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Autor Thema: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?  (Gelesen 5849 mal)

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Offline Arlecchino

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #100 am: 12.08.2017 | 02:21 »
Ich glaube, die vermutete Korrelation zwischen möglicherweise zu hohen Preisen und einer damit verbundenen, hohen Einstiegshürde in dass Hobby, bzw. Entmutigung, sich damit zu beschäftigen, ist größtenteils Fiktion.

Junge Leute, die mal per sé kein Geld für irgendwas haben dürften, sind der Hauptabsatzmarkt für Videospiele. Davon verkaufen sich noch immer die AAA's wie geschnitten Hummus und das meist in Vorbestellung oder direkt am Erscheinungstag, völlig unabhängig von all den Skandalen um day-one patches, Server die nicht funktionieren und DLCs die vorhandene Spielinhalte für Zusatzzahlungen freischalten. Das sind im Durchschnitt 50 - 100 € / Dollar, je nach Plattform. Dazu kommen Mikrotransaktionen, bezahlte Alphazugänge etc. - alles Sachen, die bei Licht betrachtet eigentlich abschrecken müssten, allerdings Millionenumsatz machen. Dienste wie Twitch und Youtube platzen aus allen Nähten von den Millionen an Traffic und revenue, der durch reinen Videospiel-Content produziert wird.

Das alles zeigt, dass all die logischen Abwägungen und Argumente, das Preis- Leistungsverhältnis und die Aufrechnung von Nützlichkeitsdauer und investierten Ressourcen (Zeit, Geld) für die potentiell wichtigste Gruppe an Neuinteressenten und Zu-Begeisternden größtenteils irrelevant sind. Diese Gruppe würde nicht mal mitbekommen, dass die Preise für Rollenspielwerke ins Rekordtief sinken, um das Hobby zu refinanzieren.

Tatsächlich glaube ich, dass man noch gut an den Preisen schrauben könnte und es hätte so gut wie keinen Effekt auf die Kaufkaft der betreffenden Konsumenten, wenn sich der entsprechende Kreis durch effektivere Verbreitung und aggressiveres, zeitgenössischeres Marketing im Verhältnis dazu vergrößern würde.

Und, um mal den Konjunktiv rauszunehmen: das tut er ohnehin. Ich finds seltsam, dass gerade jetzt - ausgerechnet in der Marvel-Nerd-Ära Hollywoods - trotzdem weiter der Schwanengesang der Szene am Horizont befürchtet wird und die Aktiven sich dazu geneigt sehen, mögliche Gründe für ein gefühltes Scheitern zu diskutieren. Dieser Thread ist ja offensichtlich eine Reaktion auf ein Gesprächsklima, das sich um möglicherweise zu hohe Preise dreht - sehr wahrscheinlich im Bezug auf die Verbreitung und Attraktivität des Hobbies. Das aktive Spieler kaum Probleme mit den Preisen haben zeigt ja schon allein der Konsens hier im Thread.

Um mal entsprechende Trends abzufragen: Critical Role auf Geek&Sundry hat im Durchschnitt 800.000 - 900.000 Klicks, der Kanal als solcher - der nicht wenig Material zum Thema tabletop gaming anbietet - hat locker durch die Hose geatmete 1.5 Mio Abonennten. Das sind doch keine Nischen in ihren letzten Atemzügen mit Blick auf das Licht am Ende des Tunnels. Diese Zahlen erreichen selbst Kanäle mit aktuellen let's plays von gehypten Games nich unbedingt.

Klar, USA und D&D. Ist eine Sache für sich. Der deutsche Markt ist anders, hier struggled man sich als Verlag vielleicht deutlich stärker durch. Aber ausgerechnet jetzt kommt plötzlich Popularität von Youtubern wie den Rocket Beans, womit die eigentliche Treib- und Strahlkraft ja erstmalig berührt wird. Und auch die Community besteht aus Leuten, die ihr Geld gerne und freigiebig in alles Mögliche investieren. In überteurte Games bei Release. In drölfzig Kickstarter-Projekte oder Patreons.. ganz zu schweigen von teurem Merchandise mit rein ideellem Wert. Die rechnen nicht auf, wie viel Stunden Spaß prozentual bei ner Spende an ihren Lieblings-Youtuber oder beim völlig absurd teuren Cosplay-Kostüm rumkommen. Die hauen ihr Geld drauf, weils geil ist. Und weil es eine fühlbare Community gibt, die den Wahnsinn teilt und mitmacht.

Es gibt in der Marketing-Branche dutzende Theorien zum Phänomen der price-quality-perception bei Konsumenten, das immer wieder die kontraintuitive Tatsache aufgreift, dass sich überteuerte Produkt besser verkaufen, als billige - allein aufgrund ihrer Strahlkraft als Marke und der psychologischen Konditionierung des Konsumenten, hohe Preise mit hoher Qualität bzw. besonderem Wert gleichzusetzen. Das trifft insbesondere auf Nischen- und Sammlerprodukte zu, worunter im Grunde alles aus der Nerd-Ecke fällt. Zu niedrige Preise könnten in diesem Fall sogar kontraproduktiv wirken, zumindest wenn sie konsistent sind. Das muss nicht sein, gibt aber einen Denkanstoß, inwieweit die Aufrechnung überhaupt relevant ist, wenn es um Verbreitung und Überlebenspotential von Hobby, Verlagen oder neuen Produkten geht.

Also: selbst wenn Rollenspiele zu teuer wären. mit möglichen Problemen der Industrie oder des Hobbies hätte das höchstwahrscheinlich wenig zu tun.
« Letzte Änderung: 12.08.2017 | 02:33 von Arlecchino »

Offline Maarzan

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #101 am: 12.08.2017 | 06:24 »
.... Die hauen ihr Geld drauf, weils geil ist. ...

Die Rollenspielangebote sind dann wohl einfach nicht "geil".
Oder die Kundschaft hier eine, welche nicht einfach nur in der Kathegorie "geil" denkt, muss sie doch auch noch so einiges an eigener Arbeit in das Spiel reinstecken bis es läuft, so dass der direkte Konsumkick da eh etwas verhaltenes ausfällt.
Und da ist es dann oft - auch gerade bei suboptimal passenden Kaufangeboten - recht naheliegend dann gleich so viel wie möglcih selbst zu machen.

Letztlich ist die Zersplitterung doch gerade ein Zeichen dafür, dass es kein Werk schafft auf breiterer Basis den Kundengeschmack zu treffen und damit den Drang zu senken, jetzt doch mal was anderes rauszubringen/zu kaufen was "richtig" ist.
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Offline Arlecchino

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #102 am: 12.08.2017 | 08:09 »
Sehe ich weniger pessimistisch, zumal die Begründung "weils geil ist" nicht herabwürdigend oder negativ gemeint ist.

Es kann schon sein, dass der durchschnittliche Rollenspieler kritischer im Umgang mit dem Angebot ist, das muss aber auch nichts Schlechtes sein - ist auch eine Art von Qualitätskontrolle. Ich glaube auch, dass das "geil"-Prinzip trotzdem greift. Gemeint damit ist in erster Linie, dass der Erwerb von Produkten nicht allein (oder gar nicht) aufgrund von nüchternen Kosten-Nutzen-Rechnungen erfolgt, sondern mit anderen Impulsen zu tun hat, u. a.: Spaß des Erwerbs (Endorphine, gut im "ich konnte nicht widerstehen, das habe ich neu!"-Thread zu sehen  ~;D), peer pressure bzw. hype, Medienpräsenz, Verbreitung durch "Influencer" (blödes Wort, meint aber was Reales: charismatische Vertrauenspersonen (andere Forennutzer, Rezensenten, Blogbetreiber etc.)), ansprechendes Design.

Diese Dinge sind recht universell (heißt, nicht unbedingt gebunden an Alter, Erfahrung, Umfeld) und sie ignorieren vor allem den Faktor "Preis" in großem Maßstab. Einige hier haben ja auch schon klar festgestellt, dass der Preis manchmal keine Rolle spielt, solange es das Hobby betrifft, oder Dinge, mit denen man Leidenschaft verbindet.

Das Lustige ist ja, dass bei entsprechender Verteilung durch diese anderen incentives (Hype, Community etc.) noch nicht mal wirklich wichtig ist, ob das Produkt näherer Prüfung standhält. Rollenspiele müssen also gar nicht besser, ausbalancierter oder durchdachter sein, als sie es jetzt sind, um besser anzukommen - zumindest nicht beim potentiellen Neukundenmarkt. Ich weiß es jetzt nicht genau, aber ich glaub, das was bei den Rocket Beans bisher gespielt wurde war ein unglaublich simples Halbhomebrew (korrigiert mich, falls ich falsch liege), das wahrscheinlich den Meisten hier sauer aufstoßen würde. Das ist aber völlig Latte, solange es Anziehung erzeugt. Gerade Einsteigerdrogen und Schnupperangebote profitieren ja davon, nicht allzu kompliziert zu sein.

Ich glaube weder zu hoher Preis, noch zu "nischiges" Design wären potentielle Gründe für das Schrumpfen von Marktpotential. Höchstens im Bezug auf die bereits bestehende und ausdünnende Gemeinde, sofern die ohne großen Neuzugänge isoliert ist. Wie gesagt, der Anspruch um neue Strahlkraft zu entwickeln ist denkbar gering. Es darf ruhig teuer sein, es muss alles andere als perfekt sein. Es muss die Leute nur erreichen.
« Letzte Änderung: 12.08.2017 | 08:20 von Arlecchino »

Offline Maarzan

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #103 am: 12.08.2017 | 08:37 »
Das es diesen "geil - muss haben" Effekt auch noch gibt, will ich ja gar nicht abstreiten. Aber offensichtlich ist dieser in der Breite nicht mehr produktionstragend, weil es eben nicht genügend Leute geil genug für den Preis finden.
Und das führt dann zu den entsprechenden Onlinediskussionen über "knausrige Spieler" oder "gierige Verlage" bzw. "zu teuer oder nicht", wenn es schonend verpackt wird.

Und Einstiegsdrogen sind in der Regel bis erfolgtem Anfixen auch umsonst oder sehr billig ... .
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Offline ArneBab

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #104 am: 12.08.2017 | 10:46 »
"Deutsches Einheitsbrei-Rollenspiel" … "Kommission für Richtiges Rollenspiel"
Du erschaffst hier einen Strohmann (Kommission gutes Rollenspiel), gegen den du dann gut argumentieren kannst und vermeidest es so, dich mit den wirklichen Argumenten auseinanderzusetzen.
Ich bin für möglichst viel freie Marktwirtschaft
Schreib das doch nochmal an einem Ort, an dem politische Diskussionen länger werden können, dann führe ich gerne aus, wieso eine unregulierte¹ Marktwirtschaft schon auf konzeptioneller Ebene dumm ist. Und wirtschaftlich dumm ist. Und schädlich für Demokratie ist. Oder du liest einfach die Links.

¹: Beachte diese Feinheit. "frei" bedeutet für verschiedene Leute unterschiedliches, deswegen nutze ich eine klarere Bezeichnung.

Marktwirtschaft hat allerdings keinen wirklichen Bezug zu der Art, wie wir Rollenspiele spielen, denn es hat niemand gefordert, dich zu irgendetwas zu zwingen, sondern dich nur ermutigt, dir deiner Rolle als Käufer und der Auswirkungen deiner persönlichen Entscheidungen bewusst zu sein.

Vielmehr ist eine funktionierende Marktwirtschaft davon abhängig, weitreichend Informierte und sich ihrer Möglichkeiten und der Auswirkungen ihrer Entscheidungen bewusste Käufer zu haben. Dieser Thread hier ist Teil der freien Entscheidungsfindung von sich ihrer Macht bewussten Konsumenten.

Siehst du, jetzt habe ich gleichzeitig gesagt "ein unregulierter Markt ist dumm" und "dieser Thread ist Teil einer funktionierenden Marktwirtschaft". Stehe ich übrigens dazu, denn es ist beides richtig, auch wenn es in vereinfachenden Phrasen so klingt, als würde das nicht zusammenpassen.

Aber, um es nochmal zu sagen: Wenn deine Ideologie die Grundlage für unsere Rollenspiel-Szene zerstört, halte ich deine Ideologie für schädlich.

Allerdings könntest du jetzt erklären, wieso Vielfalt als Grundlage unserer Szene notwendig ist, Rollenspiele bereichert und sowohl neue Leute in die Szene bringt als auch alte Hasen bei der Stange hält. Auch dafür gibt es Argumente, und ein paar davon habe ich in diesem Thread schon geschrieben. Die weiteren überlasse ich gerne dir. Es ist nämlich viel schöner zu diskutieren, was es alles an tollem gibt, und dann zu schauen, wie sich das möglichst gut vereinigen lässt.
« Letzte Änderung: 12.08.2017 | 11:13 von ArneBab »
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Offline ArneBab

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #105 am: 12.08.2017 | 10:58 »
wenn sich der entsprechende Kreis durch effektivere Verbreitung und aggressiveres, zeitgenössischeres Marketing im Verhältnis dazu vergrößern würde.

Und, um mal den Konjunktiv rauszunehmen: das tut er ohnehin. Ich finds seltsam, dass gerade jetzt - ausgerechnet in der Marvel-Nerd-Ära Hollywoods - trotzdem weiter der Schwanengesang der Szene am Horizont befürchtet wird und die Aktiven sich dazu geneigt sehen, mögliche Gründe für ein gefühltes Scheitern zu diskutieren.

Um mal entsprechende Trends abzufragen: Critical Role auf Geek&Sundry hat im Durchschnitt 800.000 - 900.000 Klicks, der Kanal als solcher - der nicht wenig Material zum Thema tabletop gaming anbietet - hat locker durch die Hose geatmete 1.5 Mio Abonennten. Das sind doch keine Nischen in ihren letzten Atemzügen mit Blick auf das Licht am Ende des Tunnels. Diese Zahlen erreichen selbst Kanäle mit aktuellen let's plays von gehypten Games nich unbedingt.

Es gibt in der Marketing-Branche dutzende Theorien zum Phänomen der price-quality-perception bei Konsumenten, das immer wieder die kontraintuitive Tatsache aufgreift, dass sich überteuerte Produkt besser verkaufen, als billige - allein aufgrund ihrer Strahlkraft als Marke und der psychologischen Konditionierung des Konsumenten, hohe Preise mit hoher Qualität bzw. besonderem Wert gleichzusetzen. Das trifft insbesondere auf Nischen- und Sammlerprodukte zu, worunter im Grunde alles aus der Nerd-Ecke fällt.
Das stimmt. Wir reden eigentlich nur über die Gruppe von Leuten, bei denen das Spiel gekauft wird, obwohl sie noch nicht völlig davon begeistert sind. Also z.B. von Kindern, die das Spiel von ihren Eltern zum Geburtstag bekommen.

Und um das praktische Fazit zu ziehen: Um Geld zu verdienen, sollte ich eine Leinengebunden Erinnerungs-Fassung des Zettel-RPGs auf nachhaltig und zu fairen Löhnen hergestelltem Papier produzieren.

Oder einen richtig liebevoll gemachten Schnell-Starter¹ zu DSA, der so gut produziert ist, dass ihn noch meine Urenkel zum spielen nehmen können.

¹: Einen Schnell-Starter, weil der für alle DSA-Spieler sinnvoll sein kann: Wenn jemand neues kommt, kriegt der oder die einfach den hochwertigen Schnell-Starter in die Hand, der in der kürzest möglichen Zeit ein tolles Bild des Spiels zeichnet und die Minimalinformationen vermittelt, die zum Spielen notwendig sind. Wenn der was ist, das ich in der Bahn jemandem zeigen kann, das ihn oder sie dazu bringt, mich zu einer Testrunde zu überreden zu versuchen, dann ist er richtig.
« Letzte Änderung: 12.08.2017 | 11:07 von ArneBab »
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Offline ArneBab

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #106 am: 12.08.2017 | 11:02 »
Verbreitung durch "Influencer" (blödes Wort, meint aber was Reales: charismatische Vertrauenspersonen (andere Forennutzer, Rezensenten, Blogbetreiber etc.)),
Influencer sind notwendig, damit gesellschaftliche Kommunikation skaliert: Darüber entscheiden wir, worauf wir vertrauen können. Sie werden nur problematisch, wenn ihre Aussagen nicht hauptsächlich von der Qualität des Produktes und ihre eigene Erfahrung getragen werden, sondern entweder durch dessen Verfügbarkeit (z.B. über Probe-Exemplare) oder durch Bezahlung aus anderen Quellen (z.B. durch Werbung oder verdeckte Sponsoring-Verträge).
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Offline Maarzan

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #107 am: 12.08.2017 | 11:08 »
Gleich sind wir beim BGR - BedingungslosenGrundRegelwerk ...  ~;D

Wobei ich vermuten würde, dass "reine Marktwirtschaft" in einer per nahezu einstiegshürdenfreien Nische des Freizeit- und somit Luxusmarkt andere Auswirkungen hat als wo sie Grundversorgung betrifft.
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Offline ArneBab

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #108 am: 12.08.2017 | 11:29 »
Gleich sind wir beim BGR - BedingungslosenGrundRegelwerk ...  ~;D

Wobei ich vermuten würde, dass "reine Marktwirtschaft" in einer per nahezu einstiegshürdenfreien Nische des Freizeit- und somit Luxusmarkt andere Auswirkungen hat als wo sie Grundversorgung betrifft.
Das BGR haben wir doch schon! (zeigt zutiefst empört auf seine Signatur  ;D) Ist nur dummerweise so ein Splitterding. :cthulhu_smiley:

Auch einstiegshürdenfreie Märkte sind nicht frei von Skalierungseffekten (10k Bücher sind Faktor 10 billiger zu produzieren als 10 Bücher), und der Rollenspielmarkt ist weit entfernt davon, einstiegshürdenfrei zu sein: Wenn du willst, dass Leute in einer neuen Region Leute finden können, die das Spiel auch spielen, musst du schon zu den Großen gehören, oder in der Region viel in die Verbreitung deines Werks investieren. Oder ein bestehendes, weitverbreitetes Spiel als Grundlage nutzen, mit all den Begrenzungen, die das mit sich bringt.

Daher "andere Auswirkungen ja, aber nicht ohne die Probleme", und "selbst wenn, würde das auf Rollenspiele nicht zutreffen" :)
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Offline Maarzan

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #109 am: 12.08.2017 | 11:41 »
Das betrachtet das Ganze aber schon wieder aus der Sicht traditionell operierender Verlage.

Aber von Spielerseite muss ich eh meine potentiellen Spieler überzeugen das zu Spielen, was mir vorschwebt oder gar selbst neu rekrutieren. Da ist überlegene Marktpräsenz schon sehr weit weg.
Nehmen wir aber umgekehrt einen theoretischen Monopolisten. Keiner kann mich hindern ein eigenes Werk als pdf zu verfassen und zu verbreiten. Und damit fallen meines Erachtens die unschönen Nebenwirkungen eines in Schieflage geratenen, nicht mehr ganz so freien Markts, hier in diesem Hobby heraus, weil jeder Willige jederzeit nebenbei mit einsteigen könnte.
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Offline Nebula

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #110 am: 12.08.2017 | 12:04 »
Auch einstiegshürdenfreie Märkte sind nicht frei von Skalierungseffekten (10k Bücher sind Faktor 10 billiger zu produzieren als 10 Bücher)

jemand anderes meinte, daß die Buchproduzierpreise so minimal sind, daß da kaum noch ein Unterschied ist ob jetzt 1000 Bücher machst oder 100.000

natürlich musst die Fixkosten dann auf weniger Exemplare umlegen, aber das Drucken an sich ist jetzt kein Skalierungseffekt

Offline ArneBab

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #111 am: 12.08.2017 | 12:40 »
jemand anderes meinte, daß die Buchproduzierpreise so minimal sind, daß da kaum noch ein Unterschied ist ob jetzt 1000 Bücher machst oder 100.000
Deswegen habe ich ja von 10 und 10k gesprochen, nicht von 1000 und 100k. 1000 Bücher sind für ein Rollenspiel schon eine sehr hohe Auflage.
« Letzte Änderung: 12.08.2017 | 12:46 von ArneBab »
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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #112 am: 12.08.2017 | 12:46 »
Das betrachtet das Ganze aber schon wieder aus der Sicht traditionell operierender Verlage.

Aber von Spielerseite muss ich eh meine potentiellen Spieler überzeugen das zu Spielen, was mir vorschwebt oder gar selbst neu rekrutieren.
Hier gehst du jetzt davon aus, dass du deine potenziellen Spieler schon kennst, und dass ein bekanntes Spiel für Spieler kein eigener Wert ist. Ist also (auch!) kein vollständiger Blick.

Die abgesehen von den Skalierungseffekten verbleibende Herausforderung ist nicht technisch oder wirtschaftlich, sondern sozial: Was Leute schon kennen ist ein Wert für andere Leute. Idealerweise würdest du dein Spiel auf den Gratisrollenspieltag bringen, um mehr Leute zu haben, die es zumindest kennen und deswegen eher mal ausprobieren würden. Nicht dass das irgendwas damit zu tun hätte, dass es das Zettel-RPG bereits dreimal auf dem Gratisrollenspieltag gab. ;D
(Werbung und viel Material zu liefern ist allerdings noch effizienter, braucht aber auch viel mehr Resourcen)
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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #113 am: 12.08.2017 | 13:40 »
Ich bin für möglichst viel freie Marktwirtschaft
Danke im Nachhinein für deinen Kommentar! Durch ihn bin ich endlich dazu gekommen, meine Kritik am unregulierten Markt sauber zusammenzubringen: http://draketo.de/politik/unregulierte-marktwirtschaft
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Offline Roland

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #114 am: 12.08.2017 | 21:20 »
Nein, Rollenspiel sind nicht zu teuer.

natürlich kostet das Übersetzen und das neue Layout was. Die Auflage ist sicher auch kleiner somit der Gesamtumsatz/Gewinn

Aber dann sind auch die Lizenzgebühren zu hoch? Wenn man das Endprodukt statt 35 für 50 EUR verkauft?

Wo geschieht das, abgesehen von Einzelfällen?
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Offline Nebula

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #115 am: 12.08.2017 | 21:28 »
Alle D&D 5e Sachen

Zu anderen Systemen kann ich nix sagen

Offline Roland

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #116 am: 12.08.2017 | 22:06 »
Bei D&D gilt 50$ = 50 €.
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Offline Mr.Renfield

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #117 am: 12.08.2017 | 22:08 »
Bei D&D gilt 50$ = 50 €.

hach, jetzt muß ich an die frühen und mittleren 90er denken, als zur happy hour auf der messe an manchen ständen 1$=1DM galt.
damals als ich noch ad&dkrams kaufte.

Offline Roland

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #118 am: 12.08.2017 | 22:21 »
Das findest Du heute auch noch, aber es gab auch Zeiten, in denen ein Dollar weit über 2 DM lag.

Kurz zur Erläuterung -  der Dollar bewegte sich bis vor kurzer Zeit über eine längere Periode recht nah beim 1:1 Wechselkurs, die US-Preise werden ohne Mehrwertsteuer ausgewiesen und die Kaufkraftumrechnung liegt bei ca. 1:1.

Soweit ich weiß, hätte sich Ulisses auch vorstellen können, die Bücher etwas preiswerter zu verkaufen, der Lizenzgeber hatte da aber Preisparität im Sinn. Ohne die deutsche Buchpreisbidung könnte man die Bücher aber sicher auch irgendwo für 35 € erstehen.
« Letzte Änderung: 12.08.2017 | 23:52 von Roland »
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Offline Grimtooth's Little Sister

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #119 am: 12.08.2017 | 23:55 »

1) Wie teuer schätzt du, sollte das Produkt sein?

So, dass es sich jeder,derspielen möchte,auch leisten kann. Das ist leider nicht immder der Fall.

Zitat
2) Hast du dabei bereits folgende Kostenpunkte berücksichtigt?
2 a) Autoren? Wie viele schrieben daran mit?
2 b) Lektorat und Korrektorat?
2 c) Illustration?
2 d) Satz?
2 e) Druck? (Man beachte die kleinen Auflagen.)
2 f) Gewinnmarge des Händlers?
2 g) Laufende Kosten des Verlags? (Lager, Unterhalt, Lohnkosten usw.)

Jein. Ich berechne das Kosten/Nutzen Verhältnis und die Qualität des Produktes.

Zitat
3) Wie viel, denkst du, verdient jemand in der Rollenspielbranche?

Normalerweise nicht viel.

Zitat
4) Wie viele Spielstunden wirst du aus dem Produkt rausholen? Wie viel Geld ist das dann pro Stunde Unterhaltung?

Weiß ich ja erst nach mehreren Jahren.

Zitat
5) Wenn du deine Runde ins Kino einlüdest, wie teuer wäre das dann? Wie viel Geld wäre es pro Stunde Unterhaltung?
Warum sollte ich das tun? Bin ich reich? Ich bin nicht in der Lage, irgendjemanden irgendwohin einzuladen. Daher ist das völlig irrelevant.

Zitat
6) Wie viel gibst du bei einer Spielsitzung in etwa für Naschen, Getränken usw. aus? Wie viel ist das pro Stunde Unterhaltung?
Nix. Das bischen,was ich da esse,esse ich sonst ja auch.

Zitat
7) Rauchst du? Isst du oft sehr ungesunde Sachen (Süßigkeiten, Chips, Fast Food usw.)?
7 a) Wenn ja, wie viel Geld gibst du im Monat für deinen Lungenkrebs/Herzinfarkt aus?

Nein und wenig.


Alles in allem sind die meisten RPG Bücher zu teuer wenn man einfach nur den Inhalt will. Solche coolen Bücher wie bei SpliMo sind das Geld natürlich wert, aber auch da hole ich mir für einige Dinge dann lieber die kleinen Bücher in der nächsten Auflage,z.B für die Mondstahlklingen.
Fliegen bei einem Scientologen im Schampusglas - wenn Insekten in Sekten in Sekt enden.

"Opa, wir essen jetzt!" (Aktion: Sprich Leute direkt an und spar die Satzzeichen!)

Zitat von: Slayn
Das ist ungefähr so als sollte eine Nutte auf Einhorn-Jagt gehen, das klappt auch nicht.

Offline D. Athair

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #120 am: 13.08.2017 | 01:10 »
Kurz zur Erläuterung -  der Dollar lag bis vor kurzer Zeit über eine längere Periode recht nah beim 1:1 Wechselkurs, die US-Preise werden ohne Mehrwertsteuer ausgewiesen und die Kaufkraftumrechnung liegt bei ca. 1:1.
Wobei - bis auf die letzen 2 Jahre - die Umrechnung in den letzten 10 Jahre bei 1,30$ - 1,50$ lag.

[...] der Lizenzgeber hatte da aber Preisparität im Sinn.
Hast du da ne Quelle?
Dass Ulisses gern einen niedrigeren Preis anvisiert hätten, hat Markus Plötz mal in nem Ulisses-Videopodcast gesagt.
@ Preisparität und Buchpreisbindung: Funktioniert nicht so gut miteinander.

Dazu kommt - gerade bei D&D: Dass die Marke im hiesigen Markt längst nicht die Stärke wie auf dem US-Markt hat, was durch das frühe Einkassieren der D&D4-Lizenz sicher nicht besser geworden ist. 


Und um noch mal zum Thema zurückzukommen:

Ich finde, dass Rollenspielprodukte generell nicht zu teuer sind. Teilweise ist das aber so und teilweise sind sie zu billig.
Es kommt auch auf die Zielgruppe drauf an.

D&D5, das als "Mainstream-Spiel" gedacht und designt ist käme in der deutschen Ausgabe sicher deutlich besser an, wenn der Preis bei 34,95 oder 39,95 liegen würde.

Bei anderen Spielen ist es anders.



Wobei ich finde, dass die Diskussion momentan nicht so einfach ist, da sich der Markt im Umbruch befindet.
Da Rollenspielprodukte heute deutlich einfacher herzustellen sind, haben wir es mit sehr unterschiedlichen Marktakteuren zu tun:
Echten Unternehmen, 1Mann-Hobbyverlagen, eingetragenen Vereinen (die keine wirtschaftlichen Zwecke verfolgen dürfen), ...

Diese produzieren höchst unterschiedliche Produkte: "Bildbände für Sammler", auf Spielperformance zugeschnittene Inhalte, Romanersatz-Produkte für ehemalige Spieler, Merchandise, Spielhilfsmittel, ...

Und dasselbe auf höchst unterschiedlichem Niveau.

Ich sehe da ähnliche Entwicklungen am Werk, wie sie schon im Musik-Bereich Alltag sind.


Wenn man sich den hiesigen Gebrauchtwarenmarkt anschaut, dann kann man daraus schließen:
Der RSP-Markt ist - in manchen Bereichen und generell - gut bestückt. Und da RSP-Regelwerke nicht so ohne Weiteres veralten (auch wenn die These mal recht populär war), bedeutet ein hoher Produktausstoß bei gleichzeitig insgesamt relativ saturiertem Markt auch, dass der Gebrauchtwarenmarkt größer wird und stärker in Konkurrenz zur Neuware tritt als bisher. Das drückt in gewisser Weise auch den Preis.


Zu den Fragen vom Anfang:

1) Wie teuer schätzt du, sollte das Produkt sein?

2) Hast du dabei bereits folgende Kostenpunkte berücksichtigt?
2 a) Autoren? Wie viele schrieben daran mit?
2 b) Lektorat und Korrektorat?
2 c) Illustration?
2 d) Satz?
2 e) Druck? (Man beachte die kleinen Auflagen.)
2 f) Gewinnmarge des Händlers?
2 g) Laufende Kosten des Verlags? (Lager, Unterhalt, Lohnkosten usw.)

3) Wie viel, denkst du, verdient jemand in der Rollenspielbranche?

4) Wie viele Spielstunden wirst du aus dem Produkt rausholen? Wie viel Geld ist das dann pro Stunde Unterhaltung?

5) Wenn du deine Runde ins Kino einlüdest, wie teuer wäre das dann? Wie viel Geld wäre es pro Stunde Unterhaltung?

6) Wie viel gibst du bei einer Spielsitzung in etwa für Naschen, Getränken usw. aus? Wie viel ist das pro Stunde Unterhaltung?

7) Rauchst du? Isst du oft sehr ungesunde Sachen (Süßigkeiten, Chips, Fast Food usw.)?
7 a) Wenn ja, wie viel Geld gibst du im Monat für deinen Lungenkrebs/Herzinfarkt aus?
1) So teuer oder billig, dass ich den Preis bezahlen will. Wobei ich das Einzelprodukt lieber zum kleinen Preis haben will.
Das heißt nicht, dass Produkte billig sein müssen.

2a) Warum sollte die Zahl der Autoren relevant sein?

2b) Ist mir ziemlich wichtig. Wenn das gut gemacht ist, bin ich bereit mehr zu bezahlen.

2c) Ich mag charaktervolle Bilder bei denen die Illustratoren und Känstler ihren eigenen Stil einbringen (vgl. Maze of the Blue Medusa, Malmsturm, Dark Streets). Mittlerweile schätze ich sogar Wayne Reynolds dafür, auch wenn sein Stil nicht zu meinen Präferenzen gehört.
Hochglanz-Illus im gängigen Photoshop-Stil auf Hochglanzpapier (7te See, DSA5, D&D5, Shadowrun, ...) sind für mich ein Grund weniger bezahlen zu wollen. Zum einen bin ich daran interessiert ein Spielhilfsmittel zu kaufen und weniger einen Bildband. Insbesondere, wenn ich das Artwork für eher "uninspirierte Stimmungsbilder" halte.

Bildbände kaufe ich gern separat. Zum Beispiel: The Art of Ian Miller oder das "Classic Dungeon Crawl Art Folio: Peter Mullen oder John Blanche's Inquisitor Sketchbook ...

2d) Satz und Layout sind mir wichtig. Gut gemacht ist mir das einige Euros zusätzlich wert.

2e) Druck: Auch was Wichtiges. Papierwahl, Druckqualität (v.a. beim Schwarz sichtbar) ... sind mir wichtig. Da zahle ich auch gern mehr, wenn das für mich stimmt. Bei der Bindung gilt das auch. Wichtig sind mir außerdem kurze Transportwege. Hochglanz und "printed in china" sorgen dafür, dass ich weniger zu zahlen bereit bin.

2f) ... kommt drauf an. Ich kaufe meinen Kram bei ausgewählten Händlern oder direkt. Wegen mir muss ein Verlag Amazon bei der Mischalkulation nicht berücksichtigen. Wer Online-Shopping kann, findet auch andere Bestell-Moglichkeiten.

2g) wird berücksichtigt.

3) Gegenfrage: Wieviel verdient jemand in der Musikbranche?

4) Kommt drauf an. Auch wofür ich's gekauft hab.
Dazu kommt: Wie verrechne ich ein Quellenbuch, oder die Ultimate Toolbox oder PC Pearls oder Designers & Dragons?

5) Kino-Einladungen ... wüsste nicht was das mit RSP zu tun haben soll. Mal abgesehen davon, dass ich a) selten ins Kino gehe und b) gerade Hollywood kaputt gehen würde, wenn ich der Maßstab wäre.

6) Hmmm ... Getränke würden so auch anfallen. Naschkram vielleicht nicht - wobei Karotten geldtechnisch nicht so ins Gewicht fallen.

7a) Da werden doch sehr viele Dimensionen durcheinander gewirbelt - inklusive gesellschaftlicher und psycho-sozialer.
Hier könnte man auch die Frage stellen ob Rollenspiel nicht auch unter selbstschädigenden Verhalten fällt, da man in der Zeit eher nicht z.B. Sport betreibt.
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Offline ArneBab

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #121 am: 13.08.2017 | 08:36 »
3) Gegenfrage: Wieviel verdient jemand in der Musikbranche?
Gegenantwort: Meines Wissens nach verdienen 2/3tel der Bands nichts, oder zumindest keine relevanten Mengen. Across the Border, die in Karlsruhe die gesamte Linke Szene vereint hatten und international aufgetreten sind, haben mal geschrieben, dass sie von dem ganzen etwa einen Kasten Bier verdient haben — und die Möglichkeit, mit vielen ihrer Idole aufzutreten.
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Offline Nebula

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #122 am: 13.08.2017 | 08:50 »
Bei D&D gilt 50$ = 50 €.

ok zumindest stehen die 50$ aufm Buchrücken, aber bei amazon.com gibts das Teil für 30$
https://www.amazon.com/Players-Handbook-Dungeons-Dragons-Wizards/dp/0786965606

aber dann könnte Uli (bei der Differenz, weil sie ja 50 € einnehmen) paar kostenlose Sachen rauspushen, das wäre ja sogar noch Werbung. Oder wer behält die 15? (ja ich weiss bevor wieder jemand rummspießt, da ist natürlich noch Steuer zum Abziehen, Lizenzgebühr wohl %ual...)

Offline Feuersänger

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #123 am: 13.08.2017 | 09:01 »
Bei D&D gilt 50$ = 50 €.

Mit dem Unterschied, dass die $50 lediglich der MSRP sind, den vermutlich noch kein Amerikaner je bezahlen musste. In der Praxis wurde das PHB in der Anfangsphase sogar mal für $10 rausgedrückt. Normaler Verkaufspreis war mehr so $30. Wie es jetzt, Jahre später aussieht, wo der Markt längst gesättigt ist, steht auf einem anderen Blatt.
Sich da auf den Standpunkt "$50=50€" zu stellen ist ein ganz schwaches Argument, weil die $50 nur eine Zeichenfolge auf dem Buchdeckel sind die mit der Marktrealität nichts, aber auch gar nichts zu tun haben.
Der :T:-Sprachführer: Rollenspieler-Jargon

Zitat von: ErikErikson
Thor lootet nicht.

"I blame WotC for brainwashing us into thinking that +2 damage per attack is acceptable for a fighter, while wizards can get away with stopping time and gating in solars."

Kleine Rechtschreibhilfe: Galerie, Standard, tolerant, "seit bei Zeit", tot/Tod, Stegreif, Rückgrat

Offline Roland

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Re: Sind Rollenspielprodukte wirklich teuer?
« Antwort #124 am: 13.08.2017 | 10:20 »
Oder wer behält die 15?

Die teilen sich meist Verlag, Großhandel und Einzelhandel. Amazon übt einen recht großen Preisdruck auf Verlage aus, Patric Götz vom Uhrwerk Verlag sprach z.B. im Orkenspalter Sommerinterview (ab Minute 9) darüber, dass mehr Crowdfundings unter anderem dadurch nötig werden, dass die niedrigen Verkaufspreise an Amazon ausgeglichen werden müssen.

Mit dem Unterschied, dass die $50 lediglich der MSRP sind, den vermutlich noch kein Amerikaner je bezahlen musste.

Musste wohl nicht, aber schon bezahlt hat. Ähnlich wie in Deutschland bewegen sich die Preise für Güter (Bücher wegen der Preisbindung mal ausgenommen) im US-Einzelhandel zwischen den vom Hersteller empfohlenen und den nicht unbedingt kostendeckenden Preisen großer Onlinediscounter. Kleine Einzelhändler verkaufen Bücher zum(mindest nah am) empfohlenen Verkaufspreis während z.B. Amazon ihren wesentlich größeren Spielraum zur Kundenbindung und -gewinnung nutzen.   

Sich da auf den Standpunkt "$50=50€" zu stellen ist ein ganz schwaches Argument, weil die $50 nur eine Zeichenfolge auf dem Buchdeckel sind die mit der Marktrealität nichts, aber auch gar nichts zu tun haben.

Die Marktrealität ist für jeden Marktteilnehmer eine andere. Aktuell würde ich, bzw. ein US-Fachandel z.B. für das D&D Player's Handbook im US-Großhandel ca. 28,50$ zahlen, der Preis in Deutschland liegt bei 32 €. Amazon bekommt das Buch wahrscheinlich für ca. 19$.
« Letzte Änderung: 13.08.2017 | 10:37 von Roland »
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