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Eigene Hölle bauen. Wie würde die aussehen?
nobody@home:
--- Zitat von: Orok am 26.12.2025 | 23:01 ---Ich mag ja die Idee, dass die Hölle ein real erreichbarer Ort. Ob nun im Erdmantel selbst, oder als Parallel-Dimension. Inklusive Krieg um Ressourcen dort und Errichtung menschlicher Königreiche, die sich gegen die Heere der Dämonen durchsetzen müssen. Eine Ressource könnten z.B. die verdammten Seelen selbst sein, ob als Energiequelle oder unsterbliche, kostenlose Sklavenarbeiter. Beide Ideen könnten für mich funktionieren. So hätte man schön den Punkt, dass die Menschen es sogar schaffen, die Hölle schlimmer zu machen ;)
--- Ende Zitat ---
Na ja, im kleinen Rahmen gibt oder gab's das ja schon in diversen Geisterjäger-Romanheftserien -- John Sinclair, Professor Zamorra, und wie sie noch alle heißen/gehießen haben mögen. Nicht unbedingt im Maßstab "menschliche Königreiche mitten in der Hölle", aber ein recht fleißiger Durchgangsverkehr für ein paar kleine Häuflein üblicher Verdächtiger war da schon mit eingebaut. ;)
Und für den Extremfall, in dem sich die moderne Menschheit eigentlich recht erfolgreich mit der Hölle und anschließend gleich noch dem Himmel anlegt, soll wohl im Internet auf Englisch noch etwas namens "The Salvation War" herumschwirren... :headbang:
Der_Frame:
Mahlzeit,
habe eigentlich was anderes gesucht und bin auf den Thread gestoßen. Interessantes Thema, aber im eigentlcihen Logischer als man denken würde.
Die Hölle ist fast nie „objektiv“ Feuer und Lava, sondern kulturell maßgeschneiderte Angst.
Schon bei Dante ist die Hölle ja kein durchgehendes Flammenmeer. Der tiefste Punkt ist Eis, Stillstand, völlige Bewegungslosigkeit. Verrat friert ein – buchstäblich. Feuer ist da eher Oberfläche, nicht Kern.
In Miltons Paradise Lost gibt es Stellen, die ich fast schlimmer finde: keine Folter, kein Schreien – nur Weite, Leere, Hoffnungslosigkeit. Belial sinngemäß: „Vielleicht ist es hinter dem nächsten Hügel besser.“
Und genau das ist die Strafe: Es wird nie besser, aber man hofft weiter.
Bei den Inuit gibt es keine Feuerhölle. Dort ist die schlimmste Strafe ewige Dunkelheit und Kälte – Isolation, Abgeschnittensein. Für ein Volk, bei dem Gemeinschaft überlebenswichtig ist, absolut logisch.
Die Nordische Hel / Niflhel ist ähnlich: kalt, neblig, freudlos. Kein Drama, kein Pathos – einfach Sinnlosigkeit und Entzug von Wärme, Licht und Ehre.
In der griechischen Unterwelt ist der eigentliche Horror oft der Asphodel-Grund: kein Leid, aber auch kein Sinn. Nur ein Nachleben ohne Bedeutung. Tartarus ist die Ausnahme, nicht die Regel.
Die Azteken mit Mictlan schicken fast alle dorthin – nicht als Strafe, sondern als beschwerliche Reise voller Prüfungen. Tod ist hier kein moralisches Urteil, sondern ein Prozess.
In Buddhismus und Hinduismus (Naraka) gibt es zahllose Höllen, fein abgestimmt auf konkrete Verfehlungen – zeitlich begrenzt, aber extrem. Fast schon bürokratisch grausam.
Und in China wird das dann konsequent weitergedacht: zehntausende Richter, Ebenen, Strafen, Verwaltungslogik. Hölle als kosmisches Amt.
Unterm Strich:
Die Hölle ist fast immer das, wovor eine Kultur am meisten Angst hat.
Isolation, Kälte, Bedeutungslosigkeit, Kontrollverlust, ewige Wiederholung, Leere.
Und ja, moralisch ist das Ganze oft sehr praktisch gedacht:
Sei brav, bleib Bauer, zahl deine Abgaben, hör auf die richtige Autorität – dann musst du da nicht hin.
Hölle funktioniert erstaunlich gut als pädagogisches Druckmittel.
Gunthar:
--- Zitat von: Luxferre am 26.12.2025 | 22:30 ---Aber was war denn nun Dein Einfall?
--- Ende Zitat ---
Violetter Himmel ohne Sonne, schwarze, zum grossen Teil unfruchtbare Erde, giftige Pflanzen und nur wenig Nahrung und brauchbare Ressourcen. Nur an wenigen Orten kann man richtig leben und um die tobt ein ewiger Krieg so ähnlich wie in Warhammer Fantasy. Wer in dem Krieg stirbt, wird sofort respawnt und weiter gehts.
Chaos:
--- Zitat von: Gunthar am 27.12.2025 | 16:40 ---Violetter Himmel ohne Sonne, schwarze, zum grossen Teil unfruchtbare Erde, giftige Pflanzen und nur wenig Nahrung und brauchbare Ressourcen. Nur an wenigen Orten kann man richtig leben und um die tobt ein ewiger Krieg so ähnlich wie in Warhammer Fantasy. Wer in dem Krieg stirbt, wird sofort respawnt und weiter gehts.
--- Ende Zitat ---
Kampf ohne Ende mit automatischer Wiederbelebung wäre nicht für jeden wirklich eine Strafe.
nobody@home:
--- Zitat von: Chaos am 27.12.2025 | 16:44 ---Kampf ohne Ende mit automatischer Wiederbelebung wäre nicht für jeden wirklich eine Strafe.
--- Ende Zitat ---
"Willkommen in Fort Walhalla, Soldat!" >;D
Meine ganz persönlichen Höllenvorstellungen eignen sich praktisch per Definition nicht wirklich als Orte, die man im Spiel mal so eben aufsuchen und dann insbesondere auch wieder den Weg zurück finden könnte -- da spielen dann so nette Ideen mit hinein wie Isolation und Handlungsunfähigkeit mitten in der einen oder anderen Art von Nichts auf buchstäblich ewig ohne auch nur die Möglichkeit, der eigenen Weiterexistenz wenigstens ein Ende setzen zu können, und das schließt Besucher einigermaßen von vornherein aus (denn die würden ja wenigstens kurzfristig Abwechslung bedeuten). So was würde also höchstens als ausweglose finale Falle für leichtsinnige Neuankömmlinge taugen, Spielercharaktere eingeschlossen...
...und verglichen damit sind einfach "nur" feindselige mythische Unterwelten und andere Dimensionen zumindest in gewisser Hinsicht auch eigentlich bloß Pipifax. Insbesondere in einer Kampagne, in der es dann bloß den richtigen Weg, einen passenden Zauberspruch, oder sonst etwas in der Art braucht, um dort einigermaßen bequem und sicher hinein und auch wieder herauszukommen.
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