Autor Thema: Was hört Ihr gerade so?  (Gelesen 524896 mal)

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Offline Niniane

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15400 am: 14.04.2019 | 23:22 »
Like reflections on the page, the world's what you create (Dream Theater - Wither)

Online rillenmanni

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15401 am: 15.04.2019 | 00:40 »
Aus Queen - Flash Gordon:

The Kiss (Frühe Version) (1:15)
The Kiss (Aura Ressurects Flash) (Album-Version) (1:45)
Mit Freddie in allerhöchsten Tönen.

Was für ein wunderschönes und ob der vielen eingespielten Film-Dialoge auch lustiges Album!
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Offline Mr Grudenko

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15402 am: 15.04.2019 | 07:07 »
Madness - "Sign of the Times"

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Offline Infernal Teddy

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15403 am: 15.04.2019 | 09:03 »
Alice in Chains - Them Bones
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Teddy sucht Mage

Offline Lyonesse

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15404 am: 15.04.2019 | 15:07 »
« Letzte Änderung: 15.04.2019 | 15:22 von Lyonesse »
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Offline CiNeMaNcEr

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15405 am: 15.04.2019 | 16:41 »
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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15406 am: 15.04.2019 | 21:42 »
Morton Feldman (1926 - 1987).

Das ist für mich persönlich einer der faszinierendsten moderneren Komponisten überhaupt.
Er hat angefangen als Schüler von John Cage, ist dann aber irgendwann einen eigenen Weg gegangen.
Ich kann viel über ihn erzählen, und einiges davon folgt vielleicht auch noch.
Hier, in einem ersten Beitrag, sei vielleicht einleitend erwähnt, wo ich seine große Bedeutung und Einzigartigkeit sehe:

Feldman will keine traditionellen Spannungsbögen in der Musik. Dieses ständige Steigern und wieder Entspannen, wie es eigentlich in 95% unserer Musik üblich ist, langweilt ihn.
Er schreibt stattdessen eine statische Musik, bei der die Klänge für sich stehen. Die Klänge sind nicht Teil einer dramatischen Entwicklung, sondern entfalten im Hier und Jetzt eine ganz individuelle Schönheit... genau deshalb, weil sie für sich stehen dürfen. Ich empfinde die Motive in Feldmans Stücken häufig wie klingende, scheinbar zufällig durch die Luft schwebenden Elemente eines Mobiles.

Am Anfang seines Schaffens hat Feldman in den Zufallsoperationen eines John Cage ein Mittel entdeckt, solche Spannungsbögen zu verhindern. Logo: Wenn der Zufall mitbestimmt, entstehen keine großartig vorausgeplanten Entwicklungen.
Irgendwann war er aber immer wieder mit den Ergebnissen unzufrieden. Logo: Wenn der Zufall mitbestimmt, muss ich´s nehmen, wie´s kommt.
Seitdem hat Feldman seine Musik präzise notiert.

Die Klänge sind in der Regel leise und atonal. Die Stücke sind lang, ohne deutlich abgesetzten Anfang und Schluss beginnen sie irgendwie und enden irgendwie. Es gibt keine Tonarten und keine Dramatik. In gewisser Weise ähnelt seine Musik damit einer progressiven Ambientmusik. Wo Ambient aber auf Loops und unveränderliche Pattern zurückgreift, verzichtet Feldman auch darauf. Jeder Moment ist einzigartig und wer will, kann genau hinhören und entdeckt immer wieder etwas Neues.

Präzis notierte Musik, die genau so sein soll, wie sie aufgeschrieben ist, keine Entwicklung, aber auch keine exakten Wiederholungen, ohne jegliche Anleihen an traditionelle Tonarten... das kenne ich in der Kombination nur von Feldman. Das Ergebnis ist sicherlich nicht für jeden etwas und viele Hörer sind wahrscheinlich tödlich gelangweilt. Wer aber offene Ohren hat und hinhört, kann schöne Dinge erleben. Feldmans Musik hat durchaus eine kleine, feste Fanbasis.

Wie hört man Feldman? Das ist nicht ganz einfach... wenn es auch sicherlich mehrere Möglichkeiten gibt. Ich werde am glücklichsten, wenn ich konzentriert zuhöre. Ich kann ein Getränk mit zum Sessel nehmen, mich auf eineinhalb Stunden Feldman einstellen, eines seiner Stücke einschalten und einfach nur zuhören. Höchstens hin und wieder mal einen kleinen Schluck nehmen. Sonst nichts tun. Am Anfang hat mich das etwas Übung gekostet. Inzwischen geht es aber ganz gut. Schade nur, dass ich nicht so oft Zeit für so etwas habe.

Ein erster Link führt zu einem Stück für drei Musiker. Der erste spielt abwechselnd verschiedene Querflöten, der zweite Klavier und Celesta, der dritte Vibraphon und Glockenspiel (...es ist gleich zu Beginn ein ziemlicher Brocken).

Morton Feldman: Crippled Symmetry

(Was das Bild soll, weiß ich nicht... es scheint mir aber die beste Youtube-Aufnahme von dem Stück zu sein).
« Letzte Änderung: 15.04.2019 | 21:49 von Chiarina »
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Offline ChaosZ

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15407 am: 15.04.2019 | 23:05 »
Fliehende Stürme - Blauer Mond

Offline Exar

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15408 am: 16.04.2019 | 09:53 »
Pantera - Vulgar Display of Power und Cowboys from Hell
beide Alben

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15409 am: 16.04.2019 | 16:34 »
Bohren & Der Club of Gore - Dangerflirt mit der Schlägerbitch (1994)
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Offline CiNeMaNcEr

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15410 am: 17.04.2019 | 14:03 »
Kalafina - Magia
aus dem Madoka Magica OST

https://www.youtube.com/watch?v=QwquipMpsiQ
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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15411 am: 17.04.2019 | 20:44 »
Morton Feldman: For Philip Guston

Morton Feldman hatte in seinem Freundeskreis mehr Maler als Komponisten. Philip Guston ist einer von ihnen. Auf eine gewisse Art und Weise hat auch Feldman mit seiner Musik eine ähnliche Abstraktion angestrebt, wie sie die abstrakten Expressionisten der 50er und 60er Jahre produzierten: Große Leinwände ohne gegenständliche Darstellungen - oft nur eine Farbfläche. Das ist natürlich ein bisschen problematisch. Musik an sich ist ja auch oft genug schon etwas Abstraktes. Wie will man da noch abstrakter komponieren? Ich denke aber, es hat etwas mit dieser Statik zu tun, die in Feldmans Werk so eine große Rolle spielt. In einem gegenständlichen Bild wird vielleicht eine Person dargestellt. In einer Komposition habe ich dafür vielleicht eine Steigerung. Im abstrakten Expressionismus ist davon nur noch eine Farbfläche geblieben. In Feldmans Musik ist davon nur noch eine statische Klangfläche geblieben. Es ist der Gedanke der Reduktion, der sich in der abstrakten Malerei und auch in Feldmans Musik wiederfinden lässt.

Feldman hat mal erzählt, manchmal lege er beim Komponieren alle Seiten seiner Partitur offen sichtbar nebeneinander, so als wären sie ein Gemälde, das man auf einen Blick betrachten könne. Dann entscheide er manchmal, dass hier und da noch etwas fehle, tue etwas hinzu und nimmt hier und da auch wieder etwas weg... so ähnlich wie man sich das bei einem Maler vorstellt.

"For Philip Guston" ist eines der wirklich langen Monsterstücke von Feldman. Es dauert etwa 4 1/2 Stunden. Von dem Kaliber hat er drei oder vier geschrieben. In einem YouTube-Kommentar witzelt ein User, was eigentlich geschieht, wenn der Flötist nach 15 Minuten merkt, dass er auf Toilette muss. Antwort: Das darf nicht passieren und deshalb wird darüber selbstverständlich vorher gesprochen. Das heißt: Bevor man 4 1/2 Stunden Feldman spielt, trinkt man nur maßvoll und geht vorher auf Toilette. Logisch!

Ich habe das Stück heute beim Arbeiten einmal durchgehört. Gern würde ich es einmal live erleben.
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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15412 am: 17.04.2019 | 23:25 »
Totenwald - Shadows in Paradies

Offline Infernal Teddy

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15413 am: 17.04.2019 | 23:38 »
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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15414 am: 18.04.2019 | 00:26 »
Lebanon Hanover - Sadness is Rebellion

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15415 am: 19.04.2019 | 19:00 »
Ebony Bones "Nephilim" Album habe ich in den letzten Monaten oft gehört. Hier der leicht pathetische, exotische und irgendwie auch fesselnde Titeltrack mit ähnlich interessantem Video:

Ebony Bones: Nephilim

Insgesamt in all seiner Künstlichkeit doch ein überzeugendes Ergebnis.

Wie war nochmal das gleichnamige Rollenspiel?
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Offline ChaosZ

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15416 am: 19.04.2019 | 20:34 »
Siouxsie Sioux and the Banshees - Israel

Danach:

The Sisters of Mercy - Temple of Love

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15417 am: 19.04.2019 | 21:42 »
Mann, ist das ein geiles Livealbum!

Beyoncé hat ihren Auftritt auf dem letztjährigen Coachella-Festival als Live Album veröffentlicht und es ist sehr, sehr toll!

Eine Brassband spielt, Dutzende von Tänzern stampfen und rufen, Beats rollen, unzählige Backgroundsänger singen zwei-, drei- und nach oben offen mehrstimmig, naja und natürlich Beyoncé selbst, die in bester Verfassung zu sein scheint.

Die Musik ist überraschend gut, nie langweilig, ständig passiert etwas Neues, und vor allem... was für eine alles niederwälzende Power! Schon die Frau allein... aber auch und besonders dieses Konzert als Ganzes.

Ich wäre gern dabei gewesen... jetzt muss ich mich doch zumindest noch dazu aufraffen und mir irgendwo das auf Netflix veröffentlichte Konzertvideo anschauen.

Hier ein Song... lächerlich, so ein Link... man muss das ganze Ding hören!

Beyoncé: Get Me Bodied
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Offline Luxferre

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15418 am: 20.04.2019 | 11:07 »
MYRATH - No Holding Back

Sehr melodischer, orientalischer Metal. Ohne Deathbösedarkdyster  :d
ina killatēšu bašma kabis šumšu
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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15419 am: 20.04.2019 | 14:40 »
Morton Feldman war beeindruckt von Samuel Beckett. Klarer Fall, es gibt niemanden sonst, der so kunstvoll mit vielen Worten eine ganz bestimmte Atmosphäre erschaffen kann, ohne dass seine Texte irgend so etwas wie Handlung im traditionellen Sinne aufweisen würden. Das hat Feldman auf seiner Suche nach Abstraktion imponiert.

Von Beckett gibt es auch ein paar interessante Bühnenwerke. Sie bestehen aus Anweisungen, wie sich irgendwelche verhüllten Gestalten auf der Bühne in symmetrischen Mustern zu bewegen haben. Keine Handlung, noch nicht mal Worte. Auch das dürfte Feldman gefallen haben.

Anfang der 70er Jahre trafen die beiden zusammen und Feldman hätte sich gern irgendeine Kooperation mit Beckett gewünscht. Alles, was ihm einfiel, war "Oper". Aber Beckett sagte ihm, dass er keine Opern möge. Klarer Fall, da geht´s um konkrete Inhalte, um Liebe, Hass und Rache. Das hatte Beckett weit hinter sich gelassen. Das Lustige ist: Feldman mochte im Prinzip auch keine Opern. Aus einem ähnlichen Grund. Und das sagte er Beckett auch: "Wissen Sie, eigentlich mag ich gar keine Opern." Beckett antwortete ihm: "Aha. Und was wollen sie jetzt?" Dann sind die beiden auseinander gegangen.

Was dann geschehen ist, weiß niemand. Vielleicht fand Beckett die Begegnung immerhin interessant genug, dass er ´mal nachgeschaut hat, was dieser seltsame Amerikaner eigentlich so produziert. Und vielleicht war er ganz angetan von dem, was Feldman bisher so abgeliefert hatte. Jedenfalls schickte er Feldman ein paar Wochen später einen Text. Kein Operntext natürlich... eher ein Beckett Text. Ein Text mit ganz vielen Leerstellen. Niemand weiß so genau, was die Worte bedeuten. Aber eine Stimmung ist präsent. Sehr sogar.

Samuel Beckett: Neither

    to and fro in shadow from inner to outer shadow

    from impenetrable self to impenetrable unself
    by way of neither

    as between two lit refuges whose doors once
    neared gently close, once away turned from
    gently part again

    beckoned back and forth and turned away

    heedless of the way, intent on the one gleam
    or the other

    unheard footfalls only sound

    till at last halt for good, absent for good
    from self and other

    then no sound

    then gently light unfading on that unheeded
    neither

    unspeakable home

Tja. Das war´s. Nicht gerade ein Libretto, würde ich sagen. Feldman machte jedenfalls Musik dazu. Er nannte das Oper. Aber bis auf die Tatsache, dass da etwas auf einer Bühne stattfindet, hat das nicht viel mit Oper zu tun. Eine einzige Sängerin steht dort und singt Becketts Text zu einem Instrumentalensemble, was dazu Feldman-Musik spielt. Keine Bewegung. Keine Handlung. 50 Minuten, dann ist die Oper vorbei.

Feldman schreibt: "Ich beschäftige mich mit Schatten. Und darum geht es auch in der Beckett-Oper. Das Thema der Oper ist, dass unser Leben von allen Seiten von Schatten umgeben ist. Wir können nicht in den Schatten hineinsehen. Da wir aber nicht in den Schatten hineinsehen können, geht unsere Existenz nur bis dorthin und wir schwanken zwischen den Schatten des Lebens und des Todes."

Ich habe eine ausführliche Analyse des Stückes gelesen, in der gezeigt wird, dass die verschiedenen Abschnitte des Werkes doch ein paar Bezüge zum Genre Oper aufweisen. Sie sind aber nur auf einer sehr abstrakten Ebene aufzufinden... in den Schatten, sozusagen.

Leider gibt es keine Kompletteinspielung im Netz, bei der man die Musik als reines Bühnenstück erleben kann. Es gibt aber eine recht schöne Einspielung ohne Bild. Und dann gibt es interessanterweise noch eine Version, in der jemand eine Aufführung zu einem Film montiert hat. Auch da geschieht nicht viel und ich denke, die Ästhetik ist getroffen. Ob das Ergebnis Feldman gutgeheißen hätte, weiß ich aber nicht. Ich bin etwas skeptisch. Außerdem ist das Ding bei Youtube leider in fünf Häppchen hinterlegt. Hier also:

Morton Feldman: Neither (Audio)

Morton Feldman: Neither (verfilmt)
« Letzte Änderung: 20.04.2019 | 16:10 von Chiarina »
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Offline CiNeMaNcEr

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15420 am: 20.04.2019 | 19:49 »
Der Bloodborne Boardgame Trailer zum kommenden KS
https://www.youtube.com/watch?v=ZlFelry1e1w
hat mir wieder in erinnerung gerufen wie "damn awesome" der OST von Bloodborne ist.

Daher läuft den ganzen Tag schon der Bloodborn OST
https://www.youtube.com/watch?v=tGeYmC9bK68

Besonders angetan hat es mir davon OMEN
https://www.youtube.com/watch?v=MRYwrT0Y3HA
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Offline Coltrane

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15421 am: 21.04.2019 | 14:30 »
Da hier ja gerade soviel über kühl gesprochen wird, musste ich mal wieder was kühles herauskramen:
Miles Davis - Birth of the Cool
Und ja, damit es richtig kühl rüberkommt am besten auf Vinyl mit nem Röhrenvestärker hören und nicht mit som neumodischen Schnickschnack wie Amazon Echo oder Apple Homepod.  >;D
« Letzte Änderung: 22.04.2019 | 08:37 von Coltrane »

Online Chiarina

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15422 am: 21.04.2019 | 15:57 »
Birth of the cool ist immer wieder gern genommen, finde ich.

Hier ein weiterer Feldman.

Ein weiterer Maler, den Feldman schätzte, war Mark Rothko. Wer auch nur ein Bild von ihm kennt, weiß sofort, warum: Rothko steht für extreme Abstraktion und Reduktion. Seine oft sehr großen Bilder bestehen aus geometrischen, meist quadratischen oder rechteckigen Formen. Die Reduktion lässt Raum für eine andere Eigenschaft. Rothko hat die Farben seiner Figuren oft etliche Male übereinander aufgetragen, sodass die tieferliegenden Schichten oft noch durch die oberen hindurchschimmern und einen fast leuchtenden Eindruck erzeugen. Wer schon einmal vor einem Original stand, weiß, was für ein Sog von diesen Bildern ausgeht. Für Feldman waren auch die Ränder von Rothkos Figuren spannend. Hier verlaufen die Farben, die Formen wirken ausgefranst und die kühle, nüchterne Geometrie bekommt einen warmen, individuellen Rahmen.



Feldman hat versucht, musikalisch ähnlich verschwommene Übergänge zu schaffen. Dabei war ihm das Klavier oft ein guter Freund und Helfer. Es besitzt nämlich ein Pedal, das einmal gedrückt alle Dämpfer an den Saiten blockiert und die Klänge frei ausschwingen lässt. Feldman lässt in der Regel das Klavierpedal zu Beginn des Stückes treten und dann nicht mehr loslassen. Das kann zu einem ziemlichen Klangmatsch führen, wer aber so sparsame Musik wie Feldman schreibt erzeugt damit nur ein paar verschwommene Übergänge - wie Rothko eben.

Manchmal war Feldman übrigens der Effekt des durchgehend heruntergetretenen Klavierpedals doch zu heftig. Dann lässt er das Klavierpedal das gesamte Stück über einfach nur halb heruntertreten. Auf diese Weise wird nur ein ganz leiser Nachhall erzeugt, der die spärliche Klänge miteinander verbindet.

Hören kann man das beispielsweise in seinem Klavierstück "For Bunita Marcus" (die Frau war eine Freundin und Schülerin von Feldman).

Morton Feldman: For Bunita Marcus
(mit einem anderen hübschen Rothko Gemälde als Video Still)
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Offline Crimson King

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15423 am: 21.04.2019 | 16:02 »
Das ist so die Stelle, an der die moderne bildende Kunst mich abhängt. Das gibt einem sicherlich was, wenn man sich intensiv damit auseinandersetzt. Aber meine Lebenszeit ist begrenzt.
Nichts Bessers weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen
Als ein Gespräch von Krieg und Kriegsgeschrei,
Wenn hinten, weit, in der Türkei,
Die Völker aufeinander schlagen.
Man steht am Fenster, trinkt sein Gläschen aus
Und sieht den Fluß hinab die bunten Schiffe gleiten;
Dann kehrt man abends froh nach Haus,
Und segnet Fried und Friedenszeiten.

J.W. von Goethe

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Re: Was hört Ihr gerade so?
« Antwort #15424 am: 21.04.2019 | 16:18 »
Feldman sagt dazu übrigens, er nimmt für sich das Recht in Anspruch "esoterisch" zu sein.
Das meint er im ursprünglichen Wortsinn... "für Eingeweihte".
Er geht gar nicht davon aus, dass jeder damit etwas anfangen kann... und will das auch gar nicht erreichen.

Immerhin hat er genug Aufsehen erregt um immer noch gespielt zu werden. Er hatte eine Professur für Komposition in Buffalo und war Zeit seines Lebens als Künstler im Gespräch (...ist es noch immer). Viel mehr kann man heute gar nicht erreichen, denke ich. Ist schon in Ordnung, wenn das vielen Leuten nichts gibt.

Ich habe über den Typen übrigens meine erste Examensarbeit geschrieben. Mein Leben wäre definitiv viel ärmer ohne Feldman.
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