Nein, Boba Fett, das ist kein Solarpunk, das sind Planet-B-Geschichten. Und Planet-B-Geschichten sind kein Solarpunk. Ich würde auch die Mars-Trilogie von Kim Stanley Robinson nicht als Solarpunk ansehen, aus demselben Grund, ganz egal wie attraktiv die Mars-Gesellschaft auch sein mag, jedenfalls im Vergleich zu der cyberpunkig gezeichneten Erde (aber so richtig anfreunden kann ich mich damit nicht: die Marssiedler greifen zu Terrorismus, um die Unabhängigkeit von der Erde zu erlangen, setzen auf Kernenergie und schaffen es noch nicht einmal, die Todesstrafe abzuschaffen!). Kennst Du nicht den Spruch "There is no Planet B"?
Im Solarpunk geht es darum, realistische Möglichkeiten aufzuzeigen, wie wir die aktuelle Krise überwinden können, mit Technologien, die heute verfügbar sind oder in den nächsten Jahren voraussichtlich verfügbar werden werden, und die Besiedlung eines anderen Planeten gehört definitiv nicht dazu. Wir wissen nicht, wo der nächste habitable Planet ist, und wo immer er auch sein mag, wir sind auf jeden Fall weit davon entfernt, dorthin reisen zu können. Und überhaupt wäre es ethisch höchst fragwürdig, zuerst die Erde in die Scheiße zu reiten und uns dann den nächsten Planeten unter den Nagel zu reißen. Diese Möglichkeit haben wir nicht!
Auch Geschichten, in denen wir von Außerirdischen oder übernatürlichen Mächten gerettet werden, sind kein Solarpunk. Auch nicht Geschichten, wo sich plötzlich und unerwartet ein "Tor" auftut, sei es durch einen unerwarteten technologischen Durchbruch, oder dadurch, dass plötzlich Magie wieder funktioniert oder dergleichen. Auf einen solchen deus ex machina können wir nicht hoffen. Das ist unrealistisch und schon von daher kein Solarpunk!
Ich stelle immer wieder fest, dass die Leute einfach nicht kapieren wollen, worum es beim Solarpunk geht. Vor etlichen Jahren, als es den Terminus "Solarpunk" noch gar nicht gab, hatte ich schon den Gedanken an das, was wir heute Solarpunk nennen, und postete ihn in einem Science-Fiction-Forum. Da antwortete einer mit einer Liste von Romanen, die was für mich sein könnten. Das waren aber alles Dystopien. Der hatte gar nichts kapiert! Die Vorstellung, dass die Zukunft schlechter sein wird als die Gegenwart, scheint bei vielen Leuten so fest in ihre Gehirne eingebrannt zu sein, dass sie sich eine Zukunft, die besser ist als die Gegenwart, gar nicht mehr vorstellen können. Das ist ja auch einer der Gründe, warum viele Leute glauben, die Vergangenheit sei besser gewesen als die Gegenwart, und Parteien wählen, die ihren Wählern versprechen, diese Vergangenheit zurückzuholen.