Autor Thema: [Mythras] Faszination Thennla  (Gelesen 1196 mal)

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Offline Swafnir

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Re: [Mythras] Faszination Thennla
« Antwort #25 am: 26.09.2019 | 15:52 »
Gut, dass ich gleich alle drei Bände geholt hab  ;)
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Offline Leonidas

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Re: [Mythras] Faszination Thennla
« Antwort #26 am: 26.09.2019 | 17:10 »
Wichtig für Thennla-Spieler ist auch das Heft Thennla-Eine Kampagnen-Welt für Mythras, weil dort die Kampfstile der einzelnen Völker bequem aufgeschlüsselt sind. In Küsten von Korantia sind die Kampfstile namentlich zwar genannt aber die Aufschlüsselung in die Waffen fehlt oder ist nicht sofort einsichtig.

Das ist wirklich ein wichtiger Hinweis, der wäre m.M.n. auch in den Büchern gut aufgehoben. Für „Das Taskanische Imperium“ gilt das von Prinz Slasar zu den Kampfstilen Gesagte ebenfalls.
« Letzte Änderung: 26.09.2019 | 17:12 von Leonidas »

Offline Leonidas

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Re: [Mythras] Faszination Thennla
« Antwort #27 am: 26.09.2019 | 17:17 »
16. Irdische Äquivalente der Thennla-Völker

[…]

Taskanisches Imperium: : Partherreich der Arsakiden [3. Jh. v. Chr. - 3. Jh. n.Chr.] sowie Hellenistische Epoche [330 - 30 v.Chr.] mit Schwerpunkt auf die späthellenistische Epoche, als sich Rom manifestierte und das ptolemäische Ägypten erobert wurde.

[…]

[Quelle:
"Here's a quick summary of the most often encountered ones:
Korantia - Late Classical/Hellenistic Greek, smattering of Etruscan, Italic etc
Taskan Empire - Hellenistic/Parthian
Thennalts - Archaic Greece/Italy/Anatolia, Greek 'ethne' rather than 'polis' cultures; a little bit of Thracian
Archipelagans - Late Bronze Age (LHIIIC)/ Dark Age Aegean
Assabia, Djesmirket etc - pre-Islamic middle east; central Asia; Arabian Nights
Uxmal - Meso American (very loosely, more of a visual than anything)
";
Autor Jonathan Drake]

[1] "There's no real historical reference point I'm aware of for a matriarchal (rather than matrilineal) society. So the underlying assumption is that it's a state that depends on oppression and secrecy to maintain the status quo because it is so different to everywhere else - and it is always an intriguing, exotic place to outsiders nonetheless." [Jonathan Drake]


Was wären denn beispielsweise Elemente des Taskanischen Imperiums, die auf die Parther referenzieren?

Offline Prinz Slasar

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Re: [Mythras] Faszination Thennla
« Antwort #28 am: 26.09.2019 | 17:43 »
Das ist wirklich ein wichtiger Hinweis, der wäre m.M.n. auch in den Büchern gut aufgehoben. Für „Das Taskanische Imperium“ gilt das von Prinz Slasar zu den Kampfstilen Gesagte ebenfalls.

Es gibt hier eine Ausnahme: die Eskar/Scheng. Sie werden im Thennla-Heft nicht aufgegriffen, sodass ihre Kampfstile [Kundschafter/Scout, Pferdekrieger/Horse Warrior, Panzerreiter/Cataphract] nicht aufgeschlüsselt sind.

Die Aufschlüsselung erfolgt wiederum im Einzelabenteuer Khakun erwacht. Die dort gelisteten Scheng-NSC haben Bogenschütze und Lanzier. Hierbei entspricht der Kampfstil Bogenschütze dem Kampfstil Pferdekrieger und der Kampfstil Lanzier dem Kampfstil Panzerreiter.

Alternativ kann man sich auch von den Kampfstilen aus dem Dokument "90 Generic Combat Styles"  bedienen. Hier gibt es den Kampfstil Hyrkanian Horse Archer für den Pferdekrieger und den Kampfstil Hyrkanian Lancer / Cataphract für den Lanzier/Panzerreiter. [beide jeweils S. 9]
Es müssen nur ggf. die Waffen leicht angepasst werden.

Für den Kampfstil Eskar Kundschafter könnte man dann einfach auch den Kampfstil Bogenschütze aus dem Abenteuer verwenden und ihm ein Kampfstilmerkmal geben, das passt: z.B. Tierpartner.

Um die Kataphrakten noch mehr zu pimpen oder meinetwegen von den Lanziers abzugrenzen könnte man ihnen das zusätzliche Kampfstilmerkmal Lanzenreiter verpassen.





« Letzte Änderung: 26.09.2019 | 17:59 von Prinz Slasar »

Offline Prinz Slasar

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Re: [Mythras] Faszination Thennla
« Antwort #29 am: 26.09.2019 | 19:30 »

Was wären denn beispielsweise Elemente des Taskanischen Imperiums, die auf die Parther referenzieren?

Ich bin kein Historiker und habe nur die Vorgaben des Autors paraphrasiert und historisch präziser eingeordnet, aber wenn ich mir den Wiki-Artikel zum Partherreich vornehme:

Das Partherreich der Arsakiden war die dominierende Macht des ersten vorchristlichen sowie des ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhunderts im Iran und Mesopotamien.

Passt, bezogen auf die historische Einordnung der Thennla-Welt und den geografischen Ausschnitt der Erdgeschichte.

[...]ein Reich aufbaute, das zur Zeit der größten Ausdehnung auch große Teile Mesopotamiens, des südwestlichen Mittelasiens und einiger angrenzender Gebiete, einschließlich einiger griechischer Poleis, umfasste.

Passt, wenn man sich anschaut, welche Thennla-Länder mit ihren irdischen Äquivalenten vom Taskanischen Imperium umfasst werden.

Arsakes I., der Gründer des Partherreiches und auch einige Elemente der Dynastiegeschichte erinnern ein wenig an den taskanischen Imperator.

Die geografische und machtpolitische Lage des Partherreiches am Kaspischen Meer ähnelt derjenigen des Taskanischen Imperiums am Golf von Taskay.

Das von den Parthern eroberte Gebiet war überwiegend nur recht oberflächlich hellenisiert worden. Dennoch gab es Regionen, in denen ein starker griechischer Einfluss bemerkbar war, vor allem in einigen Städten (Poleis).

Entspricht der "Hellenisierung" des Taskanischen Imperiums, das seine Politische Philosophie und Kultur nur schwach und reduziert auf die urbanen Zentren ausweitet.

Die Parther übernahmen bald die griechische Münzprägung, und Griechisch war lange Zeit eine der Verwaltungssprachen.


Passt, da das Taskanische Imperium im ersten Schritt die korantische Kultur "besitzt" und darauf aufgebaut haben. Z.B. gibt es zwar eine taskanische Währung, aber die korantische Münze ist weiterhin das Richtmaß.

Überhaupt verbanden sich im Partherreich vielfach iranische und griechisch-seleukidische Traditionen.

Das Taskanische Imperium ist eine Mischung aus Hellenismus und mesopotamischen [iranischen] Wurzeln.

[...]letztlich aufgrund des Einbruchs von Steppenvölkern aus Mittelasien, die eine ständige Bedrohung darstellten; auch die Parther sollten später an dieser Grenze in teils schwere Abwehrkämpfe verwickelt werden.

Das Taskanische Imperium wird ständig von den Steppenvölkern der Scheng bedroht und müssen Abwehrkämpfe fechten; besonders brisant seit 20 Jahren der Abwehrkampf im nördlichen Bereich.

Dies war ein entscheidender Schritt, denn das reiche Land zwischen Euphrat und Tigris stattete vor allem die Krone mit erheblichen Machtmitteln aus.

Das Zweistromland ist im Taskanischen Imperium das Einstromland des Beschor. Der Beschor mit seiner Grenze hat Ähnlichkeit mit der Euphrat-Grenze der Parther.

Bei diesen Partherkriegen zeigte sich oft dasselbe Schema: Falls die Offensive (wie vermutlich 161) von den Arsakiden ausging, folgte einem parthischen Vorstoß, teils bis tief nach Syrien und Armenien hinein

Das Taskanische Imperium kämpft an der assabischen Front in Gebieten, die an Syrien und Armenien erinnern.

Doch auch die Abwehrkämpfe gegen die Steppenvölker (Saken, Kuschan) an der Nordostgrenze stellten eine ständige Belastung für das Reich dar, dessen König nur über relativ geringe Einnahmemöglichkeiten – wie etwa Zölle – verfügte.

Kuschan [irdisch], Kitan-Steppe [Thennla], die im Nordosten des Taskanischen Imperiums liegt.

[...]wurde 115 v. Chr. die Seidenstraße „eröffnet“: Eine Delegation des chinesischen Kaisers Han Wudi machte ihre Aufwartung.

Die Seidenstraße des Taskanischen Imperiums führt zum Sultanat Jelhai in Assabia.

Die militärische Macht der Parther lag im massiven Einsatz berittener Bogenschützen (siehe auch Parthisches Manöver) und in ihrer schweren Kavallerie, den Kataphraktoi und Klibanophoroi, begründet. Allerdings sind keine detaillierten Berichte über das parthische Militärwesen erhalten.

Die Kataphrakten des Taskanische Imperiums sind die Eskar, die unterworfenen Steppenbarbaren.
Die Furien des Imperators ähneln des Klibanophoroi der Parther.

Innenpolitisch war das Partherreich ein Feudalstaat, in dem sich dynastische Unterfürstentümer (z. B. Armenien, Charakene, Elymais, Atropatene Media) herausbildeten. Die Zentralregierung war offenbar nur recht schwach ausgeprägt (trotz eines Königsrats), und die Macht der großen Adelshäuser war beträchtlich, sogar am Hofe des Königs; die ewigen Kämpfe zwischen König und Adel mögen auch mit ein Grund für den letztendlichen Niedergang des Partherreiches gewesen sein.

Entspricht genau dem Taskanischen Imperium. Besonders die Intrigen zwischen Adligen am Hofe sind passend. Nicht umsonst hie das ursprüngliche Supplement "Age of Treason".

Der parthische Großkönig entspricht dem Imperator.

Kulturell und religiös zeigten die Parther eine große Toleranz, auch wenn die Könige eine besondere Nähe zum Zoroastrismus zeigten, und waren vor allem der hellenistischen Kultur gegenüber sehr aufgeschlossen.

Ähnelt dem Taskanischen Imperium, das ein komplexes Staatspantehon kennt aber auch viele inkludierte Fremdkulte. Zusätzlich werden fremde Götter beschwichtigt und schlafen gelegt [Inklusion] statt vernichtet [Exlusion]

Der ganze Bereich zur Wirtschaft des Partherreiches passt sehr gut zum Taskanischen Imperium.
Auch im Kunstbereich sehe ich Bezüge, vor allem da die Parther sich an den Griechen und an Vorder- und Mittelasien orientierten.

Das waren jetzt die spontanen Ähnlichkeiten, wenn man die Parther-Beschreibung mal neben das Taskanische Imperium legt.

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Bei dem oben genannten Taskaner-Äquivalent zum Späthellenismus gibt es Ähnlichkeiten zwischen dem Imperator [oder sogar seinem Vizekönig] und Alexander dem Großen sowie Makedonien.
Geografische Lage von Makedonien ähnelt hier auch dem Taskanischen Imperium, sodass man das hellenistische Äquivalent zum Imperium in Makedonien finden kann.
Das Schwarze Meer hätte hier Ähnlichkeiten mit dem Golf von Taskay. Auch das Reich der Hellenen reichte bis nach Indien. Soweit sind die Taskaner noch nicht, aber das indische Äquivalent Thennlas ist an der südöstlichen Peripherie. Den eroberten "Orient" hat man mit den annektierten assabischen Nationen.

Der Eroberungsfeldzug der Taskaner in die Korasuhn-Wüste und die umliegenden Wüstenstaaten ähnelt dem Feldzug der Hellenen gegen das Reich der ägyptischen Ptolemäer.
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Offline Leonidas

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Re: [Mythras] Faszination Thennla
« Antwort #30 am: 26.09.2019 | 20:32 »
Ja stimmt, da passt einiges, insbesondere geografisch.

Schade, dass die Nomenklatur dabei nicht etwas konsistenter pseudo-antik-persisch erscheint; ich stolpere da insbesondere über die lateinischen Bezeichnungen, zB Diözese, Flamen oder auch Imperator, für letzteres hätte ich z.B. Schah, Großkönig oder König der Könige vorgezogen. Auch Begriffe wie Muskete, Graf oder Galeone erwecken bei mir doch eher unpassende Assoziationen.

Das ist aber natürlich nichts, das man nicht ignorieren oder ändern könnte.

Offline Prinz Slasar

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Re: [Mythras] Faszination Thennla
« Antwort #31 am: 26.09.2019 | 22:26 »
Schade, dass die Nomenklatur dabei nicht etwas konsistenter pseudo-antik-persisch erscheint; ich stolpere da insbesondere über die lateinischen Bezeichnungen, zB Diözese, Flamen oder auch Imperator, für letzteres hätte ich z.B. Schah, Großkönig oder König der Könige vorgezogen. Auch Begriffe wie Muskete, Graf oder Galeone erwecken bei mir doch eher unpassende Assoziationen.

Das ist aber natürlich nichts, das man nicht ignorieren oder ändern könnte.

Ich glaube das hat mit der Entstehung des Settings zu tun. Auf einem spanischen Blog hat ein MYTHRAS-Spieler die frappierende Ähnlichkeit zwischen Fierla/Zarland, der Insel im Zentrum von Thennla und dem RQ3-Modul Griffin Island, der glorantha-losen, generischen und teilweise auch EDO-fizierten Griffin Mountain-Version, herausgearbeitet.
Der Blogautor weist diverse Ähnlichkeiten nach und sieht sogar die Thennla-Orks bereits in Griffin Island verankert. Auch Aspekte wie der Sonnengott u.a. leiten sich von Griffin Island her.

Wenn man nun die Zentralposition von Fierla/Zarland auf der Weltkarte betrachtet, sich die Anordnung der Kontinente ansieht und bemerkt, dass sich von 6 Kontinenten nur einer als tatsächlich ausgearbeitetes Setting darstellt, kann man wiederum die Konstruktion von Thennla nachzeichnen.

Ebenso finden sich einige Anleihen an Glorantha, wie z.B. der am Himmel verankerte, stationäre Mond.

D.h., Jonathan Drake wird sicher mit seiner damaligen Rollenspielrunde 1986 mit Griffin Island [RQ3] gestartet sein und von dort aus die Welt entdeckt haben. Der Kontinent, auf dem gespielt wurde, der war wohl Taygus. Derjenige, der nun der hauptsächlich zivilisierte ist.

Wann Jonathan Drake den genauen Entschluss gefasst hatte, dass Thennla diese präzisen historischen Anleihen [siehe vorige Beiträge] besitzt, wissen wir nicht. Aber wir können in etwa nachvollziehen, dass der Ursprung von Thennla wohl beim Griffin Island-Supplement von RQ3 liegt und auf dem Kontinent Taygus wohl die weitere Hauskampagne oder die Kampagnen von Herrn Drake stattfanden. Gut möglich, dass er für seine Heimkampagne einfach die Begriffe "Baron", "Graf" und "Imperator", "Flamen" usw. verwendet hatte.

Thennla ist hier wie jede langsam gewachsene Hintergrundwelt: Statt eines Reißbrettsettings, das minuziös entwickelt wurde, finden sich darin kreative Artefakte aus verschiedenen Quellen, die dann zu Stilbrüchen führen oder historischen Ungenauigkeiten bei der Passform.
Ähnliches kennen wir in größerem Maßstab bei Glorantha: Der ziemlich mittelalterliche ursprüngliche Westen des Hauptkontinentes mit christlichen Bezügen wurde irgendwann nach Jahrzehnten ausradiert und durch Stimmigeres ersetzt.
Erst seit Kurzem hat Jeff Richard die "altgermanischen" Begriffe der sartaritischen Gesellschaft wie z.B. "Godhi" für Priester, "Thrall" für Sklaven ersetzt durch neutrale englische Begriffe.

Ich gebe Dir natürlich recht, dass man Thennla mit einigen Umbezeichnungen noch historisch echter erscheinen lassen könnte.


Offline Leonidas

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Re: [Mythras] Faszination Thennla
« Antwort #32 am: 27.09.2019 | 08:13 »
Ah, ja, die Annahme, dass es sich beim Taskanischen Imperium um ein gewachsenes Setting handelt, würde einiges erklären und ein Retcon ist ja auch nicht jedermanns Sache.
Ist „Shores of Korantia“ als eigener Band dann wohl etwas reißbrettartiger entstanden? Das würde jedenfalls passen, denn Korantia weist eine homogenere Nomenklatur auf.

Offline Prinz Slasar

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Re: [Mythras] Faszination Thennla
« Antwort #33 am: 27.09.2019 | 13:18 »
Ah, ja, die Annahme, dass es sich beim Taskanischen Imperium um ein gewachsenes Setting handelt, würde einiges erklären und ein Retcon ist ja auch nicht jedermanns Sache.
Ist „Shores of Korantia“ als eigener Band dann wohl etwas reißbrettartiger entstanden? Das würde jedenfalls passen, denn Korantia weist eine homogenere Nomenklatur auf.

Ich hatte mich jüngst mit der Entwicklung des Thennla-Settings beschäftigt und mich dabei vor allem an den LEGEND-Produkten orientiert, und was der Autor hierzu in sozialen Netzwerken schreibt. Informativer ist darüber hinaus der Thennla-Blog von Jonathan Drake, den man nur noch via Wayback Machine rekonstruieren kann [und trotz der Rekonstruktion auf hinreichend viele Unterseiten gelangt für ein rundes Bild].

Zusammengefasst:
Herr Drake hat einen Postgradualen M.A. in Antikgeschichte, ist also Fachmann für die historische Epoche seines Thennla-Settings. Außerdem ist er passionierter Glorantha-Spieler, und das Glorantha-Setting dürfte damit nicht nur sein damaliger Einstieg ins RPG-Leben gewesen sein, sondern Glorantha hat definitiv auch seine eigene Welt stark beeinflusst. Wo sich die Bezüge finden: siehe vorige Postings.

Den Ausgangspunkt von Thennla finden wir im Thennla-Bereich des Taskanischen Imperiums. Hierfür wurde zuerst eine Settingbeschreibung, damals für LEGEND Mongoose, herausgegeben. Die anderen Länder um das Imperium herum waren damals eher rudimentär bekannt.

Im Taskanischen Imperium hatte Herr Drake dann jahrelange Hausrunden und Online-Runden, über die auf seinem AgeOfTreason-Blog Auskunft gegeben wurde.
Wir sehen dort, dass viele Abenteuer, die später in Thennla-Quellenbüchern auftraten, bereits im Vorfeld extensiv in Online- und Hausrunden bespielt und erkundet wurden.
D.h., alle Kampagnen und Szenarien, die es zu Thennla gibt [die beiden Einzelabenteuer mal außenvor gelassen] speisen sich aus tatsächlichen Tisch- und Onlinerunden des Autors.

Interessant für Deine Fragestellung ist, dass Herr Drake tatsächlich die Korantia-Region nachträglich entwickelte, denn er gibt an, dass er nun an Korantia schreibe. Es gab einen early draft der Korantischen Historie, und viele Aspekte von Korantia wurden erst nach und nach über gespielte Abenteuer und Kampagnen entdeckt. Der Stadtstaat Tyrta, den wir als ausgearbeiteten Kern-Ort der Korantia-Kampagne im Buch finden, war auch der zentrale Ort seiner Korantia-Onlinerunde.

Auch Sorandib, das ein eigenes Quellenbuch nun bei MYTHRAS hat, war Gegenstand vieler Haus- und Onlinerunden.

Alles bestätigt insofern Deine Annahme, dass Korantia selbst später entwickelt wurde als das Taskanische Imperium, zumindest was die ganzen Details betrifft.

Dazu muss man allerdings auch bedenken, wie sehr sich die Autorenarbeit für Mongoose von der Autorenarbeit für The Design Mechanism unterscheidet.
Mongoose hatte drastische Deadlines für Autoren, und viele Bücher wurden komplett innerhalb von 2 Monaten geschrieben, gelayoutet, bebildert und gedruckt. Unter diesen harschen Publikationsrichtlinien ist es schon erstaunlich, was Lawrence Whitaker und andere trotzallem für Qualität abliefern konnten.
Diese Arbeitsweise unter Mongoose ist der Umstand für die oft genannte schlechte Qualität der Mongoose-Bücher.
Das betrifft auch in gewisser Weise die Age of Treason-Sachen von Herrr Drake, die organisatorisch katastrophal sind, also extrem rushed.

Nun sind Whitaker und Nash, die damals für Mongoose arbeiteten, mit eigenem Verlag gestartet. Traumatisiert von den Mongoose-Arbeitsweisen und geleitet von ihrem eigenen hohen Anspruch an die Qualität von RPG-Produkten führten bei The Design Mechanism zu einem völlig anderen Tätigsein; was sich wiederum auf die Qualität der Produkte auswirkte.
Daher ist Küsten von Korantia ein viel besser organisiertes Buch als die LEGEND-Geschichten, wo alles ineinander greift; auch die ganze Kampagne und die Abenteuer sind aus Designperspektive sehr gut und clever gemacht.

Die höhere Qualität von Küsten von Korantia gegenüber den LEGEND-Sachen [und Das Taskanische Imperium ist quasi eine Auslagerung von bestimmtem AgeOfTreason-Material] führt dann zum Urteil, dass bei Korantia mehr "Reißbrett" sei als bei dem Imperium.

Das Ganze was ich weiter oben geschrieben habe erklärt auch, warum wir so lange auf die Quellenbücher zu Assabia und zur Jekarrenischen Theokratie warten. Hierfür gibt es bisher keine Online-Runden [und Hausrunden?], aus denen dann diese Quellenbücher entwickelt werden. Es existiert ja nichteinmal mehr der Thennla-Blog des Autors.

Thennla ist insofern alles andere als Reißbrett, weil sich das Setting nicht aus dem Lehnstuhl eines eremitischen Theoretikers entwickelt, sondern praktisch aus konkreten Tisch- und Onlinerunden.
Gleichzeitig kann man aber wiederum dem Autor nicht vorwerfen, er sei unwissend oder nachlässig beim Schreiben seiner Welt, denn Jonathan Drake ist studierter Experte für eben genau die historische Epoche, in der sein Setting aufgestellt ist.

« Letzte Änderung: 27.09.2019 | 13:29 von Prinz Slasar »