Medien & Phantastik > Lesen
[Empfehlt mir] Jüngere Science Fiction ...
Andropinis:
--- Zitat von: blackris am 23.08.2024 | 12:13 ---...
* Das mit Abstand beste Buch der letzten Jahre für mich war Die Kinder der Zeit von Adrian Tchaikovsky. Die Menschheit hat sich hier an ihrem (technologischen) Höhepunkt selbst zerstört und wir begleiten über Generationen, wie auf der einen Seite die Überreste der Spezies aus den Trümmern herauskriechen und verzweifelt eine Existenz außerhalb der lebensfeindlichen Erde suchen, während auf der anderen Seite auf einem von der alten Menschheit terraformten Planeten eine viral erhobene Spezies in kürzester Zeit Evolutionssprünge macht. Als die beiden Gruppen aufeinander treffen wird es interessant. Wahnsinnig toll geschrieben, mit so schönen Kniffen über einen Zeitraum von Jahrtausenden erzählt. Love it! Man darf nur nicht arachnophob sein.
--- Ende Zitat ---
Tchaikovsky kann ich auch empfehlen. Habe "Cage of Souls" gelesen (auf Englisch) und es ist auf jeden Fall empfehlenswert.
Taktikus:
--- Zitat von: Feuersänger am 17.01.2026 | 21:24 ---
Etwas ratlos lässt mich nur die Ansage, dass die Crew aus delta-V Gründen 4 Jahre vor Ort bleiben muss bis sich wieder ein Startfenster öffnet, sie aber dennoch im Jahrestakt die bis dahin abgebauten Ressourcen zur Erde zurückschicken soll. Also keine Ahnung ob das legitim ist oder ob er sich hier eine Handwedelei erlaubt hat.
...
--- Ende Zitat ---
Ich würde sagen, Erz und ähnliches lässt sich deutlich "heftiger" beschleunigen als Lebewesen, bei denen meist bei 10g Schluss ist. Raketen können deutlich mehr leisten. Das eröffnet natürlich mehr Optionen für Transportfenster. Aber ob sich das lohnt, so viel Energie für den Transport zu verballern?
Mir gefällt Perry Rhodan im Moment mal wieder ganz gut.
Feuersänger:
--- Zitat von: Taktikus am 20.01.2026 | 08:25 ---Ich würde sagen, Erz und ähnliches lässt sich deutlich "heftiger" beschleunigen als Lebewesen, bei denen meist bei 10g Schluss ist. Raketen können deutlich mehr leisten. Das eröffnet natürlich mehr Optionen für Transportfenster. Aber ob sich das lohnt, so viel Energie für den Transport zu verballern?
--- Ende Zitat ---
Die Beschleunigung ist bei interplanetaren Distanzen eh ziemlich irrelevant. Es ist meist schneller, über Wochen oder Monate ganz allmählich im Bereich von mm/s² [sic!] zu beschleunigen als einen kurzen Burst mit mehreren G hinzulegen, bei dem nach wenigen Sekunden oder Minuten der Treibstoff alle ist.
Das ist auch hier in dem fraglichen Buch nicht so gemeint. Mittlerweile wurde rausgelassen, dass die Fracht mit nur 0,5km/s delta-V auf den Weg gebracht werden und die Reisezeit 3,5 Jahre betragen soll. Das kann dann entsprechend kein Hohmann-Transfer sein, sondern muss irgendwie unter Ausnutzung von Slingshots passieren - _wenn_ der Autor das korrekt recherchiert hat und sich nicht schlicht einen Fehler geleistet hat. Das würde aber dann auch bedeuten, dass die erste Fracht erst an der Erde ankommt, wenn die - hoffentlich bis dahin überlebenden - Astro-Bergarbeiter schon wieder zuhause sind.
(Es gibt tatsächlich reale Near-Earth Asteroids, deren Bahn viel näher an der Erde liegt, und die tatsächlich von einem DRO aus alle paar Jahre mit wenigen 100m/s erreichbar wären, die sind aber auch ein bis mehrere Größenordnungen kleiner als der in diesem Buch ausgewählten Ryugu.)
Bin jetzt in dem Buch bei ca 75% und es hat sich bis hierhin ganz gut entwickelt, bin gespannt wie es ausgeht. ^^
First Orko:
Das ferne Licht der Sterne von Laura Lam
(eng. Goldilocks, Nerdpunkt für jeden, der weiß was da Wort mit SciFi zu tun hat ;))
Eine Gruppe von fünf Frauen stiehlt das einzige verbliebene Raumschiff auf der Erde, um einen neuen Planeten zu finden. Sie waren alle an der Entwicklung des Schiffes und des Projektes beteiligt, wurden aber aufgrund von politisch-religiösen Gründen kurz vorher von (fähige, aber deutlich weniger geeignete) Männer ersetzt, weshalb sie sich für den Diebstahl entscheiden. Die Welt ist.. hm. Heute auf 100 gedreht? Eine von Männern dominierte, christlich-fundamentalistische Dystopie, die sehenden Auges in den klimatischen Kollaps rennt. Die Frauen haben die Vision einer neuen Welt (die auch schon entdeckt wurde), wo sie als Erobernde die Regeln definieren könnten.
Die ganze Beschreibung der Raumfahrt und Probleme wie Ernährung während des Flugs (durch nahrhafte, aber nicht sehr schmackhafte Algen) und Energieversorgung empfand ich als Nicht-Hobby-Astrophysiker als recht überzeugend. Als Soft-SciFi-Kröte muss man wohl die praktische (aber explizit als experimentell dargestellte!) Umsetzung des Alcubierre-Antriebs schlucken, die aber stimmig und "sich wissenschaftlich anfühlend" dargestellt wird.
Das Thema ist aber weniger, wie bestimme, ingenierstechnische Probleme umgangen oder gelöst wurden, sondern vielmehr die Integrität der Teilnehmenden, Gruppendynamiken und wie nah Genie und Größenwahn auch in einer kleinen, harmonisch wirkenden Gruppe droht, Alles zu gefährden. Die Charaktere sind glaubhaft aber ein stückweit mit stereotypischen Eigenschaften versehen, die aber gut zu einer solchen Crew passen - weit weg von den peinlich-pubertären Abziehbildern eines Andy Weir oder Frank Schätzing.
Insgesamt kurzweilige Unterhaltung mit ein paar überraschenden Wendungen, die das Buch imho richtig interessant machen aber die ich hier nicht spoilern will.
Sard:
Im letzten Jahr habe ich das hier gelesen (und kopiere aus der Lesechallenge 2025 daher mal hierher):
Athos 2643 von Nils Westerboer
Ein SciFi-Roman, der sich - auch wenn ich weiß, dass ich einige Teile nicht wirklich verstanden habe - gelesen hat wie ein warmes Messer in Butter. Aber auch eine Zukunft, die ich nicht wollen würde.
Interessante Perspektiven und Annahmen, sehr ambitionierter Inhalt - ich kann es gar nicht wirklich beschreiben: irgendwie ein Kriminalroman mit und um KI und deren Wille und Entscheidungsbasis *(Odysse im Weltraum lässt grüßen, aber moderner)*, Freiheit, Glaube, menschliche Entwicklung...
Mein Geschreibsel klingt nicht hilfreich, aber das Buch ist lesenswert.
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