Autor Thema: [Seanchui] ...rezensiert.  (Gelesen 1337 mal)

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Offline seanchui

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[Seanchui] ...rezensiert.
« am: 26.09.2019 | 23:22 »
#00 Vorwort

Hallo zusammen!

In den vergangenen Jahren habe ich knapp 300 Rezensionen für den Ringboten verfasst, vom Grundregelwerk über Quellenbände, Abenteueranthologien und Zusatzregelwerke, von der Kurzgeschichtensammlung bis zum Roman, vom Comic bis zum Hörspiel. Dazu kommt eine locker dreistellige Anzahl von reinen CTHULHU-Rezensionen auf meinem Blog seanchuigoesrlyeh.wordpress.com. Man könnte also meinen, ich wäre reichlich ausgelastet. Und dennoch gibt es immer wieder Material, dass sich entweder nicht für eine Ringboten-Rezension taugt (z. B. Gratis-Material von DriveThru) oder dass ich auf dem Ringboten nicht so rezensieren kann, wie ich es möchte (z. B. Einzel-Abenteuer aus Anthologie-Bänden). Da ich im Moment - und in den vergangenen Wochen - recht viel Kram aufarbeite, um ihn in meiner Piraten-Kampagne zu verwenden (ich berichte HIER: https://www.tanelorn.net/index.php/topic,112465.0.html), möchte ich Euch an dieser Stelle zukünftig auch an meinen Überlegungen zu solchem Material teilhaben lassen. Zunächst und in nächster Zeit wird es damit in diesem Thread eher... "maritim" zugehen. Doch das mag sich in Zukunft auch wieder ändern.

Ich hoffe, Ihr könnt mit dem einen oder anderen Text etwas anfangen, auch, wenn es teilweise nur kurze Vorstellungen werden. Wir werden sehen, wo dieser Thread hinführt.

Offline seanchui

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Re: [Seanchui] ...rezensiert.
« Antwort #1 am: 26.09.2019 | 23:23 »
#01 Des Seekönigs Zorn

Autor: Weltengeist
System: Splittermond
Erschienen: 2015 (in der Abenteueranthologie „An den Küsten der Kristallsee“)
Link: https://shop.uhrwerk-verlag.de/splittermond/266-an-den-kuesten-der-kristallsee.html?search_query=kristallsee&results=14

Mit der Anschaffung von „An den Küsten der Kristallsee“ schlug ich zwei Fliegen mit einer Klappe. Zum einen konnte ich dem gerade die Insolvenz vermeldenden Uhrwerkverlag finanziell ein wenig unter die Arme greifen; zum anderen konnte ich meine Sammlung seefahrerischer Abenteuer- und Quellenbände eine weitere Abenteueranthologie hinzufügen. Denn den Plan, eine eigene „Piraten“-Kampagne zu starten, reift schon etwas länger in mir. Ich habe den gesamten Abenteuerband mit Freude gelesen, doch für eine direkte Verwendung in meiner angestrebten Kampagne sprang mir „Des Seekönigs Zorn“ aus der Feder von Tanelorni Weltengeist ins Auge.

Worum geht es?

Achtung: Der folgende Abschnitt kann Spuren von Spoilern enthalten! In „Des Seekönigs Zorn“ erhalten die Helden gleich zu Beginn Besuch von einer geisterhaften Erscheinung. Hierbei handelt es sich um den Prinzen einer versunkenen Stadt, die einst vom Zorne des Seekönigs getroffen und Opfer der Fluten wurde. Warum, das verrät der Prinz nur ungern, denn die von ihm durchgeführte Entführung einer Sirene war der Grund des Niedergangs der Stadt. Doch da sich dieses Ereignis heute, Jahrhunderte später, zu wiederholen droht, wendet sich der Prinz an die Helden. Wieder ist eine Sirene entführt worden und wieder macht sich der Seekönig in seinem Zorn auf, um die Entführer zur Rechenschaft zu ziehen und eine Küstenstadt zu überfluten. Können die Helden rechtzeitig eingreifen, um das Schlimmste zu verhindern?

Kritik

Natürlich ist es etwas schwierig, als erste Rezension gleich ein Abenteuer aus der Feder eines Mitforisten ans Tageslicht zu zerren. Schlussendlich fiel mir die Entscheidung allerdings doch recht leicht, denn ich bin wirklich hellauf begeistert von diesem Abenteuer und möchte es unbedingt in meiner Kampagne unterbringen.

Ein paar Beispiele:
Die erste Etappe führt die Helden in die Ruinen der untergegangen Stadt Azuria. Aus dem Wasser ragende Türme, die Suche nach einem absolut stimmungsvollen Artefakt, ein kleiner, feiner Dungeoncrawl und die allgegenwärtige Gefahr durch die fremdartigen Sirenen sind eine tolle Mixtur.
Die Reise zur bedrohten Stadt wird mit schön steigender Intensität zum Wettlauf gegen die Zeit und gegen den Sturm des Seekönigs.
Der Schauplatz des „Grande Finale“ ist absolut großartig – eine Badehalle! Hier wird die Sirene festgehalten. Die Badehalle ist wirklich liebevoll ausgearbeitet und ein toller, unverbrauchter Ort für den finalen Kampf gegen den Bösewicht. Dass das Finale darüber hinaus noch mehr als reinen Kampf bereithält, werte ich jetzt auch einmal als positiv.

Es gibt ein paar Dinge, die ich für meine Kampagne ändern werde. Zum Beispiel werde ich das Abenteuer erst einsetzen, wenn die Charaktere Herr über ihr eigenes Schiff sind. Die vorgeschlagenen Diskussionen mit dem zwergischen Kapitän wären mir dann doch zu ermüdend. In der vorgestellten Form ist das Abenteuer aber natürlich viel universeller einsetzbar, was die Note nicht schlechter macht.

Fazit

Starke Szenen in einem interessanten Mix in gut leitbarer Aufbereitung. Was will ich mehr?  :d
« Letzte Änderung: 26.09.2019 | 23:24 von seanchui »

Offline Hotzenplot

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Re: [Seanchui] ...rezensiert.
« Antwort #2 am: 27.09.2019 | 13:52 »
Schön, dass du auch unter die Tanelorn-Rezensenten gehst.  :d

Schöne Rezension und gut zu wissen, dass der Weltengeist ein gutes Abenteuer geschrieben hat.  ;)
ehrenamtlicher Dienstleistungsrollenspieler, Spotlightbitch und Plothure

Mein größenwahnsinniges Projekt - Eine DSA-Großkampagne mit einem Haufen alter Abenteuer bis zur Borbaradkampagne:
http://www.tanelorn.net/index.php?topic=91369.msg1896523#msg1896523

Ich habe die G7 in 10 Stunden geleitet! Ich habe Zeugen dafür!

Offline seanchui

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Re: [Seanchui] ...rezensiert.
« Antwort #3 am: 27.09.2019 | 21:58 »
Danke für die aufmunternden Worte! Und: ich bin ja direkt angepinnt worden! Jetzt muss ich natürlich auch liefern  ;)

Offline seanchui

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Re: [Seanchui] ...rezensiert.
« Antwort #4 am: 27.09.2019 | 22:17 »
#02 100 Items For Sale In A Fantasy Black Market

Autor: reddit-Community / Casey Willis
System: systemlos
Erschienen: 2019 (?)
Link: https://www.drivethrurpg.com/product/273216/100-Items-For-Sale-In-A-Fantasy-Black-Market

Die Anzahl magischer Gegenstände im Grundregelwerk von "Fantasy AGE" ist reichlich beschränkt. Ein entsprechender Katalog ist ehrlicherweise nicht in Sicht. Der Wunsch, mich nach systemlosen Sammlungen magischer Gegenstände umzusehen, ist da vielleicht verständlich. Das wir dazu auch noch eine Piratenkampagne spielen führte mich schließlich zu der verlinkten PDF mit Artefakten für Schwarzmärkte. Denn wo blüht der Schwarzhandel wohl mehr als in den Piratennestern auf den Inseln?

Worum geht es?

Schlussendlich verrät der Titel schon alles über den Inhalt. Enthalten sind 100 verschiedene Gegenstände, die es auf einem Schwarzmarkt zu kaufen geben könnte. Einem Fantasy-Schwarzmarkt, wohlgemerkt. Entworfen wurde der Inhalt dieser Sammlung von der Community auf reddit.com, zusammengesammelt von Casey Willis. Das ganze ist recht hübsch gelayoutet und als 1W100-Tabelle angelegt, wobei dieser Zufallsfaktor bei mir eher nicht zum Tragen kommen wird. Viel mehr bietet sich die Liste an, bestimmte Gegenstände herauszusuchen oder nicht.

Kritik

Die Datei ist prinzipiell umsonst als "Pay-what-you-want" zu haben. Sie wurde von einer fleißigen Community erstellt und hübsch aufbereitet. Darf, kann, sollte man darüber etwas Schlechtes sagen? Nun, da es dankenswerterweise viele Gratismaterialien im Netz gibt schadet es nicht, hin und wieder einmal auf besondere Perlen hinzuweisen. Genauso wichtig ist es auch, auf Material hinzuweisen, dass in den eigenen Augen schlecht sein mag. Denn Texte darüber helfen nicht nur der Popularität dieser Gratisarbeit auf die Sprünge, nein, sie helfen auch dabei im dichten Dschungel der Webveröffentlichungen die Spreu vom Weizen zu trennen.

Die vorliegende PDF "100 Items For Sale In A Fantasy Black Market" ist dabei definitiv "Weizen", und ich sehe sie mich bereits ein ums andere Mal konsultieren. Denn hier haben sich wirklich einige schräge Gegenstände angesammelt, die den einen oder anderen Lacher ob ihrer offensichtlichen Nutzlosigkeit auslösen werden, in anderen Fällen aber überraschende Qualitäten an den Tag legen können. Hie wechseln sich nützliche Items - wie ein Schlüssel, der die Form anderer Schlüssel nachahmen kann oder ein Kompass, der zielsicher auf den oder die Reichste in einem Raum zeigt - mit nutzlosem Plunder - wie einem schweren, nicht brennbaren Tisch (...der sich nicht einmal auf der Ebene des Feuers erhitzt...) ab. Und immer schwebt ein wenig der Hauch der Verruchtheit um die verschiedenen Gegenstände, ganz, wie man es von einer Schwarzmarkterwerbung erwarten darf.

Fazit

Eine interessante Liste magischer und nichtmagischer Gegenstände, allesamt am Rande der Legalität. Als Zufallstabelle oder Inspiration verwendbar und hübsch aufbereitet. Das Ganze prinzipiell für lau - Daumen hoch!  :d
« Letzte Änderung: 27.09.2019 | 22:20 von seanchui »

Offline seanchui

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Re: [Seanchui] ...rezensiert.
« Antwort #5 am: 30.09.2019 | 21:48 »
#03 Das Yéana’lea-Atoll (Die Insel des Vulkangottes 1/4)

Autor: Tobias Hauser, Torsten Logemann (Donnerhaus)
System: systemlos
Erschienen: 2019 (?)
Link: https://www.drivethrurpg.com/product/285423/Das-YeanaleaAtoll-Die-Insel-des-Vulkangottes-1-4

Was wären Piratenkampagnen ohne Schatzinseln? Und was wären Schatzinseln ohne die dazugehörigen Karten? Natürlich habe ich das Internet auch nach passenden Inselkarten für meine startende Piratenkampagne durchforstet. Neben einigen passenden Grafiken wurde ich auch beim Donnerhaus fündig, deren Angebot jedoch weit über einfache Karten hinausgeht.

Worum geht es?

Unter dem Obertitel der Reihe "Jannasaras Kartentasche" veröffentlicht der Donnerhaus-Blog in regelmäßigen Abständen Kartenmaterial für Rollenspiele. Ihre zu einem günstigen Preis als Patreon oder über DriveThruRPG beziehbaren Kartenpakete enthalten dabei stets nicht nur Karten in verschiedenen Detailstufen, sondern auch ein wenig Fluff und ein paar Plotideen zu den Karten. Die technische Bandbreite umfasst (zumindestens hier) auch Versionen für das Online-Spiel. Oftmals gibt es ganze Kartenserien zu einem bestimmten Thema - so ist die Atoll-Karte "nur" der "Pay-what-you-want"-Teaser für ein vierteiliges Kartenpaket.

Das Yéana’lea-Atoll ist prinzipiell ein ruhiges Fleckchen Erde. Hier wohnen friedliche Ureinwohner Seite an Seite mit einer recht sanften Tierwelt und gehen ihrem Tagwerk - ein wenig Ackerbau und Fischfang - nach. Große Konflikte scheint es nicht zu geben - und doch darf man sich auch hier als Abenteurer seine Sporen verdienen, denn die Autoren haben einige Plotaufhänger in dem nur wenige Seiten umfassenden Hintergrund untergebracht.

Kritik

So, das Wichtigste an einer "Kartentasche" ist sicherlich das mitgelieferte Kartenmaterial. Und hier kann die PDF voll punkten: die Karte des Atolls sieht wirklich großartig aus und ist in meinen Augen absolut professionell. Dass dabei mit einem Vulkan und langen, sanften Sandbänken auf eher klassische Motive gesetzt wurde, stört mich nicht im Mindesten, sondern passt perfekt zum angestrebten Ambiente.

Die Karte liegt dann auch gleich in verschiedenen Varianten vor: beschriftet und mit Ortsnummern versehen, falls man sich am mitgelieferten Hintergrund orientieren möchte oder auch in mehreren Blanko-Varianten, um die eigenen Vorstellungen leichter auf der Landkarte unterbringen zu können. Das gefällt und spricht dafür, dass die Autoren sich um die Verwendbarkeit ihres Materials Gedanken gemacht haben.

Die mitgelieferten Abenteueraufhänger sind schlussendlich aber leider kaum mehr als die üblichen Klischees. Hier ein Vulkangott, dem regelmäßig Opfer dargebracht werden müssen; hier Piraten, die das friedliche Idyll bedrohen; dort ein Schamane, der vor Urzeiten den Bogen überspannt hat und nun versteinert am Strand steht... das ist sicherlich alles nicht schlecht und durchaus brauchbar, wenn man einen kurzen Abstecher auf das Atoll wagen möchte. Wirklich innovativ ist das Material jedoch nicht. Deutlich besser gefallen hat mir da die letzte Seite mit Vignetten, die kurz und knapp die angestrebte Stimmung des Atolls zusammenfassen und dem Spielleiter rasch das passende Bild für die Spieler an die Hand geben.

Fazit

Eine tolle Karte in verschiedenen Ausführungen, garniert mit nettem Hintergrundmaterial und brauchbaren Spielleiterhilfen. Da gibt es - gerade im Hinblick auf das "Pay-what-you-want"-Angebot nichts zu meckern - Daumen hoch!  :d

Offline seanchui

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Re: [Seanchui] ...rezensiert.
« Antwort #6 am: 5.10.2019 | 23:54 »
#04 Story Forge 009: Port of Chains

Autor: David Kegg, Cory Trego-Erder, Nate Abell (Story Forge)
System: DnD 5E
Erschienen: 2017
Link: https://www.drivethrurpg.com/product/253464/Port-of-Chains-009?manufacturers_id=12817

"Story Forge" veröffentlichen kontinuierlich kleine, aber feine PDF-Pakete, in denen abendfüllende Abenteuer auf engstem Raum dargeboten werden. Zumeist zeichnen die Autoren wenig mehr als eine generelle Ausgangslage für eine Handlung, liefern dann aber doch mehr Material, als man zuerst erwartet hätte. NSC mit Statblöcken, neue Monster und Kreaturen, magische Gegenstände und/oder Dungeonkarten - schon gibt es für die Spieler genug zu tun. Die "Story Forge"-Pakete beinhalten dabei meist neben der PDF auch noch ZIP-Pakete mit Grafiken, Karten, Markern etc. Mittlerweile sind 12 Story-Forge-Pakete gratis zu haben.

Worum geht es?

"Port of Chains" ist - wie die übrigen Story-Forge-Pakete - kein fertiges Abenteuer. Die Rahmenhandlung ist allerdings deutlich weiter gefasst, als es bei den Story-Forge-Sachen sonst üblich ist.

Achtung, Spoiler: Die Stadt Reed's Landing hat vor einiger Zeit die Sklaverei hinter sich gelassen. Die Dragonborn, die am Fuße der Stadt in der Nähe des Meeres leben, haben rebelliert und so die Fesseln der Sklaverei abgestreift. Doch durch die langen Jahrtausende, in denen Sklaven in der Stadt gelebt und gelitten haben, hat eine mächtige, dämonische Wesenheit Gefallen an der Stadt gefunden. Die Dragonborn leiden nun immer wieder unter den Angriffen seltsamer belebter Ketten, die die Gegend um den Hafen heimsuchen. Kann es den Helden gelingen, die finsteren Pläne des Dämonen zu durchkreuzen?

Kritik

Tja, dieses Mal bin ich nicht ganz so glücklich mit der Story-Forge-Ausgabe. Während ich die Reihe sonst wirklich gerne gelesen habe, empfinde ich "Port of Chains" dann tatsächlich als zu schwammig. Die Story-Forge-Sachen kommen der Art und Weise, in der ich Abenteuer vorbereite, eigentlich sehr entgegen. Auch "Port of Chains" macht hier einiges richtig - der Endkampf ist mit einer hübschen Karte versehen und es gibt reichlich Ideen für ein episches Finale. Alleine der Weg dorthin ist mir dieses Mal einfach zu grob gezeichnet - während die meisten Story-Forge-Abenteuer einen klaren Handlungsrahmen haben, ist "Port of Chains" eher eine Art Kampagnenrahmen, denn das Herauslocken des Dämonen sollte nicht zu einfach geschehen. Doch welche Etappen die Spieler bis hierher überwinden müssen, damit ist man als SL dann doch wieder komplett alleine gelassen. Das ist in anderen Ausgaben schon besser gelöst worden.

Dafür gibt es dieses Mal einen ganzen Haufen magischer Gegenstände, die allesamt einen maritimen Charakter aufweisen. Alleine dafür lohnt sich schon ein Blick in die PDF. Während mir sonst die Story-Forge-Pakete schon einmal über einen Spieleabend geholfen haben, überwiegt in der neunten Ausgabe dann eher der "Utility"-Charakter. Für Leute auf der Suche nach neuen maritimen Artefakten sicher einen Blick wert!

Fazit

Ganz zufrieden bin ich nicht, aber eine hübsche Karte und ein paar maritime Gegenstände werde ich dann doch sicherlich für meine Piratenkampagne zu nutzen wissen.

Offline seanchui

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Re: [Seanchui] ...rezensiert.
« Antwort #7 am: 14.10.2019 | 22:35 »
#05 Billy Bones. His Book of Nautical Nonpareils and Mechanical Marvels.

Autor: Wynand Louw & his Dungeon World group
System: Dungeon World
Erschienen: ?
Link: https://www.drivethrurpg.com/product/124182/Billy-Bones-His-Book-of-Nautical-Nonpareils-and-Mechanical-Marvels

Wie ich bereits in diesem Thread lamentierte sind magische Gegenstände für Fantasy AGE rar gesät. Maritime noch viel mehr. Ein Blick über den systemischen Tellerrand scheint also angebracht - und ein intensiver DriveThru-Nachmittag führte mich schließlich zu dieser kleinen, aber feinen Sammlung maritimer magischer Gegenstände für Dungeon World.

Worum geht es?

Hier ist der Name Programm  8). Der fiktive Billy Bones stellt uns auf gerade einmal 10 knappen Seiten einen ganzen Haufen magischer und/oder wundersamer Gegenstände vor. Dabei ist von der Waffe bis zum Wahrsage-Knochen eine ganze Menge unterschiedlicher Kram vertreten. Nicht alles ist nützlich, nicht alles ist neu und innovativ, doch allesamt sind die Artikel kurz, knapp und doch charmant beschrieben.

Kritik

Ui. Ich denke, dass ich mich mit den Errungenschaften aus diesem Band erst einmal nicht weiter auf die Suche nach neuen, magischen Gegenständen machen muss. Sicher, einige fußen auf der DW-Mechanik (was ich hier wohl kaum als Kritikpunkt anbringen kann), doch auch diese Artefakte sind leicht zu konvertieren. Besonders gefallen hat mir die Bandbreite unterschiedlicher Gadgets, die der Autor hier ins Feld führt. Und auch an verrücktere Gegenstände wie den "Haisattel" oder den "Toten Albatross" wurde gedacht.

Ehrlicherweise kann ich wenig zu der Dungeon-World-Spieltauglichkeit sagen, da DW schlicht nicht mein System ist. Inhaltlich bin ich mit den Gegenständen aber vollumfänglich zufrieden. Damit möchte ich den Band jedem empfehlen, der für seine Seefahrerabenteuer oder -kampagne auf der Suche nach neuen, gerne auch aussergewöhnlichen, magischen Gegenständen oder wundersamen Apparaturen ist. Hier ist sicher irgendwas Passendes dabei.

Fazit

Für lau heißt nicht immer empfehlenswert. Hier schon.  :d

Offline seanchui

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Re: [Seanchui] ...rezensiert.
« Antwort #8 am: 5.11.2019 | 21:55 »
#06 Das sterbende Riff

Autor: Dennis Maciuszek
System: Splittermond
Erschienen: 2019 (in "Mahaluu - Archipel der Glückseligkeit")
Link: https://shop.uhrwerk-verlag.de/splittermond/1964-mahaluu-archipel-der-glueckseligkeit-9783958671935.html

"Mahaluu" beschreibt die glückselig-friedliche Welt des gleichnamigen Inselvolkes, den Mahaluu-Archipel. Hier regieren Zufriedenheit, Gemütlichkeit und Eintracht und die Konflikte der "großen weiten Welt" scheinen mehr als nur fern. Kokosmilch, eine Hängematte und ab und zu eine kleine Jagd - mehr scheint es hier nicht zu tun zu geben. Während ich mir eine Kampagne vor diesem Hintergrund eher schwierig vorstelle, so habe ich mir den Band dennoch zugelegt, um mich (für meine laufende Piratenkampagne) vielleicht für ein einzelnes Abenteuer inspirieren zu lassen. Besonders gespannt war ich daher auf das integrierte Abenteuer "Das sterbende Riff".

Worum geht es?

Achtung: Der folgende Abschnitt kann Spuren von Spoilern enthalten! Die Helden landen auf die eine oder andere Art auf einer der zahlreichen Feierlichkeiten der Mahaluu. Während sie noch die Feiern geniessen und womöglich in harmlosem Wettstreit mit anderen Mahaluu liegen, erreichen Flüchtlinge die Insel. Denn einer Gruppe Schädelkorsaren ist die Durchfahrt in den Archipel gelungen - und das trotz des großen Korallenriffs, dass als "schützendes Barriereriff" bekannt ist und normalerweise die Durchfahrt großer Schiffe verhindert. Was ist mit dem Riff geschehen? Hier ergeht der Ruf nach den Helden.

Das Abenteuer führt die Helden nun auf eine Reise quer durch den Archipel, die schließlich in der Nähe des großen Barriereriffs endet. Hier gilt es zunächst herauszufinden, welches Problem besteht und dann - vor allem - wie man es beseitigen kann. Und dann gibt es da ja immer noch die Schädelkorsaren, die für Unruhe sorgen...

Kritik

Achtung: Auch der folgende Abschnitt kann Spuren von Spoilern enthalten! Das Abenteuer hat eine wirklich interessante Prämisse, denn das Barriereriff ist durch einen Eingriff der mahaluu'schen Priesterschaft in den natürlichen Ablauf der Natur in Gefahr geraten. Denn es gibt fleischfressende Schildkröten, die normalerweise Schädlinge vom Riff fernhalten. Doch diese werden von den Priestern als heilig betrachtet und daher "fremdgefüttert", so dass sie ihrer natürlichen, biologischen Aufgabe nicht mehr nachkommen. So gelang es aggressiven Seesternen am Riff Fuß zu fassen und die Korallen nach und nach zu fressen. Dass die Ökologie eines Biotops derart im Mittelpunkt eines Abenteuers steht, ist mir bislang noch nicht untergekommen.

Leider ist das in meinen Augen schon das Beste an dem Abenteuer. Denn der Rest ist tatsächlich eher eine gemütliche Reise quer durch den Archipel. Man trifft auf alle möglichen Inseln und Inselchen, unterhält sich mit den Bewohnern, studiert die Mythologie der Mahaluu und ihrer Götterwelt und findet so vielleicht Antworten auf die Fragen, wie das Riff zu retten sei. Bis auf einige wenige Szenen mit den Schädelkorsaren bleibt das Abenteuer so recht gemächlich und behäbig. Denn auch die drohende Gefahr durch weitere Korsarenschiffe wird zwar angedeutet, ist von den Helden jedoch kaum zu erfahren oder zu spüren.

Unnötig komplex wird das Ganze dann noch durch exotische und verdammt ähnlich klingende Insel- und Ortsnamen, die kaum auseinander zu halten sind. Das ist natürlich dem Setting geschuldet und nicht dem Abenteuer als erstes anzukreiden; eine Rundreise wie hier gestaltet sich aber so unnötig kompliziert. Schlussendlich bleibt eine interessante Prämisse, die ich allerdings weder sonderlich abenteuerlich finde, noch in der Aufarbeitung einer Archipel-Rundreise sonderlich gelungen finde. Während der Archipel mich durchaus reizt, ist "Das sterbende Riff" nicht das Abenteuer meiner Wahl, wenn ich die Mahaluu in mein Setting importieren wollte.

Fazit

Eine bunte Rundreise durch den Mahaluu-Archipel mit einer interessanten Prämisse. Als Abenteuer ist es mir aber ehrlicherweise zu langweilig.