Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
These: Nischen-Systeme werden selten so gespielt wie sie designed wurden
Radulf St. Germain:
Das stimmt - OSR-Klon 11 ist nicht so anders als Klon 10, da kann ähnliches passieren.
Ich will übrigens auch nicht sagen, dass man "große Systeme" nicht falsch spielen kann. Aber in diesem Bereich findet man eher Leute mit System Mastery. Bei dem "Hot Game of the Week" eher selten. Aber gerade weil diese Spiele oft (nicht immer) wirklich neue Ansätze präsentieren wäre es doch schön, diese auch zu sehen. Und wenn sie schlecht sind - dann hat man es halt mal probiert, ehrlicherweise landen viele dieser Spiele schnell auf dem Haufen der ungespielten Ballastsysteme auf der Festplatte oder im Regal.
Galatea:
--- Zitat von: Radulf St. Germain am 31.07.2026 | 22:13 ---Wie komme ich also zu dieser These? Verschiedene Anlässe aber gerade habe ich "Brindlewood Bay" durchgelesen. Ein Spiel, dass ich als Cozy Crime kenne. Alle Erzählungen von Freunden sind Cozy Crime. Einen Freund gefragt: "Kommt da nicht auch Cosmic Horror vor?" - "Ne, nur ganz am Rande und eher optional!"
WTF? Auf der ersten Seite gleich die Warnung, dass Leute, die nicht mit Horror umgehen können, das Buch gleich wieder weglegen sollten. :o
Das ist so als würde jemand sagen "Pride and Prejudice and Zombies" ist ein Jane Austen Rollenspiel. Ja, ABER MIT ZOMBIES! ;D
--- Ende Zitat ---
Ist das nicht völlig normal?
Ratten! ist prinzipiell auch ein brutales Horror-Rollenspiel mit viel Blut und hoher Charaktersterblichkeit, ich hab das aber öfter als cozy game oder ganz 'normales' RPG gespielt, als wie vorgesehen.
Man muss nicht jedes Spiel wie vorgesehen spielen, letztlich ist es an einer Gruppe, das System zu 'ihrem eigenen' zu machen (das erfolgt oft schrittweise und über längere Zeit).
Paradebeispiel D&D (heute auch sicher noch, aber ganz extrem zu 3.x-Zeiten) wurde von praktisch keiner Gruppe rules-as-written gespielt - im Prinzip hatte jede einzelne Gruppe ihr eigenes Regelsetup, bei dem verschiedene Teile der Regeln ignoriert, modifiziert oder erweitert wurden. Und dann kamen meist noch Homebrew-Monster usw. oben drauf.
Kommt natürlich auch darauf an, wie das Setting und das Regelwerk aufgesetzt ist - wenn sich das ohnehin schon nah am EDO-Standard oder D20-Mechaniken befindet, dann lädt das die SL/Spielys natürlich geradezu ein, es so zu verändern, dass es sich vertrauter anfühlt und näher an das rückt, was sie schon kennen.
Funktioniert es ganz anders, ist die Notwendigkeit sich näher damit zu beschäftigen deutlich höher, das gilt dann aber halt auch für die Einstiegshürde.
Kurna:
Ich gehöre auch zu denen, die sagen, dass eigentlich alle Systeme oft anders gespielt werden als von den Designern vorgesehen. Was aber mE nicht (in erster Linie) daran liegt, dass es nicht richtig gelesen wird, sondern weil es normal und sinnvoll ist, es an den eigenen Geschmack anzupassen. Rollenspiele sind nichts anderes als Vorschlagslisten, aus denen sich die Gruppe aussucht, welche davon sie übernimmt und welche nicht (oder nur in abgeänderter Form). Was ja auch logisch ist, den Rollenspiele haben den Zweck, Spaß zu machen. Und was ihnen Spaß macht, weiß die gruppe mit Sicherheit besser als irgendein Ulrich oder Gary.
Gondalf:
--- Zitat von: Runenstahl am 31.07.2026 | 23:08 ---Wurde beim (alten ?) DSA wirklich regelmäßig geprüft ob der Krieger die nötigen Papiere hat um seinen Zweihänder schwingen zu dürfen ?
--- Ende Zitat ---
Na sicher, wenn der Ork-Häuptling nach dem (beim Schiffbruch verlorenem ) Kriegerbrief fragt, weil man sich sonst der Amtsanmaßung nach Reichsgesetz 438, Absatz 5, Raul Buch 3, schuldig macht… und die Spieler schon 2,3 Bier intus haben…
Da kommt richtig Stimmung auf! Und hoffentlich hat der Zuckerbäcker Rechtskunde über 9, der musste ja auch in Gareths Bürokratie lernen.. >;D
Boba Fett:
Ich sehe ein Problem darin, dass man echte Systembeherrschung im Rollenspiel eigentlich nur dann erreicht, wenn man entweder ein supersimples System spielt, das äußerst wenig Extras (Feats oder so) bietet, oder dass man viel Zeit investiert, damit sich die gesamte Gruppe einarbeitet.
Das gilt insbesondere, wenn man neben Rollenspiel auch noch Zeit in andere Dinge (Familie, Job, "Leben", ...) investieren muss und will.
Die Leute, die sich ein Rollenspiel von der Komplexität von Splittermond, Pathfinder oder ähnliches kaufen und dann nach 1-2 Wochen Einarbeitung und 2-3 Abenteuern das gesamte System (inklusive aller Optionen und vielleicht auch noch einiger Zusatzbücher) vollständig inklusive Synergien, die durch mehrere Charaktere entstehen, überblicken, die sind doch eine Ausnahme.
Also kann man sich entweder Zeit nehmen und sich für längere Zeit in ein System investieren oder man stümpert erst einmal ein wenig herum und wird langsam besser.
Wenn man dann aber hin und wieder mal Neues ausprobieren möchte, kann das doch gar nicht vollständig "by-the-book" sein. Entweder man lässt sich auf "Rulings over Rules" ein, oder man recherchiert während der Spielsitzung ständig nach Spielregeln.
Und das ist proportional zur Komplexität des Regelwerkes.
Und hier haben inkrementelle Systeme (wo die Komplexität mit der Verbesserung der Charaktere wächst [D&D5 ist da ein gutes Beispiel]) natürlich Vorteile gegenüber Systemen die von Anfang mit allen Optionen aufwarten (viele Point Buy Systeme wie Shadowrun sind hier ein Beispiel). Der Nachteil der inkrementellen Systeme ist allerdings, dass sie sich Anfangs vielleicht ganz nice spielen lassen, später aber extrem inbalanced oder unnötig kompliziert werden.
Und insofern stützt das natürlich die These, dass die meisten Rollenspieler Nischen-Systeme, die mit einer gewissen Komplexität aufwarten, nur "irgendwie" spielt, weil man sie eigentlich nicht lang genug zockt, da sie zu nischig für echtes Investment sind. (Ob Daggerheart dazu gehört, wird die Zeit zeigen.)
Wer natürlich nur supersimple Systeme anspielt, der kann auch Systembeherrschung "on the fly" schaffen...
Ach, wo sind die Jahre hin, wo man sich auch einfach mal die ganzen Semesterferien damit beschäftigen konnte ein Rollenspiel durchzuarbeiten und mit seinen Kumpels zu zocken und immer noch Zeit genug für "anderes" hatte... ;)
Für meine Runde, die gerade Symbaroum spielt und das auch noch eine Weile ("Kampagne") machen wird, resultiert aus dieser Erkenntnis die Frage, ob wir danach nicht wieder Midgard 5 spielen. Einfach, weil Spielleiter & 2 von 4 Spielern die Regeln kennen, weil wir das System ja ein paar Jahre lang gespielt haben.
Ich hätte eigentlich richtig Lust zu Daggerheart und hypothetisch auch zu Warhammer - Enemy Within. Warhammer hätte den Vorteil, dass wir "nur" die Regeln lernen müssten, ich aber eine lange Kampagne hätte, wo ich mich beim Spielleiten auf Kaufabenteuern "ausruhen" kann. Daggerheart klingt megainteressant, aber da kommt "Kampagne" plus "Regelbeherrschung" zusammen. Bei Midgard kennen wir das System gut UND haben noch einige Kaufabenteuer - und meistens hab ich nach einigen davon auch eine Vorstellung davon, wo die Reise (aka "Kampagne") hingeht.
Das wird natürlich gemeinsam entschieden, aber insofern erst einmal ein "Danke" an den Themenstarter für dieses Thema...! :d
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