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Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?

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nobody@home:

--- Zitat von: korknadel am  2.02.2026 | 10:54 ---Diese Aussage finde ich bemerkenswert, denn wenn Du mich fragst, ist die Mittelerde aus dem HdR die Blaupause für Fäntelalter. Da existieren mittelalterliche Schwerter (und noch nicht mal Schwarzpulver) und Vorstellungen von Herrschaft und Königtum, die teilweise extrem stark nach mittelalterlichem Königsheil riechen, neben britischer Landlebenidylle und Ausbrüchen von Industrialisierung. Genau diesem Schema folgen doch die ganzen Aventuriens und Faeruns dieser Welt in unterschiedlichen Ausprägungen.

--- Ende Zitat ---

Das "traditionelle Fäntelalter", wie wir es im Rollenspiel kennen, ist halt zumindest insgesamt näher am Spätmittelalter bis gleich hinein in die Renaissance, während Mittelerde im Großen und Ganzen mMn mehr frühmittelalterliche Atmosphäre verströmt -- und das sind dann doch zwei recht unterschiedliche Epochen. Immerhin sind sich die heutigen Historiker einigermaßen einig, daß der Begriff "Mittelalter" so zirka die tausend Jahre von 500 bis 1500 speziell im europäischen Dunstkreis umfaßt (plus/minus je nach individuellem Geschmack und einzelnen Detailkriterien), da liegt also zwischen Anfang und Ende mehr Zeit als zwischen besagtem Ende und uns.

Raven Nash:
Das "klassische" Fantasy-Setting ala D&D ist ein Produkt der US Renaissance-Fairs und der SCA*. Da hat man dann die tolkienschen Fantasy-Spezies reingepfriemelt und fertig war die Blaupause.
Ich find's auch bemerkenswert, wie viele Fantasy-Autoren irgendwann mal Mitglied bei der SCA waren und u.a. ihre Vorstellungen vom Schwertkampf daher haben.

*)Society for Creative Anachronism

korknadel:

--- Zitat von: nobody@home am  2.02.2026 | 11:04 ---Das "traditionelle Fäntelalter", wie wir es im Rollenspiel kennen, ist halt zumindest insgesamt näher am Spätmittelalter bis gleich hinein in die Renaissance, während Mittelerde im Großen und Ganzen mMn mehr frühmittelalterliche Atmosphäre verströmt -- und das sind dann doch zwei recht unterschiedliche Epochen. Immerhin sind sich die heutigen Historiker einigermaßen einig, daß der Begriff "Mittelalter" so zirka die tausend Jahre von 500 bis 1500 speziell im europäischen Dunstkreis umfaßt (plus/minus je nach individuellem Geschmack und einzelnen Detailkriterien), da liegt also zwischen Anfang und Ende mehr Zeit als zwischen besagtem Ende und uns.

--- Ende Zitat ---

Huch, aber wo verströmen Shire, Geburtstagsfeuerwerk und The Prancing Pony frühmittelalterliche Atmosphäre?

nobody@home:

--- Zitat von: korknadel am  2.02.2026 | 11:53 ---Huch, aber wo verströmen Shire, Geburtstagsfeuerwerk und The Prancing Pony frühmittelalterliche Atmosphäre?

--- Ende Zitat ---

Die nun gerade weniger, aber darin sind sie halt auch die große Ausnahme vom Rest der Welt. In gewisser Hinsicht hat der Herr der Ringe da durchaus was von der klassischen Heldenreise -- das Auenland ist die den Hobbits (und dem einigermaßen "modernen" englischen Leser) vertraute Heimat, aus der er dann aufbrechen muß, um seine Abenteuer und Prüfungen zu bestehen, und in die er letztendlich auch wieder zurückkehrt, während der ganze Rest Mittelerdes für die gefährliche "Anderswelt" steht.

Auf der anderen Seite ist die Tatsache, daß die Hobbits überhaupt weitgehend friedlich ungestört vor sich hinexistieren können, ohne in irgendeine größere Hierarchie eingebunden zu sein, mMn zumindest tendenziell auch schon wieder eher "frühzeitlich". Kleine weitgehend unabhängige Lokalreiche vertragen sich nun mal nicht so recht mit einer "fortgeschritteneren" Zentralisierung von Regierung und Staatsgewalt -- die das Setting ja so auch gar nicht hat, selbst der eine definitive König kehrt ja erst gegen Ende wieder zurück.

Galatea:

--- Zitat von: Fonzman am  1.02.2026 | 20:10 ---Viel spannender: wer entscheidet, wer "gut" bzw. "böse" ist? Es entscheidet immer der Sieger. Wenn Sauron gewonnen hätte, wären dann die Menschen, Elben und Zwerge die Bösen gewesen.

--- Ende Zitat ---
An dieser Stelle sei kurz darauf hingewiesen, dass Sauron sowohl (sehr sehr viele!) Menschen (Easterlings, Umbar, Harrad, Black Numenorians und noch einige mehr) unter seinem Banner hatte, sowie einige Gruppierungen der Zwerge.
Auch Sarumans Armee bestand zur Hälfte aus Menschen (größtenteils Dunlandings, die mit Rohan seit Jahrhunderten Streit hatten).
Die einzigen von Erus Kindern, die nie auf der Seite der dunklen Lords gekämpft haben (zumindest nicht direkt) sind die Elben.

Auch konnte Sauron die Orks nicht wirklich leiden - sie waren eher ein notwendiges Übel, ein grober Vorschlaghammer, um seinen Willen mit Gewalt durchzusetzen. Wenn es aber ans walten und schalten geht, sind Orks viel zu gewalttätig, unberechenbar und unzuverlässig. Saurons Lieblingsspezies waren seit jeher die Menschen, weil sie moralisch verdorben und gleichzeitig penibel organisiert sein können - genau das richtige Werkzeug für seinen großen Plan.

Das vierte Zeitalter wäre in jedem Fall das Zeitalter der Menschen geworden, egal welche Seite gewonnen hätte. Die Frage ist, ob sie dieses Zeitalter als freie Wesen bestreiten oder als Rädchen in der Maschinerie eines dunklen Gottimperators.

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