Autor Thema: Wie sieht eigentlich die Lebenswelt eines "Normalos" aus? Oder: WH40K-Weltenbau  (Gelesen 1516 mal)

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Offline Trollkongen

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Hallo zusammen,

ich möchte vielleicht in Zukunft mal eine "Dark Heresy"-Runde ins Leben rufen. Mich reizt daran, dass das spezifische Setting tendenziell eher "low power" ist - man spielt ja anfangs nicht allzu fähige Inquisitions-Lakeien. Und das will ich auch nutzen, um das WH40K-Universum statt auf 11 eher so auf 6 zu spielen.  ;)

Das ist aber gleichzeitig mein Problem.

Ich habe ein bisschen Schwierigkeiten, mir das Leben der normalen Imperiums-Bürger vorzustellen. Und da geht es um ganz konkrete Sachen, denn das Konkrete, Anschauliche macht ja Rollenspielatmosphäre aus.

Ich weiß ja beispielsweise, dass es ganz unterschiedliche Typen von Welten gibt, und man bei den eine Million bewohnten Planeten quasi alles einbauen kann. (Wobei man auch nicht übertreiben sollte, sonst geht die generelle WH40K-Atmosphäre flöten.) Auf einer Schrein-Welt sieht das Leben anders aus als auf einem Agrarplaneten und auf beiden anders als auf einer rückständigen Feudalwelt. Das macht auch den Reiz aus, dass man sehr unterschiedliche Settings bieten kann, klar.

Aber wenn ich mir eine recht "normale" Welt vorstelle, also eine, die gut in das imperiale System eingebunden ist, habe ich doch einige Imaginierungsmängel. Das fängt schon damit an, wie die Menschen wohnen. Wie ihr Alltag aussieht ... Die werden natürlich die gute alte 60-Stunden-Woche frönen. Aber dann kommen die Fragen: Verdienen die Geld? Ist's dann eine dystopische, also kaum funktionierende Marktwirtschaft oder eher doch Sowjetstyle, wo das Imperium für einen "sorgt"? Wie sieht die (knappe) Freizeit aus? Was ist an Unterhaltung in Ordnung? Gibt es Medien, und wie sehen diese aus? Gleichgeschaltet wie bei den Nazis, aber es gibt Kino, Musik etc.? Wie sieht die Mobilität aus? Vermutlich Massentransporte, Individualverkehr nur für Privilegierte. Achja, und wie sieht so die Wohnarchitektur aus bzw. ein "Stadtbild"? (Die Termintenhügel-Hivecities sind lustig, aber sicher nur eine extreme Form.) Usw. usf.

Oder ich will es mal anders formulieren: Wenn ich eine Gruppe Inquisitions-Schergen in eine "Standard-Stadt" auf einem "Standardplaneten" schicke, um irgendwas unter einfachen Bürgern zu ermitteln, wie sieht dann dieses Setting aus?

Wie gesagt, ich weiß, dass ich da viel Freiheit habe, das einzufärben, wirtschaftlich, kulturell, politisch ... Solange die Welt nicht zu abweicherlich ist und für's Imperium das leistet, was sie soll, ist wohl einiges in Ordnung. Aber ich hätte gern, schon für meine Fantasie, gern ein paar Schablonen, die das WH40K-Feeling da hineintransportieren. Ich meine, ich kann eine sehr typisch europäisch-mittelalterliche Welt zusammenschustern oder auch ein Space-Western-Setting à la Firefly, aber da fehlt dann der WH40K-Einschlag.

Habt ihr also Assozationen, Ideen oder gar Ausarbeitungen? Kennt ihr gute Quellen?

Die Eisenhorn-Romane kenne ich, die spielen ja in so Settings. Die werde ich mir nochmal antun, aber die blieben da großteils auch recht rudimentär. Und manche Ansätze fand ich auch nicht so gelungen. (Da gibt's z. B. irgendeine Geschichte, die in einer schnuckeligen altertümlichen Villen-Landschaft spielt.)


Nachtrag: Immerhin scheint es gewissermaßen ein technisches Oberlimit zu geben. Auch wenn es einige höchst fortschrittliche Technik gibt, scheint mir, dass vieles faktisch deutlich unter dem Stand unserer modernen Welt liegt. Also wenn man nicht gerade zu den Superprivilegierten gehört. Ich meine, es wird ja das Meiste anscheinend noch auf Papier geschrieben ...
« Letzte Änderung: 24.01.2023 | 03:41 von Trollkongen »

Offline KhornedBeef

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Meine Leitlinie war immer, dass es eben mittelalterlich zugeht, nur die Architektur sieht aus wie aus Blade Runner. Oder meinetwegen wie ein cyberpunkiger Megaplex. Aber das Leben ist geprägt von Frömmigkeit (oder Frömmelei), vorbestimmten Zugehörigkeiten (Platz im Manufaktorum in 6. Generation geerbt usw.) und Autoritäten. Und dazwischen versucht sich jeder den Tag schön zu machen. Die meisten Menschen kennen weder Wohlstand noch Aufstieg. Regimenter mit beispiellosem Erfolg werden mit Ackerland auf irgendeinem stinkenden Loch hunderte Lichtjahre von "zuhause" belohnt!
Hochtechnologie ist zumindest verbreitet, aber alt, reparaturbedürftig und unerquicklich, wie eine ranzige Magnetschwebebahn, die jede Woche wenigstens einen Pendler umbringt, und trotzdem heiliger und wertvoller als ganze Hab-Blocks ist.

Alles nur mein Kopfkino.
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Online First Orko

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Plottwist: Die normalen Bürger Leben in Utopie, es mangelt an Nichts und alle können sich sofern frei entfalten, wie sie niemandem schaden.
Es gibt kein Hunger, Kriminalität, Ausbeutung usw. Die Weisheit des Imperators sorgt für die perfekte Ausgewogenheit einer im Herzen pazifistischen Welt.
Die geschützt werden muss von Jenen, die das Gegenteil sind. Die sind auch die Einzigen, die (durch Gehirnwäsche, Genetik u.a. Manipulation ) die Utopie nicht wahrnehmen können,  und fest glauben (müssen), die Menschheit steht am Abgrund und sie - nur sie: die imperialen Soldaten, Space Marines u.a.- können das Reich noch retten.

Natürlich muss es auch "Opferwelten" geben, wo die Häresie grassiert, so dass auch was zu tun ist und das Militär nicht rostet!  Dafür sorgt der Imperator und lässt gezielte Schlupflöcher für das Chaos,  damit es sich nur da ausbreitet, wo er es rechtzeitig eingrenzen kann.
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Dir ist schon klar, dass es in diesem Forum darum geht mit anderen Leuten, die nix besseres mit ihrem Leben zu tun haben, um einen Tisch zu sitzen und sich vorzustellen, dass wir Elfen wären.

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Es ist alles überbürokratisiert, wodurch das Leben halt schon sehr erschwert wird.
Es gibt Menschenfänger, die für den Adeptus Mechanicus, für das Astra Militarum oder auch für andere Dinge Leute fangen und quasi versklaven.
Prinzipiell gibt es eine Menge Servoschädel die herumfliegen und Mikrophone, die die Wahrheiten des Imperiums verkünden und das in einer nervigen quälenden wiederholenden Weise.
Es gibt mindestens eine Kathedrale pro Stadt, die immer voller Pilger sind, die sich dorthin die Füße wund und gegenseitig totlaufen. Okay ggf auch nur auf Schreinwelten. In der Kathedrale gibt es einige Reliquien, die meisten sind Fälschungen, die von paar Adepta Sororitas bewacht werden, genauso den Obersten Priester der Welt.
Essen muss entweder angebaut werden, oder von einer benachbarten Welt importiert werden oder man sollte sich fragen woher das Soylent Green kommt oder vlt auch eher nicht, wenn man weiterhin satt bleiben will.
Menschen sind austauschbar und eine Ressource, die mal behütet mal rücksichtslos behandelt wird.
Das Adeptus Mechanicus sieht nur Zahlen und keine Leben, sie sind Empathielose Bastarde
Es gibt eine Polizei, die sich aber um normale Belange in der Regel ein Scheiß interessiert und dementsprechend Korrupt sind.
Es gibt eine Außenstelle des Adeptus Arbites, die aber auch nur größere Aufstände und den Zehnt im Auge haben.
Makropolen haben Türme und oben sind in der Regel die Adligen und unten der Abschaum und Mutanten, die auch noch nie Tageslicht gesehen haben.
Psioniker werden gejagt.
Es gibt ein kleines Büro der Inquisition, das ggf von einem Akolythen oder einem Adepten verwaltet wird, wenn kein Inquisitor vor Ort ist.
Es gibt eine Aufnahmestelle für die Imperialen Soldaten
Es gibt eine Schola, ggf sogar eine Schola Progremium in der die Elite des Imperiums ausgebildet wird.
Es gibt ggf ein Hospital, in dem vlt paar Schwestern der Hospitaliterinnen als Ärzte und Krankenschwestern arbeiten.
Kneipen, Casinos und andere Lokalitäten wo die Arbeiter ihre Hartverdienten Throne/Credits verkloppen können.
Klar gibt es eine Unterwelt
Ein Turm der Astropathen für die Verständigung mit anderen Planeten
Ein Viertel für die Adligen und ggf dem Gouverneur was abgeriegelt ist und mit einer weiteren Mauer oder anderen Verteidigungen abgeschirmt sind.
Ein Raumhafen, wo die Waren von anderen Planeten landen, der Imperiale Zehnt eingetrieben wird und die Barracken der PVS/PDF sind.

Der normale Mensch arbeitet entweder in einer der Factorien/Landarbeiter/Fischer (oder womit der Planet sich verdient) oder für die Adepta (am wahrscheinlichsten dem Administratum). Nach einer 6-7 Tage Woche mit 10-12h hat er eben etwas Freizeit. Auf den meisten Welten, werden die Arbeiter nicht alt und die Sicherheit ist eher unwichtig und zu teuer. Den Alltag versucht man in der Arena (Brot und Spiele), in der Kneipe (mit billigen Fusel), Bordelle oder in einem Casino (Glücksspiel) zu vertreiben und versucht nicht an sein beschissenes Leben zu denken. Ich stelle mir die Gesellschaft wie im Viktorianischen London vor, wo die Leute sich eben in den Fabriken abplagen.
Vercyberungen sind wenn eher schlecht und eher wie Mittelalterliche Prothesen und weniger gut wie in den höheren Rängen, wo sie ja wirklich Verluste ersetzen können.

Offline KhornedBeef

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Schöne Versatzstücke!
Ich widerspreche nur in einem Punkt: In jeder Stadt so ein Gammelbüro finde ich nicht Inqisitions-like. Die Inquisitoren sind zu unabhängig und verschieden, und dem mysteriösen Ruf täte das auch nicht gut. Allerdings ist davon auszugehen, dass es in jeder Stadt Rückzugsorte* einzelner Inquisitoren gibt, die man je nach Verbandelung mitnutzen kann.

*Allgemein formuliert. Das muss ja eigentlich von supergeheimen Safe Houses bis zu Miniatur-Arbites-Festungen und persönlichen Kriegsschiffen reichen, je nach Modus Operandi.

Ah, zu Eisenhorn: Da sind die Kurzgeschichten evtl. ergiebiger, weil da kleine, lokale "Fälle" drunter sind, die auch normale Bürger beleuchten. Missing in Action, Regia Obscure und Master Imus' Transgression z.B. Die sind auch schnell gelesen (bzw. gehört, wenn man die im Humble Bundle als Audio Dramas geshopt hat)
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Offline Megavolt

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Ich widerspreche nur in einem Punkt: In jeder Stadt so ein Gammelbüro finde ich nicht Inqisitions-like. Die Inquisitoren sind zu unabhängig und verschieden, und dem mysteriösen Ruf täte das auch nicht gut. Allerdings ist davon auszugehen, dass es in jeder Stadt Rückzugsorte* einzelner Inquisitoren gibt, die man je nach Verbandelung mitnutzen kann.

*Allgemein formuliert. Das muss ja eigentlich von supergeheimen Safe Houses bis zu Miniatur-Arbites-Festungen und persönlichen Kriegsschiffen reichen, je nach Modus Operandi.

Ah, zu Eisenhorn: Da sind die Kurzgeschichten evtl. ergiebiger, weil da kleine, lokale "Fälle" drunter sind, die auch normale Bürger beleuchten. Missing in Action, Regia Obscure und Master Imus' Transgression z.B. Die sind auch schnell gelesen (bzw. gehört, wenn man die im Humble Bundle als Audio Dramas geshopt hat)

In irgendeinem inquisitionsroman Roman  hatte ich gelesen, dass es pro Planet wohl ein offizielles Büro gibt. Aber das kann man ja handaben wie man will

Offline Oasenseppel

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Es ist etwas schwierig im 40k-Setting "Stadt" als Größenordnung zu verwenden. Es gibt Städte, die kleiner sind als deutsche Kleinstädte mit vielleicht 500 Einwohnern. Und es gibt Städte mit mehreren Milliarden Einwohnern, die ganze Planetenoberflächen versiegelt haben.

Die Inquisition ist auch keine Organisation, wo man mal eben an die Türe klopft und seinen Nachbarn denunziert. Dafür gibt es andere Organisationen. Die wiederum von der Inquisition überwacht werden. Hauptaufgabe der Inquisition ist eben die Überwachung ALLER imperialer Institutionen, was diese mehr oder weniger effektiv mit sich treiben lassen.
Hier gibts mich live auf Twitch,mit viel RP-Gedöhns:
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Online Eismann

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Ich kann mir vorstellen, dass es durchaus auch diverse Welten gibt, wo das Leben halt einfach weiter geht, gerade wenn die Welt noch nicht seit 10.000 Jahren ausgebeutet wird. Man hat natürlich seine globalen Streitigkeiten und Probleme, aber grundsätzlich laufen die Dinge. Alle paar Jahrzehnte taucht dann mal ein imperialer Frachter auf und hält die Hand auf. Die kriegen dann die Überproduktion an Konserven und Industriegütern und ein paar tausend Kriminelle, die man in Uniformen gesteckt hat, so wie es seit Jahrtausenden üblich ist. Wenn die Jahrzehnte vorher gut liefen und der aktuelle Administrator nicht grade einen Höhenflug hat, lässt sich das gut wegstecken. Wenn nicht, dann werden die nächsten Jahre eine Zeit der Not und des Elends, bis man sich davon erholt hat. Und dann geht der ganze Spaß von vorne los.

Offline JollyOrc

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Ich finde das Video nicht mehr, aber es gibt ein sehr erhellendes YouTube Video darüber, wie das System "Imperium" mit all seinen Regeln und Restriktionen die einfachen Arbeiter in die Arme der Chaoskulte treibt.

Es beginnt mit "ich bin ein einfacher Arbeiter auf einer Industriewelt und möchte einfach nur Sicherheitsschuhe haben" und endet damit, dass die einzigen, die sich um ihn kümmern die Chaoskulte sind...
Fürs Protokoll: Ich bitte hiermit ausdrücklich darum, mich in der Zukunft auf schlechte oder gar aggressive Rhetorik meinerseits hinzuweisen. Sollte ich das dann wider Erwarten als persönlichen Angriff werten, bitte auf diesen Beitrag hier verweisen und mir meine eigenen Worte um die Ohren hauen! :)

Offline Tele

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Ich finde zum Spielen das Abnettverse ganz praktisch. Das ist noch immer Grimdark, aber gestaltet das Setting funktionaler.

Da gibt es Welten, vor allem Makropolwelten, die echt übel sind. Agrarwelten die gehen und so 08/15 Welten, die an die Erde erinnern, die okay sind.

Du hast halt immer die Überregulierung, den extremen Glauben und die brutalen Institutionen.

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Witz
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Ich lese interessiert mit.

Ich persönlich halte es ähnlich wie KhornedBeef, allerdings mit antikem Rom statt Mittelalter mit Blade Runner Aufsatz. 100% überzeugend ist es aber nicht.
Method Actor: 92%, Storyteller: 67%, Tactician: 58%, Power Gamer: 46%, Casual Gamer: 29%, Butt-Kicker: 21%, Specialist: 13%

Offline Trollkongen

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Danke schonmal!

Bei mir ist es auch, jedenfalls für sehr imperiale geprägt Gebiete, eine Mischung aus viktorianischer Zeit - dafür sprechen viele offizielle Illustrationen und das "Gothische" - und dem frühen 20. Jahrhundert, vor allem auch die Nazi- und Sowjetdiktaturen, aber auch die fette Industralisierung mit ihren gesellschaftlichen Umbrüchen in GB und den USA. (Die "Titanic" zeigt ja schön die Widersprüche.) Und klar, da kommt dann noch so eine krude Mischung aus Steam- und Cyberpunk dazu.

Das ist so das grobe Flair für mich. Ich versuche das nur ganz runterzudeklinieren, damit ich eine halbswegs kohärente Vorstellung davon habe - und diese an die Spieler weitergeben kann -, wie das Leben der einfachen Bürger aussieht. Natürlich gibt es da riesige Unterschiede - und ich finde auch schön, dass man das für sich nutzen kann, um das Setting anpassen zu können -, aber es sollte ja eine grundsätzliche Erzählung geben. Ich denke, wir sind uns einig, dass die shiny und glatte Startrek-Utopie nicht wirklich zum Imperium passt.

Fürs konkrete Spiel ist ja auch wichtig, wie die Welt so funktioniert. Ich kenne das von einigen SF-Spielen - Coriolis, Fading Suns etwa -, dass ich als Spieler lange Zeit leider keine konkrete Vorstellung habe, was möglich ist und was nicht. Und auch der Spielleiter hatte viele Lücken - als Spieler hat man ja Talent, die wunden Punkte zu erwischen.  ;) Vor allem Informationstechnologie bzw. die Verfügbarkeit von Informationen z. B. Aber eben auch, wie die Wirtschaft aussieht, und wie man lebt. Als SC steht man meist über dem normalen Volk, aber bewegt sich doch auch oft unter ihnen. Man wohnt vielleicht nicht wie sie, aber die Frage, wie Gastronomie eigentlich aussieht, ist meist sehr relevant.

Und da frage ich mich zum Beispiel schon konkret, wie die Wohnsituation der meisten imperialen Bürger aussieht, sagen wir in einer größeren, industriellen Stadt. Fetter Beton- (oder meinetwegen Ziegel-)Wohnblock mit kleinen Wohnungen darin? Aber dann: Eher DDR-Style oder eben doch London 1850? Gut, hier kann man ja variieren. Darin dann Volksempfänger? Wird geheizt mit Promethium (aka Zentralölheizung) oder haut man hier doch eher was Future ein und irgendwo steht ein Fusionskraftwerk, das die Energie liefert? (Gut, die Leitungen sind mal marode ...) Woraus besteht eigentlich die Einrichtung? Lustigerweise scheint es den üblichen Kunststoff, den wir überall verbraten, im WH40K-Universum quasi gar nicht zu geben. Also Möbel etc. aus Metall, evtl. Holz? (Letzters dürfte auf manchen Welten auch sehr rar sein.)

Wenn es kaum Individualverkehr noch gibt - und sowas braucht ein anständiger imperialer Bürger nicht, wozu? -, dann braucht es auch, abgesehen von Autobahnen fürs Militär, auch keine Autostraßen. Dann wäre die logische Konsequenz, dass Wohnblock an Wohnblock steht, unterbrochen von "Fußgängerwegen" und irgendwelchen Bahngleisen, oder, ungeordneter, halt schön Slum-artig, wo einfach wild gebaut wird. Und richtig, je nach "Ordnungspolitik" sind die Gassen und öffentlichen Flächen dann evtl. voll mit Händlerbuden, Garküchen etc. - oder gespenstisch leergefegt.

Usw. usf. Für mich wäre es wichtig, davon konkrete und in sich halbwegs logische Vorstellungen zu haben, die ich dann, je nach Situation, an die Spieler weitergeben kann. Das macht viel für die Atmosphäre aus, und größere (Logik-)Lücken können sehr störend sein.

Und ja: Zu grimdark wäre vermutlich auch nicht hilfreich. Es darf sicherlich düster und deprimierend sein, aber zu viel Überzeichnung sorgt eher dafür, dass es lächerlich wird.

@Jollyorc: Genau, die Ironie dürfte an vielen Stellen sein, dass das Imperium das Chaos gewissermaßen fördert ...

@Oasenseppel: Mit "Stadt" meinte ich eben eine, sagen wir: sehr urbane Gegend. So würde manviele deutsche Kleinstädte auch nicht nennen. Im WH40K-Universum dürfte es viele Agglomerationen geben, das dürfte sehr typisch sein. Ob dann dort 5 oder 50 Millionen leben, ist vermutlich gar nicht mehr so der große Unterschied. Aber schon richtig, Dein Einwand, es gibt sicherlich auch andere Formen, z. B. irgendwelche Schlafstädte für Agrararbeiter, oder kleine Nester auf eher lebensunfreundlichen Planeten etc. pp.

@Undwiederda: Danke, schöne Stichworte.

Offline Fluffy

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Du hast es ja schon angesprochen. Es gibt keinen Standard. Wenn man nach der offiziellen Lore geht, unterscheiden sich die Planeten zu stark. Es gibt nicht mal einen technologischen Standard. Eine Welt kann in der Steinzeit sitzen, eine andere hochtechnologisch sein. Das Imperium ist ein feudalstaat. Das imperium baut eine relativ standardisierte Struktur von Arbites, Eccleasiarchie, Verwaltung.
Die Arbites schauen, das sich kein Chaos und keine Xenos breitmachen, die die Ecclesiarchie sorgt für die Verehrung des Imperators als Gott, die verwaltung legt fest, was der Planet an Tribut liefern muss. Alles andere bleibt voll der planetaren Regierung überlassen.

Man kann Terra als Standard setzen, raktisch eine düstere im verfall begriffene Makropolwelt. Da gibt es viel Material in dem Romanen "Vaults of Terra".
 

Offline YY

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Wie schon angesprochen, geht im Grunde alles - das Imperium hat notgedrungen eine feudale Struktur und wenn in einem Sonnensystem der imperiale Glaube bedient wird und die Abgaben pünktlich kommen, ist der Rest relativ egal.

Von daher nur zwei Gedanken:
Ich denke, wir sind uns einig, dass die shiny und glatte Startrek-Utopie nicht wirklich zum Imperium passt.

Theoretisch könnte es die lokal schon geben - aber wenn es jemandem so gut geht, kann der auch einen ansehnlichen Beitrag leisten...
Da würde der schönen neuen Welt also zumindest ein Fußabdruck des Imperiums gegenüberstehen, der deutlich größer ist als anderswo.

Wenn es kaum Individualverkehr noch gibt - und sowas braucht ein anständiger imperialer Bürger nicht, wozu? -, dann braucht es auch, abgesehen von Autobahnen fürs Militär, auch keine Autostraßen. Dann wäre die logische Konsequenz, dass Wohnblock an Wohnblock steht, unterbrochen von "Fußgängerwegen" und irgendwelchen Bahngleisen, oder, ungeordneter, halt schön Slum-artig, wo einfach wild gebaut wird.

In den überfüllten Makropolwelten ist motorisierter Individualverkehr schlicht nicht machbar.
Z.B. auf den Agrarwelten sieht es wieder anders aus: da gibt es jenseits wichtiger Knotenpunkte kaum Infrastruktur und damit ist man auf geländegängigen Individualverkehr angewiesen, ob das nun Antigravgleiter oder Grox sind.

Und auch, wenn es etwas dichter besiedelt ist als auf den Agrarwelten, wird Individualverkehr recht lange die sinnvollste Variante sein. Auch da kann man ja den Obrigkeitsstiefel draufstellen, wenn man will.
"Kannst du dann bitte mal kurz beschreiben, wie man deiner Meinung bzw. der offiziellen Auslegung nach laut GE korrekt verdurstet?"
- Pyromancer

Offline KhornedBeef

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Ich stimme zu, du musst aus einer großen Palette wählen, wenn es nicht explizit im Buch beschrieben wird, und das ist dann dein Standard.
Greif dir erstmal einzelne Sachen raus,  die besonders die Stimmung rüberbringen, und dann passt sich der Rest vielleicht an.
Transport auf Agriwelten: auf der Pritsche vom Lastwagen, aber weil es 40k ist und alles aus STCs ist, sind es eher Panzer mit Pritsche.
Wohnen: such aus deinen Ideen die schlimmste aus.
Werkstoffe: was immer auf der Welt reichlich vorhanden ist, Import ist teuer. Notfalls Schrott.
Ein paar Stereotypen werden nicht schaden. "Geerdet" ist ein schwerer Weg in 40k.
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Offline Oasenseppel

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Man braucht auch STraßen ohne Verkehr! PARADEN! PROZESSIONEN! Es gilt den Imperator auch fußläufig zu ehren!
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Offline Trollkongen

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Stimmt, einen Boulevard zum Posen darf man nicht vergessen!  ~;D

Offline Skolman

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E.C. Tubbs Dumarest Romane könnten vlt helfen. Die Normalbürger leben wie im Mittelalter oder wie im Wilden Westen und ein Leben zählt gar nichts während der Adel mit Hochtechnologie in Saus und Braus lebt und mit Politik und Intrigen beschäftigt ist.

Online Undwiederda

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Ich habe die Kurzgeschichte Anomalie gestern gelesen und die könnte dich da auch inspirieren oder allgemein die Warhammer crimes romane.
Also der Bürger geht wahrscheinlich zu Fuss oder mit einer Bahn/Bus und selbst die Polizisten haben nur die Fahrzeuge aus ihrem Berufsstand.
In Anomalien wird von Magnetbahnen geredet und wenn man selbst auf Raumschiffen aervitoren/Arbeiter hat, die irgendetwas in Öfen werfen, Stelle ich mir ähnliche Dinge in den Städten vor

Offline Shihan

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[..] oder allgemein die Warhammer crimes romane.  [..]
Genau, die sind neben der Vaults-of-Terra-Serie ein netter Einblick in "normales" Leben. Habe Bloodlines und Grim Repast gelesen und könnte sie, was Settingbeschreibung und Atmosphäre angeht, absolut empfehlen. Und sie zeigen, wie man Kriminalität und kriminelle Organisationen auf 40k-Niveau hebt (mit allen dazugehörigen Abartigkeiten).

Offline KEllermann

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Netter Steinbruch bzw. nettes Brainstorming hier.  :d
"Erhältich bei viele Spielefachgechäften."

Offline Trollkongen

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Netter Steinbruch bzw. nettes Brainstorming hier.  :d

So war es gedacht.

Vielleicht können wir noch mehr sammeln? Ich denke, mein Problem dürfte quasi jeder haben, der Dark Heresy oder auch auch Rogue Trader leitet. Macht ja nichts, wenn die Geschmäcker oder Ansichten da ein bisschen auseinandergehen, dann kann man sich rauspicken, was einem zusagt.

Wenn ihr das schonmal gespielt oder geleitet habt, wie habt ihr das eher Alltägliche dargestellt (bekommen)? (Gilt nattürlich auch, wenn ihr euch es bloß gedanklich ausgemalt habt und noch nicht gespielt.)

Oder auch: Welche unterschiedlichen "Kulissen" habt ihr genutzt? Makropolen, verpennte Arbeiterstädte, Backwater-Nester, feudale Welten ... etc.

Offline Tele

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Hier ein alter Thread meiner Kampagne mit Sektor und Planeten sowie Hausregeln etc.

https://www.tanelorn.net/index.php/topic,116358.0.html

Offline Trollkongen

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Danke! Das geht zwar weniger auf meine Frage hier ein, aber trotzdem ein großartiger Steinbruch mit vielen guten Ideen. Inspiriert mich sehr!