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Was ist "gewöhnliche bzw. Standard-EDO-Fantasy"?

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nobody@home:

--- Zitat von: korknadel am  2.02.2026 | 11:53 ---Huch, aber wo verströmen Shire, Geburtstagsfeuerwerk und The Prancing Pony frühmittelalterliche Atmosphäre?

--- Ende Zitat ---

Die nun gerade weniger, aber darin sind sie halt auch die große Ausnahme vom Rest der Welt. In gewisser Hinsicht hat der Herr der Ringe da durchaus was von der klassischen Heldenreise -- das Auenland ist die den Hobbits (und dem einigermaßen "modernen" englischen Leser) vertraute Heimat, aus der er dann aufbrechen muß, um seine Abenteuer und Prüfungen zu bestehen, und in die er letztendlich auch wieder zurückkehrt, während der ganze Rest Mittelerdes für die gefährliche "Anderswelt" steht.

Auf der anderen Seite ist die Tatsache, daß die Hobbits überhaupt weitgehend friedlich ungestört vor sich hinexistieren können, ohne in irgendeine größere Hierarchie eingebunden zu sein, mMn zumindest tendenziell auch schon wieder eher "frühzeitlich". Kleine weitgehend unabhängige Lokalreiche vertragen sich nun mal nicht so recht mit einer "fortgeschritteneren" Zentralisierung von Regierung und Staatsgewalt -- die das Setting ja so auch gar nicht hat, selbst der eine definitive König kehrt ja erst gegen Ende wieder zurück.

Galatea:

--- Zitat von: Fonzman am  1.02.2026 | 20:10 ---Viel spannender: wer entscheidet, wer "gut" bzw. "böse" ist? Es entscheidet immer der Sieger. Wenn Sauron gewonnen hätte, wären dann die Menschen, Elben und Zwerge die Bösen gewesen.

--- Ende Zitat ---
An dieser Stelle sei kurz darauf hingewiesen, dass Sauron sowohl (sehr sehr viele!) Menschen (Easterlings, Umbar, Harrad, Black Numenorians und noch einige mehr) unter seinem Banner hatte, sowie einige Gruppierungen der Zwerge.
Auch Sarumans Armee bestand zur Hälfte aus Menschen (größtenteils Dunlandings, die mit Rohan seit Jahrhunderten Streit hatten).
Die einzigen von Erus Kindern, die nie auf der Seite der dunklen Lords gekämpft haben (zumindest nicht direkt) sind die Elben.

Auch konnte Sauron die Orks nicht wirklich leiden - sie waren eher ein notwendiges Übel, ein grober Vorschlaghammer, um seinen Willen mit Gewalt durchzusetzen. Wenn es aber ans walten und schalten geht, sind Orks viel zu gewalttätig, unberechenbar und unzuverlässig. Saurons Lieblingsspezies waren seit jeher die Menschen, weil sie moralisch verdorben und gleichzeitig penibel organisiert sein können - genau das richtige Werkzeug für seinen großen Plan.

Das vierte Zeitalter wäre in jedem Fall das Zeitalter der Menschen geworden, egal welche Seite gewonnen hätte. Die Frage ist, ob sie dieses Zeitalter als freie Wesen bestreiten oder als Rädchen in der Maschinerie eines dunklen Gottimperators.

korknadel:

--- Zitat von: nobody@home am  2.02.2026 | 12:16 ---Die nun gerade weniger, aber darin sind sie halt auch die große Ausnahme vom Rest der Welt. In gewisser Hinsicht hat der Herr der Ringe da durchaus was von der klassischen Heldenreise -- das Auenland ist die den Hobbits (und dem einigermaßen "modernen" englischen Leser) vertraute Heimat, aus der er dann aufbrechen muß, um seine Abenteuer und Prüfungen zu bestehen, und in die er letztendlich auch wieder zurückkehrt, während der ganze Rest Mittelerdes für die gefährliche "Anderswelt" steht.

Auf der anderen Seite ist die Tatsache, daß die Hobbits überhaupt weitgehend friedlich ungestört vor sich hinexistieren können, ohne in irgendeine größere Hierarchie eingebunden zu sein, mMn zumindest tendenziell auch schon wieder eher "frühzeitlich". Kleine weitgehend unabhängige Lokalreiche vertragen sich nun mal nicht so recht mit einer "fortgeschritteneren" Zentralisierung von Regierung und Staatsgewalt -- die das Setting ja so auch gar nicht hat, selbst der eine definitive König kehrt ja erst gegen Ende wieder zurück.

--- Ende Zitat ---

Ich habe den HdR nie so gelesen wie Narnia oder Alice, wo Leute wie durch ein Tor in eine andere Welt reisen, die mit der eigenen nichts zu tun hat. Ich bin wirklich kein Experte, was den HdR angeht, da ich ihn nur zwei- oder dreimal gelesen habe, aber schon bei der ersten Lektüre als Teenager konnte ich ihn nicht als Frühmittelalter lesen, sondern als ein für Fantasy typisches Gemisch aus allem, was halt gerade gebraucht wird. Ich ahne inzwischen, warum manche Lesende im Mittelerde des HdR (und des Hobbit) kein Fäntelalter sehen, aber für mich war es quasi die erste Begegnung mit dieser für Fantasy typischen Nicht-Epoche, und das kriege ich nicht mehr aus mir raus.

Swanosaurus:

--- Zitat von: korknadel am  2.02.2026 | 13:09 ---Ich habe den HdR nie so gelesen wie Narnia oder Alice, wo Leute wie durch ein Tor in eine andere Welt reisen, die mit der eigenen nichts zu tun hat. Ich bin wirklich kein Experte, was den HdR angeht, da ich ihn nur zwei- oder dreimal gelesen habe, aber schon bei der ersten Lektüre als Teenager konnte ich ihn nicht als Frühmittelalter lesen, sondern als ein für Fantasy typisches Gemisch aus allem, was halt gerade gebraucht wird. Ich ahne inzwischen, warum manche Lesende im Mittelerde des HdR (und des Hobbit) kein Fäntelalter sehen, aber für mich war es quasi die erste Begegnung mit dieser für Fantasy typischen Nicht-Epoche, und das kriege ich nicht mehr aus mir raus.

--- Ende Zitat ---

Empfinde ich auch so. Gerade auch mit den Andeutungen von Technologie bei Saruman und Sauron. Ich finde es sehr schwer, Mittelerde im HdR irgendwo historisch analog zu verorten.

nobody@home:

--- Zitat von: Swanosaurus am  2.02.2026 | 13:15 ---Empfinde ich auch so. Gerade auch mit den Andeutungen von Technologie bei Saruman und Sauron. Ich finde es sehr schwer, Mittelerde im HdR irgendwo historisch analog zu verorten.

--- Ende Zitat ---

Na ja -- rein zeitlich findet die ganze Chose halt auch nominell vor unserer bekannten Geschichte statt, da ist eine "historische" Einordnung logischerweise auch schwierig und kann es auch gar nicht nicht sein. ;)

Was denn wohl auch noch einen Unterschied zwischen "Standard-EDO" einer- und speziell Mittelerde andererseits ausmacht: 08/15-Standardfantasy spielt gerne in einer komplett eigenen Welt ohne direkte Verbindung zu unserer, während Tolkien eine Fantasievergangenheit gerade unserer eigenen Erde beschreibt.

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