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Herr der Ringe - Die Serie - Die Ringe der Macht
Jiba:
--- Zitat ---Also.. kurz und knapp, wem es gefällt, dem gefällt es. Aber einfach alle, die was auszusetzen haben, als "Fanboys und Gatekeeper" abzuqualifizieren.. nee, das ist daneben, sorry.
--- Ende Zitat ---
Naja, gut, aber die Wahrnehmung kann man auch umdrehen. Wie viele reißerische YouTube-Videos von selbsternannten Filmkritiker:innen gibt es da draußen, die Titel tragen wie "RoP is an insult to the fans!", "Amazon vs. the fans", "Rings of Power Authors hate the fans!" (nicht wortwörtlich, aber die Richtung).
Es wird von denjenigen, die die Serie nicht mögen, sich doch auch schnell dabei, eine monolithische Fankultur zu propagieren, die es gar nicht gibt. Oder gleich Tolkienexpert:innen die Qualifikation abzusprechen, wenn sie die Serie nicht völlig zerreißen. Machen wir uns nichts vor: RoP ist nicht der große Wurf. Es ist nicht mal gut. Aber es ist auch nicht der Teufel höchstpersönlich.
--- Zitat ---über Logik darf man bei vielen modernen Drehbüchern scheinbar nicht mehr sprechen.
--- Ende Zitat ---
Und sowas macht mich ehrlich gesagt auch immer ein wenig fuchsig, wenn ich das lese. "Moderne" Drehbücher gibt es so viele und nur in seltenen Fällen treten da überhaupt Logikbrüche sichtbar zutage, wenn überhaupt. Tatsächlich ist das Prinzip "Logik" sowieso im Filmischen so eine Sache... ein Film muss halt die Handlung nachvollziehbar halten. Das post-moderne Verständnis von "Filmlogik" dieser Tage ist bei phantastischen Stoffen so völlig überhöht und wird von einer Kritiker:innen-Crowd gepusht, die Filme, die motivisch und allegorisch anstatt physikalisch funktionieren, vielfach nicht erfassen können (thinking of "Cinema Sins" here). Das ist kein Vorwurf an die Leute hier im Forum. Fällt mir im Diskurs halt immer wieder auf.
Mr. Ohnesorge:
--- Zitat von: Lyonesse am 16.10.2022 | 15:41 ---Interessanterweise ist das Sprechen von ein Paar Brocken Sindarin oder Quenya
schon so etwas wie ein Qualifikationsnachweis (als Showrunner) - selten so gelacht.
--- Ende Zitat ---
Die beiden Showrunnner haben ein Konzept für die Serie eingereicht, mit dem sie Mitbewerber*innen ausgestochen haben. Sprachkenntnisse dürften da weniger eine Rolle gespielt haben.
YY:
--- Zitat von: Jiba am 16.10.2022 | 17:12 ---Machen wir uns nichts vor: RoP ist nicht der große Wurf. Es ist nicht mal gut. Aber es ist auch nicht der Teufel höchstpersönlich.
--- Ende Zitat ---
Der große Vorwurf geht meiner Wahrnehmung nach auch eher an das Kommunikations- und Marketingverhalten von Amazon und deren Umgang mit Kritik.
Das ist stellenweise eine Lehrvorführung, wie man es nicht macht - und das wie einige Macken der Serie quasi ausschließlich selbstverschuldet.
Gwynplaine:
--- Zitat von: Lyonesse am 16.10.2022 | 16:40 ---Interessant ist eigentlich, dass diese Serie bei mir erheblich mehr Kredit hatte, als jede andere neue
Serie wo ich reinschalte. Und selbst nach zwei bis drei Folgen, als klar war wie desaströs sich dieses
Projekt entwickelt, habe ich bis zum Ende durchgehalten. Für mich wurde hier eine große Chance geradezu
fahrlässig vertan, denn die Probleme der Serie sind alle hausgemacht und hätten sich ohne größeren Auf-
wand vermeiden lassen, wie hier schon mehrfach von berufenerer Stelle geschrieben wurde.
Und diese angeblichen Tolkienexperten, die keinerlei Probleme haben, weil Tolkien auch hier und da ein
paar Änderungen und Anpassungen vorgenommen hat, scheinen mir eher eine Art Lobbyarbeit zu betreiben,
damit das größte Werk der modernen Fantasy bloß nicht zu sehr Schaden nimmt - was natürlich auch Quatsch ist.
--- Ende Zitat ---
Aber sowas von +1!
Drakon:
--- Zitat von: Jiba am 16.10.2022 | 17:12 ---Und sowas macht mich ehrlich gesagt auch immer ein wenig fuchsig, wenn ich das lese. "Moderne" Drehbücher gibt es so viele und nur in seltenen Fällen treten da überhaupt Logikbrüche sichtbar zutage, wenn überhaupt. Tatsächlich ist das Prinzip "Logik" sowieso im Filmischen so eine Sache... ein Film muss halt die Handlung nachvollziehbar halten. Das post-moderne Verständnis von "Filmlogik" dieser Tage ist bei phantastischen Stoffen so völlig überhöht und wird von einer Kritiker:innen-Crowd gepusht, die Filme, die motivisch und allegorisch anstatt physikalisch funktionieren, vielfach nicht erfassen können (thinking of "Cinema Sins" here). Das ist kein Vorwurf an die Leute hier im Forum. Fällt mir im Diskurs halt immer wieder auf.
--- Ende Zitat ---
Sowas von QFT!
Bei mir fängt das Stirnrunzeln spätestens dann an, wenn sich jemand als Filmkritiker (der Einfachheit subsumiere ich Serien mal mit darunter) geriert, aber in seinem Video (das ist ja meistens das gewählte Medium) kein einziges Mal irgendwelche filmischen Techniken oder andere Spezifika des Mediums Film anspricht.
Es ist ja völlig ok, ein rein subjektives Meinungsstück rauszuhauen und zu sagen, ob einem ein Film/eine Serie gefällt, aber für mich gibt es da schon noch ein ganzes Stück Weg zu gehen, bevor ich den Eindruck habe, dass jemand fundiert über ein spezifisches Medium urteilen kann und zumindest eine rudimentär objektive Wertung abgeben kann.
Möglicherweise ist dies ja gar nicht so einfach und verlangt eine gehörige Portion Kompetenz und Vorwissen, die jeder Krethi und Plethi vorweisen kann, wenn er einen hot take raushaut.
Wie gesagt: Jedem sei seine Meinung(!) unbenommen und es ist sein gutes Recht eine Serie/einen Film doof zu finden und das auch lautstark zu verkünden, wenn z.B. gefühlt fehlende Logik seine Suspension of Disbelief bricht und ihm das das Sehvergnügen verdirbt.
Wenn jemand sich aber als besonders raffinierter Kritiker sieht, weil er die Entfernung zwischen zwei Handlungsorten mittels der Durchschnittsgeschwindigkeit eines Pferdes der Reisezeit auf der Leinwand gegenüberstellt oder das Gewicht und Volumen von x Reiterregimenten mit der - wegen eines fiktiven Schiffstypes leider nur approximierten - Ladekapazität von y Schiffen vergleicht, beweist ein anzuerkennendes Talent für mathematische Anwendungsaufgaben, seine Kompetenz als Filmkritiker ist davon weitgehend unabhängig.
Völlig subjektive und möglicherweise unnötig polemische Seitenbetrachtung:
Es kommt mir dabei oft so vor, als ob Menschen mit eher naturwissenschaftlichem beruflichen Background sehr breitbeinig ins Metier von Kunst- und Kulturwissenschaften hereinstapfen und vor allem mit ihrem sattsam bekannten Instrumentarium herumhantieren, ohne zu erkennen, dass sie damit ähnlich adäquat handeln, wie ein Kunsthistoriker, der quantenphysikalische Theorien anhand von Ästhetik und Formensprache der verwendeten Symbole vergleicht.
Es ist dabei für mich nicht überraschend, dass diese Phänomene im Bereich von Medien mit Fantasy-, Comic- oder allgemein Nerd-Themen aufgrund der demographischen Zusammensetzung der Szene häufig besonders deutlich zu Tage treten.
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