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OSR Smalltalk
Megavolt:
Was bei den ganzen Beschreibungsversuchen noch fehlt, ist der Sense of Wonder, der bei der OSR einfach oft zündet. Es ist sehr erfrischend, wenn die Welt nicht sauber simuliert ist, sondern wenn man stattdessen echte Überraschungen erlebt.
Und das mit der Tödlichkeit ist irgendwo auch eine Frage des persönlichen Charakters bzw. der Perspektive. Man könnte ja auch argumentieren, dass einem eine Spielfigur gerade dann erst ans Herz wächst, wenn man sie dreimal durch die Hölle gejagt hat und sie immernoch lebt, wohingegen das meistens übliche Schienbeinschoner-Spiel nach dem Motto "Meine Figur stirbt erst, wenn ich zustimme" diese letztlich entwertet.
Ich will da gar kein Urteil fällen, aber nur, weil die Sterberate hoch ist, heißt das nicht, dass alles egal ist.
Und Tomb of Horrors, naja. Nur weil irgendwas die Eigenschaften von OSR hat, bedeutet das nicht, dass es nicht vollkommen bescheuert ist (eher im Gegenteil ~;D ). Lamentations hat leicht und locker eine Ausschuss-Quote von 50%. Für mich ist das okay, ich verbuche das unter "Künstler müssen sich austoben können, ohne Risiko keine Überraschungserfolge" oder so.
Rhylthar:
Klar, vorher aufklären ist immens wichtig. Sonst hat man schnell Frust am Tisch.
Ich schwelge gerade noch ein wenig in Erinnerungen und komme ins Grübeln:
Ich (und viele andere SL, die ich kenne) haben während der 3.5-Ära zwar "encounterisiert" aber "am Limit" gespielt. Heisst, auch da waren Charaktertode bis hin zu TPK nicht zwingend selten.
Ist das dann auch noch der feine Unterschied, dass bei OSR eben auch "unschaffbare Encounter", so es die Spielweltlogik (oder der Wurf auf der Encountertabelle) hergibt, "normal" sind?
rillenmanni:
--- Zitat von: Rhylthar am 10.12.2018 | 17:43 ---Ich (und viele andere SL, die ich kenne) haben während der 3.5-Ära zwar "encounterisiert" aber "am Limit" gespielt. Heisst, auch da waren Charaktertode bis hin zu TPK nicht zwingend selten.
Ist das dann auch noch der feine Unterschied, dass bei OSR eben auch "unschaffbare Encounter", so es die Spielweltlogik (oder der Wurf auf der Encountertabelle) hergibt, "normal" sind?
--- Ende Zitat ---
Zunächst mal volle Zustimmung zu Megavolt.
Rhylthar, im Grunde ist das doch wie bei Deinen Sandboxen. Unschaffbare Encounter, etwa 4x99 Berserker in Raum X, stellen sich der Gruppe nicht aus heiterem Himmel auf die Füße. Ich würde sagen, dass sie umgehbar oder stutzbar sind, solange nicht ein besonderer Kontext vorliegt.
Scimi:
--- Zitat von: Rhylthar am 10.12.2018 | 17:43 ---Ist das dann auch noch der feine Unterschied, dass bei OSR eben auch "unschaffbare Encounter", so es die Spielweltlogik (oder der Wurf auf der Encountertabelle) hergibt, "normal" sind?
--- Ende Zitat ---
Zumindest wird nicht erwartet, dass jeder Encounter auch gespielt oder "sportlich" angegangen werden muss und es macht viel häufiger Sinn, Kämpfe zu vermeiden, vor Gegnern zu fliehen oder mit dem Schatz wegzulaufen, während die Ghule den Rest der Gruppe fressen. Außerdem gibt es da oft ein Trade-Off zwischen Überleben und Loot — ganz bis zum Ende des Dungeons zu laufen, bringt meistens den größten Gewinn, aber ist auch meistens fast garantiert tödlich. Es ist völlig akzeptabel, ab einer bestimmten Stelle aufzuhören und mit dem bisher erbeuteten nach Hause zu gehen. Statt Balancing gibt es bessere Gewinne für höheres Risiko.
YY:
--- Zitat von: Megavolt am 10.12.2018 | 17:33 ---Es ist sehr erfrischend, wenn die Welt nicht sauber simuliert ist, sondern wenn man stattdessen echte Überraschungen erlebt.
--- Ende Zitat ---
Ja, das ist ein oft übersehener Aspekt, dass der Sense of Wonder auch an spielmechanischer Offenheit liegt.
Im blödesten Fall wird einerseits gefordert, dass alles den (dann auch schnell ausufernden) Regeln folgt und andererseits beschwert man sich über fehlenden Sense of Wonder - einen Tod muss man da sterben.
--- Zitat von: Megavolt am 10.12.2018 | 17:33 ---Und das mit der Tödlichkeit ist irgendwo auch eine Frage des persönlichen Charakters bzw. der Perspektive.
--- Ende Zitat ---
Das ist ja im Videospielbereich nicht anders: Da gibt es Spiele, die garantiert verlustfrei vor sich hin plätschern und "trotzdem" Spaß machen und andererseits die knallharten Roguelikes & Co., an denen man sich richtig abarbeiten kann und muss.
Nur weiß ich dort beim Spielstart schon, was auf mich zu kommt. Beim P&P muss ich ggf. erst noch mal nachfragen...
--- Zitat von: Rhylthar am 10.12.2018 | 17:43 ---Ist das dann auch noch der feine Unterschied, dass bei OSR eben auch "unschaffbare Encounter", so es die Spielweltlogik (oder der Wurf auf der Encountertabelle) hergibt, "normal" sind?
--- Ende Zitat ---
Für mich schon, auch wenn es in der Spielpraxis meistens relativ egal ist, ob es ein von Anfang an "unschaffbarer" Encounter war oder ob der SL nur bei einem "normal schweren" Encounter voll durchgezogen hat.
Da ist der angesprochene Grundgedanke wichtiger, dass ein Dungeon als Ganzes eher ein "mal gucken, wie weit wir kommen" ist statt einer schaffbaren und "verpflichtenden" Gesamtaufgabe.
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