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Gibt es zu viele neue Systeme? Oder: Wer soll das alles spielen? (rant-ish)

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Samael:
Angesichts der gewaltigen Flut an neuen Systemen der letzten Jahre (ausgelöst u. A. durch den Crowdfunding-Craze) frage ich mich manchmal: Wieviele von denen werden wirklich von den (ja durchaus existierenden) Käufern intensiv bespielt? Also mehr als ein paar Probesessions? (Und andererseits: Ist das nötig, um ihre Existenz zu rechtfertigen?)

Mir fehlt ein bisschen Spiel*material*, also keine Regeln, sondern Abenteuer und Szenarien. Da habe ich das Gefühl Qualität und Quantität kommt vor allem aus dem Hobby-Bereich der OSR (wobei das natürlich ein spezielles Sujet ist).

Tausend Regelwerke und immer neue Spielhintergründe aber wenig bis kein Support in Richtung Spielmaterial. Warum? Wird das nicht benötigt, weil alle selber ihre Kampagnen stricken? Ich glaube da nicht dran - wer hat schon die Zeit dazu in der heutigen Kernzielgruppe? Ich vermute es wird viel gekauft und wenig gespielt. Muss ja nicht schlecht sein, wenn auch irgendwie schon skurril - Spiele die man kauft um zu sammeln und sich die Bilder anzuschauen, die man aber kaum mehr *spielt*. Ich kann damit aber immer weniger anfangen. Ich glaube ich brauche kein einziges neues System mehr in diesem Leben.

Aber geile, benutzerfreundliche, ideenreiche Abenteuer, davon kann man denke ich gar nicht genug haben.


Wie sehr ihr das?

Pyromancer:

--- Zitat von: Samael am  1.02.2017 | 22:30 ---Wie sehr ihr das?

--- Ende Zitat ---

Ähnlich.

Antariuk:
Ich stimme tendenziell zu, glaube aber auch dass das Publikum heutzutage nicht mehr zwingend "das eine" System sucht welches dann jahrelang gespielt wird sondern öfter mal wechselt. Das gab es früher natürlich auch, aber es wird einem heutzutage schon einfacher gemacht mal querbeet durch zwanzig Systeme zu spielen.

Und ob es wirklich an vorgefertigten Abenteuern fehlt... finde das ist gar nicht so einfach. Systeme wie Apocalypse World oder Blades in the Dark kennen sowas halt nicht, da generiert sich das Spiel explizit durch Spielerinput. Und für z.B. Splittermond als aktuelles, klassisches System gibt es doch auch schon um die 10 fertige Abenteuer zu kaufen.

Rhylthar:
Hm, kann ich so jetzt nicht bestätigen.

D&D: Check
Pathfinder: Check
Splittermond: Check
Star Wars: Check
Shadow of the Demon Lord: Check
Space 1889: Check
Shadowrun: Check
Midgard: Check
The One Ring: Check
Cthulhu: Check

Keinem der Systeme, die ich so hier habe, mangelt es an Abenteuern. D&D 5E habe ich mehr, als ich je spielen werde. Nochmal $ 45 investiert und ich habe nochmal 100+ mehr.

Ob das immer alles Perlen sind, kann ich nicht beurteilen.

Chiungalla:

--- Zitat von: Samael am  1.02.2017 | 22:30 ---Wie sehr ihr das?
--- Ende Zitat ---

Etwas anders, aber in eine ganz ähnliche Richtung.

Ich habe meine Abenteuer lieber individuelle auf die Gruppe zugeschnitten, also so das sie individuellen Motivationen, Schwächen, Stärken, Connections u.s.w. Rechnung tragen. Das findet man leider sehr selten bei Kaufabenteuern und es ist oft auch nicht unbedingt einfach sie anzupassen. Daher hält sich mein Interesse an Kaufabenteuern sehr in Grenzen.

Auf der anderen Seite liebe ich es in Setting-Bänden rumzublättern und davon dürfte es ruhig mehr geben.

Was ich an der Entwicklung unter anderem kritischsten sehe, ist das die Rollenspiel-Community immer mehr zerfasert. Es gibt nicht unbedingt viel mehr Spieler als früher. Keine Ahnung ob es wirklich weniger sind oder etwas mehr. Aber wo es früher ein paar große Systeme (Shadowrun, DSA, D&D, GURPS,...) und ein paar kleinere Systeme gab, gibt es heute sehr viele Systeme. Und die Spielerschaft verteilt sich immer dünner auf die angebotenen Systeme.

Das führt auf der einen Seite dazu, dass jeder das System findet das er spielen möchte... aber es immer schwieriger wird sich im Dschungel der Systeme auf ein System zu einigen oder längere Zeit festzulegen. In meinen persönlichen Runden ist das Problem noch nicht angekommen, aber ich kenne einige Spieler die damit kämpfen und es gab ja auch schon mal Threads zum zwanghaften System-hopping. Vor allem beobachte ich es aber auf Cons wo immer häufiger ein Sammelsurium exotischer Systeme angeboten wird und ohne Spieler bleibt.

Das ist aber wohl eine Entwicklung die sich fast zwangsläufig aus den Entwicklungen der letzten Jahre (Crowdfunding, Web 2.0, ...) ergibt und die wir wohl oder übel erdulden müssen. Letztendlich gibt es die vielen Systeme ja deshalb, weil sie nachgefragt werden und es entsprechende neue Vertriebswege gibt.

Und die einzige Lösung die das erfolgreich eindämmen würde, wenn sie sich auf dem Markt durchsetzen könnte (was ich nicht glaube) wäre wohl so eine Art Fair Trade Siegel das vernünftige Löhne für die Beteiligten Entwickler, Zeichner u.s.w. garantiert. Dann würden die ganzen Kleinauflagen plötzlich nämlich unwirtschaftlich und der Markt würde sich auf wenige große Systeme konzentrieren. Denn gerade die vielen Kleinsysteme sind ja vor allem deshalb möglich, weil niemand so wirklich viel damit verdient. Und das ist vielleicht dann letztendlich auch der Aspekt der mich an der derzeitigen Situation persönlich am meisten stört.

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