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Autor Thema: Startvorgaben/dilemmas  (Gelesen 1246 mal)

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Offline TaintedMirror

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #25 am: 8.07.2018 | 19:59 »
Durch den Zwang der Festlegung eines Startortes verhinderst du aber natürlich nicht, dass Schwoerigkeiten mit anderen Handlungsorten entstehen.

Offline Runenstahl

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #26 am: 8.07.2018 | 20:37 »
Wenn der SL (oder die SLs) keine Vorgaben machen wollen oder können (weil es eben keinen großen roten Faden gibt sondern eine reihe von Einzelabenteuern unter verschiedenen SL ist), was hindert euch dann als Spieler daran sich untereinander abzusprechen ?

Redet als Spieler miteinander ! Geht sicher das jeder Charakter seine Nische hat und etwas zur Gruppe beitragen kann. Sorgt dafür das eure Charaktere zusammen arbeiten können und wollen (das ist oft viel wichtiger als Gut/Böse festzulegen) und sprecht euch ab wie sie ihre Ziele erreichen wollen damit dies kompatibel ist (ein Justiz-Fanatiker wird nicht gut mit einem Dieb zusammenarbeiten können auch wenn sie denselben Feind haben). Ja, der SL sollte hierbei Hilfestellung leisten. Aber wenn da nichts kommt und die Kampagnen daran scheitern dann muß man das halt selbst planen.

Um auf deine Punkte einzugehen:
A - Man muß sich bei der Charaktererstellung bewußt sein das der Charakter auf Abenteuer gehen soll. Der SL will den Stein ins rollen bringen will und von einem Spieler kommt nur ein "Das interessiert meinen SC nicht bzw das wäre unrealistisch das es jetzt sein Anwesen verläßt um in der Kanalistation nach einer räudigen Goblinbande zu suchen." ? Sorry, aber da liegt die Schuld nicht nur beim SL sondern auch beim Spieler. Wenn das Ziel ist das alle einen tollen Spieleabend haben, dann muß man auch als Spieler mal über seinen Schatten springen und den Charakter auch mal was nicht ganz so gut passendes machen lassen statt stur auf "Mein Charakter ist aber so" zu beharren. Gerade wenn offensichtlich ist das man sonst das Abenteuer torpediert. Wenn es allerdings ständig vorkommt das die SC eigentlich keinen Grund haben dem Abenteuerpfad zu folgen ist das natürlich doof.

B - Da bin ich mir nicht sicher wo jetzt genau das Problem liegt. Bringen die SL euch in Situationen in denen ihr hoffnungslos unterlegen seid und wollen nicht das ihr flieht ? Oder ist das Problem das die SCs in solchen Situationen nicht fliehen wollen ?

C - Fehlende Qualifikationen. Ja, der SL sollte im Optimalfall jedem SC etwas bieten. Aber auch da liegt die Verantwortung eben nicht nur beim SL. Wenn der Charakter all zu oft "nutzlos" erscheint, dann kann das auch an einem extrem einseiten Charakter liegen. Der SC hat schwimmen auf "Olympischer Athlet", Seefahrt auf "Gottgleich", kampf gegen Meereswesen auf "Halbgott" und Wikingerlieder grölen auf Stufe "Torfrock", kann aber sonst nichts ? Dann ist nicht der SL Schuld wenn nicht jeden Abend ein Abenteuer zur See stattfindet. Besonders wenn man keine Angaben hat sollte der SC schon etwas breiter aufgestellt sein.

D - Wie Eingangs schon gesagt, sprecht euch einfach abseits des SLs untereinander ab um sicher zu gehen das eure Charaktere am selben Strang ziehen werden.

E - Auch hier muß ich fragen ob die Spieler ihre SCs sich denn überhaupt einbinden lassen wollen ? Im Idealfall sorgt der SL natürlich dafür das es für die Spieler/SCs auch einen Anreiz gibt entweder mit Organisation XY oder auf eigene Faust das Abenteuer anzugehen. Aber nicht jeder SL kann das auch gut. Wenn es dem SL auf Dauer gar nicht gelingt die SCs zu überzeugen (bzw nur die Mörderhobos) dann läuft da natürlich was falsch.


Alles in allem scheint es mir das ihr (oder nur du ?) darunter leidet das die SL auf eine Weise leiten die nicht mit eurer Weise zu spielen kompatibel ist. Looten und Morden geht ja und scheint einigen von euch ja auch Spaß zu machen. Aber das ist halt nicht jedermans Vorstellung von P&P. Eben darum wird es schwierig werden einen Konsens zu finden der alle glücklich macht. Man kann sich nur bis zu einem gewissen Punkt "verbiegen". Darüber hinaus macht es dann keinen Spaß mehr und je länger sich das hinzieht desto eher geht man bereits mit einer gewissen Grundbockigkeit ins Abenteuer.

Da gibt es leider schlicht keine guten Lösungen. Entweder die Gruppe wechseln oder selbst den SL machen (was du ja offensichtlich in Erwägung ziehst). Ich selbst habe lange Zeit unter SLs "gelitten" die im Prinzip (trotz wiederholter Gespräche) dieselben "Fehler"* gemacht hat. Da gingen nur Marionetten-Charaktere / Mörderhobos die Stumpf dem ausgetretenen Pfad folgen. Charaktere mit "echtem" Eigenleben hatten oft keinen Grund sich die Abenteuer anzutun. Die Gruppe hat sich inzwischen aufgelöst und ich bin mit meinen neuen Gruppen sehr glücklich. Im Nachhinein hätte ich da früher den Schlußstrich ziehen müssen aber die Angst plötzlich gar keine Rollenspielgruppe mehr zu haben war zu groß.

Letztlich müßt du/ihr selbst entscheiden ob und wie weit ihr die Gruppe retten könnt oder ob das das Elend nur verlängert.

Offline Deep One

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #27 am: 9.07.2018 | 21:21 »
Re. Beyond The Wall, auf der (englischen) Seite von flatlandgames hier gibt es diverse Gratis-Playbooks zum downloaden, entweder direkt oder über drivethrurpg für umme. Kann jede/r Interessierte sich einen Eindruck verschaffen, wie die aufgebaut sind.

Offline Maarzan

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #28 am: 10.07.2018 | 18:06 »
@Runenstahl
Absprache unter den Spielern hilft ZUSÄTZLICHE Probleme unter den Spielern zu vermeiden, aber ansonsten laufen dann eben alle in die falsche Richtung.

A- Aber welche Art von Abenteuer? Und nicht jedes Spiel ist eigentlich nur darauf ausgelegt : Hauptsache töten.
Und mit der Entscheidung sich irgendwie zu betätigen ist es ja nicht getan. Als Fisch im falschen Teich ist dann eben ständig das Problem, dass "Was soll ich hier" nicht sinnvoll beantwortet werden kann. Und letztlich läuft dein Vorschlag darauf hinaus, dass es eben kein Rollenspiel mehr ist, sondern "pöpel Nr7" bewegt sich zum gewinnen - bzw. bleibt mangels Persönlichkeit genau Killen und Looten noch übrig .

B - Es ist nicht nur Kampf, wo dann Qualifikationen fehlen. Wobei das oft auch der Wahl des Spielsystems zuzuschreiben ist. Dazu werden wegen der Geheimniskkrämerei die Charaktere auch oft auf den letzten Drücker am Spielabend selbst noch gemacht, manchmal gar nur aus den Archetypen gewählt und dann kommen halt "Kinder" bei raus.

C- Einseitige aka singulär überzüchtete Charaktere kann ich hier nahezu vollständig ausschließen.

E - Es läuft halt nicht nur bei einem SL falsch - es ist die Kette solcher Erlebnisse, die mir da aufgestoßen ist und dass das seltsamerweise scheinbar gruppenübergreifend System hat.

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Offline Runenstahl

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #29 am: 10.07.2018 | 22:31 »
Maarzan
Am relevantesten für Dich sind vielleicht nicht die genannten Einzelpunkte sondern die Abschnitte danach.

Offline Maarzan

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #30 am: 12.07.2018 | 17:23 »
Maarzan
Am relevantesten für Dich sind vielleicht nicht die genannten Einzelpunkte sondern die Abschnitte danach.

Ich habe nicht nach einer Lösung für meine Runde(n, die teilweise Jahrzehnte zurückliegen) gefragt, sondern nach einer Erklärung, wo dieses Verhalten herkommen könnte.

Inzwischen habe ich folgende Ansätze:
a) Faulheit - Ausbleibende Kommunikation muss nicht zwingend zu Problemen führen - also kann man auch hoffen und sich drum kümmern, wenn es denn so weit ist.
b) Spielermangel
i) solche Abfragen verkomplizieren den Einstieg. Es kommt Abstimmungsarbeit lange vor dem Spielspaß. Das schreckt manche Spieler ab.
ii) es kann Informationen/Vorgaben beinhalten, welche Spieler zum Abspringen veranlassen könnten. Mit etwas Investment in Charakter und Gruppe fällt es oft doch schwer dann den Schlussstrich zu ziehen, so dass eien spätere Kröte oft eher geschluckt wird.
c) Unwissenheit - manchmal hat sich entweder generell über Probleme noch keine Gedanken gemacht oder hat eh vor zu improvisieren und der SL weis es selbst noch nicht besser.

Nicht alles muss gleichzeitig vorliegen und manche Punkte schließen sich sogar aus, könnten aber zur selben Englippigkeit führen.


« Letzte Änderung: 12.07.2018 | 22:47 von Maarzan »
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Offline TaintedMirror

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #31 am: 12.07.2018 | 17:52 »
Nur siehst du halt die Probleme allein auf SL-Seite, wobei ja mehr als nur eine Person am Gelingen eines Spieles beteiligt sein sollte. Vielleicht liegt ja auch da eher die Krux, dass quasi so Vorstellungen von Antiempowerment nicht wirklich mit freien Vorgaben zusammenpasst. Wie gesagt ist meine Erfahrung bisher so gewesen, dass ich die selben Probleme kenne, sie aber eigentlich immer mit der stärkeren Einbeziehung der Spieler lösen konnte. Du versucht das halt nun mit einer Einschränkung der Freiheit über Systemvorgaben. Auch das funktioniert. Ehrlich gesagt hatte ich teilweise die besten Spieleerlebnisse mit Gruppen, deren Charaktere vom SL vorgegeben wurden. Musst dich halt entscheiden, welches von beiden du willst.

Offline Maarzan

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #32 am: 12.07.2018 | 18:24 »
Nur siehst du halt die Probleme allein auf SL-Seite, wobei ja mehr als nur eine Person am Gelingen eines Spieles beteiligt sein sollte. Vielleicht liegt ja auch da eher die Krux, dass quasi so Vorstellungen von Antiempowerment nicht wirklich mit freien Vorgaben zusammenpasst. Wie gesagt ist meine Erfahrung bisher so gewesen, dass ich die selben Probleme kenne, sie aber eigentlich immer mit der stärkeren Einbeziehung der Spieler lösen konnte. Du versucht das halt nun mit einer Einschränkung der Freiheit über Systemvorgaben. Auch das funktioniert. Ehrlich gesagt hatte ich teilweise die besten Spieleerlebnisse mit Gruppen, deren Charaktere vom SL vorgegeben wurden. Musst dich halt entscheiden, welches von beiden du willst.

Nach dem ersten Satz hast du mich leider angehängt. Ich verstehe kein Wort mehr - zumindest in dem Zusammenhang hier.
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Offline Runenstahl

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #33 am: 12.07.2018 | 18:54 »
Ich habe nicht nach einer Lösung... sondenr nach einer Erklärung, wo diess Verhalten herkommen könnte.
Inzwischen habe ich folgende Ansätze:

Sorry, das habe ich dann mißverstanden.
Ja Faulheit ist mMn sogar der größte Punkt. Und zwar von beiden Seiten her. Faulheit der Spieler nicht zumindest ein quentchen Aufwand zu betreiben. Und Faulheit vom SL her sich zu versuchen in die Gruppe einzufühlen.

Dazu kommen dann (ebenfalls von beiden Seiten) noch Sturheit / Arroganz. So habe ich immer schon gespielt + meine ist die einzige Wahre SL / SC Spielweise. Und niemand ist bereit davon ein wenig abzurücken oder zu versuchen die andere Seite zu verstehen. Das sind zum Teil Dinge die man als Anfängerfehler auffassen kann. Aber ich kenne auch SLs ihren tyrannischen Railroadingstil auch in 20+ Jahren nie geändert haben.

Offline Scimi

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #34 am: 12.07.2018 | 18:55 »
Im Prinzip bedeutet es, dass das Problem ist, dass die Spieler einerseits sehr viel Gestaltungsfreiheit bei ihren Charakteren haben, aber die Verantwortung dafür, diese Charaktere im Spiel unterzubringen, allein bei der SL liegt.

Vorschläge dazu sind, entweder a) den Spielern generell mehr Verantwortung für die Geschichte zu geben oder b) den Spielern gleich fertige Charaktere anzubieten, die in die geplante Geschichte passen. Weil es dir im Prinzip darum geht, die Spieler mit einem Regelwerk dazu zu bekommen, "korrekte" Charaktere zu bauen, die zu einer vorgefertigten Geschichte passen.

Offline TaintedMirror

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #35 am: 12.07.2018 | 20:04 »
Im Prinzip bedeutet es, dass das Problem ist, dass die Spieler einerseits sehr viel Gestaltungsfreiheit bei ihren Charakteren haben, aber die Verantwortung dafür, diese Charaktere im Spiel unterzubringen, allein bei der SL liegt.

Vorschläge dazu sind, entweder a) den Spielern generell mehr Verantwortung für die Geschichte zu geben oder b) den Spielern gleich fertige Charaktere anzubieten, die in die geplante Geschichte passen. Weil es dir im Prinzip darum geht, die Spieler mit einem Regelwerk dazu zu bekommen, "korrekte" Charaktere zu bauen, die zu einer vorgefertigten Geschichte passen.

Exakt

Offline Maarzan

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #36 am: 12.07.2018 | 22:50 »
Im Prinzip bedeutet es, dass das Problem ist, dass die Spieler einerseits sehr viel Gestaltungsfreiheit bei ihren Charakteren haben, aber die Verantwortung dafür, diese Charaktere im Spiel unterzubringen, allein bei der SL liegt.

Vorschläge dazu sind, entweder a) den Spielern generell mehr Verantwortung für die Geschichte zu geben oder b) den Spielern gleich fertige Charaktere anzubieten, die in die geplante Geschichte passen. Weil es dir im Prinzip darum geht, die Spieler mit einem Regelwerk dazu zu bekommen, "korrekte" Charaktere zu bauen, die zu einer vorgefertigten Geschichte passen.

Die Spieler können die Verantwortung nicht tragen - außer man man spielt Sandbox und lässt sie proaktiv laufen - weil sie die Geschichte bzw. das geplante Abenteuer noch gar nicht kennen. Und der SL will in dem Fall hier nicht drüber reden. Und meien Frage ist hier: Warum?

Wer ist hier "dir"?
 
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Offline Scimi

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #37 am: 13.07.2018 | 05:18 »
Es geht nicht unbedingt darum, dass Spieler die genaue Geschichte kennen müssen. Aber wenn z.B. ein Spieler eine Menge Punkte darein investiert hat, ein toller Schwimmer zu sein, muss er nicht unbedingt darauf warten, dass die SL diese Fähigkeiten bespaßt. Stattdessen könnte er Vorschläge machen, wie er sein Können sinnvoll einbringen will und der SL könnte dann entsprechend egale Details des Abenteuers ändern, z.b. alles an die Küste verlegen und ein paar Mauern durch Wassergräben und ein paar Gänge durch geflutete Tunnel ersetzen.

Aber egal, eine Geschichte braucht passende Charaktere oder Charaktere eine passende Geschichte. Das muss irgendwie zusammenkommen, sonst kann es leicht schiefgehen.

Wer ist hier "dir"?

Du schlägst doch ein LifePath-System vor, das Spieler praktisch hinterrücks zwingt, für die Geschichte passende Charaktere zu generieren?

Offline bobibob bobsen

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #38 am: 13.07.2018 | 08:32 »
Zitat
Die Spieler können die Verantwortung nicht tragen - außer man man spielt Sandbox und lässt sie proaktiv laufen - weil sie die Geschichte bzw. das geplante Abenteuer noch gar nicht kennen. Und der SL will in dem Fall hier nicht drüber reden. Und meien Frage ist hier: Warum?

Für mich kann das zwei Gründe haben:
1) die Planung ist beim SL noch gar nicht so weit das er euch Informationen geben kann. Sprich er ist sich nicht sicher was er bespielen will.
2) Er möchte euch überraschen. Was ich persönlich nicht mag. Viele SL meinen aber daraus etwas tolles zu generieren.

Ich persönlich mag es am liebsten wenn man grob abschätzen kann was einen erwartet. Dann kann man immer noch überrascht werden. Kein SL bricht sich einen Zacken aus der krone wenn er seinen Mitspielern vorab erzählt das er einen Living Dungeon bespielen will oder ein Ermittlungsabenteuer mit einigen Kämpfen.

Offline Anro

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #39 am: 13.07.2018 | 10:12 »
Thema Überraschen:
Es ist im Normalfall ungünstig, wenn man Leute überrascht und aus einem Abenteuer der einen Coleur plötzlich ein ganz anderer Weg aufgeht. Man hat sich ja schon irgendwie Erwartungen aufgebaut, die man erfüllt haben will.
Es kann unter Umständen aber sehr spannend sein, braucht dann aber wohl eine bekannte Gruppe und eine gute Einschätzung.
Thema Informationsreduktion zu Gunsten von Traumcharakteren
Am Abenteuerstart will man vielleicht, dass die Charaktere nicht taylormade sind, sondern etwas unbeholfen in diese Situation geschmissen wirken. Aber auch das könnte man sagen. Man will ja auch oft nicht vorgeben - vor allem bei längeren Kampagnen, wie die Charaktere zu sein haben - Das sollen ja die Traum-Matches der Spieler sein, mit denen DIE sich wohl fühlen.
Um so mehr, wenn es um eine Gruppe geht, die einmal im Monat spielt und daher ein gezwungener Charakter wirklich schmerzt, durch die lange RL-Zeit-Bindung.
Thema Abenteuer schreiben
Eine Gruppe kann auf ein Abenteuer zugeschnitten sein. Aber auch ein Abenteuer auf eine Gruppe. Dafür braucht man natürlich eine Gruppe.

Als Beispiel: Ich sollte ein Abenteuer leiten und hatte keins vorbereitet (keine Ahnung mehr, warum, der SL hatte glaube ich nen rauhen Hals und wollte daher nicht viel sprechen). Ich wusste, dass ein Charakter ein Priester eines Totengottes war. Also hatte ich einen Aufhänger - Er hatte die anderen - zu denen passte das auch - rekrutiert um einen adeligen Leichnam zu eskortieren. Daraus entwickelte sich dann die Geschichte, die ich zusätzlich mit dem Hintergrund einer anderen Person verknüpfen konnte.
So lassen sich Abenteuer sehr "persönlich" gestalten, so dass die Charaktere oft gar keine Wahl haben, als emotional zu werden. (Denn deren Charakter ist ja so.)
Wenn man also einen Schwimmer hat, dann kann man vielleicht bewusst seine Kreativität ans Wasser treiben lassen. Wenn man einen Viehbauern hat, der von daheim ausriss, dann findet ihn vielleicht die Schwester, die auch weg gelaufen ist und erzählt von einer seltsamen Krankheit, die Menschen zu Wutausbrüchen bringt.
Die Gruppe zu kennen kann eine unglaubliche Erleichterung sein, beim Kreieren einer interessanten Situation.


Offline Maarzan

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #40 am: 13.07.2018 | 15:06 »
Es geht nicht unbedingt darum, dass Spieler die genaue Geschichte kennen müssen. Aber wenn z.B. ein Spieler eine Menge Punkte darein investiert hat, ein toller Schwimmer zu sein, muss er nicht unbedingt darauf warten, dass die SL diese Fähigkeiten bespaßt. Stattdessen könnte er Vorschläge machen, wie er sein Können sinnvoll einbringen will und der SL könnte dann entsprechend egale Details des Abenteuers ändern, z.b. alles an die Küste verlegen und ein paar Mauern durch Wassergräben und ein paar Gänge durch geflutete Tunnel ersetzen.

Aber egal, eine Geschichte braucht passende Charaktere oder Charaktere eine passende Geschichte. Das muss irgendwie zusammenkommen, sonst kann es leicht schiefgehen.

Du schlägst doch ein LifePath-System vor, das Spieler praktisch hinterrücks zwingt, für die Geschichte passende Charaktere zu generieren?

Beginenn wir von hinten, denn da kommen wir vermutlich zum Kern des Missverständnisses/der Differenzen:
Ich bin sicher der letzte der "für die Geschichte passend" irgendetwas erzwingt - wobei ggf noch eine deutlich abweichende Vorstellung von "Geschichte" vorliegen kann.
Und ein lifepath hat keinerlei zwingende Auswirkung auf das, was ich jetzt als "Geschichte" bezeichnen würde - wohl aber eben sowohl auf die Plausibilität der Figur auf der einen Seite, wie auch auf die Gruppensituation auf der anderen Seite.
Ihn an eine spezifische Spielstartsituation anzupassen, hat sich bisherigen Erkenntnisstand nach bisher nur als arg arbeitsintensiv und nicht abstrakt vorbereitbar udn daher durch den SL zu leistend herausgestellt.

Letztlich geht es darum ein Spiel unter den gegebenen Umständen möglichst unfallfrei für alle über die Bühne gehen zu lassen. Und das erfordert dann eben auch schon einmal Arbeit. Zu dieser Arbeit gehört vor allem auch die Bereitschaft zum Denken und Kommunizieren üer diese Gruppensituation, denn "Spaß" fällt nicht vom Himmel, sondern ist stattdessen bei den zahlreichen unterschieldichen Spielstilen und Geschmäckern ein gefährdetes bis zerbechliches Gut, welches entsprechend gut gepflegt sein will. Dazu sind des Weiteren eben nicht alle Spielstile und Geschmäcker kompatibel und irgendwo endet dann der "Spaß" für die eine oder andere Seite, wenn das Pendel zu stark in die für sie falsche Richtung ausschlägt.

Praktisch daran mitarbeiten kann ich - mit eigener Vorarbeit, Anpassung oder auch der Beteiligung an einer Kompromissfindung- nur dann, wenn die andere Seite auch entsprechend bereit ist darüber zu reden, und sei es, dass ich dann rechtzeitig passen kann.
 
Und das wird hier eben regelmäßig massiv torpediert.
Innerhalb des Erträglichen wird eh nahezu jeder konstruktiv Beteiligte nach möglichen Kompromissen und Interpretationsmöglcihkeiten Ausschau halten, denn das beinhaltet dann ja auch seine Beteiligung an dem Spiel. Irgendwo ist "Beteiligung" in der sich dann ergebenden Form aber eben kein "Spaß" mehr und damit das dafür notwendige Nachgeben/interpretieren keine Option mehr, da hier der eigene Spielspaß eben zu stark auf der Strecke geblieben ist.
Und genau diese Situation wäre zu einem erheblichen Teil vermeidbar, wenn vorher rechtzeitig gesprochen wird.

Und da war hier die Frage: Wieso fällt das bei so vielen trotzdem auf taube Ohren?



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Offline Runenstahl

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #41 am: 13.07.2018 | 17:14 »
Weil Menschen Dumm und Faul sind.

Offline Scimi

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #42 am: 13.07.2018 | 17:42 »
Weil Kommunikation gelernt werden muss und Kooperation zuerst einmal das Vertrauen braucht, dass ich besser dran bin, wenn ich meine Karten auf den Tisch lege und Zugeständnisse mache, als wenn ich nur nach meinem Vorteil gehe. Nicht nur im Rollenspiel, sondern auch in der Familie, am Arbeitsplatz, im Freundeskreis etc.

Offline pharyon

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Re: Startvorgaben/dilemmas
« Antwort #43 am: 13.07.2018 | 18:42 »
Kognitive Dissonant, Johari-fenster, fundamentaler Attributionsfehler, mangelnder Common Ground und kognitiver Geizhals könnten Ursachen für die von dir genannten Probleme sein. Komme aber gerade nicht zum Verlinken. Morgen mehr.

Grüße,

p^^
"Natürlich werden sie ihn foltern - es sind PRAIOS-Geweihte!" (vielen Dank, Kristin ^^)

"Lassen Sie uns die leichten Raumanzüge anziehen - schließlich wollen wir ja nicht ins All." (Danke, Bob Miller und Koloth, Sohn des Rodoth)