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Beobachtung in Blogs, Rezensionen usw.: Warum geht es nicht ohne Abwertung?
YY:
--- Zitat von: Zed am 27.03.2026 | 11:19 ---Wer zum Beispiel nicht-tödliche Systeme grundsätzlich blöd findet, aber ein Spiel rezensiert, in dem nur selten SC-Tode stattfinden, darf das dem System nicht vorhalten finde ich.
Falsch wäre auch, den persönlichen Systemgeschmack rhetorisch zu einem Standard zu erheben und diesen erfundenen Standard dann als vorgeblich allgemein gültigen Bezugsrahmen für „Rezensionen“ zu nutzen.
--- Ende Zitat ---
Wenn man hinsichtlich der eigenen Kriterien transparent ist und die Kritik dann auch ausformuliert, ist das immer noch zu gebrauchen - ich habe schon Zeug aufgrund von Verrissen gekauft, weil ich wusste, wie der Rezensent tickt und dieser sehr genau beschrieben hat, was ihn warum stört.
Da braucht sich meinetwegen auch keiner was abhalten mit "ich finde/meinem Eindruck nach" etc., sondern kann gerne sagen "so und so ist das". Dass das eine subjektive Bewertung ist, weiß ich doch sowieso.
Wo Kritikpunkte aber erst gar nicht mehr richtig beschrieben werden (nach dem Prinzip "wir wissen ja eh alle, dass das in der Form schlecht ist") und man sich in der pauschalen Herabsetzung verliert...da wirds dann tatsächlich rundum unbrauchbar.
korknadel:
--- Zitat von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 27.03.2026 | 11:31 ---Wieso "musst du dich irgendwie in der Masse der Filmschauenden einordnen"?
--- Ende Zitat ---
Das ist ein Automatismus, sobald man sich des eigenen Geschmacks bewusst wird. Das passiert während dieses Prozesses:
--- Zitat von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 27.03.2026 | 11:31 ---Ich selber verspüre das eigentlich gar nicht, ich nehme nur zur Kenntnis, dass anderen Leuten Dinge gefallen, die mir nicht gefallen.
--- Ende Zitat ---
Zu dieser Kenntnisnahme gehört, dass man in irgendeiner Form -- und sei es nur für sich -- ausformuliert, was einem nicht gefällt, das anderen gefällt. Das sieht bei Dir dann zum Beispiel so aus:
--- Zitat von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 27.03.2026 | 10:43 ---Ich persönlich kann mit Warhammeresker Grimdarkigkeit relativ wenig anfangen, und verdrehe innerlich die Augen, wenn mir ein System begegnet, das diese Schiene bedient.
--- Ende Zitat ---
Alle Warhammerfans im Tanelorn wissen nun, dass du über ihre Vorlieben die Augen verdrehst -- innerlich, aber immerhin. Drüben hast Du bekundet, was Du von den Hobbit-Filmen hältst, die ich kürzlich mit Vergnügen noch einmal gesehen habe. Ich würde fast behaupten, dass Geschmack gar nicht existiert, wenn er nicht auch formuliert wird, und eine solche Formulierung kann eben nicht geschehen, ohne dass man Negatives sagt oder Augenverdrehen bekundet.
--- Zitat von: KWÜTEG GRÄÜWÖLF am 27.03.2026 | 11:31 ---Irgendwie den Geschmack der anderen abzuwerten, um den eigenen Geschmack zu rechtfertigen - da muss man sich aber seines eigenen Geschmacks sehr unsicher sein.
Und irgendwie steckt in dem Ganzen dann die Idee drin, dass der Wert einer Person irgendwie von ihren Geschmäckern abhängen würde, und das ist doch Blödsinn.
--- Ende Zitat ---
Auch das ist doch zwangsläufig: Wenn mir einer gegenüber sitzt, der von Winter Soldier schwärmt, und ich sage, dass da brillante Schauspieler*innen für reine Posen verheizt wurden und viel zu lange, viel zu vorhersehbare Actionszenen alles andere erdrücken, dann stecken da auf beiden Seiten natürlich Wertungen auf ganz vielen Ebenen drin. Oder nennen wir es statt Wertungen: inneres Augenverdrehen. Dass damit aber gleich Personen abgewertet würden, das liest Du hinein.
Weltengeist:
Hmm... vieles schon geschrieben, nur noch nicht von mir...
Ich erkläre mir das so. Zunächst mal gilt bei den meisten Leuten Hanlons Gesetz: Die machen das nicht aus Bosheit, sondern weil sie das wirklich glauben. Und das reicht als Erklärung für das Bashen von Andersdenkenden auch völlig aus. Das Gehirn stellt dabei (so küchenpsychologisch) folgende Überlegungen an:
"Ich mag OSR. Und weil ich ein toller, intelligenter, reflektierter und geschmackssicherer Mensch bin, bedeutet das, dass OSR toll ist. Daraus folgt, dass das Gegenteil von OSR - etwa die 5E - nicht toll sein kann. Denn alles andere würde ja bedeuten, dass ich doch nicht so toll, intelligent, reflektiert und geschmackssicher bin."
Das erzeugt (unterbewusst) eine kognitive Dissonanz - ein Gefühl des Unwohlseins, das das Gehirn jetzt im Grunde auflösen könnte, indem es sich ein differenzierteres Weltbild zulegt. Das wäre aber mit ziemlich viel Aufwand verbunden (sowohl beim Umbau der zugehörigen neuronalen Strukturen als auch bei deren Anwendung in der Zukunft - 'einfach' ist billiger und oft ähnlich erfolgreich), also geht es den einfacheren Wert und bestätigt die eigene Großartigkeit, indem es Argumente gegen die abweichenden Meinungen findet und idealerweise auch noch Leute, die diese bestätigen.
Das Phänomen erleben wir natürlich nicht nur bei Rollenspielen, sondern eigentlich bei allem, wozu wir uns ein mentales Modell machen. Von politischen Überzeugungen über "Rings of Power" und Flat-Earth-Community bis zu diversen Tanelorn-Diskussionen. Wann immer wir mit Meinungen konfrontiert werden, die von unserer bisherigen abweichen, neigen wir instinktiv dazu, diese abzuwerten, weil die Alternative entweder Unzufriedenheit ("Ich bin gar nicht so schlau, wie ich dachte") oder viel Arbeit fürs Gehirn ("Scheiße, wieder alles umbauen") bedeuten würde. Et voilà - alle doof außer ich! ^-^
flaschengeist:
--- Zitat von: Weltengeist am 27.03.2026 | 12:14 ---...
--- Ende Zitat ---
Eine so schöne Erklärung der Dissonanztheorie habe ich selten gelesen :d. Ich möchte ergänzen, dass dieses Phänomen jedoch kein Selbstzweck ist sondern eine Funktion hat, nämlich unsere psychische Grundbedürfnisse zu stärken bzw. deren Frustration zu vermeiden. Implizit kommt das in deiner Erklärung auch schon vor, "toller, intelligenter..." verweist nämlich auf das Grundbedürfnis nach Selbstwertschutz und -erhöhung.
Raven Nash:
Wobei man noch ergänzen sollte, dass die moralische/intellektuelle/etc. Überlegenheit durch die Sozialen Medien massiv aufgeblasen wird/wurde, weil eben jeder Idiot genug Leute findet die ihm applaudieren, egal welchen Mist er verzapft.
In früheren ZeitenTM fehlte das, wodurch die Leute doch eher auf dem Teppich blieben, was den Wert ihrer Ansichten angeht.
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