Autor Thema: Reading Challenge 2020  (Gelesen 11283 mal)

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Offline Menthir

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Re: Reading Challenge 2020
« Antwort #250 am: 22.11.2020 | 14:31 »
#48

John Iliffe - Africans - The History of a Continent

(Vorab: Die verlinkte Rezension ist deutlich positiver als meine und sei als gegenteilige Referenz angeführt)

Insgesamt habe ich fast in unterschiedlichen Versuchen fünf Jahre gebraucht, um dieses Buch zu beenden, was mir einerseits eine Herzensangelegenheit und andererseits eine gewisse Qual gewesen ist.

Zuerst einmal hat das Buch ein hehres Ziel, nämlich eine gesamtheitliche Betrachtung des Kontinents Afrika und seiner Geschichte, so sie menschliche Geschichte betrifft. Dieses Ziel soll in der Tradition der longue durée erreicht werden und so die großen Erzählstränge afrikanischer Geschichte beleuchten. Und zuletzt, obwohl es sich neutral in seinen jeweiligen Einzelbetrachtungen hält, möchte es die gesamtafrikanische Bevölkerung - unabhängig von Ethnie, Religion und Ideologie - als sehr anpassungsfähigen, überlebensstarken und umtriebigen Teil der menschlichen Gesamtbevölkerung zeigen, der sich gegen einen besonders volatilen Kontinent (in Form der Natur) und gegen Oppression von innen und außen zur Wehr setzt. Dieser Ansatz begründet eigentlich mehr als die angegebene Bewertung.

Doch die Umsetzung ist meines Erachtens überhaupt nicht gelungen. Grob orientiert sich der Autor an den Himmelsrichtungen, um innerhalb seiner übergeordneten Themen (Besiedlung, Sklavenhandel, Kolonisierung, Freiheitsbewegung oder bspw. AIDS) eine Ordnung zu schaffen. Diese Ordnung wirft er jedoch immer wieder durcheinander und innerhalb der Themen reiht er Fakten an Fakten an Fakten, allerdings in durchweg eher einfacher bis spröder Prosa, viel schlimmer jedoch: ohne weitere Ordnung und ohne Kontext.

Weil also die Aufarbeitungen ohne Kontext und fast immer ohne weiterführende Erklärungen sind, sind es quasi nur Spiegelstrichsätze, die einfach unter ein Oberthema sortiert werden, aber es werden weder ihre Interdependenzen noch ihre Gründe untersucht, sodass die großen Erzählstränge afrikanischer Geschichte, selbst wenn sie uns bekannt sind, kaum Entfaltungsmöglichkeit erhalten.
Dadurch wirkt das Buch konfus, zusammengestückelt und lässt sich nur schwer lesen.

Mit tatsächlichem Mehrgewinn lässt sich das Quellenverzeichnis nutzen, aber auch der beigefügte Index löst die fragmentarische Aufarbeit des Themas nicht leichter nachvollziehbar und nutzbarer werden, sodass das Buch selbst für den interessierten Leser nur mit Mühe nützlich gemacht werden kann.

Ich werde für meine persönliche Aufarbeitung afrikanischer Geschichte noch viele andere Werke hinzuziehen müssen und hoffentlich zugänglichere und aussagekräftigere als dieses.

1,5 von 10 Punkte
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Offline Huhn

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Re: Reading Challenge 2020
« Antwort #251 am: Gestern um 11:00 »
Ich update den Startpost bald wieder. Muss um etwas Geduld bitten - war länger und ziemlich fies krank und will mich noch in Ruhe zuende erholen.
Wer gackert, muss auch ein Ei legen.