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Autor Thema: The Star Chamber (Delta Green RPG) / Bewertung & Rezensionen  (Gelesen 982 mal)

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Ucalegon

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Hier könnt ihr eure Meinung zu Greg Stolzes Delta Green-Szenario The Star Chamber abgeben und nach Punkten bewerten.

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The Star Chamber

Klappentext
Judges and jury.

Delta Green's Task Force T.I. screwed up. They were in Myanmar, deep in the undeveloped hinterlands. The operation went south, people died, and something unnatural and monstrous escaped -- perhaps with the aid of an agent from the task force.

Now they're the operation for a new team of agents. The player characters must hear testimony from the survivors of Task Force T.i., decide exactly what happened and who's responsible, and recommend a course of action to Delta Green's leaders.

The testimony plays out scene by bloody scene. In each flashback, the players temporarily take the roles of the members of Task Force T.I. The players get tips on how to play them based on their individual personalities and prejudices -- and, more importantly, the ways that their teammates remember them behaving. Memories of overwhelming terror are rarely accurate. But memories are all Delta Green has to go on if a further horror is to be prevented.

"The Star Chamber" includes a complete scenario and six "secondary" Agents, ready to play in the flashback scenes. It is playable with Delta Green: Need to Know or Delta Green: Agent's Handbook, available from Arc Dream Publishing.

Ucalegon

  • Gast
Auf Anfrage ein paar Erfahrungen zu Greg Stolzes DG-Szenario The Star Chamber:

Zitat
Eine Operation in Myanmar ist katastrophal schiefgegangen und Delta Green muss wissen warum. Eine Gruppe von Agentinnen und Agenten wird damit beauftragt, das extrahierte Team zu verhören, um herauszufinden, was im Dschungel wirklich passiert ist. Das Problem: Die Aussagen der Überlebenden widersprechen sich...

The Star Chamber ist Akira Kurosawas 'Rashomon' mit Anti-Göttern und automatischen Waffen.

Grundsätzlich ist The Star Chamber super, wenn man sich darauf einlassen kann. Ich habe das Szenario bisher dreimal geleitet. Als SL ist man in erster Linie angehalten, den vorgegebenen Szenen zu folgen und an den entsprechenden Stellen zu schneiden, d.h. in den "Gerichtssaal" bzw. in den Dschungel zu springen. Man muss definitiv mehr steuern als sonst.

In den Gerichtsszenen geht es darum, den Konflikt anzuheizen und klar zu machen, dass es grundsätzlich verschiedene Versionen der Geschichte gibt. Kann man als SL sowohl in der Rolle eines Primary machen, indem man gezielt nach Widersprüchen fragt, die sich idealerweise aus den gespielten Dschungel-Szenen ergeben, als auch in der Rolle eines Secondary, indem man die SC-Primaries unterbricht oder gegen die eigenen Teammitglieder auskeilt.

Die Dschungel-Szenen werden erzählt, sind also nicht objektiv, sondern haben eine Agenda. Die Spieler(innen) bekommen Rollenkarten um das anspielen zu können, aber auch als SL sollte man nicht vergessen, die Szenen entsprechend einzufärben.

Der zentrale Punkt:
Zitat
Consistency is not necessary. For maximum fun, it may not even be desirable. 

Was die einzelnen Szenen angeht, hatte ich in der letzten Runde das Problem, dass Mona und Rick in Szene Nr. 2 direkt ihre jeweiligen konspirativen Treffen (Mona: Militär; Rick: U Hlaing) angespielt haben statt brav mit dem Rest der Gruppe im Dorf rumzufragen wie von der Szene vorgesehen. Ich habe da ein bisschen verzögert, um ihnen genug Spotlight zu geben und die Spieler dann beiseite genommen, um mir sagen zu lassen, wie der jeweilige Deal ausgeht - das wissen schließlich die anderen nicht. Im Nachhinein hätte ich die Treffen direkt und vor allen ausspielen lassen sollen, um dann in Szene 3 die beiden Spieler getrennt vom Rest zu fragen, was sie jetzt *wirklich* mit dem Militär/U Hlaing vereinbart haben. Sicher nicht das, was gerade in der gemeinsamen Befragung rausgekommen ist. Oder?

Ansonsten sind zumindest die Dschungel-Szenen ziemliche Selbstläufer. Ein wichtiges Detail, das man als SL leicht vergisst, weil es in keiner der Szenen vorkommt sind Ricks Aklo-Narben. Die kann man entweder im Dschungel ins Spiel bringen oder im Gerichtssaal falls ein Arzt sich die Befragten mal näher anschaut, beim Abtasten nach Waffen oder so.

Für das Ende: Geschmackssache, aber ich habe mir keine "objektive" Lösung überlegt, d.h. entschieden wer jetzt Verräter(in) war oder nicht. Würde für mich das Szenario konterkarieren, zumal die SC in einem oneshot ohnehin keine Chance haben das rauszufinden. In einer Kampagne vielleicht schon eher.

Die größten allgemeinen Probleme sind:

Die Handouts sind extrem dicht gepackt und es dauert recht lange bis alle da durch sind. Und nicht jeder Spieler/jede Spielerin hat das alles immer im Kopf. D.h. als SL sollte man mit den Dingern vertraut sein und auch regelmäßig dazu auffordern, mal wieder ins Handout zu schauen.

Die Spieler(innen) in allen drei Runden haben - nachvollziehbar - versucht, eine vernünftige Ermittlung auf die Beine zu stellen, d.h. viel überlegt, wer wie wann was getan hat und so weiter. Da muss man als SL immer wieder zusammenfassen und aufs Wesentliche drängen. The Star Chamber ist kein Ermittlungsszenario und der "Fall" nicht objektiv zu lösen, d.h. wenn man da nicht aufpasst kommen die Spieler(innen) vom Hundertsten ins Tausendste. Zumal sie ja auch noch das Wissen aus den "objektiven" SC-Handouts haben.

Mein Eindruck: Spieler(innen), die Drama und SC-Konflikt nicht mögen, haben es schwer und gerade sie  - aber auch die anderen - setzen die Rollenanweisungen/die ziemlich drastischen SC-Hintergründe zu zögerlich um. Da muss man sie als SL anhalten, ihre SC wirklich am Anschlag und gegeneinander zu spielen.

Letztlich ist es aber weniger schlimm als es aussieht und das Szenario hat allen drei Runden sehr gut gefallen. Wie in Rashomon stehen am Ende von The Star Chamber auf jeden Fall die verschiedenen Versionen der Geschichte nebeneinander ohne dass eine objektive Erklärung oder Lösung gefunden werden könnte. DG-typisch natürlich mit einer Menge Paranoia und moralisch fragwürdiger Entscheidungen. Hervorragend und definitiv auf einer Stufe mit den besten Szenarios, die DG so hervorgebracht hat.

Wer auf Deutsch übersetzte Handouts möchte, kann mir gern eine PM schreiben.

Offline CiNeMaNcEr

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Thx, gut zu lesen und hilfreich.
Erleichert das umgehen des ein oder anderen Stolpersteins.
Bisher das Szenario nur gelesen, aktuell in Vorbereitung (wird aber wohl erstmal etwas hinten anstehen müssen, zuviel anderes in Planung).

Nachgehakt
Wielange haben die Runden jeweils genau gedauert?
Und hattest du jeweils Vollbesetzung der Charaktere?
- Leitet: One-Shots, wöchentlich (CoC7, UA2+3, Nemesis)
- Obsession: Kingdom Death:Monster.
- Passsion: Cthulhu Wars.

Ucalegon

  • Gast
Wielange haben die Runden jeweils genau gedauert?
Und hattest du jeweils Vollbesetzung der Charaktere?

Die erste unter 4h. Das war mit 3 erfahrenen Leuten. Mona und Pete waren nicht vergeben.

Die zweite 4,5h. Mit 4 dramafesten Spieler(inne)n. Mona war nicht vergeben.

Die dritte über 5h. Mit Vollbesetzung, aber wenig Dramaerfahrung. Hier waren zudem die Handouts umfangreicher - vorher hatte ich ja nur die aus dem Playtest.

Von den Dschungelszenen kann sich allerhöchstens die Befragung im Dorf ziehen, aber selbst da muss man irgendwann schneiden. In den restlichen Szenen besteht Handlungsdruck, d.h. die dürften sich fast immer zügig spielen. Die Befragungsszenen dagegen können lang werden, gerade wenn die Spieler(innen) wie bei meiner letzten Gruppe viel hin- und herüberlegen und ständig neue Fragen aufkommen. Ich würde das Szenario aber definitiv in einer Sitzung machen, sonst dürfte viel verloren gehen.
« Letzte Änderung: 20.11.2016 | 20:09 von Ucalegon »

ErikErikson

  • Gast
Gibt es Probleme mit wenig proaktiven Spielern?

Ucalegon

  • Gast
Gibt es Probleme mit wenig proaktiven Spielern?

Bei den Rückblenden in den Dschungel haben die Spieler(innen) Rollenkarten mit Hinweisen wie ihr jeweiliger SC in der Szene rüberkommt bzw. sollten natürlich den Charakterhintergrund vom Handout einbringen. Das ging in meiner letzten Runde, wenn auch ein bisschen zu zurückhaltend. Ansonsten sind das recht normale Szenen mit Ermittlung/Reaktion, d.h. keine besondere Herausforderung für die Zurückhaltenderen.

Während der Befragung in der Gegenwart spielt ein Teil der Spieler(innen) die Anklage und andere übernehmen die Befragten, die übrigen Charaktere nimmt die SL. Idealerweise haut die Anklage gefährliche Fragen raus, bohrt nach, stichelt, konfrontiert die Befragten mit Widersprüchen et cetera. Ein klassisches Verhör also. Die andere Seite muss ausweichen, die Schuld anderen zuschieben, versuchen die Jury zu beeinflussen und so weiter. Diese Szenen funktionieren schlicht nicht, wenn die SL das alles machen muss oder von beiden Seiten nur einsilbige Äußerungen kommen. Hier braucht man also einfach Leute, die sich da zumindest ein bisschen reinhängen.