Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen

Sind Dungeon Crawls per Defition reine "Metzelabenteuer"?

(1/13) > >>

Little Indian #5:
Ich habe jetzt - nach langer Zeit - mal weider ein klassisches Dungeon-Abenteuer geleitet, und zwar Level 3 aus "Dungeon of the Mad Mage" für D&D 5e. Gut, wir haben es nach Tiny Dungeons-Regeln gespielt und nicht den Original D&D-Regeln, aber ich glaube nicht, dass das ein entscheidender Faktor war.

Jetzt wo der Level beendet ist, muss ich aber doch sagen, dass ich doch angemessen enttäuscht bin.

Okay, der Dungeon ist ganz originell und die Materialien sind hübsch (wobei mir allerdnigs die Karte viel zu kompliziert ist - wie soll ich das Gewimmel an Gängen und Höhlen denn dem Kartographen der Gruppe vernünftig vermitteln?).

Aber die Vorgehensweise ist immer dieselbe - Tür auf, Monster plätten, Schätze einsammeln, weiter.
Okay, manchmal muss man auch keine Tür öffnen, sondern durch einen Tunnel kriechen oder um eine Ecke gehen, um auf den nächsten Gegner zu treffen. Aber die meisten Lebewesen im Dungeon sind tatsächlich (mehr oder weniger) hirnlose Monster, mit denen eine andere Interaktion als Kampf nicht möglich (oder vorgesehen ist). Und ich hatte mir von dem Abenteuer etwas mehr veresprochen als ständiges Monsterplätten (was auch Spaß gemacht hat, keine Frage, aber für mich einen etwas schalen Nachgeschmack hinterlässt).

Klar, es gab auch einzelne Gelegenheiten zum Rollenspiel jenseites des Kampfes, aber die sind doch eher die Ausnahme. Das kann natürlich zum Teil auch an dem von der Gruppe eingechlagenen Weg gelegen haben,
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)denn sie sind durch das Lager der Drow gezogen, die doch eigentlich so böse sind, dass sie eine Gruppe neutral-guter Abenteurer kaum als etwas anderes betrachten werden denn als potenzielle Sklaven oder Opfer. In den Bereich mit den Hobgoblins, wo vielleicht eine friedliche Interaktion eher möglich gewesen wäre, ist die Gruppe nicht gekommen.
Und ich bin es bei meiner Gruppe eigentlich gewohnt, dass die sehr gerne mit NSCs interagieren, Pläne machen und sich (immer und immer und immer wieder ::) ) untereinander besprechen und eben nicht nur kämpfen wollen. Klar, sie weichen einem gelegentlichen Schlagabtausch auch nicht unbedingt aus, sehen das aber nicht als eigentliches Ziel des Spiels.

Und da habe ich mich daran erinnert, dass die Dungeon Crawls, die ich (viel) früher gespielt habe - mit DSA1 oder (A)D&D - eigentlich auch immer ähnlich abgelaufen sind und deshalb stellt sind mir die Frage aus dem Betreff: Ist es quasi ein definierendes Merkmal von Dungeon Crawl-Abventeuern, dass es dort allein (oder zumindest primär) ums Metzeln und Schätzesammeln geht? GIbt es auch Gegenbeispiele?

In der Retrospektive ist das verwendete Regelsystem vielleicht doch gar nicht so unwichtig. Bei D&D bekommt man ja Erfahrungspunkte vor allem für dass Überwinden von Monstern und das Schätzesammeln (Ist das eigentlich in der 5e immer noch so? Ich bin da nicht so auf dem Laufenden). Und dann ist es natürlich wichtig, das auch im Fokus des Abenteuers zu halten, weil die Spieler verständlicherweise gerne ihre Figuren aufleveln wollen. Bei Tiny Dungeons gibt es zwar auch die Möglichkeit, sich durch Erfahrung zu verbessern, die ist aber lange nicht so wichtig wie bei D&D und auch nicht so stark vom Überwinden einzelner Hindernisse oder Gegner abhängig.

Ninkasi:

--- Zitat von: Little Indian #5 am 11.07.2019 | 12:17 ---
Und da habe ich mich daran erinnert, dass die Dungeon Crawls, die ich (viel) früher gespielt habe - mit DSA1 oder (A)D&D - eigentlich auch immer ähnlich abgelaufen sind und deshalb stellt sind mir die Frage aus dem Betreff: Ist es quasi ein definierendes Merkmal von Dungeon Crawl-Abventeuern, dass es dort allein (oder zumindest primär) ums Metzeln und Schätzesammeln geht? GIbt es auch Gegenbeispiele?


--- Ende Zitat ---

Da gibt´s bestimmt Gegenbeispiele. Ich meine in dem neuen Buch "Abenteuer gestalten" stand etwas diesbezüglich.
Auswenidig kenne ich da gerade nichts.
Viel liegt auch an der einzelnen Gruppe und etwas am kampflastigen Systemen.

takti der blonde?:
Zum einen muss man auch mit hirnlosen Monstern nicht immer nur kämpfen. Man kann sie weglocken, sich ihnen vorbei schleichen, sie gegeninander aufhetzen etc. Zum anderen empfinde ich deine Interpretation der Drow als nicht differenziert genug. Oder sind die Drow in dem Dungeon irgendwie besonders "böse" (durch Sporenbefall z.B.)?

Es liegt an den Spielern eine nicht-kämpferische Lösung zu finden, wenn sie das denn wollen.

Grüße

Hasran

Tegres:
Ich denke, es gibt eine Menge Dungeons, die an abwechslungs- und interaktionsarmen reinem Gemetzel leiden, aber das ist meiner Meinung nach keine genuine Eigenschaft von Dungeons sondern eine Eigenschaft von schlechten Dungeons.

Es gibt auch genug Gegenbeispiele, bei denen Interaktion mit NSCs oder Monstern eine wichtige Rolle spielt. In der Aborea-Box gibt es zum Beispiel ein Abenteuer, bei dem man eine Frau aus einer Orkhöhle befreien muss. Die Frau ist aber bei den Orks aufgewachsen und will sie gar nicht verlassen. Nur die Aussicht mit einem brutalen Orkhäuptling verheiratet zu werden, lässt sie und ihren orkischen Ziehvater überhaupt verhandlungsbereit machen. Andere Orks in der Höhle sind Verbündete des Orkhäuptlings und werden eventuelle Verhandlungen sabotieren wollen.
Der erste Dungeon in der D&D5-Einsteigerbox kann mit Gemetzel gelöst werden, aber er wird doch deutlich schwerer. Cleveres Vorgehen und Heimlichkeit führen viel leichter zum Ziel.
"Death Frost Doom" für Lamentations of the Flame Princess kann sehr gut ohne Kämpfe gespielt werden, die Charaktere verlieren eh  >;D

Tatsächlich könnte dieser Post doch ein guter Anlass sein, gute Dungeons zu sammeln. Ich mach da am Sonntag ein Thema zu auf, ich muss jetzt leider los.

Pyromancer:

--- Zitat von: Little Indian #5 am 11.07.2019 | 12:17 ---IUnd da habe ich mich daran erinnert, dass die Dungeon Crawls, die ich (viel) früher gespielt habe - mit DSA1 oder (A)D&D - eigentlich auch immer ähnlich abgelaufen sind und deshalb stellt sind mir die Frage aus dem Betreff: Ist es quasi ein definierendes Merkmal von Dungeon Crawl-Abventeuern, dass es dort allein (oder zumindest primär) ums Metzeln und Schätzesammeln geht?

--- Ende Zitat ---
Was ich aus der Geschichtsstunde weiß ist, dass es ursprünglich in "dungeon crawls" ums Schätzesammeln und um das Vermeiden von Kämpfen ging. Es gab nämlich hauptsächlich Erfahrungspunkte für's Schätze-Bergen, und Kämpfe mit Monstern waren gefährlich und wenig nutzbringend.

In den wenigen Dungeons, die ich in meiner Rollenspiel-Laufbahn bespielt habe, waren Kämpfe auch immer nachrangig.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln