Pen & Paper - Spielsysteme > Systemübergreifende Themen
These: Nischen-Systeme werden selten so gespielt wie sie designed wurden
Colgrevance:
Ich würde das genau anders herum vermuten:
Nischenrollenspiele bedienen mit ihren Regeln häufig eine ganz spezielle Spielweise, was ihre Core Story bzw. Aspekte wie Thema/Tonalität/Tödlichkeit/etc. angeht, und machen dies auch viel häufiger explizit als Mainstreamspiele. Daher sind meiner Erfahrung nach die Regeln dort häufig besser auf diese spezielle Core Story zugeschnitten, und Spieler kaufen (und spielen später) das Spiel eher mit einer dazu passenden Erwartungshaltung- haben somit weniger Bedürfnis, die Regeln eigens anzupassen.
Mainstreamspiele legen sich ja oft gar nicht so fest, was denn ihre Core Story ist bzw. wo und was man eigentlich mit ihnen spielen kann. Daher ist eine mehr oder weniger große Anpassung bei ihnen fast schon notwendig.
Dass es Leute gibt, die Regeln nicht lesen oder allem ihre eigenen Präferenzmuster überstülpen, dürfte für beide gleichermaßen gelten. Ich sehe nicht, warum Nischenspiele für sowas anfälliger sein sollten.
Boba Fett:
Ich denke, dass es natürlich extrem nischige Systeme gibt, die extrem selten Anwendung finden. Das Wrestling Rollenspiel dürfte zum Beispiel eines sein.
Und generell sind unterschiedliche Genres unterschiedlich stark beliebt und werden dementsprechend unterschiedlich oft Kunden finden.
Superhelden kann man in Deutschland als Rollenspiel vergessen - SciFi ist auch wenig erfolgreich.
Und sicherlich werden einige Rollenspiele auch eher zum "Lesen" gekauft, andere wandern sogar gleich in Vielzahl als Sammlerobjekt ungelesen ins Regal.
Das finde ich nicht schlimm. Vor allem, wenn man sich dessen bewusst ist.
"Projektionsfläche für Wünsche aus allen Richtungen." - Das hat man doch bei jedem neuen System, das auch nur etwas mehr Aufmerksamkeit bekommt.
Hatten wir bei Savage Worlds, Fate, und was weiß ich nicht noch alles... Und hat es den Systemen geschadet? Nö. Irgendwann folgt bei einigen Ernüchterung, bei anderen vielleicht Enttäuschung und meistens wird es danach trotzdem von einer validen Zahl an Personen gespielt.
Kreggen:
ich stimme der These ebenfalls zu. Ich habe eine komplette Brindle Wood Bay Kampagne gespielt, so 15 Abende, ohne Cosmic Horror aber mit viel "Mord ist ihr Hobby". Ich leite Electric Bastionland und Mythic Bastionland so, dass die Spielenden kaum Regeln kennen müssen und mehr narrativ unterwegs sind. Ich leite Mythos World als eine Art Akte X meets Ghostbusters meets Scooby Doo und alle haben ziemlich viel Spaß damit. Bei Outgunned (und auch shcon bei Broken Compass) habe ich viele Regeln weggelassen, um das Spiel flüssiger zu gestalten.
Radulf St. Germain:
Um das nochmal klarzustellen, weil es vielleicht im "Context Drift" etwas verwässert wurde:
Jeder darf so spielen wie er will. Jeder darf Regeln ignorieren, wenn er will. Es ist aber meiner Ansicht nach schade, wenn ein Spiel interessante neue Ideen hat, die aber gar nicht wahrgenommen werden, aus welchem Grund auch immer.
EDIT: Ja, das impressionistische Rollenspiel trift es ganz gut.
Sashael:
Das dürfte bei einigen Spielen, die auf der Mainstreamwelle reiten, allerdings auch der Fall sein.
Oder wer liest sich beim drölften D&D Klon tatsächlich die Regeln exakt durch. Läuft doch eh immer gleich ab. Abgesehen davon, dass es das nicht tut. ;D
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