Autor Thema: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen  (Gelesen 1146 mal)

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Offline Deltacow

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mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« am: 11.06.2021 | 23:55 »
hallo zusammen

ich bin zur Zeit versucht mehr Cyberpunk Atmo / Mood in eine laufende Kampagne zu bekommen .. Musik ist wohl das was wir zur Zeit am intensivsten nutzen aber iwie hab ich oft das Gefühl das Cyberpunk sich anders anfühlen sollte ... gibst hierzu Tipps? wie bekomme ich das Gefühl einer Dystopie in die Runde?

Offline SeldomFound

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #1 am: 11.06.2021 | 23:57 »
Nun, schau mal hier, du hast ein gutes Timing: https://youtu.be/ER8U7snhrq0


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Offline JS

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #2 am: 12.06.2021 | 00:02 »
wie bekomme ich das Gefühl einer Dystopie in die Runde?

Ich fand es gerade beim Cyberpunk extrem hilfreich, mir immer wieder die "großen" Filme und Serien dazu anzuschauen, weil deren intensive Wirkung sich dann auch in meinem Kopf und in den Details dann auch im Spiel wiederfanden. Neulich schaute ich z.B. erneut die Verfilmung von Ghost in the Shell und war wieder einmal von der Atmo begeistert; Blade Runner 1+2 dito, Altered Carbon, GitS Serie usw.
Für mich ist gerade Cyberpunk eine sehr spezielle und atmosphärisch dichte und "definierte" Spielwelt, die davon sehr profitiert.
Wer gern sagt, was er denkt, sollte vorher etwas gedacht haben.
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Offline Infernal Teddy

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #3 am: 12.06.2021 | 00:06 »
Die Frage ist auch immer was man sich selbst unter "Cyberpunk" vorstellt
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Offline Arkam

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #4 am: 12.06.2021 | 15:00 »
Hallo zusammen,

nachdem was ich bisher in mehreren Cyberpunk 2020 und Shadowrun Runden erlebt habe würde ich für ein solches Spiel mehrere Punkte beachten.

Vosicht vor der Düstermis - Wenn alle Auftraggeber einen betrügen oder gar am Ende eines Auftrags umbringen wollen, unter jeder Matraze eine Clymoremine liegt jede Ausgabe einen ans Hungertuch bringt oder dann eingeplante Ausrüstung in weite ferne rückt werden die Spieler und die Charaktere fuchsig. Es interessiert keinen mehr die Umstände eventuell zu verbessern oder als Team zusammen zu arbeiten. Man ist ein eiskalter Profi und geht über Leichen, solange man keinen Bonus bekommt oder überwacht wird.
Aufrüstung vermeiden - Man bekommt schnell den Eindruck der komplette Staat und jeder Großkonzern hätte nur ein Ziel. Die Spielercharaktere sollen kleingehalten, niedergemacht oder getötet werden. Dagegen bekommt man dann gerne Cyberware, Decks und sonstige Ausrüstung mit der man zur wandelnden Armee wird oder bei der die Autoren nie an ein konsequentes Zusammenspiel gedacht haben. Die Rüstungsspirale dreht sich dann gerne weiter und alles was nicht regeltechnisch das Überleben sicher ist uninteressant.
Regeln machen Werte - Bei Cyberpunk 2020 und bei Shadowrun legen die Regeln teilweise fest welche Werte man bei der Charaktererschaffung nehmen sollte. Bei Cyberpunk 2020 bestimmt die Höhe des Spezialskills wieviel Geld man zum Start und gegebenenfalls später pro Monat bekommt. Bei Shadowrun 5. Edition kann man sich schnell ausrechnen das man das Anfangsdeck des Hackers wohl nicht so schnell wechseln wird. Da kommen teilweise Charaktere heraus zwar gute Werte haben aber nicht interessant sind.

Gute Erfahrungen habe ich mit Charakteren gemacht die sich sozusagen von berufswegen um die Schlechtigkeit der Welt kümmern. Bei mir waren es Polizisten aber auch Reporter und Künstler haben hier Potential.
Gleichzeitig kann man den Charakteren einen gewissen ruhigen Hafen beschaffen. Man ist eben kein Straßenabschaum den keiner vermisst sondern hat ein gewisses Schutzpolster das erst durch Kampagnen, Warnungen oder nichtlethale Drohungen angekratzt wird bevor man die Killer schickt.
So bekommt man im Spiel auch schon Mal einen stärkeren Kontrast. Wenn der Polizist etwa mit jugendlichen Prostituierten, Snuffer Pornos oder illegalem Organhandel konfrontiert wird.
Von der grundlegenden Atmosphäre landet man dann eher bei Blade Runner, Vernetzt - Johnny Mnemonic oder Strange Days.
Bei Cyberpunk 2020 habe ich gerne ein Newsfax geschrieben das ich den Charakteren dann als Handout in die Hand drücken konnte. So lässt sich etwa die grundlegende Lage in einer Stadt gut zusammenfassen ohne das man lange Stimmungstexte verfassen müsste.

Gruß Jochen

Offline Aedin Madasohn

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #5 am: 12.06.2021 | 16:05 »
wie bekomme ich das Gefühl einer Dystopie in die Runde?

hallo Deltacow,

Dystopie gibt es ja in vielen Varianten

- angelehnt an Amazon/Apple/Siliconvalley als saubere Fassade mit "nicht böser gedachten Totalüberwachung", wo so genau keiner wollte "aber jetzt ist dein KI generiertes matching einfach zu sehr auf Amoklauf, als dass wir dich frei laufen lassen könnten" gemäß dem Moto: der Weg in die Hölle ist mit guten Absichten gepflastert.
die Chars tragen schicke Anzüge, wedeln mit ihren FakeIDs sich durch die Metro, trinken to-go-Sof-Kaffee von Starbucks und planen einen Heistrun gegen ein luktratives Target
wenns aber knallt, dann rollen gleich Cyberzombi-SEALs an den Ort des Terrorgeschehens

- angelehnt an postapokalyptische/failedstaates/bürgerkriegs/Slum-Szenarien geht alles vor die Hunde. Keine Staatsführsorge, keine Almosen und keine Poliziei/Richter, welche jetzt dir abgezogenes Opferhemdchen gegen die Schlägertrupps helfen würde.
alles ist dreckig. Faustrecht auf der Straße. Cops sind bestenfalls eine Fraktion im urbanen TotalWar und schlechtestensfalls nur unterbezahlte, kaputtgesparte und technisch abgehängte Opfer (etwa wie die Polizei von Detroit im ersten Robocop)
haste Geld, kannste alles haben! selbst Menschenleben sind käuflich und was für krassen Cyberscheiß jemand im Goblin/Schattenmarkt innerhalb einer alten Kaufhausruine führt, geht nur den was an, der die (zuweilen brutal direkte) Antwort auch ertragen kann

Offline YY

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #6 am: 12.06.2021 | 20:28 »
wie bekomme ich das Gefühl einer Dystopie in die Runde?

Meiner Erfahrung nach bringen Kleinigkeiten unverhältnismäßig viel - also mal überlegen, wo z.B. bestimmte Verhaltensweisen für die Menschen im Setting völlig normal geworden sind, die für die Spieler auffällig bis undenkbar sind. Das muss noch nicht mal eine große Zahl sein, aber wenn man das immer wieder in Beschreibungen einstreut und diese Kleinigkeiten alle eine ähnliche Stoßrichtung haben, entsteht der Eindruck eines sehr dicht und einheitlich beschriebenen Settings, obwohl es nur Versatzstücke sind.
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
- Pyromancer

Offline Alexandro

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #7 am: 12.06.2021 | 21:31 »
Dafür ist es erstmal wichtig, Dinge zu etablieren, welche den Charakteren wichtig sind.

Und dann zu zeigen, dass das Festhalten an einem "angepassten" Verhalten bedeutet, dass sie diese Dinge aufgeben müssen. Dann können sie zeigen, ob ihnen das mit dem "Punk" ernst ist, oder ob sie lieber den bequemen Weg des Konzernsklaven einschlagen und ihre Ideale mit Füßen treten.
« Letzte Änderung: 12.06.2021 | 21:33 von Alexandro »
“I really believe what we experienced the night before can be turned into a game for creating stories” -- Gary Gygax, 1972 (talking about a game of "Blackmoor", run by Dave Arneson)

Offline Waldviech

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #8 am: 12.06.2021 | 21:50 »
Das finde ich einen guten Ansatz! Was IMHO auch immer sehr gut funktioniert, ist bei Alltäglichkeiten anzusetzen und diese so bizarr und unangenehm zu gestalten, das der Punk von ganz alleine nahe liegt. Sprich: wenn das Leben eines Konzernsklaven aus heutiger Sicht eben NICHT bequem ist, so dass man gut nachvollziehen kann, warum jemand außerhalb des Systems leben will. Klar, das Einkommen ist gesichert - aber als Konzernsklaven musst Du morgens nicht nur brav und unter Bewachung die Konzernhymne singen. Du kannst auch Deine sauer verdienten Konzernkredits ausschließlich im Company-Store ausgeben. Dein Arbeitsvertrag zwingt Dich dazu, nur in streng vorgegebenen Werbefloskeln über Deinen Arbeitgeber zu reden. Deine Arbeitszeiten belaufen sich auf entspannte 14 Stunden, sechs Tage die Woche. "Hippe" Gemeinschaftsaktivitäten nach Feierabend mit den Kollegen sind vorgeschrieben. Der bewaffnete Werksschutz sorgt dafür, dass Du auch brav teilnimmst. Ob Du das willst oder nicht. Du lernst gerade Deine große Liebe kennen? Gut! Die allgemeinen Moralrichtlinien Deines Brötchengebers erklären Dir penibel, was in Deinem Sexualleben statthaft ist und was nicht.
« Letzte Änderung: 12.06.2021 | 21:53 von Waldviech »
Barbaren ! Dekadente Stadtstaaten ! Finstere Hexenmeister ! Helden (oder sowas Ähnliches)!

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Offline Blechpirat

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #9 am: 14.06.2021 | 10:44 »
Für mich funktionieren so kleine Details in der Umwelt gut. Geld, dass jeden Tag was anderes wert ist (oder du zahlst mit Arasaka-Yen, das ist ne stabile Währung. Leider aber digital und jede Transaktion wird aufgezeichnet.

Virtuelle Snowboardfahrten als Braindance - denn der Arbeitgeber gestattet so riskant selbstverletzendes Verhalten nicht.

Rettungswagen, die dich nur mitnehmen, wenn du noch die Kreditkarte hochhalten kannst.

Menschen, die aus Not Ratten essen.

Sehr reiche Menschen, die Ratten im Slum essen, um das "echte Leben" zu erfahren.

So krams halt.

Offline Boba Fett

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #10 am: 14.06.2021 | 11:13 »
Ich finde es immer schwer, irgendeinen modernen / dystopischen "Setting-Style" hinzubekommen, wenn die Spieler nicht Charaktere spielen (wollen, können), die nicht auch mit den alltäglichen Situationen des Settings in Berührung kommen.
Wenn man sich nur auf den "We're on a Misson" Gedanken konzentriert, wird es eben schwer, die Welt wiederzugeben.
Leider verführt Cyberpunk (respektive Shadowrun) dazu, eher Spec-Ops Teflon-Charaktere zu spielen.

Insofern geht meine Empfehlung dahin, genau darauf zu achten - dass die Spielercharaktere ein "Privatleben" haben und dass es genug alltägliche Szenen gibt, die den Flair einfangen können. Und dass es auch banale Alltagsprobleme gibt, mit denen man sich auch beschäftigen kann. Die Betonung liegt auf "auch".
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Offline storm

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #11 am: 24.06.2021 | 07:10 »
Vielen Dank für diesen Thread! Ich möchte auch schon lange eine Shadowrun-Runde starten, habe mich aber genau mit diesen hier besprochenen Problemen immer schwer getan, da ich mehr als nur einen Run spielen möchte, sondern ja gerade die Welt so spannend ist. Ich kann leider nicht wirklich was beitragen, möchte mich aber für die Anregungen bedanken  :d

Offline LUCKY_Seb

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #12 am: 24.06.2021 | 09:51 »
Ich finde es immer schwer, irgendeinen modernen / dystopischen "Setting-Style" hinzubekommen, wenn die Spieler nicht Charaktere spielen (wollen, können), die nicht auch mit den alltäglichen Situationen des Settings in Berührung kommen.

sofern geht meine Empfehlung dahin, genau darauf zu achten - dass die Spielercharaktere ein "Privatleben" haben und dass es genug alltägliche Szenen gibt, die den Flair einfangen können. Und dass es auch banale Alltagsprobleme gibt, mit denen man sich auch beschäftigen kann. Die Betonung liegt auf "auch".

+1 Absolut. Das müsste man ausgiebig in Session Zero besprechen - da es ein genialer aber (meiner Erfahrung nach) doch eher atypischer Ansatz ist...

Ich fand gerade in den frühen Shadowrunversionen die Zitate der NSC`s als eine Art Steinbruch für die Realität des Sprawls - wenn man nun so mutig ist und das an die Lebenswirklichkeit SC ran kommen lässt wird es richtig spannend...

 :wf: Wäre ja was für Fate Shadowcore XP (mit den Aspekten könnte man die SC in der dystopischen Realität regeltechnisch verankern)
Wer alles durchschaut sieht nichts mehr

Offline Buddz

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #13 am: 24.06.2021 | 12:41 »
Eine zentrale Frage ist dabei für mich ob die Spieler gerne Helden sein wollen.

Wenn sie gerne Helden sein wollen, musst du die Dystopie als Anstrich oder Facade präsentieren. Wenn aber auch deine Spieler die Dystopie wollen, dann musst du ihre Charaktere brechen. Dann muss das Ganze wie 1984 enden, inklusive der Ratte.

Aber du kannst nur einem Gott dienen. Helden, welche den Authoritäten mit ihren schweren Stiefeln ins Gesicht treten und welche vor (mehr oder weniger) lösbare Probleme gestellt werden (hey, lasst uns doch die Pflanzen mit Wasser wässern und nicht mit Gatorade (TM), dann kriegen wir das mit der Hungersnot schon wieder in den Griff!). Oder sie sind hoffnungslose oder -volle Idealisten in einem System welches weder durch Reformen noch durch Revolutionen gestürzt werden kann, sondern unweigerlich immer nur auf das eine hinausläuft: das Ende. Deines. Jeder Sieg ist temporär (oder eingebildet / nur eine Simulation / Drogen / usw.), jede Errungenschaft verrinnt (evtl. mit deinem Blut, aber auf jeden Fall mit deiner Integerität). Welcome to the Machine.

Wenn deine Spieler gerne Helden sein wollen (vielleicht auch im Gegensatz zu dem was sie dir sagen, Stichwort: soziale Erwünschtheit) und du ihre Helden zerbrichst... nun ja, du kannst es dir sicherlich vorstellen.
Condensing fact from the vapor of nuance.

Offline ArneBab

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #14 am: 25.06.2021 | 08:17 »
Wenn sie gerne Helden sein wollen, musst du die Dystopie als Anstrich oder Facade präsentieren. Wenn aber auch deine Spieler die Dystopie wollen, dann musst du ihre Charaktere brechen. Dann muss das Ganze wie 1984 enden, inklusive der Ratte.
Wobei es auch zwischenformen geben kann. Im Zweifel durch die Charaktere selbst: Eine hat vielleicht noch eine alte Freundin im Sprawl und wird (und will) daran kaputtgehen, dass sie immer wieder zurückfällt, während eine andere ihre Gang Schritt für Schritt aus der Hölle zieht und ihnen hilft, eine Existenz abseits der Städte aufqubauen, und ein Dritter sucht Rache an einem Großkonzern — und bekommt sie auch.

Konsequenzen, die durch die Besonderheiten der Charaktere moderiert werden. Es gibt in SR ja schließlich auch die schöne Glasfassade, und wer wertvoll ist und nicht unter die Oberfläche schaut, hat gute Chancen für lange Zeit glücklich zu sein. Wer dagegen anfängt zu schauen …

Welche der Charaktere können es nicht lassen zu schauen?
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Flyerbücher — Steampunk trifft Fantasy — auf einem Handzettel.
Technophob — »Wenn 3D-Drucker alles her­stel­len können, aber nicht dürfen, dann ist Techschmuggel Widerstand und Hacken Rebellion.«

Offline Gemeiner

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #15 am: 12.07.2021 | 23:42 »
Regelmechanismen, welche die Entmenschlichung automatisch mit sich bringen. Ein paar Ideen:

1. plötzliche Cyberpsychosen (in Stresssituationen flippen gerade stark vercyberte Charaktere gelegentlich aus und mähen dann auch gerne Zivilisten oder gar die eigenen Kameraden nieder)

2. langfristige Cyberpsychosen (die Charaktere entwickeln nach und nach diverse Psychosen, Ängste, Zwangshandlungen usw., siehe z.B. im Fantasy-Bereich Warhammer FRP 1e oder Michael Biehn als Anführer der SEALs im Film Abyss)

3. Verstümmelungen aller Art (brutale kritische Treffer kosten öfter mal Körperteile -- hier ein Auge durch herumsirrende Flechette-Geschosse, dort die Beine durch eine hundeähnliche Suizidsprengdrone --, welche selbstverständlich ersetzt werden können)
Es gibt ein Ziel, aber keinen Weg; was wir Weg nennen, ist Zögern.

Offline Blechpirat

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Re: mehr "Cyberpunk" ins Spiel bekommen
« Antwort #16 am: 13.07.2021 | 08:38 »
Was ich ja mag, ist:
- Cyberarm bekommt in einem sehr ungünstigen Zeitpunkt ein Firmwareupdate und surrt minutenlang nlutzlos rum.
- Cyberware kann alle lästigen Dinge haben, die Autos oder Smartphones heute haben: Verlangen nach Wartung, Akku alle, Update erforderlich, Supportzeitraum abgelaufen, Virenangriff, der Authentifizierungsserver wurde abgeschaltet und die Software des Cyberarms glaubt, eine Raubkopie zu sein.
- Mitten in der Mission wechseln Auftraggeber oder Ziel die Seite, weil die Konzerne einen Assetswap ausgedealt haben.
- Der Platzbedarf von allem ist wichtiger als der der des Menschen. Am aller wichtigsten: Platz für Autos
- Der Serverraum der Burgerbude ist hübscher, angenehmer und vor allem besser klimatisiert als die eigene Wohnung.
- Dinge, die uns selbstverständlich erscheinen, sind knapp und teuer. Ich stelle mir z.B. einen Automaten vor, der statt Cola eine gleichgroße Dose saubere Luft (ungefilterte Arktisluft, Feinstaubanteil garantiert kleiner 9%!) verkauft. Beim Duschen kann man zwischen grob gereinigten Brackwasser und sehr, sehr teurem Frischwasser wählen. Beim Trinken übrigens auch.
- Fast alle sind Single. Das beliebteste "Spiel" ist der virtuelle "Waldspaziergang mit Familie", gefolgt von "Schlafen im Mutterbauch", wo man 8 Stunden lang warm und mit dem Gefühl absoluter Sicherheit schlafen kann, für nur 15,99. Mit Werbung in der REM-Phase: 1,99.
« Letzte Änderung: 13.07.2021 | 08:41 von Blechpirat [AWAY] »