Weltengeist am 10.02.2019 | 14:01
Sehe ich das richtig das es 2 Regelsysteme  (Runequest und Heroquest) gibt und beide Glorantha als Setting nutzen? Und das die Bücher Sartar nicht für Runequest erschienen sind sondern für Heroquest und oop? Und ausserdem noch von D101Games Bücher für Runequest veröffentlicht werden für Glorantha? Sehr verwirrend das alles...

Und da hast du noch gar nicht die ganzen Versionen von Runequest / Legend / BRP mit reingerechnet oder die Tatsache, dass Glorantha jetzt auch noch für weitere Regelwerke zur Verfügung stehen soll... ~;D
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Woodman am 10.02.2019 | 14:14
Sehe ich das richtig das es 2 Regelsysteme  (Runequest und Heroquest) gibt und beide Glorantha als Setting nutzen? Und das die Bücher Sartar nicht für Runequest erschienen sind sondern für Heroquest und oop? Und ausserdem noch von D101Games Bücher für Runequest veröffentlicht werden für Glorantha? Sehr verwirrend das alles...



Gesendet von meinem SM-G800F mit Tapatalk
In deiner Liste fehlt auf jeden Fall noch 13th Age Glorantha.
Wenn du wirklich verwirrt werden willst musst du mal recherchieren wer wann welche Rechte an Runequest, Glorantha und Heroquest hatte und dafür Zeug veröffentlicht hat, das ist ein ziemliches Durcheinander.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 10.02.2019 | 15:54
War Glorantha eigentlich schon immer so "mesopotamisch" angehaucht?

Ich kann mich an Cover von Publikationen erinnern, die bei mir eher den Eindruck von Frühmittelalter erweckt haben.
War das dann fehlgeleitete Cover-Art, oder hat sich das Setting stilistisch gewandelt über die Jahre?

Das Setting war schon immer bronzezeitlich-mesopotamisch. Das Artwork mag damals anders gefühlt gewesen sein.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 11.02.2019 | 08:07
River of cradles ist eine Regionalbeschriebung und Kampagne, die heute nicht mehr kanonisch ist.

Must haves von Klassikern sind alle Classic Produkte:

https://www.chaosium.com/glorantha-classics/

An Pavis arbeitet Robin Laws gerade. Es ist nur die Frage, wann es fertig ist und schreint ;-).

Wieso ist River of Cradles denn nicht mehr kanonisch? (Toll ist das Buch jedenfalls!)

@Mithras:

Geplant ist für das neue Runequest tatsächlich sehr viel Material. Wenn das alles kommt, braucht man die alten Sachen sicher nicht mehr. Und Finger weg von Glorantha -- die epische Welt des Greg Stafford. Das ist wirklich gruselig und unverständlich. Damit verdirbt man sich den Einstieg gehörig. Vielleicht macht Uhrwerk ja auch das Gloranthan Sourcebook auf Deutsch. Das ist ein besserer Einstieg in die Hintergründe, Mythologie und Kosmologie von Glorantha (allerdings taugt das Buch nicht, um Glorantha zu bespielen, aber Chaosium hat ja viele Abenteuer- und Regionalbände geplant, die den Part dann übernehmen).
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Boni am 11.02.2019 | 12:28
(allerdings taugt das Buch nicht, um Glorantha zu bespielen, aber Chaosium hat ja viele Abenteuer- und Regionalbände geplant, die den Part dann übernehmen).

Inwiefern denn das? Ich schleiche ja noch um die neue Chaosium-Variante herum, je nachdem, wie du das jetzt meinst, könnte das fast dagegen sprechen :-[
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 11.02.2019 | 12:39
Vielleicht macht Uhrwerk ja auch das Gloranthan Sourcebook auf Deutsch. Das ist ein besserer Einstieg in die Hintergründe, Mythologie und Kosmologie von Glorantha (allerdings taugt das Buch nicht, um Glorantha zu bespielen, aber Chaosium hat ja viele Abenteuer- und Regionalbände geplant, die den Part dann übernehmen).

Weiß nicht, ob Boni das hilft, aber ich habe auch eine Anmerkung dazu.
Ich finde nämlich, dass die von Korknadel angesprochenen Punkte auch von der alten Götter-Box gut erfüllt werden. Bei der Götter-Box fehlt einem aber eben die Weltbeschreibung im Sinn von Politik, Geographie, Völkern, Kulturen, Sitten und Gebräuchen etc.
Vielleicht ist das beim Sourcebook ähnlich?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 11.02.2019 | 12:59
Inwiefern denn das? Ich schleiche ja noch um die neue Chaosium-Variante herum, je nachdem, wie du das jetzt meinst, könnte das fast dagegen sprechen :-[

Das Gloranthan Sourcebook beinhaltet nur Fluff, keine Werte, weil es für Heroquest und Runequest gleichermaßen verwendbar sein soll. Und es beschreibt ausschließlich Geschichte, Mythologie, Götterwelt. Das ist ein tolles Buch, aber man hat auch nach der Lektüre kaum eine Ahnung, wie und wo man auf Glorantha konkret Abenteuer erleben soll. Es werden nicht mal Orte beschrieben, sondern nur erwähnt, wenn sie eben irgendwo auftauchen. Es werden keine Kulte beschrieben, nur Pantheons. Es ist also im wahrsten Sinne des Wortes reiner "Hintergrund". Unglaublich faszinierend und erhellend, aber um Abenteuer zu entwerfen, vollkommen ungeeignet. Der Guide to Glorantha, der zwar in einzelnen Punkten nicht sehr in die Tiefe gehen kann wie spezielle Quellenbücher zu den jeweiligen Themen (zum Beispiel eine Stadt wie Pavis), bringt da schon viel mehr an konkreten Örtlichkeiten, Themen und Konflikten.

Weiß nicht, ob Boni das hilft, aber ich habe auch eine Anmerkung dazu.
Ich finde nämlich, dass die von Korknadel angesprochenen Punkte auch von der alten Götter-Box gut erfüllt werden. Bei der Götter-Box fehlt einem aber eben die Weltbeschreibung im Sinn von Politik, Geographie, Völkern, Kulturen, Sitten und Gebräuchen etc.
Vielleicht ist das beim Sourcebook ähnlich?

Ja, ist ähnlich, aber noch extremer, denn in der Götter-Box hatte man ja wenigstens Beschreibungen der Kulte, man erfuhr also, wie ein Tempel aussieht oder wie die Anhänger eines Gottes vielleicht so drauf sind. Außerdem natürlich die spielrelevanten Zauber. Das alles klammert das Sourcebook aus. Es ist reine Geschichte und Mythologie. Man erfährt dort sehr viel über die einzelnen Gottheiten und ihre Rolle in der Geschichte und in den jeweiligen Pantheons, aber nur wenig über die Leute, die an sie glauben.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Boni am 11.02.2019 | 13:10
Okay, danke für die Info. Auch an felixs  :D
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 11.02.2019 | 22:09
Wieso ist River of Cradles denn nicht mehr kanonisch? (Toll ist das Buch jedenfalls!)

Wieso nicht weiß ich nicht. Ich habe das aus der Glorantha-Wki:

https://glorantha.fandom.com/wiki/River_of_Cradles


Zum Losspielen ist derzeit zum Beispiel der Inhalt des SL-Schirmes bestens geeignet. Eine Beschreibung von Sartar um Redwine herum mit Sandbox-artiger Beschreibung, einige ABenteuer und einige Plothooks.

Demnächst angekündigt ist ja der SL-Band, eine Einsteiger-Box und weitere Abenteuer. Damit sollte der Einstieg dann klappen.

Und schlußendlich bietet das GRW ja auch schon einiges.

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 12.02.2019 | 08:15
Wieso nicht weiß ich nicht. Ich habe das aus der Glorantha-Wki:

https://glorantha.fandom.com/wiki/River_of_Cradles

Danke für den Link! Allerdings steht da ja keinerlei Begründung, es bleibt also ein Mysterium. River of Cradles wird jedenfalls auch von Glorantha-Fans sehr gelobt. Verkehrt ist es sicher nicht, auch wenn vielleicht der zweite Tempeldiener von links heute offiziell anders heißt als dort angegeben.

Und schlußendlich bietet das GRW ja auch schon einiges.

Das hoffentlich demnächst in print aufschlagende, als pdf aber schon erhältliche Bestiary sollte man aber auf jeden Fall noch verfügbar haben, denn das GRW ist ein reines Spielerhandbuch, Gegnerwerte sucht man darin vergeblich. Aber mit GRW und Bestiary kann man bestimmt schon eigene Szenarien zusammenbasteln.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Chiarina am 26.02.2019 | 08:41
Gerade wird im D&D Bereich über Transgender Tavernen nachgedacht, da kann ich es mir nicht verkneifen an dieser Stelle ein Beispiel aus Andrew Logan Montgomerys Blog Exploring the Otherworlds of Fiction, Magic and Gaming (https://andrewloganmontgomery.blogspot.com/) zu zitieren, das zeigt, wie unaufgeregt man in Glorantha mit diesem Thema umgehen kann. Montgomery schreibt über Initiationsriten in den dortigen Clangesellschaften.

Zitat von: Andrew Logan Montgomery
The word “manhood” here is a poor English translation of the actual Sartarite term, which means rather “those who walk Orlanth’s path.”  Orlanthi gender roles divide broadly into those who follow Orlanth—plowing, fighting, raiding, doing heavy labor—and those who follow Ernalda—cooking, healing, raising children, managing the household.  Biological gender is irrelevant in these roles; more important are the individual’s Runes.  Those with the Air Rune tended to be called to Orlanth (as did those rarer cases with the Fire/Sky Rune).  Those with the Earth Rune tended to be called to Ernalda.  Darkness and Water were more obscure cases, and required divinations to assign the roles.

Ich finde das eine schöne, elegant in die Spielwelt integrierte Herangehensweise Rollendichotomien darzustellen, die aber vom biologischen Geschlecht nicht restlos definiert sind. In dem von Montgomery ausgearbeiteten "Clan des schwarzen Hirschen" sind die meisten Knaben "Orlanths Pfad", die meisten Mädchen "Erlandas Pfad" gegangen. Es gibt aber bei beiden biologischen Geschlechtern auch Gegenbeispiele. Diese Menschen sind anders, aber deshalb nicht unbedingt im falschen Körper. Sie haben eben eine für ihr Geschlecht ungewöhnliche Rune abbekommen. Kann passieren. Der Schmied des Tals ist beispielsweise mit einem sogenannten "Nandan" verheiratet, der ihm den Haushalt macht. Ein paar Frauen sind "Vingan", werden an den Waffen ausgebildet und sind bei den Viehdiebstählen beim Nachbarstamm mit dabei.

Wer will, kann daraus einen Konflikt machen (so gibt es bei Montgomery beispielsweise ein paar ältere Frauen, die über die Vingan sagen, sie sollten lieber - wie sie selbst - am Herd bleiben), man kann das aber auch so stehen lassen (die sexuelle Orientierung des Lebensgefährten des Schmiedes wird beispielsweise an keiner Stelle irgendwie besonders thematisiert). Für mein Verständnis ist das ein sehr erwachsener Umgang mit dem Thema.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 27.02.2019 | 15:50
Wenn Du hier schon politisieren willst:
Ich finde es unsinnig, in Bezug auf eine Spielwelt von einem "erwachsenen Umgang" zu sprechen.
Wer seine Agenda vorantreiben möge, der möge das in der richtigen Welt tun.
In einer Fantasy-Welt kann man Dinge so gestalten, wie man möchte. Affirmativ zu bewerten, dass eine Entscheidung irgendwo dann so ausgefallen ist, dass sie in kontemporäre Diskurse passt, finde ich nicht sonderlich "erwachsen" sondern eher "albern".
Historische und mythologische Vorbilder für solche Fälle von Transsexualität sind recht vielfältig - da werden sich die Autoren bedient haben. In Deinem Sinn progressiv ist da gar nichts, zumal es am Ende ja eben doch die Zuschreibung bestimmter Verhaltensweisen and biologisch männlich und biologisch weiblich gibt. Die Grenzen sind auch sehr klar gezogen und es gibt eine klare Hierarchie - die Gesellschaft ist letztlich Patriarchalisch (mit einer geschützen "weiblichen" Sphäre, die man nur dann "Arbeitsteilung" nennen kann, wenn das synonym mit "Frauen an den Herd" ist).

Wohlgemerkt: Ich finde das bei Glorantha auch in Ordnung so, die Welt ist halt alles andere als gut eingerichtet. Ein Vorbild für irgendwas ist das aber bitte nicht.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Boba Fett (away) am 27.02.2019 | 16:00
Wenn Du hier schon politisieren willst:
Ich finde es unsinnig, in Bezug auf eine Spielwelt von einem "erwachsenen Umgang" zu sprechen.
Wer seine Agenda vorantreiben möge, der möge das in der richtigen Welt tun.
In einer Fantasy-Welt kann man Dinge so gestalten, wie man möchte.

Das sehe ich anders.
Natürlich KANN man das, aber auch da reflektieren Schöpfungen und Entscheidungen auf das Wesen der-/desjenigen, die/der sie schafft
und beeinflussen die Meinung anderer über die-/denjenigen.
Und dementsprechend sollte man mit schwierigen Themen entsprechend umsichtig umgehen.
Betonung liegt auf "sollte"...
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 27.02.2019 | 16:10
In der Orlanthi-Kultur gibt es vier Geschlechter und sechs Geschlechterrollen und zig zulässige Formen von Ehe und Sex. Und ich bin ziemlich überzeugt, dass die Autoren sich bei irgendwelchen Vorbildern bedient haben, um ganz bewusst ein progressiveres Geschlechterrollenkonzept in der Spielwelt anzubieten (zumindest in Zeilen, im Sun County sieht das ja ganz gewollt auch wieder anders aus). Und ich finde es nicht albern, das so zu sehen. Auch ich habe, ähnlich wie Chiarina, innerlich applaudiert, als ich erfahren habe, wie das mit Geschlecht und Geschlechterrollen in Glorantha so gedacht ist bzw auch gedacht werden kann.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 27.02.2019 | 16:14
Und dementsprechend sollte man mit schwierigen Themen entsprechend umsichtig umgehen.
Betonung liegt auf "sollte"...

Das sehe ich grundsätzlich auch so.
Das Problem ist aber, dass man, wenn man das konsequent weiterdenkt, bei einer Welt ankommt, in der kaum noch Konflikte stattfinden. Und die Wertung, welche Konflikte und Ungerechtigkeiten man jetzt OK findet, und welche nicht ist dann letztlich willkürlich.
Der größte Skandal unserer Welt sind, meine ich, soziale Ungleichheiten.
Aber was will ich mit einer Spielwelt, in der diese keine Rolle spielen? Etc.

Ich selbst mag ja eher kitschige Settings, die ruhig von Klischees tropfen dürfen. Andererseits auch gern "bodenständiges", an historische Realitäten angelehntes.

In der Orlanthi-Kultur gibt es vier Geschlechter und sechs Geschlechterrollen und zig zulässige Formen von Ehe und Sex. Und ich bin ziemlich überzeugt, dass die Autoren sich bei irgendwelchen Vorbildern bedient haben, um ganz bewusst ein progressiveres Geschlechterrollenkonzept in der Spielwelt anzubieten (zumindest in Zeilen, im Sun County sieht das ja ganz gewollt auch wieder anders aus). Und ich finde es nicht albern, das so zu sehen. Auch ich habe, ähnlich wie Chiarina, innerlich applaudiert, als ich erfahren habe, wie das mit Geschlecht und Geschlechterrollen in Glorantha so gedacht ist bzw auch gedacht werden kann.

Dann ist mein Material veraltet. Keine Ahnung, was "Zeilen" sind.
Sollte das tatsächlich ein Zugeständnis an die Forderung nach "progressiven Geschlechterrollenkonzepten" sein, finde ich das ausgesprochen albern.
Dass es in eine Kultur so passen kann, sehe ich auch so - wie oben beschrieben. Ist dann auch ein hinreichender Grund.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 27.02.2019 | 16:45
Dann ist mein Material veraltet. Keine Ahnung, was "Zeilen" sind.
Sollte das tatsächlich ein Zugeständnis an die Forderung nach "progressiven Geschlechterrollenkonzepten" sein, finde ich das ausgesprochen albern.
Dass es in eine Kultur so passen kann, sehe ich auch so - wie oben beschrieben. Ist dann auch ein hinreichender Grund.

Zeilen ist ein Vertipper. Muss Teilen heißen.

Wieso unterstellst Du hier ein Zugeständnis? Könnte das nicht ein Bedürfnis der Autoren sein? So jedenfalls wirkt das auf mich. Und selbst wenn es das wäre. Welches Rollenspiel/Setting macht keine Zugeständnisse, meistens aber an irgendwelche Pupsforderungen wie zum Beispiel die nach der 3W20-Probe als allein seligmachenden Regelmechanismus, da fände ich ein Zugeständnis in diesem Punkt -- und wie gesagt, ich halte es nicht für ein solches -- zur Abwechslung mal ganz erfrischend und willkommen. Was daran albern sein soll, erschließt sich mir nicht.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: felixs am 27.02.2019 | 16:51
Was daran albern sein soll, erschließt sich mir nicht.

Albern ist der Versuch, realweltliche Probleme im Rollenspiel zu lösen. Albern ist es, ethische Urteile über realweltliche Zustände auf Rollenspiele zu übertragen.

Wie genau es in dem von Dir zitierten Material ist, weiß ich nicht, weil ich das nicht kenne.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Chiarina am 27.02.2019 | 22:20
Ich will die Gelegenheit nutzen und noch eine kleine Abenteuerszene Montgomerys wiedergeben. Dann habe ich dargestellt, worüber ich mich freue, mehr liegt gar nicht in meinem Interesse. Es handelt sich um die einzige Szene in Montgomerys „Six seasons in Sartar“ Kampagne, in der der „Nandan“, der Mann mit der Erdrune, der mit dem Schmied Harvarr verheiratet ist, ins Rampenlicht tritt. In der Kampagne ist es so, dass eine Spielerfigur in der Schmiede aufgewachsen ist. Seine Kindheit und Jugend über hat er also zwei Väter gehabt: den Schmied Harvarr und dessen Ehemann Affar, den besagten „Nandan“ eben.

Drei Abenteuer lang hat sich der Jugendliche mit einer Gruppe Gleichaltriger auf eigene Faust um den Clan bemüht. Sie haben Erfolge erzielt, sich manchmal aber auch unnötig in große Gefahr gebracht. Es gab deswegen ein paar kleinere Bestrafungen, im Allgemeinen ist das Ansehen der Jugendlichen im Clan aber gestiegen. Nur die Spielerfigur, die in der Schmiede großgeworden ist, hat unverhältnismäßig viel Ärger bekommen. Harvarr war jedesmal sehr streng zu dem ungehorsamen Knaben.

Im vierten Abenteuer besucht eine Gruppe von Widerstandskämpfern gegen die Besatzungsmacht des lunaren Imperiums das Tal und verlangt, von den Jugendlichen zu einem alten Tempel gebracht zu werden, der versteckt in den Bergen liegt, den die Jugendlichen aber in einem ihrer vergangenen Abenteuer entdeckt haben. Bevor es losgeht, kommt es in der Schmiede zu folgender Szene:

Zitat von: Andrew Logan Montgomery: Six seasons in Sartar,
„Am Abend schaut der Schmied Harvarr beim Abendessen seinen Sohn an. Seit den Ereignissen im Herbst haben Vater und Sohn kaum mehr miteinander geredet, das Erscheinen der Rebellen hat ihn allerdings tief getroffen. Eindeutig macht er sich Sorgen. Ist die Abreise der Kinder mit den Rebellen vereinbart worden, merkt man ihm an, wie unwohl ihm bei der Vorstellung ist, das Leben seines Sohnes in ihre Hände zu geben.

“Diese Leute sind gefährlich”, sagt er plötzlich, während er sein Messer auf den Tisch legt. „Ich habe sie mir genau angesehen. Für die Befreiung des Königreichs schrecken sie vor nichts zurück... und ihre Mitmenschen haben die Angewohnheit für ihre Anliegen ihr Leben hinzugeben.“

Damit erhebt sich der Schmied wütend vom Tisch uns stürmt aus dem Haus. „Lass´ ihn gehen“, sagt Affar zu seinem Sohn. “Er sorgt sich um dich... wie er es immer tut.”

Die Szene sollte ausgespielt werden, denn Affar hat sich entschieden, der Spielerfigur nun die Wahrheit zu erzählen. „In letzter Zeit hatte ich den Eindruck, dass Harvarr deinen Zorn fürchtet. Und ich denke, du solltest langsam den Grund dafür erfahren. Natürlich ist dir klar, dass du nicht mein leiblicher Sohn bist, auch Harvarrs Kind bist du nicht. Trotzdem fließt sein Blut in dir... sein liebstes Blut. Deine Mutter war Harvarrs Schwester.“

Affar entkorkt eine Flasche Wein und gießt sich und der Spielerfigur ein Glas ein. “Sie war eine Schönheit, deine Mutter... aber auch ein zerbrechliches Wesen. Ein empfindliches Wesen. Harvarr hat ständig versucht sie zu beschützen. Er hat sie vor der ganzen Welt beschützt. Aber als Kühnheim fiel, ist mit ihm irgendetwas geschehen. Sein Vater hatte eine Schmiede, die er nie übernehmen wollte. Harvarr wollte Krieger werden. Nach diesem schlimmen Tag in Kühnheim hat er sich dann allerdings sein Schwert geschnappt und ist zur Zwergenmine gezogen, wo er so lange vor dem Eingang gelagert hat, bis die Zwerge sich dazu bereit erklärt haben, ihm das Schmieden beizubringen.

Während er fort war, ist es geschehen. Seine Schwester – deine Mutter also – wurde vergewaltigt. Nach der Tat war ihr Geist verwirrt. Sie konnte über ihren Angreifer nicht sprechen und summte und trällerte nur noch vor sich hin. Als Harvarr davon erfuhr, kehrte er sofort zurück. Er opferte alle Rinder um über Wahrsagungen den Angreifer in Erfahrung zu bringen. Er schwor auch, den Täter umzubringen. Trotzdem erhielt er mehrfach dieselbe Antwort: Die Götter konnten nicht erkennen, wer das getan hat. Sie konnten es nicht erkennen! Harvarr wusste zunächst gar nicht, dass so etwas überhaupt möglich war.

Gordangar [der Häuptling des Clans] hatte zu der Zeit einen Gefolgsmann mit nach Hause gebracht. Es war der Gauner Keladon Blauauge. Wenn die Tat irgendjemandem zuzutrauen gewesen wäre, dann sicherlich Keladons Gott Eurmal [dem Gott der Gauner und Narren]. Harvarr hatte immer ihn im Verdacht, aber er konnte es nie beweisen. Es nagt noch heute an ihm.

Nach deiner Geburt nahm sich deine Mutter das Leben. Wir nahmen dich. Harvarr schwur, dich zu einem aufrechten und geradlinigen Mann zu erziehen. Er fürchtete, das Blut des Gauners Keladon könne in dir fließen. Er liebte dich, wollte aber nicht, dass du so wirst, wie der Mann, den er verdächtigte dein Vater zu sein. Diesen Teil deines Wesens hätte er am liebsten im Keim erstickt. Aus diesem Grund trifft es ihn immer so hart, wenn du ungehorsam bist. In meinen Augen müssen alle Jungen deines Alters ungehorsam sein. Auch Orlanth [der Sturmgott] soll ungehorsam gewesen sein. Harvarr aber sieht darin nur die Tricks eines Gauners wie Keladon.“

Als ich diese Szene gelesen habe, war ich so angerührt, wie schon sehr lange von Fantasy nicht mehr. Warum das? Ich glaube, das liegt erstmal daran, dass ich diese Art von Szenen ganz gut kenne: ich kenne den Jugendlichen, der darauf brennt, das Elternhaus zu verlassen und auf eigenen Beinen zu stehen. Ich kenne auch den ängstlichen Vater, der schlecht loslassen kann und aus Hilflosigkeit manchmal unüberlegt und aus dem Affekt heraus reagiert. Und ich weiß auch, dass es in solchen Momenten gut ist, wenn jemand wie Affar da ist, der einfach ein Gespür für den richtigen Augenblick hat und mit großer Empathie ein Gespräch beginnt.

Aber ich mag die Szene noch aus anderen Gründen: Ich finde diesen Knaben mit den beiden Vätern, der hier von seinen wahren Eltern erfährt, eine bezaubernde Idee. Und die Darstellung Affars hat mich sehr für sich eingenommen. Hier gibt es einen Mann, der zwar anders ist, aber auch er tut das, was er am besten kann, um Clan, Familie und Hausfrieden zu bewahren. Am meisten beeindruckt hat mich, wie natürlich und selbstverständlich und ohne großes Aufheben er dargestellt wird. Das empfinde ich als Stärke des Textes. Er zeigt, wie selbstverständlich die Existenz solcher Menschen auf Glorantha ist. Niemand muss darum ein großes Wesen machen.

Ich übrigens auch nicht.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 28.02.2019 | 13:29
Albern ist der Versuch, realweltliche Probleme im Rollenspiel zu lösen. Albern ist es, ethische Urteile über realweltliche Zustände auf Rollenspiele zu übertragen.

Und weil ich beides eigentlich vollkommen normal und gebräuchlich finde (es wird selbst dann, wenn auch quasi "ex negativo" gemacht, wenn man zum Beispiel in Warhammer einen fanatischen Hexenjäger oder bei Fiasko einen Schrebergartennazi spielt), erschließt sich mir nicht, wieso es albern sein sollte, es sei denn, man definiert die ganze Rollenspielerei von vornherein als albern ... Ich habe es bisher fast nie erlebt, dass Spieler nicht ihre ethischen Urteile, die sie aufgrund ihrer Erfahrungen und Überzeugungen im RL gewonnen haben, in irgendeiner Form aufs Rollenspiel projizieren, und sei es, in dem sie ihre Chars bewusst konträr zu ihnen handeln lassen.

Auf die vier Geschlechter und sechs Geschlechterrollen bei den Orlanthi wird im RQ:G Grundregelwerk hingewiesen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: D. Athair am 14.03.2019 | 00:42
Albern ist der Versuch, realweltliche Probleme im Rollenspiel zu lösen. Albern ist es, ethische Urteile über realweltliche Zustände auf Rollenspiele zu übertragen.
Nur mal zu den Kontexten: Greg Stafford war u.a. (Neo-)Schamane.
Schamanische Vorstellungen spielen in der bronzezeitlichen Welt von Glorantha eine Rolle.
Nicht ohne Grund war also Animismus ein Magiesystem, das in RuneQuest selbstverständlich dabei war. Es war auch eines, das mit besonderer Sorgfalt formuliert wurde. Jedenfalls kam es mir immer so vor. Wenige andere Rollenspiele hatten animistische Konzepte und Magie überhaupt auf dem Schirm und in wenigen anderen Spielwelten spielen sie eine so große Rolle wie in Glorantha.

Weiter zu den Vorbildern:
Kulturelle Konzepte wie die Zweigeschlechter-Ordnung sind nicht universal und gerade in Stammeskulturen waren sie nicht so verbreitet. Die Two-Spirits der nordamerikanischen Indianer waren effektiv ein drittes Geschlecht (oft auch mit abweichender sexueller Orientierung verbunden) und hatten Funktionen von Schamanen, Sozialarbeitern, usw. Vermittelnde Rollen eben. Zwischen natürlicher und übernatürlicher Welt, zwischen männlich und weiblich. Ähnliche nicht streng binäre Konzepte von Geschlechtlichkeit gab es überall auf der Welt.

Wenn man unbedingt eine politische Geschichte draus machen will, dann sollte man auch wissen, dass Two-Spirits im wahrsten Sinne des Wortes, die ersten Opfer der europäischen Kolonisation Nordamerikas durch Siedler, religiöse und politische Abweichler und Missionare waren. Man sollte auch die kulturgeschichtlichen Hintergrüde unserer Vorstellungen kennen: Ursprünge davon liegen in der israelitischen Religion. Die Verfolgung und erlittene Fremdvölker-Herrschaft der Israeliten und Judäer, die kultischen Sexualpraktiken mit denen sie gerade in der babylonischen Gefangenschaft konfrontiert waren, haben die hebräischen Völker - auch mit Angst um das Überleben als Volk - zu einer Reduktion von Geschlechtlichkeit auf Reproduktion und cis-hetersexuelle Normen gebracht. Durchgesetzt wurde das in der joschianischen Kultreform. (Von der Rückkehr aus dem Exil waren dabei auch Eunuchen wie der Prophet Daniel ausgeschlossen). Diese geschlechtlichen Vorstellungen wurden dann - in der Folge - in allen drei abrahamitischen Religionen tradiert. Nicht immer ungebrochen. Und ich glaube es wäre vermessen zu behaupten, dass unser Verständnis von Geschlechtlichkeit keine Bezüge mehr zu den drei großen monotheistischen Religionen haben. Die Tradierung sehe ich auch dadurch begünstigt, dass cis und hetero einfach auch legitime Identitäten von Bevölkerungsmehrheiten sind.

Zurück zu Glorantha:
Das Setting orientiert sich nicht am Mittelalter und auch nicht an anderen abrahamitisch geprägten Realwelt-Referenzen. Jedenfalls nicht überwiegend. Damit sollte doch klar sein, dass die entsprechenden Setzungen und Vorstellungen in Bezug auf Geschlechtlichkeit auch nicht oder deutlich weniger vertreten sind. Schon gar nicht als unhinterfragte Selbstverständlichkeiten.  Glorantha bezieht sich auf die Wirklichkeiten wie es sie in Stammeskulturen gab. Entsprechend sind vielfältigere Konzepte von Geschlechtlichkeit zu erwarten.


Ich hoffe, das kann hier so stehen bleiben. Ich finds an der Stelle aber wichtig auf die weltenbauerischen Bezüge einzugehen, weil ich die Vermutung einer nachträglich eingeführten Agenda für völlig fehlplatziert halte. Gleichzeitig fände ich aber auch eine politische Vereinnahmung von Glorantha nicht gut.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Chiarina am 14.03.2019 | 06:10
Hier übrigens die einschlägigste Quelle für "Nandan", die ich finden konnte (aus Staffords "The Book of Heortling Mythologies", S. 156):

Zitat
Nandan
Nandan is called “The Housekeeper.”
Nandan  was  just  one  of  many  nameless  lesser  gods  in  the tribe until Vinga one day got all her women and went to war.  The  children  starved,  got  ill  and  wore  filthy  rags  until  Nandan  stepped  in  to  fill  the  gap.  Since  that  time  Ernalda  has chosen some men, and they follow Nandan to be in her cult.
Nandan has his place in Ernalda’s Loom House as one of the Weaver Women.
Nandan  is  the  god  worshipped  by  women  who  are  born in the shape of men. Many people cannot understand this,  and  so  believe  that  it  is  the  cult  of  men  who  do  women’s work. Nandan is the aspect of Ernalda Allmother that  allows  men  to  join  any  of  the  subcults  of  the  Ernalda  and Esrola.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Mithras am 2.04.2019 | 09:53
Ab wann soll denn das Glorantha Grundregelwerk auf deutsch erhältlich sein? Und gibt es ein Crowdfunding vorher dazu? Nachdem ich den Schnellstarter gelesen habe bin ich vom Setting bisher recht angetan.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 2.04.2019 | 10:03
Im Sommer soll es ein Crowdfunding geben, das Buch erscheint ca. im Herbst/Jahresende. So wurde das hierzuforum von Uhrwerk kommuniziert.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Gbaji am 2.04.2019 | 11:56
Zitat
Nachdem ich den Schnellstarter gelesen habe bin ich vom Setting bisher recht angetan.

Witzig, dass du sagst. Denn wegen des Settings Glorantha wird niemand den Schnellstarter lesen oder das deutsche RQG-Grundregelwerk kaufen.
Diese liest und kauft man wegen der Regeln.

Wer sich für das Setting Glorantha interessiert, wird eher die Settingbücher kaufen, das ganze HeroQuest/Herowars-Material, den GuideToGlorantha, die ganzen Fanzines, sich im Glorantha-Forum (engl.) bewegen et cetera. Also wegen des Settings muss niemand auf die deutsche Übersetzung warten.

Wenn man sich die Glorantha-Fanbase anschaut, dann ist die Sorte, die wegen Glorantha nun das neue RQG spielt, in der Minderzahl. Der Großteil der Settingfans hat mit RuneQuest kaum etwas zu tun, sondern spielt HeroQuest oder nutzt ganz andere Systeme. Viele sind auch keine Rollenspieler, sondern befassen sich eher aus vulgärgeisteswissenschaftlicher bzw. historisch-archäologischer Perspektive damit.

Im Schnellstarter stehen zum Setting ein paar Halbsätze, und im Grundregelwerk findest Du zum Setting auch eher Teaser, da der Schwerpunkt darauf liegt, RuneQuest in Glorantha zu spielen; wie der Name schon sagt.

Wer sich für das Setting interessiert, der greift eher auf die tausende Seiten Settingmaterial zurück, die es schon gibt. Anstatt nun auf das Grundregelwerk auf Deutsch zu warten.

Wäre deine Aussage gewesen "Wann kommt das Grundregelwerk auf Deutsch? Habe den Schnellstarter gelesen und bin total von den Regeln begeistert und das Setting ist gut", ja dann macht deine Frage Sinn und dann kann man dir auch RuneQuest:Glorantha wärmstens empfehlen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 2.04.2019 | 12:21
Du sprichst aus der Sicht eines Settingfans und -kenners. Es mag Dir schwerfallen, Dich in Leute hineinzuversetzen, die von Glorantha noch gar nichts wissen und noch nicht ahnen, was sich abseits des Colymar-Stamms und seiner gestohlenen Kühe in Glorantha noch so tut. Der Quicksarter wie auch das GRW bieten die ersten Kostproben, die Leute brauchen, um überhaupt mal ein Interesse für Glorantha zu entwickeln. Ich denke, die Situation für Neueinsteiger in der derzeitigen Situation, was RQG angeht, ist ähnlich wie Ende der 70er. Im GRW war damals ja auch nicht viel drin, erst mit den beiden Cult-Büchern hat dann das Setting etwas Fleisch auf die Rippen bekommen. Und trotzdem hat das spärliche Material damals gereicht, Leute auf Glorantha anzufixen. Und so kann das heute mit GRW und Quickstart doch auch sein. Und bevor sich jemand den deutschen -- eigentlich darf man den gar nicht so nennen, das ist irgendwas, bloß kein Deutsch -- Glorantha-Band zu Hero Wars antut, empfehle ich dringend, sich lieber mit den Infos im GRW zu begnügen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Leonidas am 2.04.2019 | 14:23
Ich habe jetzt ein bisschen im englischsprachigen RQ-Roleplaying in Glorantha und im Glorantha Sourcebook geschmökert, aber irgendwie will der Funke noch nicht recht zünden. Dieser Schwerpunkt auf Mythen&Götter, wie findet der sich denn konkret am Spieltisch wieder? Könnt ihr exemplarisch ein herausragendes RQ-Abenteuer empfehlen?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 2.04.2019 | 17:34
Ich habe jetzt ein bisschen im englischsprachigen RQ-Roleplaying in Glorantha und im Glorantha Sourcebook geschmökert, aber irgendwie will der Funke noch nicht recht zünden. Dieser Schwerpunkt auf Mythen&Götter, wie findet der sich denn konkret am Spieltisch wieder? Könnt ihr exemplarisch ein herausragendes RQ-Abenteuer empfehlen?

Von dem Kram aus dem Glorantha Sourcebook wird sich schwerlich jemals etwas am Spieltisch wiederfinden. Ansonsten ist das Problem, dass eben schon lange keine Abenteuer für Runequest+Glorantha rausgekommen sind. Das Quickstart-Abenteuer ist ziemlich gut, und die Abenteuer im GM Pack, der morgen oder übermorgen erscheint, sollen ebenfalls gut sein, sagen etliche, die das pdf schon gelesen haben.

Ansonsten kann man nur auf ältere Sachen verweisen. Griffin Mountain gilt als legendäre Sandbox, die Abenteuer aus Sun County und Shadows over the Borderlands, die ich bisher gelesen habe, fand ich ganz gut. Im Grunde bieten die für RQ2 und RQ3 herausgegebenen Sachen für die Region um den River of Cradles am meisten so ein gloranthisches Rumabenteuern: Pavis, Bug Rubble, Borderlands, Sun County.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 2.04.2019 | 22:02
Im Gegensatz zu Gbaji finde ich schon, das in der Glorantha-Fanbase gerade RQG das System der Stunde ist. Heroquest wird kaum noch erwähnt, alle reden nur über Runequest. Vor allem da es ja auf Runequest2 basiert, das System mit dem viele mit Glorantha angefangen haben.

Ich finde auch das sich die Götter und Mythen am Spieltisch wieder finden können. Alleine schon dadurch das sich die Charaktere über die Kulte definieren, man da wundervolle Konflikte zwischen den Göttern und Pantheonen thematisieren kann und die Regeln ja auch Kulte und Runen unterstützen. Und auch die Passionen da eingreifen.

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 3.04.2019 | 09:27
Im Gegensatz zu Gbaji finde ich schon, das in der Glorantha-Fanbase gerade RQG das System der Stunde ist. Heroquest wird kaum noch erwähnt, alle reden nur über Runequest. Vor allem da es ja auf Runequest2 basiert, das System mit dem viele mit Glorantha angefangen haben.

Findest Du? Ich habe den Eindruck, dass selbst in der Runequest-Gruppe auf FB noch ziemlich viel über Heroquest gesprochen wird.

Ich finde auch das sich die Götter und Mythen am Spieltisch wieder finden können. Alleine schon dadurch das sich die Charaktere über die Kulte definieren, man da wundervolle Konflikte zwischen den Göttern und Pantheonen thematisieren kann und die Regeln ja auch Kulte und Runen unterstützen. Und auch die Passionen da eingreifen.

Hast Du das Glorantha Sourcebook gelesen? Klar, die Götter und Mythen spielen auch am Spieltisch eine wichtige Rolle, aber mehr in der Form wie sie in den alten Cults-Büchern oder später dann in der Götter-Box und in diversen Abenteuern und Regionalquellenbüchern abgehandelt wurden. Außer während einer wirklich sehr speziellen und abgehobenen Heroquest dürfte der Inhalt aus dem Glorantha Sourcebook aber wirklich extrem selten Eingang ins Spielgeschehen finden. Da stehen ja weder Riten noch Zauber noch Tempelbeschreibungen drin. Das ist ein reines philosophisch-kosmologisches Grundlagenwerk. Nur mal so ein Beispiel:

Zitat
It was Glorantha's self-awareness that began the creation of the world. Her first thoughts were the words "I am", and from that origin all subsequent reality began. This sense of self is what formed the basis for all of the divine and mortal races. The mysterious link between all of the cosmos and the Goddess Glorantha provided the balance necessary between the individual "I" and the inter-related link with the multiplicity of the cosmic "Am". Glorantha contained the dualities and was also the connecting link. Thus individuals were able to maintain their separate identity yet still remain in contact with Being and Consciousness.

Das Buch ist wirklich toll, und man erfährt bei der Lektüre viel über die Spielwelt, bekommt aber keinerlei Idee, wie Abenteuer oder auch nur das Leben auf dieser Spielwelt aussehen könnten.

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Colgrevance am 3.04.2019 | 09:33
Das Buch ist wirklich toll, und man erfährt bei der Lektüre viel über die Spielwelt, bekommt aber keinerlei Idee, wie Abenteuer oder auch nur das Leben auf dieser Spielwelt aussehen könnten.

Und genau das hält mich auch immer wieder davon ab, mich ernsthaft um eine Glorantha-Runde zu bemühen. Abgehen davon, dass ich Kaufabenteuer bequemer finde, habe ich trotz vertiefter Hintergrundlektüre bisher nur wenige konkrete Ideen, wie ich das Setting mit seinen tollen Mythen am Spieltisch stimmig und anders als "klassische", D&D-artige Fantasy rüberbringen soll.

Auch die alten Abenteuer sind da in meinen Augen nicht wirklich eine Hilfe, da sie oft eben noch sehr stark dieser klassischen Herangehensweise verhaftet sind. Die Red Cow-Kampagne wäre definitv geeignet, ist mir aber für einen ersten Anlauf einfach zu umfangreich.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Leonidas am 3.04.2019 | 09:35
Das Buch ist wirklich toll, und man erfährt bei der Lektüre viel über die Spielwelt, bekommt aber keinerlei Idee, wie Abenteuer oder auch nur das Leben auf dieser Spielwelt aussehen könnten.

Das kann ich als RQ-Glorantha-Zaungast absolut bestätigen.

Die Tiefe der Mythen-&Götterwelt hatte ich immer als die herausragendste Eigenschaft von Glorantha angenommen und dementsprechend gedacht, dass sich das Abenteuergeschehen nicht nur hintergründig darum dreht.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Chiarina am 3.04.2019 | 10:08
Für HeroQuest besteht bereits das Einführungsabenteuer aus dem Grundregelwerk aus einer Heldenqueste in die Unterwelt, bei der die Spielerfiguren einige Begegnungen mit Göttern haben. In der "Eleven Lights" Kampagne gibt es zwei Reisen in die Reiche der Götter.

Übrigens ist die ganze Auseinandersetzung mit dem Lunaren Imperium auch nichts anderes als ein auf Glorantha stattfindender Götterkrieg und die Bedeutung der Runen für die einzelne Spielerfigur spiegelt bereits ihre Verbundenheit mit der Götterwelt.

Ich habe keine Ahnung von Runequest, aber bei HeroQuest ist die Thematik absolut integriert. Auch in den Abenteuern, soweit ich sie kenne.

Ich empfehle den hervorrgenden Blog Exploring the Otherworlds of Fiction, Magic, and Gaming (http://andrewloganmontgomery.blogspot.com/2018/05/the-black-stag-heortling-tribe-for.html) von Andrew Logan Montgomery zu RuneQuest und HeroQuest. Der Mann ist Anthropologe, alter Glorantha Veteran und schreibt Abenteuer und Quellenmaterialien, die vor Mythologie nur so überquellen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 3.04.2019 | 10:15
Und genau das hält mich auch immer wieder davon ab, mich ernsthaft um eine Glorantha-Runde zu bemühen. Abgehen davon, dass ich Kaufabenteuer bequemer finde, habe ich trotz vertiefter Hintergrundlektüre bisher nur wenige konkrete Ideen, wie ich das Setting mit seinen tollen Mythen am Spieltisch stimmig und anders als "klassische", D&D-artige Fantasy rüberbringen soll.

Das GM Pack, das heute erscheint, schafft da schon mal ganz gute Abhilfe. Da ist handfestes Abenteuermaterial dabei.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Colgrevance am 3.04.2019 | 10:20
Ich habe keine Ahnung von Runequest, aber bei HeroQuest ist die Thematik absolut integriert. Auch in den Abenteuern, soweit ich sie kenne.

Ich habe leider den Eindruck, dass es auch für HeroQuest nur wenige fertige Abenteuer gibt, die nicht noch einen hohen Vorbereitungsaufwand durch die SL erfordern:


Vielleicht irre ich mich da ja auch; ich werde mir den Blog (ebenso wie das Abenteuer im Grundregelwerk) nochmal anschauen.

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Rumpel am 3.04.2019 | 10:25


Vielleicht irre ich mich da ja auch; ich werde mir den Blog (ebenso wie das Abenteuer im Grundregelwerk) nochmal anschauen.

Im GRW gibt es kein Abenteuer. Falls du das im Schnellstarter meinst: Das wurde hier ja schon mehrfach empfohlen, ich kann das auch nur unterstützen. Da werde ganz viele typische Elemente - soziale Eingebundenheit der SC, Bedeutung von Kulten, Bedeutung von Riten - sehr zugänglich und auf knappem Raum zusammengebracht.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Colgrevance am 3.04.2019 | 10:32
Im GRW gibt es kein Abenteuer. Falls du das im Schnellstarter meinst: Das wurde hier ja schon mehrfach empfohlen, ich kann das auch nur unterstützen. Da werde ganz viele typische Elemente - soziale Eingebundenheit der SC, Bedeutung von Kulten, Bedeutung von Riten - sehr zugänglich und auf knappem Raum zusammengebracht.

Sorry, ich bezog mich auf das HeroQuest Glorantha-Regelwerk, das Chiarina angesprochen hatte, nicht auf RuneQuest (GRW oder Schnellstarter).

Den RuneQuest-Schnellstarter kenne ich, das Abenteuer darin finde ich auch super! Aber das allein trägt halt nicht sehr weit... Im GM Screen Pack sind ja (wenn ich mich recht entsinne) drei Abenteuer drin (Defending Apple Lane, Cattle Raid und The Dragon of Thunder Hills), wobei ich die ersten beiden nur als Kurzszenarien ansehen würde, die hauptsächlich aus Kämpfen bestehen und das mythische Glorantha nicht so wirklich rüberbringen (wobei Cattle Raid zumindest schön einen Ausschnitt aus dem Orlanthi-Alltag einfängt). Das dritte Abenteuer habe ich mir noch nicht genauer angesehen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Chiarina am 3.04.2019 | 10:45
Zu HeroQuest:

Der Montgomery ist super. Er hat nicht nur Ahnung, er kann auch noch schreiben! Wenn es ihn nicht gäbe, hätte ich das mit HeroQuest längst aufgegeben. Seine "4 Seasons in Sartar" Mini-Kampagne befindet sich komplett in seinem Blog und sie lässt sich mit minimaler Vorbereitungszeit so spielen, wie er sie aufgeschrieben hat. Ich habe das nicht getan und seinen Blog eher als Steinbruch genutzt, möglich ist das aber auf jeden Fall.

Das Einführungsabenteuer aus dem Regelwerk ist rollenspieltechnisch gesehen etwas brav und linear - wer aber Mythologie sucht, der wird da fündig.

Die "Eleven Lights" Kampagne ist ein dicker Brocken, stimmt. Auch da spielt Mythologie aber eine größere Rolle.

Ein Gratisteil zum ´reinlesen, ein Einführungsabenteuer im Regelwerk und ein dicker Brocken für Leute mit mehr Zeit. Damit ist doch das Wichtigste eigentlich vorhanden, oder? Diese Abenteuer haben jedenfalls durchaus mythologischen Bezug.

Noch ´ne Frage an Colgrevance: Die D101 Abenteuer sind "inkonsistent"? Ich habe da bisher nur ganz kurz reingeschnuppert. Wie meinst du das denn mit "inkonsistent"?

Ist das blöd hier in dem Strang mit HeroQuest anzufangen? Ich bin immer unsicher. Wenn´s aber um Glorantha geht fühle ich mich manchmal eben auch irgendwie mit angesprochen.

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Colgrevance am 3.04.2019 | 10:57
Der Montgomery ist super. Er hat nicht nur Ahnung, er kann auch noch schreiben! Wenn es ihn nicht gäbe, hätte ich das mit HeroQuest längst aufgegeben. Seine "4 Seasons in Sartar" Mini-Kampagne befindet sich komplett in seinem Blog und sie lässt sich mit minimaler Vorbereitungszeit so spielen, wie er sie aufgeschrieben hat. Ich habe das nicht getan und seinen Blog eher als Steinbruch genutzt, möglich ist das aber auf jeden Fall.

Prima, danke für die Erläuterungen! Das hört sich in der Tat vielversprechend an.

Ein Gratisteil zum ´reinlesen, ein Einführungsabenteuer im Regelwerk und ein dicker Brocken für Leute mit mehr Zeit. Damit ist doch das Wichtigste eigentlich vorhanden, oder? Diese Abenteuer haben jedenfalls durchaus mythologischen Bezug.

Ich finde das für meinen Bedarf zu wenig, da ich gerne eine Handvoll offzieller Abenteuer nutze, um erstmal ein Gefühl für ein Setting und die darin möglichen Geschichten zu bekommen bzw. meinen Spielern zu vermitteln. Einführungsabenteuer sind mir da meist zu simpel (wobei der RuneQuest-Schnellstarter eine löbliche Ausnahe darstellt), Kampagnen aber zu komplex, und dann bleibt bei HeroQuest - und aktuell auch bei RuneQuest - schon nicht mehr viel.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Colgrevance am 3.04.2019 | 11:11
Noch ´ne Frage an Colgrevance: Die D101 Abenteuer sind "inkonsistent"? Ich habe da bisher nur ganz kurz reingeschnuppert. Wie meinst du das denn mit "inkonsistent"?

Ich meine die beiden Ausgaben Gloranthan Adventures: New Beginnings und Red Sun Rising für HeroQuest.

Beide enthalten jeweils vier Abenteuer, die eine Mini-Kampagne bilden. Die Abenteuerhintergründe sind dabei aber für Glorantha-Neulinge nur schwer zu durchschauen, und die vorgegebenen Handlungen bauen (vielleicht auch deshalb) in meinen Augen oft nicht logisch bzw. plausibel aufeinander auf. Das führt m. M. n. dazu, dass die Handlungsfäden wie geschrieben nur durch striktes Railroading der SL einzuhalten sind, und für ein offeneres Spiel enthalten die Bände zu wenig Futter.

Ein Beispiel im Spoilerkasten.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Gbaji am 3.04.2019 | 11:15
Das mit den ganzen Mythen ist bei den Glorantha-Rollenspielen wohl ein Missverständnis.
Bezogen auf RuneQuest ist es hier so, dass RQ2 und auch RQ3 eher DnD-mäßig unterwegs waren: die Kulte waren sowas wie DnD-Klassen. Die Abenteuer waren DungeonCrawls in der postapokalyptischen Ödnis von Prax, dem Megadungeon Rubble. Es waren Sandbox-Kampagnen wie "Griffin Mountain" oder "Borderlands", wie es sie auch in DnD gegeben hätte.
Der Unterschied zu DnD: Die RuneQuest-Kampagnen und auch die Abenteuer waren sophisticated, voller Ideen, die alles überstiegen, was DnD damals gemacht hatte, und auch heute noch im Grunde alle Settings in die Tasche stecken.
Mythologie?
Nee. Die Charaktere laufen durch die Welt, erledigen Aufträge, looten sich durch das Setting, kämpfen gegen Monster und "leveln" sich durch Gilden und Kulte als Trainer langsam hoch. Um die Rune-Levels zu erreichen. Es ging dabei auch viel um Exploring, unbekannte Gebiete sollten kartografiert werden unsoweiter.

Später kam dann mit HeroQuest ein anderer Ansatz. Hier kam dann das, was ihr mit "mythologischen Abenteuern" meint. Das Konzept der Heroquest, die ganzen Verwicklungen zwischen mundaner Welt und spiritueller Welt. Die Kampagnen und auch die Szenarien drehen sich um den Clan, den Stamm, das Verhältnis zu den Göttern, um Heroquesten.
Kein Wunder, dass alles Material aus HeroQuest und auch die IanCooper-Kampagne "Red Cow" voll davon sind, und auch HQG (Grundregelwerk) am Ende ein solches Szenario drin hat.

Nun gibt es RQG, und wir sind wieder am Ursprung, nämlich bei RuneQuest:Glorantha. Deshalb sind die Szenarien, die bisher erschienen weniger wie bei HeroQuest sondern eher so wie bei RQII und RQIII. Die Charaktere sind Adventurer (!) und können die Colymar Lands als Sandbox erkunden, in Dungeons einsteigen, auf Monster treffen.
Natürlich gibt es auch soziale Verwicklungen mit den Machthabern des Gebietes, aber so war das auch schon im legendären "Griffin Mountain" von 1981, der ersten echten Sandbox, die jemals für ein RPG erschien.

Das, was hier mit "mythologischen Abenteuern", also wie bei HeroQuest, gemeint ist, taucht in RQG momentan noch gar nicht auf, weil das auch nie der Spielfokus von RQ gewesen ist.
Allerdings wird es später wichtiger, wenn im Gamemaster's Guide die Regeln fürs Heroquesten drin sind. Dann kann man auch mit RQG mythologische Abenteuer spielen.

Aber die RQ-Linie von Glorantha war eher der (abgefahrene) Exploring/Dungeon/Adventurer-Path, und die HeroQuest-Linie befasste sich mit dem "Schwerpunkt: Mythologie".
Deshalb verwundert es auch nicht, dass der Großteil der Glorantha-Fans mit RuneQuest kaum was am Hut haben und eher HeroQuest spielen. Und dass Leute wie Montgomery HeroQuest-Szenarien schreiben und keine RuneQuest-Szenarien.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 3.04.2019 | 13:16
Ich finde das für meinen Bedarf zu wenig, da ich gerne eine Handvoll offzieller Abenteuer nutze, um erstmal ein Gefühl für ein Setting und die darin möglichen Geschichten zu bekommen bzw. meinen Spielern zu vermitteln. Einführungsabenteuer sind mir da meist zu simpel (wobei der RuneQuest-Schnellstarter eine löbliche Ausnahe darstellt), Kampagnen aber zu komplex, und dann bleibt bei HeroQuest - und aktuell auch bei RuneQuest - schon nicht mehr viel.

In Pavis: Gateway to Adventure und  dem Sartar Companion sind ziemlich handfeste Abenteuer drin, so weit ich das überflogen habe. Die knüpfen oft auch eher an die alten RQ-Sachen an und sind nicht gleich so krass mythisch.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Rumpel am 3.04.2019 | 13:37
Gbaji:
Ich verbinde (bisher) mit der mythischen Qualität von Glorantha gar nicht so sehr die HeroQuests oder so, sondern lediglich das starke Gewicht, dass die Mythologie im Welt-Alltag hat. Das kommt für mich in der Runde, ich der ich spiele, schon sehr schön rüber. Ob man dann vor dem Hintergrund in Dungeons marschiert oder eben Geistreisen macht, finde ich dabei gar nicht so entscheidend. Entscheidend ist, dass Kulte mit ihren jeweiligen Lehren allgegenwärtig sind, und dass alle Formen von Magie sehr eng mit der Mythologie und den Gottheiten Gloranthas verknüpft sind.

Wir Abenteurern mit RQ:RiG auch eigentlich relativ normal rum, aber es kommt schon noch mal eine kleine Dimension um Götter und Politik (die ja auf Glorantha auch sehr göttergebunden ist) dazu, die ich so nicht unbedingt gewohnt bin.

Hängt aber dann sicher auch vom SL-Stil und dem jeweiligen Gruppenschwerpunkt ab.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 3.04.2019 | 16:23
Findest Du? Ich habe den Eindruck, dass selbst in der Runequest-Gruppe auf FB noch ziemlich viel über Heroquest gesprochen wird.

Da bin ich auch drinnen, und finde das eigentlich nicht. Da schreiben doch mehr über ihre Runequest-Spiele und über die Regeln als über Heroquest.

Wer bist du denn dort ?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 3.04.2019 | 16:32
@Gbaji:

Als ich in den 90ern Runequest kennenlernte, was es für mich eine offenbarung. Für mich war es nie wie DnD, nur das man dort die Kulte statt der Klassen hatte, für mich gehörte zum Spielen damit nämlich immer dazu, das man den Kult auch verkörperte und sich an dessen Regeln hielt. Ähnlich wie die Disziplinen später bei Earthdawn.

Wenn man sich nicht an die GEbote des Kultes hielt, kommen die Spirits of Retribution und der Gott entzieht einem mal schnell die Magier.

Abenteuerer wären für mich auch keine herummarodierenden Mörderhobis wie bei DnD gewesen, sondern schon damals Mitglieder einer Gemeinschaft, die als Basis für die Abenteuer dient.

Und der dominierende Konflikt zwischen dem Drachenpass und dem Lunaren Imperium, der ja auch ein mystischer ist,  hätte bei mir die Hauptrole gespielt.

Die Kulte waren für mich immer die Handlungsweisen der SCs bestimmende Faktor gewesen und weniger Inhalt der Abenteuer.

Und das ein Buch über die Heldenquesten seit 30 Jahren angekündigt war, weißt du ja sicher.

Interessant ist auch, das ja die sehr DnDartige 13th Age Version schon Regeln für Heldenquesten enthält.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Mithras am 3.04.2019 | 16:43
Also die Regeln von Runequest sind mir persönlich mehr oder weniger wichtig, ich habe mein favorisiertes W100 System mit Hârnmaster gefunden und deshalb ist für mich nur der Hintergrund interessant! Die Einbindung in Götterkulte und das soziale Umfeld finde ich spannend, aber das "Setting steckt" beileibe nicht "alle anderen in die Tasche"! Wenn man sich mal Hârnworld ansieht zum Vergleich mit dem ausgearbeiteten Hintergrund oder Artesia (ebenso einbindung der Kulte und Kulturen!) erkennt man das Glorantha vielleicht einen Altersvorsprung hat, aber nicht zwingend einen in Qualität!
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Gbaji am 3.04.2019 | 16:46
aber das "Setting steckt" beileibe nicht "alle anderen in die Tasche"! Wenn man sich mal Hârnworld ansieht zum Vergleich mit dem ausgearbeiteten Hintergrund oder Artesia (ebenso einbindung der Kulte und Kulturen!) erkennt man das Glorantha vielleicht einen Altersvorsprung hat, aber nicht zwingend einen in Qualität!

schreibt jemand, der von Glorantha zwei Absätze aus dem Schnellstarter kennt
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Mithras am 3.04.2019 | 17:02
@Gbaji: kennst du Hârnworld und Artesia? Und die Regeln sind mir persönlich egal, habe ich ja geschrieben! Du behauptest das ich mich quasi (wie die meisten Spieler) unbedingt für die Regeln beigeistern muss von Runequest! Ich hatte den Thread eröffnet mit dem Titel: "Erzählt mir von Glorantha" weil ich was zur Welt wissen wollte und nicht "Erzählt mir was zu den Regeln". Also: Runequest als Regelsystem ist für mich nicht die erste Wahl, W100 Cthulhu ist OK, W100 Hârnmaster ist genau mein Ding, Runequest ist für mich uninteressant! Ich habe Warhamemr Fantasy auch mit Hârnmaster Regeln geleitet und nicht mit dem Originalregelwerk und werde es wieder so handhaben. Conan habe ich so gespielt.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 3.04.2019 | 17:28
Artesia ist wie viele Settings direkt von Glorantha inspiriert.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Mithras am 3.04.2019 | 17:40
Zitat
Artesia ist wie viele Settings direkt von Glorantha inspiriert.

Nachdem ich den Schnellstarter gelesen habe, dachte ich das auch. Dieser Aspekt mit den Götterkulten und der Einbindung der Charaktere ins soziale Umfeld gefällt mir sehr gut, mich stören solche Sachen wie Enten und Bisonreiter, Antilopenreiter finde ich auch sehr Gewöhnungsbedürftig!
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Xemides am 3.04.2019 | 17:55
Das ist Fakt. Ob es Elemente in einer Welt gibt die einem nicht gefallen. Inspiration bedeutet ja nicht, das man alles 1:1 übernimmt. Auch die Alte Welt hatte seine gloranthischen Einflüsse (siehe Tiermenschen).

Die Enten werden immer wieder aufgeführt. Dabei kann man die nun wirklich komplett ignorieren. Und die Tierreiter sind gar nicht so ungewöhnlich.

In Nepal reitet man bis heute auf Yaks.

Wie mir gerade Wiki mitteilt ist Antilope eine Sammelbezeichnung für Wildlebende Hornträger Afrikas und gar keine Tierart. Aber was ist an der Vorstellung auf ihnen reitender Primitiver so schlimm ? Die Morokanthen finde ich da viel schräger.

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Chiarina am 31.08.2019 | 01:37
Hallo.
Ich brauche ein paar Ideen für eine HeroQuest Spielerin, die auf Glorantha eine Metzgerin in Sartar spielen will.
1. Gibt es den Beruf überhaupt (in Sartar)? Oder gehört das Schlachten von Tieren in die Aufgabenbereiche der Jäger und Viehzüchter?
2. Waha, the butcher... warum heißt der Gott so? Gibt es da Informationen, die auch für Sartar von Belang sind, oder gehört das eindeutig nach Prax?
3. An einigen Stellen habe ich über den "Peaceful cut" gelesen... irgendsoeine besondere Art des Schlachtens, die Jäger praktizieren. Was hat es damit auf sich? Ich werde nicht ganz schlau. Sind es allein Jäger, die den "peaceful cut" praktizieren? Wird der "peaceful cut" nur in Prax praktiziert?
4. Wenn es in Sartar keine Metzger geben sollte... habt ihr einen attraktiven Alternativvorschlag für die Spielerin?
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Prinz Slasar am 31.08.2019 | 02:23
Hallo.
Ich brauche ein paar Ideen für eine HeroQuest Spielerin, die auf Glorantha eine Metzgerin in Sartar spielen will.
1. Gibt es den Beruf überhaupt (in Sartar)? Oder gehört das Schlachten von Tieren in die Aufgabenbereiche der Jäger und Viehzüchter?
2. Waha, the butcher... warum heißt der Gott so? Gibt es da Informationen, die auch für Sartar von Belang sind, oder gehört das eindeutig nach Prax?
3. An einigen Stellen habe ich über den "Peaceful cut" gelesen... irgendsoeine besondere Art des Schlachtens, die Jäger praktizieren. Was hat es damit auf sich? Ich werde nicht ganz schlau. Sind es allein Jäger, die den "peaceful cut" praktizieren? Wird der "peaceful cut" nur in Prax praktiziert?
4. Wenn es in Sartar keine Metzger geben sollte... habt ihr einen attraktiven Alternativvorschlag für die Spielerin?

1. Ja gibt es. Es gibt in Jonstown sogar eine Schlachtergilde [Sartar Companion, S. 18-19].  Ein Gildensystem gibt es in weiteren Städten: Wilmskirk, Swenstown, Boldhome und Duck Point. Hier wird es weitere Schlachtergilden geben. - Außerhalb dieser urbanen Zentren, auf dem Clanland, sieht es anders aus. Es gibt einige Berufe, die mit dieser Tätigkeit betraut sind. Das sind in Sartar vor allem die Jäger. Viehzüchter/-hirten gehören auch dazu. Die Tätigkeit des Schlachtens kann prinzipiell von jedem Sartariten beherrscht werden. Für die meisten dürfte es untypisch sein, sofern sie nicht aus einer der besagten Berufsgruppen stammen.
2. Ganz knapp: Bei den Sartariten gilt Waha als Orlanths Bruder, d.h. diese praxianische Gottheit ist in die sartaritische Religion einbezogen. Bei den Sartariten wird Waha "the butcher" genannt, weil dies seine Aufgabe ist, sozusagen der Schirmherr der Schlachtungen. Der Grund liegt in der praxianischen Mythologie Wahas begründet. Waha hatte einst den Menschen [von Prax] gezeigt, wie sie Tiere rituell schlachten können, um die Geister der Geschlachteten friedvoll zur Reinkarnation zu ermächtigen. Wer auf andere Art ein Tier schlachtet, riskiert, dass der Tiergeist nicht reinkarniert, und das kann böse Folgen für eine nomadische, primitive Kultur haben. Dieses Konzept haben die Sartariten übernommen.  - Beachte vor allem, dass für die sartaritischen Jäger der Odayla-Kult in bezug auf das Tierschlachten die Rolle von Waha übernimmt. 
3. Der Peaceful Cut ist in Glorantha das Synonym für das Schlachten. Das heißt, in der animistischen Glorantha-Welt, in der alles beseelt ist, wird jede Schlachtung zur heiligen Zeremonie. - Natürlich sind Jäger und sonstige Berufe, die mit der Tätigkeit der Schlachtung zu tun haben, vor allem damit betraut. - Prax ist insofern eine Besonderheit, als dass hier der Peaceful Cut besonders stark in der Kultur verankert ist. Man könnte sagen, für die Praxianer ist die Schlachtung erhabener als in anderen Kulturen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Chiarina am 31.08.2019 | 10:12
Das war super! Vielen Dank, Prinz Slasar!
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: jorganos am 31.08.2019 | 11:32
Hallo.
Ich brauche ein paar Ideen für eine HeroQuest Spielerin, die auf Glorantha eine Metzgerin in Sartar spielen will.
Interessante Idee, das erste Mal, dass mir sowas unterkommt.

In welchem sartaritischen Zusammenhang willst du diese Metzgerin spielen?

Zunächst einmal sind die meisten "Berufe", bei denen es um das Töten geht, männlich besetzt. Allerdings sind Frauen, die in eine Männer-Domäne eindringen, bei den Orlanthi an der Tagesordnung, soweit also wenig Probleme.

1. Gibt es den Beruf überhaupt (in Sartar)? Oder gehört das Schlachten von Tieren in die Aufgabenbereiche der Jäger und Viehzüchter?
Wie PrinzSlasar schon ausgeführt hat, gibt es in den Städten Fachleute für das Schlachten von Tieren und dem Zubereiten und Konservieren der Schlachtprodukte. Neben Fleisch und Blut sind da auch Talg, Knochen, Sehnen, Hörner und Häute zu nennen, die alle ihre Abnehmer haben.

Der Hauptbestandteil der sartaritischen Ernährung besteht wohl aus Getreide, mit Milchprodukten und Eiern als wesentlichem Eiweiß-Lieferanten. Ochsen werden in erster Linie als Zugtiere für Pflüge und Karren gebraucht und eigentlich weniger als Schlachtvieh.

Der Fleisch- und Milchanteil der Ernährung steigt in dem Maße, in dem die Vieh-Haltung den Ackerbau überschattet.  Bei den Colymar gibt es einige Clans, die recht wenig Ackerbau aber sehr viel Viehzucht betreiben, wie der Schwarzspeer-Clan (die Annmagarn). Auch Kriegsclans wie die Varmandi ernähren sich in stärkerem Maße von Tieren, sei es von geraubten oder von als Sold erhaltenen.

Ein beträchtlicher Teil des konsumierten Fleischs stammt von den ziemlich regelmäßig stattfindenden Opferfesten, bei denen bestimmte (oft nach ihrem Aussehen selektierte) Tiere geschlachtet werden. Bei diesen Opferhandlungen wird das Blut dann oft als die magische Komponente des Opfertiers gehandhabt und zur Segnung der angetretenen Gemeinde verwendet, bevor dann das zerlegte Opfertier in die Kessel wandert. (Fleischfondue statt Spießbraten...)  Bestimmte Organe mögen verbrannt werden.

Für die Metzger sind solche Opferfeste Arbeitstage. Ob sie die Tötung der den Göttern (oder Ahnen) geweihten Opfertiere vornehmen, kann ich nicht mit Bestimmtheit sagen - der Vorgang der Opferung beinhaltet eine andere Magie als die des Friedvollen Schnitts (Peaceful Cut). Aber wo die Metzger-Fähigkeiten gefragt sind, ist das Zerlegen der Tiere, und die Gewinnung nicht nur des Fleischs, sondern auch der anderen genannten Komponenten.

Organe bzw. deren Inhalt sind z.B. bei Gerbern und Kürschnern gefragt.

Neben dem rituellen Schlachten gibt es auch das kommerzielle Schlachten, und dies liegt komplett in der Hand der Metzger. Neben der Fleischgewinnung spielen da viele kommerzielle Interessen mit hinein, das Fleisch kann zum lukrativen Nebenprodukt werden.

Kälber werden geschlachtet, um das Lab für die Käseproduktion zu erhalten. Die Häute von Kälbern eignen sich zur Herstellung von Pergament oder als Fenstermaterial. In der Regel werden hauptsächlich Bullenkälber geschlachtet, da jede überlebende Färse zur Vermehrung und Milchproduktion herangezogen wird.

Orte mit Lederproduktion haben einen stetigen Bedarf an Rohmaterial. Nicht nur Häute, auch Gerbstoffe (z.B. Galle, Hirn) oder Sehnen. Hufe werden zu Leim verkocht, Hörner und Knochen dienen Schnitzern als Rohmaterial (z.B. für Kämme, sei es für menschliches Haar oder als Werkzeuge beim Weben). Talg kommt bei der Lederverarbeitung zum Einsatz, als Grundlage für Salben, oder es dient als Brennstoff für Beleuchtung.

2. Waha, the butcher... warum heißt der Gott so? Gibt es da Informationen, die auch für Sartar von Belang sind, oder gehört das eindeutig nach Prax?
Waha hat seinen Ursprung in Prax, mit dem Konvent der Esser und der Gegessenen.
Die Chaoskriege hatten die einstmals fruchtbaren Länder von Generts Garten und Prax fürchterlich hinterlassen - der Tod des Erdkönigs Genert und Eirithas Opfer eines Großteils ihrer Fruchtbarkeit zur Wiederbelebung des Sturmbullen im Kampf gegen den Teufel haben die Lebensgrundlage der Tiernomaden extrem minimiert, so dass weder Zweibeiner noch Vierbeiner in der Lage waren, sich von der verbliebenen Vegetation zu ernähren. In einem Losverfahren hat jeweils die eine Gruppe die Fähigkeit, sich von den Pflanzen des Landes zu ernähren, auf die andere Gruppe übertragen, die ihrerseits sich als Nahrungslieferant für die erste Gruppe bereiterklärten. Dieser rituelle Kannibalismus wurde von Waha als bedauerliche, aber notwendige Überlebensstrategie eingeführt. Der Friedvolle Schnitt ist dabei das notwendige Ritual, das zum einen den Schrecken der Schlachtung minimiert und zum anderen die baldige Wiedergeburt in der Herde fördert.

Dieses Ritual erwies sich als magisch effektiver als was auch immer die Orlanthi-Nachbarn im Drachenpass verwendet hatten, so dass der Kult von Waha dem Schlachter sich im Konzil der Weltfreunde schnell ausbreitete. (Allerdings nicht als Bruder von Orlanth, sondern als Neffe.)

3. An einigen Stellen habe ich über den "Peaceful cut" gelesen... irgendsoeine besondere Art des Schlachtens, die Jäger praktizieren. Was hat es damit auf sich? Ich werde nicht ganz schlau. Sind es allein Jäger, die den "peaceful cut" praktizieren? Wird der "peaceful cut" nur in Prax praktiziert?
Der Peaceful Cut ist das akzeptierte Ritual, mit dem der Geist des Tieres zur Wiedergeburt vorbereitet wird. Dies ist nicht allein das Töten des Tieres (Jäger, die ihre Beute mit Geschossen oder Fallen erlegen, sind beim Eintreten des Todes ihrer Beute oft nicht einmal in der Nähe), sondern eine Form des (konsumierenden) Begräbnis, und ein Dank an das Opfer. Es ist gleichzeitig auch ein Reinigungsritual für den Tötenden, das ihn weiterhin am fruchtbaren Leben teilhaben lässt.

4. Wenn es in Sartar keine Metzger geben sollte... habt ihr einen attraktiven Alternativvorschlag für die Spielerin?
Nicht jede sartaritische Gemeinschaft wird Vollzeitmetzger haben. Auch Vollzeitköche sind eher die Ausnahme und nur im Gefolge hochgestellter Persönlichkeiten, in Wirtshäusern oder Militäreinheiten zu finden.

Worum geht es der Spielerin bei dem Wunsch des Metzgerhandwerks? Ist es die Fleischgewinnung und -Verarbeitung? Ist es die priesterliche Handlung?

Viehzüchter können eine solche Spezialisierung haben, die sie saisonal beschäftigt hält. Die Haupt-Schlachtzeit ist der späte Herbst bzw. der frühe Winter, wenn die Weideflächen beim Dorf unbrauchbar werden und die Temperaturen eine längere Lagerung des Schlachtguts zulassen. In einem Clan werden alle Leute zu solchen Arbeiten mit herangezogen, aber die Fachleute führen das Regime und weisen den anderen ihre Tätigkeiten zu, die weniger Expertise benötigen.

Die Rolle des Tierheilers ist nicht allzuweit entfernt. Die Triage, welche Tiere zu retten sind und welche durch Schlachtung von ihrem Leiden erlöst werden, führt letztlich auch zu Schlachtungen.

Als Opferpriester vollzieht man regelmäßig Schlachtungen, oder zumindest die rituelle Komponente derselben. Die anschließende Verwertung des Fleischs und anderer Produkte habe ich ja schon beschrieben.

1. Ja gibt es. Es gibt in Jonstown sogar eine Schlachtergilde [Sartar Companion, S. 18-19].  Ein Gildensystem gibt es in weiteren Städten: Wilmskirk, Swenstown, Boldhome und Duck Point. Hier wird es weitere Schlachtergilden geben.
Duck Point eher nicht. Die hier heimischen Menschen sind in der Minderzahl, und in der Nähe gibt es kaum Tierhaltung. Dafür viel Fischerei.
Hauptorte wie Clearwine, Runegate oder Red Cow dürften einen oder zwei Spezialisten unterstützen.

Außerhalb dieser urbanen Zentren, auf dem Clanland, sieht es anders aus. Es gibt einige Berufe, die mit dieser Tätigkeit betraut sind. Das sind in Sartar vor allem die Jäger. Viehzüchter/-hirten gehören auch dazu. Die Tätigkeit des Schlachtens kann prinzipiell von jedem Sartariten beherrscht werden. Für die meisten dürfte es untypisch sein, sofern sie nicht aus einer der besagten Berufsgruppen stammen.
Priester, Köche, Jäger und Viehzüchter haben die meiste Verwendung für diese Fertigkeit, aber jeder, der ein Opfer darbringen will, wird diese Fertigkeit auch anwenden. Fischer dürften diese Anwendung auf größere Fangtiere beschränken. Bei Flusskrebsen oder kleinen Fischen würde ich zumindest keine individuellen Segnungen mehr erwarten.

3. Der Peaceful Cut ist in Glorantha das Synonym für das Schlachten. Das heißt, in der animistischen Glorantha-Welt, in der alles beseelt ist, wird jede Schlachtung zur heiligen Zeremonie.
Wie auch ein Großteil anderer, für uns mundaner Tätigkeiten, wie das Anlegen einer Rüstung, oder ein paarweiser Tanz.

Natürlich sind Jäger und sonstige Berufe, die mit der Tätigkeit der Schlachtung zu tun haben, vor allem damit betraut. - Prax ist insofern eine Besonderheit, als dass hier der Peaceful Cut besonders stark in der Kultur verankert ist. Man könnte sagen, für die Praxianer ist die Schlachtung erhabener als in anderen Kulturen.
Praxianer haben einen wesentlich höheren Fleischkonsum als die meisten anderen Kulturen, einfach mangels Alternativen. Die Milchproduktion ihrer Herden alleine reicht nicht zum Überleben.

(Die Morokanthen mit ihren Herdenmenschen stehen da noch auf einem anderen, teilweise kontroversen Blatt...)
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Chiarina am 31.08.2019 | 11:47
Äh ja... Danke auch nochmal. Das war ja sehr ausführlich. Tanelorn mausert sich immer mehr zu einem Glorantha-Treff, oder? Sehr erfreulich.

Die Metzgerin wird nicht meine Figur. Ich bin der Spielleiter. Und was die Spielerin genau an einer Metzgerin fasziniert, weiß ich im Moment auch noch nicht. Muss ich nochmal fragen.
Die Spielergruppe entsteht gerade noch. Ein paar Ideen sind schon konkreter, andere noch sehr vage. Für die Metzgerin steht noch nicht viel fest, daher habe ich mal nach ein paar Ideen gefragt.
Was ihr hier schreibt gibt für mich zwei mögliche Anknüpfungspunkte für unsere Runde:

Entweder ist die Metzgerin aus Jonstown, war in der dortigen Schlachtergilde und ist dann aufs Land gezogen.
Es gibt eine weitere Spielerfigur, die eine Weile in Jonstown gelebt hat (einen Schriftgelehrten, der in der Bibliothek studiert hat), und auch aufs Land gezogen ist.
Wir müssen dann eben eine Geschichte erfinden, die die beiden miteinander verknüpft.

Der Clan der Spieler besitzt einen Odayla-Devotee, ich nehme mal an einen Priester.
Die Spielerfigur könnte seine Gehilfin und für die rituellen Schlachtungen zuständig sein.
Wenn sie soweit ist, könnte sie seine Nachfolgerin werden.
Wir haben noch einen Jäger in der Gruppe, sodass sich auch bei dieser Möglichkeit ein paar Verbindungen ergeben.

Zwei konkrete Ideen sind also schonmal vorhanden.
Jetzt muss die Spielerin sich mal äußern, was sie davon hält.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Prinz Slasar am 31.08.2019 | 12:17
Ich würde niemals grundlos die [auch in anderen Foren] geschätzte Expertise des Glorantha-Fachmanns jorganos beiseite legen, vielmehr möchte ich eine Sache kontextualisieren, die ich sehr spannend finde:

In RQG finden wir den Peaceful Cut unter den mundanen Wissensfertigkeiten: "Peaceful Cut This skill is also known as butchering. It includes the ability to dismember an animal in the quickest and most efficient way, and the ability to divide up a prey animal in the traditional manner. With this skill, an adventurer also knows the rituals that ensure that the soul of the slain beast returns to its mother, to be reborn properly. These traditions include a short prayer and ritual of thanksgiving." [RQG 181]

Hierbei ist bemerkenswert, dass diese Prozedur nicht zu den magischen Handlungen gehört [wie zB Prepare Corpse]. In RQG inhäriert sie, und damit das Schlachten an sich, keinen Zaubereffekt.
Man muss von der Fertigkeit des Schlachtens das magische Ritual Peaceful Cut [Spirit Magic] unterscheiden, das nicht nur die Prozedur beinhaltet sondern auch einen echten, magischen Effekt hat.

In HeroQuest-Glorantha wiederum wird zwischen dem magischen und dem mundanen Akt des Schlachtens nicht unterschieden, sodass im HeroQuest-Glorantha jegliche Schlachtung sogleich ein übernatürliches Ritual darstellt.
Da nun Chiarina das HeroQuest-Glorantha spielt, dürften einige essenzielle Dinge des RuneQuest-Glorantha nicht zutreffen.

Was wiederum sehr spannend ist, und genau das Thema streift, das ich schon letztens hier anbrachte: Dass sich mit RQG ein alternatives Glorantha zum HeroQuest-Glorantha aufmacht, in dem einige metaphysische Setzungen aufgrund der Regelmechanik ausgehebelt sind.
Auf BRP Central ist vor Kurzem herauskristallisiert worden, dass der Alphabetismus in Glorantha [und damit die Fertigkeiten des Lesens und Schreibens] kein magisches Wissen darstellt, sondern eine mundane Fertigkeit, deren Zugang nicht sonderlich erschwert ist. Hier gehen also wieder das HeroQuest- und das RuneQuest-Glorantha in fundamentalen Dingen auseinander.

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: jorganos am 31.08.2019 | 13:33
Ich würde niemals grundlos die [auch in anderen Foren] geschätzte Expertise des Glorantha-Fachmanns jorganos beiseite legen,
Zwar darf man mich mittlerweile begründet als Schwergewicht bezeichnen (leider nicht nur in Punkto Glorantha), aber nichts von dem, was ich hier so von mir gebe, sollte kommentarlos geschluckt werden.


vielmehr möchte ich eine Sache kontextualisieren, die ich sehr spannend finde:

In RQG finden wir den Peaceful Cut unter den mundanen Wissensfertigkeiten: [...][RQG 181]

Hierbei ist bemerkenswert, dass diese Prozedur nicht zu den magischen Handlungen gehört [wie zB Prepare Corpse].
Dem würde ich widersprechen wollen... eine magische Handlung (auf Glorantha-Ebene) muss noch lange nicht eine magische Fertigkeit sein.


Man muss von der Fertigkeit des Schlachtens das magische Ritual Peaceful Cut [Spirit Magic] unterscheiden, das nicht nur die Prozedur beinhaltet sondern auch einen echten, magischen Effekt hat.
RQG hat keine Fertigkeit namens "Butchery", das "Schlachten" in der deutschen Übersetzung bezieht sich meines Wissens auf Peaceful Cut. "Friedvoller Schnitt" oder "Schächten" sind halt unhandlich.

Julia hatte das beiläufig erwähnt:
„Schlacht“ ist zwar sehr nahe an der Bedeutung des Wortes Battle dran, geht aber schon allein deswegen nicht, weil es da nämlich auch noch die Wissensfertigkeit „Schlachten“ gibt (in Englisch Peaceful Cut – warum die Fertigkeit so heißt wie sie heißt, ist ein Thema für eine andere Gutenachtgeschichte!). Die Fertigkeiten würden auf dem Charakterbogen nämlich genau nebeneinanderstehen und das würde garantiert zur Verwirrung führen. „Schlacht-„ mit einem zweiten Wort zu kombinieren ist da ähnlich problematisch, da Schlachtwissen immer noch klingt, als ob es sich dabei um die Theorie des Schlachtens von Tieren handelt.

Im Deutschen heißt die Fertigkeit also Schlachten und nicht wie das Ritual.

In HeroQuest-Glorantha wiederum wird zwischen dem magischen und dem mundanen Akt des Schlachtens nicht unterschieden, sodass im HeroQuest-Glorantha jegliche Schlachtung sogleich ein übernatürliches Ritual darstellt.
So, wie ich das sehe, gilt das auch in RQG. Alchemie hat ja nun auch magische Effekte, ist aber auch eine Wissensfertigkeit.

Da nun Chiarina das HeroQuest-Glorantha spielt, dürften einige essenzielle Dinge des RuneQuest-Glorantha nicht zutreffen.
Zumindest in diesem Fall sehe ich da keine Konflikte.

Was wiederum sehr spannend ist, und genau das Thema streift, das ich schon letztens hier anbrachte: Dass sich mit RQG ein alternatives Glorantha zum HeroQuest-Glorantha aufmacht, in dem einige metaphysische Setzungen aufgrund der Regelmechanik ausgehebelt sind.
Da werden ein paar andere Runen herangezogen als im anderen System. Ansonsten trenne ich für mich nur die Spielerfahrungen, nicht aber die Hintergrundwelt. Aber vielleicht braucht es dafür Illumination...


 
Auf BRP Central ist vor Kurzem herauskristallisiert worden, dass der Alphabetismus in Glorantha [und damit die Fertigkeiten des Lesens und Schreibens] kein magisches Wissen darstellt, sondern eine mundane Fertigkeit, deren Zugang nicht sonderlich erschwert ist. Hier gehen also wieder das HeroQuest- und das RuneQuest-Glorantha in fundamentalen Dingen auseinander.
Das Schreiben ist eine Form der Verehrung Lhankor Mhys (oder eines anderen Namens des Schriftgebers), im gleichen Maß, wie der Kampf mit dem Schwert zur Verehrung von Humakt beiträgt.

Man könnte auch boshaft behaupten, dass die Verbreitung des Lesens und Schreibens ein Trick des LM-Kultes ist, seine Anhängerschaft aufzubauschen. Und nicht jede Methode des Schreibens ist nur eine mundane Fähigkeit, und auch nicht jede Methode wird jedem gleich offenbart.

Mundane Tätigkeiten sind zumeist auch magisch. Sei es Kopulation, Töten, Handwerk, Saat oder Ernte, all diese Dinge beinhalten oder erzeugen Magie auf Glorantha, und haben magische Auswirkungen. Nicht alle Auswirkungen sind regeltechnisch messbar, aber der Spielleiter kann sie dennoch ins Abenteuer oder die Kampagne einbinden und bei Gelegenheit aus dem Hut ziehen.

Sprache oder Kommunikation sind magisch. Durch gezieltes Töten des God of the Silver Feet wurde nicht nur Tradetalk als notwendige Verständigung der vielen Teilnehmer des White Bear Empire unterbunden, es wurden auch die Länder von Fronela voneinander isoliert.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Prinz Slasar am 31.08.2019 | 15:32
Dem würde ich widersprechen wollen... eine magische Handlung (auf Glorantha-Ebene) muss noch lange nicht eine magische Fertigkeit sein.

In RQG wurde eine völlig neue Skill Category eingeführt, die es in vorigen RQ-Inkarnationen nicht gab: Magic Skills. Diese Fertigkeitenkategorie ist definiert mit:

"These skills are used either to enhance or to create magical effects" [RQG 182]

Wenn man nun extra für RQG so eine explizit neue Fertigkeitenkategorie aufmacht  muss man genau hinschauen, welche Fertigkeiten von den Machern des Spiels darunter subsumiert werden und welche gerade nicht.
Nicht darunter gezählt werden nämlich der Skill Peaceful Cut und auch nicht Alchemy. Schaut man sich die Definition ihrer Skill Category [Knowledge] an, macht das auch Sinn; hat aber zugleich den oben genannten metaphysischen Bedeutungsrahmen.

Man könnte sich streiten, ob nicht gerade soetwas spirituell Wichtiges wie der Peaceful Cut nicht doch unter die magischen Fertigkeiten fallen soll, aber die Regelmacher haben sich bewusst anders entschieden. Sprich: Peaceful Cut ist in RQG eine weltliche Fertigkeit ohne magische Komponente. Sie hat fluff-wise einen rituellen and sakaralen Beigeschmack, doch gleichzeitig keinen spielweltrelevanten Mehrwert hinsichtlich magischer Effekte. Hierzu benötigt es dann schon Spirit Magic.

Das hat im RuneQuest-Glorantha den Effekt, dass es zwei Arten von Individuen gibt: Einmal jene, die den Peaceful Cut als weltlichen [non-magical] Skill beherrschen samt Ritual. Und jenen, die das magische Ritual beherrschen [den Spirit Spell Peaceful Cut].
Da in HQ-Glorantha die Magie ganz anders aufgestellt ist und für das Thema mehr oder weniger nur die Death Rune reicht, wird die hausgemachte Unterscheidung von RQG nivelliert.


RQG hat keine Fertigkeit namens "Butchery", das "Schlachten" in der deutschen Übersetzung bezieht sich meines Wissens auf Peaceful Cut. "Friedvoller Schnitt" oder "Schächten" sind halt unhandlich.
Julia hatte das beiläufig erwähnt:
Im Deutschen heißt die Fertigkeit also Schlachten und nicht wie das Ritual.

Diese Übersetzung widerspricht RQG und ändert wiederum die Spielwelt. Erstens hat es schon Sinn, dass die Regelmacher die Schlachterfertigkeit Peaceful Cut nennen und nicht Butchery; will heißen: in Glorantha ist beides synonym, aber realweltlich nicht. Man kann nicht einfach beide Wörter austauschen, weil spielweltlich dahinter ganz bestimmte Konzepte stehen, die sich m.E. sprachlich nicht rück-abbilden.

Macht man das, ist das fast schon ein ret-con, weil dann der Weg geebnet wird, den Spirit Magic Spell Peaceful Cut -der übrigens in der deutschen Übersetzung damals Friedlicher Schnitt hieß  [GoG, Kultbuch S. 85] wieder als Magic Skill einzuführen.
Wir hätten dann die obigen genannte Differenz zwischen den Leuten, die Peaceful Cut nur als weltliche, nichtmagische Wissensfertigkeit praktizieren, und der spirituellen Anwendung, wieder aufgelöst, und es gäbe den Peaceful Cut nur noch als Magic Skill [in dem Fall wohl bei den Praxianern].

Da also bereits die deutsche Übersetzung "Friedlicher Schnitt" für Peaceful Cut [was realweltlich nicht gleichbedeutend ist mit butchery; und wo gleichzeitig die Designer bewusst nicht butchery genommen haben] existierte, muss ein anderer Grund vorliegen, dass man an dieser Stelle bei der deutschen Übersetzung eben nicht "Friedicher Schnitt" verwendete, um möglicherweise genau die Komplikation, die oben genannt wurde, zu unterlaufen.
Was einerseits die Spielwelt wieder ein wenig ändert, denn Schlachten ist nicht unbedingt der Friedliche Schnitt [also genau das, was uns RQG bisher suggeriert], andererseits in Hinblick auf das ausstehende Prax-Material sinnvoller erscheint und außerdem das oben genannte Dilemma verhindert, das erscheint, wenn man nach RQG Core RAW geht.

Sollte das die Intention der deutschen Übersetzung sein, dann wäre das ein kluger Schachzug, der unrühmlicherweise wieder die Defizite von RQG as written aufzeigt.


Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: jorganos am 31.08.2019 | 17:17
In RQG wurde eine völlig neue Skill Category eingeführt, die es in vorigen RQ-Inkarnationen nicht gab: Magic Skills. Diese Fertigkeitenkategorie ist definiert mit:

"These skills are used either to enhance or to create magical effects" [RQG 182]
Die gab es schon in RQ3, mit den Fertigkeiten Ceremony, Summon, Enchant. Das Open Seas von Dormal zum Beispiel verwendet die Ceremony-Skill.
Sorcerer hatten außerdem noch Intensity, Duration, Range und Multispell.


Wenn man nun extra für RQG so eine explizit neue Fertigkeitenkategorie aufmacht  muss man genau hinschauen, welche Fertigkeiten von den Machern des Spiels darunter subsumiert werden und welche gerade nicht.
Wenn das der Fall wäre, ja. Aber in jedem Fall: wie erklärst du die Position von Alchemy unter Knowledge?


Peaceful Cut ist in RQG eine weltliche Fertigkeit ohne magische Komponente. Sie hat fluff-wise einen rituellen and sakaralen Beigeschmack, doch gleichzeitig keinen spielweltrelevanten Mehrwert hinsichtlich magischer Effekte. Hierzu benötigt es dann schon Spirit Magic.
In HeroQuest gibt es keinen Fluff ohne spieltechnischen Mehrwert.

Alchemische Potions haben den gleichen magischen Wert wie Spirit Magic.

Und Argumentationen aus den Regeln heraus haben sich in der Geschichte der Glorantha-Interpretation nicht selten als Irrwege herausgestellt. Ist mir auch schon passiert.


Das hat im RuneQuest-Glorantha den Effekt, dass es zwei Arten von Individuen gibt: Einmal jene, die den Peaceful Cut als weltlichen [non-magical] Skill beherrschen samt Ritual. Und jenen, die das magische Ritual beherrschen [den Spirit Spell Peaceful Cut].
Außer der anderen Fertigkeiten-Kategorie sehe ich dafür keine Anzeichen. Hast du noch andere Quellen, um diese These zu stützen?


Diese Übersetzung widerspricht RQG und ändert wiederum die Spielwelt. Erstens hat es schon Sinn, dass die Regelmacher die Schlachterfertigkeit Peaceful Cut nennen und nicht Butchery; will heißen: in Glorantha ist beides synonym, aber realweltlich nicht. Man kann nicht einfach beide Wörter austauschen, weil spielweltlich dahinter ganz bestimmte Konzepte stehen, die sich m.E. sprachlich nicht rück-abbilden.
Julia hat ja eine weitere Gutenachtgeschichte angedeutet. Vielleicht kann man sie ja mal dazu interviewen und dann das Interview posten, um sie nicht zu sehr von der eigentlichen Arbeit abzuhalten?


Macht man das, ist das fast schon ein ret-con, weil dann der Weg geebnet wird, den Spirit Magic Spell Peaceful Cut -der übrigens in der deutschen Übersetzung damals Friedlicher Schnitt hieß  [GoG, Kultbuch S. 85] wieder als Magic Skill einzuführen.
Wir hätten dann die obigen genannte Differenz zwischen den Leuten, die Peaceful Cut nur als weltliche, nichtmagische Wissensfertigkeit praktizieren, und der spirituellen Anwendung, wieder aufgelöst, und es gäbe den Peaceful Cut nur noch als Magic Skill [in dem Fall wohl bei den Praxianern].

Da also bereits die deutsche Übersetzung "Friedlicher Schnitt" für Peaceful Cut [was realweltlich nicht gleichbedeutend ist mit butchery; und wo gleichzeitig die Designer bewusst nicht butchery genommen haben] existierte, muss ein anderer Grund vorliegen, dass man an dieser Stelle bei der deutschen Übersetzung eben nicht "Friedicher Schnitt" verwendete, um möglicherweise genau die Komplikation, die oben genannt wurde, zu unterlaufen.
Was einerseits die Spielwelt wieder ein wenig ändert, denn Schlachten ist nicht unbedingt der Friedliche Schnitt [also genau das, was uns RQG bisher suggeriert], andererseits in Hinblick auf das ausstehende Prax-Material sinnvoller erscheint und außerdem das oben genannte Dilemma verhindert, das erscheint, wenn man nach RQG Core RAW geht.

Sollte das die Intention der deutschen Übersetzung sein, dann wäre das ein kluger Schachzug, der unrühmlicherweise wieder die Defizite von RQG as written aufzeigt.
Die Absicht hinter der Benutzung von "Peaceful Cut" für die Fertigkeit des Töten, Zerlegen und Magisch Weiterreichen von Tieren war genau, dass diese Tätigkeit Magie ist. In gewisser Weise ist auch First Aid magisches Wissen (der Kult von Humakt ist genau dafür mit dem Arroin-Subkult von Chalana Arroy alliiert). Und auch Lesen und Schreiben ist insofern magisch, dass es die Erfolgschance für Sorcery-Spells deckelt (wie im übrigen auch die Fertigkeit in der Sprache, in der der Zauber geschrieben ist).

Wir sind uns einig, dass RuneQuest Glorantha einiges anders simuliert als HeroQuest Glorantha - z.B. die Abwesenheit der Runen Light oder Communication. HQ1 hat da auch schon seltsames verbrochen, vor allen mit der Schwemme neuer Namensrunen für obskure Helden- oder Subkulte. Nichts davon gehört grundsätzlich in den Papierkorb, aber aus diesen Regeln die Welt zu schlussfolgern ist immer mit Fehlern behaftet.


TLDR: Du machst eine auf einer Regelfeinheit basierende Vermutung über die Spielwelt. Das alleine kann mich nicht überzeugen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Prinz Slasar am 31.08.2019 | 18:06
Die gab es schon in RQ3, mit den Fertigkeiten Ceremony, Summon, Enchant. Das Open Seas von Dormal zum Beispiel verwendet die Ceremony-Skill.
Sorcerer hatten außerdem noch Intensity, Duration, Range und Multispell.

Das sind zwar die Magiefertigkeiten aus RQ3, die heißen aber nur namentlich so und wurden für RQG in das Sorcery-Magiesystem integriert. Die Skill category Magic Skills ist tatsächlich ganz neu. [siehe RQG 434]

Das Open Seas Ritual ist genau der wichtige Punkt, den ich allerdings nicht erwähnen wollte, um das Thema nicht zu sehr ausufern zu lassen.
Bei diesem Ritual hatte RQG drei Optionen:
A] Das "Alltags"ritual ist ein mundaner Skill, der fluff-wise einen Ritus ohne magischen Effekt darstellt. Zusätzlich gibt es einen Sorcery Spell, der das Ritual magisch macht.
B] Das Open Seas Ritual ist ein Magic Skill, der durch einen Sorcery Spell oder Sorcery Effect ausgebaut werden kann.
C] Das Ritual ist zwar "alltäglich", aber so magisch, dass ein simpler Skill nicht mehr dafür ausreicht und wir es gleich als Sorcery Spell deklarieren.

RQG hat sich beim Peaceful Cut für A] entschieden, obwohl B] und C] ebenfalls möglich und vielleicht sogar sinnvoller wären. Beim Open Seas Ritual haben sie sich gleich für C] entschieden.

Ich möchte an der Stelle nicht diskutieren, inwiefern das davon abhängt, dass Dormal eine historisch junge Erscheinung ist und Wahas Weg sehr viel länger kulturell wirkt. Mein Punkt ist eher, dass man gerade beim Open Seas Ritual sehen kann, wie es für den Peaceful Cut in RQG auch hätte laufen können.

Wenn das der Fall wäre, ja. Aber in jedem Fall: wie erklärst du die Position von Alchemy unter Knowledge?

Alchemy fällt nicht unter den Begriff der RQG-Magic [Spirit Magic, Rune Magic, Sorcery], sondern erlaubt die Herstellung von Produkten. Die Verfahren mögen zwar Kultgehgeimnisse sein, inhärieren aber keinerlei magische [RQG-Magic] Komponente.
Das ist eine interessante Designentscheidung, wenn man bedenkt, dass in MYTHRAS in einigen Supplements die Alchemie mit Magieregeln dargestellt wird respektive ein magisches Subsystem bildet. In RQG [und damit RQ-Glorantha, dem Setting] ist Alchemie anscheinend total weltlich ohne Magie.
Dass die Alchemie magische Effekte abbildet ohne selbst Magie zu sein, ist das Alchemie-Bild, das die RQG-Macher zeichnen. Fast schon schräg, wenn man bedenkt, dass gerade das realweltlich magischste Handwerk gerade in der magiereichen Gloranthawelt ohne Magie abläuft.

Und Argumentationen aus den Regeln heraus haben sich in der Geschichte der Glorantha-Interpretation nicht selten als Irrwege herausgestellt. Ist mir auch schon passiert.

Soweit ich Deine Exkurse verfolgt habe, ist Dein Blickwinkel auf Glorantha-Debatten vor allem derjenige eines regelfreien Gloranthas auf hin und wieder regelgestützte Gloranthas [zB RQG]. Meine Stoßrichtung ist genau umgekehrt, sodass ich Glorantha aus dem jeweiligen Regelsystem dargestellt sehe.

Mich treiben allerdings die RQG-Designrichtlinien dazu, so zu denken. RQG macht mehrfach deutlich, dass die Regeln auf der Simulation/Narration-Waage mehr Gewicht in die Simulations-Schale legen.
1. Die Maxime, dass alle Regeln für Adventurer [Spielercharaktere] genauso buchstabengetreu auf alle anderen Wesen der Spielwelt zuträfen, inklusive Kreaturen.
Was dazu führt, dass 2. keine Regeln für Mooks bzw. Schergen für RQG existieren und bei direkter Nachfrage bei den Designern auch nicht intendiert sind. Denn die Mook-Regeln wären eher etwas Narratives, das die Spielwelt ein wenig "beugt". MYTHRAS hat soetwas, weil MYTHRAS weniger simuliert als RQG, aber RQG bleibt da knallhart.
3. Die Begründung, weshalb die Resistance Table beibehalten wurde statt die [modernen] Opposed Rolles von MYTHRAS zu verwenden ist gewesen, dass ein Wegfall der Resistance Table drastische Konsequenzen auf das Setting gehabt hätte. Was richtig ist, denn die Wahrscheinlichkeiten verschieben sich, wenn ich das eine oder andere nutze. Eine Designentscheidung auf Basis der Spielwelt zugunsten einer bestimmten Regel.

Du hast sicherlich recht, dass diese Interpretation Gloranthas zu Problemen führt. Zu denen führt sie ungehindert, wie man auf BRP Central sieht, denn dort sezieren die Fans die Regeln unter anderem auch in dieser Weise und zeigen teilweise auf, dass Glorantha, so wie es durch RQG simuliert [oder besser: dargestellt] wird, zu Widersprüchen führt oder im Grunde gar nicht funktionieren würde.
Das obige Dilemma mit der Zwei-Klassengesellschaft, in der die Seite Peaceful Cut beherrscht aber ohne magischen Effekt und jene, die es auch zusätzlich magisch fabrizieren, gehört dazu.


Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: jorganos am 31.08.2019 | 21:45
Das sind zwar die Magiefertigkeiten aus RQ3, die heißen aber nur namentlich so und wurden für RQG in das Sorcery-Magiesystem integriert. Die Skill category Magic Skills ist tatsächlich ganz neu. [siehe RQG 434]
Ist nicht ganz richtig. Die Kategorie ist die gleiche wie in RQ3 (auch gleiche Einflussfaktoren), aber die einzelnen Fertigkeiten sind neu (außer Meditation, die im wesentlichen Zeremonie mit leicht anderem Namen und leicht geändertem Effekt ersetzt) bzw. aus obskuren Kulten übernommen.

Das Open Seas Ritual ist genau der wichtige Punkt, den ich allerdings nicht erwähnen wollte, um das Thema nicht zu sehr ausufern zu lassen.
Bei diesem Ritual hatte RQG drei Optionen:
Wie meinst du das, "hatte"?

Von der Sache her war Open Seas seit seiner ersten Regelumsetzung schon immer Sorcery Ritualmagie.
Das andere Beispiel war Worship Deity. Beide wurden in RQ3 mit dem Ceremony Skill gewürfelt.

A] Das "Alltags"ritual ist ein mundaner Skill, der fluff-wise einen Ritus ohne magischen Effekt darstellt. Zusätzlich gibt es einen Sorcery Spell, der das Ritual magisch macht.
Was ist das für ein Konstrukt?
Das macht für mich weder regeltechnisch noch von der Welt her Sinn.

Was du beschreibst, ist Cult Lore (Dormal).

B] Das Open Seas Ritual ist ein Magic Skill, der durch einen Sorcery Spell oder Sorcery Effect ausgebaut werden kann.
Das wäre Worship (Dormal). Genau wie Cult Lore (Dormal) ist das nicht zum Öffnen der Meere geeignet.

C] Das Ritual ist zwar "alltäglich", aber so magisch, dass ein simpler Skill nicht mehr dafür ausreicht und wir es gleich als Sorcery Spell deklarieren.
Also wie gehabt. Allerdings ist die Sorcery-Variante mit Technik und Rune nicht die einzige Möglichkeit, und es wird eine weitere Möglichkeit für all diejenigen geben, die halt keine Sorcerer sind. Das Ritual wird immer noch Sorcery sein, aber halt für Fußgänger ohne Führerschein.

Das finde ich insofern interessant, dass eine solche Variante von angewandter Sorcery eben auch für Malkioni außerhalb der Zzabur-Kaste bzw. der Men-of-All anwendbar wäre, auch für alle möglichen anderen alltagstauglichen Zauber.


RQG hat sich beim Peaceful Cut für A] entschieden, obwohl B] und C] ebenfalls möglich und vielleicht sogar sinnvoller wären.
Ich denke, der Unterschied liegt einfach darin, dass Open Seas die Magiepunkte des Zaubernden benötigt, während Peaceful Cut ohne Magiepunkt-Investition auskommt.

Eine ähnliche Begründung ließe sich für Alchimie finden.

Beim Open Seas Ritual haben sie sich gleich für C] entschieden.

Ich möchte an der Stelle nicht diskutieren, inwiefern das davon abhängt, dass Dormal eine historisch junge Erscheinung ist und Wahas Weg sehr viel länger kulturell wirkt. Mein Punkt ist eher, dass man gerade beim Open Seas Ritual sehen kann, wie es für den Peaceful Cut in RQG auch hätte laufen können.
Würde Peaceful Cut jedes Mal einen Magiepunkt verbrauchen, könnte ein Schlachter am Tag maximal 21 Hühner (oder beliebig größere Viecher) zubereiten... Ein Fall für Murphy's Rules.

Open Seas macht man nur für das Schiff, auf dem man auch mitfährt. Da stellt sich die Frage, wie oft man das am Tag durchziehen darf, eher weniger.


Alchemy fällt nicht unter den Begriff der RQG-Magic [Spirit Magic, Rune Magic, Sorcery], sondern erlaubt die Herstellung von Produkten. Die Verfahren mögen zwar Kultgeheimnisse sein, inhärieren aber keinerlei magische [RQG-Magic] Komponente.
Das ist eine interessante Designentscheidung, wenn man bedenkt, dass in MYTHRAS in einigen Supplements die Alchemie mit Magieregeln dargestellt wird respektive ein magisches Subsystem bildet. In RQG [und damit RQ-Glorantha, dem Setting] ist Alchemie anscheinend total weltlich ohne Magie.
Dass die Alchemie magische Effekte abbildet ohne selbst Magie zu sein, ist das Alchemie-Bild, das die RQG-Macher zeichnen. Fast schon schräg, wenn man bedenkt, dass gerade das realweltlich magischste Handwerk gerade in der magiereichen Gloranthawelt ohne Magie abläuft.
Eine andere, für Glorantha exotische Fertigkeit aus dem Bereich der (Steam/Clockworkpunk) Sorcery ist Mechanik, insbesondere solche mit Zahnrädern. Auch dies dürfte in RQG ein reiner (exotischer) Knowledge-Skill sein. Nichtsdestoweniger ist das Verständnis und die Bedienung von Artefakten wie dem Antikythere-Mechanismus Sorcery.


Soweit ich Deine Exkurse verfolgt habe, ist Dein Blickwinkel auf Glorantha-Debatten vor allem derjenige eines regelfreien Gloranthas auf hin und wieder regelgestützte Gloranthas [zB RQG]. Meine Stoßrichtung ist genau umgekehrt, sodass ich Glorantha aus dem jeweiligen Regelsystem dargestellt sehe.
Da schätzt du meine Position richtig ein.

Bei deinerm Vorgehen hätte ich echte Bauchschmerzen mit 13th Age Glorantha. Bei meiner Sichtweise sind die ganzen Regelartefakte halt einfach eine Folge des Simulations-Mechanismus.

Nur weil das Kartenspiel Khan of Khans eingezäunte Koppeln als Schutz vor Viehdiebstählen als Regelmechanismus hat, glaube ich auch nicht im Traum daran, dass die Tiernomaden von Prax jemals irgendwelche Herden einzäunen würden. Die Herden am Stück in den Holy Ground rund um die Paps zu treiben hat denselben gloranthischen Effekt und entspricht deutlich mehr der Praxianischen Kultur. Konflikte und Herdenklau sind da tabu. Aber erklär das mal einem fünfjährigen, der den Viehdiebstahl lustig findet.

Mich treiben allerdings die RQG-Designrichtlinien dazu, so zu denken. RQG macht mehrfach deutlich, dass die Regeln auf der Simulation/Narration-Waage mehr Gewicht in die Simulations-Schale legen.
1. Die Maxime, dass alle Regeln für Adventurer [Spielercharaktere] genauso buchstabengetreu auf alle anderen Wesen der Spielwelt zuträfen, inklusive Kreaturen.
Das traf auch auf HQ1 zu. Und bei HQ2 wird kein Unterschied zwischen dem Geschwister eines Spielercharakters oder einem Rubble Runner gemacht, insofern gilt (mit Ausnahme der Spielercharaktere) auch absolute Gleichheit. HQ2 bzw. HQG simuliert nichts, was nicht direkt (oder indirekt) die Spielercharaktere betrifft, und die Konfliktlösung bei Spielerbeteiligung ist auch weniger Simulation als vielmehr Unterstützung der Erzählung.

Greg hatte die Mechanismen aus Hero Wars und HQ1 auch für Wirtschaftssimulation (wie bei Pendragon/Glorantha Sacred Time) benutzt, auf recht innovative Weise. In vieler Hinsicht trauere ich dem System von HQ1 hinterher - Gegenspieler mit Spielwerten, wie sie auch die Spielercharaktere haben, machen für mich die narrative Auflösung von Konflikten einfacher.


Was dazu führt, dass 2. keine Regeln für Mooks bzw. Schergen für RQG existieren und bei direkter Nachfrage bei den Designern auch nicht intendiert sind. Denn die Mook-Regeln wären eher etwas Narratives, das die Spielwelt ein wenig "beugt". MYTHRAS hat soetwas, weil MYTHRAS weniger simuliert als RQG, aber RQG bleibt da knallhart.
Abgesehen davon, dass Spielercharaktere erheblich mehr/bessere Fertigkeiten/Magie erhalten als NPCs.

Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als die anderen... (Animal Farm)

3. Die Begründung, weshalb die Resistance Table beibehalten wurde statt die [modernen] Opposed Rolles von MYTHRAS zu verwenden ist gewesen, dass ein Wegfall der Resistance Table drastische Konsequenzen auf das Setting gehabt hätte. Was richtig ist, denn die Wahrscheinlichkeiten verschieben sich, wenn ich das eine oder andere nutze. Eine Designentscheidung auf Basis der Spielwelt zugunsten einer bestimmten Regel.
Das verstehe ich als Unterschied in der Statistik. Opposed Rolls machen ganz schreckliche Dinge mit den Wahrscheinlichkeiten und Gegenwahrscheinlichkeiten, die eine Vorhersage des Ergebnis sehr viel schwieriger machen als der Wurf auf der Resistance Table.
(Welche im Übrigen auch wieder ein Spielercharakter-Privileg ist, wie auch das nicht-mathematische Runden zugunsten der Spielercharaktere bzw. zu Ungunsten der NPCs.)

Du hast sicherlich recht, dass diese Interpretation Gloranthas zu Problemen führt. Zu denen führt sie ungehindert, wie man auf BRP Central sieht, denn dort sezieren die Fans die Regeln unter anderem auch in dieser Weise und zeigen teilweise auf, dass Glorantha, so wie es durch RQG simuliert [oder besser: dargestellt] wird, zu Widersprüchen führt oder im Grunde gar nicht funktionieren würde.
Das obige Dilemma mit der Zwei-Klassengesellschaft, in der die Seite Peaceful Cut beherrscht aber ohne magischen Effekt und jene, die es auch zusätzlich magisch fabrizieren, gehört dazu.

Ich sehe da keine Zwei-Klassen-Gesellschaft. Es ist möglich, einen hilflosen Gegner (z.B. ein zum Schlachten vorgeführtes Tier) mit einer Waffe zu töten. Bei einem Wurf von 96-100 misslingt das, und ein Fumble tritt auf, wenn die Waffenfertigkeit das so veranlasst. (S.224)
Die anschließende Zerlegung des Tieres ließe sich auch mit Tierkunde oder Kochen bewerkstelligen. Eine Fähigkeit "Mundanes Schlachten" wird also gar nicht benötigt.

Aber wie gesagt, Julias Entscheidung für die Übersetzung kam als Folge einer Diskussion.

Deine Schlussfolgerung, dass es ein mundanes Schlachten als Fertigkeit geben muss, kann (oder mag) ich auch regeltechnisch nicht nachvollziehen.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Prinz Slasar am 31.08.2019 | 22:00
Deine Schlussfolgerung, dass es ein mundanes Schlachten als Fertigkeit geben muss, kann (oder mag) ich auch regeltechnisch nicht nachvollziehen.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich das Gefühl habe, dass wir fundamental aneinander vorbeireden und hier in der Substanz kein gemeinsamer Nenner zu erreichen ist. Oder nur mit so einem Aufwand, dass ihn der Zweck nicht rechtfertigt.
Insofern steige ich an dieser Stelle aus und schließe mit einem kollegialen "Agree to disagree".
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: +12vsMentalDamage am 23.09.2019 | 16:39
Mal eine Frage an die Experten:

Ich bin über 13G zu Glorantha gekommen und habe mir dann auch das Glorantha Sourcebook geholt. Nun eine Frage: Ich würde mich gerne weiter in dieses großartige Setting einlesen, ich interessiere mich vor allem für die Region des Dragon Pass (welch Überraschung!), die Hero Wars und für die ganze Mythologie etc. (v.a. Infomationen zu den Heroquesten, also vor allem Mythen, die man dafür verwenden kann würde ich gerne mehr haben).
Was wäre ein logischer nächster Schritt?
- Sachen aus der Stafford Library
- Bücher wie King of Sartar
- oder sogar der Guide to Glorantha

Gerade letzterer klingt ja wahnsinnig spannend, ich kann mir aber noch nicht so recht vorstellen, was da alles drin ist. Ist das vor allem ein geographischer Guide und ist das was über die Mythologie und Hero Wars geschrieben wird, schon zu großen Teilen im Glorantha Sourcebook?

Vielen Dank im Voraus.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: korknadel am 23.09.2019 | 16:51
Das Sourcebook ist zum Thema Mythologie meiner Einschätzung nach um Vieles umfangreicher als der Guide. Der Guide ist tatsächlich sehr geografisch orientiert, hat aber ebenfalls Geschichtsabrisse, etwas Götterkram und auch etwas zu den Hero Wars. Allerdings deckt der Guide natürlich ganz Glorantha ab und nicht nur den Dragon Pass.

King of Sartar ist eine gute Ergänzung zum Sourcebook, würde ich meinen.

Für vielseitiges Material zum Dragon Pass empfehlen sich wahrscheinlich am ehesten die beiden Sartar-Bücher (Kingdom of Heroes und Companion), der erste Band der Eleven Lights-Kampagne und Pavis -- Gateway to Adventure zu HeroQuest. Für RQ selber gibt es zum Dragon Pass einigermaßen ausführlich eigentlich nur die 2nd-Edition-Nachdrucke von Borderlands und Pavis & Big Rubble.

Eine kleine Ecke von Dragon Pass wird im GM Pack sandboxartig aufbereitet.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: Prinz Slasar am 23.09.2019 | 16:57
Mal eine Frage an die Experten:

Ich bin über 13G zu Glorantha gekommen und habe mir dann auch das Glorantha Sourcebook geholt. Nun eine Frage: Ich würde mich gerne weiter in dieses großartige Setting einlesen, ich interessiere mich vor allem für die Region des Dragon Pass (welch Überraschung!), die Hero Wars und für die ganze Mythologie etc. (v.a. Infomationen zu den Heroquesten, also vor allem Mythen, die man dafür verwenden kann würde ich gerne mehr haben).
Was wäre ein logischer nächster Schritt?
- Sachen aus der Stafford Library
- Bücher wie King of Sartar
- oder sogar der Guide to Glorantha

Gerade letzterer klingt ja wahnsinnig spannend, ich kann mir aber noch nicht so recht vorstellen, was da alles drin ist. Ist das vor allem ein geographischer Guide und ist das was über die Mythologie und Hero Wars geschrieben wird, schon zu großen Teilen im Glorantha Sourcebook?

Vielen Dank im Voraus.

Bezogen auf Deine Interessen ist die Hauptanlaufstelle die Stafford Library, die bietet Dir Mythologie und Heroquesten en masse; vor allem, da sich die einschlägigen Werke auf Dragon Pass konzentrieren.
King of Sartar bietet Dir keinen Mehrwert, bezogen auf Deine Interessengebiete und Deinen bisherigen Lektürefortschritt.
Der Guide To Glorantha ist die uninteressanteste Quelle bezogen auf Deine Interessen.

Bezogen auf die HeroWars ist vor allem der Volume II des Guide To Glorantha spannend, weil er nochmal komplett die Zeit der HeroWars umreißt.

Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: AndreJarosch am 23.09.2019 | 19:22
Mal eine Frage an die Experten:

Ich bin über 13G zu Glorantha gekommen und habe mir dann auch das Glorantha Sourcebook geholt. Nun eine Frage: Ich würde mich gerne weiter in dieses großartige Setting einlesen, ich interessiere mich vor allem für die Region des Dragon Pass (welch Überraschung!), die Hero Wars und für die ganze Mythologie etc. (v.a. Infomationen zu den Heroquesten, also vor allem Mythen, die man dafür verwenden kann würde ich gerne mehr haben).
Was wäre ein logischer nächster Schritt?
- Sachen aus der Stafford Library
- Bücher wie King of Sartar
- oder sogar der Guide to Glorantha

Gerade letzterer klingt ja wahnsinnig spannend, ich kann mir aber noch nicht so recht vorstellen, was da alles drin ist. Ist das vor allem ein geographischer Guide und ist das was über die Mythologie und Hero Wars geschrieben wird, schon zu großen Teilen im Glorantha Sourcebook?

Vielen Dank im Voraus.

"King of Sartar", "The Book of Heortling Mythology" und "History of th Heortling People" sind deine Freunde.

"The Glorious ReAscent of Yelm", "The Dara Happan Book of Emperors" und "The Entekosiad" sind Peloria/Dara Happa. Ausserdem sind sie schwerer zu fassen als Heortlinge/Orlanthi/Sartariten... Peloria ist groß und die verschiedenen Kulturen formten das Dara Happa Imperium und später das Lunare Imperium.

"Revealed Mythologies" und "Arcane Lore" sind sehr spezielle Materialien UND nicht mehr ganz up to date.

"Middle Sea Empire" bezieht sich auf die Godlearner des 2. Zeitalters (und deren Herkunft).


Der Guide ist TOLL... aber der Drachenpass ist nur ein kleiner Teil dieses Werks.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: +12vsMentalDamage am 23.09.2019 | 19:45
Großartig!
Vielen Dank für die sehr guten Hinweise. Da machhe ich mich mal auf die Suche, wo man das in Print herbekommt.

Glorantha ist wirklich ein sehr spezielles Setting; eigentlich etwas, was nicht sonst meinem Geschmack entspricht, aber immer wenn man sich ein wenig Zeit nimmt und hereinliest und - denkt, ist es so unglaublich faszinierend und fantasieanregend.
Titel: Re: Erzählt mir von Glorantha
Beitrag von: jorganos am 27.09.2019 | 16:16
Was bei den Empfehlungen meiner Meinung nach noch fehlt ist das RQ2 Troll Pak (erhältlich als pdf). Zum einen spielen die Trolle mit drei Anrainer-Populationen eine große Rolle im Drachenpass, zum anderen ist die Weltgeschichte aus ihrer Sicht sehr gut geschrieben und liefert Informationen zu den meisten älteren Konflikten. Ich persönlich würde Uz Lore vor den Stafford-Library-Büchern lesen (oder anders gesagt, als ich mich vor knapp 30 Jahren in Glorantha eingelesen habe, war Uz Lore der beste Überblick über die Welt als Ganzes wie auch über die Besonderheiten um den Pass herum).

Das Sourcebook enthält viel Basiswissen über Glorantha, und kann vor Uz Lore gelesen werden. Der Guide ist ein Nachschlagwerk, wobei der Geschichtsteil ergänzt um die Regionalgeschichten doch sehr hilfreich ist. Die Königslisten in History of the Heortling Peoples enthalten zwar auch regionale Ereignisse, lesen sich aber etwas zäh und teilweise verwirrend.

Sartar: Kingdom of Heroes ist für HeroQuest geschrieben, liefert aber die bisher schlüssigste Einführung in das Land Sartar. Auch für HQ sind "The Coming Storm" als Beschreibung eines Clans und "The Eleven Lights" als Kampagne für diesen Clan über 6 recht ereignisreiche Jahre ebenfalls sehr gut geeignetes Lesematerial.