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[Star Trek] Welche Gesellschaftsstruktur hat die Erde?

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Sashael:

--- Zitat von: Maarzan am 29.06.2026 | 11:39 ---Ich fürchte bei dem Worldbuilding zur Wirtschaft läuft es auf "Storyismus"  hinaus - es gilt, was ein Schreiber gerade braucht mit maximaler einer dünnsten Schicht Erklärung.

--- Ende Zitat ---
This.

Wenn man versucht, da tiefer einzudringen, fällt das alles ziemlich schnell in sich zusammen.
Die Weingute der Picards und Boimlers scheinen ja keine Kommunen zu sein, sondern tatsächlich den Familien zu gehören. Und sie beschäftigen Angestellte. Auf nem Weingut zu arbeiten ist jetzt aber auch kein Job, um den sich jeder reißen würde, wenn es da keine Kompensation für die geleistete Arbeit geben würde.

Holothuroid:
Es gibt Federation Credits. Crusher nutzt die in Mission Farpoint, um eine Stoffbahn zu erwerben.

Die Ferengi sind auch nicht wirklich Kapitalisten, wie wir sie heute haben. Anscheinend sind in deren Wirtschaftsmodell die allermeisten Unternehmungen inhabergeführt. Jemand hat ein Schiff und nutzt es, zum Handeln oder für Piraterie. Jemand hat eine Cola-Fabrik oder handelt Waffen oder hat eine Bar. Das kann zugeben auch daran liegen, dass die Autoren unseren aktuellen Kapitalismus nicht so ganz begriffen haben, aber im Ergebnis wirkt es recht betulich im Vergleich.

Was die Erdgesellschaft angeht, gibt es ein paar Dinge, die offenbar nicht unbegrenzt zu haben sind: Raumschiffe und Land. Land scheint in zumindest in gewissem Rahmen erblich zu sein. Raumschiffe bekommt man als Privatperson nicht so leicht. Laut DS9 ist auch die Verwendung des Transportersystems rationiert.

Die Aussage, dass es "kein Geld" gebe, lässt unser Erklärbär Picard in The Neutral Zone gegenüber Ralph Offenhouse fallen, der seine Anlagen checken will. Wenn wir das operationalieren, gibt es mindestens kein Geld in dem Sinne, dass Offenhouse seine Anlagen checken kann. Wenn es eine Währung gibt, kann man sie jedenfalls nicht für Zinsen auf unbegrenzte Zeit zur Bank bringen. Denkbar wäre z.B. ein System aus Regionalwährungen oder Vereinen. D.h. Restaurant Sisko nimmt New Orleans Regio Dollar oder so etwas, woran Papa Sisko und seine Mitarbeiter verdienen. Womöglich akzeptieren die auch mehere komplementäre Währungen.


--- Zitat von: General Kong am 29.06.2026 | 12:15 ---Gibt es eingentlich eine Folge, wo es auf der Erde zu politischen Zerwürfnissen oder Krisen kommt, die definitiv nichts mit Borgs o.ä. zu tun haben, sondern innerweltlich? Die gehen doch nur zum Ausspannen da hin, oder?

--- Ende Zitat ---

Paradise Lost. Das ist aber eher politisch-militärisch als ökonomisch und ist aus anderen Gründen eine Dose Sandwürmer.

nobody@home:

--- Zitat von: General Kong am 29.06.2026 | 12:15 ---Ohne dass ich Star Trek-Experte wäre (weit davon!) ist die Erde da einfach ein Idyll, wo man gut und gerne lebt und jeder machen kann, was er will und alles im Überfluss vorhanden ist - wahrscheinlich auch Luxusappartments mit Blick auf den Eifelturm, Weinberge und Luxusrestaurants. Und alle arbeiten so vor sich bin, wie sie mögen und mit Lust.
--- Ende Zitat ---

Wenn ich zynisch sein wollte, könnte ich mir ja überlegen, daß wir bei Star Trek in der jeweiligen Settinggegenwart überhaupt nur die Erde der "wichtigen" Leute (Sternenflottenpersonal und aufwärts) zu sehen bekommen -- insbesondere fallen mir spontan keine Orte abseits von Nordamerika oder Europa ein, die irgendeine Show oder ein Film irgendwann besucht hätte. Wer sagt uns also, daß die Leute, die im Setting vom großen Fortschritt und der Abschaffung der Geldwirtschaft erzählen, nicht schon die ganze Zeit selbst in ihrer eigenen Luxusblase leben und diese als so selbstverständlich betrachten, daß sie eventuell auf Erden immer noch bestehende Mißstände schon gar nicht mehr auf dem Schirm haben oder alternativ so richtig Erste-Direktive-mäßig als "Das ist halt die Kultur dieser Leute, die könnten anders, wollen aber nicht, und da mischen wir uns auch nicht ein!" vor sich selbst weghandwedeln? (Daß es solche Verhaltensweisen im größeren Star-Trek-Universum allemal gibt, zeigen diverse Folgen ja gerade recht unverblümt...)

Wohlgemerkt, ein bißchen Utopie will ich schon auch und entsprechend ist der obige Absatz mehr als Verschwörungstheorie zu verstehen...aber daß man schon um die Frage "Ist das, was uns im Setting als 'die Erde' präsentiert wird, eigentlich wirklich repräsentativ?" herum so relativ leicht eine spinnen kann, mag aufzeigen, daß wir tatsächlich relativ wenig Konkretes wissen.

Prisma:

--- Zitat von: nobody@home am 29.06.2026 | 12:54 ---Wer sagt uns also, daß die Leute, die im Setting vom großen Fortschritt und der Abschaffung der Geldwirtschaft erzählen, nicht schon die ganze Zeit selbst in ihrer eigenen Luxusblase leben und diese als so selbstverständlich betrachten, daß sie eventuell auf Erden immer noch bestehende Mißstände schon gar nicht mehr auf dem Schirm haben oder alternativ so richtig Erste-Direktive-mäßig als "Das ist halt die Kultur dieser Leute, die könnten anders, wollen aber nicht, und da mischen wir uns auch nicht ein!" vor sich selbst weghandwedeln? (Daß es solche Verhaltensweisen im größeren Star-Trek-Universum allemal gibt, zeigen diverse Folgen ja gerade recht unverblümt...)

--- Ende Zitat ---
Hochinteressanter Gedanke! Man stelle sich vor, autokratische Staaten auf der Erde hätten sich nicht angeschlossen, natürlich damit die Autokraten Autokraten bleiben können, und dann isolierte Zonen des Rückschritts bilden. Sowas wie Nordkorea hätte dann vielleicht sogar bodengestützte Raumfahrttechnik, könnte aber nicht in den Raum, weil dass dann Föderationsraum wäre... :o

First Orko:
Welche Erde? Die TOS-Erde, die sich Gene Roddenberry (vermutlich) so gewünscht hat? Der hatte ja durchaus recht idealistisch-humanistische Ideale, von denen sich die Autor·innen allmählich zumindest teilweise immer mehr verabschiedet haben.
Oder die etwas ambivalentere Next Generation-Erde?
Oder die Star Trek: Picard - Erde, welche die Utopie schon deutlicher aufbricht und auf eine 2-Klassen-Gesellschaft hindeutet?
Oder die Spiegeluniversums-Erde?
Oder die First Conctact - Borg haben gewonnen-Erde?  ~;D

Im Wesentlichen läuft es wohl doch darauf hinaus:


--- Zitat von: Maarzan am 29.06.2026 | 11:39 ---Ich fürchte bei dem Worldbuilding zur Wirtschaft läuft es auf "Storyismus"  hinaus - es gilt, was ein Schreiber gerade braucht mit maximaler einer dünnsten Schicht Erklärung.

--- Ende Zitat ---

Vielleicht mag man dem einen oder anderen Autor·innen-Team zugute halten, dass sie ein paar alte Episoden mal geguckt und querreferenziert haben. Aber Konsistenz sucht man da vergeblich.
Ich persönlich fand den Gedanken reizvoll, dass wir tatsächlich den reinen Kapitalismus/Konsumismus überwunden hätten, indem all das, was man heutzutage so in seine Bude stellt bequem replizieren kann. Wer also einfach nur bequem leben und zum Beispiel seine Familie aufziehen will ohne mit Erwerbstätigkeit, Betreuung, Transport, Vebrauchswaren in ständig änderden Größen usw. jonglieren zu müssen, der kann das tun. Quasi Sozialismus mit funktionierender Produktion und guter Qualität.

Darüber hinaus geht es dann um Selbstverwirklichung und Individualisierung: Wer das Bedürfnis hat, irgendwie herauszustechen (sei es mit Besitz oder mit Ruhm) der sucht sich einen Bereich, wo er selbst etwas schafft (baut also Wein an, kocht oder sowas) oder geht zur Sternenflotte, verdient sich damit (Sozial- oder Konsum-)Credits und kauft sich ECHTHEIT.

Eine Rollenspielsammlung mit ALLEN jemals erschienenen DnD-Werken? Easy, kann man sich replizieren. Aber auf ECHTEM Papier gedruckt und in ECHTE Holzregale (beides durch Geruch identifiziertbar) gestellt...? DAS muss man dann bezahlen. Wem also Status wichtig ist, der muss dafür was tun. Wer genügsam ist kann dafür aber besser leben als die Armen in heutigen Industrieländern.

Gemessen an dem, wo sich unsere Welt gerade hinbewegt, wäre das auch meine Wunscherde denk ich. Man darf auch nicht vergessen, dass sich die Bevölkerung auch drastisch reduziert hat, auch wenn glaub ich nie gesagt wird, wie sie sich nach First Contact wieder entwickelt  :think: Das heißt das Thema Ressourcen, Energie und Nachhaltigkeit kann man mit dem Technologiesprung gut in den Griff kriegen was dann diverses Konfliktpotential gar nicht erst entstehen ließe.

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