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Funktionierender Sozialismus
nobody@home:
Grundsätzlich hat "Sozialismus" ja auch noch ein wenig den Nachteil, daß er gar nicht recht einheitlich definiert ist. Okay, soziale Gerechtigkeit für alle und Schluß mit der Ausbeutung und Kleinhaltung dieser und jener gesellschaftlichen Klassen durch diese und jene andere -- darauf dürften sich zumindest viele bekennende Sozialisten noch einigen können. Der Teufel liegt dann eben "nur noch" im Detail, insbesondere bei der konkreten Umsetzung, wenn man gleichzeitig immer noch nur endliche Ressourcen hat... 8]
Aber ja, mit dem klassischen zweifelhaften Rollenspiel"helden" aus Gier und/oder Geltungsbedürfnis beißt sich das schon aus rein weltanschaulichen Gründen. Ein funktionierendes sozialistisches Setting braucht Protagonisten, die ihr Ego zumindest Pi mal Daumen eben nicht über die Bedürfnisse der Gemeinschaft stellen, denke ich; das ist aber, wenn man erst mal als Spieler bereit ist, sich darauf einzulassen, gar keine so große Herausforderung mehr.
WeepingElf:
--- Zitat von: Sashael am 2.04.2026 | 11:26 ---Anmerkung: Ein sozialistisches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwertragenden Herumtreiber.
--- Ende Zitat ---
Auch ein mittelalterliches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwerttragenden Herumtreiber! Schwerter waren teuer, die konnten sich nur Adlige leisten. Pferde waren auch nicht billig; wer ein Pferd hatte, hatte zumindest Geld.
--- Zitat von: Sashael am 2.04.2026 | 11:26 ---Ich finde die Überlegungen, welche Sachen aus D&D in so einem Setting nicht funktionieren, ziemlich müßig.
--- Ende Zitat ---
Zumal die meisten Sachen aus D&D dermaßen unrealistisch sind, dass sie in keinem einigermaßen realistischen Setting funktionieren! Wenn es etwa so viel und so billige Magie gibt, dass es magiekundige Herumtreiber gibt, warum wird die dann nicht in großem Stil eingesetzt, um Wirtschaftsgüter aller Art zu produzieren und den Lebensstandard der Bevölkerung (oder zumindest der herrschenden Klasse) zu heben? Eine Gesellschaft, in der es so viel Magie gibt, sähe ganz anders aus als das mittelalterliche Europa. (Aber die typische D&D-Welt sieht auch nur bei oberflächlicher Betrachtung aus wie das mittelalterliche Europa. Da gab es ja auch keine schwerttragenden oder magiebegabten Herumtreiber. Herumtreiber gab es, aber sie waren bitterarm und verachtet, und niemand rief sie zur Hilfe, wenn es Probleme gab.)
--- Zitat von: Sashael am 2.04.2026 | 11:26 ---Die utopische Literatur des Ostblocks beinhaltete jede Menge Abenteuer, die eben abseits der kapitalistisch geprägten Motivationen. Wenn man tatsächlich in so einem Setting spielen will, sollte man vielleicht etwas Literatur lesen, die sich damit beschäftigt.
Macht man bei HdR & Co ja auch.
--- Ende Zitat ---
Ja.
--- Zitat von: nobody@home am 2.04.2026 | 11:37 ---Grundsätzlich hat "Sozialismus" ja auch noch ein wenig den Nachteil, daß er gar nicht recht einheitlich definiert ist. Okay, soziale Gerechtigkeit für alle und Schluß mit der Ausbeutung und Kleinhaltung dieser und jener gesellschaftlichen Klassen durch diese und jene andere -- darauf dürften sich zumindest viele bekennende Sozialisten noch einigen können. Der Teufel liegt dann eben "nur noch" im Detail, insbesondere bei der konkreten Umsetzung, wenn man gleichzeitig immer noch nur endliche Ressourcen hat... 8]
Aber ja, mit dem klassischen zweifelhaften Rollenspiel"helden" aus Gier und/oder Geltungsbedürfnis beißt sich das schon aus rein weltanschaulichen Gründen. Ein funktionierendes sozialistisches Setting braucht Protagonisten, die ihr Ego zumindest Pi mal Daumen eben nicht über die Bedürfnisse der Gemeinschaft stellen, denke ich; das ist aber, wenn man erst mal als Spieler bereit ist, sich darauf einzulassen, gar keine so große Herausforderung mehr.
--- Ende Zitat ---
Zweifellos gibt es keine einheitliche Definition von Sozialismus. Deshalb gibt es ja auch divergierende Strömungen, die für sich in Anspruch nehmen, "Sozialisten" zu sein. Aber die klassische Rollenspiel-Abenteurergruppe beißt sich mit den meisten davon, wie Du schon richtig sagst.
Nun zu einem meiner eigenen Projekte, das mir an dieser Stelle relevant zu sein scheint: Ich habe ein Setting in Arbeit, in dem es in der Antike (etwa um 600 v. Chr.) eine Hochkultur auf den Britischen Inseln gab, auf die die keltischen und germanischen Überlieferungen von Elben (woraus Tolkien schöpfte), die griechische Überlieferung von Hyperborea und vielleicht auch Atlantis zurückgehen. Diese "Elben", die natürlich nur ganz normale Menschen waren, hatten eine demokratische Regierungsform und ein Wirtschaftssytem, das man vielleicht als "liberalen Sozialismus" bezeichnen könnte. Die Idee ist, dass die Produktionsmittel den Werktätigen gehören sollen, entweder individuell (kleine Familienbetriebe) oder kollektiv (größere Genossenschaftsbetriebe). Jeder hat das Recht, gemäß seinen Fähigkeiten und Neigungen unternehmerisch tätig zu sein; niemand hat das Recht, andere auszubeuten. Es gibt keine zentrale Planung, sondern eine Marktwirtschaft. Ich weiß jetzt nicht, ob das noch Sozialismus ist, vielleicht sollte ich einfach von "Wirtschaftsdemokratie" sprechen.
Boba Fett:
Ich würde auch "Star Trek Adventures" nennen wollen.
"Live long and prosper, Genosse!" ;)
Ansonsten bin ich der Meinung, dass Planwirtschaft ein nicht funktionierendes Konzept ist.
(Klicke zum Anzeigen/Verstecken)Mein Gegenkonzept wäre, ein kapitalistisches System für Kleinunternehmen, 50% staatliche Beteiligung (und Einflussnahme) für mittlere Unternehmen und Planwirtschaft und Verstaatlichung von großen Unternehmen.Abgesehen davon ist es immer die Tendenz einzelner Individuen, die Schwachpunkte eines Systems (egal welches, und jedes hat Schwachpunkte) zur eigenen Vorteilsnahme / Bereicherung / Machtgewinn auszunutzen. Gier ist eine nicht ausrottbare Schwäche der Menschen und gleichzeitig eine wichtige Antriebsfeder.
Ansonsten müsste man ein Setting erdenken, dass sich genau dieser Probleme annimmt und vielleicht die Abenteuer um die Bewältigung genau dieser Probleme und derer, die aus ausserhalb liegenden einwirkenden Einflüsse resultierern. Und huch, schon sind wir wieder bei Star Trek...
Gibt es Star Trek als Fantasy Setting?
Lichtschwerttänzer:
Auch ein mittelalterliches Setting beinhaltet mit ziemlicher Sicherheit keine schwerttragenden Herumtreiber!
Landlose Ritter, Söldner - Landsknechte kamen übrigens eher aus der Mittelschicht
siehe Weiße Kompagnie
Mr. Ohnesorge:
--- Zitat von: blackris am 2.04.2026 | 11:35 ---Es gibt doch Star Trek Adventures!
Habe ich noch nicht gespielt, stelle ich mir aber spaßig vor.
--- Ende Zitat ---
Und einige Habitate/ Settings-im-Setting von Eclipse Phase. Die sind durchaus antikapitalistisch/ sozialistisch angelegt, aber mit der an sich logischen Erkenntnis, dass selbst in solchen Kollektiven eine Ressourceungleichheit da ist: beim Thema Reputation/ Prestige/ sozialem Kapital.
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