Autor Thema: [Archipelago] Afghanistan, mon amour  (Gelesen 605 mal)

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Offline Chiarina

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[Archipelago] Afghanistan, mon amour
« am: 12.11.2018 | 19:16 »
Es ist so weit: Wir haben mit einer Archipelago-Kampagne begonnen. Ich habe lange auf diesen Moment gewartet und bin gespannt, wie sich die Sache entwickelt. Wir spielen in den 1920er Jahren. Eine archäologische Expedition begibt sich kurz nach dem Abzug der britischen Besatzer im afghanischen Hinterland etwa 60 Kilometer südsüdöstlich von Kabul auf Schatzsuche.

Die Expeditionsteilnehmer:

Algernon Pruneault, Expeditionsleiter: 30 Jahre, aus Paris, gehobene Mittelschicht, trägt gepflegten und stattlichen Schnauzbart, bemüht sich, stets galant zu sein.

Algernon hat Altertumskunde an der Sorbonne studiert. Während seines Studiums arbeitete er als Hilfskraft im Musée Guimet, einem Museum für asiatische Kunst, und stieß dort eines Tages im Lager auf eine alte Landkarte aus Afghanistan, auf der vielleicht 50 Kilometer von einem Dorf namens Mir Zakah entfernt ein Hinweis auf einen Schatz zu finden war. Algernon hat diese Karte heimlich an sich gebracht. Leider ist sie – wie für antike Karten üblich – sehr ungenau.
Nach Abschluss seines Studiums hat er sich eine Weile um Sponsoren für eine Expedition nach Afghanistan bemüht. Währenddessen bildet er sich im Bereich der Anthropologie weiter. Besonders fasziniert ihn die Tradition der afghanischen Wahrsager und Amuletteschreiber. Algernon hofft, dem Schatz von Mir Zakah auf die Spur zu kommen. Wenn es dabei Schwierigkeiten geben sollte, dann wird er nicht zögern, Kontakt zu den lokalen Vertretern der volksmagischen Traditionen aufzunehmen. Er ist überzeugt, dass er den Schatz spätestens mit den entsprechenden Omen und Amuletten ausgerüstet bergen wird.

Algernon Schwäche ist die ausschweifende Pariser Lebensart, die er auf Reisen so gut wie möglich durch regionale Gelegenheiten zu kompensieren versucht: Frauen, Absinth, Chansons (aka "Sex and Drugs and Rock´n´Roll").

Inzwischen hat Algernon einen ersten Erfolg erzielt: Sponsoren haben ihm eine Expedition ermöglicht. Er weiß aber, dass das Geld nicht ewig fließt. Von daher steht er durchaus unter Erfolgsdruck.

Rungholt Wilhelm Friedrich von Junzt, Finanzier: 49 Jahre

Rungholt ist reicher Nachfahre des Autors eines berüchtigten Nachschlagewerks zu okkulten Dingen.

Er machte sein Geld durch die Gebühren der Benutzung der Sammlung von Junzt zu magischen, mystischen und mysteriösen Dingen und durch Termingeschäfte.

Er lebt eher zurückgezogen inmitten seiner Schriften, da er Menschen gegenüber sehr misstrauisch ist. Er hat die Fähigkeit/den Fluch in vielen Dingen Muster zu sehen, die anderen verborgen bleiben und ein untrügliches Gedächtnis für (scheinbar) unwichtige Details. Beide Eigenschaften helfen ihm bei der Entzifferung von Sprachen und Codes, steigern allerdings auch seine allgegenwärtige Paranoia.

Rungholt kennt Algernon, da dieser im Zusammenhang mit seinen Recherchen über Afghanistan einige Male seiner Schriftensammlung bedient hat.

Nachdem der handschriftlich korrigierte Vordruck des Buches "Von unaussprechlichen Kulten" zusammen mit weiteren Dokumenten, die Afghanistan thematisieren, entwendet wurde, beschloss er, sich das Werk zurückzuholen, finanzierte den Löwenanteil von Algernons Expedition und beschloss, selbst mitzureisen.

Derzeit schreibt Rungholt an seinem eigenen magnum opus: "Von noch viel unaussprechlicheren Kulten"

Gregory „Greg“ Hollister, Wachmann: 26 Jahre, aus London

Greg diente als Soldat in der British Expeditionary Force unter Douglas Haig. Als einfacher Infanterist konnte er sich lediglich durch sein Talent mit dem Repetiergewehr Lee-Enfield hervortun. In der britischen Schlussoffensive an der Acre erlitt Greg schwere Traumata und wurde schließlich von einem Giftgasangriff schwer verwundet und vom Dienst befreit. Seit diesem Erlebnis beruhigt es ihn, sich mit seinem Gewehr zu beschäftigen. Er putzt und pflegt es weit öfter als nötig.

Zurück in der Heimat pflegte ihn seine Schwester Margaret gesund. Außerdem wurde ihm eine Maske angefertigt, um seine verstümmelten Gesichtsteile zu verdecken. Seine fremdartige, zuweilen abstoßende Erscheinung machte ihn weder bei Frauen noch Arbeitgebern beliebt. Mittellos und ohne Aussicht auf ein ehrliches Leben, rutschte er in die Londoner Unterwelt ab. Nach einem verpfuschten Mordauftrag musste Greg aus London fliehen.

In Paris erzählte ihm ein guter Bekannter von einer Expedition nach Afghanistan. Allzu lukrativ schien die Sache nicht zu sein, Greg konnte auf diese Weise aber immerhin genügend Abstand von der Heimat, die nichts für ihn übrig zu haben schien, gewinnen. Greg nahm daraufhin Kontakt mit Algernon Pruneault auf, der sich nicht an seinem Aussehen zu stören schien. Obwohl er keine nennenswerten Kenntnisse der Archäologie vorweisen konnte, gab es etwas, dass Pruneault bewegte, Greg mitzunehmen. Auf seiner Schatzkarte war unter anderem ein Totenschädel mit zerfetztem Unterkiefer abgebildet. War der Soldat mit dieser ganz ähnlichen Versehrtheit ein Wink des Schicksals? Pruneault war jedenfalls sofort bereit dazu, ihn mitzunehmen.

Greg wird in Afghanistan einen alten Bekannten wiedertreffen. Hätte er das vorausgeahnt, hätte er sich möglicherweise nicht für die Expedition gemeldet. Wer dieser alte Bekannte ist, ist derzeit noch unklar.

William Amos Farfield, Pilot: 21 Jahre

Kurz vor dem Ende des ersten Weltkriegs zum Piloten der Royal Air Force ernannt, vorher für die RAF als Mechaniker tätig gewesen. Nach dem Krieg zeitig zur kommerziellen Luftfahrt gewechselt und kurz darauf von der Museumsgesellschaft des British Museum, London, für Expeditionsflüge für Archäologenteams angeheuert worden.

Miranda de Lis, Kulturanthropologin: 28 Jahre, aus gutem Hause

Miranda ist eine der ersten weiblichen Akademikerinnen. Sie hat ihr Medizinstudium abgebrochen und dann Kulturanthropologie / Archäologie studiert. Mehrere Jahre lang war sie Kommilitonin von Algernon. Sie ist eine intelligente, attraktive, ungewöhnlich aussehende, abenteuerlustige und interessierte (ledige) Frau, die im Rahmen ihrer Doktorarbeit mit auf Reisen gehen kann, weil sie Sprachen gepaukt hat und sich mit ihren medizinischen Fähigkeiten nützlich machen kann. Genau aus diesen Gründen hat sie Algernon auch um Unterstützung gebeten.

Rungholt und Miranda sind die einzigen Gruppenmitglieder, die Dari sprechen und sich problemlos mit der afghanischen Bevölkerung unterhalten können.

Elemente der Spielwelt, die wir in die Zuständigkeit der Spieler geben: Mystik, Wildnis, Kultur, Historie, Fremdeinflüsse
« Letzte Änderung: 12.11.2018 | 23:32 von Chiarina »
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Re: [Archipelago] Afghanistan, mon amour
« Antwort #1 am: 12.11.2018 | 19:25 »
1. Sitzung: Von Banditen und Buddhisten

Bestimmungspunkte:

Algernon Pruneault: Sein Erzrivale „Perceval le Duc“ ist ebenfalls in Afghanistan und Algernon erleidet einen schweren Schlag, der seine Mission nur knapp überleben lässt.

Miranda de Lis: Sie entdeckt die Stärke, die in ihr verborgen ist und von der sie keine Ahnung hatte, dass sie existiert.

Gregory Hollister: Seine innere Schönheit wird offenbar.

Rungholt von Junzt: Er tritt durch eine Tür, auf der sich sein Name befindet.

William Farfield: Ein Wahrsager erkennt in ihm eine Gefahr für sein Volk.


Der Donnerpass


Unser Spiel beginnt in Afghanistan auf der Straße zwischen Gardez und der pakistanischen Grenze, etwas 60 Kilometer südsüdöstlich von Kabul. Algernon Pruneaults Karte zeigt sehr ungenau das Dorf Mir Zakah, eine Passtraße und eine Höhle mit einer Buddhastatue. Irgendwo dahinter ist der Schatz eingezeichnet. Gegenwärtig fahren die Reisenden in einem Automobil die schlechte Straße in Richtung Mir Zakah und machen an einer Karawanserei Halt, in der sie auch eine Übernachtungsmöglichkeit bekommen.

Schnell erfahren die Expeditionsteilnehmer vom Wirt, dass eine Weiterreise mit dem Auto von hier aus undenkbar ist. Algernon erfährt außerdem, dass es ratsam ist, sich vor Ort Kamele und Führer zu organisieren. Zudem berichtet der Wirt von einer europäischen Expeditionstruppe, die vor etwa drei Monaten bereits hier Halt gemacht hat. An Namen kann sich der Wirt nicht mehr erinnern. Am nächsten Morgen kümmert sich Algernon um die Kamele, William Farfield und Rungholt von Junzt schauen sich drei Männer an, die sich als Führer anbieten. Der erste Mann heißt Mustafa, besitzt wildes, schwarzes Haar und behauptet, noch die unbedeutendsten Pfade in der Region zu kennen. Er könne die Gruppe auf Pfaden an ihr Ziel bringen, die sonst kaum jemand kennt. Der zweite Mann ist Dschamil. Er behauptet, diese engen Pfade seien gefährlich. Als Führer werde er daraufhin für die Expedition die bequemsten Routen aussuchen. Der dritte Mann heißt Abdurazak. Als er William sieht, blickt er ihn mit großen Augen an und bringt dann mühsam hervor, dass er an dem Auftrag nicht mehr interessiert sei. William will wissen, was los ist, aber Abdurazak bleibt stumm. (Williams Bestimmungspunkt: „Ein Wahrsager erkennt in ihm eine Gefahr für sein Volk“ ist erreicht, wird aber noch einige Male öfter aufgegriffen werden).

Inzwischen geraten Mustafa und Dschamil in Streit. Insbesondere Mustafa entpuppt sich als aggressiver Diffamierer. Er behauptet, im letzten Vierteljahr habe Dschamil 3 Touren gemacht und von keiner sei ein Reisender lebendig wieder zurückgekehrt. Dschamil versucht sich zu wehren, Mustafas Eifer kann er allerdings nicht genug entgegensetzen. Dennoch ist Sanftmut ja auch eine  Qualität und deshalb sind sich Rungholt und William unschlüssig, wem sie den Vortritt lassen sollen. Schließlich werden beide Führer mitgenommen.

Vor dem Aufbruch begibt sich Abdurazak in den Stall und mischt in die Futtersäcke der Kamele Rauschkräuter. Tragischerweise bekommt er bei dieser Sabotage einen Tritt von einem Kamel, der ihn sofort tötet.

Die Expeditionsteilnehmer sind aufgrund des Unglücksfalles verunsichert. Es kommt dazu, dass sich auf der nächsten Reiseetappe ihre Kamele sehr untypisch verhalten. Sie sind nur schwer zum Aufbruch zu überreden, oft bleiben sie stehen und legen Pausen ein und es bedarf strengster Führung um sie beim Gehen auf der Straße zu halten. Aufgrund dieser Probleme sind die Reisenden gezwungen eine Nacht im Freien zu verbringen. Algernon ist erbost, die anderen Reisenden wenig erfreut.

Am nächsten Tag erreichen die Expeditionsteilnehmer Mir Zakah.

Die Reisenden sprechen mit den drei Dorfältesten. Sie wollen wissen, wie sie zu der Passstraße kommen. Die Männer scheinen aber nicht allzu gern entsprechende Auskünfte zu geben. Insbesondere einer von ihnen betrachtet William mit durchdringendem Blick. William hat ein DejaVu-Erlebnis und fühlt sich an Abdurazak erinnert. Warum schauen ihn Einheimische immer wieder so distanziert und abschätzig an?

Die Expeditionsteilnehmer bekommen eine Scheune zugewiesen, in der sie übernachten können. Auf dem Weg dorthin erfahren sie von einigen Dorfbewohnern, dass der zweite Dorfälteste in zwei Tagen ein junges Mädchen aus dem Nachbardorf heiraten wird... seine achte Frau! Am nächsten Tag begibt sich Algernon und Miranda de Lis zum zweiten Dorfältesten. Algernon würde gern an der Feierlichkeit teilnehmen. Zum einen ist er immer ein Freund von Festen und Feiern, zum anderen ist sein anthropologisches Interesse geweckt. Im Haus des Dorfältesten wird streng zwischen Bereichen für die Männer und Bereichen für die Frauen unterschieden. Eine Unterhaltung findet durch einen Vorhang statt. Auf der einen Seite sitzt Algernon und der Dorfälteste, auf der anderen Seite sitzt Miranda und dolmetscht für die beiden Männer. Leider verläuft das Gespräch nicht allzu erfolgreich. Der Dorfälteste behauptet, die Expeditionsteilnehmer könnten zur Feier kommen, dann werde aber ein großzügiges Hochzeitsgeschenk erwartet. Solche Ausgaben sind in Algernons Budget nicht vorgesehen. Algernon will gerade frustriert das Gespräch beenden, da fällt ihm ein Brief auf, der auf dem Schreibtisch des Dorfältesten liegt. Als Absender ist Perceval le Duc angegeben.

Perceval le Duc ist ein weiterer junger, aufstrebender, französischer Archäologe. Er ist vor einigen Monaten hier vorbeigekommen – vielleicht mit demselben Ziel wie Algernon? Jedenfalls hat le Duc dem zweiten Dorfältesten geschrieben, dass er sich mit seiner Expedition auf den Weg zur sogenannten „Höhle Shaitans“ machen will und dem Brief einen großzügigen Beutel mit Bargeld beigelegt. In dem Schreiben hat Perceval den Dorfältesten darum gebeten, von dem Geld eine Suchexpedition nach ihm auszuschicken, wenn er in zwei Wochen nicht zurück sein sollte. Der Dorfälteste hat das Geld genommen, aber gar nicht daran gedacht, eine Suchexpedition auszusenden. Stattdessen hat er von dem Geld den Brautpreis für eine junge Frau aus dem Nachbardorf bezahlt und eine Hochzeit ausgerichtet.

Von all dem hat Algernon keine Ahnung. Er kennt nur den Namen Perceval le Duc und sieht hier in Afghanistan in dem Mann einen Konkurrenten. Offensichtlich ist le Duc Mitglied oder gar Leiter der europäischen Expeditionstruppe, von der der Wirt der Karawanserei erzählt hat. Algernon würde gern einen Blick in den Brief werfen und versucht ein Ablenkungsmanöver. Er spricht den Dorfältesten auf kostbare Handschriften an und fragt ihn, ob er nicht einen alten Koran im Haus habe, den er sich einmal anschauen könnte. Der Dorfälteste verneint. Einen Koran gebe es hier im Dorf nur in der Moschee. Er besitze lediglich Abschriften einiger Gebete. Um diese Abschriften zu holen, muss der Dorfälteste nur seine Schreibtischschublade öffnen. Eine Gelegenheit für einen Blick in den Brief bietet sich nicht. Immerhin kann Algernon aber feststellen, dass der Dorfälteste sich über sein Interesse am Koran freut. Algernon nutzt die gute Atmosphäre und spricht den Dorfältesten direkt auf den Brief, der vor ihm auf dem Schreibtisch liegt, an. Algernon berichtet, er sei erstaunt, hier einen Brief Perceval le Ducs zu erblicken. Er kenne den Mann aus Paris. Der Dorfälteste ist erst recht erstaunt und verrät Algernon dann immerhin, dass sich le Duc vor etwa drei Monaten auf den Weg zur „Höhle Shaitans“ gemacht hat. Auf Nachfrage erzählt der Mann Algernon noch, dass die „Höhle Shaitans“ über den Donnerpass zu erreichen sei.

Während des Gesprächs mit dem Dorfältesten befindet sich William mit den beiden Führern Dschamil und Mustafa in der Scheune. Neugierige Dorfkinder werfen vorsichtige Blicke hinein und verhalten sich immer aufdringlicher. Eines der Kinder versucht gegen drei Strohhalme Williams Pistole einzutauschen. Das lässt William zwar nicht zu, aber zeitgleich hat sich ein weiteres Kind an Mirandas Koffer zu schaffen gemacht und läuft plötzlich laut johlend davon. In der Hand schwenkt es eine Unterhose von Miranda. William beschließt, dass er das nicht zulassen kann. Er fordert seine Führer auf, mit ihm gemeinsam die Verfolgung aufzunehmen und zumindest Dschamil kommt der Aufforderung auch nach. Die Verfolgung führt über ein abgeerntetes Feld. Am Rand des Dorfes erreichen William und Dschamil den Knaben und nehmen ihm Mirandas Unterhose wieder ab. Allerdings tritt genau in diesem Augenblick der dritte Dorfälteste hinter einer Mauer hervor. Er wirft kleine Körner auf William und schlägt dann mit einem Stock auf den Stamm eines nahestehenden Baumes. Dabei erntet William die üblichen finsteren Blicke. William greift sich ein paar der Körner und kehrt beunruhigt in die Scheune zurück. Die Körner erweisen sich als Salz. (Das ist das letzte Mal, dass Williams Bestimmungspunkt: „Ein Wahrsager erkennt in ihm eine Gefahr für sein Volk“ erreicht wird).

Als dritte Gruppe sind Rungholt und Greg Hollister unterwegs. Die beiden Männer befragen Dorfbewohner nach alten Steinen und Schriften, bekommen aber enttäuschender Weise nur ein paar Kilometersteine aus der Zeit der britischen Besatzung gezeigt. Auf einem Acker begegnen die beiden Männer dann aber einem jungen Mädchen namens Ezra. Greg fühlt sich zu ihm auf eine seltsame Art und Weise hingezogen. Für ihn scheint das Mädchen eine fast engelsgleiche Erscheinung zu sein und von innen zu leuchten. Dieses Licht fällt auch auf ihn und löst in ihm ein Gefühl von Geborgenheit aus, wie er es schon sehr lang nicht mehr erlebt hat. Während dieser Begegnung stößt Rungholt ein paar Meter weiter auf eine Steintafel mit einer unleserlichen Inschrift. Rungholt erkennt aber immerhin ein paar Zeichen, die ihm während seiner Recherchen bereits begegnet sind. Er glaubt nun, auf der richtigen Spur zu sein. Schließlich verabschieden sich beide Männer von Ezra und kehren zur Scheune zurück.

Wieder vereint beschließen die Expeditionsteilnehmer nicht auf die Hochzeit des zweiten Dorfältesten zu warten. Sie brechen unter der Führung Mustafas in Richtung Donnerpass auf. Mustafa führt die Gruppe über die Berge, schließlich marschiert die Gruppe am Rande eines Tals entlang, auf dessen anderer Seite plötzlich einige Krähen aufflattern. Algernons Interesse ist geweckt und er gibt die Anweisung, dort nach dem Rechten zu schauen. Leider gerät die Gruppe dort in einen Hinterhalt. Ein paar Männer tauchen hinter einigen Felsen auf und eröffnen das Feuer, woraufhin Dschamil zu Boden stürzt. William eilt ihm zu Hilfe, kommt aber zu spät: der Mann ist sofort tot. Greg nimmt einen der Angreifer aufs Korn, erkennt dann aber, dass er einen Knaben vor sich hat, der höchstens 14 Jahre alt ist. Irgendwie bringt es der Soldat nicht über das Herz, den Jungen zu erschießen (Gregs Bestimmungspunkt „Seine innere Schönheit wird offenbar“ ist erreicht). Auch Mustafa zieht eine Waffe. Er macht offensichtlich gemeinsame Sache mit den Angreifern, denn er legt auf Miranda an. Greg bekommt das mit, wirft sich in die Schusslinie und fängt die Kugel ab. Sie durchschlägt seine Schulter. Miranda nutzt die Gelegenheit und will Mustafa erschießen. Sie erwischt aber nur Mustafas Ohr, der reflexartig sein Gewehr herumreißt. Dadurch löst sich bei ihm ein weitere Schuss, wodurch Mustafa tragischerweise einen seiner eigenen Männer erschießt. Nach diesen Pannen flüchten die verbliebenen Angreifer. Miranda allerdings drückt ein weiteres Mal ab und erschießt Mustafa doch noch. Nach der Auseinandersetzung stellen die Expeditionsteilnehmer fest, dass der Knabe nicht mit den Angreifern geflohen ist. Er beugt sich über das Opfer von Mustafas Querschläger und hat Tränen in den Augen. Den Expeditionsteilnehmern wird schnell klar, dass es sich bei dem Toten um den Vater des Jungen handelt (Algernons Bestimmungspunkt „Sein Erzrivale „Percival le Duc“ ist ebenfalls in Afghanistan und Algernon erleidet einen schweren Schlag, der seine Mission nur knapp überleben lässt“ ist nach dem Hinterhalt erreicht).

Algernon spricht daraufhin mit dem Jungen und erklärt ihm, dass sie keine andere Wahl hatten, als sich gegen einen derartigen Hinterhalt zur Wehr zu setzen. Der Junge nickt tapfer und erzählt, dass er mit seinem Vater allein einen kleinen Bergbauernhof bewirtschaftet. Sein Vater sei von Mustafa zur Teilnahme an dem Hinterhalt gezwungen worden. Der Junge selbst hat keine Ahnung, wo Mustafa und seine Männer zuhause sind und kennt auch das Gelände, in dem er sich gegenwärtig befindet, nicht allzu gut. Algernon erkennt die Tragödie, die sich hier vor seinen Augen abspielt, und empfindet starke Sympathie für den Jungen. Er beschließt sich darum zu kümmern, dass der Junge eine Zukunft hat und nimmt ihn erst einmal mit.

Miranda kümmert sich derweil um den verwundeten Greg und leistet bei der Behandlung seiner Schulter Außerordentliches. Als sie sieht, wie in den Soldaten aufgrund seiner sicheren Verbände langsam die Lebensgeister zurückkehren, fühlt sie eine tiefe Zufriedenheit mit sich und ihrer medizinischen Ausbildung. Vielleicht war es doch etwas voreilig, das Medizinstudium so schnell wieder abzubrechen (Mirandas Bestimmungspunkt „Sie entdeckt die Stärke, die in ihr verborgen ist und von der sie keine Ahnung hatte, dass sie existiert“ ist erreicht).

Schließlich erreichen die Expeditionsteilnehmer den nahen Donnerpass. An seiner höchsten Stelle befindet sich eine Hütte, die auf den Grundmauern einer alten Ruine errichtet wurde. Hier lebt ein weiser, alter Eremit, mit dem sich die Expeditionsteilnehmer eine Weile unterhalten. Der Mann rät den Reisenden, nicht zur „Höhle Shaitans“ vorzustoßen. Es sei ein Ort, der sich auf den menschlichen Geist zersetzend auswirken könne. Es sind schon einige Menschen dorthin aufgebrochen und nicht wieder zurückgekehrt. Als sich die Expeditionsteilnehmer trotzdem am Weg dorthin interessiert zeigen, behauptet der Alte, sie sollten wenigstens nicht so dumm wie ihre Vorgänger sein, sondern bis zum nächsten Tag bleiben und seine Predigt abwarten. Auf diese Vorgänger angesprochen erfahren die Expeditionsteilnehmer, dass Perceval le Duc mit seiner Expedition wohl auch bei dem weisen Mann vorbeigekommen ist. Auch Perceval ließ sich nicht von einer Reise zur „Höhle Shaitans“ abbringen... und er wartete noch nicht einmal die Predigt des Weisen ab!

Die Reisenden übernachten daraufhin vor Ort. Greg hat einen Traum, in dem ihm das Mädchen Ezra erscheint. Die Bedeutung des Traums wird Greg nicht klar, er gewinnt dadurch aber Zuversicht und fühlt sich sicher und beschützt. Die Predigt des Mannes am nächsten Tag zeigt, dass es sich bei ihm zwar um einen Moslem handelt, dass in ihm aber noch viele religiöse Vorstellungen aus alten Zeiten lebendig sind. Insbesondere weist seine Predigt buddhistische Einflüsse auf (worin die Predigt genau besteht, wird in einer späteren Sitzung als Rückblende dargestellt). Algernon erkennt, dass mit dem Tod des Alten eine wichtige Tradition versiegen würde. Er spricht mit dem Mann, dann mit dem Jungen und schließlich drückt er dem Weisen einen großzügig gefüllten Geldbeutel in die Hand und nimmt ihm das Versprechen ab, den Jungen auszubilden. Die Expedition wird von nun an etwas kürzer treten müssen. Algernon verabschiedet sich von dem Jungen und dann reist die Gesellschaft zur „Höhle Shaitans“ weiter. Im Eingang zu dieser Höhle befindet sich eine alte buddhistische Steinstatue. Der auf dem Boden sitzende Buddha scheint mit seinen Handflächen den Bodenbereich des Höhlenausgangs abzuriegeln und zu verhindern, dass von dort irgendetwas ins Freie gelangt. Aufgeregt klettern die Expeditionsteilnehmer ins Innere und entdecken dort eine Steintür. Erstaunlicherweise ist die Tür mit Lehm bestrichen, in den jemand folgende Worte hineingeritzt hat: „Algernon und Rungholt: Folgt mir nach! Perceval le Duc.“ Erwartungsvoll drücken die Männer die Steintür auf und folgen klopfenden Herzens dem dahinter liegenden Gang (Rungholts Bestimmungspunkt: „Er tritt durch eine Tür, auf der sich sein Name befindet“ ist erreicht“).
« Letzte Änderung: 13.11.2018 | 23:48 von Chiarina »
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Offline Chiarina

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Re: [Archipelago] Afghanistan, mon amour
« Antwort #2 am: 12.11.2018 | 19:26 »
Eindruck nach der ersten Sitzung:

Wir haben etwa 2 Stunden für das Setup gebraucht und konnten dann noch etwa 3 ½ Stunden spielen. Das hat für 12 Szenen gereicht. Für meine Begriffe ist die Handlung gut voran gekommen.

Erstmal ein paar Probleme.

Einige Male war ein Spieler an der Reihe, der eine Szene eröffnet hat, in der sein Charakter zwar anwesend war, aber eigentlich nur eine sehr nebensächliche Rolle gespielt hat. Ein bisschen schien das an der Scheu einiger Spieler zu liegen, sich allzu sehr in den Vordergrund zu drängen. Hier könnte beim nächsten Mal noch deutlicher werden, dass in dem Moment, wo ein Spieler am Zug ist, seine Figur im Mittelpunkt stehen sollte.

Ein paarmal hatte unser Spiel ein paar Längen. Hier sollten wir uns möglicherweise nochmal klar machen, dass den Regeln nach im Prinzip alle Spieler jederzeit die Möglichkeit haben, das Geschehen mitzugestalten. Jeder darf nämlich jederzeit „Ereignisse und Umgebung beschreiben“. Wenn wir dabei mutiger werden, sollte auch mehr Action ins Spiel kommen.

Die Möglichkeit per Zuständigkeit über die Elemente der Spielwelt auf das Geschehen Einfluss zu nehmen, wurde unterschiedlich genutzt. Auch hier könnten zumindest einige Spieler (mich eingeschlossen) beim nächsten Mal noch etwas mutiger werden.

Dann die Pluspunkte:

Die Entscheidungskarten bieten eine gute Grundlage für Konfliktresolutionen.

Von den fünf möglichen Schicksalskarten haben wir vier gezogen. Eine einzige war etwas schwierig zu interpretieren (...ging dann aber auch), die anderen haben wirklich Farbe und überraschende Wendungen ins Spiel gebracht.

Die Phrasen sind super. Sie können einem erzählenden Spieler ordentlich Dampf machen und haben eigentlich ständig unser Spielerlebnis intensiviert. Supermechanismus!

Auch die Bestimmungspunkte haben gut funktioniert. Ein einziger wurde vielleicht etwas früh erreicht. Die anderen erfüllten ihre Funktion aber ganz hervorragend und sorgten für ein stringentes, zielgerichtetes Spiel ohne nebensächliches Blabla.

Ich hoffe, wir haben noch ein paar weitere Sitzungen!
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