Pen & Paper - Spielsysteme > D&D5E
Ist D&D5 ein Ersatz für die OSR-Versionen?
takti der blonde?:
--- Zitat von: Wisdom-of-Wombats am 11.06.2021 | 18:27 ---Das finde ich interessant. Erstens: Moral- und Reaktionswürfe sind im DMG mit drin. Zweitens: ausgerechnet Goodman Games (die mit DCC) haben eine Konvertierung von Keep on the Borderlands für 5e gemacht.
Ich finde der Unterschied zwischen OSR und D&D 5e sind die Art der Abenteuer. Die Herangehensweise steuerst Du als Spielleitung. Ich habe ein halbes Dutzend AD&D 1st Edition Abenteuer für D&D 5e 1:1 geleitet - und es hat bestens funktioniert.
--- Ende Zitat ---
Stimmt, die sind als Option im DMG erwähnt, beides funktioniert aber deutlich anders als noch in anderen D&D Variationen (Moralwürfe sind Weisheitsrettungswürfe, Reaktionswürfe sind Skillchecks), d.h. ich kann z.B. Monster stat blocks weder übernehmen noch kann ich die 5e Statblocks nehmen ohne sie anzupassen; voraussgesetzt natürlich ich möchte ich ähnliche Wahrscheinlichkeiten beibehalten.
Dazu kommt, dass 5e Abenteuer ohne Moralwürfe etc. konzipiert sind.
Was die Konversion von Goodman Games anbelangt: Der Witz an OSR-Spielen ist doch, dass ich eben keine großartige Konversion brauche. Ich kenne allerdings die GG Konversion nicht. Hast du die beiden mal vergleichen können? Wie sehr unterscheiden sie sich denn?
Und es freut mich natürlich, dass du AD&D-Abenteuer 1:1 leiten konntest. Wie hast du denn Erfahrungspunkte verteilt?
Wisdom-of-Wombats:
--- Zitat von: hassran am 14.06.2021 | 10:40 ---Stimmt, die sind als Option im DMG erwähnt, beides funktioniert aber deutlich anders als noch in anderen D&D Variationen (Moralwürfe sind Weisheitsrettungswürfe, Reaktionswürfe sind Skillchecks), d.h. ich kann z.B. Monster stat blocks weder übernehmen noch kann ich die 5e Statblocks nehmen ohne sie anzupassen; voraussgesetzt natürlich ich möchte ich ähnliche Wahrscheinlichkeiten beibehalten.
Dazu kommt, dass 5e Abenteuer ohne Moralwürfe etc. konzipiert sind.
Was die Konversion von Goodman Games anbelangt: Der Witz an OSR-Spielen ist doch, dass ich eben keine großartige Konversion brauche. Ich kenne allerdings die GG Konversion nicht. Hast du die beiden mal vergleichen können? Wie sehr unterscheiden sie sich denn?
Und es freut mich natürlich, dass du AD&D-Abenteuer 1:1 leiten konntest. Wie hast du denn Erfahrungspunkte verteilt?
--- Ende Zitat ---
Was die Konzeption der Abenteuer angeht: in den alten Modulen stand auch nie drin, dass Du Moralwürfe machen sollst. Denn das stand in den Grundregeln. Sprich: ich entscheide als SL nach welchen Regeln ich die Monster führe. Dafür brauche ich keine Anweisung im Abenteuer. Damit sind die Abenteuer dafür auch nicht „konzeptioniert“. Die Moralwürfe in D&D 5e sind so gestaltet, dass ich eben keine neuen Stats dafür brauche. Und die Ableitungen sind meiner Meinung nach sinnvoll.
Die GG Konvertierungen enthalten ja immer alles: Original, Neubearbeitung, Historie etc. Das sind gewaltige Wälzer. So genau habe ich sie aber noch nicht angeschaut.
Bei den AD&D 1st Edition Abenteuern habe ich EP nach D&D 5e Regeln vergeben. Hat genau gepasst.
takti der blonde?:
--- Zitat von: Wisdom-of-Wombats am 14.06.2021 | 11:30 ---Was die Konzeption der Abenteuer angeht: in den alten Modulen stand auch nie drin, dass Du Moralwürfe machen sollst. Denn das stand in den Grundregeln. Sprich: ich entscheide als SL nach welchen Regeln ich die Monster führe. Dafür brauche ich keine Anweisung im Abenteuer. Damit sind die Abenteuer dafür auch nicht „konzeptioniert“.
--- Ende Zitat ---
Die 5e Abenteuer sind auf die 5e Grundregeln ausgelegt. Dazu gehören weder Feats, noch Moralwürfe etc. Ich denke durchaus also, dass Abenteuer so ausgelegt sind, dass sie in erster Linie mit den Grundregeln zu bespielen sind.
--- Zitat ---Bei den AD&D 1st Edition Abenteuern habe ich EP nach D&D 5e Regeln vergeben. Hat genau gepasst.
--- Ende Zitat ---
Also nur für das Überwinden von Monstern? Es überrascht mich, dass es sich damit genau so spielt wie mit 1e Regeln, bei denen ja deutlich mehr XP für Schätze als für das Überwinden von Monstern gibt, d.h. die Anreizstruktur ist da deutlich anders.
Koruun:
--- Zitat von: General Kong am 11.06.2021 | 10:30 ---Ich habe nicht alles im Detail gelesen, aber sit jemand schon auf den unterschiedlichen Einsatz von Ressourcen bei D&D5 und "echtem" D&D eingegangen?
Bei D&D alter Schule ist alles begrenzt und kostbar: Trefferpunkte, Zauber, Heiltränke, Ladungen auf Zauberstäben usw.
Geht man auf Abenteuer und trifft auf der Reise auf ein Rudel Goblins, kann es auch für höherstufige Sc eine Überlegung wert sein einen Kampf zu umgehen, denn selbst wenn man die einweckt, man braucht dazu TP, Zauber, vielelicht Heiltränke und Ladungen - und die bekommt man so schnell nicht wieder. Zaubere ich wirklich Magisches Geschoss auf den Goblin oder schmeiße ich dem als Merlin nicht doch lieber nur einen Dolch hinterher?
Darüber hätte mein D&D 5 Zauberer keine Sekunde nachgedacht: FIREBOLT! Warum? Kann ich jede Runde. Den ganzen Tag.
Unser OSR-Kämpfer hat 12 TP verloren. Okay, da muss er bis zur Nacht durch als Lurch, denn erst dann, wenn alles sicher ist, bekommt er magische Heilung. und wenn wir keinen Kleriker haben, dannmuss man mal schauen, wieviele Heilzauber wir noch haben ...
Bei D&D 5 keine Sache: "Sollen wir noch ne Short Rest machen oder einfach weiter - morgen bin ich eh wie neu!"
Das hat Einfluss auf das Gestalten von Abenteuern, denn man kann sich "Ermüdungsgefechte" sparen - außer als Amüsenment.
OSR-Bösling: "Abenteuerer? Hier?! Noch zwei Tagesmärsche entfernt! Haltet sie auf! Entsendet Goblinreiter! Schickt Vampirfledermäuse! Schwächt sie und verzögert ihr Kommen. bis ich den Todeszauber vorbereitet habe! MUHAHAHA!"
D&D5-Bösling: "Abenteuerer? Hier?! Noch zwei Tagesmärsche entfernt! - Wer da auf deren Weg ist, der soll sich sofort zur Festung der Grausamkeit zurückziehen - Goblinreiter! Vampirfledermäuse! Alles was kriecht, stellt sich vor meine Tür und haut, kratzt und beißt, damit die sich vor dem Gefecht mit mir nicht mehr ausruhen können. Ich geh dann schon mal zaubern ... vielleicht klappt's ja. Muhuhu ... (ich Armer)"
--- Ende Zitat ---
Bin ich voll bei dir und kann das so unterschreiben.
Die Ursache dafür sehe ich bei der Verschiebung der Spielinhalte/-ziele seit der 3. Edition (und teilweise der 2. Edition - dort begann der erste Schritt mit dem Ende von EXP für Gold).
In der 3E begann WotC damit, Schwierigkeitsgrade für Begegnungen zu definieren. In diesem Zusammenhang waren diese Schwierigkeitsgrade i.d.R. nicht all zu weit nach oben oder unten vom Partylevel entfernt (es gab sogar den Wert Effective Party Level o.Ä. meine ich).
Die Begegnungen wurden also alle "balanced", es war möglich (und gewollt) bei jeder Begegnung die Waffen zu zücken und die Dungeons am Ende dennoch lebend zu verlassen. Bei manchen "Old School" Systemen wäre das je nach Dungeon vermutlich auch möglich gewesen, aber in einer breiten Masse von Dungeons wohl eher nicht.
Dadurch entsteht natürlich ein völlig neues Spielgefühl. Zumindest ich als Spieler habe in der 5E oder der 3E keinen "Respekt" vor dem Dungeon in dem Sinne, dass ich meinen Char jede Türe untersuchen lassen würde. Im schlimmsten Falle verliere ich an einer Falle oder einer Trollmeute ein bisschen von meinem Berg an HP, die ich beim Mittagessen wieder regeneriere. Etwas überspitzt, aber ihr wisst, dass der Kern wahr ist.
Um auf die Eingangsfrage zurück zu kommen:
Ist 5E ein Ersatz für OSR-Versionen (die Frage impliziert 5E in seinen Standardregeln)? Nein. Ganz anderes Spielgefühl.
Kann die 5E so weit angepasst werden, dass ein OSR-Spielgefühl aufkommen kann?
Gute Frage. Meiner Meinung nach müsstest du so viel am Kern der 5E ändern, dass es letztlich weniger Aufwand ist gleich ein OSR-System hierfür zu verwenden.
Wisdom-of-Wombats:
--- Zitat von: hassran am 14.06.2021 | 13:41 ---Die 5e Abenteuer sind auf die 5e Grundregeln ausgelegt. Dazu gehören weder Feats, noch Moralwürfe etc. Ich denke durchaus also, dass Abenteuer so ausgelegt sind, dass sie in erster Linie mit den Grundregeln zu bespielen sind.
--- Ende Zitat ---
Schon allein die ganzen Streamer spielen nicht nur mit Grundregeln. Da sind Xanathar und Tasha am Start. Genauso wie Feats, seltsame Völker und Multiklassen. Ich glaube, dass die Abenteuer so ausgelegt sind, dass Du sie auch gut spielen kannst, wenn Du nur die Grundregeln verwendest. Sie sind aber genauso gut zu leiten mit optionalen Regeln und Ergänzungen. Abenteuer werden ja sowieso erst am Spieltisch lebendig. Letztlich liefert D&D 5e genau solche Abenteuer wie frühere Versionen vor D&D 3e. Du hast keine Encounterstrukturen mehr wie bei 4e oder dem späten 3.5. Was D&D 5e tatsächlich hat, sind ein paar Eigenheiten aus dem Computerspielbereich, wann Ereignisse ausgelöst werden - aber selbst da erinnere ich mich an sehr klassische Abenteuer, wo das auch schon so war.
--- Zitat von: hassran am 14.06.2021 | 13:41 ---Also nur für das Überwinden von Monstern? Es überrascht mich, dass es sich damit genau so spielt wie mit 1e Regeln, bei denen ja deutlich mehr XP für Schätze als für das Überwinden von Monstern gibt, d.h. die Anreizstruktur ist da deutlich anders.
--- Ende Zitat ---
Da es bei D&D 5e deutlich mehr XP für Monster gibt, ist das am Ende kein Problem. Ich hab die Viecher 1:1 mit den namensgleichen Wesen aus 5e ersetzt und es hat gut funktioniert - okay Xvart und Skulk gab es damals noch nicht. Aber ich hab halt Goblins genommen und gut wars. Die SC waren immer im Level Bereich des Moduls.
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