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Autor Thema: Ist Fate das richtige System für mich?  (Gelesen 1192 mal)

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Offline Fasuhl

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Ist Fate das richtige System für mich?
« am: 20.12.2017 | 11:42 »
Ich möchte ein wenig meine Erfahrungen und meine RP Wünsche hier äußern. Es wäre schön, wenn daraus vielleicht ein kleiner Diskurs entstehen könnte:

Ermstal zu mir:
Ich bin Mitte 40 und spiele Rollenspiele seit ich 13 bin, mal mehr mal weniger. Natürlich hat es sich im Laufe der Zeit verändert. So hatte es vor 30 Jahren einen Hack und Slay und Sammelaspekt. Es war eben vor Diablo und den MMOs und wir waren jung und wollten „Mächtig und Reich“ sein. Doch im laufe der Jahre hatte es sich immer mehr geändert.
So bin ich vom Herzen her ein Spielleiter, und ich lese unglaublich gerne Weltenbeschreibungen, Regionalbeschreibungen, sie bringen mich zum Träumen. Wie schmeckt es dort, wie riecht es dort oder wie sehen diese Berge aus, wenn morgens die Sonne aufgeht. Wie fühlt es sich an in dieser Welt.
Dann bin ich oft zu Chatrollenspiel gewechselt, es war schön mit Menschen zusammen zu spielen (ich hoffe es waren welche) die den Alltag der Protagonisten eine große Bedeutung gaben. Das Problem war dann, das es meistens zu viel Alltag ist (wobei ich sagen muss – nun hier sind wir eindeutig in der „Wertung“ was ist „viel“). Durch das Studium und die berufliche Entwicklung hat sich dann im laufe der Jahre meine Tischrunde zerschlagen (der Vorteil dieser Runde war die Freundschaft der Teilnehmer). Ich bin dann immer wieder zu Cons gegangen oder versuche mich auf der Drachenzwinge (eine Plattform auf der online gespielt wird).

Meine Probleme, oder nennen wir es Schwierigkeiten sind definitiv die Regeln der Rollenspielsysteme, ich lese gerne die Welten, schaue mir gerne Bilder an, aber wenn es ummm Regeln geht kämpfe ich mich Seite für Seite durch. Es ist ein Krauss, dazu kommt noch das wirklich interessante und tolle Weltenbeschreibungen, manchmal mit einem Regelwerk verbunden ist das ich nur schreien möchte. Besonders hervorheben möchte ich in diesem Kontext das Schwarze Auge (unglaublich Interessante Regionalbeschreibungen – das Regelwerk bei 4.1 tausend Seiten dick) und noch Shadowrun (auch hier ein unglaublich tolles Setting … träum und träum … das Regelwerk macht mich fertig). Viele Spieler die ich kennen gelernt habe erzählen mir was von „Stimmig“ die Welt muss „stimmig“ sein, sie wollen „Sicherheit“ und die Regeln geben ihnen Sicherheit. Im Grunde vertrauen sie ihrer Umwelt (damit meine ich das RL) nur bedingt und wollen Sicherheit durch Regeln. Ich nenne sie oft auch die Simulatoren (ich habe Hausregeln gelesen, die waren der Wahnsinn vom Umfang her, seitenweise Spezialregeln für einen Teilaspekt, und ich habe auch große Achtung vor der Regelkentnisse dieser Menschen – ich hoffe es sind welche, aber irgendwie sprechen wir verschiedene Sprachen).

Wenn ich an Rollenspiel denke, dann denke ich an Literatur, Psychologie, Geschichte und Film. Ich denke wir sollten und Geschichten erzählen, die Spannend sind, die Menschlich sind, die in Erinnerung bleiben (wobei das natürlich verschieden ist – ich habe auch wow gespielt und mein erster raid bleibt mir auch in Erinnerung und das nicht wegen besonders kreativen Rollenspiel). Ich hätte kein Problem damit, wenn meine Mitspieler ein wenig die Szenerie beschreiben, ich nehme den Apfel von dem Händler aus dem Wagen und unterhalte mich weiter mit dem Zwerg (man muss meiner Meinung nach nicht würfeln – es soll Atmosphäre bringen, es soll mir Bilder geben). Also im Zentrum meines Rollenspieles ist die Geschichte die man GEMEINSAM erlebt und „schreibt“.

Soll ich mich nun durch das Fate – Werk lesen (Quälen) – oder liegt es an den Mitspieler.

Danke dafür das ihr es bis hier durchgelesen habt.

Offline Greifenklause

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #1 am: 20.12.2017 | 11:50 »
DSA4.1 und Fate zu vergleichen, kann nicht gelingen, die befinden sich an unterschiedlichen Enden.
Vor DSA4.1 mache ich selbst als bekennender DSA-Fanboy einen Riesenbogen...

Insofern ja: Gerade Fate dürfte das richtige für dich  sein. Das Regelwerk ist eine ziemliche Umstellung für Leute, die die Schwergerüste wie DSA4.1 gewohnt sind, aber danach dürfte es schnell von der Hand gehen.
Der höhere Grad an Player Empowerment dürfte auch ungewohnt sein.
Aber das war es schon.
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Offline JS

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #2 am: 20.12.2017 | 11:51 »
Hey.
Meiner Erfahrung nach ist FATE nicht unbedingt bemerkenswert unkompliziert oder über die Maßen regelleicht, es ginge allerdings mMn in seinem Kern deutlich in die Richtung, die du dir wünschst - falls auch deine Mitspieler mit den Freiheiten und Ansprüchen FATES zurechtkommen sollten.
Was spricht denn dagegen, es mal mit FATE Turbo zu probieren? Das ist ja kostenlos beim Verlag als PDF erhältlich. Mit dem FATE Kodex und FATE Handbuch hättest du auch die Möglichkeit, Anregungen z.B. zu Magiesystemen zu erhalten, falls du ein solches nicht mit dem Basiswerk für dich befriedigend umsetzen kannst.
Darüber hinaus bietet FATE inzwischen ja zahlreiche Welten, u.a. Malmsturm, in die du eintauchen könntest.
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Offline Fasuhl

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #3 am: 20.12.2017 | 11:53 »
Die Regelwerke habe ich hier, und nun ja es gibt ja auch Youtube. Für mich ist die Frage, ob das "Regelwerk" Fate mich unterstützt gerade in die gewünschte "Richtung" zu gehen.

Offline Greifenklause

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #4 am: 20.12.2017 | 11:58 »
Selbst für meinen DSA1-Retroklon-Homebrew habe ich Ideen aus Fate übernommen.
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Offline Caranthir

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #5 am: 20.12.2017 | 11:59 »
Das klingt für mich schon so, dass Fate etwas für dich sein könnte. Ich würde dir erstmal zu Turbo-Fate raten, das Fate auf 50 Seiten sehr schön zusammenfasst und mit dem man wunderbar spielen kann. Viele halten es für ein eigenständiges Spiel, ist aber im Prinzip einfach eine Möglichkeit, Fate runterzubrechen und zeigt, was man damit machen kann. Der springende Punkt für mich in deiner Beschreibung war, dass du Geschichten spielen willst. Fate simuliert nicht realistisch die Spielwelt, sondern legt den Fokus auf die Geschichte und was darin für die Gruppe wichtig ist. Der Rest wir ausgeblendet bzw. kommt erst ins Spiel, wenn es wichtig wird.

Was vielleicht für dich bei Fate zum "Problem" werden könnte, ist, dass es mit sehr wenigen Welt- und Regionalbeschreibungen daherkommt. Die meisten World of Adventures liegen im Bereich unter 50 Seiten. Das liegt daran, dass Gruppen ihre eigene Welt erschaffen und Fate eigentlich nur den Anstoß geben will. Wenn dir Worldbuilding Spaß macht, und du eher von der Erzählung als vom Simulationismus an die Sache rangehen willst, dann ist Fate definitv etwas für dich.
Lese: Fate Tachyon Squad, Wearing the Cape, Shadow of the Demon Lord

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Offline JS

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #6 am: 20.12.2017 | 12:04 »
Eben. FATE Turbo ist ein guter Einstieg. Mit etwas Systemerfahrung bei allen Spielern kann man dann wohl auch recht problemlos in den Phantasiewelten spielen, die einem am besten gefallen. Wer sich für FATE entscheidet, setzt ja ohnehin bewußt andere Schwerpunkte und will kein minimalistisch ausgeregeltes Allerlei.

Übrigens: Auch wenn man seit Jahrzehnten Rollenspiel betreibt und schon vieles kennenlernte, kann FATE durch seine originellen Ansätze ein spannendes und exotisches neues Spielerlebnis sein. Mir ging es jedenfalls so.
:)
« Letzte Änderung: 20.12.2017 | 12:07 von JS »
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Offline Moonmoth

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #7 am: 20.12.2017 | 12:11 »
Was vielleicht für dich bei Fate zum "Problem" werden könnte, ist, dass es mit sehr wenigen Welt- und Regionalbeschreibungen daherkommt. Die meisten World of Adventures liegen im Bereich unter 50 Seiten. Das liegt daran, dass Gruppen ihre eigene Welt erschaffen und Fate eigentlich nur den Anstoß geben will. Wenn dir Worldbuilding Spaß macht, und du eher von der Erzählung als vom Simulationismus an die Sache rangehen willst, dann ist Fate definitv etwas für dich.
Schön geschrieben. Ich würde noch hinzufügen, dass Fate durchaus eben auch mit „richtigen“ fertigen Hintergrundwelten sehr gut zu spielen ist, die deutlich über den Umfang einer typischen World of Adventure hinaus gehen. Ich weise da nur mal auf Eis und Dampf oder Malmsturm hin. Auch „systemfremde“ Hintergründe sind sehr schnell anpassbar, bzw es existiert oft schon irgendwo Fanmaterial. Solange du keinen Hang zu ultra-detailliertem Simulationsspiel hast (und davon gehe ich eher nicht so aus  ;) ), wirst du hier durchaus gut klar kommen.

Turbo Fate ist ein guter Einstieg, aber auch die Fate Core Regeln sind lange nicht so kompliziert, wie der Seitenumfang vielleicht vermuten lässt.
« Letzte Änderung: 20.12.2017 | 12:16 von Moonmoth »
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Offline Greifenklause

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #8 am: 20.12.2017 | 12:11 »
Du kannst auch mit FATE Aventurien bespielen oder die Shadowrun-Erde.
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Offline JS

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #9 am: 20.12.2017 | 12:15 »
Unser Fazit: Steig mit FATE Turbo ein und du wirst sehr wahrscheinlich das finden, was du suchst.
:)
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Offline D. Athair

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #10 am: 20.12.2017 | 12:48 »
... ich wäre da eher vorsichtig.
Die Regeln von Fate sind während die Spielens (ähnlich wie bei Savage Worlds) wenig unsichtbar.
Es gibt Meta-Spielregeln. Auch bei Turbo-Fate.

Ich würde eher hier nochmal beschreiben, was du erwartest und ein bißchen schauen, was es so gibt.

Es ist nun nicht so, dass ich Fate für unpassend halte. Gerade wenn es auf Deutsch oder ein halbwegs bekanntes Spiel sein soll, ist es schon ein valider Tipp. Trotzdem könnten Sachen wie z.B. das Lighthouse Roleplaying System (ein erster Eindruck) oder auch OneDice geeignetere Alternativen sein.
« Letzte Änderung: 20.12.2017 | 12:51 von D. Athair »
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Offline Selganor

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #11 am: 20.12.2017 | 12:53 »
Zwei Dinge die mir bei Fate aufgefallen sind:

1. Die Gruppe muss untereinander auf derselben Linie sein, sonst wird das nix.

Wenn man vorhat eine "Polizistengruppe" zu spielen die Faelle loest dann reicht das bei Fate einfach noch nicht aus, sonst denkt einer an "Brooklyn 99", einer an "Hawaii 5-0", einer an "Blue Bloods" und der vierte an "Chicago, PD" (um mal nur aktuelle Serien als Vorlagen zu nehmen). Ob man dann eine Balance aus "Spass bei Interaktionen mit Kollegen und relativ harmlosen Kriminellen", "Actionszenen in Hawaii", "Status der Polizei in New York" und "Notwendigen Aktionen um die Grenze zum kriminellen rum" findet wage ich zu bezweifeln.

2. Fate ist mehr als nur "Spieler beschreiben ein wenig die Szenerie"

Durch ihre Aspekte "definieren" die Spieler die Welt mit. Ein Spieler der als Aspekt "Schlechtester Attentaeter der Eisdolche" hat gibt damit schonmal vor, dass es eine Gruppe namens "Eisdolche" gibt und dass alle anderen Mitglieder dieser Gruppe bessere Attentaeter sind als er.

Wenn jemand seinen "Contacts"-Skill fuer "Create an Advantage" nutzt dann kann der dabei rausgekommene Aspekt durchaus "Saufkumpan von Luigi dem Mafia-Klemptner" sein. Und das durchaus auch wenn bisher noch nie was von diesem Luigi zu hoeren war.

Das geht dann doch schon ueber "beschreiben ein bischen die Szenerie" raus und kann durchaus auch mal ein Abenteuer in eine Richtung katapultieren die so nie geplant war.
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Offline Fasuhl

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #12 am: 20.12.2017 | 14:41 »
Ich möchte noch hinzufügen, dass gerade der Kampf in den Spielabenden mir immer am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Wenn ich noch zu tief in der Welt bin, mich über die Geschichte freue, und über die kreativen Ideen der Spieler so holt mich der Kampf immer wieder raus und dies liegt meistens dann an den Regeln.

Nur ein Beispiel:
Komplexe Handlungen, einfache Handlungen, Gegner liegt am Boden dann Boni plus x, oder ein Zauberspruch brauch so viel Ticks um Magier zu Kanalisieren, so viel Ticks dann um den Spruch zu wirken, oder wenn du hier soviel TP verloren hast dann bekommst du Malus auf das aber nicht auf das andere.
Wenn man zB gerne die Gruppe mit einer anderen Gruppe überraschen möchte (mal ganz klassisch die Spielergruppe – 5 Spieler treffen auf 8 Orks), dann wird es oft ein Organisatorisches Debakel, wer ist wann dran, wer hat wieviel TP, wo steht jetzt wer?
Für manche spannend für mich oft nur Stress – und ich habe Freizeit, ich will kein Stress. Ich wollte nur ein wenig Spannung der Gruppe präsentieren, ein wenig die Welt begreifbarer machen, so in etwa klar wenn ihr nach Modor reist laufen euch ein paar Orks über den weg. So ist es eben dort, aber für die Gesammtstory unwichtig.

Online Isegrim

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #13 am: 20.12.2017 | 15:34 »
Man kann Fate sehr ähnlich wie "klassische" Rollenspiele spielen, dann ist es sehr regelleicht. Wenn man die Möglichkeiten, die einem das System bietet, voll nutzt, kann es auch ziemlich taktisch und damit auch ziemlich komplex werden, auf einer "Regelebene" (s.u.). Eine Voraussetzung dafür, dass das klappt, ist aber, dass die Spieler (oder zumindest ein Teil davon ) und die SL sich darauf einlässt.

Das "Problem Kampf" is da ein gutes Beispiel. Da hat Fate die gleichen Probleme wie alle Systeme, z.B. "Wer steht wo? Wer ist dran? Wer kann wen sehen?" Spielt man mit einer Karte und Figuren/Kritzeleien, bietet Fate sehr simple Mechanismen, was Bewegung, Reichweiten, Reihenfolgen etc angeht. Aber es ist kein magisch Ding, dass das alles von alleine macht...

Und der Kampf kann (wie dann eigentlich jede Konflikt-Situation) taktischrecht komplex werden, wenn die Beteiligten die Möglichkeit nutzen, Aspekte zu schaffen, deren Effekte andere ausnutzen können. Ob sich das für dich eignet, unkomplizierte Kämpfe zu ermöglichen, müsstes du ausprobieren, würde ich sagen. Tip dazu: Für Buchhaltung TOkens (Pokerchips o.ä,) benutzen). Vereinfacht vieles.
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Offline Chiarina

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #14 am: 20.12.2017 | 15:49 »
Ich habe eine Frage an dich: Wie bist du gerade auf Fate gekommen?
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)

Offline Selganor

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #15 am: 20.12.2017 | 15:50 »
Klingt fuer mich danach, dass du bisher einfach zu "fitzelige" Systeme mit zu vielen Stellschrauben kanntest.

Welche Systeme (ausser offensichtlich DSA 4.1 das ja wohl definitiv "superfitzelig" ist) kennst du denn noch?

Fate ist zwar was das konkrete Regelwerk angeht superschlank , benoetigt bei Spielern und Spielleitern aber ein ziemliches Umdenken aus den Prozessen normaler anderer Regelwerke.

Wenn du mal ganz allgemein Tipps haben willst welches System zu deiner Spielweise am Besten passen duerfte kannst du im Bereich "Systemuebergreifende Themen" ja mal eine Suchanfrage stellen in der du eine Art Pflichtenheft (was muss drin sein, was soll drin sein, was darf nicht drin sein) beschreibst.
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Offline Greifenklause

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #16 am: 20.12.2017 | 15:55 »
Zu Kampf:
Bei DSA4.1 und auch bei 5 verliere ich spätestens in der 5 KR stets die Lust.... und ich habe durchaus Spaß am Kämpfen.
Bei Splittermond sorgte die Tickleiste für ein zusätzliches Spannungselement, gefiel mir wesentlich besser. Auch und gerade viele Manöver (anders als bei DSA nicht nur für die Top-Kämpfer) machten es auch für alle interessant.
Bei meinem Homebrew DSE, der sehr stark an DSA1 angelehnt ist und im Grunde auch nur ein st....langweiliges Rundensystem ist, kommt die Spritzigkeit durch diverse freie Manöver, die alle können, und den regelmäßigen Gebrauch eher cineastischer Schicksalspunkte und FATE-alike "Tagesfähigkeiten".

Zurück zu DSA4.1 und 5:
Man darf sich aber auch nicht scheuen, einen Kampf auch mal erzählerisch zu beenden, wenn der Ausgang eh festzustehen scheint. Solange die Spieler da nicht intervenieren, funktionierte das bei uns meist ganz gut.

Zurück zu Fate:
Man kann ja ruhig anfangs kommunizieren "Kampf liegt mir nicht so". Dann findet man meistens eine passende Zwischenlösung.
Ich mag zB Kämpfe, aber eben nicht (nur) mit hochgezüchteten Kämpfern und Gegnern, deshalb sage ich meist (*):
"Mehr als zwei Vollkämpfer (bei ner 6er-Gruppe) braucht ihr bei mir nicht, wäre Verschwendung. Und ihr müsst eure Kampffähigkeiten auch nicht bis zum bitteren Ende ausreizen. Investiert die Punkte lieber auch in Normo-Fähigkeiten, die werden bei mir oft verprobt!"
----
* Bei DSA und Splittermond u.ä..
Bei DSE ergibt sich das Problem nicht, da es weder Fertigkeiten, noch explizite Vollkämpfer oder explizite Nichtkämpfer kennt.
Fate würde ich dazwischen einordnen
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Offline Fasuhl

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #17 am: 20.12.2017 | 16:03 »
Ich habe eine Frage an dich: Wie bist du gerade auf Fate gekommen?

erstmal habe ich eine ganze wand voll mit rp büchern, wobei ich wie schon erzählt, nur die abenteuer und die weltbeschreibungen gelesen habe. wenn man sich informiert kommt schon mal auf fate, habe ja auch die bücher hier. gelesen aber noch nicht. für mich ist fate erstmal ne hoffnung hin zu mehr story und weg von simmulation und taktik

Offline Fasuhl

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #18 am: 20.12.2017 | 16:06 »
Klingt fuer mich danach, dass du bisher einfach zu "fitzelige" Systeme mit zu vielen Stellschrauben kanntest.

Welche Systeme (ausser offensichtlich DSA 4.1 das ja wohl definitiv "superfitzelig" ist) kennst du denn noch?

Fate ist zwar was das konkrete Regelwerk angeht superschlank , benoetigt bei Spielern und Spielleitern aber ein ziemliches Umdenken aus den Prozessen normaler anderer Regelwerke.

Wenn du mal ganz allgemein Tipps haben willst welches System zu deiner Spielweise am Besten passen duerfte kannst du im Bereich "Systemuebergreifende Themen" ja mal eine Suchanfrage stellen in der du eine Art Pflichtenheft (was muss drin sein, was soll drin sein, was darf nicht drin sein) beschreibst.

ich kenne und habe hier, d&d 1 bis 3,5; dsa 1 und 4.1 und 5, Shadowrun 1,2,4,5; Pathfinder, Space, Rolemaster, MERS, Palladium (inkl. Rifts), savage World, Fate, Vampire V20 und Splittermond

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #19 am: 20.12.2017 | 16:09 »
dann würde ich mir Überlegen V 20 an zu passen statt Fate zu nutzen.
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Offline Selganor

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #20 am: 20.12.2017 | 16:12 »
ich kenne und habe hier, d&d 1 bis 3,5; dsa 1 und 4.1 und 5, Shadowrun 1,2,4,5; Pathfinder, Space, Rolemaster, MERS, Palladium (inkl. Rifts), savage World, Fate, Vampire V20 und Splittermond

Also abgesehen von D&D/DSA 1 und Savage World (sowie Fate das du aber anscheinend noch nicht gelesen/gespielt hast?) eher Regeln mit vielen Regeln, vielen Stellschrauben/Tabellen/Fitzelkram ;D
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Offline skorn

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #21 am: 20.12.2017 | 16:44 »
Ich würde dann Barbarians of Lemuria spielen.

Da ist alles schön frei und kann erzählt werden. Selbst im Kampf gibt es nicht viel zu beachten.

Ich weiß allerdings nicht was sich durch die Neuauflage verändert hat.

Offline D. Athair

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #22 am: 20.12.2017 | 16:46 »
Ich möchte noch hinzufügen, dass gerade der Kampf in den Spielabenden mir immer am meisten Kopfzerbrechen bereitet. Wenn ich noch zu tief in der Welt bin, mich über die Geschichte freue, und über die kreativen Ideen der Spieler so holt mich der Kampf immer wieder raus und dies liegt meistens dann an den Regeln.
Das ist mit der Aussage "ich habe keinen Spaß an Regeln" mMn mitausgesagt. Trotzdem gut, dass du das nochmal hervorgehoben hast. Vermutlich suchst du einfache, verlässliche und flexible Regeln - insbesondere im Kampf. Ob Fate das bietet? Ich bin mir da nicht so sicher.

Ein gut produziertes Let's Play (englisch) gibts hier:
Ein deutsches Video:


... ggf. könnte auch ein eher abwegiger Vorschlag für dich passend sein:
Ein OSR-Spiel (z.B. Beyond the Wall ... und andere Abenteuer). Dazu: FateCast Folge 14: Gemeinsamkeiten von Fate und OSR (dazu gibt's im Forum auch irgendwo ne Diskussion, die ich gerade nicht finde).
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Offline Fasuhl

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #23 am: 20.12.2017 | 16:55 »
ich kenne und habe hier, d&d 1 bis 3,5; dsa 1 und 4.1 und 5, Shadowrun 1,2,4,5; Pathfinder, Space, Rolemaster, MERS, Palladium (inkl. Rifts), savage World, Fate, Vampire V20 und Splittermond

mit space habe ich space1889 gemeint, von dem system hab ich noch League of Adventures, spacemaster hab ich auch noch (aber das ist ja der sifi klon von rolemaster - eher eine jugendsünde), traveller hab ich noch, nuemeneria, und 7th sea (neue version)

ich denke ist schon ordentlich - vieles habe ich aber auch nur einmal gelsen - richtig gut kann ich eher  am esten die d20 sachen weil ich vor 30 jahren mit d&d angefangen habe und damit gewachsen bin.
klar ist wohl noch zu erwähnen das ich als germanischer rollenspieler wohl mich noch mit DSA auskenne - aber wenn ich nur die Roten regelbücher hier im schrank sehe, bekomme ich ganz ungermanische ungehorsamszwänge und anarchie fantasien

Offline Scimi

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #24 am: 20.12.2017 | 17:02 »
Fate ist übersichtlich, Fate unterstützt Improvisation, Fate fördert Kreativität. Aber Fate ist auch sehr mechanisch.

Weil die Fate-Regeln jede Art von Aktion regelmechanisch unterstützen, gibt es keine Situation, wo die Regeln sich nicht zeigen. Bei D&D würfle ich vielleicht im Dungeon um mein Leben, aber wenn ich in der Taverne mit dem Wirt rede, ist das alles Erzählen und Improvisationstheater, wo man auf Werte und Würfel verzichten kann, bis irgendwer eine Waffe zieht. Bei Fate kann man *jeden* Konflikt regeltechnisch abhandeln und jedes Gespräch und jeden Brötchenkauf abhandeln wie einen Kampf.

Fate ist sehr gut skalierbar — man kann epische Schlachten in einem einzigen Wurf abwickeln und kurze Dialoge als rundenbasiertes geistiges Schachspiel. Aber die Regeln, die es erlauben, dass die Spieler sich viel erzählerisch einbringen, müssen auch immer verfügbar sein, wenn das klappt. Es ist ok, bei einem Kampf zu sagen: "Das ist jetzt nicht *so* wichtig für die Geschichte, lasst kurz mal würfeln, was da passiert und dann weiter mit der Story." Aber es ist nicht ok, Szenen lange und ausführlich zu bespielen, ohne den Spielern dabei die Gelegenheit zu geben, mit allem, was das Regelwerk bietet, einzugreifen.

Soll ich mich nun durch das Fate – Werk lesen (Quälen) – oder liegt es an den Mitspieler.

Wenn du das Lesen von Regelwerken als Qual siehst, dann womöglich das Spielen von Regeln auch? Fate geht davon aus, dass alle am Spieltisch bei den Regeln gleichberechtigt sind.

Wie wäre es denn stattdessen mit einem der zahlreichen "player facing" Systemen, also Regeln, wo der SL nur Herausforderungen stellt und erzählt und dann die Spieler den Hauptaufwand an Würfelei, Einsatz von Spezial-Kung-Fu und Charakterregeln haben?
Z.B. das FU-System
oder pbtA-Systeme wie Dungeon World
oder The Black Hack mit seinen zig Varianten
oder Numenera?

Oder so etwas wie das DramaSystem, das komplett auf Geschichten zwischen Personen aufbaut und die ganze Würfelei von Proben und Kämpfen komplett abstrahiert?

Offline Chiarina

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #25 am: 20.12.2017 | 18:21 »
Fate hat nicht so viele Regeln, das ist schon richtig. Die Regeln, die es hat, sind dafür aber eigentlich immer präsent. Und ein Setting "erträumen"... hm, also, ich musste mich ganz schön auf die Regeln konzentrieren, als ich es geleitet habe.

Ich bin da auch eher bei Scimi. FU-System hört sich passend an. Es ist gratis, universell, superregelleicht und kann an jedes Setting gepappt werden.
Lite ist nur einen Hauch regelintensiver und auch gratis und universell.

Wenn du Englisch kannst und schräge, liebenswert schrullige Settings magst, kannst du es auch mal mit "Itras By" versuchen. Das kostet ein bisschen, aber dafür ist das Setting mit dabei.

Und dann noch ´ne Frage: Ist es für dich wichtig Spielleiter zu sein? Es gibt ´ne ganze Menge regelarme spielleiterlose Rollenspiele, die sehr in Richtung "Geschichten erzählen" gehen.
[...] the real world has an ongoing metaplot (Night´s Black Agents, The Edom Files, S. 178)

Offline Chruschtschow

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #26 am: 20.12.2017 | 18:35 »
Noch ein Mal was zum Lesen von Regeln. Die Fate-Regeln lesen sich anders als viele andere Regeln. Die meisten Sachen sind ja so, dass ich mal eben die Regeln für Feuerbällewerfen aufblättere, wenn ich Feuerbälle werfe. Fate macht alles mit vier Aktionen, dem Fatepunktemechanismus, Aspekten, Stunts und Fertigkeiten, Stress als Puffer vor den Konsequenzen (die ja Aspekte sind). Fertig. Und dafür so viele Seiten? Ja. Das ist kein Nachschlagewerk. Den eigentlichen Regelkern kriegst du locker in einer Broschüre unter, für die selbst Turbo Fate deutlich zu dick ist. Entsprechend liest sich das auch anders.

Ich war früher auch mal ein ziemlicher Regelfresser. Decker? Rigger? Die habe ich gespielt. Ein Lich mit einem Eimer Minions? Hat einen Grund, warum ich meistens SL war ... Irgendwann hatte ich mal die Nase voll von Regeln, so ungefähr mit Mitte 30. Ich habe hier noch ein Ars Magica rumliegen, bei dem die Seiten im Regelteil seit dem Druck nicht mehr voneinander getrennt waren. Und da tut sich der Himmel auf und herunter schwebt "Spirit of the Century"1. Großartig. Und das Ding war doppelt so dick wie Fate Core und ich habe es nebenher weg gemampft.

Lang Rede, kurzer Sinn: liest sich anders und ich konnte es gut und habe es gerne gelesen. Core. Turbo auch, aber Core erzählt halt auch mehr über das "warum" als nur das "wie". Und wie ich die Regeln finde. Naja, hier gibt es genug Threads und dazu noch meine Forensignatur, die ein leichtes Indiz sein mögen, dass mein Urteil nicht allzu neutral sein könnte.

1 Der Autor behält sich gewisse kreative Freiheiten vor zwecks gnadenlosen Fanboitums.
« Letzte Änderung: 20.12.2017 | 18:43 von Chruschtschow »
Tolles Setting, würde ich aber mit Fate spielen. Und jeder Thread ist ein potentieller Fate-Thread. :d

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Offline Moonmoth

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #27 am: 20.12.2017 | 19:15 »
Fate ist übersichtlich, Fate unterstützt Improvisation, Fate fördert Kreativität. Aber Fate ist auch sehr mechanisch.

Weil die Fate-Regeln jede Art von Aktion regelmechanisch unterstützen, gibt es keine Situation, wo die Regeln sich nicht zeigen.
Nun, Fate ist tatsächlich sehr modular und universell. Du musst die Regeln - wie in jedem anderen Rollenspiel auf diesem Planeten - keineswegs zu jeder Gelegenheit einsetzen, genauso wie man auch in D&D in jedem Gespräch Motiv erkennen, Überreden etc. würfeln kann - es macht nur nicht immer Sinn.

Ich nehme mal zusätzlich zu den o.g. Videos das Orkigimgeschmack LetsPlay zu Malmsturm als Beispiel: Die Ladies haben eine ganze Reihe von typischen Fate-Mechanismen kaum oder gar nicht eingesetzt, was aber dem Spaß offensichtlich nicht schadete.
https://www.youtube.com/watch?v=USqq_w44_Xg

Zur Abwicklung von Kämpfen/Konflikten: Ja, man kann sogar extrem bunte und abwechslungsreiche Kämpfe haben, die sehr gut "fließen". Allerdings ist da schon wichtig, dass nicht einfach nur gewürfelt wird, sondern dass Aktionen auch erzählt/beschrieben/ausgespielt werden - von den Spielern als auch vom SL.  Der Redeanteil im Kontrast zu würfelfreudigeren System ist da schon ziemlich hoch und aktive Gruppen (die auch eher auch pro-aktive Charaktere spielen) haben da sicher viel mehr Spaß als eher passive Runden.  Ich habe sicher einige der spannendsten und überraschendsten Actionszenen meiner Rollenspielkarriere in Fate gehabt.
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Offline Schlawiner

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #28 am: 20.12.2017 | 19:45 »
Nach deinen Beschreibungen würde ich wie Chiarina und Scimi auch vorschlagen, mal FU anschauen. Es hat einige Ähnlichkeiten mit Fate, ist aber weniger "mechanisch" und meta und noch etwas freier. Ich persönlich finde es auch leichter zu lesen und erfassen. Natürlich bin ich als Übersetzerin voreingenommen, aber die Regeln kamen mir immer naheliegender und weniger "um die Ecke gedacht" als bei Fate vor.
Im FU-Blog habe ich mal eine ganz kurze Einführung geschrieben.

Was du beschreibst, kommt mir ziemlich genau so vor, wie mir es ging, bevor ich auf FU stieß (und danach, als ich mal eine DSA4-Runde probierte). "Was soll das mit den ganzen Kleinkramregeln, das interessiert doch keinen, ist doch kein Brettspiel!?", dachte ich immer. "Wollten wir nicht eine Geschichte spielen? Jetzt stecken wir schon eine Stunde in diesem Kampf fest und die Action bewegt sich so langsam, als wären wir in einem Honigglas gefangen."

trendyhanky

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #29 am: 20.12.2017 | 20:40 »
@Fasuhl & Original Post

Also, wenn du mich als Fate-Fan direkt fragst, dann würde ich auf deine Ausgangsfrage antworten mit:

Nein, Fate ist nichts für dich.
Fate richtet sich an Leute, die einfach MACHEN. Die Freude am Zocken haben, am Ausdenken von Settings, am Rumspielen von Regeln. Die ohne Angst einfach mal was wagen und sich mit guten Freunden zu einem gemütlichen Spiel treffen
Fate richtet sich nicht an Leute, die verkopft alles hinterfragen, die Sicherheiten in Regelwerken brauchen und bereits vor Spielbeginn schon ins Grübeln kommen

Falls du von einem RPG, das 100% Praxis und Spielbereitschaft fordert, nicht abgeschreckt bist, dann würde ich dir raten: Spiel doch einfach Fate, trommele deine Freunde zusammen und zockt los. Du wirst dann sofort sehen, ob Fate  "das richtige System" für dich ist

 ;)

Offline Chruschtschow

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #30 am: 20.12.2017 | 21:52 »
Mist, dann muss ich meinen Fate-Kram wegwerfen.

Tatsächlich ist vieles von dem, was Fasuhl schreibt, nahe an dem, weshalb ich Fate als System favorisiere: "Wenn ich an Rollenspiel denke, dann denke ich an Literatur, Psychologie, Geschichte und Film. Ich denke wir sollten und Geschichten erzählen, die Spannend sind, die Menschlich sind, die in Erinnerung bleiben [...]" Da bin ich dabei. Und anscheinend ist ihm nach dem Ausgangstext Sicherheit durch Regeln auch jetzt nicht so wichtig. Eher im Gegenteil. Das ist total fate-ig. Ich nehme die Geschichte, die Situation, die Handlung der Figur im Narrativ und forme daraus erst die Entscheidung, welche Aktion das ist. Das klingt für mich schon ziemlich nach Fiction First, was er da sucht.

Ansonsten könnte das vom Alter und Spielbeginn ein alter Freund aus Kinder-, Jugend- und Studientagen sein, die (Rollenspiel-)Vita passt. Hey, Fasuhl, hast du zufällig in Paderborn studiert und stammst aus Nordhessen? ~;D
« Letzte Änderung: 22.12.2017 | 15:46 von Chruschtschow »
Tolles Setting, würde ich aber mit Fate spielen. Und jeder Thread ist ein potentieller Fate-Thread. :d

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Offline Bad Horse

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #31 am: 20.12.2017 | 22:08 »
Was ich bei Fate sehr gern mag - und was dir vielleicht auch gefällt - ist der "Fiction first"-Ansatz. Es geht bei Fate nicht darum, die passende Regel zu der Situation zu finden und daraus die Narration zu stricken. Es geht darum, zu erzählen, was du machen willst und was du damit erreichen möchtest, und das dann in Regeln zu übersetzen.

Wie man das sinnvoll und spannend übersetzt, ist allerdings die Königsdisziplin.  ;)

Zitat von: William Butler Yeats, The Second Coming
The best lack all conviction, while the worst are full of passionate intensity.

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Online greywolf

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #32 am: 20.12.2017 | 22:23 »
Was ich bei Fate sehr gern mag - und was dir vielleicht auch gefällt - ist der "Fiction first"-Ansatz. Es geht bei Fate nicht darum, die passende Regel zu der Situation zu finden und daraus die Narration zu stricken. Es geht darum, zu erzählen, was du machen willst und was du damit erreichen möchtest, und das dann in Regeln zu übersetzen.

Wie man das sinnvoll und spannend übersetzt, ist allerdings die Königsdisziplin.  ;)

Das ist auch genau einer der Punkte, der mich bei Fate fasziniert:
Ich überlege was mein Charakter (oder NSC) aus der Situation heraus tun möchte, und dann guckt man erst nach der regeltechnischen Umsetzung, die aber gefühlt auch so frei, das ich in der Regel das machen kann, was ich wollte (schiefgehen kann es natürlich trotzdem);
Bei DSA z.B. ist es bei mir gefühlt oft so, dass ich erst überlegen, oder nachschauen muss, ob der Charakter auch die passende(n) Sonderfertigkeit(en) hat, um die gedachte Aktion auch ausführen zu können.

Offline LordBorsti

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #33 am: 21.12.2017 | 12:46 »
Unter der Prämisse dir ein deutsches Regelwerk vorzuschlagen, dass auch aktiv unterstützt wird, würde ich mich auch in den Chor der anderen einreihen:

Wie spielt sich Fate?

Fate ist ein je nach Inkarnation (gibt ja diverse Fate-Regelwerke) leicht bis mittelmäßig komplexes Regelwerk, dass stark daraus ausgelegt das auf und ab einer dramatischen Geschichte mit kompetenten Charakteren zu simulieren.

Eine typische Fate-Runde sieht so aus, dass die Spieler am Anfang des Spielabends mit Problemen konfrontiert werden, dafür Gummi-Punkte einsammeln und diese dann im Laufe des Spielabends dafür ausgeben die Probleme zu lösen. Quasi ein Story-Perpetuum-Mobile.

Die Regelmechaniken um Aspekte und Fate-Punkte sind aber schon durchaus präsent während des Spiels, man bewegt sich also nicht nur immersiv in der Charakter-Perspektive, sondern wechselt immer mal wieder kurz auf die Meta(Regel)-Ebene, wobei die regelmechaniken einfach und elegant sind. Du pendelst als Spieler quasi permanent zwischen Darsteller und Autor hin- und her. Du verkörperst deinen Charakter, aber du bist auch gleichzeitig der Autor seiner Geschichte.


Wie spielt sich Dungeon World ?

Dungeon World basiert auf der Powered by the Apocalypse World (PbtA) Engine. Im Zentrum das Spiels steht die Konversation zwischen den Spielern und dem Spielleiter. Der Fantasie und den Möglichkeiten der Spieler sind keine grenzen Gesetzt, während der Spielleiter eine Art Werkzeug-Kasten (Agenda, Prinzipien, Spielzüge) an die Hand bekommt um Antworten auf die Fragen/Handlungen seiner Spieler zu finden und bei der Inprovisation zu helfen. Außerdem gibt es bestimmte die Spielzüge, die einen fiktionalen Auslöser haben. Wenn ein Spieler eine Handlung beschreibt, die zum Auslöser eines Spielzugs passt, wird dieser Spielzug ausgelöst, d.h. man geht kurz auf die Regelebene, führt den Spielzug aus und kehrt anschließend wieder auf die erzählerische Ebene zurück um die Auswirkungen des Spielzuges in der gemeinsamen Geschichte zu beschreiben.

Eine weitere Besonderheit von Dungeon World ist "fictional positioning", dabei geht es darum den Charakter durch kreatives Erzählen überhaupt erst in eine Position in der Geschichte zu manövrieren, dass man einen bestimmten Spielzug auslösen kann. Wenn du zum Beispiel gegen ein Monster kämpfst, dass einen dicken Panzer aus Schuppen besitzt, reicht es nicht einfach nur zu erzählen "ich hau drauf" und die Lebenspunkte runterzuwürfeln. Der "Hauen & Stechen" Spielzug mit dem man einem Gegner Schaden zufügen kann hat nämliches als Bedingung, dass man überhaupt in der Lage sein muss seinen Gegner zu verletzen. Das hat als Konsquenz, dass man nun erstmal sich in der Fiktion eine Position bringen muss, dass man das Monster verletzen kann. Man müsste nun beispielweise erstmal nach einer verwundbaren Stelle in der Panzerung suchen oder man besorgt sich eine größere Waffe oder hat andere kreative Ideen.

Als Spieler taucht man bei Dungeon World sehr tief in die Geschichte ein, da jedes Detail der Fiktion zählt. Denn nur wer aufpasst und genau auf die Details der gemeinsamen Geschichte achtet, ist auch in der Lage effektives "fictional positioning" zu betreiben. Des weiteren ist es für beide Seiten (Spieler und SL) sehr wichtig präzise die Handlungen zu beschreiben, damit alle am Spieltisch ein klares Bild der gemeinsamen Geschichte im Kopf haben.

Als Spielleiter ist man bei Dungeon World zum improvisieren gezwungen. Das ganze Regelwerk ist auf improviseren ausgelegt, gibt dem SL aber auch jede Menge Werkzeuge dafür an die Hand. Wer nicht improvisieren mag, dem fliegt das Regelwerk regelrecht um die Ohren.


Fazit

Ich liebe sowohl Fate als auch PbtA basierte Rollenspiele. Beide sind regelleicht und konzentrieren sich stark darauf gemeinsam eine Geschichte zu erzählen, aber die herangehendsweise ist völlig unterschiedlich.
Fate ist sehr gut darin die Struktur einer Geschichte abzubilden, indem es durch die Regelmechanik um Aspekte und Fatepunkte den typischen Rhytmus einer Geschichte abbildet. Am Anfang einer Geschichte stehen ein Haufen Probleme für die Protagonisten und am Ende werden die Probleme in einer oder mehreren spannenden Szenen aufgelöst und denen die Protagonisten auf spektakuläre weise über sich hinauswachsen.
PbtA (bzw. Dungeon World) zieht dich tief in die Geschichte rein und alles dreht sich um die gemeinsam erzählte Geschichte. Es gibt Spielzüge die bestimmte Wendungen in die Geschichte einbringen aber letzteendlich gilt immer: "Alles beginnt und endet mit der Fiktion". Die Werzeuge des Spielleiter (Agenda, Prinzipien, Spielleiter-Spielzüge) und die Spielzüge auf der Seite der Spieler können sehr genau auf ein bestimmtes Genre zurechtgeschnitten werden, weswegen PbtA-Spiele für mich die Meister des "Genre-Films" sind. Bei Dungeon World ist das Genre z.B. Old-School-D&D-High-Fantasy.
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Offline D. Athair

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Re: Ist Fate das richtige System für mich?
« Antwort #34 am: 21.12.2017 | 13:35 »
Nachdem irgendwas meinen Beitrag gefressen hat, werde ich ihn nochmal schreiben müssen.

Soviel vorneweg (und als Notiz für mich):
Deine Anforderungen und Erwartungen sind noch recht unspezifisch. MMn werden sie von einer Reihe an Spielen/Spielschulen erfüllt, die ich mal schnell aufzähle:

Freiform-Spiele (Lords of Gossamer and Shadow, Everway, Idee!);
BRP-artige Spiele (Mythras, Maelstrom, OpenQuest, ...);
OSR-Spiele (Beyond the Wall, mutbH [Spiele der The-Black-Hack-Engine], White Hack, ...);
Rules Light (OneDice, genre diversion, ...);
pbtA-Spiele (Dungeon World, Der Sprawl, ...)
und natürlich die Fate-Ähnlichen (PDQ, Lighthouse RS, Lite Rollenspiel, FU, ...)

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