Pen & Paper - Spielsysteme > Weitere Pen & Paper Systeme

[Maleficium] Vorstellung und Diskussionsanregung

(1/3) > >>

seanchui:
Hallo zusammen,

vor wenigen Wochen wurde das auf Tarot-Karten basierende Rollenspielsystem "Maleficium" auf diversen Blogs - so auch meinem (https://seanchuigoesrlyeh.wordpress.com/2023/06/02/systemvorstellung-maleficium/) - vorgestellt:


--- Zitat ---„Maleficium“ ist dabei kein universell einsetzbares Rollenspiel, sondern bedient eine bestimmte Prämisse. „Maleficium“ versteht sich als Horror-Rollenspiel. Im Speziellen geht es sogar darum, eine ganz bestimmte Gruppenkonstellation zu spielen: Alle Charaktere sind auf die eine oder andere Weise verflucht. In dem Abenteuer geht es nun für die Charaktere darum, entweder den Fluch zu brechen oder an ihm zugrunde zu gehen. Das System ist darauf ausgelegt, für One-Shots oder eine Folge kurzer Spieleabende zu funktionieren. Die Flüche können dabei vielgestaltig sein. Dämonische oder hexische Flüche sind ebenso möglich wie seltsame Krankheiten oder Besessenheit.

Die Charaktere sind rasch erstellt und bestehen nur aus wenigen Attributen – hier „Wesenszüge“ genannt. Körper, Verstand und Seele werden mit einem einfachen Punktkaufsystem mit 1-5 Punkten versehen. Anschließend beschreibt der Spieler die größte Angst, den größten Makel und die größte Schwäche seines Charakters. Die Wahl eines Schwerpunktes – was in etwas einem Beruf entspricht – legt die Dinge fest, die der Charakter besonders gut kann. Dann geht es auch schon los. Da das System für kurze Abenteuersitzungen gedacht ist, wird auf Regeln für Charakterentwicklung nahezu komplett verzichtet.

Kommt es nun zu einer Probe, legt die Spielleitung einen Schwierigkeitsgrad fest. Dieser wird mit einem passenden Wesenszug des Charakters verglichen und es wird eine Tarotkarte gezogen. Der Wert der Karte wird zum Wert des Wesenszuges addiert und anschließend mit dem Schwierigkeitsgrad verglichen – fertig. Nun kommt allerdings die Mehrdimensionalität der Karten ins Spiel: je nachdem, wie herum die Karte liegt, können positive und negative Nebeneffekte entstehen. Auch unterscheidet das Spiel zwischen kleinen und großen Arkana-Karten: während die kleinen Arkana-Karten schlicht der Probe dienlich sind, wirken sich die großen Arkana-Karten auf den Fluch aus: Die Spielleitung erhält diese Karten zur späteren Verwendung, um Flucheffekte zu wirken und so den Spielern das Leben zusätzlich schwer zu machen.

Grundsätzlich fügt diese Mechanik dem Spiel eine interessante Meta-Ebene hinzu. Denn ähnlich wie bei „Dread“, dem Spiel mit dem „Jenga-Turm“ muss der Spieler nicht nur abwägen, ob sein Charakter die Probe bestehen kann, sondern auch, ob er überhaupt eine Probe durchführen will. Denn jede Probe kann – unabhängig von ihrem Ausgang – dem Spielleiter neue Werkzeuge an die Hand geben, um die verfluchten Charaktere dem Untergang näher zu bringen. Auch abseits dieser Meta-Mechanik ist „Maleficium“ alles andere als ein lockeres Erzählspiel. Tatsächlich ist der Regelkern – überbiete einen Schwierigkeitsgrad mithilfe Deiner Werte und einem Zufallsmechanismus – sehr klassisch. Auch fallen die Detailfülle an kleinen Hinweisen – z. B. für Traglast oder Rüstungen – sowie die eingängigen Kampfregeln auf. „Maleficium“ bringt damit reichlich „Crunch“ auf wenigen Seiten unter. Nichts desto trotz sind alle Spielenden angehalten, die gezogenen Karten zu interpretieren und ihre Auswirkungen auf die Charaktere und die Spielwelt ausführlich zu umschreiben. Damit ist „Maleficium“ ein geeigneter Kandidat für Leute, die einmal einen Schritt in Richtung Erzählspiel wagen wollen, ohne auf ein klares Regelgerüst zu verzichten.
--- Ende Zitat ---

Es gibt noch einen Haufen anderer Stimmen und Blogeinträge, welche durch die Autoren verlinkt wurden: https://maleficium-spiel.info/stimmen-zum-spiel/

Nun läuft bereits seit einiger Zeit ein Crowdfunding, um einige Illustrationen zu finanzieren, welches aktuell (15.06.) weit, weit hinter den Zielen steht (https://www.startnext.com/maleficium) - so weit, dass die Projektorganisatoren eigens einen Hilferuf gestartet haben (https://www.startnext.com/maleficium/blog/beitrag/verflucht-maleficium-braucht-dringend-euren-rat-und-eure-hilfe-p101684.html).


--- Zitat ---...ein Crowdfunding ist schwer und unseres zeigt sich als noch einmal besonders schwierig. 5000 Euro wollen wir bei Startnext einwerben um damit fünf Illustrationen zu bezahlen. Knapp zwei Wochen vor Ende des Crowdfundings sind wir davon weit entfernt. Um mit viel Glück das Ruder noch herumzureißen, bitten wir euch noch einmal um Hilfe. Wie ihr helfen könnt: wie es euch am Besten gefällt. Uns helfen Ratschläge, Kontakte, uns hilft, wenn ihr euren Freundinnen und Freunden von Maleficium erzählt, uns hilft Geld (duh). (...)
--- Ende Zitat ---

Ohne am System direkt beteiligt zu sein - ich hab es lediglich auf Anregung des Autoren hin vorbesprochen - bin ich doch neugierig. Was glaubt Ihr: Woran scheitert das Crowdfunding so krachend? Das System hat einige Vorschußlorbeeren, ist auf verschiedenen RPG-Kanälen besprochen worden, ist schon sehr weit in der Herstellung (=geringes Backer-Risiko) - woran also hapert es?

Olibino:
Ich habe noch nie bei einem Crowdfunding mitgemacht, daher kann ich nur mutmaßen, warum dieses hier nicht erfolgreich ist.

Das eine ist das Fehlen farbiger Bilder. Nahezu alle anderen Crowdfundings die ich mir angeschaut habe, hatten farbiger Bilder. Letztlich geht es ja auch um Aufmerksamkeit, und ohne farbiger Bilder wirkt es so, als will der Autor gar keine haben. Als wenn er selbst nicht an den Erfolg glaubt.

Das andere ist: ich finde es sehr erfrischend, mal andere Mechanismen als Zahlen und Formeln zu benutzen und finde Tarotkarten eine tolle Idee. Aber wenn man dann weiterliest, dann werden doch wieder Zahlen und Formeln benutzt. Das ist so Wasch mich aber mach mich nicht naß. Wahrscheinlich fühlen sich klassische Rollenspieler durch die Tarotkarten abgeschreckt, und Erzählspieler durch den vielen Crunch.

seanchui:

--- Zitat von: Olibino am 15.06.2023 | 09:24 ---Das andere ist: ich finde es sehr erfrischend, mal andere Mechanismen als Zahlen und Formeln zu benutzen und finde Tarotkarten eine tolle Idee. Aber wenn man dann weiterliest, dann werden doch wieder Zahlen und Formeln benutzt. Das ist so Wasch mich aber mach mich nicht naß. Wahrscheinlich fühlen sich klassische Rollenspieler durch die Tarotkarten abgeschreckt, und Erzählspieler durch den vielen Crunch.

--- Ende Zitat ---

Das System erinnert mich ein bißchen an das FFG-Star-Wars: Hier gibt/gab es ja die Symbolwürfel, die nicht nur das Ergebnis der Probe, sondern auch die "Art" des Ergebnisses zeigten und entsprechende Interpretation durch den Spieler fördern sollten. Maleficium ist da ähnlich, aber wie schon gesagt: sehr crunchy. FFG-SW hatte aber durchaus seine Erfolge...

nobody@home:
Spontane Gedankenblase: Okay, hauptsächlich One-Shots, Charaktere, die ihre jeweiligen "Flüche" jeweils loswerden wollen oder an ihnen scheitern und sich dabei vermutlich nicht unbedingt gegenseitig grün sein müssen -- das klingt eigentlich nach einem netten Aufhänger für eine Runde Fiasko...

...nur, wozu brauche ich dazu noch mal gleich ein komplett neues Regelsystem? >;D

Dazu mag von Fall zu Fall noch kommen, daß nicht jeder einfach mal eben ein komplettes Tarot griffbereit im Schrank liegen hat. Das ist halt so ein wenig das Problem mit Gimmicks: wenn sie nicht gleich mit zum Lieferumfang gehören, dann muß die Kundschaft eben auch bereit sein, da mitzuziehen und sich selber um das Zubehör zu bemühen.

ghoul:
@nobody: Ein Tarot-Spiel bekommt man ja recht einfach und es muss auch nicht teuer sein.

@Topic: Der Kickstarter wäre doch die Möglichkeit gewesen, ein unwiderstehlich schönes Tarot-Set anzubieten - in Farbe!

Mir persönlich gefällt ja, dass das System das traditionelle Marseille-Tarot voraussetzt. Für KS ist das allerdings zu schlicht.

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

Zur normalen Ansicht wechseln