Autor Thema: Jenseits des Horizonts (DSA4.1)  (Gelesen 598 mal)

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Offline CAA

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Jenseits des Horizonts (DSA4.1)
« am: 3.03.2021 | 22:28 »
Jenseits des Horizonts (DSA4.1)

Autoren: Christian Bender, Peter Horstmann, Jörg Raddatz, Martin Schmidt, Alex Spohr, Jochen Willmann, Thomas Finn, Anton Weste, Christoph Daether, Frank W. Bartels
System: DSA4.1
Veröffentlichung: 2011
ISBN: 9783942012348 (ausverkauft)
PDF: 19,99€
Seiten: 274 Buchseiten + 61 Extrasseiten
Geschätzte Spieldauer: SEHR SEHR lange (Jahre)


Warum habe ich das AB gelesen?

Nach meinem Ausflug mit Weltengeist als SL nach Myranor im Jahre 2015, war ich unglaublich auf Myranor gehyped. Danach gab es zwar noch 1-2 kürzere Ausflüge, aber die Mitte 2019 geplante überfahrt gen Myranor ist leider eingeschlafen, ehe das Schiff überhaupt losgefahren ist.

Der Umstand dass ich einen Trailer zur Kampagne gemacht habe, sollte verdeutlichen wie groß die Vorfreude war und insgeheim bis heute noch ist. Und gerade kommt das Thema Myranor-Überfahrt in meiner jetzigen Gruppe auf…. Stand "jetzt" habe ich das Abenteuer weder gespielt, noch geleitet, sondern nur gelesen. In der Hoffnung es gegen Ende des Jahres zu leiten. Diesmal aber wirklich!

Da vor kurzem u.a. darüber diskutiert wurde, dass zu wenig Leute Rezensionen schreiben, habe ich einfach mal meine Gedanken zu dieser Kampagne zu Papier gebracht. Vielleicht hilft es ja jemandem. Wenn nicht, hat es wenigstens mir geholfen meine Gedanken zu sortieren. :P


Publikations-Geschichte des Abenteuers

Bei dem Abenteuer M13 handelt es sich um die Neuauflage der Lamea-Kampagne, welche im Zeitraum 2000-2009 veröffentlicht wurde. Sie erstreckt sich im original über die Abenteuer A100 -  Reise zum Horizont, MR0 - Myranor Box, MG1 - Handelsfürsten und Wüstenkrieger sowie den Aventurischen Boten 118-121, 126 und 134.

Im Jahr 2011 erschien die Lamea Kampagne dann in einem 274 Seiten starkem Buch gebündelt, mit satten 61 Seiten zusätzlichem Matieral, welche im wesentlichen mehr Inhalt zur Hinfahrt liefern und es leider nicht ins Buch geschaft haben. Das Zusatzmaterial könnt ihr hier finden: https://www.uhrwerk-verlag.de/wp-content/uploads/2018/01/JdH_Bonusmaterial.pdf


Plot

Alleine die Reise nach Myranor ist gefühlt schon eine Kampagne für sich. Nach der Anheuerung und etwas training der Seefahrer geht es gen Horizont, über das Meer der sieben Winde, in die ursprünglicher Heimat der Menschen Aventuriens. Es geht gen Güldenland. Natürlich fahren unsere Helden nicht ganz alleine per Ruderboot, sondern mit einer Flotte von 3 großen Schiffen.

Auf der Überfahrt passiert so ziemlich alles was man sich von einem Seefahrtsabenteuer wünschen kann. Dies ist sicherlich dem Umstand geschuldet, dass die Überfahrt vor langer Zeit als Eigenständiges Abenteuer (A100) veröffentlicht wurde. Konflikte mit den Schiffen anderer Nationen. Spione. Namenloses Treiben. Klabauter. Flaute. Kraken. Konfrontationen mit Dienern des Gegenspielers des Gottes des Wassers. Unwetter. Gestrandet und man muss mit den Feinden kooperieren um das Schiff wieder ins Wasser zu bekommen. Die Weltenkante.

Wenn man all dies hinter sich gelassen hat, gilt es die "Seeschlacht der Kontinente" zu gewinnen. Oder zumindest zu überleben. Anschließend geht eine Kommandomission schief - und die Helden-Gruppe ist auf Myranor gestrandet.

Und da sind wir im Buch erst auf Seite 70 von 274!

Bevor es in der eigentlichen Kampagne weitergeht, gilt es Ingame 8 (!) Monate mit Inhalt zu füllen. Monate in denen das Buch einem zwar einige Szenarien zur Hand gibt, aber der unerfahrene Spielleiter wird spätestens hier an seine Grenzen stoßen.

Nachdem die Helden ein wenig rumgereist sind und frei Myranor erkunden konnten, finden sie zufällig eine Spur, die sie mit einem Uboot zurück zu ihrem ursprünglichen Schiff bringen wird. Hier stoßen sie auch Unterwasser auf einen alten Tempel, in dem ein gigantisches Monstrum aus bereits vergangenen Zeitaltern auf seine Befreiung wartet.

Was folgt ist eine mehrere Kapitel lange Erkundung des Imperiums, welche vom Abenteuer selber als Odysee bezeichnet wird. Hier lassen sich einige der offiziellen Myranor-Abenteuer einbinden, aber auch ohne ist hier genug Spielmaterial für Monate oder gar Jahre untergebracht.

Es gilt eine Wüste zu durchqueren, die größte Stadt der Welt zu besuchen, gegen die selbst Gareth wie ein kleines Dörfchen wirkt, eine Olympiade zu gewinnen, an einer Sitzung des Senats teilzuhaben, eine Inselkette zu erkunden, sich eine Prophezeiung bezüglich des Karmakorthäons würdig zu erweisen, hohe Zivilisationen wie auch Barbaren zu besuchen, …. es gibt genug zutun für die Helden.

Gegen Mitte (!) der Kampagne kommt irgendwann der Punkt, an dem man nach Aventurien zurückfahren will. Hierbei stößt man aber auf ein gewaltiges Problem:
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Ein Problem dass man aber in der zweiten Hälfte der Kampagne gelöst bekommt und auf den letzten Seiten der Kampagne dann wieder aventurischen Boden betritt.


Eindruck

Ufff. Alleine die Kurzzusammenfassung der Ereignisse im Abenteuer selber, nimmt volle fünf (5) Seiten in Anspruch. So Umfangreich ist die Kampagne. Auf 274 Seiten. Ich sehe nicht, wie ein unerfahrener Spielleiter eine Chance hätte diesem Monster einer Kampagne gerecht zu werden. Die Spielzeit ist hier sicherlich ähnlich zur Spielzeit einer G7 Kampagne, welche ~4x so viele Seiten und riesige Mengen an Fan-Content hat.

Es hat entsprechend natürlich einige Railroading Segmente, aber auch Abschnitte die jeweils über mehrere Monaten gehen, in denen man sich frei bewegen kann. In diesen Abschnitten gibt das Buch dem Spielleiter dann jeweils 1-3 Seiten an Szenarios an die Hand und lässt diesen dann damit alleine.

Alles in allem würde ich es eher als eine Miene für Ideen bezüglich einer Myranor-Fahrt bezeichnet. Es dürfte von all den Abenteuern die ich bisher gelesen habe, das Abenteuer sein, dass man am wenigstens direkt aus dem Buch heraus leiten kann.

Mir persönlich gefällt es sehr gut. Aber ich kann jeden verstehen, der mit einem Abenteuer in diesem Format mal so absolut gar nichts anfangen kann.

Das Abenteuer ist im DSA4.1 typischen S/W Layout veröffentlicht und verwendet erkennbar viele der alten Grafiken aus der ursprünglichen Veröffentlichung wieder, aber es gibt auch einige die so aussehen als währen sie neuer. Das führt dazu, dass das Abenteuer aus heutiger Sicht insgesamt irgendwie ziemlich alt wirkt. Andererseits sind seit der ursprünglichen Veröffentlichung mittlerweile 20 Jahre vergangen. Es wäre komisch wenn es nicht alt wirken würde. ;D

Titellied in meinem Kopf zu dieser Kampagne: Es war einmal … die Entdeckung unserer Welt [1996] Intro


Portierbarkeit auf andere Systeme und Settings

Die Kampagne startet und endet zwar auf Aventurien, aber spielt im wesentlichen entweder auf dem offenem Meer oder aber in seinem komplett eigenem Setting, was man so sicherlich auch auf (bspw.) Golarion ansiedeln könnte. Entsprechend denke ich schon, dass man die Kampagne mit anderen Systemen und Settings spielen kann. Eine Reise + Erkundung eines fremden Kontinents gehen sicherlich auch auf anderen Planeten als Dere. Auch wenn der Charme den das ganze aus Sicht eines DSA-Spielers hat, wohl oder übel verloren gehen würde.

Offline Katharina

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Re: Jenseits des Horizonts (DSA4.1)
« Antwort #1 am: 4.03.2021 | 00:12 »
Danke für deine Rezension! Ich habe "Reise zum Horizont" vor vielen Jahren erlebt und habe es als eines der herausragendsten Abenteuer, die ich je gespielt habe, in Erinnerung (bis heute denke ich, wann immer ich den Soundtrack zu "Pirates of the Caribbean" höre, nicht an den Film, sondern an das Abenteuer, da der Soundtrack während dem Spielen bei uns im Hintergrund lief). Offensichtlich hat unser damaliger SL da aber deutlich mehr Arbeit investiert, als mir bisher bewusst war.
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Offline Weltengeist

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Re: Jenseits des Horizonts (DSA4.1)
« Antwort #2 am: 4.03.2021 | 08:32 »
Es freut mich zu hören, dass dich unser Ausflug nach Myranor so motiviert hat und dass du dich jetzt an "Jenseits des Horizonts" heranwagst. Ich stimme dir zu - das Ding ist absolut überwältigend riesig. Da du das ja aber weißt und dich trotzdem darauf einlässt, muss dich ja niemand mehr warnen. Mögen du und deine Spieler das nötige Durchhaltevermögen haben! Und vielleicht berichtest du ja ab und zu mal, wie es so läuft?
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Offline Hotzenplot

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Re: Jenseits des Horizonts (DSA4.1)
« Antwort #3 am: 4.03.2021 | 09:14 »
Vielen Dank für die Rezension. Nostalgie-Flash! Mein Bruder hat damals noch angefangen, das Monstrum zu leiten, wir sind aber nicht weit gekommen. Er stieg zu dem Zeitpunkt komplett aus dem Hobby aus (was jetzt hoffentlich nichts mit der Kampagne zu tun hat  >;D), so dass ich leider nie dazu gekommen bin, diese Kampagne selbst zu spielen.
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Ich habe die G7 in 10 Stunden geleitet! Ich habe Zeugen dafür!

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Offline aikar

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Re: Jenseits des Horizonts (DSA4.1)
« Antwort #4 am: 4.03.2021 | 13:31 »
Wir haben die Kampagne bis zur Wiedervereinigung der SCs mit der Crew gespielt.Also die Überfahrt und den ersten Teil in Myranor. War sehr cool.

Offline JohnnyPeace

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Re: Jenseits des Horizonts (DSA4.1)
« Antwort #5 am: 5.03.2021 | 19:32 »
Vielen Dank für die Rezension! Die Kampagne war mir auch irgendwie bekannt, war ja auch mal ein großes Spektakel nach jahrelangen Gerüchten über das Güledenland. Aber diese Zusammenfassung zu lesen inspiriert mich schon, da mal mehr reinzuschnuppern. Vielleicht ist es ja ein langfristiges Ziel für unsere DSA-Runde.
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Offline Ávila

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Re: Jenseits des Horizonts (DSA4.1)
« Antwort #6 am: 10.03.2021 | 20:32 »
Schöne Rezension. Jenseits des Horizonts steht auch bei mir ungespielt im Regal herum und wird das vermutlich auch bleiben. Wenn ich (hoffentlich) irgentwann wieder Myranor bespiele habe ich erstmal anderes vor. Die Kampagne ist lang, spannend und vielseitig, aber man muss noch viel Ausarbeitung reinstecken, da vieles eher skizziert als beschrieben wird. Das größte Plus ist, dass man in den sieben In-Game Jahren (vermutlich auch Out-Game-Jahren ~;D) so ziemlich jeden interessanten Flecken Myranors abklappern kann. Das größte Manko ist, dass die Motivation für bestimmte zentrale Handlungselemente nur unzureichend erklärt wird.
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Offline aikar

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Re: Jenseits des Horizonts (DSA4.1)
« Antwort #7 am: 10.03.2021 | 21:01 »
das einem Nur-Myranor-Konsumenten wie mir fehlt.
Wenn du nur Myranor spielen willst gibt es bessere Optionen. Jenseits des Horizonts lebt halt von der Überfahrt und der Ankunft als Fremde in einem neuen Land.

Offline Ávila

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Re: Jenseits des Horizonts (DSA4.1)
« Antwort #8 am: 10.03.2021 | 22:06 »
Ja, das habe ich dann auch schnell gemerkt, aber als ich das Buch vor 10 Jahren gekauft habe, haben mich grade die genannten Punkte schon irritiert.