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Pen & Paper - Rollenspiel => Pen & Paper - Allgemein => Pen & Paper - Umfragen => Thema gestartet von: Teylen am 10.08.2011 | 16:46

Titel: Oldschool
Beitrag von: Teylen am 10.08.2011 | 16:46
Einmal so aus Neugier.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Glgnfz am 10.08.2011 | 16:54
... schwer zu definieren.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: korknadel am 10.08.2011 | 17:00
Alles, was mit einem relativ naiven Zugang an die Sache rangeht. Erinnert mich tatsächlich an meine Jugendzeit als Spieler. Als es bei DSA noch (bzw. nur) Dungeons gab. Als Plausibilität noch nicht so hoch im Kurs stand. Das hat tatsächlich mit Storytelling (Ars Magica), Immersion, "Realismus" und dem Kram aufgehört (auch bei mir). Heute dränge ich da wieder eher zurück. Strebe zumindest eine Mischung an.

... ich glaube, ich versuch's irgendwann noch mal mit einem verständlicheren Post ...
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Pyromancer am 10.08.2011 | 17:04
...einfach ganz normales Rollenspiel.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Glgnfz am 10.08.2011 | 17:05
... ich glaube, ich versuch's irgendwann noch mal mit einem verständlicheren Post ...

Siehste! Das habe ICH schon hinbekommen.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: YY am 10.08.2011 | 17:20
Alles, was mit einem relativ naiven Zugang an die Sache rangeht.

Genau das.

Oldschool heißt für mich hauptsächlich, ohne große Metagedanken drauf los spielen und Spaß haben.
Sich keine Gedanken um Genres, Darstellungsabsichten etc. pp. machen.

Das fällt für viele eben mit ihrer persönlichen Anfangszeit zusammen und wird dann mit den damals gespielten Systemen verknüpft - wobei die noch nicht mal sonderlich altschul sein müssen.

Viele aus meinem Bekanntenkreis haben z.B. nach kurzer DSA-Phase erst mit SR2 so richtig mit Spielen angefangen, und SR2 hat schon einige gar nicht so altmodische Sachen zu bieten - zumindest im Vergleich mit den Urgesteinen...


Einige Spieler aus meinem Umfeld wollten vor ein paar Jahren mal auf gut Glück das alte Spielgefühl wieder einfangen und sind grandios daran gescheitert, weil sie sich nicht mehr einfach so auf etwas einlassen konnten.
Umgekehrt hat ihnen aber auch die Einsicht und das Vokabular gefehlt, um genau zu definieren und zu kommunizieren, was jedem Einzelnen an der "neuen" Situation nicht passt.

Auf dem Stand sind sie übrigens immer noch  :-[


Wenn man einmal aus der eigenen Oldschool-Phase raus ist, kann man nicht mehr umdrehen.
Dann muss man zuerst viel weiter nach vorne, um irgendwann eine Schleife drehen zu können, damit man wieder dort hin kommt  ;)
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: korknadel am 10.08.2011 | 17:32
Siehste! Das habe ICH schon hinbekommen.

Oh ja! Deshalb bin ich ja auch der da:
 :pray:
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Tarin am 10.08.2011 | 17:34
Da ich die "gute alte Zeit" ja nicht aktiv miterlebt habe, hab ich mittlerweile meine eigene Definition, die von verklärten Erinnerungen absieht.
Oldschool ist die Art von Spiel, die wir "damals" (so gegen Milleniumswechsel und kurz danach) nicht spielen durften, weil DSA gesagt hat, dass das böse ist. Mehr das Spiel im Rollenspiel betonen, auch mal was abgedrehtes machen können, auch mal nen Dungeon spielen, keine fünfseitigen Charakterhintergründe benötigen und sich mal drauf einlassen, dass am Ende schon was cooles dabei rauskommen wird. Achja, eine gewisse Regelleichtigkeit gehört irgendwie auch dazu.

Keine Ahnung, ob das auch jemand anders so definieren würde.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: El God am 10.08.2011 | 17:35
...einfach ganz normales Rollenspiel.

Der Post ist klingt für mich so arrogant, den möchte ich nicht unkommentiert stehen lassen. Ich finds gut, dass viele Leute heute den Begriff "normales Rollenspiel" deutlich erweitert haben. Oldschool ist *auch* normales Rollenspiel, genauso wie Storytelling, Freeforming, Indie-Nar-Kram etc. - unterscheidet sich davon aber natürlich teilweise dramatisch.

@Topic: Ich denke bei Oldschool an eine bestimmte Art zu spielen, eine Geisteshaltung gegenüber dem Spiel und den Mitspielern, die ich aber noch nirgendwo wirklich treffend beschrieben gefunden habe. Es ist, da hat korknadel imho Recht, eine Frage, über welche Dinge man sich *keine* Gedanken macht. Und dahin kann man, ums Verrecken, nicht mehr zurück.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Hróđvitnir (Carcharoths Ausbilder) am 10.08.2011 | 17:36
...das verzweifelte Bemühen, etwas aus der eigenen Kindheit zu rekonstruieren, was es in der verklärt erinnerten Form aber nie gegeben hat. Ein Gral, ein Gral, es ist ein Gral!

EDIT/ Meint: Als nunmehr Erwachsene können wir zwar gewisse Verhaltensweisen des "Urspielens" nachäffen, aber nie wieder durch die Augen blicken, mit denen wir es einst betrachteten. Sense of Wonder und rollenspielerische Unschuld sind nun einmal für alle Zeiten dahin.

Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Greifenklaue am 10.08.2011 | 17:36
... schwer zu definieren.
Hat Glgnfz recht.

Im wesentlichen würde ich sagen ein Spielstil bzw. eine Art, das Spiel zu begreifen.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Tudor the Traveller am 10.08.2011 | 17:40
@Topic: Ich denke bei Oldschool an eine bestimmte Art zu spielen, eine Geisteshaltung gegenüber dem Spiel und den Mitspielern, die ich aber noch nirgendwo wirklich treffend beschrieben gefunden habe. Es ist, da hat korknadel imho Recht, eine Frage, über welche Dinge man sich *keine* Gedanken macht. Und dahin kann man, ums Verrecken, nicht mehr zurück.

So in der Art, ja. Daher habe ich auch die grünen Wiesen angekreuzt. Weil zu Oldschool irgendwie dazu gehört, ohne große Erwartungen (außer Spaß) ans Spiel heranzugehen. Zu sehen (mit leuchtenden Augen), was man alles Tolles machen kann, anstatt was man alles NICHT machen kann. Damit einher gehen mE tendenziell restriktive, Klassen- und Stufen-basierte Systeme.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Skele-Surtur am 10.08.2011 | 17:43
Alles, was mit einem relativ naiven Zugang an die Sache rangeht.
Halte ich aus dem Bauch heraus für die Antwort, der ich am ehesten zustimmen würde.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Pyromancer am 10.08.2011 | 17:44
Der Post ist klingt für mich so arrogant, den möchte ich nicht unkommentiert stehen lassen. Ich finds gut, dass viele Leute heute den Begriff "normales Rollenspiel" deutlich erweitert haben. Oldschool ist *auch* normales Rollenspiel, genauso wie Storytelling, Freeforming, Indie-Nar-Kram etc. - unterscheidet sich davon aber natürlich teilweise dramatisch.
Ich denke, dass ist der Knackpunkt. Bei dem ganzen neumodischen Kram spielt der Spieler nicht mehr "einfach ganz normal" seine Rolle, sondern er macht sich Gedanken über Dramaturgie und Genre-Konventionen, er muss Meta-Resourcen verwalten und Meta-Konzepte verinnerlichen.
Das ist alles schön und gut, bedeutet aber, dass der Spieler eben mehr machen muss als "einfach ganz normal" seine Rolle zu spielen.
Dabei spreche ich dem Indie-Kram ja nicht ab, auch Rollenspiele zu sein; sie sind eben nur noch mehr. Man kann das auch als Fortschritt sehen.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Teylen am 10.08.2011 | 17:53
Ich sehe Pyromancers Aussage nicht so negativ.
Wenn er sagt das normales Rollenspiel Oldschool sein, dann waere auch eine normale VtM [respektive was auch immer] Runde, die man spielt, Oldschool. Vielleicht nicht fuer ihn, aber fuer diejenigen die es normal finden.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Pyromancer am 10.08.2011 | 18:03
Ich sehe Pyromancers Aussage nicht so negativ.
Wenn er sagt das normales Rollenspiel Oldschool sein, dann waere auch eine normale VtM [respektive was auch immer] Runde, die man spielt, Oldschool. Vielleicht nicht fuer ihn, aber fuer diejenigen die es normal finden.

Die klassische Vampire-Runde, wo jeder seinen Charakter vor sich hinspielt könnte "einfaches Rollenspiel" sein, wobei der "Menschlichkeits"-Wert m.E. nach extrem an der Grenze zum "Meta" liegt. Klar, er wird innerhalb der Spielwelt-Logik begründet, aber die Begründung wirkt halt schwach und nachgeschoben.

In der Realität funkt da dann aber meistens noch die SL dazwischen, die aus dramaturgischen Gründen oder der Genre-Konvention wegen "Dinge tut" und damit die Grenzen zum "einfachen Rollenspiel" (nennen wir es mal "einfaches Rollenspiel", das ist weniger wertend und trifft den Kern besser als "normales Rollenspiel") verlässt.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Teylen am 10.08.2011 | 18:24
Ich denke das ein Spieler der ueber Vampire, oder ein anderes System das den Bereich tiefer erkundete, zum Rollenspiel findet die "Meta-Elemente" zunaechst nicht als solche wahrnehmen wird.
Zumindest hat es bei mir recht lange gebraucht [und die Disziplin Staerke anstatt Menschlichkeit oder Willenskraft betroffen] wo unvermittelt die Erkenntnis der Metaebene eintrat.

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)

Das heisst fuer mich tritt der Effekt an der Stelle ein wo man sich bewusst entscheidet die Taschenlampe fallen zu lassen oder fest zu halten.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Ghostrider am 10.08.2011 | 18:35
Einfach ganz traditionelles Rollenspiel, ohne großes Klimmbimm drum herum. Das kann Ur-D&D sein, solche Systeme wie Swords&Sorcery, Stars Without Number oder ähnlich gestrickte Systeme, die keinen großen Wasserkopf zum Spielen brauchen.

Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Bad Horse am 10.08.2011 | 19:00
Systeme, die persönliche Interaktion oder Entwicklung nicht mit Regeln versehen.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Glgnfz am 10.08.2011 | 19:13
So etwas Ähnliches hätte ich auch fast gesagt - Systeme ohne Fertigkeiten. Aber das greift etwas zu kurz.

Für mich spielt ja - ich erwähnte es sicher schonmal - auch der Ansatz ein Rolle, den Spieler und nicht dne Charakter herauszufordern.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: tartex am 10.08.2011 | 19:41
Oldschool ist die Art von Spiel, die wir "damals" (so gegen Milleniumswechsel und kurz danach) nicht spielen durften, weil DSA gesagt hat, dass das böse ist. Mehr das Spiel im Rollenspiel betonen, auch mal was abgedrehtes machen können, auch mal nen Dungeon spielen, keine fünfseitigen Charakterhintergründe benötigen und sich mal drauf einlassen, dass am Ende schon was cooles dabei rauskommen wird. Achja, eine gewisse Regelleichtigkeit gehört irgendwie auch dazu.

So sehe ich das auch. Allerdings wurden wir nochmals 10 Jahre früher von DSA so erzogen.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: mattenwilly am 10.08.2011 | 19:46
"Old School" wird ja gleichgesetzt mit "veraltet, schlecht, negativ".

Ich hab den Begriff "Old School" erstmals von Storyteller System-Spielern gehört irgendwann zwischen 1994-98. Die wurden dann etwas grantelig als man sie nach ner Testsitzung fragte was ihr "Wundersystem" denn nun besser kann als etwa 2300AD. Weil meinen Charakter beschreiben und ihm Persönlichkeit geben kann ich in jedem System, da braucht es keine Regeln. Und als reines Regelsystem war das Storyteller System jetzt nicht der Bringer.

Irgend wie erinnern micht die "Fans" dieser "neuen, besseren Systeme" oft an die "Jeune Ecole" mit ihren Ideen und Konzepten. Auf dem Papier sahen sie alle toll aus. Aber gebaut wurde die Dreadnaught.

Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Gawain am 10.08.2011 | 20:03
Hm,
für mich handelt es bei 'Old School' um Spiele, die auf der einen Seite, wie schon gesagt, unbelastet und in gewisser Weise unschuldig (passt imho besser als 'naiv') an ihren Inhalt herangehen.
Gleichzeitig verbinde ich den Begriff mit einer Ausrichtung, die eher in Richtung Dungeoncrawl geht bzw. der man vllt noch gewisse Wurzeln in den Wargames anmerkt.
Der Begriff ist für mich nicht negativ oder positiv belegt, ist aber vermutlich aus seiner Entstehung heraus eher positiv gedacht, weil nostalgisch-verklärend angelegt, nehme ich an.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Lord Verminaard am 10.08.2011 | 20:22
Oldschool ist

a) ein Buzz-Word für etwas, das irgendwie "so wie früher" und nicht "so wie heute üblich" gemacht wird, was der das Buzz-Word benutzende cool findet, meist aus nostalgischen Gründen (auch: "oldskool");

b) ein Kampfbegriff einer bestimmten, gemeinhin als OSR (Old School Renaissance) bezeichneten Strömung von im Internet aktiven P&P-Rollenspielern und P&P-Rollenspielautoren, über dessen Definitionshoheit gestritten wird (vgl. nur die Debatten über "Dungeon Fucking Vietnam" oder Mentzer-D&D).
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Mc Fly am 10.08.2011 | 20:23
Jup, zum Thema Rollenspiel trifft Dungeoncrawl es meiner Meinung nach am besten. Da fallen mir wieder die ersten AD&D Runden Anfang der Neunziger ein *schwelkt in alten Erinnerungen* ...  ;)
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Bad Horse am 10.08.2011 | 23:10
Ich denke immer noch, dass sich OldSchool hauptsächlich dadurch auszeichnet, dass es keine bzw. kaum Werte für soziale Interaktion gibt, und dass es keine bzw. kaum Werte gibt, die sich auf Persönlichkeit und Innenleben des Charakters beziehen.

All diese Sachen können vom Spieler ausgestaltet werden; oder auch nicht, wenn er keine Lust dazu hat.

Außerdem ist OldSchool nicht storygetrieben - hinterher kommt eine Story raus, fein, aber es ist nicht Ziel der OldSchooler, eine zu erzählen. Narrative Logik oder ein Hinarbeiten auf ein dramatisches Ziel sind nicht vorgesehen.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Oberkampf am 10.08.2011 | 23:25
Da ich die "gute alte Zeit" ja nicht aktiv miterlebt habe, hab ich mittlerweile meine eigene Definition, die von verklärten Erinnerungen absieht.
Oldschool ist die Art von Spiel, die wir "damals" (so gegen Milleniumswechsel und kurz danach) nicht spielen durften, weil DSA gesagt hat, dass das böse ist. Mehr das Spiel im Rollenspiel betonen, auch mal was abgedrehtes machen können, auch mal nen Dungeon spielen, keine fünfseitigen Charakterhintergründe benötigen und sich mal drauf einlassen, dass am Ende schon was cooles dabei rauskommen wird. Achja, eine gewisse Regelleichtigkeit gehört irgendwie auch dazu.

Keine Ahnung, ob das auch jemand anders so definieren würde.

Ich hab zwar den Ausklang des Golden Age des Rollenspiels noch aktiv miterlebt und insofern durchaus verklärte Erinnerungen, aber im Grunde sehe ich das ähnlich  ;D

Da kommt natürlich ein Schuss Nostalgie dazu, und das Wissen, dass die rollenspielerische Unschuld auf immer verloren ist, aber ehrlich gesagt auch die Überzeugung, dass "damals" das Spiel einfach etwas Cooler war, weil man sich noch getraut hat, aberwitzige Wendungen, irre Dungeons und völlig abgedrehten Monster ins Spiel zu bringen. Heute kriege ich jedesmal beim Dungeonzeichnen die Klammer, als schaue mir die Bau- und Niveauaufsichtsbehörde über die Schulter. 
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Bad Horse am 10.08.2011 | 23:27
Ist auch eine Erklärung, warum ich kein Oldschooler bin und auch keiner werden will: Meine Anfangszeit im Rollenspiel war eher schrottig, und ich habe eigentlich nur gespielt, weil ich das unbestimmte Gefühl hatte, da müsse doch irgendwie noch mehr damit gehen.  ;)
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Oberkampf am 10.08.2011 | 23:35
Ist auch eine Erklärung, warum ich kein Oldschooler bin und auch keiner werden will: Meine Anfangszeit im Rollenspiel war eher schrottig, und ich habe eigentlich nur gespielt, weil ich das unbestimmte Gefühl hatte, da müsse doch irgendwie noch mehr damit gehen.  ;)

Hervorhebung von mir.
Genau das ist der Punkt, warum ich die Storyteller-Systeme so verabscheue und mir storygetriebene Abenteuer so zuwider sind: ich erinnere mich dann daran, dass Rollenspiel eben viel mehr kann.  ;)

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: korknadel am 11.08.2011 | 08:57
Noch ein paar Gedanken zu meiner Auffassung von Oldschool.

Mit Kampfbegriff hat das bei mir wenig zu tun, denn ich spiele aktuell Ars Magica, was überhaupt gar nicht oldschoolig ist, WFRP3rd, was zwar kein Storytellersystem ist, aber für Oldschool viel zu "konsistent", irgendwie, und ich bin auch etlichen Indies nicht abgeneigt. Manchmal habe ich auch große Lust auf DSA-Stimmungsspiel.

Von daher ist Oldschool für mich nur eine unbeschwerte Variante des Rollenspiels: Möglichst zügig einen Char auswürfeln, innerhalb von fünf Minuten einen Abenteuereinstieg abhaken und loslegen. Dabei ist das Setting mehr oder weniger austauschbar. Im Prinzip eigentlich gar nicht existent. Es braucht keine konsistenten Erklärungen, keinen geschichtlichen oder kulturellen Hintergrund. Man spielt weniger in einer Welt, sondern man spielt ein Abenteuer.

Und das war, auch wenn es streng genommen gar nicht mehr richtig oldschool ist, eben auch noch bei DSA1 eine Weile der Fall (das wird DSA1 heute ja auch zum Vorwurf gemacht): Hier ein Abenteuer, da ein Abenteuer, und dazwischen: alles völlig schnurz! Orks und Klabautermänner in Havenischen Kellern. Kein Kanon, kein Problem.

Deshalb ist für mich eben all das nicht mehr oldschool, was Wert auf (Setting-)Konsistenz legt.

Anders gesagt: Oldschool ist konkrete Kunst (dada). In der konkreten Kunst wird das einzelne Element (Wort, im Beispiel Literatur) nicht einem Gesamtzusammenhang untergeordnet, sondern bleibt "konkret" gemeint. In einem normalen, verständlichen Aussagesatz ordnen sich sämtliche enthaltenen Worte der Bedeutung und Grammatik der Aussage unter. Dadurch verlieren sie an eigener Bedeutung (deshalb können Worte ja auch, je nach Kontext, eine andere Bedeutung annehmen, d.h. der Kontext ist wichtiger als das Wort selbst).

Im Oldschool steht das einzelne Abenteuer, der einzelne Encounter einigermaßen für sich (von der Grundidee oder Tendenz her). Die Betonung und Ausarbeitung des Settings dagegen schafft eine Syntax, die den einzelnen Abenteuern eine bestimmte (grammatische oder semantische) Funktion innerhalb einer Gesamtaussage zuordnet. Im Extremfall also der Metaplot. (Witzig, dass konkrete Kunst sehr häufig mit Zufallselementen operiert hat und die Zufallstabelle -- zumindest in meiner Wahrnehmung -- ein wichtiges Element des Oldschoolspiels ist.)

Von daher hat Oldschool für mich wie konkrete Kunst etwas Augenblickhaftes, eine Konzentration auf das einzelne, aus dem Zusammenhang gelöste Element. Wie oben schon erwähnt wurde: Die Story entsteht eher beim Spiel. Bei anderen Arten des Rollenspiels dagegen ergibt sich meist ein größerer Zusammenhang, die Bedeutung einzelner Encounters sind in einem Kontext entschlüsselbar (es gäbe zum Beispiel einen guten Grund, eine Erklärung, weshalb Orks und Krakonier in einem aventurischen Verlies zusammenleben). Die einzelnen Elemente ordnen sich einer Syntax unter, die oft Plausibilität, Konsistenz oder "Realismus" genannt wird, manchmal aber auch nur Settingsatzung ist (dass es in Aventurien zum Beispiel keine Raumschiffe und Atomanlagen mehr gibt, ist eine solche Satzung).

Wow, und das Beste an diesem geschwollenen Theoretisieren ist, dass ich keine Ahnung habe, ob das irgendeinen Sinn ergibt  ~;D.

Was für mich auf jeden Fall gar nie nicht Oldschool ist, sind Spiele, die mit dem Satz daherkommen:

"A Roleplaying Game about ..."

Und dann kommt so etwas wie: Loss, Grieve, Power, Intrigue, Lust usw. Bei diesen Spielen ist jede Oldschooligkeit von vornherein verbaut. Schon die Charerschaffung folgt hier meistens irgendwelchen Themen, Satzungen, Motiven, und nicht einfach nur den Spielregeln. Damit ist kein "naiver", unbeschwerter, unmittelbarer Zugang mehr möglich, und damit war's das mit Oldschool. Was ja noch lange nicht heißt, dass das Spiel dann deshalb schlechter ist.

Übrigens stimmt das mit den Nostalgievorwürfen in meinem Fall sicherlich. Der Punkt, dass man das nicht wiederholen kann, ist auch richtig, vor allem auch, weil Oldschool in Reinform ein Konstrukt ist und man in der Realität so gut wie immer nur Mischformen antrifft. Diese Nostalgie aber lehrt mich, dass Konsistenz nicht alles ist. Sie ermuntert mich dazu, auch in nicht-oldschooligen Settings der Unmittelbarkeit den Vortritt vor der Settingtreue zu lassen. Nicht immer alles durchdenken und erklären wollen. Unkomplizierter und mit krassen Monstern (und vielleicht einem eingestreuten Dungeon) macht auch Spaß, auch wenn's dann nicht mehr "richtiges" Aventurien ist, metaphorisch gesprochen.

Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Bad Horse am 11.08.2011 | 20:35
Schöne Analyse!  :d

Ich weiß auch nicht, wie sinnvoll die ist, aber sie ist schön zu lesen und trifft den Kern ganz gut.  :)
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Belchion am 12.08.2011 | 06:52
Oldschool ist
a) ein Buzz-Word […]
b) ein Kampfbegriff … [der] … OSR (Old School Renaissance) …
So würde ich das auch sehen.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: Deep One am 12.08.2011 | 12:03
Für mich wird Old School an den Maximen Rulings, not Rules und Fordere die Spieler, nicht ihre Charaktere festgemacht. Für gute Beispiele halte ich DSA1 und Basis-/Experten-/Aufbau-D&D (wobei ich bei letzterem den Dieb als überflüssig streichen würde, aber das ist vielleicht OT). Es gibt ein einfaches Grundgerüst an Regeln und Werten, mit denen die SCs beschrieben sind und der Rest ergibt sich im Spiel aus den Regelungen, die Spielleiter und Spieler treffen. Rätsel, Interaktionen, Detektivabenteuer &c sind explizit dafür gedacht, die Spieler zu fordern, die Werte ihrer Charaktere kommen erst zum Zug, wenn der SL unschlüssig wegen des Ergebnisses ist.
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: D. Athair am 18.08.2011 | 13:29
Systeme, die persönliche Interaktion oder Entwicklung nicht mit Regeln versehen.
So ähnlich würde ich das auch definieren.

"Old School" - das sind für mich Spiele ohne langwierige Charakterplanung.
Charaktere werden über simple Point-Buy- oder Zufallsgenerierung erschaffen.
Fertigkeiten gibts nicht im heutigen Sinn oder sie halten sich in engen Grenzen.
Es gibt einen simplen, soliden, kaum aushebelbaren Regelkern.
Die Regeln sind nicht durchdesignt und können - abseits des Kerns - ein bißchen wie Flickwerk wirken.
Feats & Sonderregeln sind sehr überschaubar.
Das Spiel hat jede Menge Schnittstellen für eigene Ideen. => Do it yourself.


cD&D, Swordbearer, Ghostbusters und DSA 1 ... wären Spiele, die in engerem Sinn für mich "old school" sind.

Spiele, die ich nur bedingt mit "old school" beschreiben würde sind, die aber viele der old-school-Maximen beherzigen:
Traveller,
MechKrieger,
Sturmbringer,
Prince Valiant,
MERS,
WFRP 1,
WFRP 2,
und überraschenderweise: Solar System/TSoY.


Zusammengefasst:
Old-School-Spiele sind für mich Spiele, bei denen man sich erlauben kann in völliger Naivität an sie heranzutreten und sie einfach zu SPIELEN.

Korknadels Analyse ist im übrigen zustimmenswert.

Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: mattenwilly am 18.08.2011 | 14:47
Hmm,

Traveller würde ich dann aber massiv Einschränken auf "Classic Traveller" (und ggf. leider Mongoose/13Mann)

Die anderen Versionen sind da gaaanz weit weg.

Seit Mega haben die Versionen ein sehr breites Spektrum an Fertigkeiten und Fertigkeits-Kaskaden
Das Regelsystem IST durchdesigned mit integrierten Kampf/Bausystemen von "GI Joe" bis "Todesstern" (nicht MGT)
Die Chargens sind z.T recht komplex selbst wenn es Zufallslemente gibt (Lifepath, Contacts etc)
Die Sonderregeln sind nur deswegen überschaubar weil das Regelsystem breit angelegt ist.

Das einzige was bleibt sind "Feats", das Konzept haben aber diverse Systeme nicht haben (Cyberpunk etwa)
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: tartex am 18.08.2011 | 15:09
Prince Valiant,

Hab das zwar nie selbst in Händen gehalten, aber wird das nicht oft als das erste Storygame beschrieben?
Titel: Re: Oldschool
Beitrag von: D. Athair am 18.08.2011 | 15:57
Traveller würde ich dann aber massiv Einschränken auf "Classic Traveller" (und ggf. leider Mongoose/13Mann).
Natürlich. An andere Versionen hatte ich nicht gedacht.

[...] wird [Prince Valiant] nicht oft als das erste Storygame beschrieben?
Es war das erste Spiel, das sich "Storytelling Game" nannte.
Und obwohl es ein Erzählspiel ist, folgt es doch den Maximen, die Deep One ausgemacht hat.
Ebenso finde ich, dass Korknadels Überlegungen weitgehend auf PV zutreffen.

Von der grundlegenden Herangehensweise an Rollenspiel ist PV nicht weit von cD&D entfernt, auch wenn es
mit "taktischem Kriegsspiel" nichts mehr zu tun hat.