Autor Thema: Rules for... Übersetzung  (Gelesen 1929 mal)

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Online Vash the stampede

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Rules for... Übersetzung
« am: 24.05.2021 | 19:59 »
Heya

Im Rahmen eines Fanprojekts übersetze ich mir gerade noch nicht auf deutsch veröffentliche Anteile eines Rollenspiels. Dabei fiel mir etwas auf und möchte gerne eure Gedanken dazu lesen.

Doch zuerst noch etwas zu meiner Sicht und im Kontext meines Projekts. Während ich beim Glossar keine Abstriche machen kann und will, um möglichst kompatibel zu bleiben, merke ich bei den Texten immer wieder einen aufkommenden Widerwillen, ihn wortgetreu zu übersetzen. Das hat zum einen mit der Schwafeligkeit von Rollenspielbüchern zu tun. Sprich, es viel zu viel Text. Zum anderen mit der Sprache und dem Inhalt selbst. Sie wirken auf mich oftmals tot und undynamisch. Und der zu transportierte Inhalt scheint sich zu doppeln. Beides führt dazu, dass ich die Texte am liebsten komplett umschreiben würde. Und insbesondere kürzen.

Doch zu euch.
Was zeichnen gute Übersetzungen für euch aus?
Welchen Regeln sollten sie folgen?
Und was dürfen oder sollten sie auf keinen Fall tun?
« Letzte Änderung: 24.05.2021 | 20:58 von Vash the stampede »
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Online schneeland

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #1 am: 24.05.2021 | 20:56 »
Eine gute Übersetzung orientiert sich für mich eher am Sinn des Inhalts und nicht an der Form - es gibt wenig, was mir unmittelbarer sauer aufstößt als ein Text, bei dem ich englischen Satzbau und Worte noch deutlich wahrnehme.
"Bonuspunkt" für große Marken: ein Gemisch von deutsch und englisch.

Ansonsten: ich mag die Schwafeligkeit von (manchen/vielen) Rollenspieltexten auch nicht - da empfinde ich es dann aber schon als schwierig, das in der Übersetzung komplett einzudampfen.
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Offline YY

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #2 am: 24.05.2021 | 21:01 »
Insbesondere in relativ enger Abstimmung mit dem Autor dürfen Rollenspielübersetzungen für mich gerne eine Edition 1.5 sein.
Das betrifft zuallererst natürlich Fehler und Unklarheiten, aber einen "schwafeligen" Text eindampfen und umschreiben darf man dabei mMn auch - wobei der Autor dann ab einem gewissen Punkt außen vor sein dürfte, weil er die Änderungen dank Sprachbarriere nicht mehr so recht überblickt.
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
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Offline Moonmoth

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #3 am: 24.05.2021 | 21:03 »
(…) der zu transportierte Inhalt scheint sich zu doppeln. Beides führt dazu, dass ich die Texte am liebsten komplett umschreiben würde. Und insbesondere kürzen.
Nun ja, in manchem ist die deutsche Sprache knapper und braucht weniger (dafür oft zusammengesetzte und daher lange) Worte. Schreib sie um und mach es sinnvoll und klar.
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Offline Timo

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #4 am: 24.05.2021 | 21:36 »
Was mir so spontan einfällt als sehr wichtig:
Die Regelbegriffe sollten durchgängig gleich übersetzt sein und es sollte möglichst nie Flufftext mit Regelbegriffen belegt sein, wenn es nicht anders geht, Regelbegriffe Fett drucken im Fließtext und wenn nciht normal kann funktionieren, kann aber auch immense Probleme erzeugen, wenn im Layout das mal falsch gemacht wird.

zB: D&D5 (rein ausgedachtes Bsp, kein echter Vorfall)
Im Original Regelbegriff Skill wird mit Fertigkeit übersetzt. Aber auf Seite X werden die Fertigkeiten dann Fähigkeiten genannt, dumm nur, dass Classskills mit (Klassen)Fähigkeiten übersetzt wurde...
...
In einem Beispieltext zu Waffen wird die Fähigkeit im Umgang mit diesen erwähnt, was aber keinerlei Regelrelevanz hat, sondern einfach nur der dt. Sprachgebrauch ist...
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Offline ghoul

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #5 am: 24.05.2021 | 21:39 »
Lose am Wortlaut orientieren, aber keine Scheu haben zum Umformulieren!
Was auf American English locker-flockig wirkt, klingt auf deutsch schnell Mal nach unmotiviertem 7.-Klasse-Aufsatz (13Mann-Spinwärtsmarken, ich denke da an dich!!!)
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Offline foolcat

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #6 am: 24.05.2021 | 22:18 »
Was zeichnen gute Übersetzungen für euch aus?
Welchen Regeln sollten sie folgen?
Und was dürfen oder sollten sie auf keinen Fall tun?

„Gute“ deutsche Übersetzungen müssen ganz klar einen Mehrwert gegenüber dem englischsprachigen Original bieten. Tun sie dies nicht, kaufe ich lieber das Original und belasse es dabei—deutsche Verlage können dann von mir aus gerne auf ihrem, für mich persönlich überflüssigen, Kram sitzenbleiben.

Eine deutsche Ausgabe sollte zumindest mal sämtliche bis zum Zeitpunkt der Übersetzung erschienenen Errata des Originals beinhalten. Ferner erwarte ich, dass der Übersetzer nicht im stillen Kämmerlein vor sich hin werkelt, sondern in einen aktiven Dialog mit den Autoren des Originals tritt, um etwaige Unklarheiten oder Mehrdeutigkeiten im Original zu finden und zu beseitigen. Ich will ganz klar RAI, nicht RAW, und das soll sich im übersetzen Text niederschlagen, ansonsten brauche ich ihn nicht.

Weiterer Mehrwert? Die Integration von Kompendien, Erweiterungen, oder Abenteuern zum Original in einem deutschen Band, vor allem wenn diese in der Originalfassung nicht mehr im Druck sind. Prometheus hatte das mit Sundered Skies von Triple Ace Games gemacht, und da war mir die Anschaffung einer deutschen Ausgabe zusätzlich zum vorhandenen englischsprachigen Material mal kein Dorn im Auge.

Interessant ist natürlich auch, wenn nicht nur Regelwerke übersetzt werden, sondern das Setting gleich mit übertragen wird. Pegasus macht das sowohl mit Call of Cthulhu, als auch mit Shadowrun ganz geschickt, indem sie die ursprünglichen, überwiegend U.S.-amerikanischen Settings nach Deutschland verlagern, bzw. Quellenbände dafür anbieten. Diese haben üblicherweise keine englischsprachigen Pendants, was dann (bei vorhandenem Interesse natürlich) den Kauf eines deutschsprachigen Buchs erfordert.

Was Übersetzungen gar nicht dürfen, ist über die üblichen Fallstricke zu stolpern. Der Unterschied every/any sollte bekannt sein, ebenso die gängigen idioms. Eigennamen, gerade von Personen, sollten beibehalten werden (außer bei Warhammer Fantasy Roleplay, natürlich). Wenn es um Klarheit und Präzisierung von Regeln geht, dann sollte sich eine Übersetzung keinesfalls sklavisch an den Englischen Satzbau und -Strukturen halten; zur Not sollten halt Absätze, bis hin zu Kapiteln, komplett umformuliert werden. Eine durchgehende Verwendung von metrischen Einheiten ist selbstverständlich.

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Online General Kong

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #7 am: 24.05.2021 | 22:26 »
Es sollte sihc wie ein aufDeutsch geschriebeneer Text lesen und nicht wie eine Übersetzung. Ist dies der Fall, ist die Übersetzung gelungen.

Das bedeutet auch die Veränderung von Sprichwörtern, den man übersetzt den Sinn und nicht das Wort. Auch Namen der Spieler sollte man in Beispielen anpassen. Es gibt zwar auch inwischen Buffies und Claires und (natürlich) Kevins, aber sie sind doch nicht "typisch" (bis auf Kevin, der könnte bleiben).

Bei Weltenbeschreibung würd eich auch Namen ind Deutsche überttragen, solange die Welt nicht asudrücklich Englisch spricht ("Drachenfall" statt "Dragonfall", "Grünwalden" statt "Greenwood",  "Ochsendorf" statt "Oxham").

Gleiches für NSC-Namen:"Lord Bonebridge" wird "Herr (oder Graf) von Beinbrücken" und jeder "Sir Dingsda" wird "Ritter Dingsda".

War früher üblich (Strider = Streicher), heute ist man da oft faul und einfaltslos. Also hier klarer Widerspruch zum Vorposter.
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Offline HEXer

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #8 am: 24.05.2021 | 22:43 »
Meine Meinung:

Wichtigste Regel: Lass jemand anderem mit deutscher Sprachkompetenz nach deiner Übersetzung nochmal ein Lektorat machen. Unbedingt.

Was die Regelanteile und Termini angeht, bitte unbedingt klare deutsche Formulierungen anwenden, der Stil muss da nicht dem Original entsprechen. Hier sind Verständlichkeit und Klarheit deutlich im Vordergrund.

Was die Flufftexte angeht: Wenn im Original ein gewisser Stil vorhanden ist, sollte versucht werden, das in einer deutschen Entsprechung zu erhalten. Blumiges Englisch sollte blumiges Deutsch werden. Nüchternes Französisch nüchternes Deutsch. Eigennamen bitte so übersetzen, dass Sinn aber auch "oomph" erhalten bleiben. Manche Übersetzungen machen aus einem eindrucksvollen englischen Namen einen lächerlichen deutschen.

Oh, und ganz wichtig: Konnotationen beachten!
« Letzte Änderung: 24.05.2021 | 22:47 von HEXer [away] »
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Offline Timo

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #9 am: 25.05.2021 | 21:37 »
Bei Weltenbeschreibung würd eich auch Namen ind Deutsche überttragen, solange die Welt nicht asudrücklich Englisch spricht ("Drachenfall" statt "Dragonfall", "Grünwalden" statt "Greenwood",  "Ochsendorf" statt "Oxham").

Gleiches für NSC-Namen:"Lord Bonebridge" wird "Herr (oder Graf) von Beinbrücken" und jeder "Sir Dingsda" wird "Ritter Dingsda".

War früher üblich (Strider = Streicher), heute ist man da oft faul und einfaltslos. Also hier klarer Widerspruch zum Vorposter.

Da möchte ich dir widersprechen, bzw. klarstellen/Meinung kundtun.
Dem Gedanken/der Idee stimme ich zu nur den Beispielen oft nicht.
Deine Beispiele lesen sich wie Original: Holy Water Übersetzung:Heiliges Wassser
Um es mal überspitzt zu sagen, Übersetzungen von Eigennamen/Ortsnamen sollten den (Sprach-)Stil des Originals einfangen wenn möglich und dürfen auch abweichen.

Strider wäre direkt übersetzt ja "Läufer", nur dass ein Strider eine besonders schnelle, effektive oder auch imposante Gangart beschreibt im englischen. Die Übersetzerin der alten Herr der Ringe Übersetzung hat es mit Streicher übersetzt als dt. Wortbrücke fürs rumstreichen wie eine Katze oder Kurzform von Landstreicher. Eine andere Bedeutung als im englischen, sogar ein bisschen anderer Kontext, funktioniert aber sehr gut im Setting und im dt. Sprachgebrauch.

Oxham würde ich zB mit Ochsfurt oder sogar Ochsfort übersetzen.
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Offline HEXer

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #10 am: 25.05.2021 | 22:36 »
Naja, bei Tolkiens Hintergrund war wohl eher "Streiter" gemeint. Im Sinne von "strive, make a strong effort":

Zitat
stride (v.)
Old English stridan (past tense strad, past participle striden), "to straddle, mount" (a horse), from Proto-Germanic *stridanan (source also of Middle Low German strede "stride, strive;" Old Saxon stridian, Danish stride, Swedish strida "to fight," Dutch strijden, Old High German stritan, German etreiten "to fight, contend, struggle," Old Norse striðr "strong, hard, stubborn, severe").

Von daher ist Streicher im Sinne von "einen Streich (Schlag, Kampf) Ausführender" ggf. noch am nächsten dran. Streiter wäre auch noch möglich.

(Englisch) übersetzen ist enorm schwierig. Und Tolkien macht es mit seinem linguistischen Hintergrund und seiner Art der Namens- und Begriffsfindung sicher nicht einfacher.

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Online tartex

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #11 am: 26.05.2021 | 00:36 »
Doch zuerst noch etwas zu meiner Sicht und im Kontext meines Projekts. Während ich beim Glossar keine Abstriche machen kann und will, um möglichst kompatibel zu bleiben, merke ich bei den Texten immer wieder einen aufkommenden Widerwillen, ihn wortgetreu zu übersetzen. Das hat zum einen mit der Schwafeligkeit von Rollenspielbüchern zu tun. Sprich, es viel zu viel Text. Zum anderen mit der Sprache und dem Inhalt selbst. Sie wirken auf mich oftmals tot und undynamisch. Und der zu transportierte Inhalt scheint sich zu doppeln. Beides führt dazu, dass ich die Texte am liebsten komplett umschreiben würde. Und insbesondere kürzen.

Das klingt für mich nach einer Übersetzung, die es wert ist erworben und gelesen zu werden.

Den Text umschreiben macht wirklich sein! Zumindest stilistisch halten sich die meisten Übersetzungen viel zu nah ans Original und klingen dann schrecklich.
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Offline Rorschachhamster

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #12 am: 26.05.2021 | 01:06 »
Naja, bei Tolkiens Hintergrund war wohl eher "Streiter" gemeint. Im Sinne von "strive, make a strong effort":

Von daher ist Streicher im Sinne von "einen Streich (Schlag, Kampf) Ausführender" ggf. noch am nächsten dran. Streiter wäre auch noch möglich.

(Englisch) übersetzen ist enorm schwierig. Und Tolkien macht es mit seinem linguistischen Hintergrund und seiner Art der Namens- und Begriffsfindung sicher nicht einfacher.
Ähm, wie wäre es mit strider von to stride, und dementsprechend (herum)Streicher?  ;D Manchmal kann man es auch zu kompliziert machen...

EDIT: Ah, Hupps, wurde ja schon gesagt. Zumal Streicher im Sinne von der den Streich führt gar keinen Sinn macht, bei dem Grund, der für diesen Spitznamen erwähnt wird, von Butterblume, wenn ich mich recht erinnere.... .
« Letzte Änderung: 26.05.2021 | 01:09 von Rorschachhamster »

Offline JS

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #13 am: 26.05.2021 | 01:09 »
Allein dieser kleine Thread zeigt wieder, daß du alle Tips beherzigen kannst und mit einer Übersetzung trotzdem immer irgendwem auf die Füße treten oder gegen den Strich formulieren wirst.
 :think:
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Offline Gunthar

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #14 am: 26.05.2021 | 06:42 »
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Doch zuerst noch etwas zu meiner Sicht und im Kontext meines Projekts. Während ich beim Glossar keine Abstriche machen kann und will, um möglichst kompatibel zu bleiben, merke ich bei den Texten immer wieder einen aufkommenden Widerwillen, ihn wortgetreu zu übersetzen. Das hat zum einen mit der Schwafeligkeit von Rollenspielbüchern zu tun. Sprich, es viel zu viel Text. Zum anderen mit der Sprache und dem Inhalt selbst. Sie wirken auf mich oftmals tot und undynamisch. Und der zu transportierte Inhalt scheint sich zu doppeln. Beides führt dazu, dass ich die Texte am liebsten komplett umschreiben würde. Und insbesondere kürzen.

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Wichtig ist, dass der eigentliche Sinn nicht verstellt wird. Auch wenn es dann etwas anders tönt oder sogar umgestellt wird.

Wäre bereit, das Korrektur zu lesen, falls Bedarf besteht.

Offline 10aufmW30

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #15 am: 26.05.2021 | 07:11 »
Was man in seinen eigenen vier Wänden oder bestenfalls für seine Gruppe macht, ist egal.

Sobald du natürlich irgendwas Übersetztes veröffentlichst, geht das ja eh nicht ohne Übereinkunft, Lizenz und Vertrag.
In der Regel sollte eine Übersetzung immer werkgetreu sein. Wenn der Autor eine adjektiv-verseuchte, füllwort-überladene Pseudo-Mittelalter-Schwaffelei geschrieben hat, dann sollte die Übersetzung auch so sein. Ein Übersetzer ist neutral gegenüber dem Original.

Sprachdynamik oder Idiome werden natürlich übertragen, nicht stumpf übernommen. Selbst Errata gehen nur in Absprache mit dem Autoren. Ich habe gerade eine Übersetzung für SM durch, da haben wir wirklich alle Fehler - selbst Kleinigkeit wie eine ständig wechselnde Würfelnomenklatur (1 d3 / d3 / 1d3 / D3 / ...) akribisch protokolliert und dem Autoren zur Abgabe geschickt. Wenn da keine Go kommt, dann müssten Macken und Marotten übernommen werden.

Alles andere ist eine Interpretation nach einer Idee des Autoren und würde mir jemand so etwas vorlegen, würde ich es ablehnen.

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Online Vash the stampede

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #16 am: 26.05.2021 | 07:29 »
@10aufmW30. Gute und interessante Hinweise und Anmerkungen. :d
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Offline HEXer

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #17 am: 26.05.2021 | 08:15 »
Ähm, wie wäre es mit strider von to stride, und dementsprechend (herum)Streicher?  ;D Manchmal kann man es auch zu kompliziert machen...

EDIT: Ah, Hupps, wurde ja schon gesagt. Zumal Streicher im Sinne von der den Streich führt gar keinen Sinn macht, bei dem Grund, der für diesen Spitznamen erwähnt wird, von Butterblume, wenn ich mich recht erinnere.... .

Ich habe nur eine weitere Möglichkeit aufgezeigt, wie man es übersetzen kann. Und die Argumente dafür dargelegt. Natürlich gibt es Argumente dagegen und natürlich ist es schwierig. Das wollte ich damit ja aussagen.

Oh, und "Butterbur" ist übrigens Pestwurz, nicht Butterblume. ;)
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Online tartex

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #18 am: 26.05.2021 | 09:09 »
Also ich denke bei Kleinverlagen kann man da wahrscheinlich einen Vertrag aushandeln, der gewisse Freiräume bei der Übersetzung bietet.

Hängt natürlich auch davon ab, wie man bei den Verhandlungen in den Wald ruft, bzw. welche Gründe man dafür angibt.

Mir muss eine Übersetzung aus dem englischen auf jeden Fall einen originären Mehrwert bieten - eine gewisse Eigenständigkeit wäre das - sonst sehe ich keinen Grund nicht zum Original zu greifen.

Aber ein Großteil der Übersetzungen ins Deutsche ist einfach schlecht gemacht. Letztens habe ich es z.B. mal wieder mit dem deutschen Runequest probiert, und nach einer Seite wieder weggelegt, weil es mir so holprig am Englischen entlangübersetzt wirkte. Und die Übersetzung hat tatsächlich jemand vom Fach gemacht...
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Offline Turgon

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #19 am: 26.05.2021 | 09:11 »
Oh, und "Butterbur" ist übrigens Pestwurz, nicht Butterblume. ;)
Ja, aber hier ist glaube ich auch offensichtlich, warum man nicht die wortwörtliche Entsprechung genommen hat ;-)

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #20 am: 26.05.2021 | 09:27 »
... Letztens habe ich es z.B. mal wieder mit dem deutschen Runequest probiert, und nach einer Seite wieder weggelegt, weil es mir so holprig am Englischen entlangübersetzt wirkte. Und die Übersetzung hat tatsächlich jemand vom Fach gemacht...

Du meinst das neue Runequest, das erst vor kurzem erschien?
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Offline Rorschachhamster

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #21 am: 26.05.2021 | 09:45 »
Ich habe nur eine weitere Möglichkeit aufgezeigt, wie man es übersetzen kann. Und die Argumente dafür dargelegt. Natürlich gibt es Argumente dagegen und natürlich ist es schwierig. Das wollte ich damit ja aussagen.

Oh, und "Butterbur" ist übrigens Pestwurz, nicht Butterblume. ;)
Ja, Ok, er nennt Streicher auch nur Waldläufer und wahrscheinlich Ranger im Englischen?  ^-^ Mußte ich gestern dann doch noch nachlesen...  :P

Und, weil mich das gerade nicht losließ, ein alternativer Name für Pestwurz ist wohl "Sonnendächle"  ~;D

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #22 am: 26.05.2021 | 10:37 »
Du meinst das neue Runequest, das erst vor kurzem erschien?

Ja. Wahrscheinlich sollte ich da eine zweite Chance geben, weil man bei einer Seite noch nicht wirklich im Lesefluss drin ist. Aber die fehlenden Zitat zum Einstieg und die ersten paar Sätze haben mich gleich rausgehaut.

Vielleicht sind auch viele Leute, die deutsche Übersetzungen lesen, diesen halbenglischen Stil bereits so gewöhnt, dass es sie gar nicht (mehr) stört.
« Letzte Änderung: 26.05.2021 | 11:30 von tartex »
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Offline HEXer

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #23 am: 26.05.2021 | 10:46 »
Ja, Ok, er nennt Streicher auch nur Waldläufer und wahrscheinlich Ranger im Englischen?  ^-^ Mußte ich gestern dann doch noch nachlesen...  :P

Und, weil mich das gerade nicht losließ, ein alternativer Name für Pestwurz ist wohl "Sonnendächle"  ~;D

Wusste ich gar nicht. Klingt zwar etwas schwäbisch, aber irgendwie fänd ich persönlich das für die Figur fast noch schöner. Bei mir heißt der ab jetzt so. :) Wenn ich den Herrn der Ringe ncoh mal vorlese, weiß ich jetzt schon den Akzent. Cool!
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Offline ghoul

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #24 am: 28.05.2021 | 14:23 »
Wenn ich mir die alten Roman-Klassiker aus dem Regal nehme, die ich in jungen Jahren verschlungen habe, Verne, Stevenson, dann springen mich dort auch die faulen Übersetzungen an: Goelette-Brigg statt Schoner-Brigg, wörtliche Übersetzung von Seemanns-Slang etc.
Es sind also nicht nur Rollenspiel-Bücher schlecht übersetzt. Reicht das als Trost?  :think:
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Offline Jiba

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #25 am: 28.05.2021 | 15:07 »
Es sind also nicht nur Rollenspiel-Bücher schlecht übersetzt. Reicht das als Trost?  :think:

Tell me about it. Ich habe als Jugendlicher hauptsächlich JRPGs auf der Playstation gespielt. Die "Chain Mail" war bei "Suikoden 2" tatsächlich die "Kettenpost"! ;D
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Offline Gunthar

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #26 am: 28.05.2021 | 20:59 »
Tell me about it. Ich habe als Jugendlicher hauptsächlich JRPGs auf der Playstation gespielt. Die "Chain Mail" war bei "Suikoden 2" tatsächlich die "Kettenpost"! ;D
Der Klassiker :D In einem anderen Spiel hatten sie den Pawn mit Pfand statt Bauer übersetzt.

Offline Doc-Byte

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #27 am: 29.05.2021 | 00:16 »
Der Klassiker :D

Der Klassiker schlechthin ist immer noch "radio" als "Radio" zu übersetzen. - Ich glaube ja eher nicht, das V'Ger in Star Trek - The Motion Picture versucht hat, die Enterprise via "Radio" zu erreichen. Da dürfte wohl eher jemand übersehen haben, dass die Amerikaner "Funk" meinen, wenn sie "radio" sagen... :think:


Aber Übersetzen ist echt so eine Sache. Ich dachte mir mal vor Jahren; ich kann gut Englisch und Deutsch, meld dich doch mal als Übersetzer... Was soll ich sagen? Ich glaube, ich musste noch viel dazu lernen und hoffe es inzwischen wenigsten ein wenig getan zu haben.


*) Ich hab mich btw nie getraut, in das fertige Buch meiner ersten Übersetzung zu schauen. wtf?

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #28 am: 30.05.2021 | 09:45 »
Nachdem ich jetzt länger darüber nachdachte, insbesondere aufgrund des Kommentars von 10aufmW30, habe ich eine Antwort (von vielen) für mich gefunden.

Wie eingangs beschrieben, übersetze ich mir gerade für ein Projekt Elemente aus verschiedenen Büchern, die es noch nicht auf deutsch gibt (Schatten des Dämonenfürsten, um genau zu sein). Da ich insbesondere Rollenspieltexte, sofern sie kein reiner Fluff sind, als Gebrauchstexte, Arbeitstexte oder Anleitungen wahrnehme, ich aber verstehe, dass es Verträge und den Anspruch auf Werktreue gibt, kann ich wohl keine offiziellen Übersetzungen mehr machen. Nicht, dass dies in letzter Zeit der Fall gewesen wäre, oder dass ich ein guter Übersetzer bin. Aber mir ist es jetzt bewusst geworden, wie sehr mich die Verpflichtung stört. Und ich kann und will hierbei nicht neutral sein. Diese Erkenntnis hatte ich nun und dafür bin ich dankbar.

Soviel als Einschub. Und nun weiter im Thread.
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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #29 am: 4.06.2021 | 18:24 »
@Gunthar.
...
Wäre bereit, das Korrektur zu lesen, falls Bedarf besteht.

Frage: Wie sind deine Regel-/Systemkenntnisse von Der Schatten des Dämonenfürsten? Die Brocken sind jetzt übersetzt und Korrektur lesen wäre nicht schlecht, bevor ich sie verbaue.
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Offline 10aufmW30

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #30 am: 4.06.2021 | 18:52 »
Kleiner Tipp: redaktionelle Überarbeitung und Lektorat trennen. ;)
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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #31 am: 4.06.2021 | 18:59 »
Kleiner Tipp: redaktionelle Überarbeitung und Lektorat trennen. ;)

Danke. Ich werde versuchen, es zu beherzigen.
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Offline Gunthar

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #32 am: 4.06.2021 | 21:34 »
@Gunthar.
Frage: Wie sind deine Regel-/Systemkenntnisse von Der Schatten des Dämonenfürsten? Die Brocken sind jetzt übersetzt und Korrektur lesen wäre nicht schlecht, bevor ich sie verbaue.
Das System habe ich auf Englisch. Aber leider wegen privaten Problemen komme ich unter der Woche kaum zum Spielen. Daher leider noch keine SotDL Regelerfahrung.

Offline Ruinenbaumeister

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #33 am: 15.06.2021 | 22:58 »
Übersetzen ist eine Kunst. Es setzt profunde Kenntnis der fremden und Stilsicherheit in der eigenen Sprache voraus. Außerdem ist große Sorgfalt nötig. Eine gute Übersetzung ist zunächst nicht als solche zu erkennen, denn sie liest sich, als wäre der Text ursprünglich in ihrer Sprache verfasst worden. Freilich werden nur wenige diesem Ideal gerecht. Gerade Leser, die Ausgangs- und Zielsprache kennen, werden sich bei holprigen Passagen oft mit Rückübersetzungen behelfen.

Eine Ausnahme gibt es, nämlich wenn Eigenheiten der Ausgangssprache in der Zielsprache beibehalten werden, um Lokalkolorit oder bestimmte Inhalte zu transportieren. Das Chinesische kennt z.B. für ältere und jüngere Geschwister unterschiedliche Bezeichnungen und es ist verbreiterer als bei uns, sich mit Berufsbezeichnungen anzureden. Die Kunst des Übersetzens besteht darin zu erkennen, wo man Dìdi mit kleiner Bruder, jüngerer Bruder oder mit Bruder übersetzt. Ein Patzer bei der Übersetzen-Probe liegt da vor, wenn ein falscher Lokalkolorit transportiert wird, beispielsweise wenn ein Film in Spanien spielt und die Kinder darin ihre Eltern mit Mom und Dad anreden. (Es sei denn, das wäre mittlerweile dort üblich geworden, und selbst dann wäre es fragwürdig.)

Gelungene Übersetzungen können durchaus frei gestaltet sein und ihre eigene künstlerische Qualität zeigen. Man denke nur an Erika Fuchs, aus deren Donald-Duck-Übersetzungen einige geflügelte Worte stammen. Völlig misslungen sind Übersetzungen, die sklavisch am Originaltext kleben und deren Schöpfer nicht einmal den Sinn des Originaltexts verstanden haben. In Age of Wonders: Planetfall ist von "Netzteilen" die Rede, die die Superwaffe eines Flugschiffes speisen und viel Platz wegnehmen. Hier sind ganz klar Stromaggregate bzw. Generatoren gemeint und keine Netzteile.

Hier sehen wir aber auch ein gravierendes Problem: Unser Übersetzer muss über eine breitgefächerte Bildung verfügen. Er kann sich nicht auf Nachschlagewerke verlassen. Wer zum Beispiel auf dict.leo.org nach "power supply" sucht, der findet dort als Übersetzungen: Stromversorgungsgerät, Netzteil, Spannungsversorgung, Stromversorgung, Netzanschluss, Elektrizitätsversorgung, Netzanschlussgerät, Netzgerät, Speisegerät, Energieversorgung, Stromzufuhr, elektrische Energie, Elektroversorgung, Leistungsversorgung, Netzversorgung und Speisung. Vielen Menschen ist nicht einmal der Unterschied zwischen Strom und Spannung geläufig. Wie sollen sie sich hier auskennen?

Ein anderes Beispiel sind die "Unantastbaren" aus Age of Wonders 3. Diese stehen in der sozialen Hierarchie der Goblins ganz unten, doch als unantastbar bezeichnen wir in Deutschland die Grundrechte. Es handelt sich um besonders wichtige, ja quasi heilige Rechte. Für die, die in einem Kastensystem ganz unten stehen, die also nicht einmal die unterste Stufe der sozialen Leiter erklommen haben, haben wir ein anderes Wort: Unberührbare. Auch das muss ein Übersetzer wissen.

Die Ansprüche sind also groß, die Wirklichkeit bleibt hinter ihnen zurück. Dennoch glaube ich, dass mehr Sorgfalt sich bei Übersetzungen lohnen würde, egal bei welchem Medium.
Und wenn ich mich im Zusammenhang
des Multiversums betrachte, wie oft bin ich?

Offline ArneBab

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #34 am: 16.06.2021 | 01:09 »
Die Ansprüche sind also groß, die Wirklichkeit bleibt hinter ihnen zurück. Dennoch glaube ich, dass mehr Sorgfalt sich bei Übersetzungen lohnen würde, egal bei welchem Medium.
Und gutes Lektorat ist wichtig, denn irgendwas werden auch professionell Übersetzende übersehen. Hier ein zweites (oder drittes) Paar Augen zu haben ist Gold wert. Auch wenn das die Überzeugung von den eigenen Fähigkeiten beeinträchtigen kann (die auch notwendig ist, um sich an herausfordernde Aufgaben zu wagen — kreativere Übersetzungen zu wagen).
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Offline 10aufmW30

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #35 am: 16.06.2021 | 07:15 »
Die Ansprüche sind also groß, die Wirklichkeit bleibt hinter ihnen zurück. Dennoch glaube ich, dass mehr Sorgfalt sich bei Übersetzungen lohnen würde, egal bei welchem Medium.

Vielleicht sollte man auch wissen, dass Übersetzen zu den eher schlecht bezahlten Jobs im Produktionsprozess gehört. In der Regel wird nach Worten oder Zeichen bezahlt. Damit ist es lediglich der eigene Anspruch der den Übersetzer da nochmal mehr Zeit investieren lässt.

Für mich als Hobby-Übersetzer ist das Produkt am Ende wichtig, da geht dann vielleicht mal eine Stunde mehr rein, aber den Rest machen Redakteuer und Lektor. Für einen Übersetzer, der seinen Lebensunterhalt damit bestreiten muss, geht aber Masse vor solange der Kunde mit der Qualität zufrieden ist und der nächste Auftrag wieder eingeht.

Als Vergleich, was ich im Rollenspielbereich bekomme und was ich beruflich meinen Übersetzern zahle: Die "Profis" bekommen das Vierfache. Und trotzdem freue ich mich wenn ein Produkt erscheint und ich etwas mein Hobby refinanzieren kann.
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Offline Boba Fett

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #36 am: 16.06.2021 | 07:55 »
Ich bin für Begriffsübersetzungen ins deutsche (also pro "Tiefwasser") aber nicht um jeden Preis.
Der Protagonist der Romanserie um "Owen Deathstalker" wurde mit "Owen Todsteltzer" (oder so ähnlich) übersetzt und 9 Bücher, die an sich intereressant sind, lesen zu müssen, wo dieser Name bestimmt 10 mal pro Seite auftaucht, verursacht Geschwüre...

Und ich bin bei Übersetzungen auf jeden Fall für eine Begriffsliste am Ende des Buchs, was wie übersetzt wurde.
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Offline 10aufmW30

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #37 am: 16.06.2021 | 08:08 »
Und ich bin bei Übersetzungen auf jeden Fall für eine Begriffsliste am Ende des Buchs, was wie übersetzt wurde.

Interessehalber: Wäre es dir einen Aufpreis wert, dass hinten noch mal 10-15 Seiten Übersetzungsmatrix (strenggenommen eine Tabelle, aber der Begriff hat sich etabliert) angehängt sind?
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Offline Ma tetz

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #38 am: 16.06.2021 | 08:20 »
Für mich sind Rollenspielbücher Gebrauchstexte. Solange ich sie flüssig runterlesen kann, reicht mir das. Ich bevorzuge in der Regel die deutschen Übersetzungen das ist einfach bequemer. Dafür bezahle ich dann auch gerne mehr Geld, wenn ich das System längerfristig spielen möchte.
Eine Zeitlang habe ich Romane im englischen Original gelesen. Wenn man das zuerst macht, wirken Übersetzungen oft hölzern. Ich glaube aber das das eher eine Frage der Prägung ist. Wenn ich die Texte zuerst auf deutsch lese, kommen sie mir im Nachhinein nie komisch vor, auch wenn ich dann das Original kenne.
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Offline ArneBab

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #39 am: 17.06.2021 | 22:27 »
Interessehalber: Wäre es dir einen Aufpreis wert, dass hinten noch mal 10-15 Seiten Übersetzungsmatrix (strenggenommen eine Tabelle, aber der Begriff hat sich etabliert) angehängt sind?
Hängt vom Buch ab. Bei einem Gurps Kompendium 1 ganz klar.  Bei einem Grundregelwerk vielleicht auch. Ansonsten eher nicht, weil ich es ja gar nicht mit fremdsprachigen Quellenbüchern nutzen will.
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Offline Huhn

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #40 am: 18.06.2021 | 08:53 »
Zum Thema Übersetzung kann ich wärmstens Timberweres Buchtipp weiterempfehlen: Hans G. Hönig/Pual Kußmaul: Strategie der Übersetzung. Mir hats geholfen, besser einzuschätzen, was eine Übersetzung leisten kann/soll und wie ich Feedback zu Übersetzungen geben kann (dort hochtrabend als "Übersetzungskritik" bezeichnet, aber so professionell sehe ich mich dann doch nicht). Auch Gespräche mit einer Bekannten, die als Übersetzerin arbeitet, haben mich erleuchtet. Als professionelle*r Übersetzer*in tanzt du ständig einen Drahtseilakt zwischen Wünschen deiner Kundschaft nach einer großartigen Übersetzung und der Realität, dass die dir halt nur soundso viel Geld dafür zahlen und du einfach auf die Stunde gerechnet bei nem vernünftigen Lohn rauskommen musst. Da muss eine Übersetzung einfach irgendwann als fertig deklariert werden.

Insofern ist die Gewichtung für mich im Rollenspielbereich: korrekt > lesbar > "schön". Für den Anteil "schön" und bei Hobbyübersetzer*innen in zumutbarem Umfang "lesbar" ist, wenn man halt wie schon angesprochen im Rollenspielbereich deutlich unter Markt bezahlt, das Lektorat zuständig, nicht die Übersetzung. (Und auch das nur auf Basis hobbymäßiger Selbstausbeutung. Ich rechne mir meinen realen Stundenlohn für Beyond the Wall lieber nicht aus :D )

Zitat
Beides führt dazu, dass ich die Texte am liebsten komplett umschreiben würde. Und insbesondere kürzen.
Ich verweise auch hier auf Hönig/Kußmaul - was ist das Ziel und Zielpublikum deiner Übersetzung? Erwarten die eine halbwegs exakte Wiedergabe aus dem Englischen oder wollen die bloß wissen, worums geht? Bei Rollenspielregelbüchern würde ich ja eher das Erstere vermuten - es kommt sonst schnell die Vermutung auf, dass Texte "fehlen". Dass der Ausgangstext nicht so toll ist, ist ja nicht dein Problem als Übersetzer, zumal da auch viel vom persönlichen Geschmack abhängt. Allzuviel im Text herumzupfuschen, noch dazu ohne Absprachen, kann auch anmaßend gegenüber den Autor*innen wirken, die sich ja evtl. beim Aufbau des Buches auch was gedacht hatten. Ergänz doch stattdessen lieber etwas, durch das das Buch leichter nutzbar wird - eine Regelübersicht, eine Seitenübersicht ("Wo finde ich die relevanten Regelabschnitte") oder ein gutes Sachregister zum Beispiel.

Eine gute Übersetzung nach Kußmaul/Hönig wäre eine, die ihren Zweck in angemessener Art und Weise erfüllt. Zielsetzung der Übersetzung und was in diesem Rahmen angemessen ist, ist halt der Knackpunkt.

Edit: Um mal diese erstmal wenig hilfreiche Definition auf Ruinenbaumeisters Beispiele anzuwenden: Netzteil/Generator erfüllt seinen Zweck nicht mehr, denn hier fragt sich der deutsche Leser (tm), seit wann Netzteile viel Platz wegnehmen und Strom erzeugen. Unantastbar/unberührbar ist nicht die beste Übersetzung, erfüllt aber ihren Zweck, weil trotz der eher unpassenden Wortwahl deutlich wird, was gemeint ist - hier läge also ein wenig schwerwiegender Fehler vor. Man muss hier ein bisschen aufpassen, nicht in die Falle zu tappen, jede vermeintlich unpassende Übersetzung als "total falsch" und "der konnte halt nicht gut genug Englisch" zu interpretieren, nur weil man selbst zufällig genau diese Vokabel kannte.
« Letzte Änderung: 18.06.2021 | 08:59 von Huhn »
Wer gackert, muss auch ein Ei legen.

Offline Zanji123

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Re: Rules for... Übersetzung
« Antwort #41 am: 5.07.2021 | 07:40 »
es gibt einen Grund warum die Ausbildung zum Übersetzer n Studium ist (das du selbst zahlen darfst) und der Bereich der Literatur ein eigener Fachbereich ist den du auswählen musst

9 von 10 Stimmen in meinem Kopf sagen ich bin nicht verrückt.... die zehnte sitzt in der Ecke und summt die Pokécenter Melodie