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Shadowrun: Capital Files "Volume/02 - Drugstore Blues"
Preacher:
Messiah hatte den Reißverschluß seiner Panzerjacke bis zum Hals zugezogen und den Kragen hochgeklappt, um vor Nässe und Kälte geschützt zu sein - trotz der hochsommerlichen Jahreszeit fröstelte ihn.
Die Hände hatte er in den Taschen vergraben und Rucksack und Deckkoffer einfach über die Schulter gehängt, denn beide waren wasserdicht - nicht, daß es bei dem "Deck" etwas ausgemacht hätte.
Er hatte die ganze Fahrt über geschwiegen, in Gedanken versunken; aber diese waren nicht nur beim bevorstehenden Run. Er war zwar nervös, aber weitaus weniger, als er gedacht hätte - und es war nicht nur wegen der Anwesenheit einer mobilen Klinik und eines der besten Straßendocs des Rhein-Ruhr Plexes, auch wenn diese schon dazu angetan war, ein Gefühl der Beruhigung hervorzurufen. Irgendwie hatte er die ganze Zeit ein seltsames Gefühl von déjà-vu, auch wenn er nicht recht wußte, woher dieses rührte oder worauf es sich bezog.
Als er durch Artemis' Rippenstoß so unsanft aus seinen Gedanken gerissen wurde, zuckte er unwillkürlich ein wenig zusammen. Er sah dem Nachtelfen in die Augen und überlegte, ob er darauf hinweisen sollte, daß sie nicht in Sichtweite der Schraubenfabrik waren, überlegte es sich dann anders - schließlich hatte er ja recht. Also zuckte er nur mit den Schultern, nahm die Zigarette aus dem Mund und schnippte sie in eine Regenpfütze.
Den Hinweis auf die Ankunft des Docs quittierte er bloß mit einem Nicken und trat dann vor und winkte, um Metzger auf sich aufmerksam zu machen.
Doc Letterwood:
Der Volvo-Truck hielt im Schatten der Gebäude. Keine Scheinwerfer. Das grummelnde Geräusch des schweren Motors erstarb.
Messiah wusste, dass das alles war, was er von Metzgers Anwesenheit mitbekommen würde. Er pflegte an Abenden wie diese stets eine gewisse Zurückhaltung - insbesondere gegenüber Leuten, die er nicht kannte. Metzger nannte das Schüchternheit. Messiah wusste, es war Vorsicht.
Preacher:
Und er hat recht damit, vorsichtig zu sein, gerade wenn er bei solchen Einsätzen dabei ist. Aber es wäre sinnvoll, wenn er erfahren würde, wo er zu warten hat und welche Funkfrequenz er einstellen soll, damit wir ihn im Bedarfsfall herrufen können - schließlich können wir Weechuck nicht noch kilometerweit tragen.
Da er ohnehin schon nass war, ging Messiah ohne sich um den strömenden Regen zu kümmern zur Fahrerseite des Trucks und klopfte an das Seitenfenster, um den Fahrer zu instruieren. Metzger würde wohl nicht selbst fahren - er mußte sich schließlich während der Fahrt um seine Patienten kümmern.
Doc Letterwood:
Doch entgegen von Messiahs Erwartungen saß Metzger selbst hinterm Steuer. Die Fahrertür schwang mit einem leisen Summen auf und fuhr zur Seite. Der frische Geruch von Plastikpolitur stach in Messiahs Nase.
Die massige Gestalt des Arztes thronte auf einem luftgepolsterten, mächtigen Fahrersessel - von Recaro, wenn Messiah nicht irrte. Seine Schürze war, wie immer, mit einigen feinen Blutsprenkeln übersät. Neben ihm saß ein stoppelbärtiger, schlaksiger Mann...im Schwesternkostüm, kaute an den Fingernägeln und rauchte.
Das breite Gesicht wendete sich zu dem Decker. "Hier bin ich. Das da", er deutete mit dem Daumen auf den Beifahrer, "ist Lorna. Sie ist meine Assistentin. Wo sollen wir warten?"
Preacher:
Als Messiah die "Assistentin" erblickte, hätte er beinahe Grinsen müssen. Aber da er Metzgers exzentrischen Stil schon etwas länger kannte, war er auf etwas ähnliches schon gefaßt gewesen. So zog er nur die Augenbrauen kurz hoch, als er "sie" begrüßte.
"Halllo...Lorna. Hoi Metzger. Ein Stück die Straße runter ist eine alte Tankstelle." Er deutete in die entsprechende Richtung. "In der Waschstraße kannst Du parken - damit bist Du 500 meter von uns entfernt. Sollte an sich eine adäquate Entfernung sein. Wenn es soweit ist werden wir dich auf dieser Frequenz rufen." - er nannte dem Stretdoc die dritte Ausweichfrequenz der Kommlinks - "Falls unser Baby keinen Arzt braucht, werden wir dir ebenfalls auf dieser Frequenz Bescheid sagen, dann kannst Du wieder nach Hause. In deiner Klinik werden wir den Kleinen nur unterbringen, wenn sein Zustand es unbedingt erfordert, ansonsten an einem anderen Ort - dein mobiles Equipment muß dann eben genügen. Irgendwelche Fragen?"
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