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[Mouse Guard] Gedanken zu Skill- und Konfliktsystem

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Skeptomai:
Abo.

First Orko:
Danke für die detailierte Ausführung!
Tatsächlich finde ich das Konfliktsystem selbst auch durchaus gelungen und kann die Intention dahinter, wie von dir geschildert, nachvollziehen. Letzlich macht Fate ja auch nix Anderes, auch wenn der Ausgang eines Konfliktes dort traditionellerweise auch eher binär umgesetzt wird wenn doch mehr möglich wäre. (Trotzdem wehre ich mich noch dagegen, eine Fate-Umsetzung von MG zu benutzen!)

Es bedingt aber m.E. dass SpielerInnen und Spielleitung diesen Meta-Anspruch an die Spielelemente (mindestens der Zusammenhang Konflikte-Goals-Instincts!) verinnerlichen. Und da ist mein Eindruck, der sich durch Erfahrung mit dem System deckt, dass die Wenigsten das überhaupt wollen! Mit dem Setting bekomme ich immer wieder Interessenten abgeholt und viele mögen das einfach Würfelsystem, Steigerungen, das Teamwork usw. Aber sobald die Karten auf dem Tisch liegen kracht es dann. Das ist in dem Sinne aber vielleicht kein eigentliches Problem des Systems aber.... hm. Des Anspruchs an die Spieler?

Insbesondere was das hier angeht:

--- Zitat von: Zarkov am 10.06.2020 | 23:26 ---Anders gesagt, der Autor von Mouse Guard glaubt an den ehrlichen Konflikt als entscheidende Spaßquelle im Rollenspiel. Das ist eine Sache, bei der ich absolut mitgehe. Ein ehrlicher Konflikt erfordert zwei Grundvoraussetzungen: Beide antagonistische Parteien müssen etwas wollen und sich richtig reinknien, und es darf kein derart steiles Machtgefälle zwischen den Seiten geben, wie man es beim traditionellen Spielleiter mit Allgewalt hat.

--- Ende Zitat ---
kann ich nur sagen: Um das nachvollziehen zu können, muss man m.E. eine gewisse Sozialisation im Rollenspielumfeld durchlaufen haben. Das merkt man doch schon, wenn man in traditionelleren Gruppen mal das Thema Player Empowerment anspricht  ;D

Trotzdem hast du natürlich recht: Konflikte zu streichen nimmt dem System einen gewissen - vielleicht sogar den zentralen-  Reiz.  :think: Bleibt die Frage: Kann ich das System irgendwie anpassen, bzw speziell die Umsetzung mit Karten streichen und durch etwas ersetzen, was näher an den normalen Proben bleibt?
Denn am Ende geht es doch nur um die Frage: Wie hoch muss der Kompromiss sein, wenn ich gewinne? (abhängig von meinem Konfliktwert am Ende).
Ich bin kein Gamedesigner aber ich glaube, dass man das auch anders - einfacher, eingängier - erreichen kann!

Zarkov:
Genau, mit einem einzelnen der Währungskreisläufe und einem Skill-/Konfliktsystem hat man im Grunde Fate. Und daß Mouse Guard nicht jedem sein Spiel ist, stimmt selbstverständlich auch.¹ Es ist ja nichts anderes als ein kompaktes, für kurze Kampagnen und schnellen Start optimiertes Burning Wheel mit klar festgelegten Prozeduren.

Wenn man Konflikte wirklich vereinfachen wollte, könnte man natürlich statt drei Aktionen vorzuplanen immer nur eine auf einmal abhandeln. Das funktioniert offensichtlich. Man könnte wohl auch einfach die Disposition mit Skills herunterwürfeln, entweder mit geteilten Würfelpools für Angriff und Verteidigung oder mit Initative und abwechselnden Würfen. Auf diese Weise könnte man mit Disposition und Kompromissen weiterarbeiten.

Aber, wie gesagt, ich habe eigentlich immer die Erfahrung gemacht, daß die Leute mit Konflikten weit rascher zurecht kommen als mit der Phasenstruktur, mit Checks und Natur. Um die sinnvoll zu nutzen, muß man schließlich das ganze Spiel über auf der Meta-Ebene arbeiten. Die Konfliktregeln sind nur ein aufgebohrtes Schere-Stein-Papier, aber die anderen Sachen stellen traditionelle Rollenspielgewissheiten teils völlig auf den Kopf.

Wenn es wirklich an den Konflikten hakt, kann es gut sein, daß du, wie oben angedacht, tatsächlich mit klassischem Spielleiteransatz und nur mit Skillwürfen, Beliefs und Traits am Besten über die Runden kommst.


¹ Anekdote: In einer alten Runde hatte sich einmal eine extrem immersionsfixierte Spielerin so lange gegen Kommunikation auf der Metaebene gesträubt, bis ich ihr schließlich im Buch den Absatz Table Chatter vor die Nase gehalten habe. "Ah so, ja wenn das ne Regel ist ..."

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