Medien & Phantastik > Lesen
Reading Challenge 2025
Menthir:
#31 Brom - Der Kinderdieb
Ich habe dieses Buch direkt nach seinem Erscheinen in deutscher Sprache gekauft und dann lag es knapp anderthalb Jahrzehnte auf meinem Lesestapel, bzw. auf den Lesestapeln von Freunden. Vor etwa einem Jahr ist es an mich zurückgegangen, und nun habe ich es endlich in Angriff genommen. Und letztlich ist es schade, dass ich es so lange vor mir hergetragen habe, denn die Lektüre ist m.E. empfehlenswert.
Nicht nur, dass Gerald Brom - seines Zeichens ja auch bekannter Illustrator, weshalb ich überhaupt auf das Werk aufmerksam geworden bin - einen alternativen und graueren Peter Pan erschafft, die Übersetzung zeigt sich detailstark und m.E. auch gut.
Dabei verflechtet Brom diverse Inhalte aus Mythen und der Geschichte von Peter Pan stimmig. Er schreibt irgendwo zwischen seichten Horror-Elementen, Thriller, Fantasy und doch manchmal auch mit sozialkritischem Blick. Im letzten Punkt hätte das Werk noch stärker sein können, dann hätte es einen noch bleibenderen Eindruck gehabt, wenn es das Elend der Kinder in New York und das Elend der Kinder in Avalon noch etwas besser verflochten und gegenübergesetzt hätte, auch wenn der Autor zarte Versuche dazu macht. In zwei, drei Punkten hätte die Geschichte besser mit Konsequenzen und Beziehungen arbeiten können, bspw. zwischen der Dame vom See und Nick, da die Dame vom See Nick heilt, es dann aber keine Rolle mehr für die sonstige Geschichte spielt. Der veränderte Rolle eines Kapitäns ist dagegen ein sehr gelungener Charakter-Schachzug.
Der Schreibstil ist düster-atmosphärisch, manchmal bildlich gewalttätig, aber alles noch in einem gewissen Rahmen. Die Atmosphäre ist auch die eigentliche Stärke des Buches. Nur in dem Zusammenprall zwischen Avalon und der "Realwelt" am Ende des Buches gelingt es dem Autor nicht, die Atmosphäre durchgängig aufrechtzuerhalten und eindrücklich werden zu lassen. Zum Ende hin ist es dann bisweilen etwas zu gehetzt, weil es den Thrilleraspekt in den Vordergrund stellt. Das ist für die Spannung absolut in Ordnung, die weitergetragene Atmosphäre hätte das Buch aber noch runder machen können.
Das ändert aber nichts daran, dass mir das Buch gut gefallen hat und ich eine Leseempfehlung aussprechen kann.
8 von 10 Punkten
#32 Christopher Denise - Die kleine Rittereule feiert Weihnachten
Ein kleines Werk zum Vorlesen für kleine Kinder mit wundervollen, detailverliebten Zeichnungen. Für mich war es das erste Buch von der kleinen Rittereule, und mein kleines Töchterchen und ich haben uns derartig in den schönen Zeichenstil verguckt, dass ich gleich die eigentlichen Bücher der kleinen Rittereule geordert habe.
Die Geschichte ist kurz und schnell erzählt, denn es geht um den Geist von Weihnacht, allerdings ohne den Ballast christlicher Ikonen und ohne die alten Figuren der Marketing-Experten; in Kürze also erzählend, dass das Wichtigste an Weihnacht das Gemeinsame ist, umgeben von den Menschen, die man liebt, mit geteilten Geschenken, Keksen, Geschichten und Zeit. Das Ganze ist eben garniert mit wundervollen Zeichnungen, an denen sich weder kleine noch große (Kinder-)Augen sattsehen können.
9 von 10 Punkten
Mein Glückwunsch geht zudem an jene, die ihre Reading Challenge geschafft haben. Ich werde leider scheitern, aber 32 von 40 sind auch in Ordnung. Vielleicht schaffe ich noch ein Buch dieses Jahr. :)
Menthir:
#33 Christopher Denise - Die kleine Rittereule
Das Hauptbuch zur kleinen Rittereule wartet mit wundervollen Illustrationen auf und mit einer süßen, kleinen Geschichte, bei der es um Träume, Drachen und Mut geht, aber natürlich auch um Wohlfühlessen, nämlich Pizza.
Die Illustrationen machen auch schon kleineren Kindern viel Freude und sie sind derartig detailreich, dass sich die Geschichte zum wiederholten Entdecken anbietet, da noch jedes Mal ein paar neue Details in den schönen Bildern auffallen.
9 von 10 Punkten
#34 Christopher Denise - Die kleine Rittereule und der Frühe Vogel
In der Fortsetzung ist die kleine Eule nun Ritter und der Frühe Vogel, der sein größter Fan ist, will in seine Fußstapfen treten. Die Illustrationen sind sowohl szenisch als auch in den Details wieder hervorragend, allerdings in der Stimmung etwas dunkler als der erste Teil und deswegen tatsächlich vielleicht erst etwas näher an der eigentlichen Altersempfehlung zu verwenden.
Wundervoll ist das Spiel zwischen der nachtaktiven Eule und dem tagaktiven Frühen Vogel, und die Überzeichnung der beiden unterschiedlichen Wachrhythmen, die am Ende aber nichts daran ändern, dass beide auf ihre Art und Weise nun Helden sind.
Das kleine Machwerk ist thematisch etwas komplexer als sein Vorgänger, weil er auch die Themen Streit und Sorge umeinander zum Inhalt hat. Es ist aber wieder herzerwärmend erzählt und gezeichnet.
9 von 10 Punkten
#35 Frans G. Bengtsson - Die Abenteuer des Röde Orm
Das Buch, gerne auch Wikingerroman genannt, ist kein klassischer Roman im eigentlichen Sinne, sondern Bengtsson hat sich mehr oder minder des historischen Berichts bedient, um sein Machwerk zu schaffen. Inspiriert von Sagas, aber auch von teils altrömischer und teils römisch-christlicher Geschichtsschreibung, vermeidet dieses Werk jegliche Psychologisierung seiner Protagonisten, er vermeidet zudem die moralische Vereinnahmung der Charaktere, sodass es wie eine mehr oder minder wahre Begebenheit wirken will, die sich dort im Rahmen der skandavischen Christianisierung um 1000 n. Chr. entspinnt.
Das Werk ist vier große Blöcke unterteilt, die wiederum in kurze sagahafte Episoden unterteilt sind.
Durch den besonderen Stil Bengtssons ergeben sich sehr ambivalente Charaktere, deren Entwicklung und Verwicklung man mit Freude beobachtet, denn Bengtsson ist ein umsichtiger und konsequenter Autor, der angefangene Fäden auch abschließt und seine Helden, wo es Sinn ergibt, auch Konsequenzen erleben lässt, denn jede Handlung hat im weitesten Sinne eine Konsequenz für den Fortlauf des Buches.
Dadurch, dass er vieles ungesagt lässt und nicht berichtet, ergibt sich hier und da eine besondere, nordische Situationskomik, die mir sehr gut gefallen hat. Manches ist implizit aber auch harter Tobak.
Im Fortlauf der Geschichte wird diese etwas dialogischer, bleibt aber ihren Wurzeln treu. Gleichzeitig zeichnet Bengtsson nicht nur die Geschichte Orms und seiner Männer nach, sondern er erzählt darin verwoben eine Epochengeschichte, rund um die Zentralisierung in Skandinavien und die Christianisierung, mit heiteren Ausflügen durch das weitere Europa, ohne sich zu sehr in Details zu verlieren, aber deutlich genug, um einen Eindruck zu gewinnen.
Da das Buch ursprünglich in den 1930/40ern entstanden ist, und auch einen eigenwilligen (hier positiv gemeint) Stil verfolgt, ist es für den modernen Leser eine eher ungewöhnliche Leseerfahrung, aber eine, die ich nicht missen möchte.
Es ist offenkundig, dass Bengtsson sehr eng an den damalig bekannten Quellen, Informationen und Geschichten gearbeitet hat, und ich kenne kein literarisches Werk der Moderne, welches das bekannte Wikingerleben so gut beschreibt wie dieser Bericht, und zwar auch sehr deutlich in seinen Unterscheidungen im südlichen Europa, in den stammesartigen Kleinkriegen in der Heimat, im England zur Jahrtausendwende, auf dem eigenen Hof und eben im Aufbruch in den Osten, wo man vom Kriegsherr schnell zum Händler und Glücksritter wird. Eindrucksvoll berichtet er davon, welche Rollen Menschen in einer Zeit der Transformation im Laufe ihres Lebens einnehmen.
Ich würde gerne sehen und erfahren, wie Bengtsson dieses Werk auf die Beine gestellt hat, denn es ist, wenn man sich erst einmal reingelesen hat, ein runder, ein wuchtiger Bericht rund um die Wikinger/Skandinavier, und m.E einer der, wenn nicht nach wie vor der Beste, den man sich ins Regal stellen kann.
9,5 von 10 Punkten
Sard:
Zum Jahresabschluss:
#35 Der Wüstenplanet von Frank Herbert in der Hörbuch-Version, Neuübersetzung (die ich vor ewigen Zeiten mal gelesen habe)
Überweigend großartig (mit ein paar kleineren Längen) und in der Neuübersetzung deutlich besser zu verarbeiten als in der alten Übersetzung.
Als Hörbuch wirklich sehr gut umgesetzt hat es mir einige Autofahrstunden (fast 25!) verkürzt.
Das hat sich auf alle Fälle so sehr gelohnt, dass ich das DUNE-RPG doch von der Verkaufsliste gelöscht habe und direkt Bücher nachgeordert habe - ich plane unbedingt eine Runde im zweiten Halbjahr 2026.
14 von 15 Punkten
#36 Wolkenkrieger von Patrick A. Tilley, Band 1 der Amtrak-Kriege
https://de.wikipedia.org/wiki/Amtrak-Kriege
Weitestgehend gelungerer Post-Apokalypse-Roman mit Fantasyelementen - diese sind aber (wie ich finde) in moderenr Art beschrieben (der Roman stammt aus 1983) und kommen daher "nicht kitschig" rüber. In Teilen erinnert mich das Seting an Paul Osborne Williams´ Pelbar-Zyklus; die Reihe habe ich auch geliebt.
Ich gebe dem zweiten Band der Amtrak-Kriege auf alle Fälle eine Chance und bin auf dem Gebrauchtmarkt unterwegs...
12 von 15 Punkten
Das war es für mich in 2025.
Einige "Unvollendete" habe ich auch noch, das eine oder andere davon habe ich aber nicht ganz abgeschrieben. Zum Beispiel nehme ich immer mal wieder auf "Die Eroberung von Mexiko von Diaz del Castillo" (bei 60% bin ich zu weit um aufzugeben), und "Menschen Überzeugen die Recht haben wollen von Marie-Theres Braun".
Aufgegeben habe ich dagegen u.a. "Der begrabene Riese von Kazuo Ishiguro" und "Red Rising von Pierce Brown".
Auf 2026!
Albrun Gebikung:
Ich hab von Acacia jetzt das "Buch 1" gelesen und lasse das gelten. Das ist leider unglaublich langweilig und nichts in mir wünscht, Buch 2 und 3 zu lesen...
Bombshell:
Ich habe dann auch noch kurz vorm Jahreswechsel Szenario von Florence Gaub beendet. Ein Buch das mir gleichzeitig Angst und Hoffnung macht. Ich fand alle Wege interessant.
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln