Autor Thema: Themenkompass bei FHTAGN Veröffentlichungen  (Gelesen 136 mal)

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Themenkompass bei FHTAGN Veröffentlichungen
« am: 20.06.2019 | 19:18 »
An: Alle Autorinnen und Autoren, die offizielles FHTAGN-Material schreiben möchten.

Das Thema Grenzen im Horror-Rollenspiel wird derzeit in vielen Foren und Beiträgen heiß diskutiert. Als Verein mit Rollenspiel-Publikationen hat sich auch die Deutsche Lovecraft Gesellschaft naturgemäß bereits mit diesem Umstand beschäftigt. Ende 2017 hat die dLG diesbezüglich eine Positionierung vorgenommen, die sich auch auf FHTAGN erstreckt.

Um also für zukünftige Veröffentlichungen und insbesondere bei Szenarien, den Autoren und Autorinnen einen klaren Rahmen an die Hand zu geben, hat die dLG einen "Themenkompass" für Veröffentlichungen erarbeitet. Dieser gilt für Publikationen, die offizielles FHTAGN-Material darstellen, also vom FHTAGN Team erstellt oder betreut sowie veröffentlicht werden.

Dieser Rahmen gilt nicht, wenn Dritte mit Hilfe von "Powered by FHTAGN" Produkte veröffentlichen. Dann übernimmt der Verein nämlich explizit keine Haftung.

Themenkompass bei FHTAGN Veröffentlichungen

FHTAGN wird durch die Deutsche Lovecraft Gesellschaft e.V. (dLG) publiziert. Als Kulturverein hat sich die dLG dem Erbe von H. P. Lovecraft verschrieben. In seinen Geschichten ist der Horror subtil, nie explizit oder von Blood & Gore geprägt. Rassismus mag in manchen Geschichten anklingen, allerdings grenzen wir uns ganz klar von diesem Thema ab bzw. stellen es reflektiert dar.

Um einer offiziellen FHTAGN-Publikation, die durch die dLG vertrieben wird, einen entsprechenden inhaltlichen Rahmen zu geben, gilt der folgende Themenkompass für alle FHTAGN-Publikationen (wie auch alle anderen Publikationen des Vereins).

Welche Themen sollen nicht unter dem Banner der dLG / FHTAGN veröffentlicht werden?
  • Verherrlichung oder unreflektierte Verwendung von linker oder rechter Propaganda sowie Terrorismus. Insbesondere im Kontext des zweiten Weltkriegs ist hier explizit erhöhte Sensibilität walten zu lassen.
  • Verherrlichung oder Verharmlosung von Kriegsverbrechen insbesondere im Kontext des zweiten Weltkrieges.
  • Extreme Gewaltdarstellungen, besonders gegen Gruppen, auf die Lesende besonders sensibel reagieren wie etwa Kinder.
  • Verwendung von Personen(namen) des öffentlichen Lebens und Nutzung dieser Personen(namen) im Rahmen einer konstruierten Geschichte. Sofern der Bezug zu einer historischen Person hergestellt werden soll, ist dies unmissverständlich kenntlich zu machen.
  • Verwendung von verfassungsfeindlichen und verbotenen Organisationen/Symbolen in Texten/Bildern.
  • Unnötige rassistische, sexistische, antisemitische Darstellung von Personen oder Sachverhalten.
  • Extreme sexuelle Darstellungen.
Was bedeutet das nun konkret?

Natürlich können Kinder Thema eines Abenteuers sein. Auch können sie entführt werden, oder sogar von einem Kult als Opfer benötigt werden. Das ist alles im Rahmen einer Horrorgeschichte akzeptabel. Allerdings sollte man auf blutrünstige Beschreibungen verzichten und die Darstellungen sachlich halten. Jeder Leser und jede Leserin wird bei so einem Thema klar, dass die Situation für das Kind nicht angenehm sein wird. Dazu braucht es keine zu heftigen Beschreibungen.

Bsp.: „Der schwarze Stein“ von Robert E. Howard sollte die Grenze der Beschreibungen darstellen.

Was ist extrem wenn es um sexuelle Themen geht? S&M ist heute verbreitet genug und durch Romane wie „50 Shades of Grey“ auch im Mainstream angekommen. Folter, Snuff und ähnliche Themen mögen in heimischen Runden sicherlich ihre Berechtigung haben, nicht aber in den Veröffentlichungen eines gemeinnützigen Vereins. Für den Verein untauglich wäre z. B. ein Abenteuer wie „Super 8“.

Darf man dann nichts über Nazis schreiben? Doch. Aber bitte reflektiert und unter keinen Umständen verharmlosend oder gar verherrlichend! Gleiches gilt für rassistische, sexistische und antisemitische Darstellungen. Solche Themen sollten also mit Fingerspitzengefühl angegangen werden.

Bsp.: „Der Tempel“ von H.P. Lovecraft. Hier hat man es mit einem (überzeichneten) deutschen Offizier zu tun, der auch ohne große Skrupel Menschen opfert. Allerdings innerhalb von akzeptablen Grenzen.

Gewaltdarstellung ist doch aber auch Horror?

Für manche gehört das sicher dazu. Aber Lovecraft hat etwa bei „Herbert West – Reanimator“ oder „Pickmans Modell“ grundsätzlich harte Themen sehr subtil verpackt und mehr die Vorstellungskraft des Lesenden angeregt. Diese Art der Darstellung sollte für FHTAGN-Publikationen Pate stehen.

Bsp.: Die Gruppe findet eine schlimm zugerichtet Leiche. Hier reicht eine Beschreibung wie „Die Person war kaum noch zu erkennen“ oder „Das Opfer scheint von jemand mit übermenschlicher Kraft zerrissen worden zu sein.“ Das ist ausreichend. Es müssen nicht noch Innereien, Augäpfel oder ähnliches detailliert beschrieben werden. Mehr Lovecraft, weniger „Hostel“ oder „Saw“.

Was ist mit Selbstmord?

Dieses Thema kommt im Cthulhu-Mythos oft genug vor, um es als einigermaßen ungefährlich einzustufen, auch wenn es natürlich für einzelne Lesende ein echtes Tabu-Thema sein könnte. Daher reicht auch hier die Beschreibung „Der Mann erschießt sich von den Augen der SC“ oder „als die SC die Tür öffnen, finden sie die gesuchte Frau an einem Seil erhängt vor“. Diese Detailtiefe reicht hier völlig aus.

Was ist mit der Verwendung von Personennamen gemeint?

Manchmal ist ggf. nicht ganz klar, ob der Bezug zu einer historischen Person oder einer noch lebenden hergestellt wird. Um ein sehr unverfängliches Beispiel zu nennen: „Unter Störtebekers Kommando wurde geraubt, gebrannt schatzt und gemordet.“ Ohne Kontext mag zwar trotzdem klar sein, wer gemeint ist, jedoch sollte man hier explizit auf die geschichtliche Anspielung hinweisen, insbesondere, wenn bspw. in einem Abenteuer die Handlung entweder zu dieser Zeit spielt oder in die Moderne verlegt wird.

Ziel ist es klar zustellen, dass eben keine lebenden Personen gemeint sind, die sich wiederum von den dargestellten Handlungen oder Beschreibungen in ihrer Ehre verletzt fühlen könnten. Auch kann man in Grenzfällen einen Satz wie "Alle in dem Text erwähnten Personen und Firmen sind rein fiktiv und jegliche Ähnlichkeit mit bestehenden Personen und Firmen ist rein zufällig." zur Klarstellung verwenden.

Fragen?

Ihr seid euch unsicher bei einem Thema? Wendet euch in diesem Fall frühzeitig an uns, dann können wir das gemeinsam durchsprechen und eine Entscheidung treffen, bevor zu viel Energie in ein Projekt gesteckt wird, welches dann ggf. diesen Richtlinien widerspricht.