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Autor Thema: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation  (Gelesen 1548 mal)

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Offline Chiarina

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Die eine Night´s Black Agents Runde ist eine organisatorische Katastrophe, die andere aber ist meine alte Hausrunde und trifft sich (fast) immer einmal im Monat. Vielleicht nicht die spritzigste Runde, aber auch sie ist für ein paar Überraschungen gut... und vor allem sind die Spieler inzwischen einigermaßen experimentierfreudig. Nach langen Jahren Midgard und etwa 2 Jahren Fate haben wir drei Sitzungen Fear Itself gespielt. Das Gumshoe-System wurde hier interessanterweise relativ wohlwollend aufgenommen, so dass wir ihm nun eine größere Chance geben. Natürlich ist es alles andere als sicher, ob wir so ein wahnwitziges Unterfangen wie die „Unto the fourth generation“ Kampagne aus dem Dracula Dossier wirklich durchspielen werden, aber je länger ich darüber nachgedacht habe, kam ich zum Schluss: Wenn überhaupt, dann mit dieser soliden, beständigen Runde. Und wenn´s nicht komplett klappt, dann war eben der Weg das Ziel. Gespielt wird die Geschichte der englischen Geheimdienstabteilung Edom. Die Abenteuer werden zeitlich relativ große Abstände aufweisen, die Charaktere infolgedessen schneller altern und schon deshalb häufiger wechseln. Die Abenteuer, die wir spielen, richten sich nach den Stationen von "Unto the fourth generation", ansonsten stammen sie aus The Edom Files, anderen Night´s Black Agents Veröffentlichungen, konvertierten Abenteuern für Esoterrorists, konvertierten Abenteuern aus den geläuterten cthulhoiden Horror Rezis, hin und wieder werde ich auch mal ein selbst geschriebenes Abenteuer einfügen. Am Ende steht als krönender Abschluss das Dracula Dossier... Hybris? Naja. Ich betrachte das Vorhaben mit Humor und sehe es als meinen Beitrag an, im Luther-Jahr ein Apfelbäumchen zu pflanzen!
« Letzte Änderung: 25.08.2017 | 02:55 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #1 am: 18.08.2017 | 02:27 »
Stoker: First Blood / 1. Sitzung
1877, Start in Konstantinopel

Beteiligte Agenten:
Major George Stoker, MD (anglo-irischer Arzt, Mitglied des X-Clubs, 23 Jahre)
Colonel Frederick Burnaby (britischer Armeeoffizier, 35 Jahre)
Mr. Andrew F. Crosse (britischer Geologe, Mitglied des X-Clubs, 25 Jahre)
Miss Annie Smith Peck (amerikanische Archäologie-Studentin, 27 Jahre)
Kerem Amanoglu (ottomanischer Soldat, 22 Jahre)

Wichtige Verbündete:
Mr. Árman Vámbéry (ungarischer Linguist, 45 Jahre)
Mr. Archibald Forbes (britischer Journalist, 39 Jahre)


Hohe Pforte, Konstantinopel

Colonel Frederick Burnaby ist ein Mann mit vielen Gesichtern: Der ehemalige Kavallerist ist begeisterter Ballonfahrer, war in verschiedenen Kriegen als Kriegsberichterstatter tätig und hält sich derzeit in Konstantinopel auf. Hier arbeitet er vorgeblich für die britische Hilfsorganisation für kranke und verwundete türkische Soldaten, die „Stafford House Commission“ (eine Abteilung des britischen roten Kreuzes). In Wahrheit ist das aber nur eine Tarnung für Fredericks Arbeit als Agent in den Diensten des britischen Auswärtigen Amtes.

Burnaby erhält eines Tages eine Einladung Osman Hamdi Beys, eines Beamten der ottomanischen Regierung. Nachdem er die Hohe Pforte passiert hat und zu ein paar Nebengebäuden des Sultanspalastes gelangt ist, macht er in dessen Büro die Bekanntschaft Mr. Árman Vámbérys, eines ungarischen Linguisten, und Mr. Archibald Forbes, eines britischen Journalisten. Osman Hamdi Bey begrüßt die drei Männer, lässt ihnen einen bitteren Kaffee servieren und beginnt ein lockeres Gespräch mit seinen Gästen über deren Eindrücke von Konstantinopel. Das Büro von Osman Hamdi Bey zeugt von einem kulturinteressierten Menschen: an den Wänden hängen impressionistische Gemälde, in drei Schaukästen sind archäologische Fundstücke präsentiert. Der Gastgeber raucht eine stinkende türkische Zigarette und streicht sich beim Sprechen öfter gedankenvoll seinen Bart. Seine Gäste erfahren schließlich interessante Dinge über den gegenwärtig stattfindenden russisch-türkischen Krieg: Die Russen mobilisieren in Rumänien ihre Truppen, um das Ottomanische Imperium anzugreifen. Osman Hamdi Bey vergleicht den Vorgang mit einem „modernen Kreuzzug“. Die Türkei ist scheinbar nicht gut auf einen Krieg vorbereitet und braucht britische Unterstützung. Leider ist die öffentliche Meinung der Briten über die Türkei derzeit gegen das Ottomanische Imperium gerichtet. Das liegt an der türkischen Besetzung Bulgariens: Im letzten Jahr sind Berichte über Grausamkeiten nach London gelangt, die türkische Soldaten bei der Unterdrückung eines bulgarischen Aufstands verübt haben sollen. Osman Hamdi Bey hat inzwischen allerdings erfahren, dass in einer Höhle in der Nähe der bulgarischen Stadt Tirnova auch türkische Bürger massakriert worden seien. Es gebe außerdem einen Gefangenen des ottomanischen Imperiums, der bereits in der Höhle gewesen sei und sich dort auskennt. Osman Hamdi Bey versucht seine drei Gäste zu einer Expedition zu überreden: Er braucht sie als unparteiische Beobachter, die seinen Hinweisen nachgehen und sie bei ihrer Rückkehr eidesstattlich bestätigen. Auch andere Berichte über Gewalt an Moslems im Gebiet seien hilfreich. Wenn seine Gäste in diesen Auftrag einwilligen, wird es Osman Hamdi Bey einrichten, dass der erwähnte ortskundige Gefangene an einem bequemen Ort auf ihrer Route zur Expedition dazu stoßen kann. Osman Hamdi Bey hofft, dass der Bericht der Expedition das Bild, das das vereinigte Königreich vom Ottomanischen Imperium hat, korrigieren kann. Wenn klar wird, dass die Türken nicht nur Täter, sondern ebenso Opfer wie alle anderen sind, entschließt sich das vereinigte Königreich vielleicht, seine Schiffe und Truppen dem Ottomanischen Imperium zu Hilfe gegen die Russen zu schicken.

Mit Burnaby trifft Osman Hamdi Bey auf einen Kenner der Materie: der Offizier weiß, dass die britischen Interessen im Mittelmeer und weiter östlich erheblich gefährdet wären, wenn es Russland gelänge, die ottomanische Hauptstadt Konstantinopel einzunehmen. Die russische Schwarzmeerflotte wäre dann nämlich in der Lage, durch die Dardanellen zu segeln, in das ägäische Meer vorzustoßen und von da aus Ägypten und sogar Gibraltar zu bedrohen. Von daher kommt ihm Osman Hamdi Beys Vorschlag nicht ungelegen. Zwar scheint ihm sein Gastgeber lediglich der mittleren Führungsebene anzugehören. Wenn sich aber dessen Versuche, sich bei seinen Vorgesetzten einzuschmeicheln mit den Interessen des britischen Königshauses vereinbaren lassen, dann kann der abenteuerlustige Burnaby nicht erkennen, was der Expedition eigentlich noch im Weg stehen könnte.

Auch seine neuen Bekannten scheinen Interesse an der Sache zu haben. Vámbéry lernt er als sprachkundigen und genialen Reisenden kennen, der tiefe Einblicke in die islamische Welt gewinnen konnte. Forbes scheint begierig darauf zu sein, in einer sensationellen Story London die Wahrheit über den russisch-türkischen Krieg zu verkünden.

Nach der Zusage seiner drei Gäste, merkt Osman Hamdi Bey an, die Expedition führe in gefährliches Gebiet. Die rumänisch-bulgarische Front sei nicht weit. Vielleicht sei daher die Teilnahme eines Mediziners angebracht. Außerdem sei ja eine Höhle das Ziel der Reise. Von daher wäre vielleicht auch noch hilfreich, wenn ein Geologe oder Höhlenkundler mit von der Partie wäre.

Burnaby hat Glück: Er hat in der „Stafford House Comission“ einen jungen anglo-irischen Arzt namens George Stoker kennengelernt, den er noch am selben Abend sprechen kann. Er erzählt dem Mann von der Expedition und erhält eine Zusage. Wie es der Zufall will, bereitet Stoker sowieso schon eine Reise in das Gebiet vor: Er ist seit kurzer Zeit Mitglied der neu gegründeten Gesellschaft des roten Halbmondes und wurde von ihr beauftragt, in Shipka in Frontnähe eine Ambulanzeinheit zu leiten. Shipka ist unweit von Tirnova gelegen und das ist letztlich der Grund, warum Stoker zusagt.

Und Burnaby hat noch mehr Glück: Er erzählt Stoker von der Höhle, die das Ziel der Expedition ist und erfährt, dass Stoker gemeinsam mit dem jungen Geologen Andrew F. Crosse Mitglied im Londoner X-Club ist. Dieser Club ist eine Vereinigung von Wissenschaftlern, scheinbar alles überzeugte Darwinisten, die sich „ungebunden von religiösen Dogmen“ einmal im Monat im Londoner St. George´s Hotel zum Abendessen treffen (vorausgesetzt natürlich, dass sie sich in London aufhalten). Wie es der Zufall will, befindet sich Andrew F. Crosse derzeit in Konstantinopel. George Stoker verspricht Burnaby, den Geologen am folgenden Abend in den diplomatischen Club Konstantinopels mitzubringen. Burnaby will für diese Gelegenheit ein Treffen aller Expeditionsteilnehmer organisieren.

Das Treffen kommt zustande und Andrew F. Crosse stellt sich als reisefreudiger Abenteurer ohne wirkliche Verpflichtungen heraus. Die Aussicht, in ein geologisch nur schwach erforschtes Gebiet zu reisen, dort eine Höhle erkunden und dabei auch noch seinen Freund George Stoker begleiten zu können, lässt ihn schnell zustimmen.

Die eigentliche Attraktion des Abends ist aber eine junge Amerikanerin, die einen Tisch weiter sitzt und in einem Buch über archäologische Höhlenfunde liest. Burnaby – etwas irritiert – bemüht sich um ein unverfängliches Gespräch und wird mehrfach vor den Kopf gestoßen. Miss Annie Smith Peck erweist sich als... gänzlich unbritisch. Im Gespräch muss sich Burnaby einiges anhören: Nein, Archäologie ist keine Männersache, sie sei hier in Konstantinopel um Wissen über untergegangene Kulturen zu sammeln und in den Vereinigten Staaten zu verbreiten, es sei wichtig, dass sich Amerika um eine eigenständige Forschung bemühe und seine Abhängigkeit von der europäischen Forschung endlich abstreifen kann. Der perplexe Burnaby erfährt außerdem, dass Miss Annie Smith Peck davon ausgeht, in den Höhlen Kleinasiens und auf dem Balkan Zeugnisse vergangener Kulturen zu entdecken, von denen in der Gegenwart nichts mehr bekannt ist. Während der junge Geologe Andrew F. Crosse dem Monolog der Amerikanerin interessiert zuhört, nimmt Burnaby eine defensive Haltung ein: Was Smith Peck erzähle sei ja gut und schön, im erwähnten Gebiet herrsche derzeit aber ein bitterer Krieg, in dem eine Dame nichts zu suchen habe. Smith Peck fragt den Armeeoffizier, ob er an ihren Fähigkeiten zweifele worauf Burnaby, einer derart direkten Person im Gespräch nicht gewachsen, peinlich berührt schweigt. Miss Annie Smith Peck behauptet, dass Frauen in der Regel subtilere Methoden kennen als Männer – und daraufhin drückt sie Burnaby dessen Taschenuhr in die Hand, die sie ihm offensichtlich vor wenigen Augenblicken unbemerkt entwendet hat. Burnaby ist fassungslos – so ein tolldreistes Weibsstück ist ihm noch nie begegnet. Die anderen Expeditionsteilnehmer beäugen die Dame aber mit Interesse und der junge Geologe Andrew F. Crosse sagt schließlich: „...sie könnte uns um eine alternative Sichtweise bereichern!“ Noch bevor Annie Smith Peck erfährt, worum es überhaupt geht, entsteht eine Diskussion, ob man es verantworten könne, eine Dame ohne zwingende Notwendigkeit in ein Kriegsgebiet zu bringen. Besagte Dame bleibt auch jetzt nicht untätig und bekommt heraus, was die Expeditionsteilnehmer vorhaben. Ein wenig muss sie schlucken. Das Vorhaben klingt wahrhaftig nicht allzu attraktiv. Schließlich aber siegt die Neugier angesichts einer unbekannten Höhle und vor allem der Drang, sich gegenüber den chauvinistischen Briten zu beweisen. Zuletzt lenkt Burnaby ein. Mit den Worten, sie werde schon sehen, was sie mit ihrer Dickköpfigkeit erreiche, stimmt er der Teilnahme Annie Smith Pecks an der Expedition zu.

Wenige Tage später verfrachten die Expeditionsteilnehmer ihre Ausrüstung in einen Zug und fahren von Konstantinopel ins 160 Kilometer entfernte Adrianopel, wo der Zug über Nacht Halt macht. Noch 65 Kilometer weiter verlassen sie mittags den Zug in einem kleinen Dorf namens Hermanli. Es liegt am Fuß einer steilen, gewundenen Straße, die über das Gebirge nach Tirnova, dem Ziel ihrer Reise, führt. Hier entladen sie ihr Gepäck und werden von einem raubeinigen und ruppigen Baschi-Bozuk (irreguläre Infanterie) Anführer namens Demir Kozen Akinji begrüßt. Sein Trupp besteht aus 6 Reitern und einem Gefangenen namens Kerem Amanoglu. Dieses Zusammentreffen ist vom Auftraggeber der Expedition, Osman Hamdi Bey, organisiert worden.

Zuallererst befragen Burnaby und Crosse den Gefangenen. Kerem Amanoglu berichtet, er sei vor etwa einem Jahr Mitglied eines Trupps Baschi-Bozuks gewesen, der nach Tirnova abgeordert wurde, um den dortigen bulgarischen Aufstand niederzuschlagen. Bei einem Hinterhalt bulgarischer Rebellen im bewaldeten Hügelland in der Nähe der Stadt starben seinen Worten zufolge alle Kameraden Kerems. Er selbst konnte aber fliehen, stieß dabei auf eine nahe Höhle und suchte dort Zuflucht. In dieser Höhle sah Kerem Amanoglu unheimliche Felsformationen und fand dann viele Tote, die unnatürlich verrenkt auf dem Boden lagen. Ihre Hände waren gefesselt und ihre Kehlen aufgeschlitzt. Burnaby und Crosse fragen Kerem Amanoglu daraufhin, warum er ein Gefangener sei. Der Mann schluckt ein wenig und berichtet dann, er habe die Höhle nach Entdeckung der vielen Toten entsetzt verlassen, sei dann nach verschiedenen Abenteuern im Hauptquartier des Trupps von Salim Pascha in Osmanbazar angelangt und dort unglücklicherweise für Feigheit und Fahnenflucht verurteilt worden. Was die Zukunft für ihn bereithält, das wisse nur Allah.

Nach dem Verhör nehmen die Expeditionsteilnehmer die Pferde entgegen, die ihnen die Baschi-Bozuks von Demir Kozen Akinji mitgebracht haben und der Ritt beginnt. Die Straße schlängelt sich aufwärts durch die Hügel und wird steiler, je näher sie den Bergen kommt. Das erste Ziel ist die etwa 50 Kilometer entfernt liegende Ortschaft Jeni-Zagra. Demir Kozen Akinji möchte diesen Ort nach Möglichkeit noch vor einbrechender Nacht erreichen und legt deshalb ein äußerst strapaziöses Tempo vor, bei dem der Gefangene Kerem Amanoglu allerdings nicht mithalten kann. Burnaby verlangt daraufhin, den Gefangenen in Zukunft ungefesselt reiten zu lassen, was der Baschi-Bozuk-Anführer gestattet, vorausgesetzt, der britische Armeeoffizier übernehme die Verantwortung für den Gefangenen. Trotz allem hat die Gruppe bereits zu viel Zeit verloren und eine Nacht im Freien wird unausweichlich. Demir Kozen Akinji errichtet unter Beschwerden, wilden Gesten und finsteren Blicken mit seinen Männern ein Lager am Wegesrand. Am Abend müssen viele Expeditionsteilnehmer feststellen, dass ihre Beschützer eine grobe Direktheit und fremdartige Gewohnheiten besitzen. Die vielen Flüche, das häufige Ausspucken einer Art von Kautabak und verschiedene obszöne Gesten lassen einige Expeditionsteilnehmer außer Fassung geraten.

Die Expeditionsteilnehmer beschließen, nicht auf die Wache der Türken zu vertrauen, sondern selbst den Schutz der Expedition in die Hand zu nehmen. Kaum haben sie sich aber notdürftig in ihr Feldlager gebettet, ist Wolfsheulen zu vernehmen, das die Reisenden die gesamte Nacht über unterhält. Immer wieder klammern sich die Expeditionsteilnehmer an persönliche Erinnerungsstücke und denken an Vertraute und Verwandte, was ihnen die nächtlichen Qualen etwas leichter macht. Arg erwischt es aber dennoch George Stoker und Kerem Amanoglu, die unter neu erwachten, verborgenen Ängsten und bösen Träumen leiden. In der Wache, die Andrew F. Crosse hält, wird zudem eine Gestalt sichtbar, die heimlich um das Lager herumschleicht. Als Crosse sie anruft, verschwindet sie schnell im Gebüsch. Der junge Geologe wendet sich daraufhin an die Baschi-Bozuk und befragt diese, ob sie die Gestalt ebenfalls gesehen haben. Die Verständigung ist allerdings nicht einfach und letztlich bleibt es dabei, dass die türkischen Reiter versichern, wachsam zu sein und irgendetwas von „Drachenbrüdern“ plaudern. Andrew F. Crosse nimmt an, dass es sich um eine lokale Räuberbande handelt und geht wieder auf seinen Posten. Ansonsten verstreicht die Nacht ereignislos und im Laufe des nächsten Vormittags erreicht die Expedition Jeni-Zagra.

Vor Ort haben die Charaktere eine Entscheidung zu treffen. Demir Kozen Akinji empfiehlt den Expeditionsteilnehmern, den längeren aber einfacheren Weg über Eski-Zagra und den Shipka-Pass über die Berge nach Tirnova zu nehmen. Die Alternative liegt in der direkteren, aber schwierigeren Hainkoi-Passstraße. In typischer Kolonialherrenmanier beschließen die Expeditionsteilnehmer, trotz gegenteiliger Empfehlung die direktere Route zu nehmen.

Parageröchel:
Viel passiert ist eigentlich noch gar nicht, was daran lag, dass Gumshoe hier zwar schon ein wenig bekannt, Night´s Black Agents aber neu war. So gab es an einigen Stellen ein paar Regelexkursionen. Ansonsten stand der Abend vorrangig unter dem Aspekt der Gruppenzusammenführung. Auch das hat eine Weile gebraucht, aber auf diese Weise hat jeder einen eigenen Auftritt bekommen, was auch ´ne schöne Sache war. Die Spieler haben sich die vorgegebenen Charaktere untereinander aufgeteilt. Wir sind diesmal ziemlich geschlechtervertauscht unterwegs: Major George Stoker und Colonel Frederick Burnaby werden von Spielerinnen gespielt, Miss Annie Smith Peck dafür von einem Spieler. Ich finde, zumindest diesmal hat das unser Spiel bereichert. Es war interessant, zu beobachten, wie unsere Spielerin den überheblichen und etwas chauvinistischen Burnaby gespielt hat und es war lustig zu sehen, wie unser Spieler die selbstbewusste Annie Smith Peck noch ein Stückchen weiter ausgereizt hat, bis sie fast zur Suffragette wurde. Ihr Auftritt im diplomatischen Club Konstantinopels war sicherlich der Höhepunkt des Abends. Die Investigationsarbeit der Spieler könnte noch etwas intensiver sein (ist aber nicht so schlimm, wir spielen ja Gumshoe), die Refresh-Regeln haben sie schon ganz gut drin. Die Sonderfertigkeiten für viktorianische Abenteurer, die ich dann auch noch(wie alles andere auch) ins Deutsche übersetzt habe, bereiten manchmal noch ein wenig Nachschlagarbeit. Im Großen und Ganzen geht´s aber noch. Alles in allem hat der Abend wohl gefallen. In einem Monat geht´s weiter.
« Letzte Änderung: 18.08.2017 | 21:49 von Chiarina »
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Offline LushWoods

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #2 am: 21.08.2017 | 07:13 »
Danke für's aufschreiben und teilen, ich lese gerne mit  :d
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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #3 am: 14.09.2017 | 01:22 »
Stoker: First Blood / 2. Sitzung
1877, Über den Shipka-Pass in die Höhle des Teufels

Beteiligte Agenten:
Major George Stoker, MD (anglo-irischer Arzt, Mitglied des X-Clubs, 23 Jahre)
Colonel Frederick Burnaby (britischer Armeeoffizier, 35 Jahre)
Mr. Andrew F. Crosse (britischer Geologe, Mitglied des X-Clubs, 25 Jahre)
Miss Annie Smith Peck (amerikanische Archäologie-Studentin, 27 Jahre)
Kerem Amanoglu (ottomanischer Soldat, 22 Jahre)

Wichtige Verbündete:
Mr. Árman Vámbéry (ungarischer Linguist, 45 Jahre)
Mr. Archibald Forbes (britischer Journalist, 39 Jahre)


Blick auf Tirnova, vom Gebirge aus

Kurz vor dem Aufbruch in Richtung Gebirge werden Bedenken hinsichtlich der weiteren Planung laut: Miss Annie Smith Peck wäre nicht undankbar, wenn die Männer die leichtere Route nähmen. Major George Stoker steht nach dieser Expedition die Leitung eines Militärlazaretts am Shipka-Pass bevor. Wenn die Expedition an dieser Stelle das Gebirge überquert, könnte er schon einmal das im Bau befindliche Lazarett in Augenschein nehmen. Außerdem vermutet er, dass sich aus diesem Grund Briten dort befinden. Dieses Argument bringt schließlich die Entscheidung: nach ihrer Rast in Jeni-Zagra wählt die Gruppe im letzten Moment doch den leichteren Weg. Am Abend des Tages ist über eine bequeme Straße Eski-Zagra erreicht, die letzte nennenswerte Siedlung vor der Überquerung des Gebirges.

Am nächsten Tag beginnt der Aufstieg und Shipka kommt zur Mittagszeit in Sicht. Das Bergdorf ist eher enttäuschend. Stokers zukünftiges Militärlazarett befindet sich noch im Bau. Der Expedition wird aber deutlich, warum an diesem Ort ein Lazarett gebaut wird: Über den Shipka-Pass gelangen viele Flüchtlinge aus dem Norden in den Süden und die türkische Regierung hat tausende von Soldaten am Pass stationiert. Offenbar soll hier der russische Vorstoß gestoppt werden. Bei einer Befragung der Flüchtlinge erfahren die Expeditionsteilnehmer von den Zielen der Bevölkerung: Die meisten fliehen in den Süden nach Rumelia oder Istanbul, einige auch in die Vierecksfestungen im Osten. Die Alten und Schwachen seien zu dem timur (Lehnsgut) von Ekim Dal – möge Gott im Himmel ihm seinen Segen geben – geflohen. Dort hat seine Witwe den Bedürftigen ein paar Meilen vor Tirnova die Tore geöffnet. Die Villa von Ekim Dal sei allerdings nicht gerade stark befestigt. Spätestens nach den Gesprächen mit den Flüchtlingen wissen die Expeditionsteilnehmer, dass sie nicht allzu großzügig mit ihrer Zeit umgehen sollten: Niemand hat ein Interesse daran, den herannahenden russischen Truppen in die Quere zu kommen. Die Reisenden ziehen weiter und müssen sich am Ende des Tages unter freiem Himmel ein Nachtlager errichten. Beim Abstieg ist immer wieder der Donner der russischen Artillerie zu hören: Die Russen bombardieren die Donaufestungen der Türken. Am folgenden Tag erreicht die Expedition Tirnova kurz vor der Mittagszeit.

Die Stadt ist in heilloses Chaos gestürzt. Der russische Angriff steht unmittelbar bevor, schon beschießen erste Geschütze die Stadtmauern, während sich die russischen Truppen in einiger Entfernung sammeln. Die Charaktere halten sich nicht lang auf und weisen den Gefangenen Kerem Amanoglu an, er möge sie zu der Höhle führen, von der er erzählt habe.  Auf dem Weg dorthin erklären die Baschi-Bozuks, dass die Höhle ein böser Ort sei: Es gebe dort übelkeiterregende Schwefelquellen und immer hätten dort schlimme Gesetzlose ihr Versteck gehabt. Die Baschi-Bozuks hätten jedenfalls keine Lust, dort hinein mitzukommen. Mit einem wissenden Blick gibt Colonel Frederick Burnaby seinen Mitreisenden zu verstehen, dass das von diesen Strauchdieben auch nicht anders zu erwarten war. England und seine Freunde müssten die Angelegenheit dann eben selbst in die Hand nehmen. Nur der Anführer der Baschi-Bozuks, Derem Kozen Akinji, konnte sich mit der Feigheit seiner Männer nicht so einfach zufrieden geben. Er ordnete an, dass sie den Höhleneingang bewachen sollten und versprach den Expeditionsteilnehmern, dass zumindest er selbst mit in die Höhle kommen will.

Dann beginnt die Höhlenexpedition. Die Gruppe erreicht einen muldenförmigen Bereich mit ein paar Stalagmiten und Stalagtiten. Hier lagen vor etwa einem Jahr laut Kerem Amanoglu die Toten. Heute ist davon allerdings nichts mehr zu sehen. Immerhin macht Crosse ein paar interessante Entdeckungen. Das Gestein besitzt offenbar einen hohen Eisengehalt und außerdem sind in der Höhle Zeichen von tektonischer Aktivität zu erkennen. An den Wänden befinden sich Risse, die nicht älter als 5 Jahre sind. Sie sehen nach Gesteinsbewegungen oder leichten Erdbeben aus. Stoker entdeckt in einem der Risse ein paar Holzperlen, die Vámbéry als Mishaba (Gebetsperlen, die hauptsächlich von Sufis verwendet werden, um die Tashib – kurze Gebete – Fatimas zu sprechen und die die 99 Namen Gottes symbolisieren) identifiziert. Crosse fällt schließlich noch ein Bereich in der Mulde auf, durch den eine Art Rinne führt, deren Seitenwände wie blutroter Marmor aussehen – das Gestein ist allerdings brüchiger und bröckelt leicht, was für Marmor sehr untypisch ist.

Hinter dem muldenförmigen Bereich befindet sich eine eindrucksvolle Tropfsteinhöhle. Vámbéry entdeckt hier hinter einem Stalagmiten versteckt einen alten, blutverschmierten, wasserfleckigen Koran.

George Stoker erkundet einen abwärts führenden Gang, an dessen Ende ein steiler Schacht abwärts führt, der sich nach einem Dutzend Metern auch noch zu verengen scheint. Stoker beschließt, diesen Fluchtweg nur in Betracht zu ziehen, wenn die Verzweiflung groß ist.

Kerem Amanoglu erforscht mit Miss Annie Smith Peck einen aufwärts führenden Gang und erreicht eine Sinterhöhle, deren Wände und Boden teilweise von rostfarben-orangenen Mineralien bedeckt sind. Stellenweise macht die Höhle den Eindruck eines versteinerten Pilzgartens. In der Mitte der Höhle kann die Archäologin eine uralte Feuerstelle ausfindig machen. Amanoglu findet in einer Höhlenecke ein Sinkloch. Dessen Boden lässt sich nicht erkennen. Ein hinabgeworfener Stein offenbart jedoch eine Tiefe von vielleicht 20 oder 30 Metern, unten befindet sich Wasser. Von dieser Höhle aus lässt sich über eine etwa 6 Meter hohe Klippe ein Blick hinab zur tiefer gelegenen Tropfsteinhöhle werfen. Und was Annie Smith Peck und Kerem Amanoglu dort zu sehen bekommen, ist furchteinflößend.

Colonel Burnaby, der die Tropfsteinhöhle noch ein wenig weiter untersucht, wird plötzlich von einem schauerlichen, eingefallen, völlig barbarisch aussehenden menschenähnlichen Wesen angegriffen. Es haut blitzschnell mit gefährlichen Klauen nach Burnaby und hat sich schon wenig später blitzschnell mit seinen Zähnen in dessen Schulter verbissen. Zwei weitere dieser abscheulichen Kreaturen erscheinen an anderen Stellen der Tropfsteinhöhle und des Eingangsbereiches. Die Expeditionsteilnehmer geben ihr Bestes: Burnaby und der nahe bei ihm befindliche Stoker feuern ihre Schusswaffen ab, An anderer Stelle sind Crosse und Vámbéry beschäftigt, sich mit einem weiteren Gegner auseinanderzusetzen, der dritte Gegner wird von Forbes und Derem Kozen Akinji bekämpft.

Im Verlauf des Kampfes wird Colonel Burnaby verletzt und verliert das Bewusstsein. Noch schlimmer erwischt es Demir Kozen Akinji: Auch er verliert das Bewusstsein und ist dem Tode nahe. Mit einiger Mühe gelingt es den übrigen, die Gegner, die sich als überraschend zäh erweisen, zu vernichten. Stoker verlässt dabei das Kampfgeschehen, um Colonel Burnaby das Bewusstsein zurück zu verleihen und ihm soweit gut zuzusprechen, dass er sich von selbst fortbewegen kann.

Kaum sind die Gegner bezwungen, raschelt es erneut im Eingangsbereich der Höhle. Schatten streichen an den Wänden entlang, weitere Gegner lauern auf die Expeditionsteilnehmer. Stoker realisiert als erster die Lage und ruft „Flucht“. Da der Höhlenausgang versperrt ist, gibt es dafür im Moment zwei Möglichkeiten: Ein tollkühner Sprung in das Sinkloch oder ein halsbrecherisches Hinabklettern des Schachtes... beides keine angenehmen Aussichten, aber vielleicht doch besser als der Kampf gegen weitere dieser zähen Monstren.

Parageröchel: Der Übergang über das Gebirge war unproblematisch und eine ganz nette Reiseepisode. Die Regeln im Abenteuer musste ich mir vorher ganz genau anschauen, dann aber ging´s reibungslos. Der Kampf lief diesmal aber irgendwie nicht rund. Ich muss nochmal genau überlegen, wie ich das zukünftig organisiere. Das waren 4 Charaktere, die von den Spielern geführt wurden. Ich habe die 3 Gegner geführt und vier Nichtspielercharaktere, die auf Seiten der Spieler gekämpft haben. Das hat mich doch etwas gestresst. Ich muss außerdem sagen, dass ich von der Aussichtlosigkeit etwas überrascht war. Meine Spieler haben den Fehler gemacht, alle Baschi-Bozuks draußen vor der Höhle zu lassen. Die hätten sie gut gebrauchen können. Letztlich habe ich aber nur 3 Ghule eingesetzt, an Iblis Akbar war gar nicht zu denken. Die Ghule sind aufgrund ihrer harten Rüstung für die Schützen der Gruppe nur schwer auszuschalten. Und die Spezialfertigkeiten der vorgefertigten Charaktere sind zwar nett, reichten aber zumindest bei uns nicht aus. So wird beim nächsten Mal wohl die Flucht angetreten... warum auch nicht?

@ LushWoods: Danke für dein Interesse. Freut mich!
« Letzte Änderung: 24.04.2018 | 00:22 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #4 am: 14.09.2017 | 07:27 »
Ich bediene mich gerne eines einfachen und plumpen Tricks um mehrere freundliche NPCs in einem Kampf einfließen zu lassen ohne irgendwelche Massenkampfregeln zu verwenden oder mich mit jedem einzeln zu befassen:
Freundliche NPCs geben einfach Boni für die PCs. Bei GUMSHOE könnte man einfach z.B. pro NPC für jeden PC einen zusätzlichen Punkt für einen oder mehrere Kampf Abilities vergeben.
Und wenn defensiv Punkte ausgegeben werden heißt das das NPCs verletzt werden oder sterben.
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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #5 am: 14.09.2017 | 09:14 »
Ja, hätte man so machen können. Hätte ich den Stress vorausgeahnt, hätte ich mir sicher auch noch irgendwas überlegt. Es geht damit los, wie man eigentlich für die sinkenden Pools und die sinkende Gesundheit Buch führt. Ich war zu viel am blättern und hätte die ganzen Leute einfach einmal vorher irgendwo auf ein Blatt schreiben sollen. Na, beim nächsten Mal.
« Letzte Änderung: 14.09.2017 | 09:18 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #6 am: 6.10.2017 | 03:46 »
Stoker: First Blood / 3. Sitzung
1877, Von der Höhle des Teufels zur Villa der Witwe von Ekim Dal

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Kosaken

Die Charaktere entscheiden sich für das Sinkloch als Fluchtweg. Sie befestigen ihr Seil an einem Stalagmiten. Als erster klettert Colonel Burnaby das Loch hinunter, dann wird der bewusstlose Demir Kozen Akinji hinabgelassen. Die seltsamen Kreaturen sind den Charaktere inzwischen immer näher gekommen. Als sie sehen, dass die Charaktere fliehen wollen, greifen sie an. Das hat zur Folge, dass die restlichen Charaktere kurzerhand in das Loch springen.

Unten angekommen sieht die Situation nicht gut aus. Die Charaktere müssen sich schwimmend einen unterirdischen Fluss entlang bewegen. Colonel Burnaby hat dabei auch noch den bewusstlosen Baschi-Bozuk-Anführer im Schlepptau. Es ist pechschwarz, das Wasser ist eiskalt, und wie lange es noch eine Kopffreiheit über dem Wasserspiegel gibt, die das Atmen ermöglicht, weiß niemand so genau. Major Stoker gerät bei dem Vorgang in Panik, schlägt um sich und verletzt sich dabei an einem hervorstehenden Felsen. Schließlich aber gelingt es den Expeditionsteilnehmern, über den Fluss ins Freie zu gelangen. Sie erreichen eine felsige Hügelflanke, hin und wieder von Büschen bewachsen, durch die sich der Fluss weiter hinab schlängelt.

Außer Atem gelangen die Charaktere ans Ufer. Wie durch ein Wunder ist Demir Kozen Akinji noch am Leben. Major Stoker hingegen sieht mitgenommen aus. Die Ereignisse in der Höhle haben ihn erschüttert und ängstlich und passiv gemacht. Seine Reisegefährten reden ihm gut zu und verhindern das Schlimmste, trotzdem braucht Stoker ganz dringend eine Aufmunterung.

Die aber lässt noch ein wenig auf sich warten. In einiger Entfernung erblicken die Charaktere plötzlich eine Handvoll russischer Kosaken zu Pferd: offensichtlich ein Aufklärungstrupp. Die Charaktere verbergen sich in einem Gebüsch an der Flussböschung und beobachten die Kosaken von da aus. Zunächst scheinen sich die Kosaken vom Aufenthaltsort der Charaktere zu entfernen. Dann aber bricht eine Diskussion unter ihnen aus. Einer der Kosaken deutet immer wieder auf den Fluss und schließlich macht der Trupp kehrt. Das ist der Moment, an dem die Charaktere zu rennen anfangen. Der sterbende Demir Kozen Akinji musste bei dieser Flucht allerdings zurückgelassen werden. Da die Kosaken noch weit entfernt sind, gelingt es den Charakteren, die Bergflanken zu umrunden und dem Sichtfeld der Kosaken zu entkommen. In einiger Entfernung erblicken sie ein abgelegenes Bergdorf.

Noch etwas später kehren die Charaktere an den Fluss zurück. Die Kosaken sind inzwischen weitergezogen. Major Stoker will wenigstens versuchen, den Baschi-Bozuk-Anführer zu retten. Der Mann atmet noch flach. Stoker stabilisiert seine Wunden, die übrigen konstruieren eine Liege und schließlich bringt man den Schwerverwundeten in das Bergdorf. Andrew Crosse fragt, auf welcher Seite des Konflikts sich wohl die Dorfbewohner befinden. Niemand weiß es. Immerhin aber entdecken die Charaktere eine Kirche im Dorf – und keine Moschee! Vielleicht ist das schon Antwort genug.

Auf dem zentralen Dorfplatz laufen einige Bewohner der Siedlung zusammen und begutachten die Charaktere misstrauisch. Árman Vámbéry spricht griechisch mit ihnen und erzählt, dass sie  Kriegsberichterstatter seien, die auf ihrer Reise zur Front von zwei hinterhältigen türkischen Spionen beobachtet worden wären. Dabei deutet er auf den schwerverletzten Demir Kozen Akinji und auf Kerem Amanoglu. Vámbéry berichtet weiter, dass die Expeditionsteilnehmer die Spione gestellt hätten. Bei dieser Konfrontation sei es zu Handgreiflichkeiten gekommen, wodurch der Baschi-Bozuk-Anführer lebensgefährlich verletzt wurde. Miss Annie Smith Peck hingegen versteht die Hintergedanken Vámbérys nicht. Sie beschimpft Vámbéry als Lügner und Verräter, der seine eigenen Reisegefährten in ein schlechtes Licht rücke. Der Auftritt vor den Dorfbewohnern hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Achselzuckend deuten die Dorfbewohner auf eine nahe Scheune, in der die Charaktere die Nacht verbringen dürfen. Mehr für sie zu tun, sind sie nicht bereit.

In der Scheune finden Miss Annie Smith und Major George Stoker zueinander. Miss Annie Smith Peck trocknet ihre Kleidung und bereitet sich ein Nachtlager im Stroh. Diskret verziehen sich die Männer der Expedition in eine andere Ecke der Scheune. Major Stoker allerdings erblickt den begehrenswerten, nackten Leib der Amerikanerin und legt sich zu ihr. Das Erlebnis mit Miss Annie Smith Peck scheint genau das zu sein, was seine angeschlagene Psyche wieder auf Vordermann bringt. Stoker scheint vor Liebe entbrannt – während die selbstbewusste Amerikanerin das Erlebnis allerdings distanzierter betrachtet. Pflichtbewusst kümmert sich Major Stoker nach dem Schäferstündchen wieder um die Wunden seiner Reisegefährten.

Colonel Burnaby macht am späten Nachmittag mit Árman Vámbéry noch einen Gang durchs Dorf und begegnet einem griechisch-orthodoxen Priester, der gerade den Kirchhof fegt. Diesmal gelingt es Árman Vámbéry besser seine kulturellen Kenntnisse vorteilhaft einzubringen. Er entsteht ein Gespräch, in dessen Verlauf Vámbéry und Burnaby erfahren, dass vor drei Tagen ein junges Mädchen aus dem Dorf entführt worden war. Derartige Dinge seien in den letzten drei Jahren bereits dreimal geschehen. Diese Entführungen schreibt der Priester dem verbrecherischen Ekim Dal zu. Seltsam sei allerdings, dass es jetzt wieder zu einer Entführung gekommen sei... Ekim Dal gilt nämlich als verstorben. Dann erfahren die beiden Männer noch etwas mehr über Ekim Dal, der in der Darstellung des Priesters wie ein türkischer Teufel erscheint. Sie erfahren außerdem, dass seine Villa ganz in der Nähe läge. Dort wohne noch seine Witwe mit ihrem Hausstand. Die Frau habe derzeit einige türkische Flüchtlinge aufgenommen.

Mit diesen Neuigkeiten kehren Colonel Burnaby und Árman Vámbéry in die Scheune zurück. Dort wird das weitere Vorgehen besprochen. Nach langer Diskussion beschließen die Expeditionsteilnehmer, am nächsten Tag der Witwe einen Besuch abzustatten. Archibald Forbes wollen sie allerdings mit dem schwerverwundeten Demir Kozen Akinji in der Scheune zurücklassen. Die Charaktere hoffen, in der Villa der Witwe von Ekim Dal etwas über das verschwundene Mädchen erfahren zu können.

Und so geschieht es. An der Villa angekommen geraten die Charaktere in eine turbulente Szene. Etliche ältere oder kränkliche Türkinnen und Türken packen ihre Siebensachen und laden sie auf Esel oder kleine Wägen. Sie haben gehofft in der Villa Zuflucht vor dem Vorrücken der russischen Truppen finden zu können. Als aber am gestrigen Abend ein Aufklärungstrupp von fünf Kosaken in unmittelbarer Nähe des Hauses vorbei ritt, ahnten viele Flüchtlinge, dass ihnen dieses Haus keinen ausreichenden Schutz bieten kann. Diese Menschen versuchen jetzt über das Gebirge weiter nach Süden zu fliehen.

Im Haus selbst werden die Charaktere daraufhin von einem Eunuchendiener begrüßt. Die Charaktere können sich Gästezimmer auswählen (Miss Annie Smith Peck belegt ein Zimmer gemeinsam mit Major Stoker!) und gehen hinterher zum Essen in den Speisesaal. Im Großen und Ganzen sind sie von der Gastfreundschaft erfreut. Sie werden allerdings von zwei etwa zehnjährigen Sklavenkindern bedient, auf die ein beobachtender Eunuch einen strengen Blick wirft. Kerem Amanoglu fällt auf, dass die Hände der Kinder beim Servieren zittern. Darauf angesprochen fragen die Kinder erschreckt, ob den Gästen irgendetwas nicht schmeckt. Wovor sie Angst haben, erfahren die Charaktere aber nicht.

Im Speisesaal essen noch ein paar andere Gäste. Von ihnen erfahren die Charaktere, dass die Witwe eine ganze Menge dieser Sklavenkinder beschäftige. Burnaby platzt relativ schnell mit dem Vorwurf der Entführung heraus, worauf eine anwesende alte Frau aber erklärt, es sei doch nichts dagegen einzuwenden, wenn Kinder aus bedürftigen Familien ein wenig dazuverdienen. Burnaby gibt zu verstehen, er habe sich auf die Fälle bezogen, in denen die Familien damit nicht einverstanden seien, worauf die alte Frau erwidert, dass das Beschäftigen von Kindern gegen den Willen ihrer Eltern natürlich verwerflich sei. Auf die Witwe angesprochen, erzählen die Anwesenden den Charaktere noch, dass diese sich ihren Gästen in der Regel erst am Abend zeigt. Die Charaktere beschließen, sich bis es soweit ist, ein wenig das Haus und das Gelände anzuschauen.

Parageröchel: Das war diesmal relativ viel Rollenspiel. Meine Spieler haben auch relativ viel Zeit mit der Frage verbracht: „Was machen wir jetzt?“ Auch die Refresh-Regeln mussten wir uns nochmal in Erinnerung rufen. Ansonsten haben wir heute gelernt, dass es ein geschickter Schachzug sein kann, seine Medic- und Shrink-Punkte komplett zu verbraten und sich für diese Fertigkeiten dann nach einer Stunde in einem Haven (in unserem Fall: die Scheune) wieder einen Refresh zu besorgen. Nach so einer Aktion sehen selbst stärker angeschlagene Charaktere wieder wirklich gut aus. Die Verfolgungsjagd durch die Kosaken würde ich beim nächsten Mal nicht wie im Abenteuer beschrieben, sondern als Thriller Verfolgungsjagd durchführen. Das ist spannender. Interessant fand ich auch, dass George Stoker heute bei -4 Stability war. Das ging relativ schnell. Eigentlich bin ich gar nicht unglücklich darüber, dass wir den Showdown erst beim nächsten Mal spielen werden. Ich muss mir noch genauere Vorstellungen davon machen, was an den einzelnen Orten der Villa zu finden ist. Außerdem brauche ich noch ein paar Szenenideen für die wichtigeren Nichtspielercharaktere. Das Abenteuer ist da doch recht knapp.
« Letzte Änderung: 29.10.2017 | 20:35 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #7 am: 10.11.2017 | 02:12 »
Stoker: First Blood / 4. Sitzung
1877, In der Villa der Witwe von Ekim Dal

Beteiligte Agenten:
Major George Stoker, MD (anglo-irischer Arzt, Mitglied des X-Clubs, 23 Jahre)
Colonel Frederick Burnaby (britischer Armeeoffizier, 35 Jahre)
Mr. Andrew F. Crosse (britischer Geologe, Mitglied des X-Clubs, 25 Jahre)
Miss Annie Smith Peck (amerikanische Archäologie-Studentin, 27 Jahre)
Kerem Amanoglu (ottomanischer Soldat, 22 Jahre)

Wichtige Verbündete:
Mr. Árman Vámbéry (ungarischer Linguist, 45 Jahre)
Mr. Archibald Forbes (britischer Journalist, 39 Jahre)


Arzu Dal

Nach dem Essen begegnen die Charaktere einer niedergeschlagen wirkenden Küchensklavin. Annie Smith Peck versucht Vertrauen in der Frau zu erwecken und erfährt, dass sie voller Ängste ist, weil es in der Villa der Witwe Ekim Dals nicht geheuer sei. Da gebe es dieses unheilvolle Badehaus, das verriegelt sei und das niemand betrete. Außerdem sei im Haus hin und wieder das Weinen eines kleinen Kindes zu hören... ein Kind, das aber niemand zu Gesicht bekomme!

Im Folgenden begutachten die Charaktere eine nahegelegene Festungsruine, wandern durch Pfirsich- und Olivenhaine und schauen sich das nahe der Villa gelegene Familienmausoleum an, in dem die Sarkophage der Ahnen einer neben dem anderen aufgebahrt sind. Ein Sarg des verstorbenen Hausherrn ist jedoch nicht zu entdecken. Der jüngste Sarg trägt den Namen Arzu Dal und ist etwa 2 Jahre alt.

Schließlich durchstöbern die Charaktere noch ein wenig die Bibliothek des Hauses und finden alte Karten, auf denen der Ort, an dem sie sich befinden unter dem Namen „Festung der Drachenbrüder“ aufgeführt ist. Außerdem finden sich bulgarische Schriften zur Landeskunde, in denen beschrieben ist, dass irgendwo in der Nähe die Gefahr einer „Ansteckung aus der Tiefe“ und eines „Blutfluches“, der aus dem Inneren der Erde kommen soll, bestehe.

Am Abend empfängt die Witwe die Charaktere. Sie trägt einen Trauerschleier und ist ziemlich verhüllt. Die wenigen Stellen, an denen ihre bloße Haut zu sehen ist, wirken ungewöhnlich blass. Trotzdem gibt sich die Witwe als gute Gastgeberin und unterhält die Charaktere angenehm. Die Witwe hat besonders an dem jungen Geologen Andrew F. Crosse Gefallen gefunden und wirft ihm über ihren Schleier hinweg mit ihren dunklen Augen schwülstige Blicke zu.

Nach etwa zwei Stunden verabschiedet sich die Witwe von ihren Gästen. Die Charaktere beschließen daraufhin noch, dem Badehaus einen nächtlichen Besuch abzustatten. Das Haus ist allerdings gesichert. Kerem Amanoglu zögert nicht lang und knackt das schwere Vorhängeschloss mit professioneller Leichtigkeit. In der Badestube selbst befindet sich ein großes Becken, das offenbar schon lange nicht mehr benutzt wurde, und eine übergroße Badewanne, die zwar gesäubert ist, deren Boden aber noch ein paar Spuren von Blut erkennen lassen. George Stoker tippt auf ein Alter von etwa 2 Wochen. In einem Nebenraum findet sich eine Art Massageliege, daneben lagern irritierenderweise Stricke und Messer. Auf dem Boden stehen zwei Dutzend große, metallene Flaschen mit Schraubverschluss. Im Schraubgewinde zweier Flaschen sind ebenfalls alte Blutreste zu erkennen.

Schließlich gehen die Charaktere zu Bett. Andrew F. Crosse schläft unruhig und träumt von sagenhaften erotischen Begegnungen mit der Witwe.

Am nächsten Morgen frühstücken die Charaktere ausgiebig. Durchs Fenster erkennt Annie Smith Peck den Obereunuchen, einen massigen, groben Kerl, der von draußen auf die Villa zugeht und eine der großen metallenen Flaschen im Arm hat. Annie springt auf und verfolgt den Mann bis ins Seraglio. Dort wird sie von zwei weiteren Eunuchen aufgehalten, redet aber so lautstark auf die Männer ein, dass eine ältere Frau aus einem Nebenraum herbeieilt und Annie sagt, sie könne sich im Vorraum des Seraglios gern aufhalten, die weiteren Räume seien allerdings Privaträume. Vorerst gibt es Annie auf, hier weiter vorzustoßen.

Nach dem Mitttagessen begegnen die Charaktere einem uralt wirkenden Mann, der sich mühsam in Richtung der im hinteren Bereich der Villa gelegenen Moschee bewegt. Der Mann scheint nicht ganz bei Sinnen zu sein, trotzdem erfahren die Charaktere, dass er der Imam der Moschee ist... und irgendetwas scheint ihn schier wahnsinnig zu machen. Kerem Amanoglu und Annie Smith Peck reden beruhigend auf ihn ein und erfahren, dass den Mann irgendjemand daran hindert, in der Villa auch nur ein Wort aus dem Koran zu rezitieren. Diese Antwort hat ihn aber bereits soviel Kraft gekostet, dass er ohnmächtig zusammenbricht. George Stoker untersucht den Mann daraufhin und stellt fest, dass er äußerlich zwar wirkt, als sei er fast 90 Jahre alt, seine Zähne und Konstitution seien aber die eines Dreißigjährigen. Er setzt daraufhin sein Riechsalz ein und fragt den Mann, was denn so stark sei, dass es sich seinem Glauben entgegenstellen könne. Daraufhin antwortet der Mann unter Schmerzen, es seien die fauligen, aber unwiderstehlichen Küsse der Witwe! Darauf rennt der Mann schreiend davon.

Die Charaktere versuchen nun, heimlich in die Privaträume des Seraglio einzudringen oder zumindest einen Blick dort hineinzuwerfen. Sie wollen gegen die Witwe vorgehen und vermuten, dass sie sich dort aufhält. Kerem Amanoglu klettert an der Außenwand des Hauses empor und lauscht an einem der Fenster zum Seraglio. Die Fenster sind nicht verglast und besitzen auch keine Fensterläden, sie sind nur mit schweren Vorhängen abgehangen. Leise hört Kerem ein schmatzendes Geräusch und eine leise Stimme, die ein Kinderlied singt. Kerem schiebt vorsichtig die Vorhänge ein Stück zur Seite und sieht die ältere Frau, die zuvor bereits Annie begegnet ist. Sie gibt einem Kind zu essen. Auf einem Beistelltisch steht eine große Metallflasche und eine Schale mit einer blutig roten Flüssigkeit. Kerem ist geschockt: das Kind wird offenbar mit Blut gefüttert. Noch brisanter wird die Situation, als die Amme Kerem am Fenster entdeckt. Sie ruft sofort nach Eunuchen, Kerem springt aber schnell hinab und verbirgt sich.

Nach einer Flucht ins Zimmer Ármin Vámbérys, beginnt dieser aus Gründen der Täuschung Kerem zu verkleiden. Vámbéry hat auf seinen Reisen durch den Orient in solchen Dingen viel Erfahrung gesammelt und es gelingt ihm, Kerem täuschend echt als den Imam des Hauses auszugeben. Der Imam bekommt daraufhin einen Schlaftee zugeführt, wird in Kerems Bett gelegt und Kerem verschwindet vorläufig im Zimmer des Imams.

Dann kommt der Abend und damit eine weitere gesellige Runde mit der Witwe. Sie führt die Charaktere diesmal ins Raucherzimmer und bietet ihnen eine Wasserpfeife an. Wieder wirft sie Andre F. Crosse verführerische Blicke zu, der aber nicht reagiert. Später verabschiedet sich die Witwe wie bereits am ersten Abend von den Charakteren, diesmal aber versucht Annie Smith Peck ihr zu folgen.

Die Witwe ist auf solch einen Versuch nicht völlig unvorbereitet und versucht Annie mit ihrer außergewöhnlichen Kraft einzuschläfern. Annie spürt, wie in ihrem Gehirn nach und nach alle Ströme zum Erliegen kommen, aber sie wehrt sich dagegen und bleibt bei Bewusstsein. Weil sie glaubt, dass die Witwe jetzt auf sie zukommt, lässt sie sich fallen und tut so, als sei sie ohnmächtig geworden. Annie hat sich aber getäuscht. Die Witwe flieht einfach aus dem Haus nach draußen. Annie rappelt sich auf und rennt hinterher. Die übrigen Charaktere sind inzwischen ebenfalls aus dem Raucherzimmer getreten und folgen Witwe und Annie in einigem Abstand. Auch Kerem, als Imam verkleidet, hört die Unruhe und verlässt das Zimmer des Imams.

Die Witwe eilt auf einen nahen Pfirsichhain zu, versteckt sich dort im Gesträuch und versucht Annie Smith Peck mit einem Überraschungsangriff auszuschalten. Annie ist aber reaktionsschnell und bemerkt die Gefahr rechtzeitig. Sie versucht im Folgenden die Witwe mit ihren Fäusten zu bearbeiten, was aber wenig Wirkung zeigt. Schließlich sind die übrigen Charaktere an Ort und Stelle und es kommt zum Showdown. Dabei zeigt es sich, dass nur schwere Schusswaffen in der Lage sind, der Witwe zu schaden. Annie Smith Peck steht in der Nähe und sieht, dass die Kugeln bei einem Treffer nicht in den Körper der Witwe eindringen, sondern Gesteinssplitter von ihrem Körper ablösen. Im Kampf kann die Witwe den herbeigeeilten George Stoker noch ernsthaft verwunden – unangenehmerweise, indem sie ihn beißt! Nach massivem Kugelhagel unterliegt die Witwe jedoch trotz allem ihren Gegnern.  Als George Stoker die Sterbende untersucht, entdeckt er unter ihrem Gewand einen juwelenbesetzten Dolch, den er vorerst an sich nimmt. Dann stirbt die Witwe – und ein Erdbeben erschüttert den Hügel, auf dem die Villa steht. Durch dieses Erdbeben wird vor allem die schon zuvor in Mitleidenschaft gezogene Moschee noch stärker beschädigt. Weiterreichende Enthüllungen und Folgerungen mussten aus Zeitgründen auf die nächste Sitzung verschoben werden.

Parageröchel: Die Gruselatmosphäre der Episode ist merklich spürbar gewesen. Es war spannend. Ein bisschen schade war, dass sich Andrew F. Crosse sehr standhaft gezeigt hat. Natürlich war die Gefahr greifbar und ich hätte ihm nie Vorschriften gemacht, ein bisschen mehr Wirkung hätte das Becircen der Witwe bei ihm aber zeigen können. Insgesamt hatte ich etwa 5 Tage grob vorbereitet. Dass die Gruppe schon in der zweiten Nacht losschlägt ist aber völlig o.k. Die Informationen, die sie aus dem armen Imam herausgeholt hatten, legten ein schnelles Handeln durchaus nahe. Der Kampf war nicht allzu hart. Zwar haben die Charaktere aufgrund einiger schlechter Würfe eine Menge Punkte verloren, aber letztlich haben sie auch ohne spend allein aufgrund ihrer Übermacht einen relativ sicheren Sieg eingefahren. Die Action ist damit vorbei, aber wir werden beim nächsten Mal noch ein bisschen Zeit für die Nachbereitung brauchen. Die Charaktere werden wissen wollen, was hier eigentlich los war und wahrscheinlich alle Bewohner der Villa befragen. Vielleicht habe ich auch noch ein bisschen Lust auf Action - da schwirren noch ein paar Kosaken in der Gegend herum!
« Letzte Änderung: 11.11.2017 | 03:00 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #8 am: 8.12.2017 | 01:22 »
Stoker: First Blood / 5. Sitzung
1877, Aufräumarbeiten

Beteiligte Agenten:
Major George Stoker, MD (anglo-irischer Arzt, Mitglied des X-Clubs, 23 Jahre)
Colonel Frederick Burnaby (britischer Armeeoffizier, 35 Jahre)
Mr. Andrew F. Crosse (britischer Geologe, Mitglied des X-Clubs, 25 Jahre)
Miss Annie Smith Peck (amerikanische Archäologie-Studentin, 27 Jahre)
Kerem Amanoglu (ottomanischer Soldat, 22 Jahre)

Wichtige Verbündete:
Mr. Árman Vámbéry (ungarischer Linguist, 45 Jahre)
Mr. Archibald Forbes (britischer Journalist, 39 Jahre)


Die Amme des Kindes von Arzu Dal

Nach dem Sieg über Arzu Dal versuchen die Charaktere zunächst herauszufinden, wohin die Witwe fliehen wollte. Sie suchen die Umgebung um den Pfirsichhain ab und befinden sich früher oder später erneut im Familienmausoleum. Dort kommt ihnen dann (endlich!) die Erkenntnis, dass der Sarkophag von Arzu Dal (sie haben die Frau bisher nur als „die Witwe“ kennengelernt) mit einem Todesdatum von vor 2 Jahren offensichtlich ein Hinweis darauf ist, dass die Witwe bereits zwei Jahre tot sein sollte und demnach nach ihrem Tod in irgendeiner Form zu einer todlosen Existenz wiedererwacht ist.

Als nächstes versuchen die Charaktere herauszubekommen, wo sich die kindlichen Opfer des Hauses befinden (den Charakteren ist klar, dass die Kinder für die Blutversorgung des seltsamen Nachkommens von Arzu Dal herhalten müssen). Sie dringen in das Seraglio ein und stellen die Amme zur Rede, die daraufhin eine emotionale Ansprache hält. Kernaussage: Das Kind kann auch nichts für seine Natur. Einen Moment zögern die Charaktere daraufhin. Dann wollen sie aber wissen, wer für die Blutversorgung des Kindes zuständig war. Die Amme behauptet, es sei der Obereunuch gewesen. Dieser ist allerdings nach dem Erdbeben bereits geflohen. Die Charaktere lassen sich daraufhin von der Amme sein Zimmer zeigen – nur Colonel Burnaby bleibt einen Moment im Seraglio zurück und nutzt die Gelegenheit, den Nachkommen Arzu Dals mit einem Kissen zu ersticken! Im Zimmer des Obereunuchs finden die Charaktere unter dessen Bett eine verschlossene Kiste, die darauf hindeutet, dass der Schlächter Andenken an seine Opfer gesammelt hat: In der Kiste befinden sich dutzende kleiner Mützen, Taschentücher, Schleier, mit Bändern zusammengebundene Haarlocken und anderer Krimskrams. Die Charaktere sind angewidert und wollen den Ort möglichst bald verlassen. Eine letzte Konfrontation mit der Amme steht ihnen noch bevor. Diese beschuldigt sie, irgendetwas mit dem Tod des Erben zu tun zu haben. Die Charaktere verwenden darauf einige Mühe, sie von diesem Gedanken abzubringen. Schließlich schenkt sie ihren Lügen Glauben, weiß aber nun mit ihrem Leben nichts Rechtes mehr anzufangen.

Das ist der Moment, wo sich die Wege der Charaktere trennen. George Stoker kehrt zu dem inzwischen am Shipka-Pass errichteten Lazarett zurück und übernimmt die Führung der Einrichtung. Er bietet der Amme Arzu Dals an, an dem Ort als Krankenschwester zu arbeiten, was die Frau dankbar annimmt. Ein paar Jahre später errichtet er ein ähnliches Lazarett in Afrika, das die britischen Soldaten im Krieg gegen die Zulus versorgen soll. Noch später kehrt er nach England zurück.

Die anderen Charaktere kehren nach Istanbul zurück, wo sie Osman Hamdy Bey Bericht erstatten. Der Mann ist unzufrieden, weil die Charaktere die Geschehnisse in der Höhle des Teufels nicht aufgeklärt haben und auch sonst über keine Vergehen der russischen Aggressoren berichten können. Immerhin können ihm die Charaktere eine letzte Hoffnung machen: Sollten die Russen versuchen nach Süden vorzudringen, würden sie über den Shipka-Pass wollen, auf dem auch viele türkische Flüchtlinge unterwegs sind. Es ist anzunehmen, dass George Stoker in seinem Lazarett in Kürze einige Dinge erzählen kann, die geeignet sind, die Türken auf internationalem Parkett als Opfer darzustellen.

Die Schicksale der anderen Charaktere:

Kerem Amanoglu bekommt von Osman Hamdy Bey die Freiheit geschenkt – vorausgesetzt, er begibt sich zu George Stoker auf den Shipka-Pass und bleibt dort so lange, bis er ein paar entsprechende Berichte an Osman Hamdy Bey abliefern kann. Kerem Amanoglu fügt sich.

Colonel Frederick Burnaby: kehrt nach England zurück, heiratet, bekommt einen Sohn und unternimmt eine Ballonfahrt über den Ärmelkanal. Schließlich meldet er sich als Freiwilliger und reist nach Afrika, wo er als Befehlshaber der englischen Truppen, die den Mahdi-Aufstand niederschlagen, tätig wird. In der Schlacht von Abu Klea wird er tödlich von einem Speer in den Hals getroffen.

Ármin Vámbéry kehrt nach der Expedition wieder zu seiner Professorenstelle an der Universität Budapest zurück.

Archibald Forbes bleibt noch eine Weile in der Region und berichtet weiter über den türkisch-russischen Krieg. Er übernimmt zeitweilig Botendienste für die russische Seite. Nach dem Kriegsende bereist er weitere Kriegsgebiete in Asien und Afrika.

Andrew F. Crosse kehrt nach der Expedition nach London zurück. Hier arbeitet er als Wissenschaftler weiter und besucht die regelmäßigen Treffen des X-Clubs.

Miss Annie Smith Peck kehrt nach Amerika zurück und arbeitet als Archäologiedozentin. Sie entdeckt außerdem ihre Leidenschaft für das Bergsteigen. Für ihre Anerkennung als Wissenschaftlerin muss sie kämpfen, was sie einige Jahre später nach London führt.

Parageröchel: Etwas schade ist, dass George Stoker als Arzt nicht die Gelegenheit genutzt hat, den Leichnam Arzu Dals zu erforschen. Auf diese Weise hätte er ein paar Einblicke in das Wesen von vampirähnlichen Kreaturen gewinnen können...
Der Rest des Abends vergeht mit der Erschaffung neuer Charaktere. Am Ende kristallisiert sich die Besetzung für das nächste Abenteuer, das 11 Jahre später spielt, heraus: der Geologe Andrew F. Scott und auch Annie Smith Peck werden weiterhin eine Rolle spielen. Sie werden den Regeln entsprechend gesteigert. Außerdem wird Abraham Van Helsing einen ersten Auftritt als Spielercharakter haben. Die beiden verbleibenden Spielercharaktere werden der Kutscher Abraham Van Helsings (insgeheim auch als Einbrecher tätig) und ein Leibwächter sein. Wem der Leibwächter zugeordnet wird, ist derzeit noch nicht ganz geklärt.
« Letzte Änderung: 9.12.2017 | 02:25 von Chiarina »
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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #9 am: 28.02.2018 | 00:30 »
Founding Edom / 6. Sitzung
1888, Sieben Morde und ein gestohlenes Buch

Beteiligte Agenten:
Abraham Van Helsing (niederländischer Mediziner und Universalgelehrter, 65 Jahre)
Andrew F. Crosse (britischer Geologe, Mitglied des X-Clubs, 36 Jahre)
Miss Annie Smith Peck (amerikanische Archäologin, 38 Jahre)
James Clockwork (Abraham Van Helsings Kutscher, 30 Jahre?)
Mr. Jackson (Miss Smiths Leibwächter, 25 Jahre?)

Weitere, in der 1. Szene anwesende Mitglieder des X-Clubs:
Major George Stoker, MD (anglo-irischer Arzt, 34 Jahre)
Thomas Hirst (Reiseschriftsteller, 58 Jahre)
James Allen Harker (Insektenkundler, 41 Jahre)
Joseph Dalton Hooker (Botaniker, 61 Jahre)


Dorset Street, Whitechapel

Wie an jedem 2. Mittwoch im Monat trifft sich auch am 14. 11. 1888 der X-Club im Athenaeum am Waterloo Place. Im X-Club ist heute – auf Empfehlung von Major George Stoker MD – eine Dame zu Besuch. Die amerikanische Archäologin Miss Annie Smith Peck besucht ein paar alte Bekannte, die sie vor 11 Jahren auf einer Expedition in Bulgarien kennengelernt hatte. In Wahrheit ist sie aber in London, um sich nach Möglichkeit einer britischen Ausgrabung im erst vor wenigen Jahren besetzten Ägypten anzuschließen. Das Land ist das Paradies für jeden Archäologen und Miss Annie Smith Peck hat nicht vor, die ganzen Lorbeeren kampflos den britischen Forschern zu überlassen. Dennoch steht an diesem Abend ein ganz anderes Gesprächsthema im Mittelpunkt: Ganz London hält derzeit den Atem an, da es von einer Serie grauenvoller und mysteriöser Morde an Prostituierten im Stadtteil Whitechapel erschüttert wird. Auch im X-Club wird über den möglichen Täter, seine Motive, ein rätselhaftes Sgraffito, das Vorgehen von Scotland Yard und einen jüdischen Schuhmacher unter Mordverdacht gesprochen. Schließlich erscheint als letztes Mitglied des X-Clubs Joseph Dalton Hooker. Er winkt mit der Times und liest den Anwesenden von einem neuen Verbrechen vor:

Einbruch in die British Library
London – Ein bislang Unbekannter hat sich in der Nacht von Montag auf Dienstag in der British Museum Library unerlaubten Zugang verschafft. Wie die Polizei gestern mitteilte, sei nicht bekannt, wie der Mann in das Gebäude hineingelangt sei. Er wurde aber gegen 22:00 Uhr von dem Nachtwächter überrascht, schlug auf seiner Flucht ein Fenster ein und sprang aus dem Gebäude zum Montague Place hinaus. Chefbibliothekar Edward Maunde Thompson informierte die Presse darüber, dass der Räuber nur ein einziges Buch erbeutete. Es handelt sich dabei um einen 300 Jahre alten Reisebericht von John Dee, der als Teil der Bibliothek Sir Robert Cottons zum Bestand der British Library wurde. Der Täter befindet sich derzeit auf freiem Fuß.

Es folgt ein Gespräch unter Gelehrten. Andrew F. Crosse weiß zu berichten, dass John Dee ein Berater von Sir Francis Walsingham, dem 2. Staatssekretär von Königin Elisabeth I., war. John Dee unternahm Ende des 16. Jahrhunderts für Sir Francis Walsingham Reisen durch Mittel- und Osteuropa und verfasste über diese Reisen ausführliche Berichte. Nach seinem Tod kaufte Sir Robert Cotton sein Haus, fand seine Dokumente und band die Reiseberichte zu einem Band. Das Original und ein paar angefertigte Kopien gingen in sein eigenes Archiv, an die Gesellschaft der Antiquare und an die in der Entstehung begriffene Royal Society. Nach Cottons Tod wurde sein Buchbestand von der Krone in Besitz genommen und in die British Library integriert. John Dees Reiseberichte wurden zunächst aber erst einmal an John Dees Sohn, Arthur Dee, übergeben. Erst nach Arthur Dees Tod wurden auch dessen Bücher an die British Library übergeben.

Abraham Van Helsing ergänzt Crosses Ausführung. Er erzählt, dass Arthur Dee, der Sohn John Dees, das Werk seines Vaters gründlich studiert hat. Arthur Dee war eine Zeitlang königlicher Arzt, wurde dann aber entlassen und zog nach Norwich, wo er sich als Alchemist betätigte und nach dem Stein der Weisen forschte. Sein Mitarbeiter wurde der ungarische Alchemist und Chemiker Banfi Huniades. Die beiden Männer ergänzten John Dees Original durch Kommentare und Randbemerkungen. Ebenfalls von Interesse sei, dass besagter Sir Francis Walsingham, der Auftraggeber für John Dees Reisen, der erste Engländer war, der für die englische Krone ein Spionagenetzwerk aufbaute. Er ermöglichte einigen französischen Hugenotten die Flucht und bewahrte die englische Königin Elisabeth I. mehrfach durch die Aufdeckung von Verschwörungen vor Anschlägen. Walsingham kann als Urvater der englischen Geheimdienste gelten. Dee war ein Teil seines Netzwerks. Auch John Dees Sohn Arthur war verdeckt für die englische Krone tätig und mit geheimen Forschungen beschäftigt.

Unnachahmlich fasst Joseph Dalton Hooker die Informationen zusammen und behauptet, die Morde in Whitechapel seien Angriffe auf das menschliche Laster, der Einbruch in die British Library aber sei ein Angriff auf die Intelligenz! Er sehe es daher als patriotische Pflicht an, dass sich Mitglieder des X Clubs um Aufklärung bemühen... er selbst sei allerdings leider in den nächsten Tagen verhindert. Daraufhin verabreden sich Andrew F. Crosse, Miss Annie Smith Peck und Abraham Van Helsing für den nächsten Tag im British Museum.

Dann tritt zum ersten Mal die Dienerschaft in Erscheinung: Mr. Jackson, Miss Smiths Leibwächter, und James Clockwork, der Kutscher Abraham Van Helsings. Die Mitglieder des X-Clubs bitten sie, sich in den entsprechenden Kreisen doch vielleicht einmal umzuhören. Von James Clockwork ist bekannt, dass er einige Ganoven kennt. Vielleicht könne er ja irgendwelche Informationen zum Fall in Erfahrung bringen. Vielleicht etwas übermotiviert ziehen Kutscher und Leibwächter nachts los und stiefeln in Whitechapel herum. Besonders viel kommt dabei nicht heraus, die beiden machen aber Bekanntschaft mit drei Halsabschneidern, die sie drängen, in Van Helsings Kutsche herumgefahren zu werden. Als die Halsabschneider dann auch noch auf die Idee kommen, nächtliche Passanten auszunehmen, lassen Kutscher und Leibwächter die Kriminellen zunächst gewähren und fahren dann – sobald die Übeltäter die Kutsche verlassen haben – im Eiltempo davon.

Am nächsten Tag begeben sich die drei Wissenschaftler zum British Museum, Kutscher und Leibwächter müssen zunächst vor der Tür warten, denn für die Öffentlichkeit sind nur die Außenbezirke des Gebäudes zugänglich. Zum großen Lesesaal hat nur Zutritt, wer einen Leseausweis besitzt, da eine gewisse Exklusivität gewünscht ist. Abraham Van Helsing und Andrew F. Crosse besitzen einen solchen Ausweis und nachdem sie sich beim Pförtner für Miss Annie Smith Peck eingesetzt haben und diese ein paar amerikanische Zeugnisse vorweisen kann, stellt man auch ihr einen entsprechenden Ausweis aus.

Im großen Lesesaal zeigt sich Miss Annie Smith Peck durchaus beeindruckt vom hier versammelten Wissen unter hoher, großer Glaskuppel und hält sich etwas zurück. Hier lernen die Wissenschaftler auch einen Besucher kennen. Er nennt sich Peter Hawkins und bietet ihnen seine Hilfe an. Die Wissenschaftler erzählen ihm vom Grund ihrer Anwesenheit, worauf er wenig überrascht zu sein scheint. Der Mann scheint über den Tatvorgang einigermaßen im Bild zu sein. Schließlich wird er gefragt, ob er vielleicht eine Kopie des gestohlenen Buches kenne, worauf er behauptet, es stehe eine in der Royal Society. Man beschließt, sich nach dem Bibliotheksbesuch am Nachmittag dort zu verabreden. Dann gelingt es Abraham Van Helsing, aufgrund einer persönlichen Freundschaft zum Chefbibliothekar schnell zu Edward Maunde Thompson vorgelassen zu werden, der die Wissenschaftler empfängt und über die Vorkommnisse informiert. Er zeigt ihnen die Stelle, an der das gestohlene Buch ursprünglich aufbewahrt war: In direkter Nachbarschaft finden sich weitere wertvolle Folianten, die den Täter aber offenbar nicht interessiert haben. Er hatte es offensichtlich nur auf das eine Werk abgesehen. Dann zeigt der Chefbibliothekar den Wissenschaftlern das eingeschlagene Fenster im selben Raum. Er bestätigt die Informationen aus dem Zeitungsbericht und fügt hinzu, dass der Nachtwächter beobachten konnte, wie der Fliehende mit einem Spazierstock das Fenster einschlug, dann heraussprang und schließlich links in Richtung Bedford Square Garden davon lief.

Ein wenig ratlos, wie im vorliegenden Fall weiter vorgegangen werden könnte, fragt Andrew F. Crosse nach dem Nachtwächter. Edward Maunde Thompson schaut in das Dienstbuch und erklärt, in der betreffenden Nacht habe Lewis Bird Dienst gehabt. Er wohne in 12 Dorset Street, Whitechapel.

Zunächst fahren die Charaktere mit der Kutsche in die Royal Society. Peter Hawkins ist bereits dort und zeigt ihnen eine Kopie von John Dees Reiseberichten. Abraham Van Helsing ist etwas enttäuscht, weil er erkennt, dass das Exemplar nicht die Kommentare von Dees Sohn und Banfi Huniades enthält. Trotzdem ergibt schon ein erstes Querlesen ein paar interessante Informationen, denn es wird schnell deutlich, dass das mehr als ein Reisebericht ist: Dee schreibt über Audienzen bei Rudolf II. und Stephan Bathory, er erwähnt die künftige Blutgräfin Elisabeth Bathory und berichtet insbesondere von der Existenz und von Geschichten über Vampire. Er erzählt weiterhin von elektrischen Strömen, die durch die Erde fließen, und von kleinsten Lebewesen im Erdinneren, die auf diese "tellurischen Energien" angewiesen sind um überleben zu können. In seltenen Fällen, so Dee, brächten vulkanische Eruptionen diese Kleinstlebewesen an die Erdoberfläche. Menschen, die von diesen Lebewesen befallen würden, könnten Dees Worten zufolge zu Vampiren werden. Selbst in einem menschlichen Wirtskörper aber seien diese Lebewesen noch von den Erdströmungen abhängig. Und dann kommen die Charaktere aus dem Staunen nicht mehr hinaus: Auch ein gewisser Vlad Tepes, der Dracula genannt wird und angeblich alchemistische Werke verfasste findet Erwähnung. Und schließlich berichtet Dee über einen Aufenthalt in Prag, in dessen Zusammenhang er auf die jüdische Legende des Golems stieß, eines menschenähnlichen Wesens aus Lehm, das durch ein jüdisches Ritual zu künstlichem Leben erweckt werden kann. Bei diesem Ritual entstehe angeblich ein Pergament mit dem jüdischen Namen Gottes, das dem Golem in den Mund gelegt werden muss um ihn zu beleben... kurz: der Bericht ist voller okkulter Geheimnisse. Das wissenschaftliche Interesse der Charaktere ist geweckt.

Zu fünft fahren die Charaktere in Van Helsings Kutsche schließlich zum Wohnort des Nachtwächters... und je näher sie dem Ort kommen, desto unruhiger wird James Clockwork, der Kutscher. Er informiert die anderen schließlich, dass sie sich im übelsten Viertel Londons befänden, ein paar hundert Meter weiter habe der mysteriöse Frauenmörder erst vor einer Woche sein bis dato letztes Opfer ermordet. Die Charaktere steigen an der angegebenen Adresse aus der Kutsche und müssen innehalten: das Straßenbild ist von verdorbenen, alten Huren, Ganoven mit Rasiermessern und grölenden, betrunkenen, kampfbesessenen Totschlägern geprägt. Schnell verschwinden die Charaktere in Lewis Birds Hostel. Hier werden sogenannte Single Rooms vermietet, winzige Räume, die nicht mehr enthalten als ein Bett. Der Besitzer des Hauses nennt den Anwesenden nach Erhalt eines kleinen Obulus´, das Zimmer, das Lewis Bird gemietet hat. Die Charaktere bewegen sich auf einer schmierigen Treppe ins zweite Stockwerk und klopfen an Birds Zimmertür... keine Reaktion. Schließlich öffnen sie die Tür... und finden den Mann in seinem Bett. Seine Kehle ist durchgeschnitten und er liegt tot in seinem Blut. Die Hände der Leiche sind zu Fäusten geballt. Er trägt ein Nachtgewand.

Van Helsing und Clockwork untersuchen die Leiche. Die durchschnittene Kehle erinnert an den Frauenmörder, abgesehen davon ist die Leiche aber unversehrt. Clockwork entdeckt schließlich, dass eine der Fäuste des Opfers einen Kugelknopf aus Seide enthält wie er öfter bei eleganten Anzügen zu sehen ist. Mit Sicherheit gehört der Knopf nicht zu den armseligen Kleidungsstücken Lewis Birds. Van Helsing datiert den Mord in etwa auf die frühen Morgenstunden des Dienstags – des Morgens nach dem Einbruch in das British Museum. Die Tatwaffe muss ein großer, scharfer Dolch gewesen sein. Es sieht so aus, als habe Bird bei der Tat bereits im Bett gelegen, aber noch die Möglichkeit gehabt, sich zu wehren.

Die Wissenschaftler lassen danach die Polizei rufen. Bis sie erscheint sprechen sie aber mit dem Hausherrn, später mit einer Gelegenheitsprostituierten, die dem Mann wohl bei der Führung des Hostels hin und wieder unter die Arme greift. Diese Frau scheint zur Tatzeit als Pförtnerin gearbeitet zu haben und kann einen ungewöhnlich gut gekleideten Gentleman beschreiben, der vor Ort eindeutig fremd gewesen sei und eine Tasche unter dem Arm hatte. Er habe sich nach dem Zimmer von Lewis Bird erkundigt, kurze Zeit später sei Lärm im Haus zu hören gewesen – was nicht außergewöhnlich sei. Kurze Zeit später habe er das Haus wieder verlassen und sei in Richtung Commercial Street davongeeilt.

Mehr ist im Moment nicht in Erfahrung zu bringen. Als die Wissenschaftler zu ihrer Kutsche zurück wollen, lauern ihnen eine Handvoll Straßendiebe auf und wollen sie überfallen. Dabei haben sie allerdings die Rechnung ohne den Kutscher gemacht. Clockwork hält im tiefsten Gossenslang eine Ansprache und prophezeit ihnen, dass Scotland Yard hier keinen Pflasterstein an Ort und Stelle lassen würde, wenn sie sich jetzt hier an diesen hohen Herren vergreifen würden. Passenderweise erreicht genau in diesem Moment die Polizei den Ort und die Strolche nehmen Reißaus.

Parageröchel: Der Einstieg im X-Club war gut, Annie Smith Pecks Besuch haben wir gemeinsam entwickelt und auch ganz schön in Szene gesetzt. Bis die Spieler aber ihre Charaktere mal in Richtung Abenteuer in Gang bekommen haben, hat es geraume Zeit gedauert. Da werden Argumente hin und her gewälzt, ob der Charakter so einen Auftrag wirklich übernehmen würde oder ob er nicht einfach nach Hause gehen und einen Earl Grey Tee trinken würde... na gut... irgendwann ging´s dann doch los. Ich hatte ja eigentlich vorgeschlagen, das Abenteuer nur mit Wissenschaftlern aus dem X-Club zu bestreiten. Zwei der Spieler hatten aber keine Lust darauf und spielen jetzt Leibwächter und Kutscher. Das geht auch, aber aufgrund der unterschiedlichen sozialen Schichten hat sich die Gruppe relativ häufig getrennt, was es für Spielleitung und Spieler nicht unbedingt einfacher macht. Insgesamt keine Katastrophe, das Ding ist jetzt in Gang gekommen und beim nächsten Mal geht´s sofort zur Sache.
« Letzte Änderung: 10.03.2018 | 01:52 von Chiarina »
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Offline Ludovico

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #10 am: 28.02.2018 | 13:58 »
Man, das liest sich richtig richtig gut.
Danke auch für die Anmerkungen zum Schluß!

Vielen Dank, dass Du das mit uns teilst.  :d

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #11 am: 28.02.2018 | 22:19 »
Ich hab eine Frage zu dem, was nach der Flucht kam:
War das vom Abenteuer so vorgegeben, dass erst noch das Bergdorf kommt?
Ich frage mich das, weil es doch sehr passend gewesen wäre, wenn die Gruppe mit dem verletzten Major direkt zur Villa kommt, von der sie bislang nur wussten, dass sie einer barmherzigen Witwe gehört.

Offline Chiarina

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #12 am: 28.02.2018 | 22:53 »
Hallo Ludovico! Erstmal freut es mich, dass du das hier offensichtlich recht aufmerksam verfolgst.

Jetzt zur Frage: Diesen Bezug, den du da herstellst (also: barmherzige Witwe, verwundeter Charakter > auf zur Villa!), über den haben meine Spieler gar nicht nachgedacht. Ehrlich gesagt waren sie so voller Angst, dass ihre Charaktere irgendwie in das Kriegsgeschehen verwickelt werden könnten, dass sie am liebsten möglichst schnell die Region wieder verlassen hätten.

Das Abenteuer hat zwar eine Karte, aber auf dieser Karte ist das Bergdorf gar nicht eingezeichnet. Es ist quasi eine flexibel einsetzbare Örtlichkeit und dient wohl hauptsächlich dazu, Gruppen in Richtung Villa auf den richtigen Weg zu bringen. Das Dorf liegt dann eben einfach auf ihrem Weg. Wenn eine Gruppe sowieso schon nach der Villa sucht, kann das Dorf auch entfallen.

Das war bei uns aber nicht unbedingt so. Ich habe das Dorf dann hauptsächlich deshalb auf der Fluchtroute positioniert, weil ich den griechisch-orthodoxen Priester von dem verloren gegangenen Mädchen erzählen lassen wollte. Das hat die Expeditionsteilnehmer dann irgendwie bei der Ehre gepackt und sie haben schließlich vor Ort doch noch mal nachgesehen.
« Letzte Änderung: 2.03.2018 | 12:51 von Chiarina »
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Offline Ludovico

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #13 am: 1.03.2018 | 09:32 »
Ah, das ist sehr gut zu wissen. Danke! Deine Vorgehensweise war sehr gut.

Mir ist halt aufgefallen, dass in der 2. Sitzung die Witwe erwähnt wurde. Wenn die Charaktere aus der Höhle entkommen sind, so werde ich, wenn ich die Kampagne mal leite, das dann so handhaben, dass sie nicht das Bergdorf, sondern erst die Villa finden, wo sie ihren verletzten Kameraden pflegen und dem Geheimnis auf die Spur kommen.


Offline LushWoods

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #14 am: 1.03.2018 | 10:20 »
Danke für den Bericht, sehr interessant!
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Offline Chiarina

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #15 am: 10.03.2018 | 01:25 »
Founding Edom / 7. Sitzung
1888, Von Schneidern und Schuhmachern

Beteiligte Agenten:
Abraham Van Helsing (niederländischer Mediziner und Universalgelehrter, 65 Jahre)
Andrew F. Crosse (britischer Geologe, Mitglied des X-Clubs, 36 Jahre)
Miss Annie Smith Peck (amerikanische Archäologin, 38 Jahre)
James Clockwork (Abraham Van Helsings Kutscher, 30 Jahre?)
Mr. Jackson (Miss Smiths Leibwächter, 25 Jahre?)


Regent Circus (heute: Oxford Circus), vor Harrisson Suttons Schneiderei

Die Wissenschaftler verfolgen samt Kutscher Clockwork und Leibwächter Jackson die Spuren, die sie haben. Nach nochmaliger genauer Befragung der zur Tatzeit im Hostel tätigen Pförtnerin, erfahren die Charaktere, dass der verdächtige Besucher des Establishments bei seinem Verlassen des Gebäudes eilig versucht hat, einen goldfarbenen Dolch mit roten Edelsteinen besetzt in seiner Tasche zu verbergen. Zunächst begeben sich die Wissenschaftler daher auf die Suche nach derartigen Waffen. Ihr Weg führt sie zum Auktionshaus Sotheby´s, wo sie den Pförtner überreden, sie zu einem Fachmann für Schmuckwaffen zu bringen. Der vom Auktionshaus angestellte Experte unterhält sie eineinhalb Stunden mit längeren Ausführungen zu goldfarbenen Metallen und eingesetzten Rubinen, dann geht er verschiedene Auktionslisten durch und fördert schließlich drei Versteigerungen zutage, in denen Schmuckdolche, so ähnlich wie von der Zeugin beschrieben, versteigert wurden. Einer dieser Dolche war ein reines Schmuckobjekt, stumpf und kaum als Mordinstrument geeignet, der zweite ging an einen Sammler aus Nordschottland, den dritten hat ein vornehmer Londoner Bürger namens Gayworthy erstanden.

Die Wissenschaftler fahren nach Westminster um dort Sir Gayworthy einen Besuch abzustatten. Sie machen die Bekanntschaft eines polternden, aber leutseligen Herren, der den Wissenschaftlern gern seine Trophäen und Waffensammlung zeigt. Im Rauchzimmer bekommen die Anwesenden auch den erstandenen Dolch zu sehen, der eindrucksvoll ist, aber ungebraucht aussieht. Die Charaktere befragen den Mann nach Personen, die zu diesen Dolch Zugang haben und erfahren noch von Tom, einem Jüngling, der Sir Gayworthy als Findelkind in sein Bett gelegt worden war und den er an Sohnes statt angenommen hat. Tom hält sich derzeit auf dem Land auf, kommt aber in ein paar Tagen zurück. Schließlich lassen die Anwesenden den erstaunten Sir Gayworthy die Wäscherin des Hauses rufen. Sie zeigen der Frau den Knopf, den sie in der Faust des ermordeten Nachtwächters gefunden haben und fragen sie, ob ihr der Knopf bekannt vorkommt und ob er vielleicht von einem Anzug Toms stammen könnte. Die Wäscherin behauptet, Toms Kleidung habe keine derartigen Knöpfe. Die Wissenschaftler glauben, auf einer falschen Spur zu sein.

Dann eben der Knopf! Andrew F. Crosse zeigt seinem Schneider das Fundstück und fragt ihn, ob es in London Schneider gebe, die solche Knöpfe verwenden. Crosse bekommt den Tipp, es bei Harrisson Sutton, einem angesagten Schneider am Regent Circus zu versuchen. Die Wissenschaftler und Mr. Jackson, Annie Smith Pecks Leibwächter, betreten den Laden, der Kutscher James Clockwork wartet vor dem Gebäude neben seiner Kutsche.

In Suttons Laden befinden sich in den offenen Fächern seiner Wandschränke kostbare Stoffe und Accessoires. Sutton beschäftigt drei Näherinnen, die alle im hinteren Bereich des Ladens arbeiten. Zunächst werden die Besucher von einem Laufburschen begrüßt, der die Charaktere aber schnell dem Schneider selbst vorstellt. Im Gespräch erweist sich Sutton als unbestechlich. Er bestätigt zwar, dass der gefundene Knopf aus seinem Laden stammt, weigert sich aber strikt, auch nur eine einzige Information über seine Kunden zu verlieren. Die Charaktere erzählen ihm von ihren Nachforschungen, von dem entdeckten Mord und von patriotischen Pflichten – nichts, Sutton bleibt verschwiegen wie ein Grab. Enttäuscht verlassen die Charaktere den Laden.

Doch vor dem Laden hat sich in der Zwischenzeit Interessantes ereignet: Ein Gossenjunge hat James Clockwork in ein Gespräch verwickelt. Er scheint ein Auge auf Suttons Laden zu haben und hält nach reichen, möglicherweise spendablen Kunden Ausschau. Clockwork erzählt ihm ein wenig über die Herrschaften, die er derzeit in seiner Kutsche herumfährt. Der Gossenjunge erfährt, dass sie gar keine Kleidung kaufen möchten, sondern im Laden irgendwelche Nachforschungen anstellen. Momente später verlassen die Wissenschaftler auch schon mit einem frustrierten Gesicht den Laden. Der Gossenjunge spricht sie an und erfährt zumindest, dass die Charaktere gern ein paar Dinge von Harrisson Sutton erfahren hätten, was aber nicht funktioniert hat. Daraufhin erzählt der Knabe den Wissenschaftlern, dass er ihnen möglicherweise dazu verhelfen könnte sich eine Weile ungestört in Suttons Laden umzusehen. Die Charaktere sind interessiert und erfahren, dass Sutton einmal in der Woche für einen Tag aufs Land fährt. An diesem Tag sei sein Laden unbewacht und der Gossenjunge kenne eine Einstiegsmöglichkeit. Man verabredet sich am kommenden Mittag.

Als die Charaktere gerade wieder in ihre Kutsche steigen wollen, fällt Abraham Van Helsing eine Gruppe vierschrötiger Männer auf, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite zusammen stehen, für einen kurzen Moment Blickkontakt zu Van Helsing haben, sich daraufhin schnell voneinander verabschieden und in verschiedene Richtungen auseinandergehen. Die Charaktere können sich zu den Männern keine Meinung bilden und gehen erst einmal in einen Pub.

Nach einem feucht-fröhlichen Abend trennen sich die Charaktere. Abraham Van Helsing und Miss Annie Smith Peck inklusive ihres Leibwächters Mr. Jackson kehren in ihre Hotels zurück, Andrew F. Crosse lässt sich von seinem Kutscher zu seiner Privatwohnung zurückfahren. Dort allerdings werden sie quasi vor der Wohnungstür von 5 unbekannten Schlägern mit Keulen erwartet. Die beiden Männer nehmen mutig den Kampf auf, Andrew F. Crosse kann auch einen der Angreifer mit einem Kinnhaken ausschalten, erleidet aber schließlich selbst einen Schlag, durch den ihm der Schädel brummt. Aufgrund einer Platzwunde verliert er relativ viel Blut. Letztlich müssen Crosse und Clockwork erkennen, dass sie chancenlos sind, besonders auch deshalb, weil sie weitgehend unbewaffnet sind. Die beiden Männer versuchen zu fliehen und laufen laut Hilfe rufend die Straße herunter. Verstärkung allerdings ist nicht in Sicht und ihre Angreifer nehmen die Verfolgung auf. Andrew F. Crosse scheint geschwächt zu sein, seine Schnelligkeit hat gelitten. Es ist abzusehen, dass er nicht weit kommen wird. Im letzten Moment fällt James Clockwork allerdings ein, dass eine der Türen zu den angrenzenden Gebäuden der Hintereingang zu einem Lokal ist. Er reißt die Tür auf, schiebt Crosse hinein und befindet sich sehr schnell unter einigen Gästen im Speiseraum. Ein besorgter Kellner kümmert sich um den blutenden Crosse, die Verfolger sind vorerst abgehängt.

Schließlich treffen sich die Charaktere am nächsten Vormittag. Abraham Van Helsing versorgt zunächst den angeschlagenen Crosse, der noch immer ziemlich wacklig auf den Beinen ist. Zusammen fahren die Charaktere zu einem Treffpunkt in der Nähe von Harrisson Suttons Laden, den sie mit dem Gossenjungen ausgemacht haben. Andrew F. Crosse bleibt vorsichtshalber in der Kutsche, seine Schmerzen setzen ihm noch ziemlich zu. Sein Kutscher bleibt bei ihm. Abraham Van Helsing, Annie Smith Peck und Mr. Jackson aber folgen dem Gassenjungen, der 5p in Empfang nimmt und die Charaktere in einen Hinterhof führt.

Der Knabe zeigt Abraham Van Helsing, Miss Annie Smith Peck und Mr. Jackson einen losen Fensterladen, über den die drei Amateurdetektive problemlos in Harrisson Suttons Laden einsteigen können. Nach einiger Suche stoßen sie auf das Kundenregister des Schneiders. Sie gehen die letzten 20 Eintragungen durch und stellen zu ihrem Erstaunen fest, dass der Name „John Pizer“ auftaucht. John Pizer – das weiß gegenwärtig jeder in London – ist der jüdische Schneider, der verdächtigt wurde, die Whitechapel Morde begangen zu haben. Angeblich hatte er aber ein Alibi und die Polizei konnte ihm nichts nachweisen. Daher befindet er sich derzeit auf freiem Fuß.

Da sich in Suttons Kundenregister keine Adressen finden, fahren die Charaktere in Crosses Kutsche nach Whitechapel und erkundigen sich nach Pizers Werkstatt. Kurze Zeit später befinden sie sich in der Osborne Street, Ecke Whitechapel Road. Sie betreten einen 2 Meter breiten, schlauchartigen Raum im Erdgeschoss mit einer Werkbank und entsprechendem Werkzeug: John Pizers Schusterei. Der Mann ist anwesend, trägt seine in der Öffentlichkeit bereits bekannt gewordene Lederschürze und macht einen mürrischen Eindruck. Sein Äußeres stimmt ansatzweise mit der Beschreibung der Pförtnerin aus dem Hostel des Nachtwächters überein... so ganz sicher können sich die Charaktere dabei allerdings nicht sein. Als sie Pizer auf Harrisson Suttons Schneiderei und den edlen Stoffknopf ansprechen, reagiert der Mann defensiv und genervt: Schon wieder Leute, die ihm irgendetwas anhängen wollen! Er kenne keinen Harrisson Sutton und trage auch keine Anzüge. Er besitze überhaupt keinen Anzug, weil er ihn ein ganzes Jahresgehalt kosten würde. Die Charaktere schauen sich in seiner Werkstatt um, sie betrachten seine Kleidung... und beschließen seinen Worten Glauben zu schenken. Pizer führt eine allzu erbärmliche Existenz um in Suttons Laden Anzüge kaufen zu können. Wieder in der Kutsche spricht Abraham Van Helsing aus, was alle denken: „Pizer hat Recht. Es will ihm jemand etwas anhängen!“

-

In dieser Sitzung waren nur vier Spieler anwesend. Miss Annie Smith Peck wurde von uns einfach hinterhergeschoben und mitverwaltet. Die Suche nach dem Juwelendolch hatte ich nicht vorausgesehen. Ich habe sie improvisiert, was auch ganz gut funktioniert hat. Erfreulich fand ich, dass die Spieler diese Spur bis zum Ende gefolgt sind, dann aber auch recht zügig zum Schluss gekommen sind, dass es sich wohl um eine falsche Spur handelt. Der Kampf Andrew F. Crosse und James Clockworks gegen die Schläger war relativ bitter. Wir haben ein bisschen in den Thriller Combat Rules gestöbert, Andrew F. Crosse hat es dann eine Runde lang mit „evasive procedures“ versucht, später dann einen der Schläger mit einen kritischen Treffer umgehauen, danach sank seine eigene health unter 0 und dann war Flucht angesagt. Die Hintertür zum rettenden Restaurant war ein „tactical fact finding benefit“ mit 1 spend auf Streetwise, wobei ich nicht ganz sicher bin, ob der Vorgang bei einer Flucht regelgerecht ist. Muss ich nochmal nachsehen. Ansonsten ist in der Runde wirklich ein bisschen Detektivstimmung aufgekommen. Die Spieler wollen jetzt unbedingt herausbekommen, was los ist, und wälzen wildeste Theorien hin und her. Macht mir Spaß.

Danke auch für euer Interesse. Freut mich sehr!
« Letzte Änderung: 10.03.2018 | 16:50 von Chiarina »
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Offline Ludovico

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #16 am: 10.03.2018 | 16:26 »
Danke für den tollen Bericht!

Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Offline Chiarina

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #17 am: 5.04.2018 | 05:40 »
Founding Edom / 8. Sitzung
1888, Eine schockierende Entdeckung

Beteiligte Agenten:
Abraham Van Helsing (niederländischer Mediziner und Universalgelehrter, 65 Jahre)
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Mr. Jackson (Miss Smiths Leibwächter, 25 Jahre?)
Miss Annie Smith Peck hatte diesmal leider Migräne und ist im Bett geblieben.



Noch in der Kutsche werden Vermutungen angestellt: Ja, es will jemand Pizer etwas anhängen... aber wer? Mr. Jackson begibt sich nach Whitechapel und hört sich in der Unterwelt um. Er erzählt einem Ganoven mit vorstehendem Kinn von dem reichen Gentleman, der den Nachtwächter des British Libraries in seinem Hostelzimmer umgebracht hat und fragt, ob es Gerüchte über den Mann gibt. Sein Gegenüber will mehr wissen, aber Mr. Jackson hält zu viele Informationen zurück. Er erfährt nichts.

Die nächste Station der Charaktere ist Scotland Yard. Abraham Van Helsing führt das Gespräch mit dem diensthabenden Sergeant. Er will herausbekommen, wie weit die Polizei in diesem Fall gekommen ist und erzählt auch von den Ermittlungen der Wissenschaftler. Der Sergeant muss gestehen, dass Scotland Yard in diesem Fall noch keine neuen Erkenntnisse hat. Da Van Helsing aber vermeidet Harrisson Suttons Schneiderei zu erwähnen, hat der Beamte auch keine konkreten Anhaltspunkte für eigene Aktionen oder irgendwelche Ratschläge und Van Helsing muss schließlich unverrichteter Dinge wieder abziehen.

Nächstes Beratungsgespräch der Charaktere, die Köpfe rauchen. Schließlich versucht es Mr. Jackson ein zweites Mal in Whitechapel. Diesmal lädt er einen Gauner in einen Pub ein und erzählt etwas mehr. Der Gauner hat zwar keine Ahnung von dem wohlhabenden Mann, der im Viertel irgendeinen Mord verübt haben soll, aber als Harrisson Suttons Schneiderei genannt wird, denkt der Mann auf seine ganz eigene Art und Weise mit: „Der Mörder hat einen Anzug mit einem Knopf von Sutton getragen? Und von Sutton wisst ihr, dass es angeblich John Pizer war? Und John Pizer kann es aber nicht gewesen sein, weil er zu arm für Anzüge von Sutton ist? Na, dann sollten wir doch Sutton ein wenig auf den Zahn fühlen! Soll ich ein paar Leute besorgen, die dem Mann mal so ein bisschen Daumenschrauben verpassen? Drohungen? Eingeworfene Fensterscheiben? Das ist alles kein Problem!“ Mr. Jackson lehnt ab, macht sich aber seine Gedanken und zusammen mit den anderen Charakteren beschließt er, selbst für die Daumenschrauben zu sorgen.

Die Charaktere betreten kurz vor der Mittagspause erneut Suttons Schneiderei. Die Angestellten sind schon beim Essen, eine Gelegenheit für die Charaktere, mit Sutton Klartext zu reden. Mr. Jackson nimmt eine bedrohliche Gebärde ein und fragt Sutton, ob John Pizer bei ihm einen Anzug bestellt habe. Sutton ist erstaunt, aber auch ein wenig eingeschüchtert und bestätigt dann die Anfrage. Dann wird er gefragt, ob er sich auch sicher sei, dass es John Pizer gewesen sei. Sutton sagt, er sei nicht sicher, aber das sei eben der Name gewesen, den der Mann angegeben habe. Daraufhin greifen die Charaktere Sutton unter den Arm und geben ihm freundlich aber unmissverständlich zu verstehen, dass er in seiner Mittagspause eine Fahrt nach Whitechapel machen wird. Sie setzen ihn in Van Helsings Kutsche und fahren los. Vor Ort führen sie ihn in John Pizer Schumacherwerkstatt und wollen wissen, ob das der Mann gewesen sei, der einen Anzug bei ihm bestellt hat. Sutton verneint. Diesen Mann habe er noch nie gesehen. Dann fahren die Charaktere mit ihm zurück und fragen ihn, ob er vielleicht einen Hinweis darauf hat, wer der Mann, der sich als John Pizer ausgegeben hat, wirklich gewesen sei. Sutton ist eingeschüchtert. Einen Moment überlegt er und schaut dann in seinem Lieferbuch nach. Dort ist vermerkt, an welche Adresse der Anzug ausgeliefert wurde. Der Laufbursche Suttons wird gerufen und befragt, ob er sich an die Auslieferung des Anzugs für John Pizer erinnern kann. Der Bursche bejaht und erzählt, dass es nicht ganz einfach gewesen sei, den Mann zu finden, weil sein Name nicht auf dem Türschild zu finden war. Er habe im Haus herumgefragt und schließlich eine Bedienstete getroffen, die behauptete ihr Herr sei der Empfänger des Anzugs. Sie habe ihm auch die Quittung gezeigt, da habe er ihr den Anzug ausgehändigt.

Andrew F. Crosse schaut ins Lieferbuch und liest die Adresse: Charlotte Street 16. Irgendetwas klingelt bei ihm, aber noch weiß er nicht genau, was es ist. Er fragt den Lieferjungen noch, wie man die Wohnung findet und bekommt die Antwort, es sei im ersten Stock die linke Tür. Daraufhin verlassen die Charaktere den schwitzenden Sutton. Wieder in der Kutsche fällt es Crosse plötzlich ein: Charlotte Street 16! Da wohnt George Stoker!

Es dauert eine Weile bis sich Andrew F. Crosse gesammelt hat. Dann erzählt er seinen Kameraden, zu wem sie gerade fahren. Besonders Van Helsing ist geschockt: Stoker! Das ist ja ein Mitglied des ehrwürdigen X-Clubs! Zunächst beschließt man, erstmal ein Gespräch zu führen. Vielleicht kann Stoker ja den Verdacht entkräften. Vor seiner Wohnungstür öffnet ihnen zunächst sein Dienstmädchen. Als die Charaktere behaupten, Stoker sprechen zu wollen, geht sie und meldet sie an. Aber es dauert einen Moment, bis sie zurückkommt und die Freunde schöpfen Verdacht. James Clockwork rennt auf die Straße hinunter um für alle Fälle das Haus von außen betrachten zu können. Er kommt gerade um die Ecke, da sieht er auch schon, wie ein Mann vom ersten Stock aus die Feuerleiter hinuntersteigt. Unter seinem linken Arm trägt er eine Kiste. Clockwork springt den Mann an und wirft ihn zu Boden. Sein Gegner kann sich aber blitzschnell wieder aufrappeln und läuft davon. Eine wilde Verfolgungsjagd beginnt: Der Flüchtende wird beinahe von einem Hochradfahrer umgefahren, dann läuft er in eine Schulklasse von 40 Mädchen samt Lehrerin hinein und muss sich mühsam einen Weg bahnen, schließlich rennt er ein Kind über den Haufen, das am Straßenrand einem Reifen hinterherläuft. Clockwork hat den Flüchtenden fast erreicht, da kreuzt ein großer, von Pferden gezogener Doppeldeckerbus seinen Weg. Noch einmal muss er alles geben und holt auf, als der Flüchtende einen Laternenwärter während seiner Arbeit von einer Leiter stürzt. Die Laterne brennt leider noch nicht. Kurz bevor Clockwork den Mann erreicht hat, lässt dieser seine Kiste fallen. Das reicht Clockwork. Er nimmt die Kiste an sich und kehrt zurück zum Haus Stokers.

Dort sind die Übrigen inzwischen von Stoker und seinem Wachhund Bobby empfangen worden. Sie erzählen Stoker von dem Knopf, den sie bei dem toten Nachtwächter gefunden haben und fordern ihn auf, ihnen seine Anzugsjacken zu zeigen. Stoker zeigt sich dazu bereit, ruft aber zunächst einen Mann namens Josh aus einem Nachbarzimmer herbei, der noch zwei weitere Männer im Schlepptau hat. Josh soll seine Gäste mit Getränken versorgen, während Stoker seine Anzüge holen geht. Natürlich fallen die Charaktere auf diesen plumpen Trick nicht herein, es sieht aber so aus, als wolle Josh mit seinen Männern die Anweisung Stokers notfalls auch mit Gewalt durchsetzen. Da zieht Mr. Jackson einen Revolver und hält ihn Stoker an die Stirn. Van Helsing verlangt, dass Stokers Männer und sein Hund das Zimmer verlassen sollen. Stoker stimmt zögerlich zu, stellt aber selbst die Bedingung, dass dann auch Mr. Jackson den Raum verlassen soll. Darauf lassen sich die Charaktere ein.

Van Helsing und Crosse hoffen nun endlich ein klärendes Gespräch mit Stoker führen zu können, doch dieser schwitzt, atmet schwer und öffnet ein Fenster. Ehe es sich die Charaktere versehen springt er aus dem ersten Stock nach draußen und knallt unangenehm auf den Gehweg. Van Helsing reagiert sofort, ergreift eine Vase im Raum und wirft sie Stoker auf den Kopf. Crosse springt Stoker nach – direkt in seinen Rücken. Der athletische Mr. Jackson vor der Tür von Stoker hört das Getümmel, springt herbei, stützt sich eimal auf das Fensterbrett auf, springt dann ebenfalls Stoker hinterher und landet vorbildlich im Stand auf dem Gehweg. Stoker macht noch einen letzten Fluchtversuch, der ihm aber misslingt. Crosse hält ihn bereits am Kragen fest.

Schließlich knickt Stoker ein. Er will alles erzählen. Die Wissenschaftler warten noch auf den zurückkehrenden James Clockwork, dann fahren sie gemeinsam mit Van Helsings Kutsche in den Hyde Park. Dort packt Stoker aus.

Er erzählt den Charakteren von dem Dolch, den er in Bulgarien Arzu Dal abgenommen hat. Er habe den Dolch gemocht und oft bei sich gehabt. Eines Tages sei er auf seinem Weg durchs Gebirge einer Schlange begegnet, gegen die er sich zur Wehr setzen musste. Er tötete sie mit dem Dolch und hatte hinterher ein seltsames Erlebnis. Es war, als erfülle ihn ein Glücksgefühl. Außerdem schien irgendeine mächtige Wesenheit zu ihm Kontakt aufzunehmen, die ihm die Erfüllung all seiner Wünsche versprach. Stoker hat vor Schreck den Dolch lange nicht mehr angerührt, aber das Erlebnis ging ihm nicht mehr aus dem Kopf. Als er zurück in England war, fand er eines Tage einen verunglückten Vogel mit gebrochenen Flügeln vor seiner Tür, der aber noch lebte. Er holte seinen Dolch und tötete das Tier. Zu seiner Enttäuschung verspürte er nur ein leichtes Prickeln. Der Misserfolg aber stachelte ihn gerade erst an. Er begann zu experimentieren. Sein nächstes Opfer war eine Katze. Bei ihrem Tod empfand Stoker das Prickeln stärker. Schließlich kaufte er ein Pferd, ritt mit ihm vor die Stadt und ermordete es dort mit seinem Dolch. Dabei fühlte er dann fast so ein Glücksgefühl wie in Bulgarien. Das Wesen allerdings sprach zu ihm. Es sagte: Du wirst Menschen für mich töten! Stoker hatte Angst, war aber auch fasziniert. Er kannte den jüdischen Schuhmacher John Pizer, wusste von dessen üblem Ruf und verschaffte sich eine Verkleidung, in der er schließlich seine Morde an Prostituierten in Whitechapel durchführte. Jedesmal verspürte er dabei ein Glücksgefühl und jedesmal nahm hinterher das Wesen zu ihm Kontakt auf. Es gab ihm zu verstehen, dass der Mord allein nicht ausreiche. Er müsse die Opfer auch ausweiden und verstümmeln. Stoker ging immer bestialischer vor. Nach dem letzten Mord vor etwa einer guten Woche zeigte sich das Wesen schließlich zufrieden. Es sprach zu ihm, dass es vorerst genug sei, dass es jetzt aber einen anderen Auftrag für Stoker habe. Er solle nun John Dees Reisebericht aus der British Library stehlen. Es sei nicht gut, wenn das Werk Unbefugten in die Hände fiele. Stoker verbarg sich in der Toilette des Museums und ließ sich über Nacht einschließen. Dann stahl er das Buch, wurde dabei aber vom Nachtwächter überrascht, der ihn offensichtlich erkannte. Stoker konnte fliehen und ermordete den Nachtwächter am Morgen in seinem Zimmer.

Eine Weile herrscht Stille. Andrew F. Crosse sagt fassungslos: „Du erzählst uns hier gerade, dass du im Auftrag eines Dämons zu einem Serienmörder geworden bist, ist dir das klar?“ Stoker schweigt. Schließlich öffnet James Clockwork die Kiste. Sie enthält den juwelenbesetzten Dolch, John Dees Reisebericht und eine Lederschürze. Erneut herrscht Schweigen. Dann spricht erneut George Stoker: „Ich würde es begrüßen, wenn ihr mir die Gelegenheit geben würdet, die Angelegenheit zu beenden, wie es einem britischen Gentleman gebührt. Ich möchte euch darum bitten, über die Angelegenheit Stillschweigen zu bewahren, sodass meine Familie dadurch nicht in Schande gerät.“ Relativ schnell sind die Charaktere einverstanden. Stoker greift in seine Jackentasche und nimmt eine große Dosis Arsenik. Ein paar Stunden später stellt Abraham Van Helsing den Totenschein aus und gibt als Ursache Herzinfarkt an.

Zögerlich beginnen die Charaktere in den nächsten Tagen John Dees Bericht zu lesen. Manche sind interessiert, manche skeptisch. Einen knappen Monat später findet das nächste Treffen des X-Clubs statt. Selbstverständlich wird der Tod George Stokers ausführlich diskutiert und Abraham Van Helsing wartet mit einem einfühlsamen Bericht seiner letzten Minuten auf.

Noch etwas später bekommt Abraham Van Helsing Besuch. An seine Hoteltür klopft sein Bekannter aus der British Library, Peter Hawkins. Er will mit Van Helsing ein Gespräch über John Dees Bericht führen und hofft, dass ihm dieser das Buch bald einmal ausleiht. Abraham Van Helsing ist ziemlich überrascht und fragt ihn, wie er darauf käme, dass er das Buch besitze? Hawkins erzählt ihm, dass er ihm vertrauen könne, dass es hochgestellte Persönlichkeiten gebe, die Interesse an diesen Informationen hätten und dass er mit ihm auch über seine Erfahrungen aus dem russisch-türkischen Krieg sprechen möchte. Abraham Van Helsing ist schockiert, versucht sich aber nichts anmerken zu lassen. Er gießt seinem Gast einen Whisky ein und ruft seine Kameraden aus dem vergangenen Abenteuer zusammen. Als alle anwesend sind, fragt er Hawkins, ob er bereit sei, sich von Van Helsing hypnotisieren zu lassen. Hawkins ist einverstanden. Van Helsing baumelt daraufhin vor seinen Augen mit seiner Taschenuhr herum und beginnt Hawkins Fragen zu stellen, die dieser langsam und mit tiefer Stimme beantwortet:

Hawkins war im russisch-türkischen Krieg bei der Royal Navy und hat mit einem Schiff im Schwarzen Meer patrouilliert. In einem kleinen Gefecht wurde er verwundet und ins nächstgelegene Lazarett unter britischer Führung gebracht: Stokers Lazarett am Shipka-Pass. Er hat sich mit Stoker während seiner Genesung gut verstanden und die Männer sind Freunde geworden. Stoker hat ihm hin und wieder seltsame Dinge erzählt: Erlebnisse aus einer Höhle, in der er übernatürlichen Kreaturen begegnet sei, eine Auseinandersetzung mit einer Frau, auf deren Grabstein stand, dass sie eigentlich schon mehrere Jahre tot sein sollte, ein Kind, das mit Blut ernährt wurde und schließlich ein Kampf gegen eine Schlange mit seltsamen Folgen. Der Dolch, den Stoker in diesem Kampf führt, soll der untoten Frau gehört haben und auf seltsame Weise von Stoker Besitz ergriffen haben. Hawkins habe nach seiner Genesung noch eine Weile im Schwarzen Meer gedient, aber seine Gesundheit war angegriffen. Schließlich erkrankte er so, dass er im Feld nicht mehr zu gebrauchen war und kehrte nach London zurück. Er leitet inzwischen hier im Dienst ihrer Majestät das Naval Intelligence Department, den britischen Geheimdienst. Als Stoker ebenfalls nach London zurückkehrte, nahm er wieder Kontakt zu ihm auf und sprach ihn noch einmal auf seinen Dolch an. Stoker reagierte erschrocken, ja fast panisch. Vor einer guten Woche traf er Stoker in der British Library. Stoker saß im Leseraum und hatte einen uralten Folianten vor sich. Einen Tag später hörte er von dem Diebstahl von John Dees Reisebericht. Noch einen Tag später ging er wieder in die Bibliothek um sich selbst ein Bild von der Lage zu machen. Dabei traf er auf die Charaktere. Bei ihren vergangenen Aktionen hat er hin und wieder ein Auge auf sie gehabt. Er war auch auf der anderen Straßenseite zugegen, als in Stokers Haus die Leute aus dem Fenster sprangen.

Dieser Bericht reicht Van Helsing. Er bricht die Hypnose ab und fragt Hawkins, was er jetzt von ihnen wolle. Hawkins erzählt, dass er Kontakte zu höchsten Regierungskreisen aufgenommen habe, von Stokers Erlebnissen auf dem Balkan und seinen Informationen aus der Kopie von John Dees Reisebericht erzählt habe und schließlich eine positive Rückmeldung bekommen habe: Die Krone ist interessiert daran, eine Sonderabteilung des Geheimdienstes zu finanzieren, die sich mit okkulten Vorkommnissen und deren potentieller Verwendung für das Empire beschäftigt. Hawkins hofft, die Charaktere als Mitarbeiter gewinnen zu können. Bis die Geschichte offiziell ist, könne man erst einmal einen Gentlemen-Club gründen, in dessen Kreis John Dees Bericht und andere vielversprechende Texte gelesen und diskutiert werden könnten.

Die Anwesenden sind einverstanden... bis auf den Skeptiker Andrew F. Crosse. Er hält die Beschäftigung mit diesen absonderlichen Themen für Zeitverschwendung und behauptet, dass die wirklich wichtige Wissenschaft auf anderen Gebieten stattfinde. Hawkins muntert ihn auf: „Lasst uns das zumindest ausdiskutieren, Crosse. Wenn sich am Ende wirklich herausstellt, dass das alles Humbug ist, dann können wir den Club immer noch auflösen. Bis dahin können wir eine ganze Weile lang staatliche Forschungsgelder in Anspruch nehmen. Ist das nichts?“
-
Der Anfang der Sitzung war schleppend. Niemand hatte Lust, Harrisson Sutton, der sich in der letzten Sitzung recht widerspenstig gezeigt hatte, ein zweites Mal aufzusuchen. Meine Abenteueridee wies hier leider einen Flaschenhals auf, der sich dann auch prompt als Problem erwies. Andererseits hätte ich meinen Spielern jede Brücke gebaut, die mir halbwegs plausibel vorkam. Dummerweise haben sie fast nur nachgedacht und kaum gehandelt... und in den wenigen Gesprächen, die sie ihre Charaktere haben führen lassen, waren sie so darauf bedacht, nichts zu verraten, dass ich es einfach nicht logisch fand, von der Gegenseite aus mit Informationen zu antworten. Na, irgendwann haben sie dann den Köder doch geschluckt. Sobald klar war, dass Stoker der Täter ist, wurde die Sache vergnüglicher. Wir hatten eine schöne Verfolgungsjagd und amüsante Fensterstürze. Was Auflösung und Epilog angeht hätte ich gern ein wenig Feedback gehabt. Dafür war nicht mehr allzu viel Zeit. Es war außerdem zu beobachten, dass die Spieler ein wenig Mühe hatten, die möglichen Folgen der aktuellen, überraschenden Wendungen abzusehen. „Ob mir das gefällt? Keine Ahnung, ich weiß ja noch nicht mal genau, was hier gerade geschehen ist!“ Das war in etwa der Tenor. Tja. Sie werden es schon noch begreifen.
« Letzte Änderung: 5.04.2018 | 15:19 von Chiarina »
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Offline Ludovico

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #18 am: 6.04.2018 | 10:26 »
Danke Chiarina!

Wie üblich eine tolle Beschreibung!
Insbesondere, dass ein voriger SC der Schurke war und dessen Ende... Passte super!

Wie fand der Spieler von Stoker das?

Offline Chiarina

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #19 am: 6.04.2018 | 12:35 »
Die Spielerin, die im ersten Abenteuer Stoker gespielt hat, fand die Idee auch gut, aber sie sagte gleich, dass sie das gern gespielt hätte... also den Mörder, der die Charaktere an der Nase herumführt. Tja, das wäre ein ganz anderes Abenteuer gewesen. Trotzdem eine gute Information. Eine Gelegenheit in dieser Art kommt ja vielleicht nochmal.

Im Moment bereite ich als nächstes Abenteuer gerade "Against Dracula" vor. Und schon da wird es auf jeden Fall unterschiedliche Interessen unter den Charakteren geben. Bin mal gespannt. Im Dracula Dossier heißt es zu dem, was jetzt geschieht, in zwei lapidaren Sätzen: "Play begins as Van Helsing arrives at Hillingham to diagnose Lucy Westenra. All events prior to that - Harker´s visit to Castle Dracula, and the action at Whitby - happens as described in the novel." Was das aber bedeutet wird mir erst nach und nach bewusst. Ziemlich aufwändige Angelegenheit!
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Offline Fezzik

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #20 am: 7.04.2018 | 09:19 »
Toll, ein neuer Part, liest sich super ! Bin gespannt wie es weitergeht, auch nochmal danke von mir für die schönen Berichte !
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Offline LushWoods

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #21 am: 7.04.2018 | 09:25 »
Ich glaub das ist das erste mal seit ich hier Spielberichte lese, das ich mir denke: Jupp, da wäre ich gerne Spieler.  :)
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Offline Chiarina

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #22 am: 27.04.2018 | 04:04 »
Against Dracula / 9. Sitzung
1894, Lucys Schwäche

Beteiligte Agenten:
Dr. Abraham Van Helsing (niederländischer Mediziner und Universalgelehrter, 71 Jahre)
Wilhelmina „Mina“ Murray (Hilfslehrerin, 21 Jahre)
Dr. John „Jack“ Seward (Irrenarzt, 29 Jahre)
Arthur Holmwood (reicher Aristokrat, 27 Jahre)
Quincey Morris (texanischer Abenteurer, 30 Jahre)


Lucy Westenra

Vorgeschichte:

Nach dem Sieg über George Stoker kommen ein paar hässliche Gerüchte über dessen plötzliches Verschwinden auf, woraufhin sich der X-Club auflöst. Der syphiliskranke Captain William Hall alias Peter Hawkins gründet parallel dazu mit Abraham Van Helsing und einigen weiteren ausgesuchten Persönlichkeiten einen anderen Gentlemen Club: den Club Edom. Abraham Van Helsing ist allerdings nicht das, was er zu sein vorgibt: Seine Mediziner- und Professorentätigkeit ist eine aufwändige Tarnung, in Wahrheit ist er ein Spion des Deutschen Reiches und berichtet unter anderem aus erster Hand, wie Peter Hawkins vor seinen Augen Kontakte zur britischen Krone unterhält. Nach einigen gemeinsamen Nachforschungen in Bezug auf Vampirismus und einer Verschlechterung seines gesundheitlichen Zustands teilt Peter Hawkins dem Club Edom mit, dass die britische Krone wünscht, einen Vampir zum Verbündeten zu gewinnen. Abraham Van Helsing ist bewusst, dass das nicht unbedingt im Sinne des Deutschen Reichs sein dürfte, zieht aber zunächst scheinbar mit den anderen Mitgliedern des Clubs Edom an einem Strang. Peter Hawkins leitet in Exeter eine Rechtsanwaltskanzlei, in der der junge Jonathan Harker mitarbeitet. Harker ist ebenfalls Mitglied im Club Edom. Im Zusammenhang mit den Bemühungen im Bereich der okkulten Wissenschaften erfährt Peter Hawkins im Club Edom von Graf Dracula. Es gelingt ihm, Kontakt zu dem Grafen aufzunehmen und eine Konversation mit ihm zu beginnen. Hawkins will Dracula nach England holen, sich von ihm durch Vampirblut „heilen“ lassen und dann den Club Edom auf ihn ansetzen.

Etwas später reist Jonathan auf Geheiß Peter Hawkins nach Siebenbürgen zu Graf Dracula, der über Hawkins´ Rechtsanwaltskanzlei in London ein Haus erworben hat und nun die Übernahme des Hauses und die bevorstehende Überfahrt durch dessen Anwalt abklären lassen möchte. Jonathan Harker hält sich einige Wochen auf dem Festland auf. Hin und wieder erreichen Peter Hawkins und Jonathans Verlobte Mina Murray Karten aus Siebenbürgen, die so klingen, als gehe es Jonathan Harker gut. Mina weiß nichts von der wahren Identität des Grafen Dracula.

Mina ist Hilfslehrerin und eine Freundin von Luca Westenra, die sich allein um ihre verwitwete Mutter kümmert. Vor nicht allzu langer Zeit wurde Lucy von dem vermögenden Edelmann Arthur Holmwood, dem Irrenarzt Dr. John „Jack“ Seward und dem amerikanischen Abenteurer Quincey Morris gleichzeitig umworben. Die drei Männer sind enge Freunde, haben aber, ohne sich darüber im Klaren gewesen zu sein, alle um die Hand Lucys angehalten. Lucy entscheidet sich schließlich für Arthur Holmwood.

Arthur hat gegenwärtig nicht allzu viel Zeit für seine Braut, weil er sich um seinen kranken Vater auf dem Stammsitz der Familie (Ring in Surrey, gut 40 Kilometer südwestlich von London) kümmern muss.

Daraufhin macht Lucy Urlaub in Whitby, wo sie von ihrer Freundin Mina Murray besucht wird. Die jungen Frauen erleben, wie ein Schiff namens „Demeter“ in einem schweren Unwetter den Hafen der Stadt erreicht. Die Mannschaft scheint bis auf den an das Steuer gebundenen toten Kapitän verschwunden zu sein, und im Augenblick der Landung im Hafen springt ein großer schwarzer Hund an Land und verschwindet. Aus dem Logbuch des Kapitäns erfährt man, dass sich offenbar "etwas" bzw. "ein fremder Mann" an Bord befunden habe und die Mannschaft Matrose für Matrose verschwand, bis nur noch der Kapitän übrig blieb.

Lucy erkrankt etwas später an einem starken Somnambulismus, und Mina bemerkt eines Tages zwei punktförmige Male am Hals ihrer Freundin. Lucy kehrt daraufhin nach Hillingham (in Hampstead, Stadtteil im Nordwesten Londons) in ihr Elternhaus, zurück. Ihr besorgter Bräutigam bittet seinen Freund und Mediziner Dr. John Seward sich um sie zu kümmern.

Mina bekommt daraufhin einen Brief aus einem Krankhaus in Budapest, in dem steht, dass sich Jonathan dort befindet. Er scheint psychisch schwer angeschlagen und ruft öfter nach ihr. Mina reist nach Budapest, heiratet dort Jonathan und kehrt mit ihm nach London zurück. In seinem Gepäck befindet sich sein Tagebuch. In diesem Tagebuch findet sich die Adresse zu dem Haus, das Dracula bezogen hat: Carfax Abbey in Plaistow (nordöstliche Ausläufer Londons).

Dr. Seward kümmert sich rührend um Lucy Westenra, weiß sich in Bezug auf ihre Krankheit aber keinen Rat und benachrichtigt daher seinen ehemaligen Lehrer, den vermeintlich holländischen Gelehrten Professor Abraham van Helsing. Das Spiel beginnt, als Van Helsing in Hillingham eintrifft um Lucy Westenra zu untersuchen.

Das Spiel:

Nachdem Van Helsing von einem der drei Hausmädchen in Hillingham eingelassen wurde, spricht er mit Dr. Seward über die Gesundheit Lucy Westenras. Dr. Seward informiert Van Helsing über seine bisherigen Behandlungsschritte, dann schaut sich Van Helsing Lucy an: Lucy ist auffallend blass und schwach. An ihrem Hals finden sich zwei kleine Male. Nachts schlafwandelt sie öfter. Schnell findet Van Helsing heraus, dass sich Ihr Zustand auf einen Aufenthalt in der kleinen Hafenstadt Whitby zurückführen lässt. Er erfährt außerdem, dass Lucy in Whitby von ihrer Freundin Wilhelmina „Mina“ Murray aus Exeter besucht wurde. Bevor sich die Mediziner zur Beratung zurückziehen, bittet Lucy Van Helsing, er möge sich auch einmal ihre Mutter ansehen. Van Helsing tut das und stellt fest, dass Lucys Mutter unter einem schwachen Herzen leidet. Jegliche Aufregung kann gefährlich für sie werden.

Van Helsing erzählt Dr. Seward, dass er Lucys Zustand bedenklich findet. Die beiden Männer beschließen, am nächsten Morgen einen Boten zu Mina zu schicken und sie zu bitten, auf einen Besuch vorbeizukommen. Die Männer hoffen, von ihr irgendwelche Einzelheiten des Aufenthaltes der beiden Frauen in Whitby zu erfahren.

Dann wachen die beiden Mediziner die ganze Nacht über am Bett Lucy Westenras. Lucy schläft unruhig und wälzt sich im Bett hin und her, sie schlafwandelt aber nicht. Van Helsing fällt auf, dass Lucy am Nachtgewand eine schwarze Brosche trägt. Er nimmt sie an sich und stellt fest, dass es sich um schwarze Pechkohle handelt, die in Silber gefasst wurde. Seine Kenntnisse im Bereich der Geologie lassen ihn assoziieren, dass derartiges Gestein seit römischen Zeiten in den Minen bei Whitby gefördert wurde.

Beim Frühstück befragen die Mediziner Lucy über die Brosche. Lucy erzählt, dass sie sie bei einem Strandspaziergang mit Mina in Whitby gefunden habe. Sie mag die Brosche und trägt sie oft. Van Helsing redet mit sanfter Bestimmtheit auf sie ein und überredet sie, eine Weile lang auf das Tragen der Brosche zu verzichten. Bei der Lektüre der aktuellen Zeitung erfahren sie, dass im Londoner Zoo ein Wolf aus seinem Gehege ausgebrochen ist und unentdeckt verschwinden konnte.

Nach dem Frühstück verziehen sich die Männer in ihre Zimmer. Die lange Nachtwache hat an ihren Kräften gezehrt und sie holen dringend notwendigen Schlaf nach.

Gegen Mittag erscheint Quincy Morris, einer der Verehrer Lucys. Lucy freut sich, dass er sie besucht, obwohl sie sein Werben vor einiger Zeit zurückgewiesen hat. Zu zweit machen Lucy und Quincy Morris einen Landausflug mit der Kutsche der Westenras.

Als sie wieder zurück sind, erwachen langsam die Mediziner aus ihrem Schlaf. Sie begrüßen Quincy Morris, daraufhin beschließt Van Helsing Lucy ein weiteres Mal zu untersuchen. Diesmal überprüft er alle möglichen Symptome im Zusammenhang mit seinen Kenntnissen über Vampire und kommt zu einem erschütternden Ergebnis: Lucy wurde von einem Vampir behelligt, ist sogar selbst auf dem Weg, zu einem Vampir zu werden. Noch ist es nicht soweit, vielleicht kann der Prozess auch gestoppt werden, die Lage ist aber ernst. Van Helsing eröffnet Lucy, dass es möglicherweise nötig sei, bei ihr eine Bluttransfusion vorzunehmen. Lucy antwortet daraufhin: „Fragt zuerst Arthur!“, was Van Helsing so auffasst, als wünsche sich Lucy ihren Verlobten als Spender. Van Helsing beginnt, den im Haus vorhandenen Knoblauch zusammenzutragen und an die Fenster zu hängen. Er versammelt außerdem alle Kruzifixe des Hauses in Lucys Schlafraum und nagelt sie dort an die Wand. Die irritierte Mutter Lucys bemerkt Van Helsings Vorgehen und fragt, ob Grund zur Sorge bestehe. Ihr schwaches Herz macht ihr zu schaffen. Van Helsing beruhigt sie.

Dann erscheint Arthur Holmwood, Lucys Verlobter. Er konnte sich für eine Weile von seinem kranken Vater lösen und besucht nun seine Verlobte. Die Szenerie, in die er hineinplatzt, besteht aus Lucy, die in ihrem Bett sitzt und eine Handarbeit anfertigt. Um Lucy herum sitzen ein unbekannter älterer Mediziner sowie seine beiden Freunde und Nebenbuhler Dr. Seward und Quincy Morris, letzterer erzählt zur Erbauung aller Anwesenden gruselige Abenteuergeschichten über Vampirfledermäuse von seinen Reisen nach Südamerika. Arthur Holmwood, der sich auf ein intimes Treffen zu zweit gefreut hat, reagiert etwas distanziert. Als ihm Van Helsing dann auch noch ohne weitere Erklärungen erzählt, dass er sich als Blutspender für Lucy zur Verfügung stellen soll, reagiert er gereizt. Er versteht Lucys Bitte, "Fragt zuerst Arthur!", als müsse er um Erlaubnis für die Bluttransfusion gebeten werden - und diese Erlaubnis ist er vorerst nicht bereit zu geben. Er lässt einen befreundeten Hausarzt aus der Nähe, einen gewissen Dr. Crawfish, kommen, um eine zweite Meinung zu erhalten. Die Bluttransfusion verzögert sich daraufhin um einige Stunden.

Gegen Abend trifft Mina vor Ort ein und begrüßt ihre alte Freundin Lucy. Noch etwas später erscheint Dr. Crawfish, der Arthur Holmwood von der Kompetenz Van Helsings zu überzeugen versucht. Er erzählt dem jungen Mann allerdings auch, dass eine Bluttransfusion keine Kleinigkeit ist und Gefahr für ihn und besonders für seine Braut mit sich bringt. Schließlich empfiehlt er ihm, sich im Klaren darüber zu werden, ob er Lucy liebt. Könne er diese Frage mit ja beantworten, halte er – Dr. Crawfish – es für Arthurs Pflicht, sein Blut für das Wohlergehen seiner Braut zu spenden. Noch immer zögert Holmwood, diesmal mit schlimmen Folgen: Lucy fühlt sich von ihrem Verlobten im Stich gelassen und weint sich hemmungslos an der Schulter ihrer Freundin Mina aus. Vor Zorn kochend stimmt Holmwood der Behandlungsmethode schließlich zu. Er stößt Warnungen gegenüber Van Helsing aus, den er zur Rechenschaft ziehen will, wenn bei der Transfusion irgendetwas schiefgehen sollte. Van Helsing reicht Holmwood einen Baldriantrank und behauptet, es sei ein blutförderndes Mittel. Holmwood erkennt aber die Verstellung in Van Helsings Stimme und schlägt ihm den Trank aus der Hand. Endlich kommt es zur Transfusion und Van Helsing macht seinem Ruf als Mediziner alle Ehre: der Eingriff gelingt problemlos und Lucy fällt in einen heilsamen Schlaf, dessen Ende alle Anwesenden gespannt erwarten. Die vier Männer organisieren Doppelwachen am Bett Lucy Westenras.

-

Das war ein aufwändig vorbereiteter Abend: Ich hatte Teile aus der Vorgeschichte für jeden Charakter einzeln herausgeschrieben. Ich wollte, dass jeder Charakter mit einem ganz eigenen Vorwissen in das Abenteuer einsteigt. Das Zusammentragen der unterschiedlichen Informationen habe ich als Teil des Abenteuers geplant. Und das war wirklich erfolgreich. Die Trennung von Spielerwissen und Charakterwissen hat nicht nur geklappt, sie hat den Spielern sogar offensichtlich großen Spaß gemacht und zu derart ausgiebigem Charakterspiel geführt, wie wir es in einer Gumshoe-Runde eigentlich noch nie hatten. Durch das Eintreffen der Charaktere nach und nach hatte jeder seinen eigenen Auftritt, und auch das hatte seine Wirkung. Ganz besonders spannend für mich war die Frage, wie sich die Handlung entfaltet. Ich selbst kenne Dracula inzwischen ganz gut, meine Spieler aber kaum. Abweichungen vom Romanverlauf ergeben sich hauptsächlich dadurch, dass die Spieler von Quincy Morris und Arthur Holmwood den viktorianischen Gentleman-Verhaltenskodex nicht als unantastbares Dogma ansehen. Ich finde das ganz in Ordnung. Nicht jeder ist vollkommen! So wirkt unser Quincy Morris auch nach der Verlobung von Lucy mit Arthur Holmwood noch immer interessiert an einer erotischen Erfahrung mit Lucy... wer weiß, was aus diesem Spiel mit dem Feuer noch entsteht? Holmwood schließlich hat offensichtlich etwas damit zu kämpfen, dass er sich nun auf eine Frau festgelegt hat und nicht mehr als einer der begehrtesten Aristokratensingles in der Region um London gilt. Für dieses Opfer scheint er im Gegenzug auch Opfer von Lucy einzufordern... und wenn seinen patriarchalischen Vorstellungen dann weitere Hindernisse entgegenstehen, dann bleibt von einem viktorianischen Kavalier nicht mehr viel übrig. Was da in der letzten Stunde im Zusammenhang mit der Bluttransfusion ausgespielt wurde, war in meinen Augen erstaunlich offensives Player-versus-Player – was in dieser Runde nie im Leben funktioniert hätte, wenn ich es darauf angelegt hätte. So erlebt man immer mal wieder Überraschungen. Ein Grund dafür, weiterzuspielen!

Nochmal Danke an Ludovico, Fezzik und LushWoods für euer Interesse. Ich schreibe diese Berichte mit doppelter Begeisterung, seit ich weiß, dass sie Leute gut finden.
« Letzte Änderung: 11.05.2018 | 13:04 von Chiarina »
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Offline Ludovico

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #23 am: 3.05.2018 | 13:31 »
Ich hab es jetzt komplett durchgelesen und Wow! Richtig geiles großes Kino!

Ich bin sehr gespannt, wie es weitergeht, denn immerhin will Dracula an Lucy ran, was er schlußendlich mit einem Wolf ja auch geschafft hat.

Wie läuft das beim Dracula Dossier übrigens mit den Schwächen und Eigenschaften der Vampire? Kann man diese auch frei festlegen wie im GRW oder sind die vorgegeben?
Ich find die Frage insofern wichtig, als dass Van Helsing Lucy mit Kreuzen und Knoblauch schützen will, ein Vampir nach GRW aber nicht zwangsläufig darauf reagiert.

Offline Chiarina

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Re: [Night´s Black Agents] Unto the fourth generation
« Antwort #24 am: 3.05.2018 | 19:58 »
Wenn Dracula das in unserem Spiel bei Lucy Westenra nicht schaffen sollte, dann werde ich ihm wohl ein anderes Opfer servieren. Im Dracula Dossier gibt es noch die junge Journalistin Kate Reed, die sich als alternatives Opfer eignet.

Dracula will nicht nur Lucy, er ist auch noch an Mina interessiert. In Stokers Roman gelingt ihm in dieser Richtung ein erster Schlag, das Schlimmste kann aber verhindert werden. Trotzdem reicht Draculas Annäherung an Mina aus, um zwischen Mina und ihm so eine Art psychisches Band zu knüpfen. Dieses Band hilft dann später Draculas Verfolgern über Van Helsings Hypnose ihrem Widersacher auf den Fersen zu bleiben. Auch das kann bei uns im Spiel ganz anders kommen. Zur Not habe ich aber auch noch ein Ersatzopfer für Mina. Ich werde trotzdem versuchen möglichst wenig Aktionen auf Nichtspielercharaktere zu verlagern.

Schon jetzt finde ich, dass meine Spieler erstaunlich oft ins Schwarze getroffen haben. Allein die Tatsache, dass Van Helsing ohne jede Einwirkung von mir Bluttransfusionen angeordnet hat, finde ich verblüffend.

Das Dracula Dossier gibt die Stärken und Schwächen der Vampire übrigens auch nicht vor. Es stellt allerdings als zusätzliche Möglichkeit die tellurischen Vampire vor. Das sind Vampire, deren Natur auf (sehr seltsamen) Bakterien aus dem Erdinneren beruht. Die tellurischen Vampire haben nichts Übernatürliches, ihre Stärken beruhen auf seltsamen Grenzwissenschaften, die hier gerade mal eben zu verbürgten Tatsachen erklärt werden. Ich fand das ganz attraktiv, denn am Anfang unserer Kampagne laufen eine ganze Menge Wissenschaftler durch die Gegend. Ein paar Dinge gehen nach dieser Annahme nicht mehr. Dracula hat keine Angst vor Kreuzen. Warum auch? Das sind Bakterien, keine satanischen Verbindungen! Dracula kann sich aber auch nicht mal eben in eine Fledermaus verwandeln. Die tellurischen Vampire besitzen wie die Vampirarten im Grundregelwerk so einen Vorschlagskatalog, aus dem man auswählen kann.

In unserer Runde bin ich davon ausgegangen, dass Van Helsing schon ein bisschen über Vampire weiß. Einiges davon ist korrekt, anders beruht auf alten Volksmärchen. Deshalb rede ich den Spielern ihre Kenntnisse über Vampire auch nicht aus. Wenn die Spielerin Van Helsings meint, er müsse in Lucys Zimmer Kreuze aufhängen, dann glaubt Van Helsing eben, dass das wirksam ist. Wahrscheinlich wird er später irgendwann erleben, dass er da falsch liegt.
« Letzte Änderung: 3.05.2018 | 20:03 von Chiarina »
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