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Kitsch?

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Derjayger:
Hey Leute,

an alle, deren Geschmack von klassischer Literatur geprägt ist (Mir geht's hier ausdrücklich um nicht-nerdiges Publikum, also keine Metal-Witcher-Brony-Cosplay-LARP-Warhammer-Ästhetik. Wer beides "kann", möge hier bitte auf "Normalo-Modus" umschalten):
Findet ihr das kitschig oder gut? Könntet ihr das in einem Literatursalon vorlesen, ohne euch zu schämen?
Was findet ihr gut, was stört euch?

(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Faun: Aufbruch (wer's nicht kennt: Bitte erstmal ohne Musik beurteilen)

[Strophe 1]
In deinen Kindesaugen
Als noch alle Tage Blüten trieben
Lagen große Taten
Welche kühnen Träume sind geblieben?

Die Welt barg ein Geheimnis
So unschuldig und rein
Der Zauber deiner Wiege
Soll er nun gebrochen sein?

In deinen müden Augen
Liegt die Welt nun ohne Trost und Schimmer
Im Rausch der Tage
Schlafen ihre Weisen tief im Innern

So still die alten Helden
Ihre Wege schienen klar
So fern die Zauberwelten
Sind sie heute nicht mehr wahr?

[Refrain]
Schläft ein Lied in allen Dingen
Die da träumen fort und fort
Und die Welt hebt an zu singen
Triffst du nur das Zauberwort

Sieh' mit kühnen Augen
Wenn am Morgen sich die Schleier heben
Kannst du den Tagen
Ein heiliges Geheimnis geben

Die Welt verbleibt erhaben
Ein wunderbarer Ort
Nun schüre deine Feuer
Und sprich das Zauberwort
Ich finde das wahnsinnig schön, mich stören nur die leeren, Tempo-rausnehmenden Lückenfüller "So unschuldig und rein" (und die Parallelstellen) und dass sich die Anfänge (die mit den Augen) entsprechen, erinnert mich an VHS-Kurs.

Chiarina:
Also, ich werde hier kein Werturteil abgeben, aber habe doch das Bedürfnis, dir zu erzählen, dass der Refrain wortwörtlich Eichendorffs Gedicht "Wünschelrute" entspricht.

Mein Tipp: Lies den Refrain ´mal ohne den Rest.

Edvard Elch:
Bin eher unbegeistert. In zwei der sieben Vierzeiler passt das Versmaß (einer davon ist allerdings von Eichendorff geklaut), die Kadenz passt mit ihrem einsilbig/zweisilbig Wechsel per Vierzeiler, die Reime sind eher so mittel (Schimmer ~ Innern). Sprachlich sehe ich keine gröberen Schnitzer, besonders Wortgewaltig kommt der Text aber auch nicht daher. Inhaltlich komme ich nicht umhin den Gesamttext mit dem Vierzeiler von Eichendorff zu vergleichen, der scheinbar die Keimzelle des Gesamttextes war. Da habe ich auf der einen Seite eine kurze und prägnante Beschreibung, wieso der Romantiker das tut, was er tut, und wie er sich so die Welt vorstellt, und auf der anderen Seite eine Ode auf die Wiedererlangung des eigenen Eskapismus. Ich fürchte, Eichendorff gewinnt in diesem Fall.

LushWoods:
So eine abartig arrogante  Ansage (in einem Rollenspielforum!) raushauen und dann einen schlechten Text von Faun (lol) als "wahnsinnig schön" postulieren is schon ganz großes Kino. Respekt.  :headbang:

Huhn:
Ich höre Faun nicht mehr und das hier bestätigt mich darin. Es ist halt "ok"... "Mittelmaß"... "belanglos". Mir fallen auf Anhieb jede Menge "Metal-Witcher-Brony-Cosplay-LARP-Warhammer-Ästhetik"-Songs auf sprachlich vergleichbarem Niveau ein. Und, ohne den Song gehört zu haben, jede Menge Lieder auf musikalisch besserem. Dass der Text viele Menschen anspricht, ist so gewollt und auch nicht verwunderlich. Dieses Grundthema "Hach, als wir Kinder waren, war alles so zauberhaft und nun ist alles so schnöde" ist auch nicht besonders originell und viele Menschen haben mal Phasen, in denen sie das Gefühl haben, es wäre so. Genau darauf bauen die neuen Faun-Alben auf - schließlich muss die Band viele Menschen ansprechen, um Geld damit zu machen.

Was ist denn für dich "Metal-Witcher-Brony-Cosplay-LARP-Warhammer-Ästhetik" und wieso denkst du, dass dieses Lied darüber stehen würde?

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