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Autor Thema: The Dracula Dossier (NBA) / Bewertung & Rezensionen  (Gelesen 1384 mal)

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Offline Thallion

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Hier könnt ihr eure Meinung zum NBA-Abenteuer The Dracula Dossier abgeben und nach Punkten bewerten.



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The Dracula Dossier

Abenteuer-Übersicht
Hier gelangt ihr zu der Auswertung und Übersicht bereits bewerteter Abenteuer:
http://www.tanelorn.net/index.php/topic,95570.0.html

Klappentext:
A Secret History Unearthed. A Legendary Horror Walks Again.

Presenting an epic improvised campaign for the Night's Black Agents Roleplaying Game. Do your Agents have what it takes to face the Lord of the Undead himself?

The Dracula Dossier follows in the fully improvisational path of the award-winning The Armitage Files campaign. Players follow up leads in the margins of Dracula Unredacted, a rare edition of Bram Stoker's masterpiece that reveals the terrifying truth behind the fiction. They'll chase down the real characters from Stoker's novel, their descendants in the present, and the British agents caught in the backblast.Directors combine these leads and notes with pre-prepared elements in the Director's Handbook, including:
•Conspiracy nodes, eerie locations and vampiric beasts
•More than 60 supporting characters in vampiric, heroic, or in-between versions
•Different versions of the real Mina Harker, Abraham van Helsing, and the other stars of Stoker's novel -- and their modern-day successors, descendants, and survivors -- who can drive the story in any direction the players look.Sample spread (Carfax)

Players choose which leads to track, which scarlet trail to follow. The Director, using the clear step-by-step techniques in this book, improvises a suitably blood-soaked thriller in response to their choices. Clear advice to players and Directors on improvisation, with extensive examples and guidelines, helps you set the scene. Together, you will read and write your own unique version of the Dracula Dossier. Follow the clues to end the story once and for all, and close Project EDOM forever. You will find, hunt, and kill Dracula, the king of the vampires. If you survive.

Offline Galotta

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Re: The Dracula Dossier (NBA) / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #1 am: 25.10.2016 | 10:31 »
kann mich gerne dabei auch jemand aufklären was was ist?
Dracula Dossier (Die Kampagne?)
Dracula Unredacted (der kommentierte Stoker roman?)
und dazu gibt es
Edom Files und Edom Field Manual. Was ist das.
Was ist notwendig, was ist cool... was ist überflüssig. danke!
« Letzte Änderung: 25.10.2016 | 10:53 von Galotta »
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Offline KhornedBeef

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Re: The Dracula Dossier (NBA) / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #2 am: 25.10.2016 | 10:37 »
Unredacted ist der kommentierte Roman, d.h. das dickste Handout das ich je in der Hand  hatte.
Directors Handbook ist das Kampagnenbuch
Edom Files ist ein Abenteuerbuch, das in die Kampagne passt, aber auch separat gespielt werden kann.
Edom Field Manual ist ein Erweiterungsbuch für Spieler und SPielleiter zur Operation Edom glaube ich.
Alles zusammen gehört zur Dracula Dossier - Serie
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Offline Galotta

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Re: The Dracula Dossier (NBA) / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #3 am: 25.10.2016 | 10:53 »
danke!
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Offline Scimi

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Re: The Dracula Dossier (NBA) / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #4 am: 25.10.2016 | 12:31 »
Das Dracula Dossier ist ein geheimes Dokument, das den SCs in die Hände fällt und das die langjährigen und noch andauernden Verstrickungen einer Verschwörung innerhalb des britischen Geheimdienstes (Edom) mit Graf Dracula beschreibt. Es ist außerdem der Name der Kampagne.

Dracula Unredacted ist ein Mashup, das auf dem originalen Dracularoman basiert. Neben Randnotizen von drei Generationen von Edom-Analysten wurde auch der Originaltext teilweise verändert und um weitere Charaktere ergänzt.

Das Director's Handbook ist das "Abenteuer". Allerdings ist es eher ein Abenteuerbaukasten, mit Orten, Charakteren und Organisationen für drei Zeitebenen, mit dem man sich seine Kampagne leicht zusammenbauen kann (also nix für Leute, die eine fest vorgegebene Handlung nach DSA-Manier suchen). Die Grundannahme ist, dass den Charakteren das Dracula Dossier in die Hände fällt und sie darum von allen Parteien gejagt werden, ohne erst einmal zu wissen, worum es geht. Die Spieler haben dazu Dracula Unredacted als Handout und picken sich interessante Stellen heraus, die die Charaktere näher untersuchen wollen. Das Handbook bietet dann dem SL Material, um diese Nachforschungen zu befüttern. Nach und nach enthüllt sich so bzw. entsteht überhaupt die ganze "Wahrheit" hinter dem Dracula-Dossier. Man muss das Material aber nicht so verwenden, von einer epischen, ein Jahrhundert umspannenden Kampagne, die alles verbrät, was das Buch zu bieten hat bis zu einer geradliniegen Obervampirhatz oder einem ganz eigenen Abenteuer, dass sich auf Randaspekte der Geschichte beschränkt, das Buch kann all das und lässt ich darum auch mehrfach für völlig unterschiedliche Geschichten verwenden.

Die Edom Files sind eine klassische Abenteuersammlung von unterschiedlichen Oneshots, die thematische Nebenschauplätze von Dracula abgrast und zeitlich in die Lücken der Haupthandlung fällt. Darunter ist ein Prequel und ein Einstiegsszenario zur Kampagne und ansonsten viel Kalter Krieg und literarische Vampire (Lord Ruthven, Carmilla). Die Spieler übernehmen überall die Rolle von Edom-Agenten, weswegen die Abenteuer schön den Hintergrund der späteren Gegenspieler in der Kampagne beleuchten.

Das Edom Field Manual ist ein Hintergrundbuch für die Edom-Verschwörung, entweder für den SL, wenn er die Organisation detaillierter darstellen will oder für die ganze Gruppe als alternatives Setting für vampirjagende britische Agenten anstelle von freischaffenden ehemaligen Agenten.

Die Hawkins Papers sind eine wilde Sammlung von Landkarten, Zeitungsausschnitten, Visitenkarten, Hotelrechnungen etc., die alle aus der Dracula Untedacted-Handlung stammen und als Handouts in die Kampagne eingestreut werden können.

The Thrill of Dracula ist schließlich ein ganz irres Buch, in dem Ken Hite jede Menge Draculafilme rezensiert, von uralt bis ganz neu, von Klassikern bis hin zu miesem Schrott und ganz absonderlichen Werken. Zu jedem Eintrag stellt er heraus, in welchen Aspekten gerade dieser Film von der Vorlage abweicht und wie sich diese Ideen verwenden lassen, um einer (oder der) Draculageschichte im Rollenspiel einen interessanten Twist zu geben.


Brauchen tut man streng genommen nichts davon, um eine Dracula-Kampagne mit NBA zu spielen, das Material hält sich ziemlich an die Romanvorgabe, das heißt, mit Wikipedia und ein wenig Kreativität und Arbeit kann ich bei einem ähnlichen Ergebnis landen. Zumal es ja keine feste Kampagne gibt und das Dracula Dossier auch nach zehnmal Durchspielen mit derselben Gruppe wieder völlig anders sein kann.

Andererseits hat Ken Hite einem (wieder einmal) die Arbeit abgenommen, völlig wahnsinnig zu sein und alle Bücher zu lesen, Quellen zu sichten, Filme zu schauen und dann alle Ideen und Möglichkeiten und Herangehensweisen durchzudenken.

Das Material aus allen Produkten greift gut ineinander. Wer den ganzen Batzen besitzt braucht kein anderes Rollenspiel und kein anderes Hobby mehr, weil er auf Jahre hinaus Stoff für Dracula, Dracula und nochmal Dracula hat.

Aber die Produkte funktionieren auch alle einzeln für sich. Dracula Unredacted lässt sich gut als Mashup-Roman lesen (mache ich gerade), bei dem das Original durch eine Geheimagenten-Thematik aufgebohrt wurde. The Thrill of Dracula ist ein cooles Geschenk für Kinofreaks oder ein tolles Handbuch für eine lange Dracula-Filmnacht zu Halloween. Die Edom Files sind eine NBA-Abenteuersammlung zum Kalten Krieg. Selbst die Hawkins Papers kann man als Dracula-Handouts für Cthulhu oder Space 1889 oder Private Eye etc. nehmen.

Also eigentlich kann man einfach kaufen, was einen interessiert, zwingend dazu brauchen tut man kein anderes Produkt aus der Reihe. Aber je mehr man hat, desto mehr Synergien kann man nutzen.

Offline KhornedBeef

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Re: The Dracula Dossier (NBA) / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #5 am: 25.10.2016 | 12:55 »
Schöner Abriss! Danke
"For a man with a hammer, all problems start to look like nails. For a man with a sword, there are no problems, only challenges to be met with steel and faith."
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Offline Chiarina

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Re: The Dracula Dossier (NBA) / Bewertung & Rezensionen
« Antwort #6 am: 25.10.2016 | 13:52 »
The Dracula Dossier... auf dem Rückcover findet sich ein Zitat von "The escapist", der das Buch "Gaming´s Most Insane Supplement!" genannt hat. Warum das?

Zunächst zu den Fakten:
Ich gehe hier zunächst von zwei Veröffentlichungen aus: Das Director´s Handbook und Dracula Unredacted. The Edom Files, Edom Field Manual und The Thrill of Dracula lasse ich mal außen vor, sonst wird das hier endlos... Einiges hat Scimi auch schon geschrieben, sodass ich mich hier an ein zwei Stellen wiederholen werde, aber ich bin erst jetzt fertig und will eine komplette Rezension einstelllen.

Dracula Unredacted ist tatsächlich der gesamte Bram Stoker Roman in einer (fiktiven) Urtextversion. Bram Stokers Roman, so wie wir ihn heute kennen, ist um ein paar Passagen erweitert worden. Im Text lässt sich nun lesen, wie es den ursprünglichen Vampirjägern wirklich ergangen ist. Dazu kommen farblich unterschiedene Anmerkungen von drei weiteren Personen, anhand denen man lesen kann, wie drei Generationen von britischen Geheimagenten den Text aufgrund ihrer eigenen Erfahrungen kommentieren. The Dracula Dossier geht im Idealfall davon aus, dass dieses Buch - Dracula Unredacted - den Agenten (Charakteren) in die Hände fällt und quasi als Auslöser für ihre Nachforschungen herhält.

Das Director´s Handbook enthält die eigentliche Kampagne und beginnt mit einer Kurzeinführung, in der beschrieben wird, wie Dracula bereits viermal in die Weltgeschichte eingegriffen hat: einmal zur Zeit Bram Stokers, einmal im zweiten Weltkrieg, einmal im Kalten Krieg und einmal in der unmittelbaren Vergangenheit. Jedesmal spielt auch eine Sonderabteilung des britischen Geheimdienstes, "Operation Edom", eine Rolle, die in der Regel daran interessiert ist, Dracula für ihre eigenen Interessen einzuspannen.

Dann folgt eine Anweisung, wie man das Buch einsetzen kann. Spätestens hier wird deutlich, dass es sich um kein normales Abenteuer handelt. Es werden Grundeinstellungen für eine Kampagne besprochen. Dazu gehören die für Night´s Black Agents typischen Pyramiden: Die Verschwörungspyramide, die Pyramide mit den Aktionen Draculas und die Pyramide mit den Aktionen von "Operation Edom". Darüber hinaus gibt es noch sogenannte Legacies, das sind Nachkommen der ersten Vampirjäger, die in Bram Stokers Dracula beschrieben werden. Für diese Legacies wird eine Liste von Handlungen vorgeschlagen, die ähnlich hierarchisch aufgebaut ist, wie die Pyramiden. Wie funktioniert das Ganze also? Die Agenten (Charaktere) decken nach und nach Draculas Verschwörung auf, geraten dabei irgendwie zwischen die Linien der Vampire und Operation Edom, provozieren von beiden Seiten Reaktionen und nebenbei mischen auch noch ein paar Legacies mit. All das ist durch die hierarchische Gliederung der Aktionen dramatisch vorsortiert, sodass bei dem sich entfaltenden Geschehen zunehmend mehr auf dem Spiel steht, bis schließlich ein Showdown die Kampagne beendet.

Es folgt ein weiterer Abschnitt mit Vorüberlegungen grundsätzlicher Art: Was habe ich als Director (Spielleiter) zu entscheiden, bevor es losgeht (z. B. Hat "Operation Edom" einen eigenen Vampir? Wissen die Geheimdienste von den Vampiren? Funktionieren Vampire wirklich so, wie sich das Van Helsing damals gedacht hat?)?

In den folgenden Kapiteln werden eine Unmenge an Settingdetails ausgepackt: Beschreibungen der Charaktere aus Bram Stokers Zeit, aus dem 2. Weltkrieg, aus dem Kalten Krieg und aus der Gegenwart, die übernatürlichen Gegner der Verschwörung, ein paar Monster mit eigener Agenda, Vampirprogramme weiterer Staaten, Organisationen, Firmen und Gesellschaften, Örtlichkeiten und Artefakte. Alle Informationen sind bewusst mehrdimensional angelegt. Für jede Organisation und für fast jede Person werden beispielsweise Angaben gemacht, wie man sich das vorzustellen hat, wenn sie neutral ist, wenn sie für "Operation Edom" tätig ist oder wenn sie Teil der Verschwörung Draculas ist. Jede Örtlichkeit wird sowohl als Nebenschauplatz als auch als wichtiger Handlungsort beschrieben, mit Angaben, wen man dort treffen könnte und jedes Artefakt wird als mächtiger, weniger mächtiger und gefälschter Gegenstand beschrieben.

Der Grund für diese unzähligen Doppelbeschreibungen ist der, dass im Kampagnenfall die Flexibilität gewahrt bleiben soll. Da eine Spielrunde wohl kaum den gesamten Dracula Unredacted Text durcharbeitet, bevor sie mit dem Spiel beginnt, wird sie sich mehr oder weniger zufällig auf irgendeinen Hinweis aus dem Text stürzen und von dort aus mit ihren Recherchen beginnen. Auch wie es von diesem ersten Schritt aus weitergeht ist völlig offen. Da ich aber am Anfang der Kampagne vielleicht nicht schon gleich als Director mein gesamtes Pulver verschießen will, baue ich am Anfang vielleicht erstmal ein oder zwei Gegner ein und die anderen Personen, denen die Agenten begegnen, spiele ich als Neutrale. Orte, an denen die Agenten Nachforschungen anstellen, verwende ich in der Nebenschauplatz-Variante, Artefakte sind vielleicht erstmal tendenziell weniger mächtig. Je weiter die Kampagne voranschreitet, umso mehr kann ich dann aufdrehen und mächtigere Elemente einbringen.

Zuletzt folgen noch vier weitere Kapitel. Das erste Kapitel ist das kürzeste im gesamten Band und enthält nur drei Beipiele für Abenteuer, wie sie sich aus dem vorgestellten Material ergeben könnten. Konkrete Beispiele für Handlungsverläufe könnte man sagen. Das zweite Kapitel stellt vier mögliche Showdowns vor, auf die man hinspielen kann. Das dritte stellt drei Kontexte vor, in denen die Kampagne angesiedelt werden kann (Cthulhu > "Draculas eigentliches Ziel ist es, ein gar schröckliches Mythosmonster herbei zu rufen" / Pulp > Die Nazis haben Hitlers Blut retten können. Was passiert, wenn das Dracula in die Hände fällt? / Generationenübergreifende Mammutkampagne > Wir spielen nicht nur hier und heute, sondern auch die Vorgeschichten aus Bram Stokers Zeit, aus dem zweiten Weltkrieg und aus dem Kalten Krieg selbst aus). Im allerletzten Kapitel wird ein zentraler Schauplatz der Kampagne - Bukarest - detaillierter beschrieben.

The Directors Handbook ist 366 Seiten stark und enthält noch diverse Indices und Suchhilfen. Der Schwerpunkt der Materialien liegt auf dem britischen Geheimdienst und den vorwiegend rumänischen Schergen Draculas. Aufgrund des offenen Materials ist es aber überhaupt kein Problem, auch Agenten aus anderen Nationen diese Kampagne spielen zu lassen.

Nun zu meiner Einschätzung und ich fange mit den Schwierigkeiten an: Das präsentierte Material ist in seiner Fülle zunächst verwirrend. Wer wie ich wenig Ahnung vom Vampirmythos hat und Bram Stokers Roman nicht kennt, für den wird nicht alles sofort verständlich. Ich empfehle daher, Stokers Roman vorneweg zu lesen - oder wenigstens eine etwas ausführlichere Zusammenfassung - oder wenigstens einen Dracula-Filmklassiker anzusehen. Außerdem lohnt es sich während der Lektüre immer mal wieder zum allerersten Kapitel zurückzublättern, in dem angerissen wird, was sich nach den Geschehnissen von Stokers Roman getan hat. Das Kapitel ist so kurz, dass es während der unzähligen Personeneschreibungen etc. leicht in Vergessenheit gerät. Es ist aber sehr wichtig. The Dracula Dossier bietet für einen Abenteuerband eine mir völlig unbekannte Offenheit. Es ist quasi eine üppig ausstaffierte und thematisch geprägte dramatische Sandbox. Die Agenten hoppsen nicht von Hex zu Hex, sondern von dramatischer Situation zu dramatischer Situation. Die Vorgeschichte und das Geschehen im Hintergrund sind gegeben, wie sich aber die Agenten dazu verhalten ist völlig offen. Wie der Director das Material zu konkreten Szenen anordnet ist auch völlig offen. Weil das Material so umfangreich ist, braucht der Director auch gar nicht erst zu versuchen, im Voraus einen Plot daraus zu stricken. Wer so vorgeht wird sich überlegen müssen, was er alles weglässt. Das wäre aber schade, denn das kann man auch die Agenten entscheiden lassen. Es ist ein Sprung ins kalte Wasser, für einen Director, aber auch für die Agenten, ich denke aber trotzdem, am sinnvollsten ist es wirklich irgendwo anzufangen (dort, wohin sich die Agenten nach der ersten, oberflächlichen Sichtung von Dracula Unredacted wenden) und dann zu sehen, wohin die Handlungen der Agenten die Kampagne trägt. In den Ruhepausen hat der Director genug zu tun: Er kann sich die Reaktionen des britischen Geheimdienstes, der Verschwörung Draculas und der ein oder anderen Legacy überlegen, steigende Dramatik planen und vielleicht Hinweise auf einen Kampagnenshowdown ausstreuen, den er irgendwann einmal gern ansteuern würde. Das heißt im Wesentlichen: Auch der Director von The Dracula Dossier weiß nach der Lektüre nicht, was ihm in der Kampagne bevorsteht. In gewisser Weise gilt das natürlich für jedes Abenteuer - der Faktor Ungewissheit liegt hier aber noch eine entscheidende Stufe höher als üblich. The Dracula Dossier ist deshalb nicht gerade ein Anfängerabenteuer. Wenn sich aber eine Gruppe mitdenkender Spieler mit einem experimentierfreudigen Director zusammentut, kann das eine absolut epische Angelegenheit werden.

"Gaming´s Most Insane Supplement"? Das Teil ist durchdachter, als es auf den ersten Blick aussieht. Wahnsinnig ist allerdings die Detailvielfalt, die hier eingeflossen ist.

Für mich indiskutable 5 Punkte.
« Letzte Änderung: 25.10.2016 | 13:57 von Chiarina »
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)